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Parkinson
Bei der Parkinson-Krankheit werden Nervenzellen im Gehirn geschädigt, die den Botenstoff Dopamin herstellen; typisch sind Bewegungsarmut, Muskelsteife und Zittern in Ruhe. Laut englischer Kurzfassung der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Stand 2023) kommen zu Beginn Levodopa, Dopaminagonisten oder MAO-B-Hemmer infrage, später Kombinationen, COMT-Hemmer, Amantadin, Pumpen oder eine tiefe Hirnstimulation; dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie und Sprechtherapie. Heilen lässt sich Parkinson laut IQWiG nicht, die Beschwerden lassen sich aber lindern; sehr wichtig ist eine gute ärztliche Begleitung.

Bei der Parkinson-Krankheit werden laut IQWiG Nervenzellen im Gehirn geschädigt, die den Botenstoff Dopamin herstellen; typisch sind Bewegungsarmut, Muskelsteife und Zittern [2]. Heilen lässt sich die Erkrankung nicht, wirksame Therapien können die Beschwerden aber lindern, in erster Linie Medikamente [2]. Die Empfehlungen auf dieser Seite stammen aus der veröffentlichten englischen Kurzfassung (2024) der S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN, Stand November 2023) [1].
Was ist Parkinson?
Die Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) ist laut IQWiG eine Erkrankung des Gehirns, die vor allem im höheren Lebensalter auftritt und die Bewegungsfähigkeit einschränkt [2]. Die Leitlinie empfiehlt den Begriff Parkinson-Krankheit statt "idiopathisches Parkinson-Syndrom", weil ein bedeutender Teil der Fälle durch genetische Varianten oder Umweltfaktoren verursacht wird [1]. Etwa 1 bis 2 von 1000 Menschen haben laut IQWiG eine Parkinson-Krankheit, ab 70 Jahren etwa 20 von 1000; Männer erkranken etwas häufiger als Frauen [2].
Verlauf: Erste Anzeichen können laut IQWiG lange vor der Diagnose auftreten, etwa eine nachlassende Feinmotorik, eine veränderte Schrift, Verstopfung, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen oder ein nachlassender Geruchssinn [2]. Die Beschwerden nehmen meist schleichend zu. Nach etwa 5 bis 10 Jahren verstärken sie sich oft wieder, die Wirkung der Medikamente schwankt dann stark ("Off-" und "On-Phasen"), und es kann zu unwillkürlichen Bewegungen kommen; einige Betroffene entwickeln eine Demenz [2].
Symptome
Typisch sind laut IQWiG [2]:
- Bewegungsarmut (Akinesie): Bewegungen werden langsam, der Gang zögerlich mit kurzen, kleiner werdenden Schritten; das Gesicht wirkt mit der Zeit maskenartig, das Sprechen wird leise und monoton [2].
- Muskelsteife (Rigor): Vor allem Arme, Beine und Hals können dauerhaft steif und angespannt sein; das führt oft zu Muskelschmerzen [2].
- Zittern in Ruhe (Ruhetremor): Es tritt bei den meisten Betroffenen auf und nimmt bei Bewegung ab; besonders häufig zittern die Hände [2].
Oft ist eine Körperseite stärker betroffen. Mögliche weitere Folgen sind laut IQWiG Blasen- und Verdauungsstörungen, Kreislaufprobleme, Probleme beim Sprechen, Konzentrationsstörungen und Depressionen; Gleichgewichtsprobleme erhöhen das Risiko für Stürze und Knochenbrüche [2]. Mehr: Tremor und Depression.
Ursachen und Risikofaktoren
Dopamin sorgt laut IQWiG unter anderem dafür, dass Bewegungen gesteuert werden; werden die Dopamin bildenden Nervenzellen zerstört, wird es schwieriger, Bewegungen in Gang zu setzen oder zu koordinieren. Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt [2]. Die Leitlinie empfiehlt, auf Wunsch eine genetische Untersuchung anzubieten, wenn zwei Verwandte ersten Grades oder ein Verwandter ersten und einer zweiten Grades an Parkinson erkrankt sind oder die Krankheit vor dem 50. Lebensjahr beginnt [1].
Medikamente als Ursache: Parkinson-Beschwerden können laut IQWiG auch Folge anderer Erkrankungen des Nervensystems sein; auch Entzündungen, Tumoren oder Medikamente wie Psychopharmaka können sie verursachen [2]. Mehr: Parkinson-Symptome durch Medikamente.
Diagnose
Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt laut IQWiG meist nach körperlichen Untersuchungen und einem ausführlichen Gespräch; es kann hilfreich sein, wenn Angehörige teilnehmen [2]. Die Leitlinie empfiehlt, die Diagnosekriterien der Internationalen Parkinson- und Bewegungsstörungsgesellschaft (MDS) von 2015 anzuwenden; das Ansprechen auf Levodopa kann die Sicherheit der Diagnose verbessern, ein längerer Verlauf von mindestens 5 Jahren verbessert sie deutlich [1]. Außerdem empfiehlt sie eine MRT des Kopfes früh im Verlauf zur Abgrenzung anderer Parkinson-Syndrome; eine nuklearmedizinische Untersuchung (DAT-SPECT) nennt sie als Möglichkeit bei klinisch unklaren Befunden, wenn das Ergebnis klinische Folgen hat [1].
Behandlung ohne Medikamente

Für Menschen mit Parkinson, die im Alltag durch Bewegungsbeschwerden eingeschränkt sind, empfiehlt die Leitlinie Zugang zu Physiotherapie, die sich an den Beschwerden ausrichtet, an die Leistungsfähigkeit angepasst ist und mindestens 3 Stunden pro Woche umfasst; lässt sich das auf Dauer nicht durchhalten und sind Betroffene dazu in der Lage, ist ein Teil als Eigentraining möglich [1]. Außerdem empfiehlt sie Ergotherapie bei Einschränkungen im Alltag, im Beruf oder der Armfunktion einschließlich der Handschrift, Sprech- beziehungsweise Schlucktherapie bei Sprech- oder Schluckstörungen und Zugang zu künstlerischen Therapien [1].
Begleitbeschwerden: Bei Blasenstörungen nennt die Leitlinie Blasentraining, eine über den Tag angepasste Trinkmenge und den Verzicht auf Koffein, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke [1]. Bei niedrigem Blutdruck beim Aufstehen empfiehlt die Leitlinie ein schrittweises Vorgehen: zuerst auslösende Faktoren wie Infektionen oder Flüssigkeitsmangel behandeln, dann die übrigen Medikamente ärztlich überprüfen und nicht medikamentöse Maßnahmen umsetzen, etwa ausreichend Flüssigkeit und Salz, wenn nichts dagegen spricht, und einen um 10 bis 20 Grad erhöhten Oberkörper im Schlaf [1]. Bei Schlaflosigkeit oder Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus empfiehlt sie nach Ausschluss gezielt behandelbarer Ursachen Schlafhygiene, intensives körperliches Training und Lichttherapie [1]. Mehr: Niedriger Blutdruck und Schlafstörungen.
Behandlung mit Medikamenten
Parkinson-Medikamente sollen laut IQWiG den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen und so die Beschwerden lindern; heilen können sie die Krankheit nicht [3]. Wenn die Beschwerden nicht belastend sind, ist zu Beginn unter Umständen noch keine Behandlung nötig [2]. Die Leitlinie nennt diese Grundsätze [1]:
- Erste Behandlung: Die Leitlinie empfiehlt, bei der Auswahl Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Alter, Begleiterkrankungen und die psychosoziale Situation zu berücksichtigen. Unter Levodopa treten Wirkungsschwankungen und Überbewegungen früher auf als unter MAO-B-Hemmern oder Dopaminagonisten, besonders bei hohen Dosen; für biologisch jüngere Menschen empfiehlt sie deshalb, Dopaminagonisten oder MAO-B-Hemmer bevorzugt zu erwägen. Braucht jemand Levodopa schon zu Beginn, etwa wegen starker Beschwerden, mehrerer Erkrankungen oder Nebenwirkungen anderer Mittel, empfiehlt sie Levodopa [1].
- Kombination: Reicht ein Mittel in mittlerer Erhaltungsdosis nicht aus oder lässt es sich wegen Nebenwirkungen nicht ausreichend steigern, empfiehlt die Leitlinie, eine Kombination zu erwägen; bei Parkinson ohne Wirkungsschwankungen nennt sie zum Beispiel Levodopa mit Dopaminagonisten und/oder MAO-B-Hemmern [1].
- Wirkungsschwankungen: Infrage kommen angepasste Einnahmezeiten und Mengen von Levodopa, Levodopa in anderen Darreichungsformen oder zusätzlich Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer oder COMT-Hemmer, ausgewählt nach Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Wunsch der Betroffenen. Gegen Überbewegungen (Dyskinesien) durch Levodopa empfiehlt die Leitlinie Amantadin, unter Beachtung seiner anticholinergen und halluzinogenen Nebenwirkungen [1].
- Nicht mehr empfohlen: Von ergolinen Dopaminagonisten (Bromocriptin, Cabergolin, Pergolid) rät die Leitlinie ab. Anticholinergika wie Biperiden empfiehlt sie wegen eines ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht mehr als Parkinson-Mittel, nur noch in seltenen Fällen gegen Zittern [1].
Die Leitlinie nennt außerdem die MAO-B-Hemmer Selegilin und Rasagilin (allein im Frühstadium oder mit Levodopa bei Wirkungsschwankungen) und Safinamid (nur zusammen mit Levodopa bei Wirkungsschwankungen), die COMT-Hemmer Opicapon und Entacapon sowie die Dopaminagonisten Piribedil, Rotigotin als Pflaster und, mit Einschränkungen, Apomorphin; Tolcapon nennt sie wegen möglicher Leberschäden nur für einen vorsichtigen Einsatz, vor allem als zweite Wahl mit strenger klinischer und Laborkontrolle [1]. Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage eines Beispielwirkstoffs und gelten nur für diesen ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Mehr: Parkinson- und Demenzmittel.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Levodopa mit Decarboxylasehemmer | Levodopa/Benserazid, Levodopa/Carbidopa | Levodopa wird laut Fachinformation im Gehirn zu Dopamin umgewandelt; Carbidopa und Benserazid hemmen die Umwandlung außerhalb des Gehirns, sodass mehr Levodopa ins Gehirn gelangt [5, 7] | Levodopa/Carbidopa-Retardtabletten, sehr häufig: Harnwegsinfektionen; häufig unter anderem Appetitverlust, Verwirrtheit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Albträume, Bewegungsstörungen (Dyskinesie), Blutdruckabfall beim Aufstehen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung [6] |
| Dopaminagonisten (nicht ergolin) | Pramipexol, Ropinirol | Stimulieren laut Fachinformation Dopaminrezeptoren vom Typ D2 und D3 im Striatum und verringern so die Bewegungsstörungen [9, 11] | Pramipexol bei Parkinson, sehr häufig: unkontrollierte Bewegungen (Dyskinesie), Schläfrigkeit, Schwindel, Übelkeit; häufig unter anderem Drang, sich ungewöhnlich zu verhalten, Halluzinationen, Verwirrtheit, Wassereinlagerungen in den Beinen, niedriger Blutdruck [8]. Ropinirol bei Parkinson, sehr häufig: Ohnmacht, Benommenheit, Schläfrigkeit, Übelkeit [10] |
| Acetylcholinesterasehemmer (bei Parkinson-Demenz) | Rivastigmin | Blockiert laut Packungsbeilage die Enzyme, die den Botenstoff Acetylcholin abbauen, dessen Spiegel bei Parkinson-Demenz niedrig ist [12] | Hartkapseln, sehr häufig: Schwindel, Appetitverlust, Übelkeit oder Erbrechen, Durchfall; bei Demenz mit Parkinson-Krankheit außerdem sehr häufig Zittern und Hinfallen [12] |
| Antipsychotika (bei Psychose) | Clozapin | Hat laut Fachinformation nur eine geringe Affinität zu den Dopaminrezeptoren D1, D2, D3 und D5, aber eine hohe zum D4-Rezeptor [14] | Sehr häufig: schwere Verstopfung, schneller Herzschlag, Schläfrigkeit, Benommenheit, vermehrte Speichelbildung [13] |
Wenn Tabletten nicht mehr ausreichen
Für Wirkungsschwankungen, die sich konservativ nicht ausreichend behandeln lassen, sind laut Leitlinie vier Pumpentherapien zugelassen: Apomorphin unter die Haut, Levodopa-Carbidopa-Gel oder Levodopa-Entacapon-Carbidopa-Gel über eine Sonde in den Dünndarm und Foslevodopa/Foscarbidopa unter die Haut [1]. Die Leitlinie empfiehlt, bei solchen Wirkungsschwankungen eine tiefe Hirnstimulation im Nucleus subthalamicus anzubieten, wenn sich die Beschwerden im standardisierten Levodopa-Test um mindestens 33 Prozent bessern und keine Gegenanzeigen wie ein geistiger Abbau, schwere psychische Beschwerden oder andere schwere Erkrankungen bestehen [1]. Außerdem empfiehlt sie, Betroffene schon beim ersten Auftreten der Schwankungen über solche Verfahren zu informieren [1].
Depression, Psychose und Demenz
- Depression und Angst: Kognitive Verhaltenstherapie empfiehlt die Leitlinie gegen Depression, Angst und Angst vor dem Fortschreiten der Krankheit, körperliche Maßnahmen gegen Depression, Erschöpfung und Antriebslosigkeit [1]. Bei Depression empfiehlt sie, die dopaminerge Behandlung zu optimieren und, wenn ein Dopaminagonist infrage kommt, Pramipexol zu verwenden; je nach Schwere und Begleitbeschwerden nennt sie Antidepressiva wie Venlafaxin, Citalopram, Sertralin oder Mirtazapin als Möglichkeit, Mirtazapin nicht bei einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung [1].
- Psychose: Die Leitlinie empfiehlt ein Vorgehen in Schritten: wenn die Beschwerden es zulassen, zuerst allgemeine Maßnahmen wie Reizabschirmung, Orientierungshilfen, ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus und die Behandlung von Flüssigkeitsmangel oder Infektionen; danach verringert oder ändert die Ärztin oder der Arzt auslösende Medikamente, zuerst anticholinerge, antiglutamaterge oder beruhigende Mittel, dann Parkinson-Mittel wie Amantadin, MAO-B-Hemmer, Dopaminagonisten und COMT-Hemmer. Helfen diese Schritte nicht, empfiehlt sie, nach Abwägung der Risiken (Agranulozytose, Herzmuskelentzündung, Stürze, anticholinerge Nebenwirkungen) Clozapin anzubieten [1]. Clozapin ist laut Fachinformation bei Psychosen im Verlauf eines Morbus Parkinson nach Versagen der Standardtherapie zugelassen [14]. Haloperidol darf bei Morbus Parkinson laut Fachinformation nicht angewendet werden [18].
- Demenz: Bei Parkinson-Demenz empfiehlt die Leitlinie kognitive Stimulation und Rivastigmin; von Galantamin rät sie ab [1]. Zugelassen sind laut Packungsbeilage Rivastigmin-Kapseln und -Lösung zum Einnehmen [12]. Bei leichter kognitiver Störung empfiehlt sie kognitives Training und rät von Acetylcholinesterasehemmern ab [1]. Mehr: Demenz und Alzheimer.
Nebenwirkungen der Medikamente
In späteren Krankheitsstadien wird laut IQWiG meist die Dosis der Medikamente erhöht; dadurch kommt es auch zu mehr Nebenwirkungen [3]. Mehr: Übelkeit, Schwindel, Niedriger Blutdruck und Halluzinationen.
- Plötzliches Einschlafen: Levodopa/Benserazid kann laut Packungsbeilage in seltenen Fällen übermäßige Müdigkeit am Tage und plötzliche Schlafattacken verursachen; Pramipexol wird laut Packungsbeilage mit Schläfrigkeit und plötzlichen Einschlafattacken in Verbindung gebracht, insbesondere bei Parkinson [4, 8]. Dann dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen [4, 8]. Mehr: Müdigkeit.
- Impulskontrollstörungen: Levodopa/Benserazid und Pramipexol können laut ihren Packungsbeilagen einen Drang auslösen, sich ungewöhnlich zu verhalten, etwa Spielsucht, übermäßiges Essen oder Geldausgeben oder einen abnorm starken Sexualtrieb; informieren Sie dann Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, auch wenn Angehörige es bemerken [4, 8]. Die Leitlinie empfiehlt, Betroffene vor Beginn einer Behandlung mit Dopaminagonisten auf diese Möglichkeit hinzuweisen; als wirksame Behandlung nennt sie eine schrittweise Verringerung der Dopaminagonisten [1].
- Psyche: Psychische Veränderungen einschließlich Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Paranoia und Depression sind bei Levodopa/Carbidopa laut Packungsbeilage häufig; bei Halluzinationen unter Pramipexol dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht Auto fahren [6, 8].
- Haut: Menschen mit Parkinson haben laut Packungsbeilage von Levodopa/Benserazid ein höheres Risiko für schwarzen Hautkrebs; ob die Krankheit selbst oder etwa Levodopa die Ursache ist, ist nicht bekannt. Sie sollten laut Packungsbeilage Ihre Haut regelmäßig auf verdächtige Veränderungen untersuchen und regelmäßig von geeigneten Fachkräften, etwa in der Hautarztpraxis, untersuchen lassen [4].
- Clozapin: Laut Rote-Hand-Brief vom 08.09.2025 erhöht Clozapin das Risiko für Neutropenie und Agranulozytose (starker Mangel an weißen Blutkörperchen); um dieses Risiko zu verringern, sind regelmäßige Blutbildkontrollen vorgesehen, und Behandelte sollten bei jedem Arztbesuch daran erinnert werden, sich bei Anzeichen einer Infektion sofort bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt zu melden [15].
Absetzen: Nach langjähriger Behandlung kann ein plötzliches Absetzen von Levodopa laut Packungsbeilage ein lebensbedrohliches malignes Levodopa-Entzugssyndrom auslösen [4]. Auch Pramipexol sollte bei Parkinson laut Packungsbeilage nicht plötzlich abgebrochen werden; nach dem Absetzen oder einer Dosisverringerung von Pramipexol können Depression, Teilnahmslosigkeit (Apathie), Angst, Müdigkeit, Schwitzen oder Schmerzen auftreten [8]. Die Leitlinie empfiehlt, Dopaminagonisten langsam abzusetzen, um ein Entzugssyndrom früh zu erkennen [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr: Medikamente absetzen.
Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [8]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Parkinson
Einnahme: Laut Packungsbeilage von Levodopa/Benserazid sollen eiweißreiche Mahlzeiten vor der Einnahme vermieden werden, weil sie die Wirkung vermindern können [4]. Damit die Medikamente optimal wirken, werden sie laut IQWiG zu festen Uhrzeiten eingenommen; Erinnerungshilfen können helfen [3]. Mehr: Einnahme vor oder nach dem Essen.
Autofahren: Fahrerlaubnisse der Gruppe 2 (zum Beispiel Lkw, Bus, Taxi) schließt die Diagnose laut Leitlinie in der Regel aus; für die Gruppe 1 (zum Beispiel Auto) kann die Fahreignung nach individueller Prüfung erhalten bleiben [1]. Mehr: Medikamente und Autofahren.
Schwangerschaft: Levodopa/Carbidopa und Levodopa/Benserazid dürfen laut ihren Packungsbeilagen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, Frauen, die schwanger werden können, müssen während der Behandlung verhüten, und während der Behandlung dürfen Sie nicht stillen [4, 6]. Von Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmern in der Schwangerschaft rät die Leitlinie wegen unzureichender Daten ab, Amantadin nennt sie kontraindiziert [1]. Planen Sie eine Schwangerschaft, fragen Sie laut Packungsbeilagen vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [4, 6]. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Hohes Fieber und Muskelsteife. Treten nach langjähriger Behandlung und plötzlichem Absetzen oder Verringern von Levodopa sehr hohes Fieber, Muskelsteife, psychische Auffälligkeiten oder ein völliger Verlust der Bewegungsfähigkeit auf, wenden Sie sich laut Packungsbeilagen sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [4, 6]. Bei einer akinetischen Krise empfiehlt die Leitlinie eine frühe und ausreichende Behandlung, am besten auf einer Überwachungs- oder Intensivstation, besonders wenn Komplikationen auftreten, und die sofortige Behandlung von Auslösern wie Infektionen [1].
Schwere Nebenwirkungen. Bei einer allergischen Reaktion mit Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals, bei Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, Blut im Stuhl oder dunkel gefärbtem Stuhl oder Krampfanfällen unter Levodopa/Carbidopa verlangt die Packungsbeilage, die Einnahme abzubrechen und unverzüglich eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen oder ins nächstgelegene Krankenhaus zu gehen [6]. Unter Clozapin informieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie die nächste Tablette nehmen, wenn Fieber, Halsschmerzen oder andere Zeichen einer Infektion auftreten [13].
Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Denken Sie unter Levodopa/Carbidopa daran, sich selbst zu verletzen oder zu töten, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder gehen Sie sofort in ein Krankenhaus [6]. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112, ebenso Bewusstlosigkeit, schwere Atemnot und akute, anhaltende Krampfanfälle [17]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [16].
Quellen
- Leitlinie Diagnosis and treatment of Parkinson's disease (guideline of the German Society for Neurology), englische Kurzfassung der S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit (AWMF-Register-Nr. 030-010), Neurological Research and Practice 2024;6:30. Höglinger G, Trenkwalder C und German Parkinson's Guidelines Committee für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand veröffentlicht 06.06.2024; Leitlinie Stand 30.11.2023, gültig bis 24.10.2028. abgerufen am 18.10.2026
- Parkinson. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 22.02.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Medikamentöse Behandlung bei Parkinson-Krankheit. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 22.02.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levodopa/Benserazid-ratiopharm 100 mg/25 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Levodopa/Benserazid-ratiopharm 100 mg/25 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levodopa/Carbidopa-ratiopharm 100 mg/25 mg und 200 mg/50 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Levodopa/Carbidopa-ratiopharm 100 mg/25 mg, 200 mg/50 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pramipexol-ratiopharm 0,18 mg/0,35 mg/0,7 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Pramipexol-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ropinirol-ratiopharm 1 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Ropinirol-ratiopharm Filmtabletten (Version 7). ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Exelon (Rivastigmin), Anhang III B: Packungsbeilage Exelon Hartkapseln. Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026 (EMA, aktualisiert am 24.02.2026). abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg Tabletten (Version 6). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clozapin-ratiopharm Tabletten (Version 7). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Clozapin: Überarbeitete Empfehlungen zur routinemäßigen Blutbildkontrolle im Hinblick auf das Risiko einer Agranulozytose. Zulassungsinhaber clozapinhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 08.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
- TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Haloperidol-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente gibt es gegen Parkinson?
Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie nennt Levodopa mit einem Decarboxylasehemmer (Benserazid oder Carbidopa), nicht ergoline Dopaminagonisten wie Pramipexol, Ropinirol, Piribedil und Rotigotin, MAO-B-Hemmer wie Selegilin, Rasagilin und Safinamid, COMT-Hemmer wie Opicapon und Entacapon sowie Amantadin. Von ergolinen Dopaminagonisten rät sie ab, Anticholinergika nennt sie nur noch für seltene Fälle gegen Zittern. Bei Wirkungsschwankungen, die sich mit Tabletten nicht ausreichend behandeln lassen, kommen Pumpen und die tiefe Hirnstimulation infrage.
Womit beginnt die Behandlung: Levodopa oder Dopaminagonist?
Die Leitlinie empfiehlt, bei der Auswahl Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Alter, Begleiterkrankungen und die psychosoziale Situation zu berücksichtigen. Weil unter Levodopa Wirkungsschwankungen und Überbewegungen früher auftreten, empfiehlt sie, für biologisch jüngere Menschen Dopaminagonisten oder MAO-B-Hemmer bevorzugt zu erwägen. Braucht jemand Levodopa schon zu Beginn, etwa wegen starker Beschwerden, mehrerer Erkrankungen oder Nebenwirkungen anderer Mittel wie Impulskontrollstörungen unter Dopaminagonisten, empfiehlt sie Levodopa. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen.
Kann man Parkinson heilen?
Nein, heilen lässt sich die Parkinson-Krankheit laut IQWiG nicht. Es gibt aber wirksame Therapien, die die Beschwerden lindern können, in erster Linie Medikamente. Normalerweise schreitet Parkinson nur langsam voran, und viele Menschen führen nach der Diagnose noch lange ein weitgehend selbstständiges Leben.
Was ist zu tun, wenn die Wirkung der Medikamente schwankt?
Laut Leitlinie kommen angepasste Einnahmezeiten und Mengen von Levodopa, andere Darreichungsformen von Levodopa oder zusätzlich Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer oder COMT-Hemmer infrage; gegen Überbewegungen durch Levodopa empfiehlt sie Amantadin. Bleiben die Schwankungen trotz optimierter Behandlung mit Tabletten oder Pflaster bestehen, empfiehlt die Leitlinie, Pumpentherapien oder eine tiefe Hirnstimulation zu erwägen und Betroffene schon beim ersten Auftreten der Schwankungen darüber zu informieren. Ändern Sie Einnahmezeiten und Mengen nur nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf man mit Parkinson Auto fahren?
Für Fahrerlaubnisse der Gruppe 1 (zum Beispiel Auto) kann die Fahreignung laut Leitlinie nach individueller Prüfung erhalten bleiben, besonders bei erfolgreicher Behandlung oder leichter Erkrankung; Fahrerlaubnisse der Gruppe 2 (zum Beispiel Lkw, Bus, Taxi) schließt die Diagnose in der Regel aus. Treten unter Levodopa, Pramipexol oder Ropinirol übermäßige Müdigkeit oder plötzliches Einschlafen auf, dürfen Sie laut Packungsbeilagen kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen. Nach einer tiefen Hirnstimulation rät die Leitlinie, in den ersten 3 Monaten nicht zu fahren.
Wie nimmt man Levodopa richtig ein?
Laut Packungsbeilage von Levodopa/Benserazid sollen eiweißreiche Mahlzeiten vor der Einnahme vermieden werden, weil sie die Wirkung vermindern können. Die Tabletten werden laut Packungsbeilage wenn möglich mindestens 30 Minuten vor oder 1 Stunde nach einer Mahlzeit eingenommen, mit ausreichend Flüssigkeit und etwas eiweißarmer Nahrung wie Gebäck oder Zwieback. Wie viel Sie wann einnehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf der Seite Levodopa/Benserazid.
Darf man Parkinson-Medikamente absetzen?
Nach langjähriger Behandlung kann ein plötzliches Absetzen von Levodopa laut Packungsbeilage ein lebensbedrohliches malignes Levodopa-Entzugssyndrom auslösen, mit sehr hohem Fieber, Muskelsteife und seelischen Auffälligkeiten. Auch Pramipexol sollte laut Packungsbeilage nicht plötzlich abgebrochen werden; nach dem Absetzen oder einer Dosisverringerung von Pramipexol sind Depression, Teilnahmslosigkeit (Apathie), Angst, Müdigkeit, Schwitzen oder Schmerzen möglich. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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