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Migräne
Migräne ist eine Kopfschmerzerkrankung mit wiederkehrenden Anfällen heftiger, häufig einseitiger und pulsierender Kopfschmerzen, oft mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Leichtere und mittelstarke Anfälle sollten laut Leitlinie zunächst mit Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, NSAR oder der Kombination mit Koffein behandelt werden; Triptane sollten bei starken Kopfschmerzen und bei Anfällen eingesetzt werden, die auf diese Mittel nicht ansprechen. Bei häufigen Anfällen, Anfällen mit ausgeprägten Beschwerden oder anhaltender Aura sollte laut Leitlinie zusätzlich eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten angeboten werden. Vor einer Selbstbehandlung sollte laut IQWiG ärztlich geklärt sein, dass es sich um Migräne handelt.

Migräne zeigt sich in Anfällen mit heftigen, häufig einseitigen und pulsierend-pochenden Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung stärker werden und unbehandelt 4 bis 72 Stunden dauern [1]. Leichtere und mittelstarke Anfälle sollten laut Leitlinie zunächst mit Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, NSAR oder der Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein behandelt werden; Triptane sollten bei starken Kopfschmerzen und bei Anfällen eingesetzt werden, die auf diese Mittel nicht ansprechen [1]. Bei häufigen Anfällen, Anfällen mit ausgeprägten Beschwerden oder anhaltender Aura sollte neben Information und Verhaltensänderung eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten angeboten werden [1].
Was ist Migräne?
Migräne gehört zu den primären Kopfschmerzen: Sie treten wiederholt ohne konkrete Ursache auf und gelten als eigene Erkrankung [4]. Von einer Migräne spricht man laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erst, wenn die typischen Beschwerden mindestens fünfmal aufgetreten sind [2]. Treten Kopfschmerzen über mehr als drei Monate an mindestens 15 Tagen im Monat auf und fühlen sie sich an mindestens 8 Tagen wie eine Migräne an, spricht man von chronischer Migräne; das betrifft weniger als 2 von 100 Menschen mit Migräne [3].
Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneanfälle, bei Kindern sind es etwa 4 bis 5 von 100, Mädchen und Jungen gleich häufig [2]. Laut Leitlinie ist die Häufigkeit zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr am höchsten; in dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer [1].
Symptome
Typisch sind mäßige bis starke Kopfschmerzen, oft auf einer Seite des Kopfes, die meist als pulsierend, pochend oder hämmernd empfunden werden und sich oft bei körperlicher Aktivität verstärken [2]. Dazu können Übelkeit und Erbrechen kommen, manche Menschen sind sehr licht- und geräuschempfindlich [2]. Laut Leitlinie gehen die Anfälle fast immer mit Appetitlosigkeit einher; bei einem Drittel der Betroffenen schmerzt der ganze Kopf, und einseitige Schmerzen können die Seite wechseln [1].
Manche Menschen haben vor den Kopfschmerzen eine Aura: Sie sehen Lichtblitze oder eigenartige Formen, nehmen ihre Umgebung verschwommen wahr, oder es stellen sich vorübergehend Sprachstörungen, Lähmungen oder Kribbeln ein [2]. Eine Aura klingt normalerweise innerhalb einer Stunde folgenlos ab und wird dann von den Migräneschmerzen abgelöst [2]. Bei Kindern sind die Anfälle kürzer und können auch ohne Kopfschmerzen nur mit heftiger Übelkeit, Erbrechen und Schwindel einhergehen [1].
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Eine Theorie besagt, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen; möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden [2]. Bei vielen Menschen gehören Belastungen im Alltag zu den auslösenden Faktoren, zum Beispiel [3]:
- zu wenig oder schlechter Schlaf,
- unregelmäßige oder ausgelassene Mahlzeiten,
- Stress oder das Nachlassen von Stress, etwa am Wochenende,
- Wetterumschwünge und Bewegungsmangel,
- bei Frauen Hormonschwankungen im Monatszyklus.
Bei manchen Menschen löst möglicherweise auch ein bestimmtes Lebensmittel oder Getränk wie Rotwein Anfälle aus. Was einen Anfall wahrscheinlicher macht, löst ihn aber nicht zwangsläufig aus [3].
Medikamente als Ursache: Werden Schmerz- und Migränemittel zu oft eingesetzt, können sie die Kopfschmerzen verstärken [2]. Laut Leitlinie liegt die Schwelle dafür bei Triptanen und Kombinationsschmerzmitteln bei 10 oder mehr Einnahmetagen im Monat, bei Schmerzmitteln mit einem Wirkstoff bei 15 oder mehr Einnahmetagen [1]. Woran Sie solche Kopfschmerzen erkennen und welche weiteren Medikamente Kopfschmerzen auslösen können, steht auf der Seite Kopfschmerzen durch Medikamente.
Diagnose
Die Diagnose stützt sich laut Leitlinie auf das ärztliche Gespräch und einen unauffälligen neurologischen Untersuchungsbefund; eine Bildgebung ist bei Kopfschmerzen mit ungewöhnlichen Beschwerden notwendig, zum Beispiel um eine bestimmte Hirnblutung (Subarachnoidalblutung) auszuschließen [1]. Bevor man sich selbst behandelt, sollte laut IQWiG ärztlich abgeklärt sein, dass es sich bei den Kopfschmerz-Anfällen tatsächlich um eine Migräne handelt [2]. Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann helfen, Auslösern auf die Spur zu kommen; darin halten Sie zum Beispiel fest, wie schwer und lang ein Anfall war, was zum Zeitpunkt des Anfalls geschah, was Sie davor gegessen oder getrunken und welche Medikamente Sie genommen haben [2]. Für das Gespräch helfen die Fragen für das Arztgespräch und der Medikationsplan.
Behandlung ohne Medikamente
Viele Menschen legen sich während eines Anfalls in einen ruhigen, dunklen Raum und bedecken die schmerzende Kopfseite mit einer kühlenden Auflage, etwa einem feuchten Tuch [2]. Als psychologisches Verfahren für den akuten Anfall empfiehlt die Leitlinie ein Biofeedback-Training (Vasokonstriktionstraining) [1].
Zur Vorbeugung wird laut Leitlinie regelmäßiger aerober Ausdauersport empfohlen; auch Kraftsport und Biorhythmushygiene sind laut Leitlinie wirksam [1]. Entspannungsverfahren, Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie und Biofeedback können laut Leitlinie auch statt einer Vorbeugung mit Medikamenten eingesetzt werden; wird mit Medikamenten vorgebeugt, sollte das generell von psychologischen Verfahren begleitet werden [1]. Die meisten Nahrungsergänzungsmittel sind laut Leitlinie zur Vorbeugung nicht wirksam [1]. Für angebotene Mittel wie Coenzym Q10, Magnesium, Mutterkraut und Vitamin B2 lässt sich laut IQWiG mangels aussagekräftiger Forschung nicht beurteilen, ob sie vor Migräne schützen [3].
Behandlung mit Medikamenten

Grundlage ist die S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Version 7 von 2025. Ihre Empfehlungen wurden von den Autorinnen und Autoren abgestimmt und tragen keine Empfehlungsgrade [1].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Anfall: NSAR und Kombination mit Koffein [1] | Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Acetylsalicylsäure/Paracetamol/Coffein [1] | Ibuprofen hemmt die Bildung von Prostaglandinen, körpereigenen Botenstoffen; beim Menschen verringert es entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber [11] | Ibuprofen: häufig Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit [10]. Kombination: häufig Schwindel, Nervosität, Bauchschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen [13] |
| Anfall, wenn NSAR nicht infrage kommen: Nichtopioid-Analgetika [1] | Paracetamol, Metamizol [1] | Paracetamol wirkt schmerzstillend und fiebersenkend, wie genau, ist nicht eindeutig geklärt [15]; auch bei Metamizol ist die Wirkweise nicht vollständig aufgeklärt [17] | Paracetamol: selten leichter Anstieg bestimmter Leberwerte, sehr selten allergische Reaktionen [14]. Metamizol: gelegentlich violetter bis tiefroter, zum Teil blasiger Hautausschlag und Blutdruckabfall, sehr selten starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen [16] |
| Anfall: Triptane (Migränemittel) [1] | Sumatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan [1] | Sumatriptan regt bestimmte Serotonin-Rezeptoren (5-HT1) an und verengt so Blutgefäße im Kopf; in Tierversuchen hemmte es außerdem die Aktivität des Trigeminusnervs, beides trägt wahrscheinlich zur Wirkung bei [7] | Sumatriptan: häufig Schmerzen, Druck- oder Engegefühl in Brust oder Hals, Kribbeln, Übelkeit, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Hitzewallungen [6] |
| Übelkeit im Anfall: Mittel gegen Übelkeit [1] | Metoclopramid, Domperidon [1] | Metoclopramid blockiert im Brechzentrum des Gehirns Rezeptoren für Dopamin und Serotonin und beschleunigt die Magenentleerung [19] | Metoclopramid: sehr häufig Schläfrigkeit, häufig unkontrollierbare Bewegungen, Ruhelosigkeit, Durchfall [18]. Domperidon: häufig trockener Mund [20] |
| Vorbeugung: Betablocker [1] | Propranolol, Metoprolol [1] | Propranolol hemmt Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren und senkt, abhängig von der Aktivität des sympathischen Nervensystems, unter anderem die Herzfrequenz [21] | Metoprolol: sehr häufig Müdigkeit, häufig Schwindel, Kopfschmerzen, langsamer Puls, kalte Hände und Füße [22]. Propranolol: häufig, besonders zu Beginn, Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen [21] |
| Vorbeugung: Antiepileptika [1] | Topiramat [1] | Der genaue Mechanismus ist unbekannt [24] | Sehr häufig Kribbeln, Schläfrigkeit, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, Gewichtsverlust, neu aufgetretene oder verschlechterte Depression [23] |
| Vorbeugung: Antidepressiva [1] | Amitriptylin [1] | Hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin; die Wirkung auf Noradrenalin sowie auf Natrium- und NMDA-Kanäle trägt zur Vorbeugung der Migräne bei [26] | Sehr häufig Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung, Gewichtszunahme, Herzklopfen [25] |
| Vorbeugung: Antikörper gegen CGRP oder seinen Rezeptor (Migränemittel) [1] | Erenumab [1] | Bindet an den Rezeptor des Botenstoffs CGRP und hemmt ihn; CGRP reguliert die Weiterleitung von Schmerzsignalen und erweitert Blutgefäße [27] | Häufig Verstopfung, allergische Reaktionen, Juckreiz, Muskelkrämpfe, Reaktionen an der Einstichstelle [27] |
Sehr häufig heißt bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10, gelegentlich bei bis zu 1 von 100, selten bei bis zu 1 von 1.000 und sehr selten bei bis zu 1 von 10.000. Jede Angabe gilt für das Präparat, aus dessen Packungsbeilage oder Fachinformation sie stammt; bei Betablockern, Topiramat und Amitriptylin gilt sie für alle Anwendungsgebiete zusammen [10, 21, 23].
Behandlung des Anfalls
Schmerzmittel: Acetylsalicylsäure, NSAR und Kombinationen von Schmerzmitteln mit Koffein wirken laut Leitlinie bei akuten Anfällen, am besten belegt ist die Wirkung für Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Leichtere und mittelstarke Anfälle sollten zunächst mit diesen Mitteln behandelt werden [1]. Paracetamol sollte laut Leitlinie nur bei Gegenanzeigen oder Unverträglichkeit von Acetylsalicylsäure oder anderen NSAR erwogen werden; Metamizol nennt sie für starke Schmerzen, wenn andere Schmerzbehandlungen nicht geeignet sind [1]. Opioide sollen bei akuten Migräneanfällen nicht verwendet werden [1].
Triptane: Die Leitlinie nennt Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan als die Mittel mit der besten Wirksamkeit bei akuten Anfällen. Nach der Übersicht "Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick" sollten sie bei starken Kopfschmerzen und bei Anfällen eingesetzt werden, die nicht auf Schmerzmittel, Kombinationen mit Koffein oder NSAR ansprechen [1]. Während der Aura, solange noch keine Kopfschmerzen bestehen, wirken Triptane nicht [1]. Wirkt ein Triptan innerhalb von 2 Stunden nicht, sollte in diesem Anfall keine zweite Dosis eingenommen werden, außer die erste Dosis wurde erbrochen; kehren die Kopfschmerzen nach anfänglicher Wirkung zurück, kann frühestens nach 2 Stunden eine zweite Dosis gegeben werden [1]. Packungen mit Sumatriptan und Naratriptan gibt es ohne Rezept in der Apotheke; sie sind laut Packungsbeilage zugelassen, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt die Migräne erstmals festgestellt hat [8, 9]. Mehr unter Migränemittel.
Übelkeit: Metoclopramid und Domperidon wirken laut Leitlinie gegen Übelkeit und Erbrechen im Anfall. Sie sollten nicht generell mit Schmerzmitteln oder Triptanen kombiniert, sondern gezielt bei starker Übelkeit oder Erbrechen eingesetzt werden [1]. Metoclopramid ist laut Packungsbeilage für Erwachsene auch bei Übelkeit und Erbrechen durch Migräne zugelassen, die maximale empfohlene Behandlungsdauer beträgt 5 Tage [18].
Neuere Mittel: Den Wirkstoff Rimegepant kann man laut Leitlinie einsetzen, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirken oder nicht vertragen werden, Lasmiditan bei Gegenanzeigen gegen Triptane. Bis 8 Stunden nach der Einnahme von Lasmiditan darf kein Kraftfahrzeug geführt und dürfen keine gefährlichen Maschinen bedient werden [1].
Vorbeugung
Ob eine Vorbeugung mit Medikamenten infrage kommt, ergibt sich laut Leitlinie aus dem Leidensdruck, der Einschränkung der Lebensqualität und dem Risiko eines Übergebrauchs von Akutmitteln [1]. Als zusätzliche, nicht evidenzbasierte Anhaltspunkte nennt sie unter anderem 3 oder mehr Anfälle im Monat, die die Lebensqualität beeinträchtigen, Anfälle, die regelmäßig länger als 72 Stunden dauern, Anfälle, die auf die Akutbehandlung nicht ansprechen, und Nebenwirkungen der Akutmittel, die nicht vertragen werden [1].
Wirksam sind laut Leitlinie die Betablocker Propranolol und Metoprolol, der Kalziumkanalblocker Flunarizin, Topiramat und Amitriptylin [1]. Antikörper gegen den Botenstoff CGRP (Eptinezumab, Fremanezumab, Galcanezumab) oder gegen seinen Rezeptor (Erenumab) sind laut Leitlinie zur Vorbeugung bei Erwachsenen mit mindestens 4 Migränetagen im Monat zugelassen; die Behandlung mit Erenumab sollte laut Fachinformation von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in Diagnose und Behandlung der Migräne begonnen werden [1, 27]. Zur Reihenfolge nennt die Leitlinie in der Fassung von 2025 die Regeln der gesetzlichen Krankenversicherung: Erenumab ist seit dem 01.04.2022 auch ohne vorherige andere Vorbeugung erstattungsfähig; Fremanezumab und Galcanezumab sollen nur bei Erwachsenen verordnet werden, die auf keines der Mittel Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin und bei chronischer Migräne OnabotulinumtoxinA ansprechen, dafür nicht geeignet sind oder sie nicht vertragen [1]. Die Tablette Atogepant wirkt laut Leitlinie bei episodischer und chronischer Migräne vorbeugend, Rimegepant bei episodischer Migräne [1]. OnabotulinumtoxinA, ein Botulinumtoxin Typ A, wirkt laut Leitlinie nur bei chronischer Migräne und ist laut Leitlinie nur dafür zugelassen, also bei 15 oder mehr Kopfschmerztagen im Monat, von denen mindestens 8 die Kriterien einer Migräne erfüllen; empfohlen wird es laut Leitlinie, wenn zuvor zwei vorbeugende Mittel zum Einnehmen nicht ausreichend gewirkt haben. Nach der Übersicht der wichtigsten Empfehlungen sollte es von Neurologinnen und Neurologen eingesetzt werden, die in Diagnose und Behandlung chronischer Kopfschmerzen erfahren sind [1]. Die Auswahl sollte sich laut Leitlinie an der Anfallshäufigkeit, an Begleiterkrankungen und an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren [1].
Flunarizin soll laut Leitlinie gemäß Fachinformation nicht länger als 6 Monate genommen werden, alle anderen vorbeugenden Mittel werden in der Regel mindestens 9 Monate gegeben; spätestens nach 24 Monaten muss geprüft werden, ob die Vorbeugung noch nötig ist [1]. Als Erfolg gilt bei episodischer Migräne, wenn die Zahl der Anfälle um die Hälfte oder mehr sinkt, bei chronischer Migräne um 30 % oder mehr; dafür sollten Betroffene einen Kopfschmerzkalender führen [1].
Kinder und Jugendliche
Rezeptfreie Ibuprofen-Tabletten mit 400 mg sind laut Packungsbeilage für Kinder unter 20 kg (6 Jahre) in der Regel nicht geeignet [10]. Acetylsalicylsäure-Tabletten mit 500 mg sind für Kinder unter 12 Jahren (unter 40 kg) nicht geeignet; bei Kindern mit Viruserkrankungen wurde unter Acetylsalicylsäure ein seltenes, aber sehr schweres Reye-Syndrom beobachtet [12]. Sumatriptan-Tabletten werden laut Packungsbeilage unter 18 Jahren nicht empfohlen [6]. In der ärztlichen Behandlung nennt die Leitlinie für Kinder Ibuprofen und, weniger wirksam, Paracetamol, jeweils nach Körpergewicht dosiert; für Jugendliche ab 12 Jahren sind Sumatriptan- und Zolmitriptan-Nasenspray zugelassen [1]. Metoclopramid und Domperidon sollten bei Kindern wegen des Risikos akuter Bewegungsstörungen gemieden werden [1]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
Schwangerschaft und Stillzeit
Leichte Anfälle können laut Leitlinie in der Schwangerschaft ohne Medikamente durch Reizabschirmung und Ruhe behandelt werden. Im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel können Anfälle mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Metamizol behandelt werden; Einzeldosen von Metamizol können nach dem Text der Leitlinie nur in Ausnahmefällen bei schweren Schmerzen vertretbar sein, wenn keine anderen Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Im letzten Drittel sollten diese Mittel nicht mehr eingesetzt werden. Paracetamol kann bei leichten bis mäßigen Anfällen in allen drei Dritteln gegeben werden, sollte aber wie jedes Medikament nur mit klarer Indikation und möglichst selten eingenommen werden [1]. Laut dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité (Embryotox) ist Sumatriptan aus der Gruppe der Triptane in der Schwangerschaft das Mittel der Wahl; als besser geeignete Alternative nennt es Ibuprofen, das nur bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden darf, und bei individuell gegebener Wirksamkeit Paracetamol [32]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Zur Vorbeugung in der Schwangerschaft gelten laut Leitlinie Metoprolol, Propranolol und Amitriptylin als mögliche Mittel; Antikörper gegen CGRP oder seinen Rezeptor und Gepante sollen in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingesetzt werden, bei Frauen ohne ausreichende Verhütung sollten sie nicht eingesetzt werden [1]. Topiramat ist zur Migräne-Vorbeugung in der Schwangerschaft und bei Frauen, die schwanger werden können und keine hochwirksame Verhütung anwenden, kontraindiziert (Rote-Hand-Brief vom 02.11.2023) [28]. In der Stillzeit gehören laut Embryotox Ibuprofen und Paracetamol zu den Schmerzmitteln der Wahl; wirken sie nicht ausreichend, kann auch Sumatriptan eingesetzt werden [32]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Triptane: Nach Sumatriptan kann es zu vorübergehenden, manchmal intensiven Schmerzen und Engegefühl im Brustkorb kommen, die in den Hals ausstrahlen können; deuten sie auf eine Durchblutungsstörung des Herzens hin, sollten laut Fachinformation keine weiteren Dosen gegeben und eine Untersuchung durchgeführt werden [7]. Laut Packungsbeilage darf Sumatriptan unter anderem nicht eingenommen werden bei Herzproblemen wie einer Verengung der Herzkranzgefäße, nach einem Herzinfarkt, bei Durchblutungsstörungen in den Beinen, nach einem Schlaganfall oder einer vorübergehenden Minderdurchblutung im Gehirn und bei hohem Bluthochdruck [6]. Zusammen mit Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI kann ein Serotonin-Syndrom entstehen, etwa mit Unruhe, Verwirrtheit, Schwitzen, Muskelkrämpfen oder erhöhtem Herzschlag [6]. Sowohl der Anfall als auch Sumatriptan können müde machen; wer davon betroffen ist, sollte laut Packungsbeilage nicht Auto fahren und keine Maschinen bedienen [6]. Mehr unter Müdigkeit und Medikamente und Autofahren.
Schmerzmittel: Die längere Anwendung jeglicher Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen kann diese laut Packungsbeilage von Ibuprofen verschlimmern [10]. Schon die einmalige Einnahme der Tagesgesamtdosis von Paracetamol kann laut Fachinformation zu schweren Leberschäden führen [15]. Metamizol kann sehr selten eine starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Agranulozytose) auslösen. Laut Rote-Hand-Brief vom 09.12.2024 müssen Behandelte bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften Schleimhautveränderungen die Einnahme abbrechen und sofort ärztliche Hilfe suchen, auch kurz nach Behandlungsende [16, 30]. Laut Rote-Hand-Brief vom 15.12.2020 wurden unter Metamizol außerdem Fälle eines arzneimittelbedingten Leberschadens berichtet [31]. Mehr unter Magenbeschwerden und Blutungen und Blutbildveränderungen.
Mittel gegen Übelkeit: Unter Metoclopramid können unkontrollierbare Bewegungen wie Zittern, Drehbewegungen oder Muskelsteifheit auftreten [18]. Domperidon ist laut Rote-Hand-Brief vom 29.04.2019 nur zur Besserung von Übelkeit und Erbrechen angezeigt und sollte in der niedrigsten wirksamen Dosis und nicht länger als eine Woche eingenommen werden [29]. Es wird laut Packungsbeilage mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand in Verbindung gebracht, unter anderem bei Menschen über 60 Jahren [20]. Mehr unter Parkinsonismus und QT-Verlängerung.
Vorbeugende Mittel: Propranolol darf unter anderem bei Asthma nicht angewendet werden und sollte nach längerer Anwendung langsam ausschleichend abgesetzt werden [21]. Unter Topiramat hatten einige Behandelte Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen; dann setzen Sie sich laut Packungsbeilage sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung [23]. Wird eine Frau unter Topiramat zur Migräne-Vorbeugung schwanger, sollte die Behandlung laut Rote-Hand-Brief sofort abgebrochen werden [28]. Verstopfung ist unter Erenumab häufig; nach der Markteinführung wurde auch über Verstopfung mit schweren Komplikationen berichtet [27]. Unter anderem bei koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall durch Minderdurchblutung, Subarachnoidalblutung, peripherer arterieller Verschlusskrankheit, entzündlichen Darmerkrankungen und COPD sollten die Antikörper laut Leitlinie aus pathophysiologischen Überlegungen zurückhaltend eingesetzt werden, bis entsprechende Sicherheitsdaten vorliegen [1]. Als Nebenwirkungen von Botulinumtoxin A nennt das IQWiG einen steifen oder schmerzenden Nacken, Muskelschwäche, ein hängendes Augenlid und Schluckstörungen [3]. Mehr unter Verstopfung, Gewichtszunahme und Depression durch Medikamente.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Migräne
Viele Menschen mit Migräne können während eines Anfalls ihren Aufgaben zu Hause und bei der Arbeit kaum oder gar nicht nachgehen; oft sind die Anfälle unvorhersehbar [2]. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern, etwa wenn man aus Furcht vor einem Anfall Aktivitäten meidet [2]. Für Menschen mit Migräne gibt es Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen [2].
In einem Kopfschmerzkalender halten Sie laut Leitlinie fest, wie oft Anfälle auftreten und ob die Akutmittel gewirkt haben [1]. Mehr im Ratgeber Schmerzmittel richtig anwenden und auf der Seite Kopfschmerzen.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Plötzliche Schwäche, Sprachstörungen, Lähmungen, Taubheitsgefühle, ein Gesichtsfeldausfall oder ein herabhängender Mundwinkel können laut gesund.bund.de Zeichen eines Schlaganfalls sein, manchmal kommt es auch zu starken Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen [5]. Bei jedem Verdacht ist es wichtig, schnell den Notruf 112 zu wählen und nicht abzuwarten, ob die Beschwerden wieder verschwinden [5]. Mehr unter Schlaganfall.
Schmerzen, Druck- oder Engegefühl in Brust oder Hals nach einem Triptan, die andauern oder schlimmer werden, können laut Packungsbeilage bei sehr wenigen Menschen durch einen Herzinfarkt verursacht sein; dann holen Sie umgehend ärztliche Hilfe [6]. Kopfschmerzen mit ungewöhnlichen Beschwerden müssen laut Leitlinie weiter untersucht werden; nehmen die Anfälle in der Schwangerschaft deutlich zu oder treten erstmals auf, ist eine neurologische Untersuchung sinnvoll [1].
Quellen
- Leitlinie S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, Version 7 (AWMF-Register-Nr. 030/057), Kapitel 1 bis 4, 6.4, 10 und die wichtigsten Empfehlungen. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Stand vollständig überarbeitet 08.08.2025, gültig bis 07.08.2028. abgerufen am 18.10.2026
- Migräne. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.07.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Migränevorbeugung für Erwachsene. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.07.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Kopfschmerzen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.07.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Schlaganfall. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 16.12.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sumatriptan-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Sumatriptan-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sumatriptan-ratiopharm bei Migräne 50 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Naratriptan-ratiopharm bei Migräne 2,5 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation ASS-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation THOMAPYRIN CLASSIC Schmerztabletten. A. Nattermann & Cie. GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten (Metamizol). ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten (Metamizol). ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation MCP-ratiopharm 10 mg Tabletten (Metoclopramid). ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation MCP-ratiopharm 10 mg Tabletten (Metoclopramid). ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Domperidon-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Propranolol STADA 40 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat 47,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Topiramat-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Topiramat-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Aimovig (Erenumab), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 12/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Topiramat: Neue Beschränkungen zur Verhinderung einer Exposition während der Schwangerschaft. Zulassungsinhaber topiramathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 02.11.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Domperidon: Erinnerung an Maßnahmen zur Minimierung kardialer Risiken. Zulassungsinhaber domperidonhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 29.04.2019. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu metamizolhaltigen Arzneimitteln: Wichtige Maßnahmen zur Minimierung der schwerwiegenden Folgen des bekannten Risikos für Agranulozytose. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel. Stand 09.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Metamizol: Risiko für arzneimittelbedingten Leberschaden. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 15.12.2020. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Sumatriptan. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft schnell bei einem Migräneanfall?
Viele Menschen legen sich laut IQWiG in einen ruhigen, dunklen Raum und kühlen die schmerzende Kopfseite. Leichtere und mittelstarke Anfälle sollten laut Leitlinie zunächst mit Acetylsalicylsäure, NSAR wie Ibuprofen oder der Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein behandelt werden. Bei starken Kopfschmerzen und bei Anfällen, die darauf nicht ansprechen, sollten Triptane eingesetzt werden. Die Medikamente gegen den Anfall wirken laut Leitlinie besser, wenn sie früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden; eine frühe Einnahme von Triptanen sollte aber nur empfohlen werden, wenn die Anfälle nicht zu häufig sind (weniger als 5 Kopfschmerztage im Monat) und Betroffene ihre Kopfschmerzen eindeutig als Migräneanfall erkennen.
Welche Triptane gibt es ohne Rezept?
In der Apotheke gibt es ohne Rezept unter anderem Packungen mit Sumatriptan und Naratriptan; die Leitlinie nennt als rezeptfrei außerdem Almotriptan. Die Packungen mit Sumatriptan und Naratriptan sind laut Packungsbeilage zur akuten Behandlung der Kopfschmerzphase bei Migräne zugelassen, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt die Migräne erstmals festgestellt hat, und für Erwachsene von 18 bis 65 Jahren gedacht. Wie viel Sie laut Packungsbeilage nehmen dürfen, steht auf den Seiten Sumatriptan und Naratriptan.
Wie oft darf ich Migränemittel nehmen?
Laut IQWiG sollten Schmerz- und Migränemittel nicht häufiger als an 10 Tagen im Monat genommen werden. Nach der Leitlinie liegt die Schwelle für Kopfschmerzen durch Übergebrauch bei Triptanen und Kombinationsschmerzmitteln bei 10 oder mehr Einnahmetagen im Monat, bei Schmerzmitteln mit einem Wirkstoff bei 15 oder mehr. Brauchen Sie häufiger Mittel, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Vorbeugung. Mehr unter Kopfschmerzen durch Medikamente.
Wann ist eine Vorbeugung mit Medikamenten sinnvoll?
Bei häufigen Anfällen, Anfällen mit ausgeprägten Beschwerden oder anhaltender Aura sollte laut Leitlinie neben Information und Verhaltensänderung eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten angeboten werden. Als zusätzliche Anhaltspunkte nennt sie unter anderem 3 oder mehr Anfälle im Monat, die die Lebensqualität beeinträchtigen, Anfälle, die regelmäßig länger als 72 Stunden dauern, und Anfälle, die auf die Akutbehandlung nicht ansprechen. Infrage kommen unter anderem die Betablocker Propranolol und Metoprolol, Topiramat, Amitriptylin und Antikörper gegen den Botenstoff CGRP oder seinen Rezeptor.
Darf ich in der Schwangerschaft Migränemittel nehmen?
Leichte Anfälle können laut Leitlinie ohne Medikamente durch Reizabschirmung und Ruhe behandelt werden. Laut Embryotox ist der Einsatz von Sumatriptan gegen einen akuten Anfall in der gesamten Schwangerschaft akzeptabel; als besser geeignete Alternative nennt Embryotox Ibuprofen, das nur bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden darf, und bei individuell gegebener Wirksamkeit Paracetamol. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Topiramat ist zur Vorbeugung in der Schwangerschaft kontraindiziert.
Was hilft Kindern bei Migräne?
Bei kurzen Anfällen können laut Leitlinie Schlaf, Kühlen von Stirn und Schläfen, Trinken und ähnliche Maßnahmen ausreichen. Rezeptfreie Ibuprofen-Tabletten mit 400 mg sind laut Packungsbeilage erst ab 20 kg Körpergewicht (6 Jahre) geeignet, Acetylsalicylsäure-Tabletten mit 500 mg erst ab 40 kg (12 Jahre); Sumatriptan-Tabletten werden unter 18 Jahren nicht empfohlen. In der ärztlichen Behandlung nennt die Leitlinie Ibuprofen und, weniger wirksam, Paracetamol; für Jugendliche ab 12 Jahren sind Sumatriptan- und Zolmitriptan-Nasenspray zugelassen. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
Woran erkenne ich, dass Kopfschmerzen gefährlich sind?
Lähmungen, Sprachstörungen, Taubheitsgefühle, ein herabhängender Mundwinkel oder Gesichtsfeldausfälle können laut gesund.bund.de Zeichen eines Schlaganfalls sein, manchmal zusammen mit starken Kopfschmerzen; dann wählen Sie sofort den Notruf 112. Schmerzen, Druck- oder Engegefühl in Brust oder Hals nach einem Triptan, die andauern oder schlimmer werden, sind laut Packungsbeilage ein Grund für umgehende ärztliche Hilfe. Ungewöhnliche Kopfschmerzen müssen laut Leitlinie weiter untersucht werden.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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