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Antiepileptika (inkl. Gabapentinoide)

Antiepileptika sind Arzneimittel zur Behandlung epileptischer Anfälle. Einzelne Wirkstoffe sind auch bei Nervenschmerzen, bipolaren Störungen, einer generalisierten Angststörung oder zur Vorbeugung von Migräne zugelassen. Sie dämpfen auf unterschiedlichen Wegen die Übererregbarkeit von Nervenzellen, etwa über Natriumkanäle, den Botenstoff GABA oder ein Eiweiß an den Nervenendigungen. Laut Fachinformation können sie Schwindel und Schläfrigkeit auslösen, alle hier beschriebenen Wirkstoffe tragen einen Warnhinweis zu Suizidgedanken, und bei Epilepsie sollte keiner abrupt abgesetzt werden.

Frau Mitte dreißig im ruhigen Gespräch mit einer Neurologin in einem hellen Sprechzimmer
Bild: KI-generiert

Antiepileptika sind Arzneimittel zur Behandlung epileptischer Anfälle. Einzelne Wirkstoffe sind außerdem bei Nervenschmerzen, bipolaren Störungen, einer generalisierten Angststörung oder zur Vorbeugung von Migräne zugelassen [1, 2, 4, 5, 6, 8]. Sie greifen auf unterschiedlichen Wegen in die Erregbarkeit von Nervenzellen ein [1, 4, 6, 10]. Gemeinsam ist den zehn hier beschriebenen Wirkstoffen ein Warnhinweis der Fachinformationen zu Suizidgedanken und die Vorgabe, die Behandlung bei Epilepsie nicht abrupt, sondern schrittweise zu beenden [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.

Was sind Antiepileptika?

Zu welcher Untergruppe der Antiepileptika ein Mittel gehört, steht in Abschnitt 5.1 der Fachinformation unter "Pharmakotherapeutische Gruppe": Oxcarbazepin hat den ATC-Code N03AF02 (Carboxamide), Valproinsäure gehört zu den Fettsäure-Abkömmlingen, Lamotrigin, Levetiracetam, Topiramat, Lacosamid und Brivaracetam zu den "anderen Antiepileptika" [3, 4, 6, 7, 8, 9, 10]. Carbamazepin ist laut Fachinformation ein Dibenzoazepin-Abkömmling, der pharmakologisch Gemeinsamkeiten mit Phenytoin hat [5].

Eine Sonderstellung haben Pregabalin und Gabapentin. Sie sind bei Epilepsie zugelassen, gehören laut Abschnitt 5.1 ihrer Fachinformationen aber zu den Schmerz- und Fiebermitteln (Analgetika und Antipyretika), Gabapentin dort ausdrücklich zu den Gabapentinoiden [1, 2]. Auf dieser Seite werden sie mitbehandelt.

Wie Antiepileptika wirken

Laut den Fachinformationen von Oxcarbazepin und Lacosamid tragen diese Wirkstoffe zur Stabilisierung übererregter Nervenzellmembranen bei; Oxcarbazepin hemmt zudem wiederholte Entladungen der Nervenzellen [7, 9]. Die einzelnen Wirkstoffe setzen an verschiedenen Stellen an; bei mehreren ist der genaue Mechanismus laut Fachinformation nicht vollständig geklärt [3, 5, 6, 7, 8]:

  • Natriumkanäle: Lamotrigin blockiert nach Studien spannungsgesteuerte Natriumkanäle der Nervenzellen und hemmt die Freisetzung des erregenden Botenstoffs Glutamat [4]. Oxcarbazepin wirkt hauptsächlich über sein Abbauprodukt und blockiert vermutlich vor allem Natriumkanäle [9]. Lacosamid verstärkt in Laborstudien gezielt die langsame Inaktivierung dieser Kanäle [7].
  • Synaptische Übertragung: Carbamazepin hemmt ähnlich wie Phenytoin die synaptische Übertragung und damit die Weiterleitung krampfauslösender Entladungen; den Wirkmechanismus bezeichnet die Fachinformation als bislang nicht geklärt [5].
  • Botenstoff GABA: Bei Valproinsäure gilt eine Verstärkung der hemmenden Wirkung des Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure (GABA) als wahrscheinlichster Mechanismus [6]. Topiramat blockiert nach Laborstudien Natriumkanäle, verstärkt die GABA-Wirkung und hemmt einen Glutamat-Rezeptortyp; den genauen Mechanismus bezeichnet die Fachinformation als unbekannt [8].
  • Vesikelprotein SV2A: Levetiracetam und Brivaracetam binden an das synaptische Vesikelprotein 2A, ein Eiweiß, das an der Ausschüttung von Botenstoffen aus Nervenzellen beteiligt ist [3, 10].
  • Calciumkanäle: Pregabalin und Gabapentin binden an eine Untereinheit (α2δ) spannungsabhängiger Calciumkanäle im zentralen Nervensystem [1, 2].

Wofür Antiepileptika eingesetzt werden

Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in Abschnitt 4.1 der jeweiligen Fachinformation. Alle zehn hier beschriebenen Wirkstoffe sind bei Epilepsie zugelassen, allerdings für unterschiedliche Anfallsformen und Altersgruppen; manche nur als Zusatzbehandlung zu einem anderen Antiepileptikum, wie Pregabalin und Brivaracetam [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10]. Weitere Anwendungsgebiete:

  • Nervenschmerzen: Pregabalin bei peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen, Gabapentin bei peripheren neuropathischen Schmerzen, Carbamazepin bei Trigeminus-Neuralgie und Schmerzen durch eine diabetische Nervenschädigung [1, 2, 5]. Mehr dazu: Nervenschmerzen und Polyneuropathie.
  • Psychische Erkrankungen: Pregabalin bei generalisierter Angststörung; bei bipolarer Störung Lamotrigin zur Vorbeugung depressiver Episoden, Valproinsäure bei manischen Episoden, wenn Lithium nicht eingesetzt werden kann, und Carbamazepin zur Vorbeugung, wenn Lithium versagt hat oder nicht gegeben werden darf [1, 4, 5, 6].
  • Migräne: Topiramat zur Vorbeugung bei Erwachsenen, nicht zur Behandlung eines akuten Anfalls [8]. Mehr dazu: Migräne und Migränemittel.
  • Alkoholentzug: Carbamazepin zur Anfallsverhütung, nur unter stationären Bedingungen [5].

Wirkstoffe der Gruppe

Mit geprüftem Wirkstoff-Steckbrief beschrieben sind auf dieser Website:

  • Brivaracetamz. B. Briviact, Brivaracetam-ratiopharm, Brivaracetam STADAZusatzbehandlung fokaler epileptischer Anfälle ab 2 Jahren
  • Carbamazepinz. B. Carbamazepin-ratiopharm, Finlepsin, TegretalEpilepsie, Trigeminus-Neuralgie, Nervenschmerzen bei Diabetes, Vorbeugung manisch-depressiver Phasen
  • Gabapentinz. B. Gabapentin-ratiopharmEpilepsie (partielle Anfälle), Nervenschmerzen (periphere neuropathische Schmerzen)
  • Lacosamidz. B. Lacosamid-ratiopharm, VimpatEpilepsie (fokale Anfälle, primär generalisierte tonisch-klonische Anfälle)
  • Lamotriginz. B. Lamictal, Lamotrigin AbZ, Lamotrigin-CTEpilepsie, Vorbeugung depressiver Phasen bei bipolarer Störung
  • Levetiracetamz. B. Keppra, Levetiracetam ratiopharmEpilepsie: partielle, myoklonische und generalisierte tonisch-klonische Anfälle
  • Oxcarbazepinz. B. Oxcarbazepin-ratiopharmEpilepsie mit fokalen Anfällen bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren
  • Pregabalinz. B. Lyrica, Pregabalin-ratiopharmNervenschmerzen, Epilepsie (Zusatzbehandlung), generalisierte Angststörung
  • Topiramatz. B. Topamax, Topiramat Migräne STADA, Topiramat STADAEpilepsie, Vorbeugung von Migräne bei Erwachsenen
  • Valproinsäurez. B. Valproat-ratiopharm chrono, Valproinsäure-ratiopharm, Valproat STADAEpilepsie, Manie bei bipolarer Störung

Als weitere Antiepileptika nennt die Fachinformation von Carbamazepin unter anderem Clonazepam, Ethosuximid, Eslicarbazepin, Felbamat, Primidon, Tiagabin und Zonisamid [5]. Neben Tabletten und Kapseln gibt es je nach Wirkstoff Retardtabletten, Lösungen und Sirup zum Einnehmen sowie Infusionslösungen, zum Beispiel bei Levetiracetam, Lacosamid und Brivaracetam [3, 5, 6, 7, 10].

Typische Nebenwirkungen

Schwindel, Benommenheit, Schläfrigkeit oder Sehstörungen nennen alle zehn Fachinformationen [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10]. Die Tabelle zeigt die Einstufung fünf typischer Beschwerden in den Packungsbeilagen bzw. Fachinformationen der hier beschriebenen Wirkstoffe; die Kategorien erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffMüdigkeitSchwindelÜbelkeitGewichtszunahmeDepressive Verstimmung
BrivaracetamSehr häufigSehr häufigHäufignicht genanntHäufig
CarbamazepinSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufigSelten
GabapentinSehr häufigSehr häufigHäufigHäufigHäufig
LacosamidHäufigSehr häufigSehr häufignicht genanntHäufig
LamotriginHäufigHäufigHäufignicht genanntnicht genannt
LevetiracetamSehr häufigHäufigHäufigGelegentlichHäufig
OxcarbazepinSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufigHäufig
PregabalinSehr häufigHäufigHäufigHäufigGelegentlich
TopiramatSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufigSehr häufig
ValproinsäureHäufigHäufigSehr häufigHäufignicht genannt

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Schwindel und Schläfrigkeit

Alle zehn Fachinformationen nennen Schwindel, Benommenheit, Schläfrigkeit oder Sehstörungen, die das Reaktionsvermögen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen können [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10]. Mehrere heben dafür den Behandlungsbeginn, Dosiserhöhungen oder die Kombination mit anderen dämpfenden Mitteln hervor [2, 3, 5, 6, 9]. Unter Lacosamid kann das Schwindelgefühl die Häufigkeit von Verletzungen und Stürzen erhöhen [7]. Carbamazepin, Oxcarbazepin, Topiramat und Lacosamid nennen in diesem Zusammenhang auch Doppelt- oder Verschwommensehen [5, 7, 8, 9]. Die Fachinformation von Lamotrigin rät, sich ärztlich zum Thema Verkehrstüchtigkeit und Epilepsie beraten zu lassen [4]. Mehr dazu: Schwindel, Müdigkeit und Medikamente und Autofahren.

Suizidgedanken und Stimmungsveränderungen

Über Suizidgedanken und suizidales Verhalten wurde bei Menschen berichtet, die Antiepileptika in verschiedenen Anwendungsgebieten erhielten. Eine Metaanalyse placebokontrollierter Studien zeigte laut allen zehn Fachinformationen ein leicht erhöhtes Risiko; der Mechanismus ist nicht bekannt [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10]. Behandelte und ihre Betreuungspersonen sollen laut Fachinformation medizinische Hilfe holen, wenn Anzeichen dafür auftreten [1, 4, 7]. Bei Pregabalin zeigte eine epidemiologische Studie Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für das erneute Auftreten von suizidalem Verhalten und für Tod durch Suizid [1]. Levetiracetam kann zu psychotischen Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten einschließlich Reizbarkeit und Aggressivität führen [3]. Unter Topiramat wurden vermehrt Stimmungsschwankungen und Depressionen beobachtet [8]. Mehr dazu: Depression und Aggressivität und Reizbarkeit.

Hautausschlag und schwere Hautreaktionen

Unter Lamotrigin traten Hautreaktionen im Allgemeinen in den ersten acht Behandlungswochen auf. Die meisten Ausschläge sind leicht, es wurden aber auch lebensbedrohliche Reaktionen berichtet: das Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), die toxische epidermale Nekrolyse (TEN) und das Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS). In Studien mit Erwachsenen mit Epilepsie lag die Rate schwerer Ausschläge bei etwa 1 von 500, bei Kindern ist das Risiko höher. Das Risiko scheint laut Fachinformation eng mit hohen Anfangsdosen, einem Überschreiten der empfohlenen schrittweisen Dosissteigerung und der gleichzeitigen Anwendung von Valproat zusammenzuhängen [4].

Bei Carbamazepin ist das Risiko für SJS und TEN in den ersten Behandlungswochen am höchsten; in Ländern mit hauptsächlich "kaukasischer" Bevölkerung, wie es die Fachinformation nennt, treten sie bei schätzungsweise 1 bis 6 von 10.000 neuen Anwenderinnen und Anwendern auf, in einigen asiatischen Ländern liegt das Risiko etwa 10-mal höher [5]. Bestimmte Erbmerkmale (HLA-B*1502 bei Menschen mit han-chinesischer oder thailändischer Abstammung, HLA-A*3101 unter anderem bei europäischer Abstammung) sind mit einem höheren Risiko verbunden [5, 9]. Wer auf Carbamazepin überempfindlich reagiert hat, kann laut Fachinformation in 25 bis 30 Prozent der Fälle auch auf Oxcarbazepin reagieren [9]. Schwere Hautreaktionen wie SJS, TEN oder DRESS führen außerdem die Fachinformationen der übrigen acht hier beschriebenen Wirkstoffe auf [1, 2, 3, 6, 7, 8, 9, 10]. Als Anzeichen nennt die Fachinformation von Carbamazepin einen fortschreitenden Hautausschlag, oft mit Blasen oder Schleimhautschäden [5]. Frühe Zeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion wie Fieber oder geschwollene Lymphknoten können laut Fachinformation von Lamotrigin auch ohne Hautausschlag auftreten [4]. Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen und Hautausschlag.

Blutbild, Leber und Bauchspeicheldrüse

Unter Carbamazepin sind Veränderungen des Blutbilds möglich; bei Fieber, Halsschmerzen, allergischen Hautreaktionen, Lymphknotenschwellungen, grippeähnlichen Beschwerden, Geschwüren im Mund, Neigung zu Blutergüssen oder punktförmigen Hautblutungen sollen Behandelte sofort ärztlichen Rat suchen [5]. Valproinsäure kann gelegentlich schwere Leberschäden und selten Schäden der Bauchspeicheldrüse auslösen, die tödlich verlaufen können. Betroffen sind meist Säuglinge und Kleinkinder unter 3 Jahren mit schweren Anfällen, besonders bei Kombination mit anderen Antiepileptika; die Leberschäden treten meist in den ersten 6 Behandlungsmonaten auf [6]. Seltene Fälle verminderter Blutzellen werden auch für Levetiracetam und Oxcarbazepin beschrieben [3, 9]. Mehr dazu: Blutungen und Blutbildveränderungen, Leberwerte und Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Natriummangel und Herzrhythmus

Oxcarbazepin kann den Natriumspiegel im Blut senken: Werte unter 125 mmol/l wurden bei bis zu 2,7 Prozent der Behandelten beobachtet, gewöhnlich ohne Beschwerden. Als Risikofaktoren nennt die Fachinformation unter anderem bestimmte Nierenerkrankungen und die gleichzeitige Einnahme natriumsenkender Mittel wie Entwässerungsmittel oder Desmopressin; sie treten besonders bei älteren Menschen auf [9]. Auch Carbamazepin kann einen Natriummangel verursachen [5]. Lacosamid kann das PR-Intervall im EKG verlängern; seit der Markteinführung wurde über AV-Blockierungen und Vorhofflimmern berichtet. Behandelte sollen bei langsamem, schnellem oder unregelmäßigem Puls, Herzklopfen, Kurzatmigkeit oder Ohnmacht unverzüglich ärztlichen Rat einholen [7]. Für Levetiracetam wurden seltene QT-Verlängerungen im EKG beobachtet [3]. Mehr dazu: Natriummangel durch Medikamente, Langsamer Puls und QT-Verlängerung.

Augen, Nieren und Stoffwechsel unter Topiramat

Topiramat kann eine akute Kurzsichtigkeit mit einem sekundären Engwinkelglaukom auslösen, einer Form des grünen Stars; Anzeichen sind eine plötzlich verminderte Sehschärfe oder Augenschmerzen, üblicherweise im ersten Behandlungsmonat. Außerdem sind eine Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose), Nierensteine, ein Gewichtsverlust sowie vermindertes Schwitzen und Überwärmung möglich, Letztere besonders bei kleinen Kindern bei hohen Temperaturen. Laut Fachinformation ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig [8]. Mehr dazu: Sehstörungen und Nierensteine.

Pregabalin und Gabapentin: Abhängigkeit und gedämpfte Atmung

Pregabalin und Gabapentin können laut Fachinformation eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, auch bei therapeutischen Dosen; es wurde über Missbrauch und nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch berichtet. Vor der Verschreibung soll das Risiko dafür sorgfältig geprüft werden, besonders bei Menschen mit Drogen- oder Substanzmissbrauch in der Vorgeschichte. Anzeichen wie Toleranzentwicklung, Dosissteigerung und wirkstoffsuchendes Verhalten sollen beobachtet werden [1, 2]. Über schwere Atemdepression, also eine gefährlich abgeschwächte Atmung, wurde für beide Wirkstoffe berichtet. Laut Fachinformation von Gabapentin haben Menschen mit eingeschränkter Atemfunktion, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen oder Niereninsuffizienz, ältere Menschen und Menschen, die zusätzlich zentral wirkende Antidepressiva einnehmen, ein höheres Risiko; die Fachinformation von Pregabalin nennt für dieselben Gruppen ein möglicherweise höheres Risiko, wobei dort statt der Antidepressiva allgemein Mittel stehen, die das zentrale Nervensystem dämpfen [1, 2]. Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen und Atemnot.

Wichtige Wechselwirkungen

Paar Anfang dreißig spricht am Küchentisch beim Frühstück ruhig miteinander
Bild: KI-generiert

Mehrere Antiepileptika beeinflussen Leberenzyme [4, 5]. Carbamazepin regt vor allem das Enzym CYP3A4 an und kann so die Spiegel vieler anderer Arzneimittel senken, die dann unter Umständen unwirksam werden können [5]. Umgekehrt verändern andere Mittel den Spiegel von Antiepileptika, etwa Valproat den von Lamotrigin [4].

Wichtige Wechselwirkungen von Antiepileptika (Auswahl)
Zusammen mitWas passieren kann
Opioide (z. B. Oxycodon) und andere dämpfende MittelMit Pregabalin oder Gabapentin wurde über Atemversagen bzw. Atemdepression, Sedierung, Koma und Todesfälle berichtet; in Fall-Kontroll-Studien war das Risiko opioidbedingter Todesfälle bei gleichzeitiger Verordnung erhöht [1, 2]
Hormonelle Verhütungsmittel (z. B. Pille mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol)Unter Carbamazepin und Oxcarbazepin kann die Verhütung unwirksam werden; empfohlen werden nicht hormonelle bzw. zusätzliche nicht hormonelle Methoden [5, 9]. Unter Topiramat ist eine verminderte Wirksamkeit möglich, auch ohne Zwischenblutungen [8]. Die Pille kann den Lamotrigin-Spiegel deutlich senken, was mit einem Verlust der Anfallskontrolle in Verbindung gebracht wurde [4, 16]. Östrogenhaltige Mittel können die Wirksamkeit von Valproat vermindern [6]
Valproat zusammen mit LamotriginValproat verlängert die Halbwertszeit von Lamotrigin; das Risiko eines Hautausschlags scheint laut Fachinformation eng mit der gleichzeitigen Anwendung zusammenzuhängen [4]
Viele über CYP3A4 abgebaute Mittel, z. B. Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon, Cortison wie Prednisolon, Levothyroxin, QuetiapinCarbamazepin kann ihre Spiegel senken; bei Itraconazol oder Voriconazol sind laut Fachinformation andere Antiepileptika zu empfehlen [5]
Antibiotika aus der Gruppe der CarbapenemeDer Valproinsäure-Spiegel kann rasch und in großem Ausmaß absinken; die Kombination soll vermieden werden [6]
Mittel, die die Erregungsleitung am Herzen beeinflussen, z. B. AntiarrhythmikaLacosamid ist mit Vorsicht anzuwenden, ebenso zusammen mit anderen Antiepileptika, die Natriumkanäle blockieren [7]
AlkoholUnter Valproat, Topiramat und Brivaracetam wird davon abgeraten, unter Carbamazepin sollen Behandelte keinen Alkohol trinken; Pregabalin kann die Wirkung von Alkohol verstärken, unter Oxcarbazepin kann sich die dämpfende Wirkung verstärken [1, 5, 6, 8, 9, 10]

Die Liste ist nicht vollständig; allein die Fachinformation von Carbamazepin führt zahlreiche weitere Wirkstoffe auf [5]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies. Einen Überblick über alle Ihre Medikamente gibt der Medikationsplan, Grundlagen erklärt der Ratgeber Wechselwirkungen.

Wann Antiepileptika nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden

Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Die Fachinformationen nennen zum Beispiel [3, 5, 6, 7, 8, 10]:

  • Valproinsäure: unter anderem Leber- oder Bauchspeicheldrüsenfunktionsstörungen, Lebererkrankungen in der eigenen oder familiären Vorgeschichte, Porphyrie, Blutgerinnungsstörungen und bestimmte erbliche Stoffwechselstörungen [6].
  • Carbamazepin: unter anderem eine Knochenmarkschädigung, einen AV-Block, eine hepatische Porphyrie und die gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern oder Voriconazol [5].
  • Lacosamid: einen bekannten AV-Block 2. oder 3. Grades [7].
  • Levetiracetam und Brivaracetam: eine Überempfindlichkeit auch gegen andere Pyrrolidon-Abkömmlinge [3, 10].
  • Valproinsäure und Topiramat: bei Epilepsie eine Schwangerschaft, es sei denn, es gibt keine geeignete Behandlungsalternative; Frauen im gebärfähigen Alter, wenn die Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms nicht eingehalten werden (Valproinsäure) bzw. keine hochwirksame Verhütung angewendet wird (Topiramat); bei bipolarer Störung (Valproinsäure) und zur Migräne-Vorbeugung (Topiramat) jede Schwangerschaft (siehe unten) [6, 8].

Vorsicht gilt laut Fachinformation bei Pregabalin und Gabapentin unter anderem für Menschen mit Drogen- oder Substanzmissbrauch in der Vorgeschichte und bei eingeschränkter Atemfunktion, bei Gabapentin auch bei Myasthenia gravis [1, 2]. Wie andere Antiepileptika können Gabapentin, Levetiracetam und Topiramat bei manchen Menschen die Anfälle verstärken oder neue Anfallsformen auslösen [2, 3, 8].

Schwangerschaft und Stillzeit

Ob und womit eine Epilepsie in der Schwangerschaft behandelt wird, entscheiden Sie am besten schon vor einer geplanten Schwangerschaft gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut den Fachinformationen von Lacosamid und Brivaracetam wurde für alle Antiepileptika gezeigt, dass Fehlbildungen bei Kindern behandelter Frauen mit Epilepsie zwei- bis dreimal so häufig sind wie in der Allgemeinbevölkerung, in der sie bei etwa 3 Prozent liegen; zu Lacosamid und Brivaracetam selbst liegen laut Fachinformation nur unzureichende bzw. begrenzte Daten vor; eine wirksame Behandlung sollte in der Schwangerschaft aber nicht unterbrochen werden [7, 10]. Ein plötzliches Absetzen kann zu Anfällen mit ernsthaften Folgen für Mutter und Kind führen [3, 8].

Valproinsäure: Valproat hat laut Fachinformation ein hohes Risiko, beim ungeborenen Kind angeborene Fehlbildungen und neurologische Entwicklungsstörungen auszulösen; in einer Metaanalyse kam es bei 10,73 Prozent der Kinder von Frauen mit Epilepsie unter alleiniger Valproat-Behandlung zu Fehlbildungen [6]. Mit dem Rote-Hand-Brief vom 12. Dezember 2014 wurde die Anwendung bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter auf Fälle beschränkt, in denen andere Arzneimittel nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden [11]. Der Rote-Hand-Brief vom 9. November 2018 führte das Schwangerschaftsverhütungsprogramm ein und nennt ein Risiko für schwerwiegende Entwicklungsstörungen in bis zu 30 bis 40 Prozent und für angeborene Fehlbildungen in ungefähr 10 Prozent der Fälle [12]. Dazu gehören ein Schwangerschaftstest vor Behandlungsbeginn, eine zuverlässige Verhütung, eine mindestens jährliche Überprüfung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt und eine Patientenkarte [6]. Seit dem Rote-Hand-Brief vom 19. Februar 2024 sollen auch Männer über ein mögliches Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei ihren Kindern informiert werden; eine Beobachtungsstudie weist darauf hin, doch wegen ihrer Grenzen gilt das Risiko als möglich und nicht als belegt [13]. Laut Embryotox sind bei Epilepsie Lamotrigin und Levetiracetam besser geeignete Alternativen, bei bipolarer Störung Quetiapin, andere Neuroleptika und Lamotrigin, gegebenenfalls auch das schwach fruchtschädigende Lithium [15]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Topiramat: Topiramat kann in der Schwangerschaft schwere angeborene Fehlbildungen und Wachstumsbeeinträchtigungen verursachen. Im nordamerikanischen Schwangerschaftsregister lag die Häufigkeit schwerer Fehlbildungen unter alleiniger Topiramat-Behandlung bei 4,3 Prozent, in einer Vergleichsgruppe ohne Antiepileptika bei 1,4 Prozent [8]. Mit dem Rote-Hand-Brief vom 2. November 2023 wurde ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm eingeführt; zur Migräne-Vorbeugung ist Topiramat in der Schwangerschaft kontraindiziert [8, 14]. Laut Embryotox sind bei Epilepsie Lamotrigin und Levetiracetam besser geeignete Alternativen, zur Migräne-Vorbeugung Metoprolol und Amitriptylin [18]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Carbamazepin und Pregabalin: Embryotox ordnet Carbamazepin der Kategorie "gesicherte Teratogenität und/oder gravierende Fetotoxizität" zu und nennt als besser geeignete Alternativen bei Epilepsie Lamotrigin und gegebenenfalls Levetiracetam, bei Trigeminus-Neuralgie Lamotrigin oder Levetiracetam und bei bipolarer Störung Quetiapin, andere Neuroleptika, Lamotrigin oder gegebenenfalls Lithium [19]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Für Pregabalin sprechen die Studien laut Embryotox gegen ein deutlich erhöhtes Gesamtfehlbildungsrisiko, ein leicht erhöhtes Risiko lässt sich aber nicht ausschließen; als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox bei Nervenschmerzen zum Beispiel Amitriptylin, bei Epilepsie Lamotrigin und Levetiracetam und bei generalisierter Angststörung gut untersuchte Antidepressiva; auch eine Psychotherapie sollte in Betracht gezogen werden [20]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lamotrigin und Levetiracetam: Embryotox bezeichnet beide bei ausreichender Wirksamkeit als Antiepileptika der Wahl in der Schwangerschaft und rät, sie möglichst als einziges Antiepileptikum einzusetzen [16, 17]. Bei bipolarer Störung nennt Embryotox für Lamotrigin je nach Krankheitsverlauf zum Beispiel Quetiapin als besser geeignete Alternative [16]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Weil ihre Blutspiegel in der Schwangerschaft meist deutlich sinken, sind laut Embryotox engmaschige Kontrollen und gegebenenfalls Dosisanpassungen nötig [16, 17]; auch die Fachinformation von Levetiracetam beschreibt diese Abnahme [3].

Stillzeit: Unter alleiniger Behandlung mit Lamotrigin, Levetiracetam, Carbamazepin, Valproinsäure oder Topiramat hält Embryotox das Stillen bei guter Beobachtung des Kindes für akzeptabel [15, 16, 17, 18, 19]. Die Fachinformationen sind teils zurückhaltender, bei Levetiracetam etwa wird das Stillen nicht empfohlen [3]. Volles Stillen unter hohen Pregabalin-Dosen beurteilt Embryotox eher kritisch [20]. Die Beratung durch Embryotox ist kostenlos [15]. Allgemeines lesen Sie in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Absetzen

Bei Epilepsie sehen alle zehn Fachinformationen vor, die Behandlung schrittweise zu beenden, bei Pregabalin und Gabapentin unabhängig vom Anwendungsgebiet [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10]. Bei bipolarer Störung kann Lamotrigin laut Fachinformation ohne schrittweise Verringerung abgesetzt werden [4]. Ein abruptes Absetzen kann laut Fachinformation zu erneuten oder häufigeren Anfällen führen [3, 4, 5, 8, 9]. Die Fachinformation von Gabapentin nennt zwar keine Hinweise auf Rückfallanfälle durch Gabapentin selbst, weist aber darauf hin, dass das abrupte Absetzen von Antiepileptika bei Epilepsie einen Status epilepticus auslösen kann, also einen lang anhaltenden Anfall [2]. Eine Ausnahme nennt die Fachinformation von Lamotrigin für den Fall, dass Sicherheitserwägungen wie ein Hautausschlag einen sofortigen Abbruch erfordern; das entscheidet die Ärztin oder der Arzt [4].

Nach dem Absetzen von Pregabalin oder Gabapentin wurden Entzugssymptome beobachtet, unter anderem Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angst, Schmerzen, Schwitzen und Schwindel; bei Pregabalin auch Krampfanfälle und Suizidgedanken. Solche Symptome können auf eine Arzneimittelabhängigkeit hinweisen [1, 2]. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu: der Ratgeber Medikamente absetzen und die Seiten zum Absetzen von Pregabalin, Gabapentin, Lamotrigin und Levetiracetam.

Unterschied zu Schmerzmitteln: die Gabapentinoide

Pregabalin und Gabapentin werden bei Epilepsie eingesetzt, gehören laut Abschnitt 5.1 ihrer Fachinformationen aber zur pharmakotherapeutischen Gruppe "Analgetika, andere Analgetika und Antipyretika" [1, 2]. Pregabalin ist bei Epilepsie nur als Zusatzbehandlung zugelassen, Gabapentin auch allein [1, 2]. Werden sie zusammen mit Opioid-Schmerzmitteln eingesetzt, ist laut Fachinformation wegen des Risikos einer Dämpfung des zentralen Nervensystems Vorsicht geboten [1, 2]. Mehr dazu: Nichtopioid-Schmerzmittel und Opioide.

Quellen

  1. Fachinformation Fachinformation Pregabalin-ratiopharm® Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Gabapentin-ratiopharm 100 mg/300 mg/400 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Keppra, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Keppra Filmtabletten, Lösung zum Einnehmen und Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. UCB Pharma S.A. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Lamotrigin-ratiopharm® Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
  5. Fachinformation Fachinformation Carbamazepin-ratiopharm® 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 12.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Valproat-ratiopharm® chrono 300 mg/500 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  7. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Vimpat, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Vimpat Filmtabletten, Sirup und Infusionslösung. UCB Pharma S.A. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Topiramat-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 12.10.2026
  9. Fachinformation Fachinformation Oxcarbazepin-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  10. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Briviact, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Briviact Filmtabletten, Lösung zum Einnehmen und Injektions-/Infusionslösung. UCB Pharma S.A. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2025. abgerufen am 12.10.2026
  11. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Valproat und verwandte Substanzen enthaltenden Arzneimitteln: Risiken für das ungeborene Kind im Falle einer Exposition während der Schwangerschaft. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 12.12.2014. abgerufen am 12.10.2026
  12. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief Valproat: Neue Anwendungseinschränkungen; Einführung des Schwangerschaftsverhütungsprogramms. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (hier: Fassung der ratiopharm GmbH). Stand 09.11.2018. abgerufen am 12.10.2026
  13. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief Valproat: Neue Maßnahmen in Bezug auf das mögliche Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern von Vätern, die in den drei Monaten vor der Zeugung mit Valproat behandelt wurden. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (hier: Fassung der ratiopharm GmbH). Stand 19.02.2024. abgerufen am 12.10.2026
  14. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief Topiramat: Neue Beschränkungen zur Verhinderung einer Exposition während der Schwangerschaft. Zulassungsinhaber topiramathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (hier: Fassung der ratiopharm GmbH). Stand 02.11.2023. abgerufen am 12.10.2026
  15. Embryotox Embryotox: Valproinsäure. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  16. Embryotox Embryotox: Lamotrigin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  17. Embryotox Embryotox: Levetiracetam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  18. Embryotox Embryotox: Topiramat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  19. Embryotox Embryotox: Carbamazepin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  20. Embryotox Embryotox: Pregabalin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Machen Pregabalin und Gabapentin abhängig?

Das ist möglich. Laut ihren Fachinformationen können beide Wirkstoffe eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, auch bei therapeutischen Dosen, und es wurde über Missbrauch berichtet. Ein höheres Risiko kann bei Menschen mit Drogen- oder Substanzmissbrauch in der Vorgeschichte bestehen. Nach dem Absetzen wurden Entzugssymptome beobachtet, etwa Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angst und Schwitzen.

Darf ich ein Antiepileptikum einfach absetzen?

Nein. Bei Epilepsie sehen alle Fachinformationen der hier beschriebenen Wirkstoffe vor, die Behandlung schrittweise zu beenden. Ein plötzliches Absetzen kann laut Fachinformation erneute oder häufigere Anfälle auslösen; die Fachinformation von Gabapentin nennt auch einen Status epilepticus. Bei Pregabalin und Gabapentin sind außerdem Entzugssymptome möglich. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Können Antiepileptika die Pille unwirksam machen?

Einige ja. Bei Carbamazepin und Oxcarbazepin kann die hormonelle Verhütung laut Fachinformation unwirksam werden; empfohlen werden zusätzliche bzw. andere, nicht hormonelle Methoden. Auch unter Topiramat ist eine verminderte Wirksamkeit möglich. Umgekehrt kann die Pille den Lamotrigin-Spiegel senken. Besprechen Sie Ihre Verhütung deshalb mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Warum gelten für Valproat so strenge Regeln?

Valproat hat laut Fachinformation ein hohes Risiko, angeborene Fehlbildungen und neurologische Entwicklungsstörungen beim ungeborenen Kind auszulösen. Laut Rote-Hand-Brief vom 9. November 2018 betrifft das bis zu 30 bis 40 Prozent der Kinder bei den Entwicklungsstörungen und ungefähr 10 Prozent bei den Fehlbildungen. Für Mädchen und Frauen, die schwanger werden können, gilt deshalb ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm. Seit dem Rote-Hand-Brief vom 19. Februar 2024 sollen auch Männer über ein mögliches Risiko informiert werden.

Darf ich mit Antiepileptika Auto fahren?

Das klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Fachinformationen nennen Schwindel, Schläfrigkeit, Benommenheit oder Sehstörungen, die das Fahren beeinträchtigen können. Mehrere heben den Behandlungsbeginn und Dosiserhöhungen hervor. Bei Epilepsie hängt die Fahrtauglichkeit auch von der Erkrankung selbst ab; die Fachinformation von Lamotrigin rät zu einer ärztlichen Beratung zum Thema Verkehrstüchtigkeit und Epilepsie.

Woran erkenne ich eine gefährliche Hautreaktion?

Als Warnzeichen nennt die Fachinformation von Carbamazepin einen sich ausbreitenden Hautausschlag, oft mit Blasen oder Schäden an den Schleimhäuten. Laut Fachinformation von Lamotrigin können frühe Zeichen wie Fieber und geschwollene Lymphknoten auch ohne Hautausschlag auftreten. Bei Carbamazepin ist das Risiko in den ersten Behandlungswochen am höchsten, unter Lamotrigin traten Hautreaktionen im Allgemeinen in den ersten acht Wochen auf. Bei solchen Zeichen brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Darf ich in der Schwangerschaft ein Antiepileptikum nehmen?

Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, am besten schon vor einer geplanten Schwangerschaft. Eine wirksame Behandlung sollte laut Fachinformation nicht unterbrochen werden, weil Anfälle Mutter und Kind gefährden können. Laut Embryotox sind Lamotrigin und Levetiracetam bei ausreichender Wirksamkeit die Antiepileptika der Wahl in der Schwangerschaft; für Valproinsäure und Topiramat nennt Embryotox bei Epilepsie diese beiden als besser geeignete Alternativen, für Carbamazepin Lamotrigin und gegebenenfalls Levetiracetam. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf ich während der Behandlung Alkohol trinken?

Mehrere Fachinformationen raten davon ab, so bei Valproat, Topiramat und Brivaracetam. Unter Carbamazepin sollen Behandelte keinen Alkohol trinken, und Pregabalin kann die Wirkung von Alkohol verstärken. Bei Oxcarbazepin ist Vorsicht geboten, weil sich die dämpfende Wirkung verstärken kann. Fragen Sie im Zweifel Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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