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Trigeminusneuralgie

Bei einer Trigeminusneuralgie schießen plötzlich heftige Schmerzen in eine Gesichtshälfte ein, die meist nur wenige Sekunden dauern, oft ausgelöst durch Berührung, Kauen oder Zähneputzen. Gewöhnliche Schmerzmittel wirken laut gesund.bund.de nicht; Mittel der Wahl sind Medikamente, die sonst bei Epilepsie verschrieben werden, die bekanntesten sind Carbamazepin und Oxcarbazepin. Zugelassen sind für die Trigeminusneuralgie in Deutschland laut den Leitlinienautoren nur Carbamazepin und Phenytoin, andere Mittel wie Oxcarbazepin werden außerhalb der Zulassung eingesetzt. Wirken die Medikamente nicht ausreichend oder werden sie nicht vertragen, kommen eine Operation oder eine Bestrahlung infrage; mit Medikamenten behandelt werden muss eine Trigeminusneuralgie laut einer neurochirurgischen Übersicht umgehend.

Frau Anfang sechzig mit kurzem silbergrauem Haar sitzt in einer petrolfarbenen Strickjacke am hellen Küchentisch, hält eine Tasse Tee und blickt ruhig aus dem Fenster
Bild: KI-generiert

Bei einer Trigeminusneuralgie schießen plötzlich heftige Schmerzen in eine Gesichtshälfte ein. Sie dauern meist nur wenige Sekunden, können aber über mehrere Tage oder Wochen immer wieder auftreten [1]. Gewöhnliche Schmerzmittel helfen nicht. Vorbeugend eingesetzt werden Medikamente, die sonst bei epileptischen Anfällen verschrieben werden, am bekanntesten sind Carbamazepin und Oxcarbazepin; reicht das nicht, kommen eine Operation oder eine Bestrahlung infrage [1].

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Der Trigeminusnerv, auch Drillingsnerv genannt, leitet Berührungs- und Schmerzempfindungen aus dem Gesicht weiter: von Stirn und Augen, Ober- und Unterkiefer sowie Lippe und Wange [1]. Bei einer Trigeminusneuralgie ist dieser Nerv gereizt. Die Schmerzen treten einseitig auf, schmerzfreie Phasen wechseln sich mit Phasen häufig wiederkehrender Schmerzen ab [1]. Die Erkrankung ist selten: Pro Jahr erkranken laut gesund.bund.de zwischen 4 und 27 von 100.000 Menschen daran, Frauen etwas häufiger als Männer [1].

Einteilung: Die S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), wie sie die Neurochirurgen Ahmadi und Tronnier in der Zeitschrift Der Schmerz (2024) wiedergeben, unterscheidet drei Formen [3]:

  • Klassische Trigeminusneuralgie: Ein Blutgefäß drückt auf die Wurzel des Nervs und verändert sie (neurovaskuläre Kompression) [3].
  • Sekundäre Trigeminusneuralgie: Eine andere Erkrankung, die im MRT nachgewiesen ist, verursacht die Schmerzen [3].
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: Das MRT zeigt keine Auffälligkeiten, eine klassische oder sekundäre Form ist damit ausgeschlossen [3].

Davon abgegrenzt wird die schmerzhafte Trigeminusneuropathie, eine Schädigung des Nervs, etwa nach Verletzungen, Eingriffen an Zähnen oder Kiefer oder Infektionen wie einer Gürtelrose. Bei ihr steht ein Dauerschmerz im Vordergrund, häufig brennend und mit Gefühlsstörungen; sie wird nach anderen Grundsätzen behandelt [3]. Mehr dazu: Nervenschmerzen und Gürtelrose.

Symptome

Die Schmerzen setzen plötzlich ein und sind heftig. Sie treten laut gesund.bund.de vor allem in der mittleren und unteren Gesichtshälfte auf, besonders häufig im Kiefer- und Wangenbereich [1]. Eine Übersicht in der Zeitschrift "Arzneiverordnung in der Praxis" der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) von 2015 beschreibt blitzartig einschießende, sehr kurze und intensive Attacken, die typischerweise wenige Sekunden und selten bis zu zwei Minuten dauern; zwischen den Attacken besteht meist Schmerzfreiheit [4]. Mit der Zeit können sich die Abstände zwischen den Attacken verkürzen, und es kann sich ein dumpfer Dauerschmerz einstellen [1].

Auslöser: Die Attacken kommen spontan oder werden durch Reize ausgelöst, schon durch leichte Berührungen im Gesicht, durch Kauen oder Zähneputzen, manchmal durch einen kühlen Luftzug [1]. Auch Sprechen und andere Bewegungen des Mundes nennt die AkdÄ-Übersicht als häufige Auslöser [4].

Begleitzeichen: Kopfschmerzen können die Gesichtsschmerzen begleiten. Möglich sind laut gesund.bund.de außerdem eine gerötete Bindehaut, eine verengte Pupille, Tränenfluss, eine verstopfte oder laufende Nase und ein geschwollenes oder hängendes Augenlid [1].

Verlauf: Die Erkrankung verläuft in Phasen. Manche Betroffene haben über Wochen und Monate täglich Attacken und dann wieder eine Zeit lang gar keine Beschwerden; erfahrungsgemäß nehmen die Attacken mit der Dauer der Erkrankung zu [1]. Weil der Schmerz aus dem Mund zu kommen scheint, gehen viele zuerst in eine Zahnarztpraxis. Tatsächlich ist der Ast des Nervs, der den Kiefer versorgt, am häufigsten betroffen [1]. Mehr: Zahnschmerzen.

Ursachen und Risikofaktoren

Bei 80 bis 90 von 100 Menschen mit einer Trigeminusneuralgie drückt laut gesund.bund.de ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv. Das reizt die schützende Nervenhülle, und der Nerv wird leichter erregbar [1]. Am häufigsten ist es laut Ahmadi und Tronnier die obere Kleinhirnarterie (Arteria cerebelli superior), seltener eine andere Arterie oder eine Vene nahe dem Hirnstamm. Ein im MRT sichtbarer Kontakt zwischen Gefäß und Nerv muss aber nicht zwangsläufig mit einer Trigeminusneuralgie einhergehen [3]. Als einzigen sicher belegten Risikofaktor nennt die AkdÄ-Übersicht ein höheres Lebensalter [4].

Bei einer sekundären Trigeminusneuralgie reizt eine andere Erkrankung den Nerv. Dazu zählen laut gesund.bund.de [1]:

  • Multiple Sklerose,
  • Tumoren, die Druck ausüben,
  • Bindegewebserkrankungen,
  • angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen.

Lässt sich für die typischen Gesichtsschmerzen keine Ursache erkennen, liegt eine idiopathische Trigeminusneuralgie vor [1]. Bei Multipler Sklerose ist Carbamazepin laut Packungsbeilage auch für nicht-epileptische Anfälle wie eine Trigeminus-Neuralgie zugelassen; zugleich gibt es laut Packungsbeilage Hinweise, dass Carbamazepin die Beschwerden einer Multiplen Sklerose verschlechtern kann [5].

Diagnose

Ob eine Trigeminusneuralgie vorliegt, stellen Ärztinnen und Ärzte laut gesund.bund.de durch ein ausführliches Gespräch und eine gründliche körperliche Untersuchung fest. Sie fragen unter anderem, wie lange die Schmerzen anhalten und wie häufig sie auftreten, nach Begleitzeichen und nach den Reizen, die eine Attacke auslösen; außerdem testen sie das Empfindungsvermögen im Gesicht [1].

Nach der Einteilung der S1-Leitlinie, wie Ahmadi und Tronnier sie wiedergeben, unterscheidet ein MRT die Formen: Es zeigt, ob ein Blutgefäß den Nerv verändert, eine andere Grunderkrankung vorliegt oder kein auffälliger Befund zu sehen ist [3]. Als Warnzeichen für eine sekundäre Trigeminusneuralgie nennt die AkdÄ-Übersicht eine Gefühlsstörung im Gesicht, ein einseitig übermäßig empfindliches Gehör oder eine Störung des Gleichgewichtsorgans, einen Beginn vor dem 50. Lebensjahr, Schmerzattacken auf beiden Seiten, einen Dauerschmerz schon früh im Verlauf und ein fehlendes Ansprechen auf eine angemessene Behandlung mit Medikamenten [4].

Behandlung ohne Medikamente: Eingriffe und Bestrahlung

Eine Operation wird laut gesund.bund.de erst durchgeführt, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Wirkstoffen ausgeschöpft sind oder wegen Nebenwirkungen nicht möglich sind [1]. Auch Ahmadi und Tronnier nennen ein fehlendes Ansprechen auf Medikamente oder nicht hinnehmbare Nebenwirkungen als Gründe, chirurgische Möglichkeiten zu prüfen; hohes Alter allein ist dort kein Grund gegen einen Eingriff [3]. Infrage kommen [1, 3]:

  • Mikrovaskuläre Dekompression: Bei dieser Operation wird der Kontakt zwischen Nerv und Blutgefäß unterbrochen, um den Druck auf den Nerv zu lösen [1]. Sie ist die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt, und kommt vor allem bei der klassischen Form mit nachgewiesenem Gefäß-Nerven-Kontakt infrage [3].
  • Eingriffe durch die Haut (perkutane Verfahren): Über eine Nadel werden Nervenfasern im Nervenknoten (Ganglion Gasseri) durch Wärme (Thermokoagulation), eine Glycerinlösung oder Druck mit einem Ballon geschädigt [1, 3].
  • Bestrahlung (Radiochirurgie, etwa mit dem Gamma Knife): Sie soll verhindern, dass der Nerv weiter Schmerzsignale an das Gehirn leitet [1]. Die Wirkung setzt laut Ahmadi und Tronnier in der Regel erst nach 2 bis 4 Wochen ein [3].

Die zerstörenden Verfahren nehmen laut der AkdÄ-Übersicht eine bleibende Schädigung des Nervs in Kauf und können eine Gefühlsstörung im Gesicht hinterlassen. Eine gefürchtete Komplikation ist ein dauerhafter, sehr starker, brennender Schmerz im gefühlsgestörten Bereich (Anaesthesia dolorosa) [4]. Die mikrovaskuläre Dekompression ist eine neurochirurgische Operation im Kleinhirnbrückenwinkel; als häufigste Komplikation nennen beide Übersichten eine Hörminderung [3, 4]. Vor- und Nachteile der Verfahren werden individuell abgewogen [3, 4].

Behandlung mit Medikamenten

Mann Ende fünfzig mit graublondem Haar in einem dunkelblauen Pullover sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Ärztin mit rotbraunem Haar gegenüber, beide unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert

Gewöhnliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol wirken bei einer Trigeminusneuralgie laut gesund.bund.de nicht, weil die Schmerzattacken zu kurz sind; selbst stärkste Schmerzmittel wie Opioide haben keine Wirkung [1]. Es empfiehlt sich laut gesund.bund.de, den Attacken durch eine Dauertherapie vorzubeugen. Mittel der Wahl sind Medikamente, die sonst bei epileptischen Anfällen verschrieben werden (Antiepileptika); die beiden bekanntesten sind Carbamazepin und Oxcarbazepin [1].

Laut einer Zusammenfassung der neuen Leitlinie durch Ruscheweyh und weitere Leitlinienautoren in der Zeitschrift Der Schmerz (2024) sind Carbamazepin und Phenytoin die einzigen Wirkstoffe, die in Deutschland zur Behandlung der Trigeminusneuralgie zugelassen sind; andere Mittel werden außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt [2]. Mehr dazu im Ratgeber Off-Label-Use. Die Tabelle nennt das zugelassene Mittel mit eigener Wirkstoffseite. Die Häufigkeiten stammen aus der Packungsbeilage ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Zugelassenes Medikament zur Behandlung der Trigeminusneuralgie
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Antiepileptika (Mittel gegen Krampfanfälle)Carbamazepin, laut Packungsbeilage zugelassen bei anfallsartig auftretenden Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie) [5]Der Wirkmechanismus ist laut Fachinformation bislang nicht geklärt. Ähnlich wie Phenytoin hemmt Carbamazepin die Übertragung von Signalen zwischen Nervenzellen; die Schmerzlinderung bei der Trigeminus-Neuralgie kommt wahrscheinlich durch eine Hemmung der Reizübertragung im spinalen Trigeminuskern zustande [6]Sehr häufig: Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Gang- und Bewegungsstörungen, Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen, allergische Hautreaktionen, verminderte Zahl weißer Blutkörperchen, Anstieg des Leberwerts Gamma-GT. Häufig unter anderem: Kopfschmerzen, Doppelbilder, verschwommenes Sehen, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme, Natriummangel im Blut, Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit [5]

Carbamazepin

Carbamazepin ist laut Packungsbeilage unter anderem bei anfallsartig auftretenden Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie) zugelassen und bei nicht-epileptischen Anfällen bei Multipler Sklerose, etwa einer Trigeminus-Neuralgie [5]. Die Dosis wird laut gesund.bund.de langsam gesteigert, bis das Mittel gut wirkt und möglichst wenige Nebenwirkungen verursacht [1]. Laut Packungsbeilage hat es sich bei der Neuralgie-Behandlung bewährt, einige Wochen mit einer Erhaltungsdosis weiterzubehandeln, die für die Schmerzfreiheit gerade noch ausreicht. Durch eine vorsichtige Verringerung der Dosis wird dann geprüft, ob die Schmerzen von selbst nachgelassen haben; kehren die Attacken zurück, wird mit der ursprünglichen Erhaltungsdosis weiterbehandelt [5]. Diese Schritte legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosis stehen auf der Wirkstoffseite unter Dosierung.

Carbamazepin regt laut Fachinformation bestimmte Leberenzyme an. Dadurch können die Blutspiegel vieler anderer Arzneimittel sinken, sodass diese unter Umständen unwirksam werden, unter anderem von Gerinnungshemmern, anderen Mitteln gegen Epilepsie, bestimmten Antidepressiva und hormonellen Verhütungsmitteln [6]. Die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel können laut Packungsbeilage weniger zuverlässig verhüten, außerdem sind unerwartete Durchbruch- oder Schmierblutungen möglich; laut Fachinformation sollten nicht-hormonelle Verhütungsmethoden empfohlen werden [5, 6]. Zusammen mit einem MAO-Hemmer gegen Depressionen oder mit Voriconazol gegen Pilzerkrankungen darf Carbamazepin nicht eingenommen werden. Grapefruitsaft kann den Spiegel von Carbamazepin möglicherweise erhöhen [5]. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.

Oxcarbazepin: für die Trigeminusneuralgie nicht zugelassen

Oxcarbazepin nennt gesund.bund.de neben Carbamazepin als einen der beiden bekanntesten Wirkstoffe [1]. Zugelassen ist es laut Fachinformation nur zur Behandlung fokaler Anfälle bei Epilepsie, für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren [8]. Für die Trigeminusneuralgie ist es also nicht zugelassen [2, 8]. Die AkdÄ-Übersicht von 2015 beschreibt den Einsatz außerhalb der Zulassung für den Fall, dass Carbamazepin grundsätzlich wirkt, aber nicht vertragen wird; dabei muss laut der Übersicht auf die häufige Entwicklung eines Natriummangels im Blut (Hyponatriämie) geachtet werden [4]. Laut Fachinformation ist dieser Natriummangel häufig und verläuft in den meisten Fällen ohne Beschwerden; sehr selten geht er mit Anfällen, Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, Sehstörungen, Erbrechen oder Übelkeit einher [8]. Wer allergisch gegen Carbamazepin ist, reagiert laut Packungsbeilage von Oxcarbazepin mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 1 zu 4 (25 Prozent) auch allergisch auf Oxcarbazepin [7].

Weitere Mittel

Als weitere Mittel nennt die AkdÄ-Übersicht von 2015 unter anderem Lamotrigin, Gabapentin, Pregabalin, Baclofen, Topiramat und Phenytoin [4]. Für die Trigeminusneuralgie zugelassen ist von diesen Mitteln laut den Leitlinienautoren nur Phenytoin; Lamotrigin, Gabapentin, Pregabalin, Baclofen und Topiramat sind dafür nicht zugelassen [2]. Phenytoin-Tabletten sind laut Fachinformation bei Schmerzen vom Typ des Tic douloureux, wie die Trigeminusneuralgie auch genannt wird, zugelassen, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich waren oder nicht durchführbar sind [4, 12]; die Phenytoin-Injektionslösung ist laut ihrer Fachinformation für diese Schmerzen ohne diese Einschränkung zugelassen [13]. Ob eines dieser Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; Einzelheiten zu Nebenwirkungen stehen auf den Wirkstoffseiten.

Bei einer Verschlimmerung

Bei andauernden Schmerzepisoden mit wiederholten Attacken können laut gesund.bund.de Infusionen mit speziellen Wirkstoffen die akuten Beschwerden lindern [1]. Bei einer Verschlimmerung (Exazerbation) kann laut der AkdÄ-Übersicht eine rasche Steigerung der Behandlung nötig sein; die Übersicht nennt dafür Carbamazepin als Saft oder Phenytoin in die Vene. Phenytoin hält sie wegen seiner Nebenwirkungen für die Dauerbehandlung für weniger geeignet [4].

Schwangerschaft und Kinderwunsch

Carbamazepin kann laut Packungsbeilage zu schweren Geburtsfehlern führen. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und zwei Wochen nach der letzten Dosis zuverlässig verhüten [5]. Laut Fachinformation sollte Carbamazepin bei Frauen im gebärfähigen Alter und in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt nach sorgfältiger Abwägung anderer geeigneter Behandlungen die Risiken [6]. Das Beratungszentrum Embryotox der Charité stuft Carbamazepin als gesichert fehlbildend ein; bei Planung einer Schwangerschaft sollte die Behandlung sehr kritisch geprüft werden [9]. Als besser geeignete Alternativen bei Trigeminusneuralgie nennt Embryotox Lamotrigin und Levetiracetam, die beide für die Trigeminusneuralgie nicht zugelassen sind [2, 9]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Medikamente

Nebenwirkungen am Nervensystem wie Schwindel, Benommenheit und Gangunsicherheit können laut der AkdÄ-Übersicht vor allem bei älteren Menschen die Behandlung mit Carbamazepin begrenzen; seltener sind allergische Hautreaktionen, Blutbildveränderungen und Leberschäden der Grund für ein Absetzen [4]. Welche Nebenwirkungen die Packungsbeilage als sehr häufig und häufig einstuft, steht in der Tabelle; mehr unter Schwindel und Müdigkeit. Wichtige Warnhinweise der Packungsbeilage und Fachinformation:

  • Schwere Hautreaktionen: Unter Carbamazepin wurden möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen berichtet (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse); das höchste Risiko besteht in den ersten Behandlungswochen. Bei Menschen aus bestimmten asiatischen Ländern treten sie häufiger auf; bei Han-Chinesen oder Thailändern kann ein Bluttest ein erhöhtes Risiko erkennen [5]. Laut Fachinformation sollten Menschen han-chinesischer oder thailändischer Abstammung vor Beginn der Behandlung möglichst auf die Genvariante HLA-B*1502 untersucht werden; fällt der Test positiv aus, sollte die Behandlung nicht begonnen werden, es sei denn, es gibt keine andere Behandlungsmöglichkeit. Bei Menschen europäischer und japanischer Abstammung ist laut Fachinformation die Genvariante HLA-A*3101 mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen durch Carbamazepin verbunden; für eine Empfehlung, vor Beginn darauf zu testen, reichen die Daten nicht aus [6]. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hielt es 2008 für erforderlich, die Produktinformationen aller carbamazepinhaltigen Arzneimittel um dieses Risiko bei bestimmten Bevölkerungsgruppen südostasiatischer Herkunft zu ergänzen [10]. Mehr: Schwere Hautreaktionen.
  • Blutbild und Leber: Laut Fachinformation sollte das Blutbild vor der Behandlung, im ersten Monat wöchentlich und danach monatlich kontrolliert werden. Die Leberwerte müssen vor und während der Behandlung kontrolliert werden, empfohlen wird derselbe Rhythmus. Nach 6 Monaten reichen teilweise 2 bis 4 Kontrollen im Jahr [6]. Mehr: Blutbildveränderungen und Erhöhte Leberwerte.
  • Natriummangel: Ein verminderter Natriumgehalt im Blut ist unter Carbamazepin laut Packungsbeilage häufig, unter Oxcarbazepin laut Fachinformation ebenfalls [5, 8]. Bei Schlappheit, Verwirrtheit oder Muskelzuckungen suchen Sie laut Packungsbeilage von Carbamazepin sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [5]. Mehr: Natriummangel.
  • Gedanken, sich das Leben zu nehmen: Eine geringe Anzahl von Menschen, die mit Antiepileptika wie Carbamazepin behandelt wurden, hatte laut Packungsbeilage Gedanken daran, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, setzen Sie sich sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung [5].
  • Alkohol und Verkehr: Carbamazepin kann dazu führen, dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen; Alkohol sollten Sie während der Behandlung meiden. Wegen der Nebenwirkungen am Nervensystem dürfen Sie laut Packungsbeilage keine Kraftfahrzeuge führen und keine Maschinen bedienen [5]. Mehr: Medikamente und Alkohol und Medikamente und Autofahren.

Die Behandlung mit Carbamazepin dürfen Sie laut Packungsbeilage auf keinen Fall eigenmächtig unterbrechen oder vorzeitig beenden; sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Unverträglichkeiten oder Änderungen im Krankheitsbild auftreten [5]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Jede Trigeminusneuralgie muss laut Ahmadi und Tronnier umgehend mit Medikamenten behandelt werden, weil die Schmerzen quälend sind und oft keine Nahrungsaufnahme mehr zulassen [3]. Bei einer akuten Verschlimmerung kann das laut den Leitlinienautoren auch das Trinken verhindern und zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen [2]. Kommen eine Gefühlsstörung im Gesicht, ein einseitig übermäßig empfindliches Gehör, eine Störung des Gleichgewichtsorgans oder Schmerzattacken auf beiden Seiten hinzu, können das laut der AkdÄ-Übersicht Warnzeichen für eine sekundäre Trigeminusneuralgie sein [4].

Unter Carbamazepin suchen Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf bei [5]:

  • grippeähnlichen Beschwerden, Fieber, Halsschmerzen, Hautausschlag, Geschwüren im Mund, Lymphknotenschwellung oder erhöhter Infektanfälligkeit,
  • Müdigkeit, Kurzatmigkeit bei Belastung, Blässe, häufigen Infektionen, leichter auftretenden blauen Flecken oder Nasenbluten,
  • Hautausschlag mit Bläschen an Lippen, Augen oder im Mund, Abschälen der Haut und gleichzeitigem Fieber,
  • Schwellung von Gesicht, Augen oder Zunge, Schluckbeschwerden, pfeifendem Atem, Enge um die Brust oder Atemnot,
  • Gelbfärbung der Haut oder des Augenweiß, dunklem Urin oder starken Schmerzen im Oberbauch mit Erbrechen,
  • unregelmäßigem Herzschlag und Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder Ohnmacht.

Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot, starke Brustschmerzen sowie akute und anhaltende stärkste Schmerzzustände nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Fälle für den Notruf 112 [11].

Quellen

  1. Behörde Trigeminusneuralgie: Ursachen und Therapie. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 21.10.2021. abgerufen am 18.10.2026
  2. Ruscheweyh R, Gierthmühlen J, Hedderich DM, Goßrau G, Leis S: Medikamentöse Therapie der Trigeminusneuralgie. Die neue Leitlinie. Schmerz 2024;38(4):283-292 (Zusammenfassung, frei abrufbar). Springer Medizin Verlag. Stand 30.04.2024. abgerufen am 18.10.2026
  3. Ahmadi R, Tronnier VM: Operative Behandlung der Trigeminusneuralgie. Schmerz 2024;38:441-448 (mit Tabellen aus der S1-Leitlinie Diagnose und Therapie der Trigeminusneuralgie der DGN). Springer Medizin Verlag, Open Access über PubMed Central (PMC11576773). Stand 17.10.2024. abgerufen am 18.10.2026
  4. von Brevern M: Die Trigeminusneuralgie, der Stand der Therapie heute. Arzneiverordnung in der Praxis 2015;42(2):65-68. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Stand 04/2015. abgerufen am 18.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 18.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 18.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Oxcarbazepin-ratiopharm 300 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Oxcarbazepin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
  9. Embryotox Embryotox: Carbamazepin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 18.10.2026
  10. Behörde Carbamazepinhaltige Arzneimittel: Class Review durch die Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe der EMEA und Umsetzung im Stufenplanverfahren, Stufe II (Stevens-Johnson-Syndrom bei bestimmten Bevölkerungsgruppen südostasiatischer Herkunft). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 16.09.2008. abgerufen am 18.10.2026
  11. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Phenhydan 100 mg Tabletten (Phenytoin). Desitin Arzneimittel GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 18.10.2026
  13. Fachinformation Fachinformation Phenhydan Injektionslösung (Phenytoin). Desitin Arzneimittel GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen bei Trigeminusneuralgie?

Laut gesund.bund.de sind Mittel der Wahl Medikamente, die sonst bei epileptischen Anfällen verschrieben werden; die beiden bekanntesten sind Carbamazepin und Oxcarbazepin. Sie werden dauerhaft eingenommen, um den Attacken vorzubeugen. Zugelassen sind für die Trigeminusneuralgie in Deutschland laut den Leitlinienautoren nur Carbamazepin und Phenytoin, Phenytoin-Tabletten laut Fachinformation nur, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich waren oder nicht durchführbar sind. Oxcarbazepin und weitere Mittel wie Lamotrigin, Gabapentin, Pregabalin oder Baclofen sind dafür nicht zugelassen. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Warum helfen normale Schmerzmittel nicht?

Gewöhnliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol wirken bei einer Trigeminusneuralgie laut gesund.bund.de nicht, weil die Schmerzattacken zu kurz sind. Selbst stärkste Schmerzmittel wie Opioide haben laut gesund.bund.de keine Wirkung. Behandelt wird deshalb vorbeugend mit einer Dauertherapie.

Ist Oxcarbazepin für die Trigeminusneuralgie zugelassen?

Nein. Oxcarbazepin ist laut Fachinformation nur zur Behandlung fokaler Anfälle bei Epilepsie zugelassen. Eine Übersicht in der Zeitschrift der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (2015) beschreibt den Einsatz außerhalb der Zulassung (Off-Label) für den Fall, dass Carbamazepin grundsätzlich wirkt, aber nicht vertragen wird. Dabei muss auf einen Natriummangel im Blut geachtet werden, den die Fachinformation als häufig einstuft.

Welche Nebenwirkungen hat Carbamazepin?

Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage unter anderem Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Gang- und Bewegungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen, allergische Hautreaktionen und eine verminderte Zahl weißer Blutkörperchen. Häufig sind unter anderem Kopfschmerzen, Doppelbilder, Wassereinlagerungen und ein Natriummangel im Blut. Bei grippeähnlichen Beschwerden, Fieber, Halsschmerzen, Hautausschlag oder Geschwüren im Mund suchen Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf. Alle Nebenwirkungen stehen auf der Seite Carbamazepin.

Darf ich mit Carbamazepin Auto fahren?

Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen und Störungen der Bewegungskoordination schränken laut Packungsbeilage auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fahrtüchtigkeit ein, zu Beginn der Behandlung, bei Dosissteigerung oder höheren Dosen und zusammen mit anderen Mitteln, die auf das Nervensystem wirken. Laut Packungsbeilage dürfen Sie deshalb keine Kraftfahrzeuge führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefahrvollen Tätigkeiten ausführen; das gilt verstärkt zusammen mit Alkohol. Mehr im Ratgeber Medikamente und Autofahren.

Wann kommt eine Operation infrage?

Eine Operation wird laut gesund.bund.de erst durchgeführt, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Wirkstoffen ausgeschöpft oder wegen Nebenwirkungen nicht möglich sind. Bei einem nachgewiesenen Kontakt zwischen Nerv und Blutgefäß gilt die mikrovaskuläre Dekompression als wirksame Wahl; daneben gibt es Eingriffe am Nervenknoten durch die Haut und die Bestrahlung. Welches Verfahren passt, wird individuell abgewogen.

Kann eine Trigeminusneuralgie von allein wieder aufhören?

Die Erkrankung verläuft laut gesund.bund.de in Phasen: Manchmal treten über Wochen und Monate täglich Attacken auf, dann wieder gibt es für gewisse Zeit gar keine Beschwerden. Erfahrungsgemäß nehmen die Attacken mit der Dauer der Erkrankung zu. Laut Packungsbeilage von Carbamazepin wird nach einigen Wochen Schmerzfreiheit durch eine vorsichtige Verringerung der Dosis geprüft, ob die Schmerzen von selbst nachgelassen haben; das übernimmt die Ärztin oder der Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Was gilt bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft?

Carbamazepin kann laut Packungsbeilage zu schweren Geburtsfehlern führen; Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und zwei Wochen nach der letzten Dosis zuverlässig verhüten. Laut Embryotox sollte die Behandlung bei Planung einer Schwangerschaft sehr kritisch geprüft werden; als besser geeignete Alternativen bei Trigeminusneuralgie nennt Embryotox Lamotrigin und Levetiracetam, die beide für die Trigeminusneuralgie nicht zugelassen sind. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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