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Posttraumatische Belastungsstörung

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung nach traumatischen Ereignissen; typisch sind laut Informationsblatt zur S3-Leitlinie das Wiedererleben des Traumas, die Vermeidung von Erinnerungsreizen und ein Gefühl anhaltender Bedrohung. Laut S3-Leitlinie soll primär eine traumafokussierte Psychotherapie angeboten werden; Medikamente sind die Behandlung der zweiten Wahl (Empfehlungsgrad A), und dann soll mit Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin oder Venlafaxin behandelt werden (Empfehlungsgrad A); Fluoxetin und Venlafaxin sind für die PTBS nicht zugelassen. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sofort Hilfe, bei akuter Gefahr über den Notruf 112.

Frau Ende dreißig mit dunkelblondem Haar sitzt in einem senfgelben Pullover auf einer Holzbank in einem ruhigen Garten und hält im Morgenlicht eine Tasse Tee
Bild: KI-generiert

Nach einem schweren Unfall, einem Übergriff oder einer Katastrophe treten in den ersten Tagen und Wochen oft starke Gefühle wie Angst, Traurigkeit, Schuld oder Wut auf; in vielen Fällen klingen sie von selbst wieder ab [2]. Lassen sie nicht nach oder werden sie stärker, kann das laut Informationsblatt zur S3-Leitlinie ein Hinweis auf eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine andere psychische Erkrankung sein [2]. Laut S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, Version 7.0 von Februar 2026, soll primär eine traumafokussierte Psychotherapie angeboten werden; Medikamente sind die Behandlung der zweiten Wahl (Empfehlungsgrad A) [1]. Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, braucht sofort Hilfe; die Nummern stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

Die PTBS ist laut Informationsblatt zur S3-Leitlinie eine psychische Erkrankung nach traumatischen Ereignissen, etwa Naturkatastrophen, Krieg, schweren Unfällen oder körperlichen oder sexuellen Übergriffen [2]. Eine PTBS geht laut IQWiG immer ein Erlebnis voraus, das als lebensbedrohlich für sich oder andere empfunden wurde oder zu einer schweren körperlichen oder seelischen Verletzung geführt hat; auch medizinische Notfälle wie ein Herzinfarkt oder die Nachricht vom Tod eines nahestehenden Menschen können traumatisch sein [3]. Belastungen wie eine Scheidung, ein Arbeitsplatzverlust oder Mobbing führen laut IQWiG nicht zu einer PTBS, können aber einzelne typische Beschwerden auslösen [3].

Die komplexe PTBS entsteht laut Informationsblatt meist nach schweren und wiederholten traumatischen Ereignissen. Zusätzlich zu den Beschwerden der PTBS haben Betroffene Probleme im Umgang mit Gefühlen, ein negatives Selbstbild und Schwierigkeiten in Beziehungen [2].

Häufigkeit: In Deutschland haben laut IQWiG etwa 2 bis 3 von 100 Menschen im Laufe des Lebens mindestens einmal eine PTBS [3]. Die S3-Leitlinie nennt für Deutschland eine Häufigkeit von 1,5 Prozent innerhalb eines Monats [1]. Eine PTBS entwickeln laut IQWiG ungefähr die Hälfte der Kriegs-, Vergewaltigungs- und Folteropfer, ein Viertel der Opfer von Gewaltverbrechen und etwa 10 von 100 Menschen nach einem schweren Verkehrsunfall oder einer lebensbedrohlichen Erkrankung [3].

Symptome

Typisch sind laut Informationsblatt zur S3-Leitlinie [2]:

  • Wiedererleben: sich aufdrängende Bilder, Albträume und "Flashbacks", also plötzliche, sehr deutliche Erinnerungen, die sich laut IQWiG so anfühlen, als passiere das Ereignis noch einmal [2, 3].
  • Vermeidung: Betroffene meiden Gedanken, Situationen, Orte oder Personen, die mit dem Erlebten verbunden sind [2]. Manche ziehen sich laut IQWiG zurück, verlieren das Interesse an früher wichtigen Dingen oder fühlen sich innerlich wie taub [3].
  • Gefühl anhaltender Bedrohung: besondere Wachsamkeit und starke Schreckhaftigkeit [2]. Viele schlafen laut IQWiG schlecht, können sich nicht gut konzentrieren und sind reizbar; Erinnerungsreize wie Gerüche oder Geräusche können Herzklopfen, Engegefühl in der Brust, Atembeschwerden und Zittern auslösen [3].

Bei vielen ist laut IQWiG das Vertrauen in sich und andere erschüttert, das Selbstwertgefühl nimmt ab, und es quälen Fragen nach der eigenen Schuld [3]. Durch ein Trauma kann es außerdem zu Depressionen, Angststörungen oder einer Suchterkrankung kommen [3]. Mehr: Depression, Angststörung und Alkoholabhängigkeit.

Bei Kindern und Jugendlichen äußert sich eine PTBS laut IQWiG oft anders: Häufig spielen sie das Erlebte in symbolischer Form immer wieder durch, viele werden sehr ängstlich oder aggressiv [3].

Ursachen und Risikofaktoren

Ob und wie stark sich eine PTBS entwickelt, hängt laut IQWiG davon ab, was passiert ist, wie intensiv und anhaltend das Erlebnis war, ob es wiederholt zu Traumatisierungen kam, wie anfällig jemand für psychische Beschwerden ist und welche schützenden Faktoren bestehen [3]. Eine wichtige Rolle spielen die Gefühle von Angst, Hilflosigkeit und Kontrollverlust in der Situation und ob jemand Gewalt durch andere erfahren hat [3].

Menschen mit Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen sind laut IQWiG anfälliger; fehlende emotionale Zuwendung und soziale Unterstützung erhöhen das Risiko [3]. Häufiger mit dramatischen Ereignissen konfrontiert sind etwa Polizei, Feuerwehr, Lokführende und Rettungskräfte, deutlich häufiger betroffen sind Menschen in Kriegsgebieten [3].

Verlauf: Erste Beschwerden können laut IQWiG schon während oder kurz nach dem Trauma auftreten, manchmal erst nach Jahren. Ein Teil der Betroffenen erholt sich innerhalb eines Jahres deutlich, oft auch ohne Behandlung; bei etwa 30 von 100 bleiben die Beschwerden drei Jahre oder länger bestehen [3].

Diagnose

Die Diagnose PTBS wird laut IQWiG erst gestellt, wenn die Beschwerden länger als vier Wochen anhalten; Beschwerden unmittelbar nach dem Ereignis heißen zunächst "akute Belastungsreaktion" [3]. Festgestellt wird die PTBS im Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten; das Erlebte selbst wird dabei laut IQWiG nur angeschnitten [3]. Bei jeder psychodiagnostischen Untersuchung Erwachsener soll laut S3-Leitlinie erfasst werden, ob ein potenziell traumatisches Ereignis erlebt wurde; wenn ja oder wenn das unklar ist, soll eine genaue Traumaanamnese erfolgen (Expertenkonsens) [1]. Akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen klingen laut Leitlinie häufig von selbst ab; eine PTBS kann sich daraus entwickeln, das ist aber nicht der Regelfall [1].

Behandlung ohne Medikamente

Mann Anfang vierzig mit kurzem braunem Haar im Gespräch mit einer grauhaarigen Therapeutin in einem hellen Raum mit Pflanzen, beide sitzen in Sesseln
Bild: KI-generiert

Menschen mit einer PTBS soll laut S3-Leitlinie eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting angeboten werden, bei der die Auseinandersetzung mit den traumatischen Ereignissen und den dazugehörigen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen im Mittelpunkt steht (Empfehlungsgrad A; laut Leitlinie eine starke Empfehlung mit "soll", Empfehlungsgrad B steht dort für "sollte", 0 für eine offene Empfehlung mit "kann") [1]. Wegen der guten Studienlage nennt die Leitlinie besonders [1]:

  • Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)
  • Kognitive Therapie und Kognitive Verarbeitungstherapie
  • Narrative Expositionstherapie und Prolongierte Exposition

In der Traumatherapie begleitet die Therapeutin oder der Therapeut laut IQWiG die Erinnerung an das Ereignis; diese geschützte Konfrontation soll dazu beitragen, dass die Erinnerungen ihren Schrecken verlieren [4]. Bei der EMDR bewegt die Therapeutin oder der Therapeut zum Beispiel einen Finger hin und her, dem man mit den Augen folgt [4]. Eine generell vorgeschaltete Stabilisierungsphase ist laut Leitlinie für Erwachsene mit PTBS nicht durch Studien belegt [1]. Bei entsprechendem Wunsch kann eine Psychotherapie auch über zertifizierte Videodienste erwogen werden; dabei sind Rahmenbedingungen, Indikation sowie Risiken und Nebenwirkungen zu berücksichtigen (Empfehlungsgrad 0) [1].

Ergänzende Verfahren: Sport- und Bewegungstherapie sollte laut Leitlinie ergänzend in einem traumaspezifischen, multimodalen Behandlungsplan angeboten werden (Empfehlungsgrad B) [1]. Entspannungsübungen wie autogenes Training eignen sich laut IQWiG nicht für jeden, weil dabei traumatische Erinnerungen hochkommen können [4]. Diagnose- und Behandlungsentscheidungen sollen laut Leitlinie gemeinsam mit den Betroffenen getroffen werden; Hausärztinnen und Hausärzte sollen einbezogen werden (Expertenkonsens) [1].

Behandlung mit Medikamenten

Eine Behandlung mit Medikamenten ist laut S3-Leitlinie die Behandlung der zweiten Wahl, zum Beispiel wenn Betroffene es so wünschen, eine traumafokussierte Psychotherapie nicht ausreichend hilft oder nicht verfügbar ist (Empfehlungsgrad A) [1]. Dann soll laut Leitlinie mit Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin oder Venlafaxin behandelt werden (Empfehlungsgrad A) [1]. Zugelassen sind für die PTBS laut Leitlinie nur Sertralin und Paroxetin; Fluoxetin und Venlafaxin sind für die PTBS nicht zugelassen und können nur außerhalb der Zulassung (off-label) nach gesonderter Aufklärung verordnet werden [1]. Die Packungsbeilagen von Sertralin und Paroxetin nennen die PTBS als Anwendungsgebiet bei Erwachsenen [5, 7].

Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus den Packungsbeilagen und gelten nur für den genannten Wirkstoff ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10) [5, 7]. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Für die PTBS zugelassene Medikamente: Gruppe, Wirkung und Nebenwirkungen laut Packungsbeilage
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)Sertralin, ParoxetinHemmen gezielt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin in die Nervenzellen [6, 8]Sertralin, sehr häufig: Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, fehlender Samenerguss, Müdigkeit; häufig unter anderem Angst, Albträume, vermindertes sexuelles Interesse, Gewichtszunahme [5]. Paroxetin, sehr häufig: Übelkeit, Störungen des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Funktion; häufig unter anderem Schlaflosigkeit oder Schläfrigkeit, Albträume, Schwindel, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme [7]

Im Rahmen einer traumafokussierten Psychotherapie sollte eine Behandlung mit Medikamenten laut Leitlinie nur gegen Schlafstörungen oder weitere psychische Erkrankungen angeboten werden (Expertenkonsens) [1]. Weitere psychische Erkrankungen sollen dabei nach den jeweiligen Leitlinien mit Medikamenten behandelt werden [1]. Mehr: Schlafstörungen.

Albträume

Für Albträume bei einer PTBS gibt es laut Leitlinie wirksame psychotherapeutische Verfahren, etwa die Imagery Rehearsal Therapy [1]. Eine Behandlung mit Prazosin kann erwogen werden (Empfehlungsgrad 0); Prazosin ist für die PTBS nicht zugelassen und in Deutschland nur über internationale Apotheken erhältlich [1].

Was die Leitlinie nicht empfiehlt

Benzodiazepine und Z-Substanzen sollen laut S3-Leitlinie nicht zur Behandlung der PTBS eingesetzt werden (Expertenkonsens) [1]. Als Probleme nennt die Leitlinie, gestützt auf eine Übersichtsarbeit, eine Gewöhnung an die schlaffördernde und muskelentspannende Wirkung innerhalb von Tagen bis Wochen, Einschränkungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen und mögliche schlechtere Ergebnisse einer Psychotherapie [1]. Atypische Antipsychotika empfiehlt die Leitlinie wegen ihrer teils ausgeprägten unerwünschten Wirkungen nicht, etwa Bewegungsstörungen und Gewichtszunahme [1]. Mehr: Beruhigungs- und Schlafmittel.

Kinder, Jugendliche und ältere Menschen

Sertralin darf laut Packungsbeilage bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren nur zur Behandlung von Zwangsstörungen angewendet werden, Paroxetin sollte bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden [5, 7]. Laut Leitlinie soll bei Kindern und Jugendlichen mit PTBS keine Behandlung mit Psychopharmaka eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [1]. Auch bei älteren Erwachsenen soll primär eine traumafokussierte Psychotherapie angeboten werden; bei Medikamenten sollen unerwünschte Wirkungen und Wechselwirkungen berücksichtigt werden (Expertenkonsens) [1]. Mehr: Medikamente im Alter.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, fragen Sie laut Packungsbeilage vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [5, 7]. Bei Neugeborenen, deren Mütter in den ersten Schwangerschaftsmonaten Paroxetin einnahmen, gab es laut Packungsbeilage Berichte über ein erhöhtes Risiko für Geburtsfehler, besonders am Herzen [7]. Was das Beratungszentrum Embryotox der Charité schreibt, steht auf den Seiten Sertralin und Paroxetin. Allgemeines: Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Medikamente

Eine Behandlung mit einem SSRI kann laut Leitlinie eine Reihe unerwünschter Wirkungen haben; mögliche Absetzeffekte sollten von Beginn an mitbedacht werden [1]. Mehr: Übelkeit, Schlafstörungen durch Medikamente und der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

  • Suizidgedanken: Wer depressiv ist oder an einer Angststörung leidet, kann laut Packungsbeilagen von Sertralin und Paroxetin manchmal Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Solche Gedanken können bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva verstärkt sein, weil diese Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger [5, 7]. Wahrscheinlicher ist das, wenn Sie schon früher daran gedacht haben, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen, und wenn Sie ein junger Erwachsener sind: In klinischen Studien zeigte sich bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre mit einer psychiatrischen Erkrankung, die mit einem Antidepressivum behandelt wurden, ein erhöhtes Risiko für Suizidverhalten [5, 7]. Unter 18 Jahren besteht bei dieser Arzneimittelklasse laut Packungsbeilagen ein erhöhtes Risiko für Suizidversuche, Suizidgedanken und Feindseligkeit [5, 7].
  • Serotonin-Syndrom: Erregtheit, Verwirrtheit, Durchfall, hohe Körpertemperatur, hoher Blutdruck, übermäßiges Schwitzen und schneller Herzschlag können laut Packungsbeilage von Sertralin Zeichen dieses Syndroms sein, das selten auftritt, wenn bestimmte andere Arzneimittel gleichzeitig angewendet werden [5].
  • Sexuelle Funktionsstörungen: SSRI können sie laut Packungsbeilagen verursachen; in bestimmten Fällen blieben die Beschwerden nach dem Ende der Behandlung bestehen [5, 7]. Mehr: Libido und Potenz.
  • Alkohol und Verkehr: Während der Einnahme von Sertralin sollte laut Packungsbeilage auf Alkohol verzichtet werden, unter Paroxetin trinken Sie laut Packungsbeilage keinen Alkohol [5, 7]. Psychopharmaka wie Sertralin können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen; fahren Sie laut Packungsbeilage erst, wenn Sie wissen, wie sich das Mittel bei Ihnen auswirkt [5]. Unter Paroxetin sind Schwindel, Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder verschwommenes Sehen möglich; dann fahren Sie laut Packungsbeilage nicht und bedienen keine Maschinen [7]. Mehr: Medikamente und Autofahren.
  • Gewichtszunahme: Bei Sertralin und Paroxetin ist sie laut Packungsbeilage häufig [5, 7]. Mehr: Sertralin und Gewichtszunahme.

Absetzen

Beim Beenden einer Behandlung mit Sertralin treten laut Packungsbeilage häufig Absetzreaktionen auf, besonders bei plötzlichem Abbruch, etwa Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen, Schlafstörungen, Erregtheit oder Angst, Kopfschmerzen, Übelkeit und Zittern [5]. Meist klingen sie innerhalb von 2 Wochen ab, bei einigen können sie 2 bis 3 Monate oder länger anhalten; laut Packungsbeilage wird deshalb empfohlen, die Dosis beim Beenden über mehrere Wochen oder Monate schrittweise zu verringern [5]. Eine unwirksame Behandlung mit Medikamenten soll laut Leitlinie abgesetzt werden [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr: Sertralin absetzen und Absetz- und Entzugserscheinungen.

Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit einer PTBS

Nach einem Trauma geht laut IQWiG oft das Vertrauen in andere Menschen verloren, und manche ziehen sich stark zurück; umso wichtiger ist es, dass nahestehende Menschen ihnen die Treue halten [3]. Um im Beruf und im Alltag wieder Fuß zu fassen, gibt es laut IQWiG gezielte Hilfen wie die berufliche Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell oder Angebote zur psychosozialen Rehabilitation [3]. Als Anlaufstellen nennt das Informationsblatt zur Leitlinie die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT), Traumaambulanzen und Einrichtungen der Opferhilfe [2].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Fall für den Notruf 112 [10]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123; auch das Informationsblatt zur Leitlinie nennt sie [2, 9]. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, rund um die Uhr und kostenfrei [10].

Unter Antidepressiva. Entwickeln Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, gehen Sie laut Packungsbeilagen von Sertralin und Paroxetin zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf [5, 7]. Es kann laut Packungsbeilagen hilfreich sein, Freunden oder Verwandten zu erzählen, dass Sie depressiv sind oder an einer Angststörung leiden, sie die Packungsbeilage lesen zu lassen und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sich Ihre Beschwerden verschlimmern oder sie sich Sorgen über Verhaltensänderungen bei Ihnen machen [5, 7].

Weitere Warnzeichen. Bei Erregtheit, Verwirrtheit, Durchfall, hoher Körpertemperatur, hohem Blutdruck, übermäßigem Schwitzen und schnellem Herzschlag, bei einem schweren Hautausschlag mit Blasen oder bei einer allergischen Reaktion mit Atemproblemen oder geschwollenem Gesicht benachrichtigen Sie laut Packungsbeilage von Sertralin umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [5].

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, Langversion, Version 7.0 (AWMF-Register-Nr. 155-001). Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT), veröffentlicht auf der Seite der DGPPN. Stand Fassung vom 27.02.2026, nächste Überprüfung geplant 26.02.2031. abgerufen am 18.10.2026
  2. Leitlinie Informationsblatt für Betroffene zur S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (Anlage 7). Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, veröffentlicht auf der Seite der DGPPN. Stand Januar 2026. abgerufen am 18.10.2026
  3. Posttraumatische Belastungsstörung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 02.01.2023. abgerufen am 18.10.2026
  4. Psychotherapie und ergänzende Behandlungen bei einer posttraumatischen Belastungsstörung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 02.01.2023. abgerufen am 18.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 18.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 18.10.2026
  9. TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  10. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen bei PTBS?

Laut S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung von 2026 soll eine Behandlung mit Medikamenten mit Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin oder Venlafaxin erfolgen (Empfehlungsgrad A). Zugelassen sind für die PTBS nur Sertralin und Paroxetin; Fluoxetin und Venlafaxin sind für die PTBS nicht zugelassen und können nur außerhalb der Zulassung (off-label) nach gesonderter Aufklärung verordnet werden. Medikamente sind laut Leitlinie die Behandlung der zweiten Wahl, zum Beispiel wenn Betroffene es so wünschen, eine traumafokussierte Psychotherapie nicht ausreichend hilft oder nicht verfügbar ist (Empfehlungsgrad A).

Welche Therapie hilft bei einer PTBS?

Menschen mit einer PTBS soll laut S3-Leitlinie eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting angeboten werden, bei der die Auseinandersetzung mit den traumatischen Ereignissen und den dazugehörigen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen im Mittelpunkt steht (Empfehlungsgrad A). Wegen der guten Studienlage empfiehlt die Leitlinie besonders EMDR, Kognitive Therapie, Kognitive Verarbeitungstherapie, Narrative Expositionstherapie und Prolongierte Exposition. Dass vor einer traumafokussierten Psychotherapie generell eine Stabilisierungsphase nötig ist, ist laut Leitlinie für Erwachsene nicht belegt.

Helfen Beruhigungsmittel bei PTBS?

Benzodiazepine und Z-Substanzen sollen laut S3-Leitlinie nicht zur Behandlung der PTBS eingesetzt werden (Expertenkonsens). Eine in der Leitlinie zitierte Übersichtsarbeit fand keine positiven Effekte auf PTBS-Beschwerden; die Leitlinie nennt außerdem eine Gewöhnung an die schlaffördernde und muskelentspannende Wirkung innerhalb von Tagen bis Wochen und mögliche Einschränkungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen.

Was hilft bei Albträumen nach einem Trauma?

Für Albträume bei einer PTBS gibt es laut S3-Leitlinie wirksame psychotherapeutische Verfahren, zum Beispiel die Imagery Rehearsal Therapy. Eine Behandlung mit Prazosin kann laut Leitlinie erwogen werden (Empfehlungsgrad 0); Prazosin ist aber für die PTBS nicht zugelassen und in Deutschland nur über internationale Apotheken erhältlich. Im Rahmen einer traumafokussierten Psychotherapie sollte eine Behandlung mit Medikamenten laut Leitlinie nur gegen Schlafstörungen oder weitere psychische Erkrankungen angeboten werden (Expertenkonsens).

Wie lange dauert es, bis Medikamente gegen PTBS wirken?

Laut Packungsbeilage von Sertralin kann es mehrere Wochen dauern, bis sich die Beschwerden bessern. Eine unwirksame Behandlung mit Medikamenten soll laut S3-Leitlinie abgesetzt werden; regelmäßige Gespräche über erwünschte und unerwünschte Wirkungen können hilfreich sein. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Bekommen auch Kinder eine PTBS?

Ja. Bei Kindern und Jugendlichen äußert sich eine PTBS laut IQWiG oft anders als bei Erwachsenen: Häufig spielen sie das Erlebte immer wieder durch, viele werden sehr ängstlich oder aggressiv. Sertralin darf laut Packungsbeilage bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren nur zur Behandlung von Zwangsstörungen angewendet werden, Paroxetin sollte bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden. Laut S3-Leitlinie soll Kindern und Jugendlichen eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting angeboten werden (Empfehlungsgrad A); eine Behandlung mit Psychopharmaka soll bei ihnen nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A).

Wie häufig ist eine PTBS?

In Deutschland haben laut IQWiG etwa 2 bis 3 von 100 Menschen im Laufe des Lebens mindestens einmal eine PTBS. Die S3-Leitlinie nennt für Deutschland eine Häufigkeit von 1,5 Prozent innerhalb eines Monats. Wie oft es dazu kommt, hängt laut IQWiG sehr von den Lebensumständen und vom Auslöser ab: Eine PTBS entwickeln ungefähr die Hälfte der Kriegs-, Vergewaltigungs- und Folteropfer und etwa 10 von 100 Menschen nach einem schweren Verkehrsunfall.

Was tun bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen?

Holen Sie sofort Hilfe. Suizidversuche aller Art sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung ein Fall für den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Sind die Praxen geschlossen und kann es nicht bis zum nächsten Tag warten, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Weitere Nummern stehen unter Notfall und Giftnotruf.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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