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Zwangsstörung
Bei einer Zwangsstörung drängen sich immer wieder Gedanken oder Impulse auf, die sich kaum unterdrücken lassen (Zwangsgedanken); mit ritualisierten Handlungen wie Waschen oder Kontrollieren versuchen Betroffene, sich zu beruhigen (Zwangshandlungen). Laut S3-Leitlinie Zwangsstörungen von 2022 soll eine kognitive Verhaltenstherapie einschließlich Exposition als Psychotherapie der ersten Wahl angeboten werden; ist eine medikamentöse Therapie angezeigt, sollen SSRI angeboten werden (beides Empfehlungsgrad A). Eine verlässliche Diagnose gibt es in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis; bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sofort Hilfe, bei akuter Gefahr über den Notruf 112.

Menschen mit einer Zwangsstörung wiederholen ständig bestimmte Handlungen oder Gedanken. Zwanghaft heißt laut IQWiG: Führen sie eine Handlung nicht aus, fühlen sie sich unwohl, unter Druck oder bekommen Angst [3]. Laut S3-Leitlinie Zwangsstörungen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Version 2.0 von Juni 2022, soll eine kognitive Verhaltenstherapie einschließlich Exposition als Psychotherapie der ersten Wahl angeboten werden (Empfehlungsgrad A); Medikamente aus der Gruppe der SSRI kommen ergänzend oder unter bestimmten Bedingungen allein infrage [1]. Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, braucht sofort Hilfe; die Nummern stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Was ist eine Zwangsstörung?
Menschen mit einer Zwangsstörung erleben laut Patientenleitlinie wiederholt Gedanken oder Impulse, die sich spontan aufdrängen (Zwangsgedanken), zum Beispiel die Idee, sich mit einer schweren Erkrankung anzustecken oder durch eigenes Handeln eine Katastrophe auszulösen [2]. Meist ist den Betroffenen ansatzweise bewusst, dass diese Gedanken übertrieben und irrational sind; trotzdem gelingt es ihnen nicht, sie zu ignorieren oder zu unterdrücken. Stattdessen versuchen sie, sich mit ritualisierten Handlungen wie Waschen oder Kontrollieren zu beruhigen oder kurzzeitig ein vermeintliches Gefühl von Sicherheit herzustellen (Zwangshandlungen) [2].
Bis zu 3 von 100 Menschen haben laut IQWiG im Laufe ihres Lebens mit einer Zwangsstörung zu tun. Sie kann in jedem Alter beginnen, oft aber schon bei Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen [3]. Frauen und Männer sind laut Patientenleitlinie nahezu gleich häufig betroffen. Weil die Beschwerden sehr schambesetzt sein können, vergehen im Durchschnitt 6 bis 9 Jahre zwischen den ersten Zwängen und einer fachgerechten Behandlung [2]. Unbehandelt wird eine Zwangsstörung laut IQWiG oft chronisch [3].
Symptome
Zwangsgedanken drängen sich laut IQWiG immer wieder ins Bewusstsein, werden oft als quälend erlebt und lassen sich willentlich nur schwer unterdrücken [3]. Typisch sind zum Beispiel die andauernde Angst vor Keimen und Infektionen, die Angst, etwas vergessen zu haben oder sich unangemessen zu verhalten, oder die Angst machende Vorstellung, anderen oder sich selbst zu schaden [3]. Solche Zwangsgedanken zu haben, bedeutet laut IQWiG aber nicht, so etwas auch wirklich zu tun [3].
Zwangshandlungen sind Rituale, die Betroffene immer und immer wieder ausführen, um bedrohliche Gedanken loszuwerden und sich wieder sicherer zu fühlen [3]. Häufige Formen sind [2, 3]:
- Wasch- und Putzzwang: aus Angst vor Schmutz andauernd die Hände waschen oder ständig die Wohnung putzen [3].
- Kontrollzwang: immer wieder nachsehen, ob der Herd wirklich ausgeschaltet ist [4].
- Ordnungszwang: Dinge müssen nach einer festen Vorstellung angeordnet und sortiert sein; jede andere Ordnung macht nervös [3].
- Sammelzwang: nichts wegwerfen können; das kann so weit gehen, dass nicht einmal mehr Müll entsorgt wird [3].
- Zählzwang: zum Beispiel beim wiederholten Zählen bis 20 für kurze Zeit Ruhe finden [3].
Versuchen Betroffene, die Handlungen zu unterdrücken, werden sie laut IQWiG unruhig, angespannt und angsterfüllt [3]. Manchmal empfinden sie laut Patientenleitlinie auch eher Wut, bei Waschzwängen häufig Ekel [2]. Zwänge kosten oft täglich mehrere Stunden; häufiges oder zu heißes Händewaschen kann zu Ekzemen oder Wunden führen [2]. Viele Menschen mit einer Zwangsstörung haben gleichzeitig Depressionen [3].
Ursachen und Risikofaktoren
Vermutlich wirken laut IQWiG anlagebedingte, psychische und äußere Umstände zusammen; die Ursachen können bei jeder betroffenen Person andere sein [3]. Als Faktoren nennen Patientenleitlinie und IQWiG [2, 3]:
- Familie: Eltern, Geschwister und Kinder Betroffener erkranken häufiger als die Durchschnittsbevölkerung; einzelne verursachende Gene wurden bisher nicht gefunden [2].
- Gehirn: Bei einigen Betroffenen ist nach heutiger Annahme das Wechselspiel verschiedener Hirnregionen aus der Balance geraten [2].
- Belastungen: Stress und Leistungsdruck können Zwänge auslösen oder verstärken [2]. Manche Betroffene sind laut IQWiG in ihrer Kindheit traumatisiert worden, etwa durch Misshandlungen oder den plötzlichen Tod eines nahen Angehörigen [3].
- Lernen und Umfeld: Die kurzfristige Erleichterung durch Zwangshandlungen führt dazu, dass in ähnlichen Situationen wieder mit Zwängen reagiert wird. Passt sich die Familie zu stark an die Zwänge an, kann das die Beschwerden aufrechterhalten oder verstärken [2].
Medikamente als Ursache: Medikamente, die das Dopamin-System beeinflussen, etwa amphetaminhaltige Präparate, können laut Patientenleitlinie in einzelnen Fällen Zwangssymptome auslösen oder verstärken; genannt wird außerdem das Antipsychotikum Clozapin [2]. Die Packungsbeilage von Methylphenidat nennt eine Zwangsstörung als seltene Nebenwirkung, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten [16], die von Clozapin Zwangsgedanken und zwanghaftes, sich wiederholendes Verhalten als sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 [15]. Bemerken Sie unter einem Medikament neue Zwänge, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Diagnose
Bei allen Menschen, bei denen eine psychische Störung vermutet wird oder körperliche Anzeichen wie ein Handekzem darauf hinweisen, sollen laut S3-Leitlinie fünf Fragen zur Zwangsstörung gestellt werden (Expertenkonsens): "Waschen und putzen Sie sehr viel?", "Kontrollieren Sie sehr viel?", "Haben Sie quälende Gedanken, die Sie loswerden möchten, aber nicht können?", "Brauchen Sie für Alltagstätigkeiten sehr lange?" und "Machen Sie sich Gedanken um Ordnung und Symmetrie?" [1]. Wird eine davon mit Ja beantwortet und zudem eine Beeinträchtigung erlebt, besteht laut Patientenleitlinie der Verdacht auf eine Zwangsstörung [2].
Die Diagnose setzt laut IQWiG voraus, dass die Zwänge über mindestens zwei Wochen an den meisten Tagen auftreten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen; nachgefragt wird auch nach Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden, etwa einer generalisierten Angststörung [3]. Stellen sollte die Diagnose laut Patientenleitlinie eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei Kindern und Jugendlichen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut [2]. Beginnt eine Zwangsstörung erst nach dem 50. Lebensjahr, soll laut Leitlinie eine hirnorganische Abklärung erfolgen (Expertenkonsens) [1].
Behandlung ohne Medikamente

Bei einer Zwangsstörung soll laut S3-Leitlinie eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie (KVT) einschließlich Exposition als Psychotherapie der ersten Wahl angeboten werden (Empfehlungsgrad A) [1]. In der kognitiven Therapie geht es laut IQWiG darum, die Gedanken aufzuspüren, die dem zwanghaften Handeln zugrunde liegen, und sie zu verändern. Bei der Exposition mit Reaktionsverhinderung wird man nach und nach mit den Auslösern konfrontiert, etwa bei einem Waschzwang mit etwas, das man als schmutzig empfindet, und versucht dann, sich nicht wie sonst sofort die Hände zu waschen; so lernt man, dass Angst und Unruhe auch ohne die Zwangshandlung wieder verschwinden [4]. Die therapeutische Begleitung ist dabei laut IQWiG sehr wichtig, vor allem zu Beginn oder wenn die Übungen schwieriger werden [4].
Zur Durchführung empfiehlt die Leitlinie unter anderem [1]:
- Begleitete Übungen: Die Expositionen sollen in Begleitung von Therapeutinnen oder Therapeuten angeboten werden und auf das Selbstmanagement der Betroffenen abzielen (Expertenkonsens) [1].
- Gruppe und Internet: KVT in der Gruppe sollte angeboten werden, besonders wenn keine Einzeltherapie verfügbar ist (Empfehlungsgrad B); bei begrenztem Angebot oder zur Überbrückung von Wartezeiten sollten KVT-basierte Angebote über das Internet verfügbar gemacht werden (Empfehlungsgrad B) [1].
- Angehörige: Bezugspersonen sollten so weit wie möglich in die Behandlung einbezogen werden (Empfehlungsgrad B) [1].
Für psychoanalytisch und tiefenpsychologisch begründete Verfahren liegt laut Leitlinie keine Evidenz für ihre Wirksamkeit bei Zwangsstörungen aus randomisierten kontrollierten Studien vor (Statement). Sport und Bewegung wie Ausdauertraining können eine sinnvolle Ergänzung einer leitliniengerechten Therapie sein (Expertenkonsens) [1]. Bei unzureichendem Ansprechen auf die Verfahren der ersten Wahl kann laut Leitlinie eine repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) zur kurzfristigen Linderung angewendet werden (Empfehlungsgrad 0), bei schwerstbetroffenen Menschen nach mehreren erfolglosen leitliniengerechten Behandlungen unter kritischer Abwägung auch eine tiefe Hirnstimulation (Empfehlungsgrad 0) [1].
Behandlung mit Medikamenten
Eine Behandlung nur mit Medikamenten ist laut S3-Leitlinie angezeigt, wenn eine kognitive Verhaltenstherapie abgelehnt wird oder wegen der Schwere der Beschwerden nicht möglich ist, wenn sie wegen langer Wartezeiten oder fehlender Angebote nicht zur Verfügung steht oder wenn so die Bereitschaft wachsen kann, sich auf eine KVT einzulassen (Expertenkonsens) [1]. Auf Wunsch der Betroffenen oder wenn ein Medikament früher gut geholfen hat, kann sie angeboten werden (Expertenkonsens) [1].
Welche Mittel: Ist eine medikamentöse Therapie angezeigt, sollen laut Leitlinie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) angeboten werden, genannt sind Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin (Empfehlungsgrad A); Citalopram ist in Deutschland für Zwangsstörungen nicht zugelassen [1]. Weil alle SSRI klinisch vergleichbar gut wirksam sind, soll das Mittel nach dem Profil unerwünschter Wirkungen und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ausgewählt werden (Expertenkonsens) [1]. Clomipramin ist laut Leitlinie vergleichbar wirksam, soll aber wegen der Nebenwirkungen nicht als erste Wahl eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [1]. Zugelassen für Zwangsstörungen sind laut Packungsbeilagen Sertralin für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren, Fluoxetin, Paroxetin, Escitalopram und Clomipramin für Erwachsene [5, 7, 8, 9, 17, 18]. Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage des jeweiligen Wirkstoffs und gelten nur für ihn ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Antidepressiva | Sertralin, Fluoxetin, Paroxetin, Escitalopram | Sertralin hemmt laut Fachinformation gezielt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin in die Nervenzellen, wodurch im Tiermodell dessen Wirkung verstärkt wurde; auf die Aufnahme von Noradrenalin und Dopamin hat es nur sehr schwache Effekte [6] | Sertralin, sehr häufig: Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, fehlender Samenerguss, Müdigkeit [5]. Fluoxetin, sehr häufig: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Müdigkeit [7]. Paroxetin, sehr häufig: Übelkeit, Störungen des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Funktion [8]. Escitalopram, sehr häufig: Übelkeit, Kopfschmerzen [9] |
| Trizyklisches Antidepressivum | Clomipramin | Clomipramin hemmt laut Fachinformation sehr stark die Aufnahme des Botenstoffs Serotonin in die Nervenzellen und weniger stark die von Noradrenalin; außerdem wirkt es hemmend an Rezeptoren für Acetylcholin, Histamin und Serotonin sowie an Alpha-Adrenozeptoren [18] | Clomipramin, sehr häufig: Gewichtszunahme, sexuelle Funktionsstörungen (Störung von Libido und Potenz), Benommenheit, Müdigkeit, innere Unruhe, Appetitsteigerung, Schwindel, Zittern, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Mundtrockenheit, Schwitzen, Verstopfung, verschwommenes Sehen, Harnentleerungsstörungen, Übelkeit [17] |
Wirkung braucht Zeit: Die Behandlungsdauer mit SSRI oder Clomipramin sollte laut Leitlinie mindestens 12 Wochen betragen (Expertenkonsens) [1]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Sertralin. Hat ein SSRI gewirkt, sollte die Behandlung laut Leitlinie bei guter Verträglichkeit und ohne Gegenanzeigen mit der zuletzt wirksamen Dosis fortgeführt werden (Empfehlungsgrad B), zur Vermeidung von Rückfällen 1 bis 2 Jahre lang (Expertenkonsens) [1].
Zusammen mit Psychotherapie: Eine Behandlung mit SSRI oder Clomipramin soll laut Leitlinie mit einer KVT mit Expositionen kombiniert werden (Empfehlungsgrad A) [1]. Umgekehrt kann eine KVT mit Exposition durch SSRI oder Clomipramin ergänzt werden, um schneller eine Wirkung zu erreichen oder wenn zusätzlich eine mindestens mittelgradige depressive Episode besteht (Empfehlungsgrad 0) [1].
Wenn die erste Behandlung nicht hilft
Gehen die Zwangssymptome unter einem SSRI oder Clomipramin nicht um mindestens 25 Prozent zurück, sollten laut Leitlinie die Ursachen dafür geprüft werden, etwa mangelnde Mitarbeit, eine nicht angemessene Dosis oder ein zu niedriger Blutspiegel (Expertenkonsens) [1]. In diesem Fall kann auch auf ein anderes SSRI oder auf Clomipramin umgestellt werden (Empfehlungsgrad 0). Sind zwei oder mehr verschiedene SSRI in ausreichender Dauer und Dosierung wirkungslos geblieben, kann eine Behandlung mit Clomipramin erfolgen (Empfehlungsgrad 0); nach zwei oder mehr erfolglosen Versuchen mit SSRI oder Clomipramin kann eine Kombination eines SSRI mit Clomipramin erwogen werden, bei höherem Risiko für ein Serotonin-Syndrom (Empfehlungsgrad 0) [1]. Sprechen die Medikamente nicht ausreichend an oder bestehen noch klinisch bedeutsame Zwangssymptome, soll zusätzlich eine KVT mit Exposition angeboten werden (Empfehlungsgrad A) [1]. Weitere Schritte der Leitlinie betreffen Mittel oder Dosierungen, die für Zwangsstörungen nicht zugelassen sind; dazu der Ratgeber Off-Label-Use.
Was die Leitlinie nicht empfiehlt
Trizyklische Antidepressiva außer Clomipramin sind laut Leitlinie bei Zwangsstörungen nicht wirksam und sollen nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [1]. Mirtazapin soll nicht allein eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A), Clonazepam und andere Benzodiazepine sollen nicht eingesetzt werden und bergen das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung (Empfehlungsgrad A); beide sind für Zwangsstörungen nicht zugelassen [1]. Eine alleinige Behandlung mit Antipsychotika kann wegen fehlender Wirkungsnachweise und möglicher Nebenwirkungen nicht empfohlen werden (Expertenkonsens) [1]. Mehr: Schlafmittel und Benzodiazepine.
Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen im gebärfähigen Alter sollen laut Leitlinie vor Beginn einer medikamentösen Therapie über wirksame Verhütung aufgeklärt werden (Expertenkonsens). Bei geplanter Schwangerschaft, in der Schwangerschaft und nach der Geburt soll eine KVT mit Expositionen als Therapie der Wahl angewendet werden (Expertenkonsens); soll eine Schwangere Medikamente erhalten, sollte ein einzelnes SSRI bevorzugt und ein abruptes Absetzen vermieden werden (Expertenkonsens) [1]. Bei Paroxetin ist das Risiko für Fehlbildungen, vor allem am Herzen, nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel laut einer Risikoinformation des BfArM vom 8. Mai 2006 geringfügig erhöht [12]. Was das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu einzelnen Mitteln schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten. Allgemeines: Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Bei SSRI sollte laut S3-Leitlinie besonders auf Übelkeit und Durchfall, sexuelle Funktionsstörungen, einen niedrigen Natriumspiegel vor allem bei älteren Menschen, eine erhebliche Zunahme von motorischer Unruhe, Angst und Agitiertheit, Suizidgedanken, eine Blutungsneigung, insbesondere zusammen mit gerinnungshemmenden Mitteln einschließlich nichtsteroidaler Antirheumatika, und Absetzschwierigkeiten nach längerer Einnahme geachtet werden. Auf diese Wirkungen sollen Betroffene zu Beginn hingewiesen werden und bei ihrem Auftreten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen (Expertenkonsens) [1]. Laut IQWiG treten Nebenwirkungen vor allem in den ersten Wochen auf [4]. Mehr: Übelkeit, Unruhe und Angst durch Medikamente, Natriummangel und der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
- Suizidgedanken zu Beginn: Solche Gedanken können laut Packungsbeilage von Sertralin bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva verstärkt sein, weil diese Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger; wahrscheinlicher sind sie bei Menschen, die schon früher daran gedacht haben, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre [5]. Nach einer Neubewertung mussten laut einer Risikoinformation des BfArM vom 15. Februar 2008 für alle Antidepressiva Warnhinweise dazu in die Produktinformationen aufgenommen werden, insbesondere für unter 25-Jährige [11].
- Kinder und Jugendliche: Unter 18-Jährige haben laut Packungsbeilage von Sertralin bei Einnahme dieser Klasse von Arzneimitteln ein erhöhtes Risiko für Suizidversuche, Suizidgedanken und Feindseligkeit [5]. Jugendliche sollten laut IQWiG in der ersten Zeit der Behandlung vorsichtshalber öfter ärztliche oder therapeutische Termine wahrnehmen, damit Anzeichen einer Suizidgefährdung früh erkannt werden [4].
- Quälende Unruhe: Unter Sertralin kann laut Packungsbeilage eine als quälend erlebte Unruhe mit Bewegungsdrang auftreten, oft zusammen mit der Unfähigkeit, still zu sitzen oder zu stehen (Akathisie), am ehesten in den ersten Behandlungswochen; eine Dosiserhöhung kann dann schädlich sein, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [5].
- Sexuelle Funktionsstörungen: SSRI können laut Packungsbeilage von Sertralin Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen; in bestimmten Fällen blieben sie nach dem Ende der Behandlung bestehen [5]. Mehr: Libido und Potenz.
- Herzrhythmus: Escitalopram wird laut Rote-Hand-Brief vom 5. Dezember 2011 mit einer dosisabhängigen Verlängerung des QT-Intervalls im EKG in Zusammenhang gebracht; bei bekannter QT-Verlängerung, angeborenem Long-QT-Syndrom und zusammen mit anderen Mitteln, die das QT-Intervall verlängern, darf es nicht angewendet werden [10]. Mehr: QT-Verlängerung.
- Müdigkeit und Verkehr: Psychopharmaka wie Sertralin können laut Packungsbeilage die Fähigkeit beeinträchtigen, ein Fahrzeug zu führen; fahren Sie erst, wenn Sie wissen, wie sich das Mittel bei Ihnen auswirkt [5]. Mehr: Medikamente und Autofahren.
Absetzen: Vor dem endgültigen Absetzen von Sertralin verringert die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage die Dosis über mehrere Wochen schrittweise; ein plötzliches Absetzen kann zu Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen, Schlafstörungen, Erregtheit oder Angst, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Zittern führen [5]. Das Absetzen eines SSRI sollte laut Leitlinie über mehrere Monate unter fortlaufender Beobachtung der Beschwerden erfolgen (Expertenkonsens) [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr auf den Absetz-Seiten zu Sertralin, Fluoxetin und Escitalopram sowie unter Absetz- und Entzugserscheinungen und im Ratgeber Medikamente absetzen.
Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit einer Zwangsstörung
Viele Betroffene schämen sich laut IQWiG und versuchen, die Zwänge zu verheimlichen; nach einer Therapie berichten aber viele, dass sie sich besser schon früher Hilfe gesucht hätten [3]. Angehörige können sich genötigt sehen, Zwangshandlungen mitzumachen, etwa eine bestimmte Ordnung einzuhalten; in die Behandlung eingebunden, können sie manchmal sogar helfen, sich den Ängsten und Zwängen zu stellen [3]. Laut Patientenleitlinie wird Angehörigen empfohlen, sich möglichst nicht vom Zwang bestimmen zu lassen und die Betroffenen trotzdem ernst zu nehmen. Spezialisierte Therapeutinnen, Therapeuten, Kliniken und Selbsthilfegruppen findet man über die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen [2].
Rückfälle sind laut Patientenleitlinie auch nach erfolgreicher Behandlung eher die Regel als die Ausnahme; kehren beeinträchtigende Beschwerden zurück, sollte rasch wieder eine Therapeutin oder ein Therapeut aufgesucht werden [2]. Während der Einnahme von Sertralin sollte laut Packungsbeilage auf Alkohol verzichtet werden [5]. Mehr: Medikamente und Alkohol.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112 [14]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [13]. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, rund um die Uhr und kostenfrei [14]. Entwickeln Sie unter einem Antidepressivum zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, gehen Sie laut Packungsbeilage von Sertralin zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf [5].
Unter SSRI. Bei Erregtheit, Verwirrtheit, Durchfall, hoher Körpertemperatur, hohem Blutdruck, übermäßigem Schwitzen und schnellem Herzschlag (mögliches Serotonin-Syndrom) benachrichtigen Sie laut Packungsbeilage von Sertralin umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ebenso bei einem Krampfanfall oder einer manischen Phase [5]. Bemerken Sie unter Escitalopram eine anormale Herzfrequenz oder einen anormalen Herzrhythmus, sollten Sie laut Rote-Hand-Brief sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [10].
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Zwangsstörungen, Kurzversion (Empfehlungen 3-1 bis 12-5), Version 2.0 (AWMF-Register-Nr. 038-017). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 2.0, Stand 30.06.2022 (Überarbeitung von 06/2022, nächste Überprüfung geplant 06/2027). abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie Patientenleitlinie Zwangsstörungen, basierend auf der S3-Leitlinie Zwangsstörungen (038-017) und der S3-Leitlinie Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter (028-007). DGPPN, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen (DGZ), Schweizerische Gesellschaft für Zwangsstörungen (SGZ). Stand Erste Auflage, Februar 2026. abgerufen am 18.10.2026
- Zwangsstörungen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 01.10.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behandlung von Zwangsstörungen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 01.10.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Zusammenhang von Escitalopram (Cipralex) mit dosisabhängiger QT-Intervall-Verlängerung. Lundbeck GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 05.12.2011. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Risikoinformation: Antidepressiva, erhöhtes Risiko zu suizidalem Verhalten bei Erwachsenen unter 25 Jahren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 15.02.2008. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Risikoinformation: Paroxetin in der Schwangerschaft, geringfügig erhöhtes Risiko für Fehlbildungen am Herzen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 08.05.2006. abgerufen am 18.10.2026
- TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clomipramin-neuraxpharm 75 mg retard Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clomipramin-neuraxpharm 75 mg retard Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen bei einer Zwangsstörung?
Ist eine medikamentöse Therapie angezeigt, sollen laut S3-Leitlinie Zwangsstörungen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) angeboten werden (Empfehlungsgrad A). Die Leitlinie nennt Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin; Citalopram ist in Deutschland für Zwangsstörungen nicht zugelassen. Weil alle SSRI klinisch vergleichbar gut wirksam sind, soll das Mittel laut Leitlinie nach dem Profil unerwünschter Wirkungen und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ausgewählt werden (Expertenkonsens). Das trizyklische Antidepressivum Clomipramin soll wegen seiner Nebenwirkungen nicht als erste Wahl eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Welches Mittel infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychotherapie oder Medikamente: Was hilft besser?
Besteht die Wahl zwischen SSRI oder Clomipramin und einer Verhaltenstherapie mit Exposition, sollte laut S3-Leitlinie die (kognitive) Verhaltenstherapie bevorzugt werden (Empfehlungsgrad B). Auch laut IQWiG deuten Studien darauf hin, dass eine kognitive Verhaltenstherapie etwas besser hilft als Antidepressiva. Medikamente allein sind laut Leitlinie unter anderem angezeigt, wenn eine kognitive Verhaltenstherapie abgelehnt wird, wegen der Schwere der Beschwerden nicht möglich ist oder wegen langer Wartezeiten nicht zur Verfügung steht (Expertenkonsens). Eine Behandlung mit SSRI oder Clomipramin soll laut Leitlinie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie mit Expositionen kombiniert werden (Empfehlungsgrad A).
Wie lange dauert es, bis Medikamente gegen Zwänge wirken?
Die Behandlungsdauer mit SSRI oder Clomipramin sollte laut S3-Leitlinie mindestens 12 Wochen betragen (Expertenkonsens). Laut Patientenleitlinie tritt die Wirkung von SSRI frühestens nach vier Wochen ein und ist meist nach etwa sechs bis acht Wochen deutlicher zu spüren; beurteilen lässt sie sich erst nach mindestens zwei bis drei Monaten regelmäßiger Einnahme. Bessern sich die Beschwerden unter Fluoxetin innerhalb von 10 Wochen nicht, überdenkt die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage die Behandlung. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Mittel nicht hilft, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie lange muss ich Medikamente gegen Zwänge einnehmen?
Spricht eine Zwangsstörung auf ein SSRI an, sollte die Behandlung laut S3-Leitlinie zur Vermeidung von Rückfällen 1 bis 2 Jahre fortgesetzt werden; das Absetzen sollte über mehrere Monate unter fortlaufender Beobachtung der Beschwerden erfolgen (Expertenkonsens). Nach dem Beenden einer Behandlung mit SSRI können laut Patientenleitlinie Absetzerscheinungen auftreten, zum Beispiel Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Angst, Unruhe und grippeähnliche Symptome. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Helfen Beruhigungsmittel oder pflanzliche Mittel gegen Zwänge?
Clonazepam und andere Benzodiazepine sollen laut S3-Leitlinie bei Zwangsstörungen nicht eingesetzt werden; sie bergen das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung und sind für Zwangsstörungen nicht zugelassen (Empfehlungsgrad A). Für homöopathische oder pflanzliche Medikamente gibt es laut Patientenleitlinie keine Hinweise, dass sie bei Zwangsstörungen wirken. Eine alleinige Behandlung mit Antipsychotika kann laut Leitlinie wegen fehlender Wirkungsnachweise und möglicher Nebenwirkungen nicht empfohlen werden (Expertenkonsens).
Welche Medikamente kommen bei Kindern und Jugendlichen infrage?
Unter den Beispielen in der Tabelle ist laut Packungsbeilage nur Sertralin auch für Kinder und Jugendliche mit Zwangsstörung zugelassen, im Alter von 6 bis 17 Jahren; die Ärztin oder der Arzt überwacht die Behandlung engmaschig. Paroxetin und Clomipramin sollten laut ihren Packungsbeilagen nicht bei unter 18-Jährigen angewendet werden, Escitalopram normalerweise nicht, und Fluoxetin darf bei 8- bis 18-Jährigen nur bei mittelgradigen bis schweren Depressionen zusammen mit einer psychologischen Behandlung eingesetzt werden. Ist eine Psychotherapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung nicht ausreichend wirksam, sollte sie laut Patientenleitlinie bei Kindern und Jugendlichen durch eine Medikation ergänzt werden; bei schwerer Ausprägung und schwerer Einschränkung im Alltag kann von Beginn an daran gedacht werden.
Was hilft, bis ein Therapieplatz frei ist?
Bei begrenztem Behandlungsangebot oder zur Überbrückung von Wartezeiten sollten laut S3-Leitlinie Therapieformen auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie, einschließlich Selbsthilfe, über das Internet verfügbar gemacht werden (Empfehlungsgrad B). In der Wartezeit kann laut Patientenleitlinie der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen helfen; außerdem gibt es Selbsthilfebücher und Online-Angebote. Einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde vermitteln die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen, dafür brauchen Sie keine Überweisung. Steht eine kognitive Verhaltenstherapie wegen langer Wartezeiten nicht zur Verfügung, sind laut Leitlinie auch Medikamente allein angezeigt (Expertenkonsens).
Was tun bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen?
Holen Sie sofort Hilfe. Bei akuter Gefahr rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Sind die Praxen geschlossen und kann es nicht bis zum nächsten Tag warten, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Nehmen Sie ein Antidepressivum ein, gehen Sie laut Packungsbeilage bei solchen Gedanken zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf. Weitere Nummern stehen unter Notfall und Giftnotruf.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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