KrankheitenKrankheit
Fibromyalgie
Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung mit Schmerzen in verschiedenen Körperregionen; typisch sind außerdem nicht erholsamer Schlaf, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme. Gefährlich ist sie laut IQWiG nicht. Laut IQWiG sind Bewegung und leichter Sport ein wichtiger Teil der Behandlung, bei starken Beschwerden kann eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein. Von den Medikamenten können Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin die Schmerzen bei manchen Menschen lindern; für Fibromyalgie zugelassen ist laut ihren Packungsbeilagen keines davon, und von üblichen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol rät das IQWiG ab. Festgestellt wird die Erkrankung oft erst in einer rheumatologischen oder schmerzmedizinischen Praxis.

Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung mit Schmerzen in verschiedenen Körperregionen; typisch sind außerdem Schlafstörungen, Müdigkeit, schnelle Erschöpfung und Konzentrationsprobleme [1]. Gefährlich ist die Erkrankung nicht: Die Organe sind gesund, und die Lebenserwartung ist nicht beeinflusst [1]. Bewegung und leichter Sport sind ein wichtiger Teil der Behandlung [1]. Von den Medikamenten haben sich laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin in Studien bei manchen Menschen als wirksam erwiesen; ein eigens für Fibromyalgie entwickeltes und zugelassenes Medikament gibt es bislang nicht [1, 2].
Was ist Fibromyalgie?
Fibromyalgie, auch Fibromyalgiesyndrom genannt, äußert sich laut IQWiG durch Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, die auf der Haut, in den Muskeln und in den Gelenken spürbar sein können [1]. Die wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland stufen sie als "funktionelles somatisches Syndrom" ein: eine Erkrankung, die durch typische körperliche Beschwerden bestimmt ist, aber nicht durch Gewebeschäden etwa in den Knochen oder Muskeln verursacht wird [3]. Die oft verwendete Bezeichnung "Weichteilrheuma" ist laut IQWiG irreführend, weil die Schmerzen weder von den Weichteilen ausgehen noch auf einer rheumatischen Erkrankung beruhen [1].
Nach einer repräsentativen Studie sind in Deutschland etwa 2 von 100 Erwachsenen betroffen. Festgestellt wird die Erkrankung meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr, bei Frauen ist sie häufiger als bei Männern [1, 6]. Auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene können Fibromyalgie-Beschwerden haben [1]. Obwohl die Fibromyalgie seit 30 Jahren als Erkrankung anerkannt ist, wird Betroffenen manchmal noch vorgeworfen, sich die Beschwerden nur einzubilden; das ist oft eine zusätzliche Belastung [1].
Symptome
Typisch sind laut IQWiG chronische, tiefliegende Muskelschmerzen in verschiedenen Körperregionen. Sie fühlen sich oft an wie eine Muskelzerrung oder ein heftiger Muskelkater, sind häufig unberechenbar und können jeden Tag anders sein, zum Beispiel unterschiedlich stark oder an verschiedenen Stellen im Körper [1]. Bei manchen Menschen lassen die Beschwerden tagsüber für einige Stunden nach [1].
Weitere typische Beschwerden sind schlechter, nicht erholsamer Schlaf, Müdigkeit und Erschöpfung. Viele Betroffene haben manchmal Probleme, klare Gedanken zu fassen, sich Dinge zu merken, Worte zu finden oder sich zu konzentrieren; das wird auch "Fibro-Nebel" genannt, englisch "fibro fog" [1].
Eine Fibromyalgie entwickelt sich meist über längere Zeit. Viele Betroffene haben schon vor der Diagnose lange diffuse Schmerzen oder andere Schmerzerkrankungen, etwa ein Reizdarmsyndrom, Rückenschmerzen, Nacken-, Kiefer- und Kopfschmerzen, bei Frauen starke Regelschmerzen, eine Endometriose oder eine chronische Form der Blasenentzündung (interstitielle Zystitis) [1]. Phasen mit stärkeren Schmerzen können sich mit fast beschwerdefreien Phasen abwechseln [1]. Viele Menschen mit Fibromyalgie haben zusätzlich körperliche Erkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis oder psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Man weiß inzwischen, dass die Schmerzverarbeitung im Gehirn bei Fibromyalgie gestört ist: Die Schwelle, ab der Reize als Schmerzen empfunden werden, ist niedriger als bei anderen Menschen [1]. Viele Fachleute vermuten laut IQWiG, dass eine Mischung aus genetischen Faktoren und körperlichen oder psychischen Belastungen die Erkrankung auslöst und zu Veränderungen der Schmerzverarbeitung führt [1]. Im Einzelnen beschreibt das IQWiG [3]:
- Gestörte Schmerzverarbeitung: Dafür spricht unter anderem, dass Menschen mit Fibromyalgie oft auch andere Erkrankungen haben, bei denen die zentrale Schmerzverarbeitung eine Rolle spielt, etwa Migräne oder ein Reizdarmsyndrom.
- Genetische Faktoren: Fibromyalgie kommt in manchen Familien gehäuft vor. Bestimmte Genvarianten, die für Botenstoffe wie Noradrenalin und Serotonin wichtig sind, finden sich bei Menschen mit Fibromyalgie häufiger; ein "Fibromyalgie-Gen" gibt es aber nicht.
- Psychische Belastungen: Manche Studien zeigen, dass psychische Belastungen oder Depressionen zu chronischen Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie beitragen können. Nicht alle Menschen mit Fibromyalgie haben aber eine psychische Erkrankung oder traumatische Erfahrungen.
Dass Infektionskrankheiten wie Borreliose oder Verletzungen, etwa durch Unfälle, zu Fibromyalgie beitragen, dafür liefern bisherige Studien laut IQWiG keine Hinweise. Für einen Zusammenhang mit Störungen der Schilddrüsen- oder Sexualhormone, mit Erkrankungen der Muskeln oder der Nervenfasern gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege [3].
Medikamente: Bei der Abklärung ist es laut IQWiG wichtig, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt alle Medikamente zu überprüfen, die man einnimmt. Mittel wie Protonenpumpenhemmer oder Statine können, wenn auch selten, zu Muskelschmerzen führen [1]. Mehr dazu: Muskelschmerzen durch Medikamente.
Diagnose
Es dauert oft mehrere Jahre, bis eine Fibromyalgie festgestellt wird. Die Schmerzen beginnen schleichend oder an nur einer Körperstelle, und die Diagnose lässt sich nicht durch Laborwerte oder Röntgenbilder bestätigen [1]. Oft wird sie erst in einer rheumatologischen oder schmerzmedizinischen Praxis gestellt [1]. Nötig sind laut IQWiG ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch und eine körperliche Untersuchung; der Fibromyalgie-Symptom-Fragebogen kann helfen, die Beschwerden zu erfassen [1]. Um eine Fibromyalgie könnte es sich laut IQWiG handeln, wenn [1]:
- in den drei Monaten vor der Untersuchung mindestens 7 von 19 festgelegten Körperbereichen geschmerzt haben; dazu gehören Brust und Bauch, der Rücken sowie Kiefer, Schultern, Ober- und Unterarme, Hüften, Ober- und Unterschenkel, jeweils auf beiden Körperseiten,
- andere Beschwerden wie Konzentrationsprobleme, Erschöpfung, Morgenmüdigkeit, Magenschmerzen oder -krämpfe, Kopfschmerzen oder Depressionen einen bestimmten Schweregrad erreichen und zusammen mit den Schmerzen seit mindestens drei Monaten bestehen,
- keine andere körperliche Erkrankung die Beschwerden erklärt.
Um andere Ursachen wie eine rheumatoide Arthritis, eine Schilddrüsenunterfunktion, Muskelerkrankungen oder psychische Ursachen auszuschließen, empfehlen medizinische Fachgesellschaften laut IQWiG eine gründliche Analyse der Krankheitsgeschichte, eine körperliche Untersuchung und verschiedene Blutuntersuchungen, unter anderem zur Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels [1]. Weitere Untersuchungen sind nur bei einem konkreten Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung sinnvoll oder wenn andere Beschwerden hinzukommen [1].
Behandlung ohne Medikamente

Bewegung und leichter Sport wie Radfahren oder Walking können laut IQWiG das Wohlbefinden verbessern, den Körper stärken und Schmerzen etwas lindern; sie sind daher ein wichtiger Teil der Behandlung [1]. Viele Betroffene vermeiden Bewegung aus Angst, die Schmerzen zu verstärken oder sich zu übernehmen. Es gibt aber Hinweise, dass Bewegung solche Ängste verringern kann [1].
Wer sich wegen der Schmerzen lange wenig bewegt hat, fängt laut IQWiG am besten langsam an und steigert das Training allmählich. Ein Ziel kann sein, 2- bis 3-mal pro Woche eine halbe bis eine Stunde leichten Ausdauersport zu treiben, etwa Walking, Radfahren, Tanzen oder Aquajogging. Auch leichte Kräftigungsübungen, Wassergymnastik, Dehnungsübungen sowie Tai Chi, Qi Gong und ruhigere Yoga-Stile sind eine Möglichkeit [4]. Für bis zu 24 Monate kann die Ärztin oder der Arzt ein Funktionstraining in Gruppen verordnen: Gymnastik oder Wassergymnastik unter Anleitung einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten [4].
Weitere Möglichkeiten nennt das IQWiG [1, 4, 5]:
- Wärme und Entspannung: Thermalbäder werden von vielen Menschen mit Fibromyalgie als angenehm empfunden; manche beschreiben Saunagänge oder sanfte Massagen als erleichternd [1]. Entspannungstechniken wie die Muskelentspannung nach Jacobson oder autogenes Training können helfen, Verspannungen zu lösen. Bei Fibromyalgie gibt es dazu bisher nur wenige kleine Studien [4].
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Sie hilft zu erkennen, welche Gedanken und Verhaltensweisen die Schmerzen verstärken, und sie zu verändern. Hilfreich sein kann sie auch, wenn sich neben der Fibromyalgie eine Angsterkrankung oder Depression entwickelt hat [5].
- Multimodale Schmerztherapie: Vor allem bei starken Beschwerden kann sie sinnvoll sein [1]. Fachleute aus Schmerzmedizin, Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie arbeiten zusammen; die Behandlung kombiniert Bewegung, Schulungen, Entspannungstechniken und Medikamente. Sie dauert mindestens sieben Tage, üblich sind 2 bis 4 Wochen [5].
Bestehen zugleich andere Erkrankungen wie eine Arthritis oder psychische Probleme wie Depressionen, ist es laut IQWiG wichtig, auch diese behandeln zu lassen [1].
Behandlung mit Medikamenten
Ein eigens zur Behandlung von Fibromyalgie entwickeltes und zugelassenes Medikament gibt es laut IQWiG bislang nicht. Bestimmte Mittel, die für andere chronische Schmerzen oder andere Erkrankungen zugelassen sind, können aber manchmal auch bei Fibromyalgie helfen; Studien zeigen das für Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin [2]. Sie beeinflussen bestimmte Botenstoffe, die auch die Schmerzwahrnehmung steuern. Bei Fibromyalgie werden sie nicht wegen ihrer antidepressiven oder antiepileptischen Wirkung eingesetzt [1]. Die Packungsbeilagen der Beispielpräparate nennen Fibromyalgie nicht als Anwendungsgebiet [7, 9, 11]. Für eine Anwendung außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use) gelten laut IQWiG besondere Regelungen, zum Beispiel bei der Kostenübernahme; anders ist es, wenn neben der Fibromyalgie eine Erkrankung besteht, für die das Mittel zugelassen ist, etwa eine Depression [2]. Mehr im Ratgeber Off-Label-Use.
Laut IQWiG ist es sinnvoll, nicht allein auf Medikamente zu setzen, sondern sie mit anderen Behandlungen wie leichter körperlicher Aktivität zu kombinieren [2]. Bis eine Wirkung eintritt und sich beurteilen lässt, ob das Mittel hilft, dauert es 2 bis 4 Wochen [2]. Um Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden, ist es laut IQWiG sinnvoll, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und sie schrittweise zu erhöhen; auch beim Beenden wird die Dosis nach und nach verringert [2]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Angaben der Packungsbeilagen stehen auf den Wirkstoffseiten, etwa bei Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin.
- Amitriptylin gehört zu den trizyklischen Antidepressiva. Zugelassen ist es laut Packungsbeilage bei Erwachsenen unter anderem für Depression, Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen) und zur Vorbeugung von chronischen Spannungskopfschmerzen und Migräne; für Fibromyalgie ist es laut Packungsbeilage nicht zugelassen [7]. Bei der EU-weiten Vereinheitlichung der Anwendungsgebiete von Amitriptylin hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur 2017 weder einem eigenen Anwendungsgebiet bei Fibromyalgie noch einem breiten Anwendungsgebiet bei chronischen Schmerzen zugestimmt [15]. Amitriptylin blockiert laut Fachinformation die Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin an den Nervenendigungen und außerdem Natrium-, Kalium- und NMDA-Kanäle im Gehirn und im Rückenmark; die schmerzlindernde Wirkung beruht nicht auf der antidepressiven Wirkung [8].
- Duloxetin ist ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), ebenfalls aus der Gruppe der Antidepressiva. Zugelassen ist es laut Packungsbeilage bei Erwachsenen für depressive Erkrankungen, die generalisierte Angststörung und Schmerzen bei diabetischer Neuropathie; für Fibromyalgie ist es laut Packungsbeilage nicht zugelassen [9]. Die schmerzhemmende Wirkung erklärt man sich laut Fachinformation über eine Verstärkung der absteigenden hemmenden Schmerzbahnen im zentralen Nervensystem [10].
- Pregabalin gehört zu den Antiepileptika. Zugelassen ist es laut Packungsbeilage bei Erwachsenen für Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen), als Zusatzbehandlung bestimmter epileptischer Anfälle und für generalisierte Angststörungen; für Fibromyalgie ist es laut Packungsbeilage nicht zugelassen [11]. Es bindet laut Fachinformation im zentralen Nervensystem an eine Untereinheit (Alpha-2-Delta-Protein) spannungsabhängiger Calciumkanäle [12].
Mittel, von denen das IQWiG abrät
Vom Gebrauch von Schmerzmitteln wie ASS, Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol wird laut IQWiG bei Fibromyalgie abgeraten: Es ist nicht belegt, dass sie helfen, sie können aber verschiedene Nebenwirkungen haben [2]. Auch andere Schmerzmittel wie Metamizol und stärkere Medikamente aus der Gruppe der Opioide wie Oxycodon sollen laut IQWiG bei Fibromyalgie nicht eingesetzt werden; Opioide können abhängig machen [2].
Viele weitere Mittel, die teilweise bei Fibromyalgie eingesetzt werden, sind laut IQWiG für diese Erkrankung nicht gut untersucht und werden von medizinischen Fachgesellschaften nicht zur Behandlung empfohlen. Dazu gehören unter anderem Beruhigungs- und Schlafmittel, Medikamente auf Basis von Cannabis, Hormone, muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxanzien), das Antidepressivum Mirtazapin und MAO-Hemmer [2].
Schwangerschaft und Stillzeit
Wenn Sie schwanger sind oder stillen, vermuten, schwanger zu sein, oder eine Schwangerschaft planen, fragen Sie laut den Packungsbeilagen vor der Einnahme Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat [7, 9, 11]. Pregabalin darf laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hat es ausdrücklich empfohlen. In den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft kann es zu Geburtsfehlern beim ungeborenen Kind führen; Frauen, die schwanger werden können, müssen eine wirksame Verhütungsmethode anwenden [11]. Amitriptylin wird laut Packungsbeilage während der Schwangerschaft nicht empfohlen, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hält es für eindeutig erforderlich, und nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko [7]. Duloxetin dürfen Sie laut Packungsbeilage nur einnehmen, nachdem Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über den möglichen Nutzen und mögliche Risiken für Ihr ungeborenes Kind gesprochen haben [9]. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Wie häufig es zu Nebenwirkungen kommt, hängt laut IQWiG unter anderem von der Dosierung und dem eingesetzten Wirkstoff ab [2]. Sehr häufige Nebenwirkungen sind laut Packungsbeilagen bei Amitriptylin unter anderem Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit und Gewichtszunahme, bei Duloxetin Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Übelkeit und Mundtrockenheit, bei Pregabalin Benommenheit, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen [7, 9, 11]. Zu häufigen Beschwerden gibt es eigene Seiten: Mundtrockenheit, Übelkeit, Müdigkeit, Schwindel, Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme, dazu die Seiten zur Gewichtszunahme unter Amitriptylin und Pregabalin.
- Müdigkeit und Verkehr: Amitriptylin kann laut Packungsbeilage Schläfrigkeit und Schwindel hervorrufen, insbesondere zu Beginn der Behandlung; ist das bei Ihnen der Fall, dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Werkzeuge und Maschinen bedienen [7]. Unter Duloxetin dürfen Sie laut Packungsbeilage kein Fahrzeug führen, bevor Sie wissen, wie das Mittel bei Ihnen wirkt [9]. Unter Pregabalin sollten Sie laut Packungsbeilage so lange nicht fahren, bis Sie wissen, ob das Mittel Sie dabei beeinflusst [11]. Mehr: Medikamente und Autofahren.
- Alkohol: Während der Behandlung mit Amitriptylin ist es laut Packungsbeilage nicht ratsam, Alkohol zu trinken, weil er die dämpfende Wirkung verstärken kann; bei Pregabalin wird empfohlen, keinen Alkohol zu trinken [7, 11]. Mehr: Medikamente und Alkohol.
- Herz bei Amitriptylin: Ein verlängertes QT-Intervall im EKG ist laut Packungsbeilage eine häufige Nebenwirkung. Herzrhythmusstörungen und niedriger Blutdruck können bei einer hohen Dosis auftreten, bei einer vorbestehenden Herzerkrankung auch bei normaler Dosierung [7]. Mehr: QT-Verlängerung.
- Abhängigkeit und Atmung bei Pregabalin: Manche Menschen können laut Packungsbeilage von Pregabalin abhängig werden. Das Risiko kann größer sein, wenn jemand schon einmal Alkohol, verschreibungspflichtige Arzneimittel oder illegale Drogen missbraucht hat oder davon abhängig war [11]. Zusammen mit anderen Mitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, einschließlich Opioiden, kann Pregabalin deren Wirkung verstärken und zu Atemschwäche, Koma und Tod führen [11]. Mehr: Absetz- und Entzugserscheinungen.
Gedanken, sich das Leben zu nehmen
Wer depressiv ist, bei Duloxetin auch wer unter Angststörungen leidet, kann laut den Packungsbeilagen von Amitriptylin und Duloxetin manchmal Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Solche Gedanken können bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva verstärkt sein [7, 9]. Laut Packungsbeilage von Amitriptylin können Suizidgedanken und suizidales Verhalten auch zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva auftreten, die wegen einer anderen Erkrankung als einer Depression erfolgt [7]. Auch einige Menschen, die mit Mitteln gegen Epilepsie wie Pregabalin behandelt wurden, hatten laut Packungsbeilage solche Gedanken oder zeigten suizidales Verhalten [11]. Was dann zu tun ist, steht im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Absetzen
Hält Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Duloxetin für nicht mehr nötig, wird die Dosis laut Packungsbeilage langsam über mindestens 2 Wochen verringert. Einige Menschen, die Duloxetin abrupt absetzten, hatten zum Beispiel Schwindel, Empfindungen ähnlich einem elektrischen Schlag, Schlafstörungen oder Übelkeit [9]. Pregabalin dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht plötzlich absetzen; die Behandlung muss allmählich über mindestens 1 Woche beendet werden. Nach dem Beenden können Entzugserscheinungen auftreten, etwa Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Übelkeit und Angst [11]. Bei Amitriptylin entscheidet laut Packungsbeilage die Ärztin oder der Arzt, wann und wie die Behandlung beendet wird, um Beschwerden durch ein zu plötzliches Absetzen zu vermeiden [7]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr auf den Seiten Amitriptylin absetzen, Duloxetin absetzen und Pregabalin absetzen sowie im Ratgeber Medikamente absetzen.
Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Fibromyalgie
Was Menschen mit Fibromyalgie guttut und wie sie mit den Beschwerden umgehen, ist laut IQWiG sehr unterschiedlich. Für das Wohlbefinden ist es vielleicht am wichtigsten, über die Zeit eigene Strategien zu entwickeln, um mit den Beschwerden besser zurechtzukommen, statt die Kraft darauf zu verwenden, gegen die Erkrankung anzukämpfen [1]. Hilfreich ist laut IQWiG zum Beispiel [1]:
- zu überdenken, was im Alltag wirklich wichtig ist,
- nicht nach Perfektion zu streben,
- die eigenen Grenzen zu erkunden und zu beachten, etwa indem man für anstrengende Tätigkeiten von vornherein mehr Zeit einplant und sie durch regelmäßige Pausen unterbricht.
Vieles ist trotz Fibromyalgie möglich. Wichtig ist laut IQWiG, sich nicht davon abhalten zu lassen, Dinge zu tun, die Freude bereiten, auch soziale Kontakte [1]. Der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in einer Selbsthilfegruppe, kann sehr hilfreich sein [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Die Fibromyalgie selbst ist laut IQWiG nicht gefährlich [1]. Bei bestimmten Warnzeichen unter den Medikamenten brauchen Sie aber ärztliche Hilfe, so wie es die Packungsbeilagen beschreiben:
- Gedanken, sich das Leben zu nehmen: Gehen Sie laut den Packungsbeilagen von Amitriptylin und Duloxetin zu einer Ärztin oder einem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf, wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken entwickeln [7, 9]. Unter Pregabalin setzen Sie sich laut Packungsbeilage sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung [11]. Suizidversuche aller Art sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den Notruf 112 [14]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [13].
- Amitriptylin: Gehen Sie laut Packungsbeilage sofort zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt bei großflächigem Hautausschlag mit hoher Körpertemperatur und vergrößerten Lymphknoten (DRESS; beenden Sie dann die Einnahme), bei vorübergehenden Anfällen von verschwommenem Sehen, Regenbogensehen und Augenschmerzen (mögliches Zeichen eines akuten grünen Stars, vor dem Weiternehmen ist eine sofortige augenärztliche Untersuchung nötig), bei schwerer Verstopfung mit geschwollenem Bauch, Fieber und Erbrechen, bei Gelbfärbung von Haut und Augäpfeln sowie bei blauen Flecken, Blutungen, Blässe oder anhaltenden Halsschmerzen mit Fieber [7].
- Pregabalin: Bei Atemproblemen oder flacher Atmung wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; bei einem Krampfanfall kontaktieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [11].
Sind die Praxen geschlossen und kann es nicht bis zum nächsten Tag warten, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot und akute und anhaltende stärkste Schmerzzustände sind laut KBV Fälle für den Notruf 112 [14].
Quellen
- Fibromyalgie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.04.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Medikamente zur Behandlung von Fibromyalgie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.04.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Was weiß man über die Entstehung von Fibromyalgie?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.04.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Bewegung, Entspannung und Stressbewältigung (Fibromyalgie). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.04.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Schmerztherapie und Verhaltenstherapie (Fibromyalgie). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.04.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Fibromyalgie: Ursachen und Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 21.10.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg), Abschnitt 5.1. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Duloxetin-ratiopharm magensaftresistente Hartkapseln, Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln, Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Saroten und zugehörige Bezeichnungen: Befassung nach Artikel 30 der Richtlinie 2001/83/EG, Anhang II (Wissenschaftliche Schlussfolgerungen). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP). Stand Gutachten 23.02.2017, Entscheidung der Europäischen Kommission 08.05.2017. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen bei Fibromyalgie?
Ein eigens für Fibromyalgie entwickeltes und zugelassenes Medikament gibt es laut IQWiG bislang nicht. Studien zeigen, dass Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin die Schmerzen bei manchen Menschen lindern können; ihre Packungsbeilagen nennen Fibromyalgie aber nicht als Anwendungsgebiet. Bis sich beurteilen lässt, ob ein Mittel hilft, dauert es laut IQWiG 2 bis 4 Wochen. Sinnvoll ist es laut IQWiG, Medikamente mit anderen Behandlungen wie leichter körperlicher Aktivität zu kombinieren.
Helfen normale Schmerzmittel wie Ibuprofen bei Fibromyalgie?
Laut IQWiG wird bei Fibromyalgie vom Gebrauch von Schmerzmitteln wie ASS, Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol abgeraten: Es ist nicht belegt, dass sie helfen, sie können aber verschiedene Nebenwirkungen haben. Auch Metamizol und stärkere Mittel aus der Gruppe der Opioide wie Oxycodon sollen laut IQWiG bei Fibromyalgie nicht eingesetzt werden; Opioide können abhängig machen.
Ist Fibromyalgie gefährlich?
Nein. Laut IQWiG ist eine Fibromyalgie nicht gefährlich: Die Organe sind gesund, und die Erkrankung hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Sie kann aber sehr belastend sein und viele Lebensbereiche beeinträchtigen. Phasen mit stärkeren Schmerzen können sich mit fast beschwerdefreien Phasen abwechseln.
Wie wird Fibromyalgie festgestellt?
Nötig sind laut IQWiG ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Um eine Fibromyalgie könnte es sich handeln, wenn in den drei Monaten vor der Untersuchung mindestens 7 von 19 festgelegten Körperbereichen geschmerzt haben, weitere Beschwerden wie Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme seit mindestens drei Monaten bestehen und keine andere körperliche Erkrankung die Beschwerden erklärt. Blutuntersuchungen helfen, andere Ursachen wie eine rheumatoide Arthritis oder eine Schilddrüsenunterfunktion auszuschließen.
Was hilft bei Fibromyalgie ohne Medikamente?
Bewegung und leichter Sport wie Radfahren oder Walking können laut IQWiG das Wohlbefinden verbessern und Schmerzen etwas lindern; wer sich wegen der Schmerzen lange wenig bewegt hat, fängt am besten langsam an und steigert sich allmählich. Thermalbäder empfinden viele Betroffene als angenehm. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, im Alltag besser mit den Schmerzen zurechtzukommen, und bei starken Beschwerden kann eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein.
Ist Fibromyalgie Weichteilrheuma?
Die Bezeichnung "Weichteilrheuma" ist laut IQWiG irreführend: Die Schmerzen gehen weder von den Weichteilen wie den Muskeln aus, noch beruhen sie auf einer rheumatischen Erkrankung. Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland stufen die Fibromyalgie laut IQWiG als funktionelles somatisches Syndrom ein, also als Erkrankung mit typischen körperlichen Beschwerden, die nicht durch Gewebeschäden verursacht wird.
Kann ich Pregabalin oder Duloxetin einfach absetzen?
Nein. Pregabalin dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht plötzlich absetzen; die Behandlung muss allmählich über mindestens 1 Woche beendet werden, danach können Entzugserscheinungen wie Schlafprobleme, Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten. Duloxetin wird laut Packungsbeilage über mindestens 2 Wochen langsam verringert, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es für nicht mehr nötig hält. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
Krankheiten Rückenschmerzen und IschiasRückenschmerzen sind fast immer ungefährlich und vergehen meist von selbst.
-
-
Krankheiten Rheumatoide ArthritisBei rheumatoider Arthritis greift das Abwehrsystem die Gelenke an.
-
Impfungen Hepatitis-B-Impfung: Nebenwirkungen und ReaktionenDie Fachinformationen der Hepatitis-B-Impfstoffe nennen je Impfstoff unterschiedliche Nebenwirkungen.