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Endometriose
Bei einer Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter oder in ihrer Wand und kann vor allem während der Regelblutung starke Unterleibsschmerzen verursachen; heilen lässt sich die Erkrankung laut IQWiG bislang nicht. Laut S2k-Leitlinie von 2025 sollte für die medikamentöse Behandlung der Schmerzen zuerst ein geeignetes Gestagen wie Dienogest eingesetzt werden oder, wenn eine Operation mit Diagnose der Endometriose vorausgegangen ist, ein GnRH-Antagonist; Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR sollten bei nozizeptivem Schmerz eingesetzt werden. Hinter starken Regelschmerzen kann laut IQWiG eine Endometriose stecken; erste Anlaufstelle ist meist die Frauenarztpraxis.

Bei einer Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, an anderen Stellen im Bauchraum oder in der Gebärmutterwand an. Diese Endometriose-Herde spüren viele Frauen gar nicht, bei anderen verursachen sie starke Schmerzen oder mindern die Fruchtbarkeit [1]. Heilen lässt sich die Erkrankung bislang nicht, die Beschwerden lassen sich aber mit Schmerzmitteln, Hormonen oder einer Operation behandeln [1].
Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine chronische Krankheit und laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine der häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen [1]. Die Herde können sich wie die Gebärmutterschleimhaut verhalten: Sie wachsen dann in der ersten Zyklushälfte heran und werden am Ende wieder abgestoßen. Das abgelöste Gewebe kann aber nicht aus dem Bauchraum abfließen. Die Herde können zu Verklebungen und Verwachsungen zwischen Organen, zu Entzündungen oder Zysten führen [1]. Zysten an den Eierstöcken heißen Endometriome, wegen ihres oft verdickten, braunroten Bluts auch Schokoladenzysten [1].
Laut Studien haben bis zu 10 % aller Frauen im fruchtbaren Alter eine Endometriose, verlässliche Zahlen gibt es aber nicht [1]. Auch die S2k-Leitlinie der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG, OEGGG, SGGG) hält eine Abschätzung von Häufigkeit und Neuerkrankungen wegen methodischer Unterschiede der Studien nicht für möglich [5]. Die Endometriose tritt vor allem zwischen der ersten und der letzten Regelblutung auf [1]. Die Herde sind gutartig. Frauen mit Endometriose haben aber ein leicht erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs: Etwa 2 von 100 erkranken im Laufe ihres Lebens daran, bei Frauen ohne Endometriose ist es etwa 1 von 100 [1].
Symptome
Hauptsymptom sind Unterleibsschmerzen. Sie treten oft zusammen mit der Regelblutung auf, aber auch während oder nach dem Geschlechtsverkehr, können in Unterbauch, Rücken und Beine ausstrahlen und von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein [1]. Wie sich die Schmerzen äußern, hängt unter anderem davon ab, wo die Herde liegen: am häufigsten am Bauchfell, oft auch an den Eierstöcken und im Bereich zwischen Gebärmutter und Enddarm [1]. Herde in Blase oder Darm können Schmerzen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang verursachen; sehr selten wachsen sie außerhalb des Beckens, etwa in der Lunge [1].
Chronische Schmerzen können zu Müdigkeit, Reizbarkeit, Ängsten oder depressiven Verstimmungen führen, und eine ausgeprägte Endometriose kann den Wunsch nach eigenen Kindern unerfüllt lassen [1]. Laut Leitlinie kann eine Endometriose mit psychischen Störungen wie Angst- und depressiven Störungen verbunden sein [5]. Oft dauert es Jahre, bis eine Endometriose als Ursache erkannt wird [1]. Bei Jugendlichen können laut Leitlinie alle Formen anhaltender Unterbauchschmerzen, auch Regelschmerzen, Symptome einer Endometriose sein [5]. Mehr zu Schmerzen während der Periode: Regelschmerzen.
Ursachen
Die genauen Auslöser sind nicht bekannt. Vermutlich spielen Hormone, eine familiäre Veranlagung und das Immunsystem eine Rolle: Östrogen fördert das Wachstum der Herde, Progesteron hemmt es, und bei einer Endometriose ist die hemmende Wirkung des Progesterons häufig beeinträchtigt [1]. Weil die Ursache unklar ist, ist laut Leitlinie eine ursächliche Behandlung nicht möglich [5].
Diagnose
Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden und eine gynäkologische Untersuchung mit Scheidenspiegel und Tastuntersuchung [1, 3]. Laut S2k-Leitlinie sollte ein Ultraschall durch die Scheide (transvaginale Sonografie) standardmäßig als erstes Verfahren angewendet werden; ein MRT sollte in der zweiten Linie ergänzend zum Einsatz kommen, wenn der Ultraschall allein nicht aussagekräftig genug ist (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Bei Verdacht auf eine tief infiltrierende oder eine Endometriose der Eierstöcke soll eine Ultraschalluntersuchung beider Nieren erfolgen (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Biomarker, etwa Werte im Blut, sind laut Leitlinie nicht für die Diagnose geeignet [5].
Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) unter Vollnarkose kommt laut IQWiG zum Beispiel infrage, wenn die Schmerzen trotz hormoneller Behandlung anhalten und die Lebensqualität beeinträchtigen oder wenn die Endometriose andere Organe stört; Herde können dabei gleich entfernt werden [3]. Sie kann eine Endometriose sehr zuverlässig feststellen, aber nicht sicher ausschließen [3]. Notieren Sie vor dem Termin Ihre bisherigen Medikamente, zum Beispiel im Medikationsplan.
Behandlung ohne Medikamente
Bei endometriosebedingten Schmerzen soll laut Leitlinie nach biopsychosozialem Verständnis gehandelt werden, das körperliche, psychische und soziale Faktoren einbezieht (Expertenkonsens, Konsens) [5]. Frauen sollte laut Leitlinie regelmäßige Bewegung unabhängig von der Intensität empfohlen werden, etwa Ausdauertraining, Yoga oder Dehnübungen, um Menstruationsschmerzen zu lindern (Expertenkonsens, Konsens). Physiotherapie sollte in das Therapiekonzept aufgenommen werden (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Empfohlen werden sollte eine gesunde, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung; spezielle Diäten ohne medizinischen Grund wie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit sollten nicht durchgeführt werden (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Für Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D fehlen laut IQWiG Belege, dass sie helfen [4].
Gegen Menstruationsschmerzen können laut Leitlinie progressive Muskelentspannung und eine selbst angewendete Unterbauchmassage erwogen werden, gegen chronische Schmerzen bei Endometriose eine elektrische Nervenstimulation über die Haut (TENS) und gegen Unterbauchschmerzen oder Menstruationsbeschwerden Akupunktur in Kombination mit weiteren Behandlungen (jeweils Expertenkonsens, Konsens) [5]. Psychotherapeutische Verfahren, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie und achtsamkeitsbasierte Verfahren, können bei hoher seelischer oder körperlicher Belastung empfohlen werden (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Bei chronischen Schmerzen kommt laut IQWiG eine multimodale Schmerztherapie infrage, in der Fachleute aus Gynäkologie, Schmerztherapie, Psychotherapie und Physiotherapie zusammenarbeiten [4]. Liegt eine chronische Schmerzstörung vor, sollte die Behandlung laut Leitlinie im Rahmen einer interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie angeboten werden (Expertenkonsens, starker Konsens) [5].
Operation: Endometriose-Herde lassen sich auch operativ entfernen, in der Regel per Bauchspiegelung [1, 5]. Bei einer tief infiltrierenden Endometriose mit Beschwerden sollte laut Leitlinie eine vollständige Entfernung angestrebt werden, wenn die erwarteten Vorteile die Nachteile möglicher Folgen für Organe überwiegen (Expertenkonsens, starker Konsens). Kehren die Beschwerden nach einer Operation zurück, sollte zunächst medikamentös behandelt werden, sofern keine zwingenden Gründe für eine erneute Operation vorliegen (Expertenkonsens, starker Konsens) [5].
Behandlung mit Medikamenten

Medikamente können die Beschwerden lindern: Schmerzmittel lindern die Schmerzen, hormonelle Mittel bremsen das Wachstum der Herde. Sie wirken allerdings nur, solange sie eingenommen werden; nach dem Absetzen können die Herde wieder wachsen [1]. Hormonelle Mittel senken den Östrogenspiegel, können den Eisprung verhindern und bewirken, dass die Regelblutung ausbleibt [2]. Die S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose (AWMF-Register 015-045, Stand April 2025) nennt diese Reihenfolge [5]:
- Erste Linie: Für die medikamentöse Behandlung von Endometriose-Schmerzen sollte ein geeignetes Gestagen wie Dienogest eingesetzt werden oder ein GnRH-Antagonist zum Einnehmen, gegebenenfalls mit Add-back-Hormonen, wenn eine Operation mit Diagnose der Endometriose vorausgegangen ist (Expertenkonsens, starker Konsens).
- Zweite Linie: Eingesetzt werden können ein GnRH-Antagonist zum Einnehmen, gegebenenfalls mit Add-back, kombinierte orale Kontrazeptiva (laut IQWiG in Deutschland nicht zur Behandlung der Endometriose zugelassen [2]), andere Gestagene auch zur örtlichen Anwendung und GnRH-Agonisten, gegebenenfalls mit Add-back (Expertenkonsens, Konsens).
- Nach zwei erfolglosen Hormonbehandlungen: Haben zwei hormonelle Therapien die Beschwerden nicht ausreichend gebessert, sollte eine erneute Beurteilung in einer auf Endometriose spezialisierten Einrichtung erfolgen (Expertenkonsens, starker Konsens).
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Gestagene, laut Leitlinie ein geeignetes Gestagen wie Dienogest in erster Linie, andere Gestagene in zweiter Linie [5] | Dienogest, Tabletten, laut Fachinformation zur Behandlung der Endometriose zugelassen [7] | Verringert die körpereigene Bildung von Estradiol und unterdrückt so dessen wachstumsfördernde Wirkung auf die Gebärmutterschleimhaut innerhalb und außerhalb der Gebärmutter; bei durchgehender Einnahme bilden sich die Herde nach einer Umwandlung zurück [7] | Häufig: Gewichtszunahme, depressive Stimmung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Akne, Haarausfall, Brustbeschwerden, Eierstockzysten, Hitzewallungen, Blutungen aus Gebärmutter oder Scheide einschließlich Schmierblutungen [6] |
| GnRH-Agonisten, laut Leitlinie zweite Linie, gegebenenfalls mit Add-back [5] | Leuprorelin, Monatsdepot als Spritze, laut Packungsbeilage bei symptomatischer, durch Bauchspiegelung gesicherter Endometriose, wenn eine Unterdrückung der Hormonbildung in den Eierstöcken angezeigt ist und die Erkrankung nicht primär operativ behandelt wird [8] | Abwandlung des körpereigenen Hormons GnRH; bei Daueranwendung werden die GnRH-Rezeptoren der Hirnanhangdrüse nach kurzer Anregung unempfindlich, nach 2 bis 3 Wochen sinkt der Estradiolspiegel auf Werte wie nach den Wechseljahren [9] | Sehr häufig: Stimmungsschwankungen, Depression, Kopfschmerz, Hitzewallungen; bei Endometriose oder Myomen zusätzlich sehr häufig Schlafstörungen [8, 9] |
| Schmerzmittel (NSAR), laut Leitlinie bei nozizeptivem Schmerz [5] | Ibuprofen, rezeptfreie Tabletten, laut Packungsbeilage zur kurzzeitigen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen wie Regelschmerzen [11] | Hemmt die Bildung von Prostaglandinen; beim Menschen verringert Ibuprofen entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber [12] | Häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [11, 12] |
Sehr häufig bedeutet laut Packungsbeilage bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10 [8]. Jede Angabe gilt nur für den Wirkstoff, bei dem sie steht; mehr im Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Dienogest
Gestagen-Tabletten werden laut IQWiG täglich ohne Einnahmepause eingenommen und oft als Erstes empfohlen; die Periode kann dadurch ausbleiben, und in den ersten Monaten treten häufig Zwischenblutungen auf [2]. Dienogest wird laut Fachinformation unabhängig von Blutungen durchgehend eingenommen [7]. Dienogest ist laut Packungsbeilage kein Verhütungsmittel. Während der Einnahme dürfen keine hormonellen Verhütungsmittel verwendet werden; wer nicht schwanger werden will, muss Kondome oder andere nicht-hormonelle Methoden anwenden [6]. Bei Jugendlichen von 12 bis unter 18 Jahren kann Dienogest die Knochendichte verringern; die Ärztin oder der Arzt wägt Nutzen und Risiko deshalb sorgfältig ab [6].
GnRH-Agonisten wie Leuprorelin
GnRH-Agonisten senken die Bildung weiblicher Hormone so stark, dass häufig Beschwerden wie in den Wechseljahren auftreten, etwa Hitzewallungen, Schlafstörungen, eine trockene Scheide und Stimmungsschwankungen [2]. Die Behandlung mit GnRH-Analoga sollte laut Leitlinie durch eine Add-back-Therapie mit einer geeigneten Östrogen-Gestagen-Kombination ergänzt werden, um Folgen des Östrogenmangels gering zu halten (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Als alleinige Behandlung der Endometriose wird Leuprorelin laut Packungsbeilage höchstens 6 Monate angewendet; bis zu 1 Jahr ist möglich, wenn über den ganzen Zeitraum zusätzlich Norethisteronacetat als Add-back-Therapie gegeben wird [8]. Grund ist laut Fachinformation das erhöhte Risiko einer Abnahme der Knochendichte [9]. Leuprorelin-Depotspritzen dürfen laut einem Rote-Hand-Brief vom 30.07.2020 nur von medizinischem Fachpersonal zubereitet und gegeben werden, das mit der Handhabung vertraut ist, weil Anwendungsfehler die Wirksamkeit mindern können [13].
GnRH-Antagonisten
GnRH-Antagonisten werden als Tabletten eingenommen [2]. Laut EMA-Produktinformation ist die Kombination aus Relugolix, Estradiol und Norethisteronacetat (Ryeqo) bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter zur symptomatischen Behandlung der Endometriose zugelassen, wenn die Endometriose zuvor medikamentös oder operativ behandelt wurde [10]. Relugolix hemmt die GnRH-Rezeptoren der Hirnanhangdrüse; dadurch werden weniger Hormone freigesetzt, die die Eierstöcke steuern, und es wird weniger Östrogen gebildet [10]. Sehr häufig sind laut Produktinformation Kopfschmerzen und Hitzewallungen, häufig unter anderem Reizbarkeit, verminderte Libido, Schwindel, Übelkeit, Haarausfall, Gelenkschmerzen, Gebärmutterblutungen und Trockenheit im Genitalbereich [10].
Kombinierte Pille
Die Kombinationspille kann laut IQWiG Endometriose-bedingte Schmerzen lindern; mit bestimmten Präparaten lassen sich Hormonzyklus und Menstruation durch durchgehende Einnahme auch längerfristig unterdrücken [2]. Kombinierte Verhütungsmittel sind in Deutschland allerdings nicht zur Behandlung der Endometriose zugelassen (Off-Label-Use), die Krankenkasse erstattet die Kosten dann möglicherweise nicht [2]. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen laut IQWiG Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Spannungsgefühl in den Brüsten und Stimmungsschwankungen; außerdem erhöhen sie das Thromboserisiko [2]. Mehr unter Hormonelle Verhütungsmittel und im Ratgeber Off-Label-Use.
Schmerzmittel
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sollten laut Leitlinie zur Schmerzbehandlung bei nozizeptivem Schmerzmechanismus eingesetzt werden, also bei Schmerzen, die durch eine Gewebeschädigung, etwa durch Endometriose-Herde am Bauchfell, ausgelöst werden (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Das IQWiG nennt als Beispiele Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure. NSAR können Regelschmerzen nachweislich lindern, sind bei Endometriose-Beschwerden aber kaum in guten Studien untersucht. Den meisten Frauen wird laut IQWiG von einer täglichen, dauerhaften Einnahme abgeraten; besser ist eine vorübergehende Einnahme, etwa während einer schmerzhaften Periode, abgesprochen mit der Ärztin oder dem Arzt [2]. Rezeptfreies Ibuprofen ist laut Packungsbeilage zur kurzzeitigen Behandlung gedacht; ist es bei Erwachsenen länger als 4 Tage gegen Schmerzen nötig, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden [11]. Die Mengen laut Packungsbeilage stehen unter Ibuprofen: Dosierung.
Bei chronischen Schmerzen können laut Leitlinie je nach zugrunde liegendem Schmerzmechanismus weitere Schmerzmittel und Mittel gegen Nervenschmerzen als individueller Therapieversuch erwogen werden (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Ob eine Langzeiteinnahme nötig ist, sollte laut Leitlinie bei jeder medikamentösen Schmerztherapie von mehreren Fachrichtungen überprüft werden (Expertenkonsens, Konsens) [5]. Mehr im Ratgeber Schmerzmittel richtig anwenden.
Kinderwunsch, Schwangerschaft und Jugendliche
Hormonelle Mittel sind laut IQWiG für Frauen, die schwanger werden möchten, nicht geeignet [2]; Dienogest ist laut Packungsbeilage aber kein Verhütungsmittel [6]. Eine hormonelle Behandlung hat laut Leitlinie keinen nachgewiesenen positiven Effekt auf die Fruchtbarkeit; Frauen mit Endometriose sollten über möglicherweise eingeschränkte Schwangerschaftschancen und den Einfluss des Alters aufgeklärt werden (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. In Schwangerschaft und Stillzeit dürfen Dienogest und Leuprorelin laut Packungsbeilage nicht angewendet werden [6, 8]. Während einer Behandlung mit Leuprorelin und bis die Regelblutung wieder einsetzt, sollten Frauen laut Fachinformation nicht-hormonell verhüten [9]. Bei Jugendlichen mit Verdacht auf Endometriose sollte die erste Behandlung laut Leitlinie konservativ mit Medikamenten erfolgen (Expertenkonsens, starker Konsens) [5]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Dienogest: Nebenwirkungen treten laut Packungsbeilage häufiger in den ersten Monaten auf und klingen bei weiterer Einnahme gewöhnlich ab; das Blutungsmuster verändert sich bei den meisten Frauen [6]. Bei möglichen Anzeichen eines Blutgerinnsels wie starken Schmerzen oder Schwellung in einem Bein, plötzlichen Brustschmerzen, plötzlicher Atemnot oder plötzlichem Husten ohne klare Ursache, Sehverlust, Sprachstörungen oder Taubheit in einem Körperteil beenden Sie die Einnahme laut Packungsbeilage sofort und suchen unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [6]. Wer jemals Depressionen hatte, informiert vorher die Ärztin oder den Arzt [6]. Blutungen der Gebärmutter können sich unter Dienogest verstärken, etwa bei einer Adenomyose oder bei Myomen; starke und länger andauernde Blutungen können zu Blutarmut führen [6]. Mehr zu Depression, Zyklusstörungen und Thromboserisiko durch Medikamente.
Leuprorelin: Bei Patientinnen unter GnRH-Agonisten wie Leuprorelin besteht laut Fachinformation ein erhöhtes Risiko für Depressionen, die schwerwiegend sein können [9]. Mit unbekannter Häufigkeit nennen Packungsbeilage und Fachinformation außerdem Suizidgedanken, suizidales Verhalten und Suizidversuche [8, 9]. Laut Fachinformation wurde außerdem über Krampfanfälle und über einen erhöhten Druck im Schädelinneren berichtet, mit starken oder wiederkehrenden Kopfschmerzen, Sehstörungen und Ohrgeräuschen [9]. Seit einem europäischen Bewertungsverfahren, das das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am 02.07.2024 umgesetzt hat, nennen die Produktinformationen auch schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom und eine Fettleber [9, 14]. Zu Beginn können sich bestimmte Beschwerden vorübergehend verstärken, und in den ersten Wochen können Blutungen auftreten; dauern sie an, sollte die Ursache untersucht werden [9]. Mehr unter Hitzewallungen, Osteoporose und Schwere Hautreaktionen.
Ibuprofen: Die geringfügigen Blutverluste im Magen-Darm-Trakt können laut Packungsbeilage in Ausnahmefällen zu Blutarmut führen; im letzten Drittel der Schwangerschaft darf es nicht eingenommen werden [11]. Mehr unter Magenbeschwerden durch Medikamente.
Hormonpräparate können laut IQWiG zu Stimmungsschwankungen und anderen psychisch belastenden Nebenwirkungen führen; sprechen Sie solche Probleme bei der Ärztin oder dem Arzt an [4]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [6]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Endometriose
Die erste Anlaufstelle ist meist die Frauenarztpraxis; für die Behandlung können sich Frauen auch an zertifizierte Endometriose-Zentren wenden, in denen Fachkräfte aus verschiedenen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten [1]. Nach einer Operation oder bei anhaltenden Beschwerden trotz umfangreicher Therapie ist eine Rehabilitation möglich [1]. Vor einer Entfernung der Gebärmutter müssen Ärztinnen und Ärzte auf das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung hinweisen [1]. Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe, etwa über die Endometriose-Vereinigung Deutschland, kann entlasten [4]. Halten die Beschwerden an und schränken die Teilhabe ein, etwa im Beruf, kann beim Versorgungsamt die Feststellung einer Schwerbehinderung beantragt werden [4]. Für das Gespräch in der Praxis hilft die Liste Fragen für das Arztgespräch.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bei einer Endometriose des Harnleiters droht laut Leitlinie in 25 bis 50 % der Fälle durch einen Harnstau eine Nierenschädigung oder ein Nierenversagen [5]. Hinter starken Regelschmerzen kann laut IQWiG eine Endometriose stecken; erste Anlaufstelle ist meist die Frauenarztpraxis [1]. Bei Anzeichen eines Blutgerinnsels unter Dienogest beenden Sie die Einnahme sofort und suchen unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [6]. Bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion nach einer Leuprorelin-Spritze, etwa Atemnot, Blutdruckabfall oder Schwellungen von Haut und Schleimhaut, kontaktieren Sie unverzüglich die Ärztin oder den Arzt [8]. Schwere Atemnot, starke Brustschmerzen und Suizidversuche sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112; bei akuten Bauchschmerzen hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann [15].
Quellen
- Endometriose. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Medikamentöse Behandlung bei Endometriose. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Untersuchungen bei Endometriose. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Mit Endometriose-Beschwerden umgehen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose. Leitlinie der DGGG, OEGGG und SGGG (S2k-Level, AWMF-Registernummer 015/045, April 2025, gültig bis 31.03.2030); Burghaus S et al., Geburtshilfe Frauenheilkd 2026; 86(2): 133-188, deutsche Fassung (Empfehlungen 1.S1, 1.S2, 1.E1, 3.E9, 3.E10, 3.S8, 4.E12 bis 4.E33, 4.S11, 6.7, 7.S21, 7.E58, 7.E60). Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG); frei abrufbar über PubMed Central. Stand 04/2025 (veröffentlicht 11.02.2026). abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Endovelle 2 mg Tabletten (Dienogest). Exeltis Germany GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Endovelle 2 mg Tabletten (Dienogest). Exeltis Germany GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Enantone-Gyn Monats-Depot 3,75 mg Retardmikrokapseln und Suspensionsmittel (Leuprorelin). Takeda GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Enantone-Gyn Monats-Depot 3,75 mg Retardmikrokapseln und Suspensionsmittel (Leuprorelin). Takeda GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation Ryeqo 40 mg/1 mg/0,5 mg Filmtabletten (Relugolix, Estradiol, Norethisteronacetat), Produktinformation Anhang I und III B. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA); Zulassungsinhaber Gedeon Richter Plc.. Stand letzte Verlängerung der Zulassung 26.03.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten (Version 11). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu leuprorelinhaltigen Depotarzneimitteln: Notwendigkeit der genauen Einhaltung der Anweisungen bezüglich Zubereitung und Verabreichung zur Verringerung des Risikos von Anwendungsfehlern. Zulassungsinhaber leuprorelinhaltiger Depotarzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 30.07.2020. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Umsetzung des Durchführungsbeschlusses der Europäischen Kommission zum PSUR Single Assessment betreffend Leuprorelin (Depotformulierungen) vom 28.05.2024 (Bescheid vom 01.07.2024; Anlage 2: Fettleber, schwere Hautreaktionen). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 02.07.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft gegen Endometriose-Schmerzen?
Laut S2k-Leitlinie sollten nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen bei nozizeptivem Schmerz eingesetzt werden; das IQWiG rät den meisten Frauen von einer täglichen, dauerhaften Einnahme ab und empfiehlt, sie zum Beispiel nur während einer schmerzhaften Periode zu nehmen. Hormonelle Mittel wie Dienogest bremsen das Wachstum der Endometriose-Herde. Regelmäßige Bewegung sollte laut Leitlinie empfohlen werden, um Menstruationsschmerzen zu lindern. Bei chronischen Schmerzen kommt eine multimodale Schmerztherapie infrage.
Welche Hormone werden bei Endometriose eingesetzt?
In der ersten Linie sollte laut S2k-Leitlinie ein geeignetes Gestagen wie Dienogest eingesetzt werden oder ein GnRH-Antagonist zum Einnehmen, gegebenenfalls mit Add-back, wenn eine Operation mit Diagnose der Endometriose vorausgegangen ist. In der zweiten Linie können kombinierte orale Kontrazeptiva, andere Gestagene und GnRH-Agonisten wie Leuprorelin eingesetzt werden; kombinierte Verhütungsmittel sind laut IQWiG in Deutschland aber nicht zur Behandlung der Endometriose zugelassen. Welches Mittel infrage kommt, entscheiden Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt.
Hilft die Pille bei Endometriose?
Die Kombinationspille kann laut IQWiG Endometriose-bedingte Schmerzen lindern; mit bestimmten Präparaten lassen sich Hormonzyklus und Menstruation durch durchgehende Einnahme auch längerfristig unterdrücken. Kombinierte Verhütungsmittel sind in Deutschland aber nicht zur Behandlung der Endometriose zugelassen; die Krankenkasse erstattet die Kosten dann möglicherweise nicht. Die S2k-Leitlinie nennt kombinierte orale Kontrazeptiva als Möglichkeit der zweiten Linie. Sie erhöhen laut IQWiG das Thromboserisiko.
Kann ich mit Endometriose schwanger werden?
Eine stark ausgeprägte Endometriose kann laut IQWiG die Fruchtbarkeit vermindern, ob das auch für eine milde Endometriose gilt, ist unklar. Frauen mit Endometriose sollten laut S2k-Leitlinie über möglicherweise eingeschränkte Schwangerschaftschancen und den Einfluss des Alters aufgeklärt werden; eine hormonelle Behandlung hat laut Leitlinie keinen nachgewiesenen positiven Effekt auf die Fruchtbarkeit. Dienogest und Leuprorelin dürfen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
Ist Endometriose heilbar?
Bislang lässt sich die Erkrankung laut IQWiG nicht heilen, aber die Beschwerden lassen sich behandeln. Medikamente wirken nur, solange sie eingenommen werden; nach dem Absetzen können die Herde wieder wachsen. Bei vielen Frauen klingen die Beschwerden nach der letzten Regelblutung ab, manchmal bleiben sie aber auch nach den Wechseljahren bestehen.
Wie wird Endometriose festgestellt?
Am Anfang stehen laut IQWiG ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden und eine gynäkologische Untersuchung. Als erstes bildgebendes Verfahren sollte laut S2k-Leitlinie standardmäßig ein Ultraschall durch die Scheide angewendet werden, ein MRT ergänzend in der zweiten Linie, wenn der Ultraschall allein nicht aussagekräftig genug ist. Eine Bauchspiegelung kommt laut IQWiG zum Beispiel infrage, wenn die Schmerzen trotz hormoneller Behandlung anhalten und die Lebensqualität beeinträchtigen oder wenn die Endometriose die Funktion anderer Organe stört.
Wie lange darf Leuprorelin bei Endometriose angewendet werden?
Als alleinige Behandlung höchstens 6 Monate, laut Packungsbeilage von Enantone-Gyn; bei einer Behandlungsdauer bis zu 1 Jahr setzt die Ärztin oder der Arzt zusätzlich täglich Norethisteronacetat als Add-back-Therapie ein. Grund ist laut Fachinformation das erhöhte Risiko einer Abnahme der Knochendichte. Laut S2k-Leitlinie sollte die Behandlung mit GnRH-Analoga durch eine Add-back-Therapie ergänzt werden.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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