NebenwirkungenNebenwirkung

Osteoporose durch Medikamente

Eine längere Einnahme von Kortison-Präparaten (Glucocorticoiden) gehört laut IQWiG zu den Risikofaktoren für Osteoporose. Die Leitlinie des Dachverbands Osteologie nennt außerdem unter anderem Aromatasehemmer, Protonenpumpenhemmer über mehr als 3 Monate, Mittel gegen Epilepsie, Antidepressiva, Opioide und Schilddrüsenhormone. Produktinformationen beschreiben Knochenschwund oder Knochenbrüche zum Beispiel bei Prednisolon, Anastrozol, Letrozol, Pantoprazol, Valproinsäure, Levothyroxin in hohen Dosen und Heparin bei längerer Anwendung. Lassen Sie Ihr Risiko ärztlich einschätzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Ältere Frau mit grauem Haar geht mit Walkingstöcken auf einem Waldweg im Herbst spazieren
Bild: KI-generiert

Manche Medikamente können die Knochen schwächen und Knochenbrüche begünstigen. Zu den Risikofaktoren für Osteoporose zählt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die längere Einnahme von Kortison-Medikamenten, etwa über mehrere Monate [1]. Die Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO) nennt unter den Risikofaktoren für Knochenbrüche außerdem unter anderem Aromatasehemmer, Protonenpumpenhemmer bei Einnahme über mehr als 3 Monate, Opioide, Mittel gegen Epilepsie und Antidepressiva [2]. Bei einer Osteoporose bilden sich viele der feinen Knochenbälkchen im Inneren der Knochen zurück; die Hohlräume werden größer und die Stabilität nimmt ab [1].

Welche Medikamente Osteoporose und Knochenbrüche begünstigen können

Die DVO-Leitlinie empfiehlt, Medikamente, die eine Osteoporose und/oder Stürze begünstigen können, bei allen betroffenen Personen regelmäßig auf ihr individuelles Nutzen-Risiko-Verhältnis zu überprüfen (Empfehlungsgrad A, "soll") [2]. Sie nennt dabei Antidepressiva, Antipsychotika, Beruhigungsmittel, Opioide, Kortison zum Einnehmen, Medikamente, die beim Aufstehen den Blutdruck abfallen lassen, Protonenpumpenhemmer vor allem bei Langzeiteinnahme, Aromatasehemmer, Glitazone und Schilddrüsenhormone [2]. Die Beispiele stammen aus den Produktinformationen einzelner Wirkstoffe. Jede Häufigkeitsangabe gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht.

  • Glucocorticoide (Kortison-Präparate): Laut Packungsbeilage von Prednisolon treten Knochenschwund (Osteoporose), Muskelschwäche und Muskelschwund dosisabhängig auf und sind auch bei nur kurzzeitiger Anwendung möglich; genannt werden außerdem Knochennekrosen, Wirbelbrüche und Brüche der langen Knochen [3]. Abhängig von Dauer und Dosierung muss laut Packungsbeilage mit einem negativen Einfluss auf den Calciumstoffwechsel gerechnet werden, sodass eine Osteoporose-Vorbeugung zu empfehlen ist [3]. Nach der DVO-Leitlinie steigt das Risiko für Knochenbrüche mit der Dosis von Kortison zum Einnehmen, das länger als 3 Monate angewendet wird [2].
  • Kortison zum Inhalieren: Inhalative Glucocorticoide können laut Fachinformation von Budesonid Nebenwirkungen im ganzen Körper verursachen, insbesondere bei hohen Dosen über lange Zeiträume, darunter eine Verminderung der Knochendichte; solche Reaktionen treten deutlich seltener auf als bei Kortison zum Einnehmen [19]. Die Packungsbeilage des Budesonid-Inhalators stuft eine Abnahme der Knochenmineraldichte als sehr selten ein (bis zu 1 von 10.000 Behandelten) [18]. Mehr unter Mittel gegen Asthma und COPD.
  • Aromatasehemmer (Brustkrebs-Behandlung): Anastrozol senkt laut Packungsbeilage die Menge des Hormons Östrogen; dadurch kann der Mineralgehalt der Knochen sinken, und sie können an Stärke verlieren und wahrscheinlich schneller brechen [7]. Knochenschwund ist dort als sehr häufig eingestuft (bei mehr als 1 von 10 Behandelten) [7]. Bei Letrozol nennt die Packungsbeilage eine Abnahme der Knochendichte, die in einigen Fällen zu Knochenbrüchen führen kann, als häufig (bis zu 1 von 10) [9]. Mehr unter Brustkrebs: Antihormontherapie.
  • Protonenpumpenhemmer (Magenschutzmittel): Mittel wie Pantoprazol können laut Packungsbeilage das Risiko für Hüft-, Handgelenks- und Wirbelsäulenbrüche leicht erhöhen, besonders bei Einnahme über mehr als ein Jahr; solche Brüche sind dort als gelegentlich eingestuft (bis zu 1 von 100) [5]. Laut Fachinformation gilt das besonders für hohe Dosierungen über längere Zeit, für ältere Menschen und bei weiteren Risikofaktoren [6].
  • Antiepileptika: Für Valproinsäure nennt die Packungsbeilage als gelegentlich Berichte über Knochenveränderungen einschließlich Knochenverdünnung (Osteopenie, Osteoporose) und Knochenbrüchen [10]. Laut Fachinformation gibt es Fallberichte über eine Abnahme der Knochendichte bis hin zu krankhaften Brüchen bei langer Anwendung [11].
  • Schilddrüsenhormone: Laut Packungsbeilage von Levothyroxin kann bei hohen Dosen Knochenschwund auftreten, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren und hauptsächlich bei einer Behandlung über einen langen Zeitraum; die Häufigkeit ist nicht bekannt [12].
  • Heparin (Blutverdünner zum Spritzen): Wird Heparin vor allem in höheren Dosierungen über Monate angewendet, kann sich laut Packungsbeilage eine vermehrte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) entwickeln, insbesondere bei entsprechender Veranlagung; die Häufigkeit ist nicht bekannt [14, 15]. Tägliche hochdosierte Heparin-Gaben über mehr als 3 Monate können laut Produktinformation auch bei Schwangeren und stillenden Frauen das Osteoporoserisiko erhöhen [14, 15]. Mehr unter Blutverdünner.
  • Antidepressiva: In epidemiologischen Studien, überwiegend mit Menschen ab 50 Jahren, wurde unter selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und trizyklischen Antidepressiva laut Fachinformation von Citalopram ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche beobachtet; der Mechanismus ist nicht bekannt [17]. Die Packungsbeilage führt das erhöhte Risiko für Knochenbrüche unter dieser Arzneimittelgruppe mit nicht bekannter Häufigkeit auf [16].

Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation Knochenschwund oder Knochenbrüche nennt:

Knochenschwund und Knochenbrüche als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
AnastrozolSehr häufigKnochenschwund (Osteoporose)
EnzalutamidSehr häufigKnochenbrüche
GabapentinHäufigUnfallbedingte Verletzungen, Knochenbrüche, Hautabschürfungen
LetrozolHäufigAbnahme der Knochendichte (Osteoporose), die in einigen Fällen zu Knochenbrüchen führen kann
PrednisonHäufigKnochenabbau, der das Risiko für Knochenbrüche erhöhen kann (Osteoporose); laut Fachinformation dosisabhängig und auch bei Kurzzeitbehandlung möglich · Brüche der Wirbel und Röhrenknochen
Salmeterol/FluticasonHäufigKnochenbrüche (traumatische Frakturen); berichtet in einer COPD-Studie
AmisulpridGelegentlichMinderung der Knochendichte, Knochenschwund (Osteoporose)
CelecoxibGelegentlichIn Langzeitstudien außerhalb von Gelenkerkrankungen zusätzlich beobachtet: Knochenbruch an Bein oder Fuß (untere Gliedmaßen)
EsomeprazolGelegentlichKnochenbrüche der Hüfte, des Handgelenks oder der Wirbelsäule, wenn Esomeprazol in hohen Dosierungen und über längere Zeit eingenommen wird
MethotrexatGelegentlichGelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Verminderung der Knochenmasse (Osteoporose) · Knochenbruch durch Belastung (Ermüdungsbruch)
OmeprazolGelegentlichKnochenbrüche der Hüfte, des Handgelenks oder der Wirbelsäule
PantoprazolGelegentlichKnochenbrüche der Hüfte, des Handgelenks oder der Wirbelsäule
ValproinsäureGelegentlichKnochenveränderungen wie Knochenschwund (Osteopenie, Osteoporose) und Knochenbrüche, vor allem bei langer Anwendung
AlendronsäureSeltenUngewöhnliche (atypische) Brüche des Oberschenkelknochens, insbesondere bei Langzeitbehandlung gegen Osteoporose; Schmerzen, Schwäche oder Beschwerden in Oberschenkel, Hüfte oder Leiste können ein frühes Anzeichen sein
DenosumabSeltenUngewöhnliche (atypische) Brüche des Oberschenkelknochens; neu auftretende oder ungewöhnliche Hüft-, Leisten- oder Oberschenkelschmerzen können ein früher Hinweis sein
EnoxaparinSeltenKnochenschwund (Osteoporose) mit häufigeren Knochenbrüchen nach längerer Anwendung, laut Fachinformation nach mehr als 3 Monaten
IbandronsäureSeltenUngewöhnliche (atypische) Brüche des Oberschenkelknochens; neu auftretende Schmerzen, Schwäche oder Beschwerden in Oberschenkel, Hüfte oder Leiste können ein frühes Anzeichen sein · Ungewöhnliche (atypische) Brüche…
OxcarbazepinSeltenAbnahme der Knochendichte (Osteoporose) bis hin zu Knochenbrüchen bei langer Anwendung
RisedronsäureSeltenUngewöhnliche (atypische) Brüche des Oberschenkelknochens, insbesondere bei Langzeitbehandlung gegen Osteoporose; Schmerzen, Schwäche oder Beschwerden in Oberschenkel, Hüfte oder Leiste können ein frühes Anzeichen sein
TinzaparinSeltenKnochenschwund (Osteoporose), beobachtet in Verbindung mit Langzeitanwendung
BeclometasonSehr seltenVerminderung der Knochendichte
Beclometason/FormoterolSehr seltenBei hohen Dosen über lange Zeit: Abnahme der Knochenmineraldichte
BudesonidSehr seltenAbnahme der Knochenmineraldichte (Schwächung der Knochen)
Budesonid/FormoterolSehr seltenVeränderung der Mineraldichte der Knochen (Schwächung der Knochen)
CarbamazepinSehr seltenStörungen im Knochenstoffwechsel, die vereinzelt zu Knochenerweichung (Osteomalazie) führten; Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe · Knochenbrüche
CertoparinSehr seltenIn Einzelfällen, wie bei unfraktioniertem Heparin: niedriger Blutdruck und verlangsamter Herzschlag, schmerzhafte Dauererektion des Penis (Priapismus), Übersäuerung des Blutes (Azidose) und Verminderung der…
IsotretinoinSehr seltenGelenkentzündung (Arthritis), Knochenerkrankungen mit verzögertem oder zusätzlichem Wachstum und Veränderungen der Knochendichte; das Knochenwachstum kann zum Stillstand kommen
BromazepamNicht bekanntStürze und Knochenbrüche; das Risiko ist bei gleichzeitiger Einnahme beruhigender Mittel oder von Alkohol, bei älteren Menschen und bei nicht vorschriftsgemäßer Einnahme erhöht
CitalopramNicht bekanntErhöhtes Risiko für Knochenbrüche, beobachtet bei Menschen, die mit dieser Arzneimittelgruppe behandelt wurden
ColestyraminNicht bekanntKnochenschwund (Osteoporose)
DexamethasonNicht bekanntKnochenschwund (Osteoporose), dosisabhängig und auch bei nur kurzzeitiger Anwendung möglich
HeparinNicht bekanntVermehrte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) bei Anwendung über Monate, vor allem in höheren Dosen und bei entsprechender Veranlagung
LamotriginNicht bekanntKnochenerkrankungen wie verminderte Knochendichte (Osteopenie) und Knochenschwund (Osteoporose) sowie Knochenbrüche
LeuprorelinNicht bekanntBei Männern mit Prostatakrebs: Abbau der Knochendichte, Knochenschwund (Osteoporose) einschließlich Wirbelkörperbrüchen · Bei Frauen (Enantone-Gyn): Abbau der Knochendichte, Knochenschwund (Osteoporose) einschließlich…
LevothyroxinNicht bekanntKnochenschwund (Osteoporose) bei hohen Dosen Levothyroxin, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren, hauptsächlich bei einer Behandlung über einen langen Zeitraum
MedroxyprogesteronNicht bekanntVerminderte Glucosetoleranz; Abnahme der Mineralknochendichte
PhenprocoumonNicht bekanntKnochenschwund (Osteopenie, Osteoporose) nach längerer Anwendung über Monate, insbesondere bei Menschen mit entsprechender Veranlagung
PrednisolonNicht bekanntKnochenschwund (Osteoporose), dosisabhängig und auch bei nur kurzzeitiger Anwendung möglich · Wirbelbrüche und Brüche der langen Knochen (Wirbelfrakturen, Frakturen der langen Knochen)
TamoxifenNicht bekanntAbnahme der Knochendichte bei Frauen vor den Wechseljahren
TrimipraminNicht bekanntErhöhtes Risiko für Knochenbrüche, beobachtet in Studien vor allem mit Menschen ab 50 Jahren unter SSRI oder trizyklischen Antidepressiva

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (40 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Knochenschwund und Knochenbrüche als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (3 Wirkstoffe)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Knochenschwund und Knochenbrüche als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
AmisulpridStürze aufgrund eines beeinträchtigten Gleichgewichts, die manchmal zu Knochenbrüchen führenNicht bekannt
ClobetasolHemmung der Nebennierenrindenfunktion: cushingoide Erscheinungen (zum Beispiel Mondgesicht und Fettansatz am Rumpf), verzögerte Gewichtszunahme und Wachstumsverzögerung bei Kindern, verminderte Knochendichte (Osteoporose), erhöhter Blutzucker und Zucker im…Sehr selten
Salmeterol/FluticasonBeeinträchtigung der körpereigenen Steroidhormon-Bildung, besonders wenn über einen langen Zeitraum große Mengen angewendet wurden: Mondgesicht (Cushing-Syndrom, cushingoides Erscheinungsbild), Unterdrückung der Nebennierenfunktion, Wachstumsverzögerung bei…Selten

Was die Häufigkeitsangaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Woran Sie eine Osteoporose durch ein Medikament erkennen

Osteoporose spürt man nicht. Oft macht sie sich laut IQWiG erst bemerkbar, wenn ein Knochen bricht [1]. Am häufigsten brechen die Wirbelkörper; dadurch kann die Wirbelsäule leicht einsacken und die Körpergröße abnehmen [1]. Manchmal verursachen Wirbelbrüche Rückenschmerzen, die meist nach ein paar Wochen wieder verschwinden; viele Menschen bemerken solche Brüche aber gar nicht [1]. Andere typische Stellen sind die Handgelenke und die Hüfte (Oberschenkelhals) [1]. Bei einer Osteoporose können schon Stürze durch Stolpern oder stärkere Belastungen wie das Heben einer schweren Einkaufstasche zu Brüchen führen [1].

Dauer und Dosis beachten. Bei vielen der genannten Mittel hängt das Risiko laut den Produktinformationen von Dauer und Dosis ab: bei Prednisolon von Dauer und Dosierung, bei Pantoprazol von einer Einnahme über mehr als ein Jahr, bei Levothyroxin von hohen Dosen über lange Zeit, bei Heparin von einer Anwendung über Monate und bei Valproinsäure von einer langen Anwendung [3, 5, 11, 12, 14]. Ein einzelner Bruch muss nichts mit einem Medikament zu tun haben; die meisten Knochenbrüche werden laut IQWiG durch Stürze ausgelöst [1].

Knochendichte messen. Für einige Wirkstoffe sehen die Produktinformationen eine Kontrolle vor. Frauen mit Osteoporose oder erhöhtem Osteoporoserisiko sollten unter Anastrozol laut Fachinformation zu Beginn und in regelmäßigen Abständen die Knochendichte überprüfen lassen [8]. Unter Letrozol misst die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage möglicherweise vor, während und nach der Behandlung die Knochendichte [9]. Eine verringerte Knochendichte erhöht laut IQWiG das Risiko für Knochenbrüche, der Messwert allein hat aber nur eine begrenzte Aussagekraft [1]. Laut DVO-Leitlinie soll eine Basisdiagnostik bei allen Brüchen ab dem Alter von 50 Jahren zeitnah erfolgen, besonders wenn ein Bruch auf brüchige Knochen hinweist (Empfehlungsgrad A); genannt wird auch die Planung einer höher dosierten Behandlung mit Kortison zum Einnehmen über mehr als 3 Monate [2].

Warum Medikamente die Knochen schwächen können

Die Knochendichte nimmt laut IQWiG nach dem 30. Lebensjahr langsam ab; bei Frauen beschleunigt sich der Knochenabbau etwa ab dem 50. Lebensjahr, weil das Hormon Östrogen den Knochenabbau bremst und diese Bremse mit den Wechseljahren verloren geht [1]. Hier setzen Aromatasehemmer an: Anastrozol senkt laut Fachinformation die körpereigenen Östrogenspiegel und kann dadurch die Knochendichte verringern; damit kann ein erhöhtes Bruchrisiko verbunden sein [8]. Bei Letrozol beschreibt die Packungsbeilage denselben Weg über die Verringerung der Östrogene [9].

Laut Fachinformation von Prednisolon muss abhängig von Dauer und Dosierung der Behandlung mit einem negativen Einfluss auf den Calciumstoffwechsel gerechnet werden [4]. Bei Levothyroxin nennt die Fachinformation Knochenschwund unter sogenannten suppressiven Dosen, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren; bei erhöhtem Osteoporoserisiko sollte bei ihnen die Schilddrüsenfunktion häufiger kontrolliert werden, um Blutspiegel oberhalb des natürlichen Bereichs zu vermeiden [13]. Wie Valproinsäure den Knochenstoffwechsel beeinflusst, ist laut Fachinformation nicht bekannt; auch bei Antidepressiva ist der Mechanismus laut Fachinformation von Citalopram nicht bekannt [11, 17].

Ein zweiter Weg führt über Stürze: Knochenbrüche im Alter gehen laut IQWiG meist auf Stürze zurück [1]. Die Empfehlung der DVO-Leitlinie zur Überprüfung von Medikamenten bezieht ausdrücklich auch Mittel ein, die Stürze begünstigen können [2]. Mehr unter Schwindel, Niedriger Blutdruck und Medikamente im Alter.

Was Sie tun können

Mann um die siebzig mit weißem Haar geht zu Hause vorsichtig eine helle Treppe hinunter und hält sich am Handlauf fest
Bild: KI-generiert

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Prednisolon darf laut Packungsbeilage nie eigenmächtig abgesetzt werden, weil besonders eine länger dauernde Behandlung die körpereigene Bildung von Glucocorticoiden unterdrückt [3]. Auch eine Schilddrüsendosis ändern Sie nicht selbst. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen.

Risiko besprechen. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie Osteoporose haben oder ein Risiko dafür besteht, zum Beispiel weil Sie Kortison einnehmen; darum bittet etwa die Packungsbeilage von Pantoprazol [5]. Bei Valproinsäure sollten Sie laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihren Arzt befragen, wenn Sie eine Langzeitbehandlung mit einem Mittel gegen Epilepsie erhalten, schon einmal an Osteoporose erkrankt waren oder Steroide einnehmen [10]. Bei Levothyroxin sehen Packungsbeilage und Fachinformation für Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Osteoporoserisiko vor, die Schilddrüsenwerte häufiger zu kontrollieren und die niedrigste wirksame Dosis einzustellen [12, 13]. Über eine Anpassung entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Vorbeugung, die die Quellen nennen. Bei Prednisolon besteht die Osteoporose-Vorbeugung laut Packungsbeilage in ausreichender Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr sowie körperlicher Aktivität; bei bereits bestehender Osteoporose sollte zusätzlich eine medikamentöse Behandlung erwogen werden [3]. Menschen mit Osteoporoserisiko sollen laut Fachinformation von Pantoprazol nach den gültigen Leitlinien behandelt werden und Vitamin D und Calcium in ausreichendem Maß erhalten [6]. Ob und in welcher Form das für Sie infrage kommt, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Knochen stärken und Stürzen vorbeugen. Laut IQWiG gehören dazu regelmäßige Bewegung und gezieltes Training, eine Ernährung mit ausreichend Kalzium und Eiweiß, genug Zeit im Freien für die Bildung von Vitamin D in der Haut, das Beseitigen von Stolperfallen wie losen Kabeln und Teppichen, ein Rauchstopp und wenig Alkohol [1]. Laut DVO-Leitlinie soll im Rahmen einer Osteoporosebehandlung ein individualisiertes Programm zur Verbesserung von Kraft, Balance und Koordination durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A) [2].

Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Eine Osteoporose macht sich laut IQWiG oft erst durch einen Knochenbruch bemerkbar; schon Stürze durch Stolpern können dann zu Brüchen führen, und Oberschenkelhalsbrüche können ernsthafte Folgen haben und bei Menschen ab etwa 80 Jahren manchmal zur Pflegebedürftigkeit führen [1]. Haben Sie nach einem Sturz starke Schmerzen, lassen Sie sich ärztlich untersuchen. Unfälle mit Verdacht auf schwere Verletzungen und akute, anhaltende stärkste Schmerzen sind laut KBV Fälle für den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112; außerhalb der Sprechzeiten hilft bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [21].

Auch Medikamente gegen Osteoporose haben Warnzeichen: Unter Alendronsäure können laut Packungsbeilage selten ungewöhnliche (atypische) Brüche des Oberschenkelknochens auftreten, insbesondere bei Langzeitbehandlung; Schmerzen, Schwäche oder Beschwerden in Oberschenkel, Hüfte oder Leiste können ein frühes Anzeichen sein, und Sie sollten sich dann an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden [20]. Mehr unter Osteoporosemittel und zu Schäden am Kieferknochen unter Zahnschäden.

Andere Ursachen

Nicht jede Osteoporose kommt von einem Medikament. Die Knochendichte nimmt laut IQWiG mit dem Alter ab; Osteoporose entwickelt sich meist erst nach dem 50. Lebensjahr, und Frauen sind ungefähr doppelt so oft betroffen wie Männer [1]. Beeinflussbare Risikofaktoren sind laut IQWiG vor allem ein geringes Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße, Kalzium- und Vitamin-D-Mangel, Bewegungsmangel, Rauchen und starker Alkoholkonsum [1].

Die DVO-Leitlinie nennt als Risikofaktoren für Knochenbrüche außerdem frühere Knochenbrüche, eine Hüftfraktur eines Elternteils, Erkrankungen wie Typ-1-Diabetes und länger bestehenden Typ-2-Diabetes, eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, ein Cushing-Syndrom, die rheumatoide Arthritis, axiale Spondyloarthritis, Zöliakie, Parkinson, Epilepsie, Depression, Demenz, COPD und Stürze in den letzten 12 Monaten [2]. Mehr zur Erkrankung unter Osteoporose und Wechseljahre. Welche Ursache vorliegt, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Quellen

  1. Osteoporose und Knochenbrüche. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.10.2022. abgerufen am 12.10.2026
  2. Leitlinie DVO-Leitlinie 2023 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern, Kurzfassung (Version 2.2; S3, AWMF-Register-Nr. 183-001). Dachverband Osteologie e. V. (DVO). Stand 2023 (Kurzfassung Version 2.2). abgerufen am 12.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pantoprazol-ratiopharm 40 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Pantoprazol-ratiopharm 40 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Anastrozol-ratiopharm 1 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Anastrozol-ratiopharm 1 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Femara 2,5 mg Filmtabletten (Letrozol). Novartis Pharma GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 12.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  11. Fachinformation Fachinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg/500 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation L-Thyroxin Henning 100 (100 Mikrogramm, Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 12.10.2026
  13. Fachinformation Fachinformation L-Thyroxin Henning 25 bis 200 (Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 06/2023. abgerufen am 12.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Heparin-Natrium-5000-ratiopharm Fertigspritzen mit Schutz. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 12.10.2026
  15. Fachinformation Fachinformation Heparin-Natrium-5000-ratiopharm (Ampullen/Fertigspritzen). ratiopharm GmbH. Stand 03/2020. abgerufen am 12.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 12.10.2026
  17. Fachinformation Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 12.10.2026
  18. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Budesonid Easyhaler 0,2 mg/Dosis Pulver zur Inhalation. Orion Corporation (Mitvertrieb Orion Pharma GmbH). Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
  19. Fachinformation Fachinformation Budesonid Easyhaler 0,1 mg/0,2 mg/0,4 mg/Dosis Pulver zur Inhalation. Orion Corporation (Mitvertrieb Orion Pharma GmbH). Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Alendronsäure STADA 70 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 12.10.2026
  21. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente können Osteoporose verursachen?

Laut IQWiG gehört die längere Einnahme von Kortison-Medikamenten zu den Risikofaktoren für Osteoporose. Die Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO) führt als Risikofaktoren für Knochenbrüche außerdem unter anderem Aromatasehemmer, Protonenpumpenhemmer über mehr als 3 Monate, Opioide, Mittel gegen Epilepsie (Antikonvulsiva) und Antidepressiva auf. In den Produktinformationen stehen Knochenschwund oder Knochenbrüche zum Beispiel bei Prednisolon, Anastrozol, Letrozol, Pantoprazol, Valproinsäure, Levothyroxin in hohen Dosen, Heparin und Citalopram. Welche Wirkstoffe auf dieser Website betroffen sind, zeigt die Tabelle.

Macht Kortison die Knochen brüchig?

Das ist möglich. Laut Packungsbeilage von Prednisolon treten Knochenschwund (Osteoporose) und Muskelschwund dosisabhängig auf und sind auch bei nur kurzzeitiger Anwendung möglich. Genannt werden auch Wirbelbrüche und Brüche der langen Knochen. Je nach Dauer und Dosis ist laut Packungsbeilage mit einem negativen Einfluss auf den Calciumstoffwechsel zu rechnen, sodass eine Osteoporose-Vorbeugung zu empfehlen ist. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Erhöhen Magenschutzmittel das Risiko für Knochenbrüche?

Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol können laut Packungsbeilage das Risiko für Hüft-, Handgelenks- und Wirbelsäulenbrüche leicht erhöhen, besonders wenn sie länger als ein Jahr eingenommen werden. In der Packungsbeilage sind solche Brüche als gelegentlich eingestuft. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie Osteoporose haben oder ein Risiko dafür besteht, etwa weil Sie Kortison einnehmen.

Schwächen Brustkrebs-Medikamente die Knochen?

Aromatasehemmer senken das Hormon Östrogen; laut Packungsbeilage von Anastrozol kann das den Mineralgehalt der Knochen senken, sodass sie an Stärke verlieren und wahrscheinlich schneller brechen. Knochenschwund ist dort als sehr häufig eingestuft, bei Letrozol als häufig. Laut Fachinformation von Anastrozol sollten Frauen mit Osteoporose oder erhöhtem Risiko die Knochendichte zu Beginn und regelmäßig während der Behandlung überprüfen lassen.

Können Schilddrüsentabletten Osteoporose auslösen?

Laut Packungsbeilage von Levothyroxin kann es bei hohen Dosen zu Knochenschwund kommen, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren und hauptsächlich bei einer Behandlung über einen langen Zeitraum. Die Fachinformation sieht bei Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Osteoporoserisiko vor, die niedrigste wirksame Dosis einzustellen und die Schilddrüsenwerte häufiger zu kontrollieren. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Woran merke ich, dass meine Knochen schwächer werden?

Eine Osteoporose spürt man laut IQWiG nicht; oft macht sie sich erst durch einen Knochenbruch bemerkbar. Am häufigsten brechen Wirbelkörper, was zu Rückenschmerzen und einer kleineren Körpergröße führen kann. Viele Menschen bemerken solche Brüche aber gar nicht. Ob eine Knochendichtemessung sinnvoll ist, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was kann ich selbst für meine Knochen tun?

Laut IQWiG gehören regelmäßige Bewegung und gezieltes Training, eine Ernährung mit ausreichend Kalzium und Eiweiß, genug Zeit im Freien für die Versorgung mit Vitamin D, das Beseitigen von Stolperfallen, ein Rauchstopp und wenig Alkohol zur Vorbeugung. Auch wenn ein Medikament die Knochen belasten kann: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu