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Morbus Bechterew

Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Wirbelsäulengelenke, bei der die Wirbelsäule verknöchern und versteifen kann; das Hauptsymptom sind anhaltende Rückenschmerzen. Zur Behandlung gehören laut IQWiG Bewegung, Physiotherapie und entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR); hilft das nicht ausreichend, kommen Biologika wie TNF-alpha- oder Interleukin-17-Hemmer infrage, nach den ASAS-EULAR-Empfehlungen von 2022 auch JAK-Hemmer. Verschlimmern oder verändern sich die Schmerzen an der Wirbelsäule rasch, auch nach einem geringfügigen Unfall, sollte laut S3-Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) auch an einen Bruch gedacht und zeitnah eine Bildgebung veranlasst werden (Empfehlungsgrad B).

Mann Mitte dreißig mit kurzem braunem Haar in grüner Jacke dehnt bei einem Spaziergang im herbstlichen Park den Rücken
Bild: KI-generiert

Morbus Bechterew ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, bei der die Gelenke der Wirbelsäule betroffen sind: Der Bereich um die entzündeten Gelenke verknöchert und versteift und kann die Wirbelsäule unbeweglich machen [1, 2]. Zur konventionellen Behandlung gehören laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Bewegung, Physiotherapie und entzündungshemmende Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR); reicht das nicht aus, werden Biologika eingesetzt [1]. Die europäischen ASAS-EULAR-Empfehlungen von 2022 nennen dafür auch JAK-Hemmer [5].

Was ist Morbus Bechterew?

Der Fachbegriff für Morbus Bechterew ist ankylosierende Spondylitis. Er gehört laut IQWiG zur axialen Spondyloarthritis, einer Gruppe entzündlicher Gelenkerkrankungen, bei denen die Gelenke der Wirbelsäule betroffen sind [2]. Bei Morbus Bechterew sind im Röntgenbild Veränderungen an der Wirbelsäule sichtbar. Bei der nicht röntgenologischen axialen Spondyloarthritis zeigt das Röntgenbild keine Veränderungen; die Entzündung lässt sich aber durch erhöhte Entzündungswerte im Blut oder durch ein MRT nachweisen [2].

Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), die Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen), hält diese Trennung für eher willkürlich: Es handle sich um ein einziges Krankheitsbild, und die Formen unterschieden sich nur in der Krankheitsdauer und im Ausmaß der vorhandenen Veränderungen an den Knochen [3]. Laut DGRh ist eine Neufassung mit geplanter Fertigstellung am 31.05.2027 in Arbeit [4].

In Deutschland erscheint laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) eine Häufigkeit des Morbus Bechterew zwischen 0,3 und 0,5 Prozent wahrscheinlich. Die Leitlinie nennt Daten des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums von 2016, nach denen etwa 61,5 Prozent der Betroffenen Männer sind; bei der nicht röntgenologischen Form beträgt das Verhältnis 1:1 [3]. Die ersten Beschwerden einer Spondyloarthritis treten danach im Durchschnitt im 2. bis 3. Lebensjahrzehnt auf [3].

Symptome

Die Hauptsymptome sind laut IQWiG anhaltende Rückenschmerzen und eine mehr oder weniger nach vorn gebeugte Körperhaltung; manchmal treten die Schmerzen auch am Nacken oder an der Hüfte auf. Im fortgeschrittenen Stadium kann außerdem die Beweglichkeit des Brustkorbs und damit die Atmung beeinträchtigt werden [1]. Die Erkrankung verläuft in Schüben: Die Beschwerden können sich plötzlich verstärken und danach wieder spontan bessern [1].

Typisch ist ein entzündlicher Rückenschmerz. Bei Rückenschmerzen, die seit mindestens 12 Wochen bestehen, sollten laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) diese Merkmale erfragt werden (Empfehlungsgrad B) [3]:

  • Morgensteifigkeit von mehr als 30 Minuten,
  • Aufwachen in der zweiten Nachthälfte,
  • Besserung durch Bewegung, keine Besserung durch Ruhe,
  • schleichender Beginn,
  • Alter bei Beginn bis 45 Jahre.

Nur etwa 75 Prozent der Betroffenen haben diese typischen Merkmale [3]. Neben der Wirbelsäule können sich laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) auch andere Gelenke entzünden, häufig wenige Gelenke ungleich verteilt und bevorzugt an den Beinen, außerdem Sehnenansätze (Enthesitis) oder ein ganzer Finger oder Zeh (Daktylitis); etwa 30 Prozent haben eine Gelenk- oder Sehnenansatzentzündung [3]. Dazu können eine Schuppenflechte, eine Entzündung im vorderen Teil des Auges (Uveitis anterior) oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung kommen [3]. Mehr dazu: Schuppenflechte, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Augenentzündung: Die akute Uveitis anterior kommt laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) bei 18 bis 40 Prozent der Menschen mit Morbus Bechterew vor. Sie zeigt sich durch ein schmerzhaftes rotes Auge und tritt meist plötzlich und typischerweise auf einer Seite auf; Betroffene berichten von Lichtempfindlichkeit, verschwommenem Sehen und vermehrtem Tränenfluss. Menschen mit einer Augenbeteiligung sollten augenärztlich mitbetreut werden [3].

Ursachen und Risikofaktoren

Charakteristisch für die Spondyloarthritiden ist laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) die Beteiligung der Wirbelsäule und der Sehnenansätze sowie ein Zusammenhang mit dem Gewebemerkmal HLA-B27 [3]. Wer eine familiäre Veranlagung hat, erkrankt danach früher als Menschen ohne familiäre Häufung [3]. Mit zunehmender Krankheitsdauer entstehen bei vielen, aber nicht allen Betroffenen Verknöcherungen an der Wirbelsäule, die in wenigen Fällen zur sogenannten Bambusstabwirbelsäule führen können [3].

Rauchen: Betroffene sollen laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) darüber informiert werden, dass für sie neben den allgemeinen Gesundheitsrisiken des Rauchens stärkere Einbußen der Funktionsfähigkeit, ein stärkeres Fortschreiten der Veränderungen im Röntgenbild und ein schlechteres Ansprechen auf Biologika im Vergleich zu Nichtrauchern bestehen (Empfehlungsgrad B) [3]. Unterstützung beim Aufhören: Rauchen aufhören.

Diagnose

Die Diagnose soll laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) aufgrund von Krankengeschichte, körperlicher Untersuchung, Laborbefunden und Bildgebung gestellt werden, unter Berücksichtigung anderer Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden (Expertenkonsens) [3]. Menschen mit Rückenschmerzen seit mindestens 3 Monaten, die vor dem 45. Lebensjahr begonnen haben, und mindestens einem weiteren Hinweis auf eine Spondyloarthritis sollen danach zur weiteren Klärung an eine rheumatologische Praxis überwiesen werden; besonders geeignete Hinweise sind ein entzündlicher Rückenschmerz und der Nachweis von HLA-B27 [3].

Bei Verdacht sollte laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) eine Bildgebung der Kreuz-Darmbein-Gelenke (Sakroiliakalgelenke) erfolgen, bei jüngeren Erwachsenen mit kurzer Beschwerdedauer bevorzugt eine MRT (Expertenkonsens). Ist das Röntgenbild dieser Gelenke unauffällig und der Verdacht stark, soll eine MRT mit Entzündungssequenz durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A) [3]. Zur Erfassung der Krankheitsaktivität sollten die Entzündungswerte CRP und/oder BSG bestimmt werden (Empfehlungsgrad B) [3]. Die Entzündung bei der nicht röntgenologischen Form lässt sich laut IQWiG durch erhöhte Entzündungswerte im Blut oder durch ein MRT nachweisen [2].

Behandlung ohne Medikamente

Drei Erwachsene unterschiedlichen Alters machen in einem hellen Bewegungsbad unter Anleitung einer Physiotherapeutin Gymnastik im Wasser
Bild: KI-generiert

Zur konventionellen Behandlung gehören laut IQWiG Bewegung und Physiotherapie [1]. Die Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) empfiehlt dazu (jeweils Empfehlungsgrad B, wenn nicht anders angegeben) [3]:

  • Beratung: Betroffene sollten zu Beginn und im Verlauf auf die Wichtigkeit von Sport, Bewegung im Alltag und regelmäßiger Bewegungstherapie hingewiesen und individuell beraten werden.
  • Angeleitete Bewegungstherapie: Übungen zu Hause sind wirksam, reichen allein aber nicht immer aus. Angeleitete Bewegungstherapien als Trocken- oder Wasserübungen, einzeln oder in der Gruppe, sollten zusätzlich verordnet werden, auch zusätzlich zu einer medikamentösen Behandlung.
  • Manuelle Therapie: Eine Mobilisation kann durchgeführt werden, um Beweglichkeit und Körperhaltung zu verbessern (Empfehlungsgrad 0). Manipulationen an der Wirbelsäule sollten nicht durchgeführt werden.
  • Rehabilitation und Schulung: Eine medizinische Rehabilitation sollte bei Bedarf geprüft werden, auch vor Ablauf des üblichen Abstands von 4 Jahren. Betroffene sollten an einem strukturierten Schulungsprogramm teilnehmen.

Menschen mit entzündlichen Gelenkerkrankungen können laut IQWiG für bis zu 24 Monate ein Funktionstraining in der Gruppe in Anspruch nehmen, also Gymnastik oder Wassergymnastik, meist unter physiotherapeutischer Anleitung; damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, braucht es ein ärztliches Rezept und einen von der Kasse anerkannten Veranstalter [18]. Bei einer Zerstörung der Hüftgelenke mit Beschwerden sollte laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) die Indikation für ein künstliches Hüftgelenk unabhängig vom Alter gestellt werden (Empfehlungsgrad B) [3].

Behandlung mit Medikamenten

Die Zusammenfassung der ASAS-EULAR-Empfehlungen von 2022 nennt NSAR als erste Wahl unter den Medikamenten [5]. Laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) sollte der Erfolg eines neu begonnenen NSAR nach 2 bis 4 Wochen beurteilt werden; hat es nicht gewirkt, sollte ein zweites NSAR für weitere 2 bis 4 Wochen versucht werden (jeweils Empfehlungsgrad B). Eine dauerhafte Einnahme ist danach angezeigt, solange sie für eine gute Kontrolle der Beschwerden erforderlich ist [3]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, etwa bei Diclofenac.

Hilft eine konventionelle Behandlung nicht gut, stehen laut IQWiG Biologika wie TNF-alpha-Hemmer oder Interleukin-17-Hemmer zur Verfügung [1]. Nach der Zusammenfassung der ASAS-EULAR-Empfehlungen kommen Biologika und JAK-Hemmer infrage bei einem Wert von mindestens 2,1 im Aktivitätsmaß ASDAS, wenn mindestens zwei NSAR erfolglos waren und zusätzlich ein erhöhter CRP-Wert, eine Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke im MRT oder deren Entzündung im Röntgenbild vorliegt. Üblich ist danach der Beginn mit einem TNF- oder IL-17-Hemmer [5].

Medikamente bei Morbus Bechterew: Gruppen, Beispiele und sehr häufige Nebenwirkungen laut Packungsbeilage
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), darunter COX-2-HemmerDiclofenac [6], Naproxen [7], Etoricoxib [8], Celecoxib [9]Schmerzstillend und entzündungshemmend [6, 7]; Celecoxib verringert die Bildung von Prostaglandinen, die Schmerzen und Entzündungen verursachen können [9]Diclofenac, sehr häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [6]. Naproxen, sehr häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Magenschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall, geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [7]. Etoricoxib, sehr häufig: Magenschmerzen [8]. Celecoxib, sehr häufig: Bluthochdruck, auch Verschlechterung eines bestehenden Bluthochdrucks [9]
TNF-alpha-Hemmer (Biologika)Adalimumab [10], Etanercept [11], Infliximab [12]Heften sich an den Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF alpha) oder blockieren seine Aktivität und verringern so die Entzündung [10, 11, 12]Adalimumab, sehr häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle, Infektionen der Atemwege, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Hautausschlag, Schmerzen in Muskeln und Knochen [10]. Etanercept, sehr häufig: Infektionen, Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen [11]. Infliximab, sehr häufig: Magenschmerzen, Übelkeit, Virusinfektionen, Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen, Reaktionen auf die Infusion, Schmerzen [12]
Interleukin-17-Hemmer (Biologika)Secukinumab [13]Neutralisiert die Aktivität des Eiweißes IL-17A, das bei axialer Spondyloarthritis in erhöhten Konzentrationen vorliegt [13]Sehr häufig: Infektionen der oberen Atemwege mit Halsschmerzen oder verstopfter Nase [13]
JAK-HemmerUpadacitinib [14]Verringert die Aktivität des Enzyms Januskinase und dadurch die Entzündung [14]Sehr häufig: Infektionen von Nase und Rachen, Akne [14]

Sehr häufig heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten [6, 10]. Die Häufigkeiten gelten nur für den Wirkstoff, bei dem sie stehen; alle Nebenwirkungen stehen auf den Wirkstoffseiten. Bei Celecoxib stammt die Häufigkeit des Bluthochdrucks laut Packungsbeilage aus Studien, in denen Celecoxib zur Verhütung von Darmpolypen eingesetzt wurde [9].

Wofür die Mittel zugelassen sind

Diclofenac und Naproxen sind laut Packungsbeilage unter anderem bei Morbus Bechterew und anderen entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen zugelassen [6, 7], Etoricoxib ab 16 Jahren [8] und Celecoxib bei Erwachsenen [9]. Bei den Biologika unterscheiden sich die Anwendungsgebiete [10, 11, 12, 13, 14]:

  • Adalimumab und Etanercept: schwerer aktiver Morbus Bechterew bei Erwachsenen, die unzureichend auf eine konventionelle Behandlung angesprochen haben, sowie schwere nicht röntgenologische axiale Spondyloarthritis mit erhöhtem CRP und/oder Entzündungszeichen im MRT, wenn NSAR nicht ausreichend geholfen haben, bei Adalimumab auch bei Unverträglichkeit von NSAR [10, 11].
  • Infliximab: schwerwiegender, aktiver Morbus Bechterew bei Erwachsenen, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen haben [12].
  • Secukinumab und Upadacitinib: aktiver Morbus Bechterew bei Erwachsenen, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen haben, sowie aktive nicht röntgenologische axiale Spondyloarthritis mit erhöhtem CRP und/oder Entzündungszeichen im MRT, wenn NSAR nicht ausreichend geholfen haben [13, 14].

Adalimumab und Infliximab sind laut Packungsbeilage monoklonale Antikörper; Etanercept wird aus zwei menschlichen Eiweißen gewonnen [10, 11, 12]. Bei wiederkehrender Uveitis oder chronisch entzündlicher Darmerkrankung werden laut Zusammenfassung der ASAS-EULAR-Empfehlungen monoklonale Antikörper gegen TNF bevorzugt, bei ausgeprägter Schuppenflechte IL-17-Hemmer [5]. Außerdem sind laut Fachinformation der JAK-Hemmer Tofacitinib [20] und der IL-17A- und IL-17F-Hemmer Bimekizumab [21] für Erwachsene mit aktivem Morbus Bechterew zugelassen, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen haben, Bimekizumab auch bei Unverträglichkeit dieser Therapie sowie bei aktiver nicht röntgenologischer axialer Spondyloarthritis mit erhöhtem CRP und/oder Entzündungszeichen im MRT, wenn NSAR nicht ausreichend geholfen haben oder nicht vertragen wurden [21]. Laut IQWiG sind Tofacitinib seit November 2021 und Bimekizumab seit Juni 2023 dafür zugelassen [1, 2].

Wenn die Behandlung nicht wirkt

Die Wirksamkeit eines Biologikums soll laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) nach 12 Wochen überprüft werden (Empfehlungsgrad A) [3]. Wirkt die Behandlung nicht, ist das laut Zusammenfassung der ASAS-EULAR-Empfehlungen ein Anlass, die Diagnose zu überprüfen und an Begleiterkrankungen zu denken; bestätigt sich eine aktive axiale Spondyloarthritis, sehen die Empfehlungen einen Wechsel auf ein anderes Biologikum oder einen JAK-Hemmer vor [5]. Laut IQWiG ist ein Wechsel auf ein anderes Biologikum möglich [2].

Kortison, Basismedikamente und andere Schmerzmittel

Die Empfehlungen 6 bis 8 der ASAS-EULAR-Empfehlungen befassen sich laut Zusammenfassung mit Schmerzmitteln und raten bei reinem Wirbelsäulenbefall von Kortison als Langzeitbehandlung und von klassischen Basismedikamenten ab [5]. Bei entzündeten Gelenken außerhalb der Wirbelsäule oder entzündeten Sehnenansätzen mit Beschwerden kann laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) Kortison örtlich gespritzt werden, bei einer aktiven Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke mit Beschwerden auch in dieses Gelenk (bei den Gelenken außerhalb der Wirbelsäule als Statement, sonst jeweils Empfehlungsgrad 0) [3]. Bei noch nicht ganz beherrschten Schmerzen oder Schmerzen ohne entzündliche Ursache können laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen), wenn NSAR nicht gewirkt haben, nicht genommen werden durften und/oder schlecht vertragen wurden, Schmerzmittel wie Paracetamol oder Opioide berücksichtigt werden; Studien dazu liegen nicht vor [3].

Schwangerschaft und Stillzeit

Upadacitinib darf laut Packungsbeilage während der Schwangerschaft nicht angewendet werden [14]. Etoricoxib darf laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden [8]. Die Anwendung von Secukinumab während der Schwangerschaft ist laut Packungsbeilage vorzugsweise zu vermeiden [13]. Nach einem Rote-Hand-Brief vom 7. März 2022 sollten Säuglinge, die im Mutterleib Infliximab ausgesetzt waren, bis 12 Monate nach der Geburt keine Lebendimpfstoffe wie den BCG-Impfstoff erhalten; ein früherer Zeitpunkt kommt danach bei eindeutigem Nutzen in Betracht, wenn kein Infliximab im Blut des Säuglings nachweisbar ist oder die Behandlung auf das erste Schwangerschaftsdrittel beschränkt war. Bei gestillten Säuglingen, deren Mutter Infliximab erhält, wird die Anwendung von Lebendimpfstoffen danach nicht empfohlen, außer es ist kein Infliximab im Blut des Säuglings nachweisbar [17]. Was Embryotox zu einzelnen Wirkstoffen schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Nebenwirkungen der Medikamente

NSAR: Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen betreffen laut Packungsbeilage von Diclofenac den Verdauungstrakt; Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüre, Durchbrüche oder Blutungen, manchmal tödlich, können auftreten, insbesondere bei älteren Menschen [6]. Nach einem Rote-Hand-Brief vom Juli 2013, den das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am 16.07.2013 veröffentlichte, ist Diclofenac mit einem erhöhten Risiko arterieller thrombotischer Ereignisse verbunden, vergleichbar mit dem von selektiven COX-2-Hemmern. Seitdem ist es kontraindiziert bei bestehender Herzschwäche (NYHA-Stadien II bis IV), Durchblutungsstörungen des Herzens (ischämische Herzerkrankung), peripherer Arterienerkrankung oder Erkrankungen der Hirngefäße [15]. Etoricoxib darf laut Packungsbeilage unter anderem bei Bluthochdruck, der durch eine Behandlung nicht ausreichend kontrolliert ist, nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall und bei einer entzündlichen Darmerkrankung nicht eingenommen werden [8]. Mehr dazu: Magenbeschwerden, Blutdruckanstieg und der Vergleich Ibuprofen oder Diclofenac.

Infektionen unter Biologika und JAK-Hemmern: Während der Behandlung mit Adalimumab können Sie laut Packungsbeilage leichter an Infektionen erkranken, darunter Tuberkulose; vor Beginn wird mit Krankengeschichte und Tests wie einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs und einem Tuberkulintest auf Tuberkulose untersucht [10]. Upadacitinib kann laut Packungsbeilage die Fähigkeit des Körpers, Infektionen zu bekämpfen, herabsetzen; auch vor dieser Behandlung wird auf Tuberkulose untersucht [14]. Während der Behandlung mit Secukinumab sollten Sie laut Packungsbeilage nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden [13]. Mehr dazu: Infektanfälligkeit durch Medikamente.

Haut und Darm: Einen neuen Ausbruch oder eine Verschlechterung einer Schuppenflechte nennt die Packungsbeilage von Adalimumab als häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten [10]; mehr dazu unter Schuppenflechte durch Medikamente. Bemerken Sie unter Secukinumab Bauchkrämpfe und Schmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder andere Zeichen von Darmproblemen, brechen Sie die Anwendung laut Packungsbeilage sofort ab und benachrichtigen unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [13].

JAK-Hemmer: Nach einem Rote-Hand-Brief vom 17. März 2023 sollten Januskinase-Hemmer bei Menschen ab 65 Jahren, bei Rauchern oder ehemaligen Langzeitrauchern und bei anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs nur angewendet werden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen [16]. Menschen ab 65 Jahren können laut Packungsbeilage von Upadacitinib ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Herzprobleme einschließlich Herzinfarkt und einige Krebsarten haben [14].

Laut Packungsbeilage von Adalimumab müssen Sie die Entscheidung, die Behandlung abzubrechen, mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen; die Anzeichen der Erkrankung können zurückkehren [10]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Morbus Bechterew

Die Koordination der Versorgung und die Zuständigkeit für Begleiterkrankungen und deren Risikofaktoren soll laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) zwischen rheumatologischer und hausärztlicher Praxis abgesprochen werden (Expertenkonsens). Krankheitszeichen außerhalb des Skeletts (etwa an Augen, Haut oder Darm) und Begleiterkrankungen wie Magen-Darm- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. ihre Risikofaktoren sollten regelmäßig geprüft und behandelt werden (Empfehlungsgrad B) [3]. Wer Medikamente erhält, die das Immunsystem unterdrücken, soll danach gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) geimpft werden (Expertenkonsens) [3]. Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen können laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) den Umgang mit der Erkrankung unterstützen [3].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Wirbelbruch: Verschlimmern oder verändern sich die Schmerzen an der Wirbelsäule rasch, sollte laut Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) neben einer Entzündung auch ein Bruch als Ursache in Betracht gezogen werden, auch nach einem geringfügigen Unfall; eine Untersuchung mit Bildgebung sollte zeitnah veranlasst werden (Empfehlungsgrad B) [3].

Unter NSAR: Treten stärkere Schmerzen im Oberbauch, Bluterbrechen, eine Schwarzfärbung des Stuhls oder Blut im Stuhl auf, müssen Sie laut Packungsbeilage von Diclofenac die Anwendung abbrechen und sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren. Bei Schwellungen von Gesicht, Zunge oder Kehlkopf mit Luftnot ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich [6].

Unter Biologika: Bei starkem Hautausschlag, Nesselsucht oder anderen Zeichen einer allergischen Reaktion, Schwellungen im Gesicht, an Händen oder Füßen, Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken sowie Kurzatmigkeit bei körperlicher Aktivität oder im Liegen benachrichtigen Sie laut Packungsbeilage von Adalimumab unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Anzeichen einer Infektion wie Fieber, Krankheitsgefühl, Wunden, Zahnprobleme oder Brennen beim Wasserlassen sollten Sie so bald wie möglich melden [10].

Notruf: Schwere Atemnot, starke Brustschmerzen und Bewusstlosigkeit nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Fälle für den Notruf 112. Akute Rückenschmerzen sind ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann [19].

Quellen

  1. Tofacitinib (Xeljanz) bei Morbus Bechterew (Abschnitte Einleitung und Andere Behandlungen). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.04.2022. abgerufen am 18.10.2026
  2. Bimekizumab (Bimzelx) bei axialer Spondyloarthritis (Abschnitte Einleitung und Andere Behandlungen). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 02.10.2023. abgerufen am 18.10.2026
  3. Leitlinie Langfassung zur S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen, Update 2019 (AWMF-Register-Nr. 060-003), Z Rheumatol 2019; 78 Suppl 1: S3-S64. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und beteiligte Fachgesellschaften. Stand Version 2018, publiziert 12/2019; abgelaufen (geplante Fertigstellung der Aktualisierung 08.11.2023), Neufassung in Arbeit. abgerufen am 18.10.2026
  4. Leitlinien der DGRh (Abschnitt Axiale Spondyloarthritis: Status abgelaufen, Update/Upgrade in Entwicklung, geplante Fertigstellung 31.05.2027). Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  5. Leitlinie ASAS-EULAR recommendations for the management of axSpA, 2022 update (Zusammenfassung der Gesellschaft; Ramiro S et al., Ann Rheum Dis 2023; 82: 19-34). Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) und EULAR. Stand 2023. abgerufen am 18.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclofenac-ratiopharm 50 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Naproxen-CT 500 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Etoricoxib-ratiopharm 30 mg/60 mg/90 mg/120 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Celecoxib-ratiopharm 100 mg, 200 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
  10. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Humira (Adalimumab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Humira 40 mg Injektionslösung im Fertigpen. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025 (EMA, aktualisiert am 08.10.2025). abgerufen am 18.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Enbrel (Etanercept), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Enbrel 25 mg/50 mg Injektionslösung in Fertigspritze. Pfizer Europe MA EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
  12. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Remicade (Infliximab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 12/2025. abgerufen am 18.10.2026
  13. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Cosentyx (Secukinumab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Cosentyx 150 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze. Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025 (EMA, aktualisiert am 16.10.2025). abgerufen am 18.10.2026
  14. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Rinvoq (Upadacitinib), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage RINVOQ 15 mg/30 mg/45 mg Retardtabletten. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 18.10.2026
  15. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Diclofenac-haltigen Arzneimitteln: Neue Kontraindikationen und Warnhinweise nach europaweiter Überprüfung der kardiovaskulären Sicherheit. Zulassungsinhaber systemisch angewendeter Diclofenac-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; Brief vom Juli 2013, veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am 16.07.2013. Stand 07/2013. abgerufen am 18.10.2026
  16. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Januskinase-Inhibitoren (Cibinqo, Jyseleca, Olumiant, Rinvoq, Xeljanz): Aktualisierte Empfehlungen zur Minimierung der Risiken. AbbVie, Galapagos, Lilly und Pfizer in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 17.03.2023. abgerufen am 18.10.2026
  17. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Infliximab (Remicade, Flixabi, Inflectra, Remsima, Zessly): Anwendung von Lebendimpfstoffen bei Säuglingen, die in utero oder über das Stillen exponiert waren. Zulassungsinhaber Infliximab-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und Paul-Ehrlich-Institut (Archiv der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). Stand 07.03.2022. abgerufen am 18.10.2026
  18. Was hilft bei Psoriasis-Arthritis? (Abschnitt Trainingsangebote bei entzündlichen Gelenkerkrankungen). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.03.2021. abgerufen am 18.10.2026
  19. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  20. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Xeljanz (Tofacitinib), Anhang I: Fachinformation, Abschnitt 4.1. Pfizer Europe MA EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026 (EMA, aktualisiert am 19.08.2026). abgerufen am 18.10.2026
  21. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Bimzelx (Bimekizumab), Anhang I: Fachinformation, Abschnitte 4.1 und 4.5. UCB Pharma S.A. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2026 (EMA, aktualisiert am 08.05.2026). abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen bei Morbus Bechterew?

Zur konventionellen Behandlung gehören laut IQWiG neben Bewegung und Physiotherapie entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR. Für Morbus Bechterew zugelassen sind laut Packungsbeilage zum Beispiel Diclofenac, Naproxen, Etoricoxib und Celecoxib. Hilft die konventionelle Behandlung nicht gut, kommen laut IQWiG Biologika wie TNF-alpha-Hemmer oder Interleukin-17-Hemmer infrage; die Zusammenfassung der ASAS-EULAR-Empfehlungen von 2022 nennt auch JAK-Hemmer. Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie wird Morbus Bechterew festgestellt?

Die Diagnose soll laut S3-Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) aufgrund von Krankengeschichte, körperlicher Untersuchung, Laborbefunden und Bildgebung gestellt werden, unter Berücksichtigung anderer Erkrankungen (Expertenkonsens). Wer seit mindestens 3 Monaten Rückenschmerzen hat, die vor dem 45. Lebensjahr begonnen haben, und mindestens einen weiteren Hinweis wie einen entzündlichen Rückenschmerz oder den Nachweis von HLA-B27, soll danach zur weiteren Klärung an eine rheumatologische Praxis überwiesen werden. Bei unauffälligem Röntgenbild der Kreuz-Darmbein-Gelenke und starkem Verdacht soll eine MRT mit Entzündungssequenz erfolgen (Empfehlungsgrad A).

Welche Rolle spielt Bewegung bei Morbus Bechterew?

Bewegung und Physiotherapie gehören laut IQWiG zur konventionellen Behandlung. Laut S3-Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) sollten Betroffene zu Beginn und im Verlauf auf die Wichtigkeit von Sport, Bewegung im Alltag und regelmäßiger Bewegungstherapie hingewiesen und individuell beraten werden; angeleitete Bewegungstherapie als Trocken- oder Wasserübungen, einzeln oder in der Gruppe, sollte zusätzlich zum Übungsprogramm zu Hause verordnet werden (jeweils Empfehlungsgrad B). Manipulationen an der Wirbelsäule sollten danach nicht durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B).

Wann kommen Biologika infrage?

Laut IQWiG, wenn eine konventionelle Behandlung nicht gut geholfen hat. Nach der Zusammenfassung der ASAS-EULAR-Empfehlungen von 2022 kommen Biologika (TNF- und IL-17-Hemmer) und JAK-Hemmer infrage bei einem Wert von mindestens 2,1 im Aktivitätsmaß ASDAS, wenn mindestens zwei NSAR erfolglos waren und zusätzlich ein erhöhter CRP-Wert, eine Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke im MRT oder deren Entzündung im Röntgenbild vorliegt; begonnen wird danach üblicherweise mit einem TNF- oder IL-17-Hemmer. Vor Beginn wird laut Packungsbeilagen von Adalimumab und Upadacitinib unter anderem auf Tuberkulose untersucht.

Darf ich bei Morbus Bechterew Kortison nehmen?

Von Kortison als Langzeitbehandlung raten die ASAS-EULAR-Empfehlungen von 2022 laut ihrer Zusammenfassung bei reinem Wirbelsäulenbefall ab. Bei entzündeten Gelenken außerhalb der Wirbelsäule oder entzündeten Sehnenansätzen mit Beschwerden kann laut S3-Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) Kortison örtlich gespritzt werden, bei einer aktiven Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke mit Beschwerden auch in dieses Gelenk (bei den Gelenken außerhalb der Wirbelsäule als Statement, sonst jeweils Empfehlungsgrad 0). Was für Sie infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann ich ein Biologikum wieder absetzen?

Bei anhaltender Remission nennt die Zusammenfassung der ASAS-EULAR-Empfehlungen von 2022 eine schrittweise Verringerung des Biologikums statt eines sofortigen Absetzens als Möglichkeit. Laut Packungsbeilage von Adalimumab müssen Sie die Entscheidung, die Anwendung abzubrechen, mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, denn die Anzeichen der Erkrankung können zurückkehren. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Was hat Morbus Bechterew mit den Augen zu tun?

Eine akute Entzündung im vorderen Teil des Auges (Uveitis anterior) kommt laut S3-Leitlinie von 2019 (Gültigkeit abgelaufen) bei 18 bis 40 Prozent der Menschen mit Morbus Bechterew vor. Typisch sind ein schmerzhaftes rotes Auge, meist plötzlich und auf einer Seite, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen und vermehrter Tränenfluss. Menschen mit einer Augenbeteiligung sollten danach augenärztlich mitbetreut werden. Bei wiederkehrender Uveitis werden laut Zusammenfassung der ASAS-EULAR-Empfehlungen monoklonale Antikörper gegen TNF bevorzugt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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