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Schuppenflechte durch Medikamente
Eine Schuppenflechte (Psoriasis) kann unter manchen Medikamenten neu auftreten oder sich verschlechtern. Die Produktinformationen nennen das zum Beispiel bei Betablockern wie Bisoprolol, Metoprolol und Atenolol, die Fachinformationen auch bei den TNF-Hemmern Adalimumab und Infliximab, die selbst zur Behandlung der Schuppenflechte zugelassen sind. Eine Verschlechterung nennen die Produktinformationen unter anderem bei Lithium und dem Malaria- und Rheumamittel Hydroxychloroquin. Sprechen Sie Hautveränderungen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Manche Medikamente können eine Schuppenflechte (Psoriasis) neu auslösen oder eine bestehende verschlechtern. Die Produktinformationen nennen ein neues Auftreten oder eine Verschlechterung zum Beispiel bei Betablockern, eine Verschlechterung oder Schübe unter anderem bei Lithium und dem Malaria- und Rheumamittel Hydroxychloroquin [4, 9, 10, 13]. Auch die Fachinformationen der TNF-Hemmer Adalimumab und Infliximab nennen ein neues Auftreten oder eine Verschlechterung [14, 15]. Die Schuppenflechte ist laut IQWiG eine entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, die sich vor allem durch rötliche, schuppende Hautveränderungen bemerkbar macht; diese können jucken [1]. Sie verläuft typischerweise in Schüben, die durch bestimmte Reize ausgelöst werden können [1].
Welche Medikamente Schuppenflechte auslösen können
Psoriasis-Schübe können laut IQWiG unter anderem durch Infektionen, psychischen Stress oder kleine Hautverletzungen angestoßen werden; für manche Medikamente, zum Beispiel bestimmte Malaria-Mittel, wird das ebenfalls vermutet [1, 2]. Die folgenden Beispiele stammen aus Packungsbeilagen und Fachinformationen; jede Häufigkeitsangabe gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht.
- Betablocker: Laut Fachinformation von Bisoprolol können Betablocker eine Psoriasis auslösen oder verschlechtern oder psoriasisähnliche Hautausschläge verursachen; eingestuft ist das als sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten [3, 4]. Bei Metoprolol nennt die Packungsbeilage die Verschlimmerung oder das Neuauftreten einer Schuppenflechte ebenfalls als sehr selten, schuppenflechtenartige Hautausschläge dagegen als gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten [5]. Für Atenolol führt die Packungsbeilage Schuppenflechte, eine Verschlechterung ihrer Anzeichen und schuppenflechteähnlichen Ausschlag als selten (bis zu 1 von 1.000) [7, 8]. Bei einer bestehenden oder früheren Psoriasis sollten Betablocker laut den Fachinformationen nur nach strenger bzw. sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken verordnet werden; bei Metoprolol und Atenolol gilt das auch, wenn eine Psoriasis in der Familie vorkommt [4, 6, 8]. Weitere Betablocker zeigt die Tabelle.
- Lithium: Die österreichische Packungsbeilage von Quilonorm retard nennt eine Verschlechterung einer Schuppenflechte; die Häufigkeit ist dort als nicht bekannt angegeben [9]. Auch die Fachinformation führt Verschlechterungen (Exazerbationen) einer Psoriasis mit nicht bekannter Häufigkeit [10]. In Deutschland ist für denselben Zulassungsinhaber, die Teofarma S.r.l., Quilonum retard 450 mg Retardtabletten zugelassen [11]; die deutsche Fach- und Gebrauchsinformation kann in Einzelheiten abweichen.
- Hydroxychloroquin: Das Mittel wird laut Packungsbeilage unter anderem bei rheumatoider Arthritis, beim systemischen Lupus erythematodes und zur Vorbeugung und Behandlung der Malaria angewendet [12]. Die Packungsbeilage nennt eine Verschlimmerung einer Schuppenflechte mit nicht bekannter Häufigkeit [12]. Laut Fachinformation kann Hydroxychloroquin Schübe einer Psoriasis auslösen; bei vorbestehender Psoriasis sollte es nur unter strenger Abwägung von Nutzen und Risiken angewendet werden [13].
- TNF-Hemmer (Biologika): Adalimumab, Infliximab und Etanercept sind laut ihren Fachinformationen unter anderem zur Behandlung der Plaque-Psoriasis zugelassen [14, 15, 16]. Dieselben Fachinformationen nennen eine neu auftretende oder sich verschlechternde Psoriasis als Nebenwirkung, einschließlich pustulöser Formen, vor allem an Handflächen und Fußsohlen: bei Adalimumab und Infliximab als häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, bei Etanercept als gelegentlich [14, 15, 16].
- Ustekinumab: Auch dieses Biologikum ist unter anderem zur Behandlung der Plaque-Psoriasis zugelassen [17]. Als gelegentliche Nebenwirkung nennt die Packungsbeilage eine Veränderung der Psoriasis mit Rötung und neuen, winzigen gelben oder weißen Bläschen, die manchmal mit Fieber einhergeht (pustulöse Psoriasis); eine Rötung und Ablösung der Haut über eine größere Körperfläche (exfoliative Dermatitis) ist selten [17]. Ähnliche Beschwerden können sich laut Packungsbeilage auch im natürlichen Verlauf einer Psoriasis entwickeln (erythrodermische Psoriasis) [17].
- Terbinafin: Für das Mittel gegen Pilzinfektionen der Haut und der Nägel nennt die Packungsbeilage einen psoriasisähnlichen Hautausschlag oder eine Verschlechterung einer Psoriasis als sehr selten [18]. Laut Fachinformation sollte Terbinafin bei vorbestehender Psoriasis mit Vorsicht angewendet werden, weil in sehr seltenen Fällen über eine Verschlimmerung berichtet wurde [19].
- Weitere Mittel: Beim ACE-Hemmer Lisinopril nennt die Packungsbeilage Schuppenflechte als selten [20]. Für das Rheumamittel Leflunomid wurden laut Fachinformation eine pustulöse Psoriasis (Psoriasis pustulosa) und eine Verschlechterung einer Psoriasis berichtet; die Häufigkeit ist nicht bekannt [21]. Bei den in der Krebsbehandlung eingesetzten Antikörpern Pembrolizumab und Nivolumab ist Psoriasis in den Fachinformationen für die alleinige Anwendung (Monotherapie) als gelegentlich eingestuft [22, 23].
Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation eine Schuppenflechte nennt:
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Adalimumab | Häufig | Neuer Ausbruch oder Verschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Infliximab | Häufig | Neu auftretende oder verschlechterte Schuppenflechte (Psoriasis), laut Fachinformation auch pustulöse Formen, vor allem an Handflächen und Fußsohlen; Hautprobleme wie Ekzem und Haarausfall |
| Etanercept | Gelegentlich | Neu auftretende oder sich verschlechternde Schuppenflechte (Psoriasis); laut Fachinformation auch pustulöse Formen, vor allem an Handflächen und Fußsohlen, und psoriasisartiger Hautausschlag |
| Febuxostat | Gelegentlich | Vermehrtes Schwitzen, nächtliches Schwitzen, Haarausfall, Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Nivolumab | Gelegentlich | Schuppenflechte (Psoriasis), Rosazea mit ungewöhnlich roter Nase und Wangen, Erythema multiforme (schwere Hauterkrankung mit roten, oft juckenden Flecken), Nesselausschlag |
| Pembrolizumab | Gelegentlich | Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Ustekinumab | Gelegentlich | Veränderung der Psoriasis mit Rötung und neuen winzigen, gelben oder weißen Hautbläschen, manchmal mit Fieber (pustulöse Psoriasis) |
| Atenolol | Selten | Schuppenflechte (Psoriasis), Verschlechterung einer Schuppenflechte oder schuppenflechteähnlicher Ausschlag |
| Dienogest/Ethinylestradiol | Selten | Allergische Hautentzündung (allergische Dermatitis), Neurodermitis, Ekzeme, Schuppenflechte (Psoriasis), starkes Schwitzen (Hyperhidrose), goldbraune Pigmentflecken (Chloasma), Pigmentstörungen, verstärkte… |
| Lisinopril | Selten | Nesselausschlag mit dunkelroten, juckenden Erhebungen (Urtikaria), Haarausfall, Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Melatonin | Selten | Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Bisoprolol | Sehr selten | Auslösen oder Verschlechtern einer Schuppenflechte (Psoriasis), schuppenflechteähnliche Hautausschläge |
| Bupropion | Sehr selten | Verschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Clobetasol | Sehr selten | Pustulöse Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Metoprolol | Sehr selten | Lichtempfindlichkeit mit Hautausschlag nach Lichteinwirkung, Verschlimmerung oder Neuauftreten einer Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Nebivolol | Sehr selten | Verschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Propranolol | Sehr selten | Auslösung oder Verschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis) oder schuppenflechteähnliche (psoriasiforme) Hautausschläge |
| Terbinafin | Sehr selten | Schuppenflechteähnlicher Hautausschlag oder Verschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Hydroxychloroquin | Nicht bekannt | Verschlimmerung einer Porphyria cutanea tarda (Stoffwechselstörung) mit Rotfärbung des Urins (Porphyrinurie) oder Verschlimmerung einer Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Leflunomid | Nicht bekannt | Neu auftretende oder verschlechterte Schuppenflechte (Psoriasis), laut Fachinformation auch Psoriasis pustulosa |
| Lithium | Nicht bekannt | Verschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis) |
| Ramipril | Nicht bekannt | Pemphigus, pemphigoider oder lichenoider Ausschlag an Haut oder Schleimhaut, Verschlimmerung einer Schuppenflechte (Psoriasis) oder schuppenflechteartige Hautentzündung (psoriasiforme Dermatitis) |
| Timolol | Nicht bekannt | Nesselsucht, schuppenflechteähnlicher Hautausschlag oder Verschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis), Ausschlag und Haarausfall |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (23 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Was die Häufigkeitsklassen bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen. Andere Ausschläge behandelt die Seite Hautausschlag durch Medikamente.
Woran Sie Schuppenflechte durch ein Medikament erkennen
Bei der häufigsten Form, der Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis), rötet sich die Haut laut IQWiG und bildet silbrig glänzende, klar begrenzte und stark schuppende Erhebungen (Plaques), oft auf beiden Körperseiten; typische Stellen sind Kopf, Ellbogen, Knie und Rücken [1]. Bei der Psoriasis pustulosa bildet die Haut zusätzlich mit Eiter gefüllte Bläschen (Pusteln), die nicht ansteckend sind [1]. Auch die Nägel können sich verändern, etwa durch kleine Dellen, eine Verdickung oder gelblich-braune Verfärbungen [1].
Die Produktinformationen beschreiben verschiedene Formen: das erstmalige Auftreten einer Schuppenflechte, die Verschlechterung einer bestehenden und schuppenflechteähnliche Hautausschläge, etwa bei Bisoprolol, Metoprolol und Atenolol [3, 5, 7]. In den Fachinformationen der TNF-Hemmer sind ausdrücklich auch pustulöse Formen genannt, vor allem an Handflächen und Fußsohlen; für Ustekinumab und Leflunomid werden pustulöse Formen der Psoriasis genannt [14, 15, 16, 17, 21]. Ob die Veränderung mit einem Medikament zusammenhängt, beurteilt die Ärztin oder der Arzt.
Die Zuordnung ist nicht immer einfach, weil eine Schuppenflechte auch ohne Medikament in Schüben verläuft und durch andere Reize ausgelöst werden kann [1]. Laut Fachinformation von Hydroxychloroquin muss außerdem eine akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP) von einer Psoriasis unterschieden werden; sie kann zusammen mit Fieber und einer Vermehrung der weißen Blutkörperchen auftreten [13]. Die Packungsbeilage zählt die AGEP mit Blasen, ausgedehnter schuppiger Haut und mit Eiter gefüllten Pusteln zusammen mit Fieber zu den schweren Hautreaktionen [12]. Bei Ustekinumab können sich die Beschwerden einer erythrodermischen Psoriasis laut Fachinformation klinisch möglicherweise nicht von denen einer exfoliativen Dermatitis unterscheiden [17]. Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen.
Ob Ihr Medikament die Schuppenflechte betreffen kann, lesen Sie in der Packungsbeilage nach: Bei Betablockern, Hydroxychloroquin und Terbinafin steht sie bereits in Abschnitt 2 bei den Warnhinweisen, die Nebenwirkungen stehen in Abschnitt 4 [3, 7, 12, 18].
Was Sie tun können

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Betablocker dürfen laut Packungsbeilage nicht abrupt abgesetzt werden: Bei Metoprolol kann ein abruptes Absetzen eine Herzschwäche verschlechtern und das Risiko eines Herzinfarkts und eines plötzlichen Herztods erhöhen; bei Atenolol kann es zu einem Herzinfarkt, zu verstärkten Herz- bzw. Brustschmerzen (Angina pectoris) oder zu einer Verschlimmerung eines erhöhten Blutdrucks führen [5, 7]. Lithium sollte laut Packungsbeilage nicht von einem Tag auf den anderen abgesetzt werden; wie die Einnahme am besten beendet wird, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [9]. Mehr dazu: Medikamente absetzen.
Mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Sprechen Sie neue oder stärker werdende Hautveränderungen in der Praxis an und nennen Sie alle Mittel, die Sie anwenden. Was dann infrage kommt, hängt vom Wirkstoff und von Ihrer Erkrankung ab. Bei Leflunomid sollte eine Beendigung der Behandlung laut Fachinformation unter Berücksichtigung der Erkrankung und der Vorgeschichte in Betracht gezogen werden [21]. Treten unter Ustekinumab Zeichen einer erythrodermischen Psoriasis oder exfoliativen Dermatitis auf, muss laut Fachinformation eine angemessene Behandlung eingeleitet werden; bei Verdacht auf eine Arzneimittelreaktion, den die Ärztin oder der Arzt beurteilt, muss Ustekinumab abgesetzt werden [17].
Vor einer neuen Behandlung Bescheid sagen. Wenn Sie eine Schuppenflechte haben oder hatten, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Darum bitten die Packungsbeilagen von Bisoprolol, Atenolol und Hydroxychloroquin; bei Metoprolol und Atenolol gilt das auch, wenn eine Schuppenflechte in Ihrer Familie vorkommt [3, 5, 7, 12]. Bei Terbinafin ist laut Packungsbeilage besondere Vorsicht erforderlich, wenn Sie unter Schuppenflechte leiden [18]. Fragen für den Termin sammelt die Hilfe Fragen für das Arztgespräch.
Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; das gilt laut Packungsbeilage auch für Nebenwirkungen, die dort nicht angegeben sind. Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [3]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Eine Schuppenflechte verursacht laut IQWiG nur sehr selten lebensbedrohliche Komplikationen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen: Sie kann sich auf den gesamten Körper ausweiten (erythrodermische Psoriasis) und dann zu einer Blutvergiftung und Herzversagen führen [1]. Anzeichen dafür sind laut IQWiG Fieber, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, angeschwollene Lymphknoten und großflächige rote Hautausschläge [1].
Unter einigen Medikamenten nennen die Packungsbeilagen Hautzeichen, bei denen Sie sofort handeln sollen. Unter Ustekinumab können eine stärkere Rötung und ein Ablösen der Haut über eine größere Körperfläche Anzeichen einer erythrodermischen Psoriasis oder einer exfoliativen Dermatitis sein, die beide schwerwiegende Hautreaktionen sind; dann müssen Sie laut Packungsbeilage sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen [17]. Bei Hydroxychloroquin verlangt die Packungsbeilage, die Einnahme abzubrechen und sich unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden, wenn schwere Hautreaktionen auftreten, zum Beispiel Blasen, ausgedehnte schuppige Haut und mit Eiter gefüllte Pusteln zusammen mit Fieber [12]. Bei Terbinafin sollten Sie sich laut Packungsbeilage bei einem Hautausschlag sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung setzen; bei schweren Hautreaktionen oder einer allergischen Reaktion mit Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals und Atem- oder Schluckbeschwerden verlangt sie, die Einnahme abzubrechen und sofort die Ärztin oder den Arzt zu benachrichtigen [18]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen und Medikamentenallergie.
Schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung sind Fälle für den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [24]. Können Beschwerden aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten und sind die Praxen geschlossen, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [24].
Andere Ursachen
Nicht jede Schuppenflechte und nicht jeder Schub kommt vom Medikament. Schuppenflechte ist laut IQWiG vor allem genetisch bedingt; der größte Risikofaktor ist eine familiäre Veranlagung [1]. Schübe können laut IQWiG und gesund.bund.de durch verschiedene Reize ausgelöst werden [1, 2]:
- Sonnenbrand, zu heißes Duschen, bestimmte Chemikalien oder kleine Hautverletzungen, etwa durch Kratzen, Tätowierungen oder Piercings [1, 2]
- psychischer Stress und Infektionen [1, 2]
- Nikotin oder zu viel Alkohol [1, 2]
Eine Psoriasis guttata mit punktförmigen Knötchen kommt laut IQWiG vor allem bei Kindern und Jugendlichen vor; meist tritt sie ein bis zwei Wochen nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien (Streptokokken) auf [1]. Mitunter ähnelt eine Schuppenflechte einer anderen Erkrankung: Eine Psoriasis in Hautfalten (Psoriasis inversa) wird manchmal mit einer Pilzinfektion verwechselt, eine Nagelpsoriasis mit einem Nagelpilz; Nagelpsoriasis und Nagelpilz können auch zusammen auftreten [1]. Eine Haut- oder Nagelprobe kann das klären [1]. Mehr dazu: Schuppenflechte, Hautpilz und Nagelpilz.
Bei schätzungsweise 25 Prozent der Menschen mit Psoriasis entzünden sich laut IQWiG auch die Gelenke; man spricht dann von einer Psoriasis-Arthritis [1]. Mehr dazu: Psoriasis-Arthritis.
Quellen
- Schuppenflechte (Psoriasis). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.03.2021. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Schuppenflechte (Psoriasis). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 23.06.2021. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Bisoprolol-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Bisoprolol-ratiopharm 5 mg / 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat 47,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atenolol-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Atenolol-ratiopharm Filmtabletten (25 mg, 50 mg, 100 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde List of nationally authorised medicinal products, Active substance: lithium (PSUSA/00001897/202308, EMA/159597/2024). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 25.04.2024. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quensyl 200 mg Filmtabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Quensyl 200 mg Filmtabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Humira (Adalimumab): Anhang I (Fachinformation) und Anhang III B (Packungsbeilage Humira 40 mg Injektionslösung im Fertigpen). AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Remicade (Infliximab): Anhang I (Fachinformation) und Anhang III B (Packungsbeilage). Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 12/2025. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Enbrel (Etanercept): Anhang I (Fachinformation Enbrel 25 mg/50 mg Injektionslösung in Fertigspritze). Pfizer Europe MA EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Stelara (Ustekinumab): Anhang I (Fachinformation) und Anhang III B (Packungsbeilage Stelara 45 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze). Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Terbinafin-ratiopharm 250 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Terbinafin-ratiopharm 250 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lisinopril-TEVA 10 mg Tabletten. TEVA GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Arava (Leflunomid): Anhang I (Fachinformation Arava 10 mg/20 mg/100 mg Filmtabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Keytruda (Pembrolizumab): Anhang I (Fachinformation Keytruda 25 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung). Merck Sharp & Dohme B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Opdivo (Nivolumab): Anhang I (Fachinformation Opdivo 10 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung). Bristol-Myers Squibb Pharma EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente können eine Schuppenflechte auslösen oder verschlechtern?
Laut den Produktinformationen zum Beispiel Betablocker wie Bisoprolol, Metoprolol und Atenolol, laut Fachinformation TNF-Hemmer wie Adalimumab, Infliximab und Etanercept, Lithium, das Malaria- und Rheumamittel Hydroxychloroquin, das Pilzmittel Terbinafin, der ACE-Hemmer Lisinopril und das Rheumamittel Leflunomid. Für bestimmte Malaria-Mittel wird laut IQWiG vermutet, dass sie einen Schub anstoßen können. Welche Wirkstoffe mit Steckbrief auf dieser Website eine Schuppenflechte nennen, zeigt die Tabelle im Abschnitt "Welche Medikamente Schuppenflechte auslösen können". Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Können Betablocker eine Schuppenflechte verschlimmern?
Ja. Laut Fachinformation von Bisoprolol können Betablocker eine Psoriasis auslösen oder verschlechtern oder schuppenflechteähnliche Hautausschläge verursachen; bei Bisoprolol ist das sehr selten (bis zu 1 von 10.000 Behandelten), bei Atenolol selten (bis zu 1 von 1.000). Wenn Sie eine Schuppenflechte haben oder hatten, sollten Betablocker laut den Fachinformationen nur nach strenger bzw. sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken verordnet werden; bei Metoprolol und Atenolol gilt das auch, wenn sie in der Familie vorkommt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Ein abruptes Absetzen eines Betablockers kann laut Packungsbeilage zum Beispiel das Risiko eines Herzinfarkts erhöhen.
Können Biologika gegen Schuppenflechte selbst eine Schuppenflechte auslösen?
Das ist möglich. Adalimumab, Infliximab und Etanercept sind unter anderem zur Behandlung der Plaque-Psoriasis zugelassen. Ihre Fachinformationen nennen aber auch eine neu auftretende oder sich verschlechternde Psoriasis, einschließlich pustulöser Formen, vor allem an Handflächen und Fußsohlen: bei Adalimumab und Infliximab als häufig, bei Etanercept als gelegentlich. Bei Ustekinumab ist eine pustulöse Psoriasis laut Packungsbeilage gelegentlich. Sprechen Sie solche Veränderungen bei Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt an.
Kann Lithium eine Schuppenflechte verschlechtern?
Ja. Die österreichische Packungsbeilage und Fachinformation von Quilonorm retard nennen eine Verschlechterung einer Schuppenflechte; die Häufigkeit ist nicht bekannt. Lithium sollte laut Packungsbeilage nicht von einem Tag auf den anderen abgesetzt werden; wie die Einnahme am besten beendet wird, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Sprechen Sie Hautveränderungen in der Praxis an.
Worauf sollte ich bei neuen Medikamenten achten, wenn ich Schuppenflechte habe?
Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vor Beginn einer Behandlung, dass Sie eine Schuppenflechte haben oder hatten, und nennen Sie alle Mittel, die Sie anwenden. Die Packungsbeilagen von Betablockern wie Bisoprolol und Atenolol und von Hydroxychloroquin bitten ausdrücklich darum, vor der Einnahme mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen; bei Metoprolol und Atenolol gilt das auch, wenn Schuppenflechte in der Familie vorkommt. Bei Terbinafin ist laut Packungsbeilage besondere Vorsicht erforderlich.
Soll ich das Medikament absetzen, wenn meine Schuppenflechte schlimmer wird?
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Betablocker dürfen laut Packungsbeilage nicht abrupt abgesetzt werden, Lithium nicht von einem Tag auf den anderen. Ob ein Mittel beendet oder gewechselt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; bei Leflunomid zum Beispiel sollte eine Beendigung laut Fachinformation unter Berücksichtigung der Erkrankung und der Vorgeschichte in Betracht gezogen werden.
Wann muss ich mit Hautveränderungen sofort ärztliche Hilfe holen?
Bei einer stärkeren Rötung und Ablösung der Haut über eine größere Körperfläche, bei Blasen oder mit Eiter gefüllten Pusteln zusammen mit Fieber und bei großflächigem rotem Ausschlag mit Fieber, Schüttelfrost und geschwollenen Lymphknoten. Solche Zeichen nennen die Packungsbeilagen von Ustekinumab und Hydroxychloroquin bzw. das IQWiG bei einer erythrodermen Psoriasis. Bei Schwellungen im Gesicht mit schwerer Atemnot rufen Sie den Notruf 112.
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