KrankheitenKrankheit

Nagelpilz

Nagelpilz ist eine meist durch Hautpilze verursachte Infektion, bei der sich die Nägel weißlich-gelblich bis bräunlich verfärben und brüchig werden; häufig sind die großen Zehen befallen. Eine äußerliche Behandlung mit rezeptfreiem Nagellack (Amorolfin oder Ciclopirox) oder einem Set aus Harnstoff- und Bifonazol-Creme ziehen laut IQWiG die meisten Fachleute in Erwägung, wenn höchstens gut die Hälfte des Nagels befallen ist, die Nagelwurzel nicht infiziert ist und nur einzelne Nägel betroffen sind. Sonst sind meist Tabletten mit Terbinafin oder Itraconazol nötig, die ärztlich verschrieben werden. Die Behandlung kann bis zu einem Jahr dauern.

Frau Mitte fünfzig mit grau-blondem Haar sitzt nach dem Schwimmen in einem petrolfarbenen Bademantel auf einer Holzbank und trocknet sich die Füße mit einem Handtuch ab
Bild: KI-generiert

Nagelpilz ist hartnäckig: Die Behandlung kann laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bis zu einem Jahr dauern [1]. Infrage kommen Cremes und medizinische Nagellacke zum Auftragen sowie Tabletten zum Einnehmen. Oft ist eine Behandlung mit Tabletten nötig, um den Nagelpilz loszuwerden; sie enthalten in der Regel Itraconazol oder Terbinafin [1].

Was ist Nagelpilz?

Nagelpilz, in der Fachsprache Onychomykose, ist eine Pilzinfektion der Nägel. Laut IQWiG tritt er meist an den Fußnägeln auf, seltener an den Fingernägeln [1]. Schätzungen zufolge sind zwischen 3 und 12 Prozent der Bevölkerung betroffen. Ältere Menschen haben öfter damit zu tun als jüngere, weil das Immunsystem über die Jahre schwächer wird [1].

Symptome und Verlauf

Nagelpilz macht sich durch weißlich-gelblich bis bräunlich verfärbte Nägel bemerkbar. Die Nägel können brüchig werden, sich verdicken oder verformen und manchmal wehtun; der betroffene Teil des Nagels kann sich vom Nagelbett ablösen [1]. Häufig sind die Nägel der großen Zehen befallen. In der Regel zeigt sich der Pilz auf der Oberseite des Nagels, am vorderen oder seitlichen Rand. Seltener geht die Infektion vom unteren Rand aus, der Nagelwurzel [1]; laut gesund.bund.de kommt das eher bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem vor [3]. Der Pilz kann an der Nageloberfläche auch weiße Flecken bilden, die punktförmig bleiben oder sich flächig ausbreiten. Das wird als weißer oberflächlicher Nagelpilz bezeichnet [1].

Bei Menschen, die sonst gesund sind, hat ein Nagelpilz laut IQWiG keine ernsthaften Folgen. Er verschwindet aber selten von selbst; unbehandelt kann sich der Pilz auf dem Nagel ausbreiten und ihn zerstören, wie oft, ist nicht bekannt [1]. Bei Menschen mit Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem kann ein Nagelpilz das Risiko für eine bakterielle Infektion der angrenzenden Haut erhöhen. Verdickt sich der Nagel, kann das Probleme beim Gehen machen, etwa wenn der Schuh drückt [1].

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Nagelpilz-Infektion wird laut IQWiG meist durch Hautpilze (Dermatophyten) verursacht, manchmal auch durch Hefe- oder Schimmelpilze. Hefepilze treten eher an den Fingernägeln auf [1]. Viele Menschen mit Nagelpilz haben gleichzeitig Fußpilz; Fachleute gehen deshalb davon aus, dass Nagelpilz oft die Folge einer Fußpilz-Infektion ist [1]. Welche Faktoren eine Infektion wahrscheinlicher machen, ist nicht gut erforscht. Als Risikofaktoren gelten [1]:

  • eine Fußpilz-Infektion,
  • häufiger Kontakt mit Pilzerregern, zum Beispiel in Schwimmbädern oder Saunen,
  • Verletzungen der Nägel, zum Beispiel beim Sport oder bei der Nagelpflege,
  • künstliche Fingernägel und zu enge Schuhe,
  • bestimmte Hautkrankheiten wie Schuppenflechte,
  • Durchblutungsstörungen in den Beinen, etwa aufgrund von Diabetes oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK),
  • eine Schwäche des Immunsystems, etwa durch eine Erkrankung wie HIV oder durch Medikamente, die die Abwehrkräfte schwächen,
  • eine familiäre Veranlagung.

Nagelpilz an den Händen tritt vor allem bei Menschen auf, deren Hände häufig feucht sind, etwa bei Reinigungskräften [1]. Medikamente als Ursache: Welche Medikamente die Infektabwehr beeinträchtigen können, steht auf der Seite Infektanfälligkeit durch Medikamente.

Diagnose

Eine Pilzinfektion ist manchmal schwer von anderen Krankheiten der Nägel zu unterscheiden. So kann sich zum Beispiel eine Schuppenflechte auch an den Nägeln zeigen und dort wie ein Pilz aussehen [1]. Ärztinnen und Ärzte können etwas vom Nagel abschaben und die Probe unter dem Mikroskop auf Pilzsporen untersuchen. Um den Erregertyp genau zu bestimmen, wird mit der Probe eine Pilzkultur angelegt; bis das Ergebnis vorliegt, kann es etwa drei Wochen dauern [1].

Behandlung ohne Medikamente und Vorbeugung

Weil Nagelpilz nach Einschätzung von Fachleuten oft auf einen Fußpilz folgt, könnte es laut IQWiG auch vor Nagelpilz schützen, Fußpilz vorzubeugen. Weil Pilze vor allem in feuchter Umgebung wachsen, lohnt es sich, auf trockene Füße zu achten, zum Beispiel so [1]:

  • die Füße nach dem Duschen, Baden oder Schwimmen gut abtrocknen und am besten zusätzlich trockenföhnen, besonders zwischen den Zehen,
  • nicht zu enge, möglichst luftige Schuhe tragen, ein Paar nicht zu lange tragen und idealerweise täglich wechseln,
  • so oft wie möglich die Schuhe ausziehen,
  • in Schwimmbädern, Gemeinschaftsduschen und Umkleidekabinen Badeschlappen tragen,
  • keine Schuhe, Handtücher und Socken mit anderen teilen.

Um eine erneute Ansteckung durch Pilzsporen zu vermeiden, wird laut IQWiG empfohlen, Socken, Bettwäsche und Handtücher bei mindestens 60 Grad zu waschen; spezielle Waschzusätze töten Pilzsporen schon bei niedrigeren Temperaturen ab. In Schuhen können Pilzsporen bis zu einem halben Jahr und länger überleben, sodass sie nach einer Pilzinfektion desinfiziert werden sollten [1]. Wie wirksam diese Empfehlungen zur Vorbeugung sind, wurde bislang nicht in aussagekräftigen Studien überprüft [1].

Bei schwerem Nagelpilz ist laut IQWiG eine medizinische Fußbehandlung (Podologie) eine Möglichkeit. Dabei werden die Nägel fachgerecht behandelt und zum Beispiel dicke Nägel abgeschliffen; weil abgetragenes Nagelmaterial ansteckende Pilzsporen enthalten kann, sind Hygiene und Desinfektion wichtig. Wird die Behandlung ärztlich verordnet, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten [2]. Laserbehandlungen mit Infrarot- oder UV-Licht sind in ihrer Wirksamkeit nicht durch gute Studien nachgewiesen und müssen selbst bezahlt werden. Ob Hausmittel wie Teebaumöl oder Essig helfen, ist ebenfalls nicht in guten Studien erprobt [2].

Behandlung mit Medikamenten

Mann Anfang sechzig mit grauem Haar und dunkelgrünem Pullover sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Hautärztin mit dunkelbraunem Haar gegenüber, beide unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert

Welche Behandlung sich eignet, hängt laut IQWiG unter anderem davon ab, wie stark sich der Pilz ausgebreitet hat und wie oft man schon einen Nagelpilz hatte [2]. Eine äußerliche Behandlung mit Lack oder Creme ziehen die meisten Fachleute in Erwägung, wenn höchstens gut die Hälfte des Nagels von der Pilzinfektion betroffen ist, die Nagelwurzel nicht infiziert ist und nur einzelne Nägel betroffen sind; ein weißer oberflächlicher Nagelpilz wird ebenfalls oft mit Lack oder Creme behandelt [2]. Sind mehrere Nägel betroffen oder ist die Infektion großflächiger, ist es meist nötig, Medikamente einzunehmen. Geht die Infektion von der Nagelwurzel aus, helfen höchstwahrscheinlich nur Tabletten [2]. Bei einem ausgeprägten Befall können Tabletten mit Lack oder Creme kombiniert werden, etwa wenn ein sehr dicker Nagel mithilfe einer harnstoffhaltigen Creme langsam abgetragen wird [2].

Medikamente bei Nagelpilz im Überblick
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Wirkstoffhaltige Nagellacke (Hautmittel), rezeptfreiCiclopirox als Nagellack [4]Durchdringt laut Packungsbeilage die Nagelplatte und wirkt pilzabtötend auf alle wichtigen Erreger von Nagelpilz [4]Selten: allergische Hautentzündung (Kontaktdermatitis); sehr selten: Rötung und Ablösen der Haut um den Nagel; Häufigkeit nicht bekannt: vorübergehende Verfärbung der Nägel [4]
Allylamine (Tabletten), verschreibungspflichtigTerbinafin [2, 7]Hemmt in der Zellmembran des Pilzes das Enzym Squalenepoxidase; es entsteht ein Mangel an Ergosterol, Squalen sammelt sich an, und die Pilzzelle stirbt ab [8]Sehr häufig: Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, nicht schwerwiegende Hautreaktionen wie Ausschlag und Nesselsucht, Muskel- und Gelenkschmerzen; häufig: Depression, Geschmacksstörungen, Schwindel, Störung des Sehvermögens, Müdigkeit [7]
Triazole (Kapseln), verschreibungspflichtigItraconazol [2, 10]Hemmt ein Enzym der Pilze (14-alpha-Demethylase); dadurch nimmt Ergosterin ab, und der Aufbau der Pilzmembran wird unterbrochen [11]Häufig: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit [10]
Triazole (Kapseln), nur wenn andere Wirkstoffe nicht geeignet erscheinenFluconazol [2, 13]Hemmt bei Pilzen einen Schritt der Ergosterol-Herstellung; der Verlust von Ergosterol in der Zellmembran könnte die Wirkung erklären [13]Häufig: Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Anstieg von Blut- oder Leberwerten, Hautausschlag [12]

Sehr häufig heißt bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10, selten bei bis zu 1 von 1.000 und sehr selten bei bis zu 1 von 10.000; "nicht bekannt" bedeutet, dass sich die Häufigkeit aus den verfügbaren Daten nicht abschätzen lässt [4, 7]. Jede Häufigkeit gilt nur für das Mittel, bei dem sie steht. Verschreibungspflichtig sind die Tabletten, rezeptfrei die Lacke und Cremes [2].

Nagellacke mit Amorolfin oder Ciclopirox

Medizinische Nagellacke sind farblos und rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sie enthalten in der Regel Amorolfin oder Ciclopirox, die das Wachstum des Pilzes hemmen oder ihn abtöten, und müssen regelmäßig und teilweise über ein Jahr angewendet werden [1]. Vor dem Auftragen wird der betroffene Nagel laut IQWiG geschnitten und möglichst stark abgefeilt [2]. Zu äußerlichen Behandlungen mit Lack oder Cremes gibt es nur wenige Studien; Amorolfin ist laut IQWiG bislang nicht gut untersucht, Ciclopirox-Lack wurde in einzelnen Studien geprüft [2]. Wie oft die Lacke aufgetragen werden, unterscheidet sich je nach Produkt und steht in der Packungsbeilage [2].

Ciclopirox: Ein Ciclopirox-Nagellack wird laut Packungsbeilage bei leichten bis mittelschweren Pilzinfektionen der Nägel ohne Beteiligung der Nagelwurzel (Nagelmatrix) bei Erwachsenen angewendet [4]. Eine Behandlung nur mit dem Lack wird empfohlen, wenn weniger als 50 Prozent der Nageloberfläche betroffen sind, höchstens 3 Nägel befallen sind und die Nagelwurzel nicht beteiligt ist; andernfalls sollte eine Kombination mit Tabletten in Betracht gezogen werden [4]. Ohne ärztliche Beratung darf die Behandlung 6 Monate nicht überschreiten. Fühlen Sie sich nach 6 Monaten nicht besser oder sogar schlechter, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [4]. Die Wirkstoffseite Ciclopirox beschreibt eine Creme gegen Hautpilz; für den Nagellack gilt eine eigene Packungsbeilage.

Amorolfin: Amorolfin-Nagellack wird laut Packungsbeilage zur Behandlung von Nagelpilz durch Hautpilze und Hefen angewendet, wenn bis zu 80 Prozent des Nagels befallen sind, insbesondere im vorderen Bereich [5]. Laut Fachinformation greift Amorolfin in die Ergosterol-Herstellung der Pilzzellmembran ein und wirkt wachstumshemmend, pilzabtötend und gegen Sporen [6]. Bei schwerem Nagelpilz mit Beteiligung der Nagelmatrix reicht eine alleinige Behandlung mit dem Lack laut Packungsbeilage nicht aus; ob eine Kombination mit Tabletten infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [5]. Bessern sich die Beschwerden nach 3 Monaten nicht oder verschlimmern sie sich, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [5]. Selten wurden Nagelveränderungen wie Verfärbungen, brüchige oder abgebrochene Nägel berichtet, die auch auf den Nagelpilz selbst zurückgehen können; sehr selten ein leichtes, vorübergehendes Brennen um den behandelten Nagel. Mit nicht bekannter Häufigkeit traten schwere allergische Reaktionen und allergische Hautreaktionen auf [5].

Set aus Harnstoff- und Bifonazol-Creme

Neben Lacken gibt es laut IQWiG Behandlungs-Sets mit zwei Cremes und einem Spatel. Eine Creme enthält Harnstoff (Urea) und weicht den infizierten Teil des Nagels auf, sodass er mit dem Spatel abgetragen werden kann. Danach wird die darunterliegende Haut noch einige Wochen mit einer Creme behandelt, die den Pilzwirkstoff Bifonazol enthält [1, 2]. Auch diese Sets wurden laut IQWiG in einzelnen Studien geprüft [2].

Tabletten: Terbinafin, Itraconazol und Fluconazol

Tabletten gegen Nagelpilz müssen ärztlich verschrieben werden. Laut IQWiG kommen vor allem Terbinafin und Itraconazol infrage: Terbinafin wird bevorzugt eingesetzt, wenn Hautpilze (Dermatophyten) den Nagelpilz hervorrufen, was meistens der Fall ist; Itraconazol wird in der Regel angewendet, wenn ein Hefe- oder Schimmelpilz die Ursache ist [2]; zugelassen ist es laut Fachinformation bei Nagelpilz durch Hautpilze und Hefen [11]. Beide können durchgehend oder mit Behandlungspausen eingenommen werden. Die Behandlung dauert mit Itraconazol höchstens 3 Monate, mit Terbinafin etwa 3 bis 4 Monate [2]. Fluconazol wird laut IQWiG erst eingesetzt, wenn andere Behandlungen keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben oder aus anderen Gründen nicht infrage kommen [2]; laut Fachinformation ist es bei Nagelpilz angezeigt, wenn andere Wirkstoffe nicht geeignet erscheinen [13]. Die Angaben der Packungsbeilagen zur Dosis stehen auf den Wirkstoffseiten unter Dosierung: Terbinafin, Itraconazol und Fluconazol.

Terbinafin: Die Tabletten werden laut Packungsbeilage bei Pilzinfektionen der Haut und der Nägel angewendet [7]. Sie dürfen nicht eingenommen werden, wenn Sie an Leberproblemen leiden oder früher gelitten haben. Bei chronischer oder akuter Lebererkrankung werden sie nicht empfohlen; nach 4 bis 6 Behandlungswochen sollte die Ärztin oder der Arzt die Leberfunktion kontrollieren [7]. Laut Fachinformation sollten schon vor der Verordnung Leberfunktionstests durchgeführt werden [8]. Besondere Vorsicht ist nötig bei eingeschränkter Nierenfunktion, Schuppenflechte und Lupus erythematodes [7]. Wechselwirkungen nennt die Packungsbeilage unter anderem mit Rifampicin, Fluconazol, bestimmten Antidepressiva, Mitteln gegen Herzrhythmusstörungen, Warfarin, Ciclosporin und der Pille [7]. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.

Itraconazol: Bei Zeichen einer Herzfunktionsstörung wie Herzschwäche oder einer früheren Herzschwäche darf es laut Fachinformation nur zur Behandlung lebensbedrohlicher oder anderer schwerer Infektionen verordnet werden; die gleichzeitige Anwendung einer Reihe von Arzneimitteln, die über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden, ist kontraindiziert [11]. Frauen, die schwanger werden könnten, sollten laut Packungsbeilage wirksam verhüten und damit weitermachen, bis nach dem Ende der Behandlung die nächste Periode einsetzt [10]. Laut Fachinformation sollte bei der Behandlung eine Überwachung der Leberfunktion in Betracht gezogen werden [11]. Die größte Wirkung wird bei Nagelinfektionen 6 bis 9 Monate nach dem Ende der Behandlung erreicht, weil der Wirkstoff lange in Haut und Nägeln bleibt [10].

Fluconazol: Der Wirkstoff kann die Leberfunktion beeinträchtigen; bei Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen oder einer Gelbfärbung der Haut oder des Augenweißes beenden Sie laut Packungsbeilage sofort die Einnahme und informieren unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [12].

Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit

Ein Ciclopirox-Nagellack darf laut Packungsbeilage bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden, weil keine klinischen Erfahrungen vorliegen [4]. Für Amorolfin-Nagellack liegen keine Erfahrungen bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen vor [5], und Terbinafin-Tabletten werden für Kinder nicht empfohlen [7]. In der ärztlichen Behandlung von Kindern wird laut IQWiG eher äußerlich behandelt, unter anderem weil die meisten Medikamente für Kinder nicht zugelassen sind [2]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.

Ciclopirox-Nagellack darf laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, weil keine klinischen Erfahrungen vorliegen [4]. Amorolfin-Nagellack sollte während Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, falls es nicht eindeutig erforderlich ist [5]. Terbinafin-Tabletten sollten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, es sei denn, es ist zwingend erforderlich; in der Stillzeit dürfen sie nicht eingenommen werden, weil Terbinafin mit der Muttermilch ausgeschieden wird [7]. Itraconazol darf in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hält es für eine lebenserhaltende Therapie für nötig; es geht in die Muttermilch über [10]. Fluconazol sollten Sie in der Schwangerschaft laut Packungsbeilage nicht einnehmen, außer Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat es ausdrücklich gesagt [12]; laut Fachinformation darf es nur bei eindeutiger Notwendigkeit in Standarddosen und als Kurzzeittherapie angewendet werden [13]. Nach einem europäischen Bewertungsverfahren, das das BfArM mit Bescheid vom 06.05.2024 umgesetzt hat, kann die Einnahme im ersten oder zweiten Schwangerschaftsdrittel das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen; niedrige Dosen im ersten Drittel können das Risiko für Fehlbildungen von Herz, Knochen oder Muskeln leicht erhöhen [15]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Nebenwirkungen der Medikamente

Laut IQWiG liefern die Studien zu den Tabletten nur wenige Informationen dazu, wie häufig bestimmte Nebenwirkungen auftraten; bei der Einnahme von Itraconazol oder Terbinafin besteht ein sehr geringes Risiko für ernsthafte Leberschäden [2].

Terbinafin: Bei folgenden Zeichen müssen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage abbrechen und sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt benachrichtigen: Zeichen einer Leberschädigung wie Gelbfärbung von Haut oder Augenweiß, Juckreiz, anhaltende Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Schmerzen im rechten Oberbauch, dunkler Urin oder blasser Stuhl (selten); eine allergische Reaktion mit Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals oder mit Atem- oder Schluckbeschwerden, schwere Hautreaktionen mit Blasen oder Hautablösung sowie leichteres Bluten, blaue Flecken oder häufigere Infektionen als Zeichen verminderter Blutzellen (sehr selten) [7]. Geschmacksstörungen sind häufig; in Einzelfällen dauern sie länger und führen manchmal zu verminderter Nahrungsaufnahme und erheblicher Gewichtsabnahme [7]. Mehr dazu: Erhöhte Leberwerte und Leberschäden, Geschmacksstörungen, Schwere Hautreaktionen und Blutungen und Blutbildveränderungen.

Neue Warnung zu Terbinafin-Tabletten: Die Koordinierungsgruppe der EU-Arzneimittelbehörden (CMDh) hat am 25.06.2026 beschlossen, die Produktinformationen von Terbinafin zum Einnehmen um eine Warnung vor einer thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP) zu ergänzen; das BfArM hat dies mit Bescheid vom 31.08.2026 angeordnet [9]. Unter Terbinafin wurden teilweise tödlich verlaufende Fälle dieser Erkrankung gemeldet, bei der zu wenige Blutplättchen im Blut sind und rote Blutkörperchen in kleinen Gefäßen zerfallen. Mögliche Anzeichen sind laut der neuen Patienteninformation Fieber mit Blutergüssen unter der Haut, die als rote punktförmige Punkte auftreten können, mit oder ohne ungeklärte extreme Müdigkeit, Verwirrtheit oder Gelbfärbung von Haut oder Augen. Dann sieht die neue Patienteninformation vor, die Behandlung sofort abzubrechen und sich unverzüglich an einen Arzt oder ein Krankenhaus zu wenden [9].

Itraconazol: Symptome, die einer Herzschwäche ähneln, wie Kurzatmigkeit, unerwartete Gewichtszunahme, Anschwellen der Beine, ungewöhnliche Erschöpfung oder wiederholtes Aufwachen in der Nacht, sollten Sie laut Packungsbeilage sofort Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mitteilen [10]. Bei starker Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, ungewöhnlicher Müdigkeit, Bauchschmerzen, ungewöhnlich dunklem Urin oder hellem Stuhl, möglichen Zeichen schwerer Leberprobleme, nehmen Sie Itraconazol nicht mehr ein und suchen sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [10]. Mehr dazu: Herzschwäche durch Medikamente.

Fluconazol: Bei einem ausgedehnten Hautausschlag mit erhöhter Körpertemperatur und vergrößerten Lymphknoten (DRESS-Syndrom) beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und suchen sofort einen Arzt auf [12].

Haben Sie ein Medikament als Auslöser von Beschwerden im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Nagelpilz

Nagelpilz ist laut IQWiG eine unangenehme, aber keine ernste Erkrankung. Viele Menschen finden verfärbte oder verdickte Nägel aber unansehnlich, und eine Infektion kann sich ausweiten, den Nagel zerstören und andere anstecken [2]. Bis ein befallener großer Zeh gesund nachgewachsen ist, kann ein Jahr vergehen. Bei manchen Menschen ist Nagelpilz trotz Behandlung sehr hartnäckig, und er kann auch nach erfolgreicher Behandlung wieder auftreten [2]. Die Packungsbeilage von Amorolfin-Nagellack schlägt vor, den befallenen Bereich vor der Behandlung und dann alle drei Monate in einer Grafik der Packungsbeilage zu markieren, um den Verlauf besser beurteilen zu können [5].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Ärztlichen Rat brauchen Sie, wenn sich die Beschwerden unter einem Nagellack nicht bessern: laut Packungsbeilage von Amorolfin-Nagellack nach 3 Monaten, laut Packungsbeilage eines Ciclopirox-Nagellacks nach 6 Monaten [4, 5]. Dringend ärztliche Hilfe brauchen Sie laut Packungsbeilage von Amorolfin-Nagellack bei Beschwerden beim Atmen, bei einem Anschwellen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen und bei schwerem Hautausschlag; dann hören Sie mit der Anwendung auf und entfernen den Lack sofort [5]. Schwere Atemnot ist laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den Notruf 112 [14].

Quellen

  1. Nagelpilz. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 09.07.2025. abgerufen am 18.10.2026
  2. Nagelpilz: Lack, Creme oder Tabletten?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 09.07.2025. abgerufen am 18.10.2026
  3. Behörde Nagelpilz. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 24.03.2023. abgerufen am 18.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ciclopirox acis 80 mg/g wirkstoffhaltiger Nagellack (apothekenpflichtig). mibe GmbH Arzneimittel (Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller); acis Arzneimittel GmbH (Vertrieb). Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amorolfin-ratiopharm 5 % wirkstoffhaltiger Nagellack (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 18.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Amorolfin-ratiopharm 5 % wirkstoffhaltiger Nagellack. ratiopharm GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 18.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Terbinafin-ratiopharm 250 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 18.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Terbinafin-ratiopharm 250 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 18.10.2026
  9. Behörde Terbinafin (systemische Anwendung): Beschluss der Koordinierungsgruppe CMDh vom 25.06.2026 (PSUSA/00002896/202509) mit Anhängen I bis III in deutscher Übersetzung und Bescheid des BfArM vom 31.08.2026. Koordinierungsgruppe CMDh, Europäische Arzneimittel-Agentur; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 25.06.2026 und 31.08.2026. abgerufen am 18.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Itraconazol STADA 100 mg Hartkapseln (Druckcode 9381261/2506). STADAPHARM GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
  11. Fachinformation Fachinformation Itraconazol STADA 100 mg Hartkapseln. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2023. abgerufen am 18.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Fluconazol STADA 150 mg Hartkapseln (Druckcode 9356170/2402). STADAPHARM GmbH. Stand 09/2023. abgerufen am 18.10.2026
  13. Fachinformation Fachinformation Fluconazol STADA 100 mg/-150 mg Hartkapseln. STADAPHARM GmbH. Stand 01/2024. abgerufen am 18.10.2026
  14. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  15. Behörde Fluconazol: Beschluss der Koordinierungsgruppe CMDh vom 09.11.2023 (PSUSA/00001404/202303) mit Anhängen in deutscher Übersetzung und Bescheid des BfArM vom 06.05.2024. Koordinierungsgruppe CMDh, Europäische Arzneimittel-Agentur; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 09.11.2023 und 06.05.2024. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft gegen Nagelpilz?

Laut IQWiG kommen Nagellacke oder Cremes zum Auftragen infrage, bei stärkerem Befall auch Tabletten. Die rezeptfreien Nagellacke enthalten in der Regel Amorolfin oder Ciclopirox; daneben gibt es Sets aus einer Harnstoff-Creme, die den befallenen Nagel aufweicht, und einer Creme mit Bifonazol. Sind mehrere Nägel betroffen, ist die Infektion großflächiger oder geht sie von der Nagelwurzel aus, sind meist Tabletten mit Terbinafin oder Itraconazol nötig. Welches Mittel zum Einnehmen infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, um welche Art von Pilz es sich handelt.

Wie wird Nagellack gegen Nagelpilz angewendet?

Wie oft ein medizinischer Nagellack aufgetragen wird, ist laut IQWiG je nach Präparat verschieden; es steht in der Packungsbeilage. Halten Sie sich an diese Angaben oder an die Anweisung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes. Vor dem Auftragen wird der betroffene Nagel laut IQWiG geschnitten und möglichst stark abgefeilt. Amorolfin-Nagellack wird laut Packungsbeilage angewendet, bis die erkrankten Nägel gesund herausgewachsen sind. Ohne ärztliche Beratung darf die Behandlung mit einem Ciclopirox-Nagellack laut dessen Packungsbeilage 6 Monate nicht überschreiten.

Wie lange dauert die Behandlung von Nagelpilz?

Eine Behandlung mit Nagellack kann laut IQWiG bis zu einem Jahr dauern; laut Packungsbeilage von Amorolfin-Nagellack sind es im Allgemeinen 6 Monate bei Fingernägeln und 9 bis 12 Monate bei Fußnägeln. Tabletten werden in der Regel über mehrere Wochen oder Monate eingenommen, laut IQWiG mit Itraconazol höchstens 3 Monate, mit Terbinafin etwa 3 bis 4 Monate. Bis ein großer Zeh gesund nachgewachsen ist, kann ein Jahr vergehen.

Darf ich über den medizinischen Nagellack normalen Nagellack auftragen?

Das hängt vom Präparat ab. Laut Packungsbeilage von Amorolfin-Nagellack kann kosmetischer Nagellack aufgetragen werden, sobald der Lack nach 10 Minuten getrocknet ist; vor dem erneuten Auftragen sollte er sorgfältig entfernt werden. Laut Packungsbeilage eines Ciclopirox-Nagellacks sollen auf die behandelten Nägel dagegen kein Nagellack und keine anderen Nagelkosmetikprodukte aufgetragen werden. Künstliche Nägel sollen während der Behandlung mit Amorolfin-Nagellack nicht benutzt werden.

Ist Nagelpilz ansteckend?

Ja, die Behandlung soll laut IQWiG auch verhindern, dass sich der Pilz auf andere Nägel überträgt oder andere Menschen angesteckt werden. Abgetragenes Nagelmaterial kann ansteckende Pilzsporen enthalten, und in Schuhen können Pilzsporen bis zu einem halben Jahr und länger überleben. Teilen Sie Schuhe, Handtücher und Socken nicht mit anderen. Nagelfeilen, die für erkrankte Nägel benutzt wurden, dürfen laut Packungsbeilage nicht für gesunde Nägel verwendet werden.

Hilft Teebaumöl gegen Nagelpilz?

Manchmal werden Hausmittel wie Teebaumöl oder Essig empfohlen. Ob diese und andere Mittel gegen Nagelpilz helfen, ist laut IQWiG bislang nicht in guten Studien erprobt worden. Auch die Wirksamkeit von Laserbehandlungen ist laut IQWiG nicht durch gute Studien nachgewiesen.

Kann ich Nagelpilz in der Schwangerschaft behandeln?

Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein Ciclopirox-Nagellack darf laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, weil keine klinischen Erfahrungen vorliegen. Amorolfin-Nagellack sollte während Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, falls es nicht eindeutig erforderlich ist. Terbinafin-Tabletten sollten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, es sei denn, es ist zwingend erforderlich; in der Stillzeit dürfen sie nicht eingenommen werden. Itraconazol darf in der Schwangerschaft nur bei einer lebenserhaltenden Therapie eingenommen werden.

Was gilt bei Nagelpilz und Diabetes?

Durchblutungsstörungen in den Beinen, etwa durch Diabetes, gelten laut IQWiG als Risikofaktor für Nagelpilz. Bei Menschen mit Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem kann ein Nagelpilz außerdem das Risiko für eine bakterielle Infektion der angrenzenden Haut erhöhen. Bei schwerem Nagelpilz ist eine medizinische Fußbehandlung (Podologie) eine Möglichkeit; wird sie ärztlich verordnet, übernimmt laut IQWiG die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Mehr dazu auf der Seite Diabetes Typ 2.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Krankheiten Fußpilz

    Fußpilz lässt sich meist mit rezeptfreien Cremes, Gels oder Sprays behandeln.

  • Krankheiten Hautpilz

    Hautpilz lässt sich meist mit Cremes gegen Pilze behandeln.

  • Krankheiten Krätze

    Krätze ist eine ansteckende Hautkrankheit durch Milben.

  • Werkzeuge Nebenwirkungs-Finder

    Beschwerde eingeben und sehen, bei welchen Wirkstoffen die Produktinformation sie als Nebenwirkung nennt, mit Häufigkeit.