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Krätze
Krätze (Skabies) ist eine ansteckende Hautkrankheit: Krätzemilben graben Gänge in die oberste Hautschicht, typisch ist ein starker Juckreiz, der nachts zunimmt. Behandelt wird mit Mitteln gegen die Milben; laut Robert Koch-Institut (RKI) ist Permethrin zum Auftragen auf die Haut das Mittel der ersten Wahl, daneben gibt es Benzylbenzoat, Crotamiton und Tabletten mit Ivermectin. Enge Kontaktpersonen sollen laut RKI möglichst zeitgleich mitbehandelt werden, auch ohne Beschwerden. Bei Verdacht auf Krätze gehen Sie zur Ärztin oder zum Arzt; das RKI empfiehlt, die Diagnose durch eine Hautärztin oder einen Hautarzt stellen oder absichern zu lassen.

Krätze ist eine ansteckende Hautkrankheit durch Milben, die vor allem bei längerem Hautkontakt übertragen wird. Sie verursacht oft quälenden Juckreiz, lässt sich aber wirksam behandeln [2]. Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist Permethrin zum Auftragen auf die Haut das Mittel der ersten Wahl. Erkrankte und enge Kontaktpersonen werden grundsätzlich zeitgleich behandelt [1].
Was ist Krätze?
Krätze, medizinisch Skabies, entsteht durch die Krätzemilbe Sarcoptes scabiei var. hominis. Sie gehört zu den Spinnentieren und ist ein auf den Menschen spezialisierter Parasit. Die Weibchen werden 0,3 bis 0,5 mm groß und sind mit bloßem Auge gerade noch als Punkt zu sehen [1]. Befruchtete Weibchen graben in der Hornschicht der Haut tunnelförmige Gänge und legen dort ihre Eier. Aus den Eiern schlüpfen nach 2 bis 3 Tagen Larven, die sich in etwa 2 bis 3 Wochen zu geschlechtsreifen Milben entwickeln [1]. Der juckende Ausschlag entsteht durch die Abwehrreaktion des Körpers auf die Milben, ihre Eier und Ausscheidungen [2].
Außerhalb der Haut überleben Krätzemilben nicht lange. Bei den in Deutschland üblichen Raumtemperaturen sind sie laut RKI mit großer Wahrscheinlichkeit nicht länger als 48 Stunden ansteckend. Bei 50 °C, etwa in der Waschmaschine oder im Trockner, überleben sie nicht länger als 10 Minuten [1].
Krätze kommt weltweit und in allen Altersgruppen vor [1, 2]. Genaue Zahlen für Deutschland gibt es laut gesund.bund.de nicht, weil keine umfassende Meldepflicht besteht. Kinder sind besonders häufig betroffen, außerdem sexuell aktive Menschen mit wechselnden Partnern [2]. Ausbrüche treten laut RKI dort auf, wo Menschen längere Zeit zusammenleben, betreut oder gepflegt werden und enger Hautkontakt üblich ist, zum Beispiel in Kindergärten, Pflegeheimen und Krankenhäusern [1].
Symptome
Bei einer ersten Ansteckung zeigen sich die Beschwerden laut RKI nach 2 bis 5 Wochen. Wer schon einmal Krätze hatte, bekommt die Hautveränderungen bei einer erneuten Ansteckung bereits nach 1 bis 4 Tagen [1]. Anstecken kann eine Person schon, bevor sich der Ausschlag zeigt [2].
Typisch für die gewöhnliche Krätze sind laut RKI [1]:
- ein starker Juckreiz am ganzen Körper, der in der Nacht zunimmt,
- kommaartige, oft unregelmäßig gewundene Milbengänge, wenige Millimeter bis 1 cm lang, an deren Ende sich manchmal ein kleines Bläschen bildet,
- ein Ausschlag (Ekzem) mit geröteten, teils verkrusteten Knötchen und Bläschen, die selbst keine Milben enthalten.
Die Milben bevorzugen warme Stellen mit dünner Hornschicht: die Zwischenräume von Fingern und Zehen, die Streckseiten der Ellenbogen, die Achseln, den Brustwarzenhof, den Nabel, die Gürtellinie, Gesäß und Leisten, die Knöchel und die inneren Fußränder. Längliche Knötchen am Penisschaft sprechen laut RKI fast sicher für Krätze. Kopf und Nacken, Handflächen und Fußsohlen bleiben meist frei [1]. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Hautveränderungen sehr ausgeprägt und betreffen häufig auch Kopfhaut, Gesicht und Fußsohlen. Bei Säuglingen kann das Allgemeinbefinden durch Reizbarkeit und Appetitlosigkeit bis hin zu einer Gedeihstörung beeinträchtigt sein [1].
Borkenkrätze (Scabies crustosa): Bei Menschen mit geschwächter Abwehr können sich die Milben ungehemmt vermehren, auf der Haut leben dann bis zu mehrere Millionen. Die Haut ist flächig verhornt, gelegentlich auch mit Krusten und Borken, oft mit Verhornungen an Handflächen und Fußsohlen und mit Befall der Nägel; häufig sind auch Kopfhaut, Gesicht und Hals betroffen. Der Juckreiz kann gering sein oder ganz fehlen. Diese Form ist hoch ansteckend [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Krätze wird in der Regel durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Weil sich die Milben nur langsam bewegen, braucht es laut RKI einen großflächigen, längeren Kontakt in der Größenordnung von 5 bis 10 Minuten [1]. Anstecken können sich deshalb im Regelfall Mitglieder einer Familie oder Wohngemeinschaft, etwa Paare, eng vertraute Geschwister, Eltern mit Kleinkindern sowie pflegebedürftige Menschen und ihre Betreuer und Pflegenden. Händeschütteln, Begrüßungsküsse und Umarmungen sind bei der gewöhnlichen Krätze ohne Risiko [1]. Eine Übertragung über Bettwäsche, Decken oder Kleidung ist theoretisch möglich, kommt in der Praxis aber selten vor [1]. Bei der Borkenkrätze können schon kurze Hautkontakte, abgelöste Hautschuppen oder Gegenstände, die die erkrankte Person benutzt oder berührt hat, zur Ansteckung führen [1, 2].
Milben von Haustieren verursachen die Tierräude. Sie gehen gelegentlich auf Menschen über, vermehren sich auf der menschlichen Haut aber nicht; die Hautreizungen verschwinden laut gesund.bund.de in der Regel nach kurzer Zeit von selbst [2].
Medikamente als Mitursache: Bei älteren Menschen mit mehreren Erkrankungen entwickelt sich laut RKI wegen einer durch Medikamente oder das Alter geschwächten Abwehr (Immunsuppression) häufiger eine Borkenkrätze [1]. Von der Borkenkrätze überproportional häufig betroffen sind laut RKI außerdem Menschen mit ausgeprägter Demenz oder mit starken Einschränkungen, sich zu kratzen, etwa durch Lähmungen [1].
Diagnose
Den Verdacht auf Krätze stellt die Ärztin oder der Arzt bei starkem Juckreiz, typischen Hautveränderungen und einem möglichen Kontakt, zum Beispiel wenn Familienangehörige dieselben Beschwerden haben [1]. Weil die Diagnose Erfahrung voraussetzt, empfiehlt das RKI, sie durch eine Hautärztin oder einen Hautarzt stellen oder absichern zu lassen [1]. Gesichert wird sie durch den Nachweis von Milben, Eiern oder Milbenkot unter dem Mikroskop, mit einem Klebebandtest oder mit einer Auflichtlupe (Dermatoskop) direkt auf der Haut [1, 2]. Labortests helfen bei der Diagnose nicht [1].
Findet sich kein typischer Milbengang, kommen andere juckende Hauterkrankungen infrage, unter anderem ein atopisches Ekzem (Neurodermitis), ein Kontaktekzem oder eine Schuppenflechte [1]. Juckreiz kann auch eine Nebenwirkung von Medikamenten sein; mehr dazu unter Juckreiz durch Medikamente.
Behandlung ohne Medikamente: Wäsche, Wohnung, Kontakte
Die Maßnahmen zu Hause richten sich laut RKI bei der gewöhnlichen Krätze vor allem auf Textilien und Gegenstände, mit denen die erkrankte Person längeren, großflächigen Hautkontakt hatte. Sie sollten während oder direkt nach der Behandlung stattfinden [1]:
- Kleider, Bettwäsche, Handtücher und Gegenstände mit längerem Körperkontakt, etwa Pantoffeln oder Stofftiere, bei mindestens 50 °C für wenigstens 10 Minuten waschen oder im Trockner so erhitzen.
- Was sich nicht so waschen lässt, in Plastiksäcke packen und 72 Stunden bei mindestens 21 °C lagern; alternativ 5 Stunden bei unter minus 10 °C.
- Betten frisch beziehen. Polstermöbel und Teppiche, auf denen Erkrankte mit bloßer Haut gelegen haben, mit einem starken Staubsauger absaugen oder mindestens 48 Stunden nicht benutzen; das ist wegen der geringen Ansteckungsgefahr nicht zwingend.
Die Packungsbeilage der Permethrin-Creme nennt zusätzlich, Finger- und Fußnägel kurz zu halten und sorgfältig zu reinigen und über 4 Tage Kleidung, Bettwäsche und Handtücher täglich zu wechseln und bei mindestens 60 °C zu waschen [3]. Nach dem Ende einer Behandlung zum Auftragen sollte enger Körperkontakt laut RKI noch 36 Stunden vermieden werden, weil Milben so lange noch beweglich waren [1]. Pflegen Sie eine erkrankte Person, schützen laut gesund.bund.de langärmlige Kleidung und Einmalhandschuhe [2]. Händedesinfektionsmittel wirken laut RKI nicht gegen Krätzemilben [1].
Behandlung mit Medikamenten

Ziel ist laut RKI, die Milben samt Larven und Eiern abzutöten; weil sie in der Hornschicht sitzen, gelingt das in der Regel mit Mitteln zum Auftragen auf die Haut (Antiskabiosa). Zweites Ziel ist, den oft ausgeprägten Juckreiz, Entzündungen und zusätzliche Infektionen zu behandeln [1]. Die Behandlung richtet sich nach der Krankheitsform, dem Alter, anderen Erkrankungen, Gegenanzeigen und der epidemiologischen Situation [1].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Mittel gegen Milben zum Auftragen (Antiskabiosa): Pyrethroide | Permethrin als Creme mit 5 %, verschreibungspflichtig; laut RKI Mittel der ersten Wahl [1, 4] | Bindet an Natriumkanäle der Nervenzellen der Milben und hält sie länger offen; die Nerven werden übererregt und schließlich blockiert, die Milben sterben durch Lähmung [4] | Häufig: Missempfindungen wie Kribbeln, Stechen oder Hautbrennen, Juckreiz, Hautrötung, Brennen oder Stechen sowie trockene Haut; solche Beschwerden verursacht auch die Krätze selbst [3] |
| Weitere Mittel gegen Milben zum Auftragen (Antiskabiosa) | Benzylbenzoat (ohne eigene Wirkstoffseite) als Emulsion [1, 7]; Crotamiton (ohne eigene Wirkstoffseite) als Lösung, Creme, Salbe oder Gel [1], die Salbe apothekenpflichtig [9] | Benzylbenzoat tötet Milben ab, der Wirkmechanismus ist laut Embryotox nicht bekannt [11]. Crotamiton tötet in Laboruntersuchungen Milben ab und hemmt in begrenztem Umfang das Wachstum von Bakterien [9]; wie es wirkt, ist laut Embryotox nicht bekannt [12] | Benzylbenzoat, selten: Reizungen von Haut und Schleimhäuten oder ein weiter bestehender Juckreiz [7]. Crotamiton, gelegentlich: Juckreiz; selten: Kontaktdermatitis und Überempfindlichkeitsreaktionen [8] |
| Mittel gegen Parasiten zum Einnehmen (Avermectine) | Ivermectin als Tabletten, verschreibungspflichtig [1, 6] | Bindet an bestimmte Chloridkanäle in Nerven- und Muskelzellen wirbelloser Tiere; es kommt zu einer Lähmung, und bestimmte Parasiten sterben ab [6] | Die meisten Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe; bei Krätze kann sich der Juckreiz zu Behandlungsbeginn verschlimmern. Sehr selten: schwere Hautreaktionen [5, 6] |
"Häufig" bedeutet bis zu 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000 [3, 8]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Permethrin-Creme
Die Creme mit 5 % Permethrin wird bei Erwachsenen und Kindern nach dem vollendeten 2. Lebensmonat angewendet und ist verschreibungspflichtig [4]. Wie die Creme aufgetragen wird und wie lange sie einwirken muss, steht in der Packungsbeilage [3]; die Mengen je Altersgruppe laut Packungsbeilage stehen auf der Wirkstoffseite unter Dosierung.
Normalerweise reicht laut Packungsbeilage eine einmalige Anwendung; dauert der Befall an oder tritt er erneut auf, muss die Behandlung nach 14 Tagen wiederholt werden [3]. Das RKI nennt in seiner Übersicht für Ärztinnen und Ärzte eine Wiederholung nach 7 bis 10 Tagen, zur Sicherheit und zum Ausgleich möglicher Anwendungsfehler [1]. Ob und wann Sie die Behandlung wiederholen, sagt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. In den letzten Jahren mehren sich laut RKI Berichte über Milben, die schlechter auf eine erste Behandlung mit Permethrin ansprechen [1].
Benzylbenzoat und Crotamiton
Benzylbenzoat: Antiscabiosum 25 % wird laut Packungsbeilage zur Behandlung der Krätze bei Erwachsenen angewendet, "als weniger toxisches Mittel, alternativ zu ausreichend untersuchten Antiscabiosa" [7]. Es wird angewendet, wie in der Packungsbeilage angegeben. Ohne ärztlichen Rat wenden Sie es nicht länger als 3 Tage an; eine ärztliche Nachkontrolle des Behandlungserfolgs ist grundsätzlich erforderlich [7]. Bei Kindern unter 12 Jahren soll es nicht angewendet werden, für sie gibt es ein Präparat mit geringerem Wirkstoffgehalt [7]. In der Schwangerschaft dürfen Sie es laut Packungsbeilage nur anwenden, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es unter Abwägung aller Risiken für zwingend erforderlich hält; in der Stillzeit darf es nicht angewendet werden. Wer epileptische Anfälle hat oder hatte, spricht vorher unbedingt mit der Ärztin oder dem Arzt; während der Anwendung ist intensive Sonne zu meiden, auch im Solarium [7].
Crotamiton: Crotamitex wird laut Packungsbeilage zur Behandlung der Krätze bei Erwachsenen und Kindern angewendet; die Behandlung erstreckt sich über drei bis fünf aufeinanderfolgende Tage. Wie es aufzutragen ist, steht in der Packungsbeilage [8]. Bei Kindern unter 3 Jahren ist das Risiko von Nebenwirkungen größer; die Anwendung sollte unter medizinischer Aufsicht erfolgen, bei Säuglingen im Krankenhaus [8]. Bei akutem, nässendem Hautausschlag darf es nicht angewendet werden. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Crotamitex nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken und unter Berücksichtigung anderer Präparate angewendet werden; wird es in der Stillzeit angewendet, muss abgestillt werden [8].
Ivermectin-Tabletten
Ivermectin ist seit Februar 2016 in Deutschland für die Behandlung der Krätze zugelassen [1]. Laut Packungsbeilage sollte es nur eingenommen werden, wenn die Ärztin oder der Arzt Krätze festgestellt hat oder vermutet [5]. Laut Fachinformation ist die Behandlung gerechtfertigt, wenn die Diagnose klinisch oder durch eine parasitologische Untersuchung gesichert ist; Juckreiz allein ist ohne gesicherte Diagnose kein Grund [6]. Die Behandlung besteht aus einer Einzeldosis. Ob sie erfolgreich war, lässt sich erst nach 4 Wochen erkennen; möglicherweise verordnet die Ärztin oder der Arzt innerhalb von 8 bis 15 Tagen eine zweite Einzeldosis [5]. Die Anzahl der Tabletten nach Körpergewicht steht unter Dosierung. Bei Kindern unter 15 kg Körpergewicht ist die Sicherheit nicht erwiesen [5]. Bei ausgedehnter Krätze und Borkenkrätze kann laut Fachinformation eine zweite Dosis innerhalb von 8 bis 15 Tagen und/oder eine zusätzliche Behandlung zum Auftragen nötig sein; bei gewöhnlicher Krätze rechtfertigen auch anhaltender Juckreiz oder Kratzspuren in den ersten 4 Wochen keine zweite Behandlung [6].
Juckreiz nach der Behandlung
Bleiben nach erfolgreicher Behandlung juckende Hautveränderungen, spricht man vom postskabiösen Ekzem [1]. Dafür nennt das RKI Kortison zum Auftragen (topische Glucocorticoide) [1]. Nach der Behandlung mit einem Mittel zum Auftragen empfiehlt das RKI blande Salben oder Cremes, damit die Haut nicht austrocknet oder gereizt wird [1]; bei trockener Haut nennt die Packungsbeilage der Permethrin-Creme Pflegesalben und Ölbäder [3].
Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit
Bei Neugeborenen und Säuglingen in den ersten 2 Lebensmonaten wird die Permethrin-Creme laut Packungsbeilage nicht angewendet, außer die Ärztin oder der Arzt hat es ausdrücklich verordnet; Kinder bis 23 Monate sollten nur unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht behandelt werden. Bei Kindern sollten die Hautpartien um Mund und Augen ausgespart werden [3]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
Laut Packungsbeilage der Permethrin-Creme sollten Sie sie in der Schwangerschaft als Vorsichtsmaßnahme nicht anwenden, es sei denn, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt empfiehlt es; beim Stillen sollten Sie während der Behandlung und für weitere 5 Tage danach das Stillen unterbrechen [3]. Laut Embryotox ist Permethrin das Mittel der Wahl zur Behandlung der Krätze in der Schwangerschaft und in der Stillzeit; die Anwendung erfordert dort keine Einschränkung des Stillens [10]. Benzylbenzoat und Crotamiton sind laut Embryotox Mittel der 2. Wahl in der Schwangerschaft; als besser geeignete Alternative nennt Embryotox Permethrin [11, 12]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ivermectin sollten Schwangere laut Packungsbeilage nur einnehmen, wenn es eindeutig erforderlich ist [5]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Permethrin-Creme: Häufig sind laut Packungsbeilage Missempfindungen wie Kribbeln, Stechen oder Hautbrennen sowie Juckreiz, Rötung, Prickeln, Brennen und trockene Haut. Selten treten Kopfschmerzen auf. Sehr selten wurde bei empfindlichen oder allergischen Menschen im Zusammenhang mit anderen Pyrethrinen über Atembeschwerden berichtet, ebenfalls sehr selten sind Hautabschürfungen, eine Haarbalgentzündung und eine verminderte Hautpigmentierung. Mit nicht bekannter Häufigkeit können kontaktallergische Reaktionen mit Juckreiz, Rötung, Bläschen oder Nesselsucht auftreten, auch über die behandelte Fläche hinaus [3]. Nach einer europäischen Bewertung (Stellungnahme der Koordinierungsgruppe CMDh vom 25.04.2018) wurden die Missempfindungen als häufige Nebenwirkung der Creme mit 5 %, ein Warnhinweis bei Allergie gegen Chrysanthemen oder andere Korbblütler und der Hinweis auf begrenzte Erfahrungen bei Kindern von 2 bis 23 Monaten in die Produktinformationen aufgenommen [14].
Benzylbenzoat: Selten sind laut Packungsbeilage Reizungen von Haut und Schleimhäuten oder ein weiter bestehender Juckreiz. Seit der Markteinführung wurden mit nicht bekannter Häufigkeit Überempfindlichkeitsreaktionen mit Unwohlsein, Nesselsucht, Schwellungen (Angioödem) und Kontaktdermatitis berichtet, außerdem epileptische Anfälle bei Kindern [7].
Crotamiton: Gelegentlich tritt laut Packungsbeilage Juckreiz auf, selten eine Kontaktdermatitis oder Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, Rötung, Hautreizungen oder ein schnelles Anschwellen von Haut oder Schleimhäuten. Mit nicht bekannter Häufigkeit können eine vorübergehende Rötung und ein Wärmegefühl auftreten. Bei ersten Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion sollten Sie Crotamitex laut Packungsbeilage nicht mehr anwenden und Ihre Ärztin oder Ihren Arzt fragen [8]. Mehr dazu unter Arzneimittelallergie.
Ivermectin: Die Nebenwirkungen sind laut Packungsbeilage in der Regel nicht schwerwiegend und dauern nicht lange an. Ohne Häufigkeitsangabe nennt sie unter anderem eine Leberentzündung (akute Hepatitis), erhöhte Leberwerte, Blut im Urin sowie Bewusstseinsstörungen oder Koma [5]. Sehr selten wurde laut Fachinformation über schwere Hautreaktionen berichtet, das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse [6]. Nach einer Stellungnahme der Koordinierungsgruppe CMDh vom 15.12.2022, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veröffentlicht hat, wurde dazu ein Warnhinweis in die Produktinformationen aufgenommen, weil diese Reaktionen lebensbedrohlich oder tödlich sein können [13]. Rötliche, nicht erhabene, zielscheibenartige oder kreisförmige Flecken am Rumpf, häufig mit Blasen in der Mitte, Abschälen der Haut oder Geschwüre in Mund, Rachen, Nase, an Genitalien oder Augen sind ein Grund, die Anwendung abzubrechen und sich sofort in ärztliche Behandlung zu begeben [5]. Mehr dazu unter Schwere Hautreaktionen. Nach der Einnahme können Schwindel, Schläfrigkeit, Zittern oder Drehschwindel auftreten; dann dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen [5].
Bemerken Sie Nebenwirkungen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem BfArM melden [3]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Kita, Schule und Arbeit
Wer an Krätze erkrankt ist oder bei wem ein Verdacht besteht, darf nach § 34 Infektionsschutzgesetz Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen oder Heime nicht besuchen und dort keine Tätigkeit mit Kontakt zu den Betreuten ausüben, bis nach ärztlichem Urteil keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist [15]. Betroffene oder Sorgeberechtigte müssen der Einrichtung die Erkrankung unverzüglich mitteilen; die Leitung benachrichtigt das Gesundheitsamt [15].
Nach Abschluss der ersten ordnungsgemäßen Behandlung können Kinder und Betreuende die Einrichtung laut RKI wieder besuchen und Erwachsene zur Arbeit gehen: bei einem Mittel zum Auftragen direkt danach, nach Ivermectin 24 Stunden nach der Einnahme. Das gilt für ansonsten gesunde Menschen ohne geschwächte Abwehr und nicht bei Borkenkrätze [1]. Außerhalb solcher Einrichtungen können Menschen mit gewöhnlicher Krätze laut RKI bis zur Behandlung am sozialen Leben teilnehmen, wenn sie längere Hautkontakte vermeiden [1].
Weitere Kontaktpersonen ohne engen Hautkontakt sind laut RKI in der Regel nicht gefährdet. Wer sich trotzdem Sorgen macht, dem empfiehlt das RKI, in den nächsten 5 bis 6 Wochen auf typische Beschwerden zu achten und sich bei solchen Beschwerden in hautärztliche Behandlung zu begeben [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Treten nach dem Auftragen der Permethrin-Creme schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auf, suchen Sie laut Packungsbeilage sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf und wenden die Creme nicht mehr an [3]. Wurde die Permethrin-Creme versehentlich oder absichtlich geschluckt, sollten Sie laut Packungsbeilage schnellstmöglich eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [3]; wurde Crotamitex versehentlich verschluckt, sollten Sie laut Packungsbeilage eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [8]. Nach Ivermectin suchen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf bei plötzlichem Fieber, plötzlichen Hautreaktionen oder Schwierigkeiten beim Atmen; bei Zeichen einer schweren Hautreaktion brechen Sie die Anwendung ab und begeben sich sofort in ärztliche Behandlung [5]. Menschen mit Borkenkrätze sollen laut RKI umgehend isoliert und möglichst im Krankenhaus behandelt werden [1].
Schwere Atemnot, Vergiftungen und akute, anhaltende Krampfanfälle sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 [16].
Quellen
- Behörde RKI-Ratgeber Skabies (Krätze), Abschnitte Erreger bis Gesetzliche Grundlage. Robert Koch-Institut (RKI). Stand 27.05.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Krätze. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft). Stand 18.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation gepescab 5 % Creme (Permethrin). gepepharm GmbH. Stand 06/2021. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation gepescab 5 % Creme (Permethrin). gepepharm GmbH. Stand 06/2021. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ivermectin-ratiopharm 3 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Ivermectin-ratiopharm 3 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Antiscabiosum 25 % für Erwachsene, Emulsion mit Benzylbenzoat, Herstellerdokument, einzeln über den PatientenInfo-Service abgerufen, weil beim Zulassungsinhaber keine frei abrufbare Fassung erreichbar war. Strathmann GmbH & Co. KG. Stand 10/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Crotamitex Salbe (Crotamiton). gepepharm GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Crotamitex Salbe (Crotamiton). gepepharm GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Permethrin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Benzylbenzoat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Crotamiton. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Stellungnahme der Koordinierungsgruppe CMDh zum PSUR-Bewertungsverfahren Ivermectin (zur systemischen Anwendung) mit Änderungen der Produktinformation (schwere Hautreaktionen). Koordinierungsgruppe CMDh bei der EMA; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 15.12.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Stellungnahme der Koordinierungsgruppe CMDh zum PSUR-Bewertungsverfahren Permethrin mit Änderungen der Produktinformation (Parästhesie, Chrysanthemen, Kinder). Koordinierungsgruppe CMDh bei der EMA; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 25.04.2018. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Infektionsschutzgesetz (IfSG), § 34 Gesundheitliche Anforderungen, Mitwirkungspflichten, Aufgaben des Gesundheitsamtes. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Wie steckt man sich mit Krätze an?
In der Regel durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt. Weil sich Krätzemilben nur langsam bewegen, ist laut RKI ein großflächiger, längerer Kontakt von etwa 5 bis 10 Minuten nötig, zum Beispiel beim Kuscheln, beim gemeinsamen Schlafen in einem Bett, beim Geschlechtsverkehr oder bei der Körperpflege. Händeschütteln oder eine Umarmung zur Begrüßung sind bei der gewöhnlichen Krätze ohne Risiko. Über Bettwäsche oder Kleidung ist eine Übertragung möglich, kommt aber selten vor. Bei der Borkenkrätze (Scabies crustosa) können schon kurze Hautkontakte und Hautschuppen anstecken.
Woran erkenne ich Krätze?
Typisch ist laut RKI ein starker Juckreiz am ganzen Körper, der in der Nacht zunimmt, dazu ein Ausschlag mit kleinen Knötchen und Bläschen. Die Milbengänge sind wenige Millimeter bis 1 cm lang, kommaartig und oft unregelmäßig gewunden; laut gesund.bund.de finden sie sich häufig zwischen den Fingern und Zehen, an Handgelenken, Ellenbogen, in den Achseln, am Nabel, am Gesäß und am Penis. Nach einer ersten Ansteckung zeigen sich die Beschwerden erst nach 2 bis 5 Wochen. Das RKI empfiehlt, die Diagnose durch eine Hautärztin oder einen Hautarzt stellen oder absichern zu lassen.
Welches Mittel hilft gegen Krätze?
Laut RKI ist Permethrin zum Auftragen auf die Haut das Mittel der ersten Wahl. Weitere Mittel zum Auftragen enthalten Benzylbenzoat oder Crotamiton; Ivermectin wird als Tablette eingenommen. Welches Mittel passt, hängt laut RKI unter anderem von der Krankheitsform, dem Alter, anderen Erkrankungen und Gegenanzeigen ab. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Die Creme mit 5 % Permethrin und Ivermectin sind verschreibungspflichtig.
Gibt es Mittel gegen Krätze ohne Rezept?
Crotamitex mit Crotamiton ist laut Fachinformation apothekenpflichtig. Für Antiscabiosum 25 % mit Benzylbenzoat nennt die Packungsbeilage, dass Sie es ohne ärztlichen Rat nicht länger als 3 Tage anwenden; hält der Juckreiz danach an, suchen Sie unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt auf. Eine ärztliche Nachkontrolle über den Erfolg der Behandlung ist laut dieser Packungsbeilage grundsätzlich erforderlich.
Warum juckt die Haut nach der Behandlung weiter?
Juckreiz und ein Ausschlag nach der Krätze (postskabiöses Ekzem) können laut Packungsbeilage der Permethrin-Creme bis zu vier Wochen nach der Behandlung anhalten; sie sind eine Reaktion auf die abgetöteten Milben. Laut gesund.bund.de klingt der Juckreiz innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Nach Ivermectin-Tabletten kann sich der Juckreiz zu Beginn verschlimmern; ob die Behandlung gewirkt hat, lässt sich laut Packungsbeilage erst nach 4 Wochen erkennen. Haben Sie den Eindruck, dass die Krätze andauert, sprechen Sie vor einer erneuten Anwendung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Müssen Familienmitglieder mitbehandelt werden?
Enge Kontaktpersonen sollen laut RKI möglichst zeitgleich mit der erkrankten Person behandelt werden, auch wenn sie keine Beschwerden haben. Als eng gilt, wer längeren, großflächigen Hautkontakt hatte, etwa durch gemeinsames Schlafen in einem Bett, Kuscheln, Geschlechtsverkehr oder die Pflege von Kleinkindern oder Kranken. Kontaktpersonen sollen laut RKI darüber aufgeklärt werden, dass sich eine erstmalige Krätze oder der Juckreiz erst nach vier bis sechs Wochen zeigen kann. Werden angesteckte Kontaktpersonen nicht rechtzeitig mitbehandelt, können Sie sich laut Packungsbeilage der Permethrin-Creme bei ihnen erneut anstecken.
Wann darf mein Kind mit Krätze wieder in die Kita oder Schule?
Nach dem Infektionsschutzgesetz dürfen Menschen mit Krätze oder Verdacht darauf Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen nicht besuchen, bis nach ärztlichem Urteil keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist. Laut RKI ist der Besuch nach Abschluss der ersten ordnungsgemäßen Behandlung wieder möglich: direkt danach bei einem Mittel zum Auftragen, 24 Stunden nach der Einnahme von Ivermectin. Das gilt nicht bei Borkenkrätze. Eltern müssen der Einrichtung die Erkrankung unverzüglich mitteilen.
Was hilft bei Krätze in der Schwangerschaft und Stillzeit?
Laut Packungsbeilage der Permethrin-Creme sollten Sie sie in der Schwangerschaft als Vorsichtsmaßnahme nur anwenden, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es empfiehlt; beim Stillen sollten Sie während der Behandlung und für weitere 5 Tage danach das Stillen unterbrechen. Laut Embryotox ist Permethrin das Mittel der Wahl zur Behandlung der Krätze in Schwangerschaft und Stillzeit; die Anwendung erfordert dort keine Einschränkung des Stillens. Antiscabiosum 25 % darf laut Packungsbeilage in der Stillzeit nicht angewendet werden. Besprechen Sie die Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
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Nebenwirkungen Kopfschmerzen durch MedikamenteViele Medikamente können Kopfschmerzen auslösen, etwa Nitrospray, Potenzmittel und Blutdrucksenker.