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Neurodermitis
Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung mit stark juckendem Ausschlag, die meist in Schüben verläuft. Laut S3-Leitlinie von 2026 soll eine der Ausprägung angepasste Stufentherapie erfolgen: Pflegecremes und das Meiden von Auslösern bei trockener Haut, dazu Kortison oder Calcineurin-Hemmer zum Auftragen bei Ekzemen und bei mittelschweren bis schweren Ekzemen zusätzlich eine Behandlung im ganzen Körper, etwa mit Biologika oder JAK-Hemmern. Breitet sich eine Herpes-Infektion mit Bläschen auf weitere Hautstellen aus, ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig.

Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung mit stark juckendem Ausschlag, die meist in Schüben verläuft [2]. Die Behandlung richtet sich laut S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (Stand 29.06.2026) nach der Ausprägung: Bei jedem Schweregrad gehören Pflegecremes und das Meiden von Auslösern dazu, bei Ekzemen Kortison oder Calcineurin-Hemmer zum Auftragen, bei mittelschweren bis schweren Ekzemen zusätzlich eine Behandlung mit Wirkung im ganzen Körper [1]. Heilbar ist Neurodermitis nicht, mit guter Hautpflege und Medikamenten lassen sich Juckreiz und Ausschläge laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aber gut in den Griff bekommen [2].
Was ist Neurodermitis?
Die Leitlinie beschreibt die atopische Dermatitis (Neurodermitis) als chronische oder chronisch wiederkehrende, nicht ansteckende Hauterkrankung, deren Erscheinungsbild und betroffene Körperstellen sich mit dem Alter ändern und die meist mit starkem Juckreiz einhergeht; die Mehrheit der Betroffenen hat eine leichtere Form [1]. Je nach Studie haben 50 bis 80 Prozent Sensibilisierungen gegen Allergene aus der Luft oder aus Nahrungsmitteln [1].
In Deutschland liegt die Jahresprävalenz laut Leitlinie bei etwa 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen und 1,7 Prozent der Erwachsenen [1]. Bei über 70 bis 85 Prozent beginnt die Erkrankung vor dem fünften Lebensjahr. Bis zum frühen Erwachsenenalter sind etwa 60 Prozent der erkrankten Kinder symptomfrei; mindestens 30 Prozent haben zumindest zeitweilig auch als Erwachsene Ekzeme [1].
Symptome
Das Hauptsymptom ist laut IQWiG der quälende Juckreiz. Bei einem akuten Ausschlag ist die Haut gerötet und juckt sehr stark; es können Bläschen entstehen, die leicht aufgehen und nässen. Danach wird der Ausschlag blasser, die Haut trocken, sie pellt sich und kann sich mit der Zeit verdicken, gröber und rissig werden [2]. Bei Babys sind vor allem die Wangen und die Außenseiten von Armen und Beinen betroffen, bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vor allem Kniekehlen, Ellenbeugen und Nacken [2]. Auch Handekzeme kommen laut Leitlinie bei Erwachsenen vor, je nach hautbelastenden Tätigkeiten [1].
Der Juckreiz kann laut IQWiG tagsüber wie nachts sehr belastend sein und Schlaf und Konzentration stören [2]. Laut Leitlinie kann er die Leistungen in Schule oder Arbeit beeinträchtigen und zu Schwierigkeiten im sozialen Umfeld und zu Depressionen führen [1].
Komplikationen: Häufige Komplikationen sind laut Leitlinie Infektionen mit Bakterien (meist Staphylokokken), mit Viren und mit Pilzen. Zu den Virusinfektionen gehören Dellwarzen und das Eczema herpeticatum mit Bläschen, offenen Stellen und nicht selten hohem Fieber [1]. Bei einer bakteriellen Infektion rötet sich die Haut laut IQWiG stark, kann nässen und gelbliche Krusten bilden [2]. Mehr: Lippenherpes.
Ursachen und Auslöser
Am Beginn der Erkrankung und an den Schüben sind laut Leitlinie die erbliche Veranlagung und zahlreiche Auslösefaktoren beteiligt [1]. Laut IQWiG ist die Schutzfunktion der Haut gestört; beteiligt sind unter anderem Veränderungen im Gen für das Eiweiß Filaggrin, durch die die Haut viel Feuchtigkeit verliert [2]. Sind in der Familie Neurodermitis oder andere allergische Erkrankungen bekannt, ist das Risiko eines Kindes erhöht [2]. Mehr: Allergie, Heuschnupfen und Asthma.
Als Auslöser von Schüben (Provokationsfaktoren) nennt die Leitlinie [1]:
- Reizung der Haut, unter anderem durch bestimmte Textilien wie Wolle, Schwitzen, falsche Hautreinigung, bestimmte berufliche Tätigkeiten und Tabakrauch,
- Allergien gegen Hausstaubmilben, Tierepithelien, Pollen und Nahrungsmittel, bei Kindern vor allem Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Weizen, Haselnuss, Erdnuss und Fisch,
- mikrobielle Faktoren,
- klimatische Faktoren wie extreme Kälte oder Trockenheit und hohe Luftfeuchtigkeit,
- psychischen Stress und emotionale Faktoren,
- hormonelle Faktoren wie Schwangerschaft und Menstruation.
Hautausschlag und Juckreiz als Nebenwirkung von Medikamenten behandeln die Seiten Hautausschlag durch Medikamente und Juckreiz durch Medikamente.
Diagnose
Die Diagnose wird laut IQWiG nach einer körperlichen Untersuchung gestellt, wenn an den alterstypischen Körperstellen über mehrere Monate ein stark juckender Ausschlag besteht oder immer wiederkehrt; andere Erkrankungen wie eine Schuppenflechte werden ausgeschlossen [2]. Laut Leitlinie soll eine gründliche Anamnese erhoben werden, auch zu atopischen Erkrankungen in der Familie und zum Beruf, und individuelle Auslöser sollen identifiziert werden (jeweils starke Empfehlung) [1].
Bei Verdacht auf eine allergische Form wird unter Umständen ein Allergietest gemacht. Ein auffälliges Ergebnis sagt laut IQWiG aber nicht, ob die Reaktion mit der Neurodermitis zu tun hat; ohne konkreten Verdacht auf alle möglichen Stoffe zu testen, ist nicht sinnvoll [2].
Behandlung ohne Medikamente
Basistherapie: Emollienzien, also Pflegecremes und Salben ohne Arzneistoff, sollen laut Leitlinie bedarfsgerecht und regelmäßig angewendet werden, auch im schubfreien Intervall; nach dem Baden oder Duschen sollen sie unmittelbar auf die trocken getupfte Haut aufgetragen werden (jeweils starke Empfehlung). Sie sollten individuell angepasst sein, im Sommer zum Beispiel wasserhaltiger, im Winter fetthaltiger [1]. Harnstoffhaltige Mittel sind laut IQWiG für Babys und Kinder eher nicht geeignet, da sie die Haut reizen können [2].
Waschen und Baden: Dusch- oder Vollbäder sollten laut Leitlinie möglichst kurz und mäßig warm sein; alkalische Seifen sollten nicht verwendet werden [1].
Auslöser meiden: Hautreizende Kleidung wie Wolle und Tabakrauch sollen laut Leitlinie gemieden werden; die körperliche Aktivität soll nicht eingeschränkt werden. Wer gegen Allergene aus der Luft sensibilisiert ist und dadurch schon Schübe hatte, soll den Kontakt so weit wie möglich reduzieren (jeweils starke Empfehlung). Strategien zur Stressbewältigung sollten erlernt werden [1]. Bei mittelschwerer und schwerer Neurodermitis sollen individuelle Auslöser in der Ernährung identifiziert werden (starke Empfehlung) [1].
Schulung: Bei chronischer Neurodermitis soll laut Leitlinie eine strukturierte Schulung nach den Curricula der Arbeitsgemeinschaften Neurodermitisschulung empfohlen werden (AGNES für Kinder, Jugendliche und Eltern, ARNE für Erwachsene) [1]. Sie umfasst laut IQWiG sechs wöchentliche Termine von zwei Stunden und wird von vielen Krankenkassen bezahlt [2].
Lichttherapie: Schmalspektrum-UVB und mittlere Dosen von UVA1 sollten laut Leitlinie bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis eingesetzt werden, mit höchstens 2 Therapiezyklen pro Jahr; bei Kindern und Jugendlichen kann eine Lichttherapie nach Beurteilung des Hauttyps erwogen werden [1]. Die UV-Strahlen können laut IQWiG die Haut austrocknen und sonnenbrandartige Reizungen auslösen; häufige Bestrahlungen erhöhen das Risiko für Hautkrebs [3]. Ciclosporin soll laut Leitlinie nicht mit UV-Therapien kombiniert werden (starke Empfehlung) [1].
Was nicht empfohlen wird: Akupunktur, Phytotherapie und chinesische Kräutermedizin sollen laut Leitlinie nicht zur Behandlung eingesetzt werden [1]. Für Nachtkerzenöl, Borretsch-Öl, Vitamine und Zink ist laut IQWiG nicht nachgewiesen, dass sie helfen [2].
Behandlung mit Medikamenten

Eine der Ausprägung angepasste Stufentherapie soll laut Leitlinie durchgeführt werden (starke Empfehlung). Das Stufenschema ist ein Anhaltspunkt [1]:
- Stufe 1, trockene Haut: Basistherapie und Vermeiden von Auslösern.
- Stufe 2, leichte bis mittelschwere Ekzeme: zusätzlich Kortison (topische Glukokortikoide) oder Calcineurin-Hemmer zum Auftragen, in der Regel zuerst Kortison.
- Stufe 3, mittelschwere bis schwere Ekzeme: zusätzlich eine Systemtherapie.
Kortison und Calcineurin-Hemmer zum Auftragen sollen laut Leitlinie als entzündungshemmende Wirkstoffe eingesetzt werden, Kortison bei akuten Schüben, Calcineurin-Hemmer in Problemzonen als bevorzugte Langzeittherapie und dann, wenn Kortison nicht wirkt oder nicht angewendet werden darf. Eine proaktive Therapie, in der Regel zweimal wöchentlich, mit einem geeigneten Kortison oder Calcineurin-Hemmer soll bedarfsgerecht durchgeführt werden, um das Risiko neuer Schübe zu verringern (jeweils starke Empfehlung) [1]. Die Fingerspitzen-Regel (Finger-Tip-Unit) für die Menge sollte verwendet und erklärt werden [1].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Kortison zum Auftragen (topische Glukokortikoide) | Methylprednisolonaceponat [4], Triamcinolon [5] | Binden in den Zellen an einen Steroidrezeptor; dadurch werden weniger entzündungsfördernde und mehr entzündungshemmende Botenstoffe gebildet, die Immunantwort wird gedämpft [1] | Methylprednisolonaceponat, häufig: Brennen und Juckreiz an der Anwendungsstelle [4]. Triamcinolon, gelegentlich: Überempfindlichkeitsreaktionen wie Brennen, Juckreiz, Reizung, trockene Haut; bei Anwendung länger als 4 Wochen oder auf mehr als 20 Prozent der Körperoberfläche unter anderem Hautstreifen und Dünnerwerden der Haut [5] |
| Calcineurin-Hemmer zum Auftragen (Hautmittel) | Tacrolimus als Salbe [7], Pimecrolimus als Creme [8] | Dämpfen das Immunsystem: Sie verringern die Aktivität des Enzyms Calcineurin und hemmen so die Aktivierung bestimmter Abwehrzellen (T-Lymphozyten); sie dringen weniger durch die Haut als Kortison [1] | Tacrolimus-Salbe, sehr häufig: Brennen und Juckreiz an der Auftragsstelle [7]. Pimecrolimus, sehr häufig: Wärmegefühl und/oder Brennen an der Anwendungsstelle [8] |
| Antikörper (Biologika), gespritzt | Dupilumab [9] | Dupilumab hemmt den Rezeptor für die Botenstoffe Interleukin-4 und Interleukin-13, die an der Entzündung beteiligt sind [1] | Dupilumab, häufig: Reaktionen an der Einstichstelle, Bindehautentzündung, auch allergisch, Herpes im Mundbereich, Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie), Gelenkschmerzen [9] |
| JAK-Hemmer, Tabletten | Upadacitinib [10] | Verringern die Aktivität des Enzyms Januskinase und dadurch die Entzündung [10] | Upadacitinib, sehr häufig: Infektionen der oberen Atemwege, Akne; häufig unter anderem Herpes simplex, Gürtelrose, Kopfschmerzen [10] |
| Immunsuppressivum, Kapseln | Ciclosporin [11] | Blockiert bei Autoimmunerkrankungen die gegen den eigenen Körper gerichtete Immunreaktion [11] | Sehr häufig: Nierenprobleme, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Zittern, übermäßiges Haarwachstum im Gesicht und am Körper, hohe Blutfettwerte [11] |
"Sehr häufig" heißt bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bei bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bei bis zu 1 von 100 [4, 5, 8]. Die Angaben gelten für das jeweils genannte Präparat; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Kortison zum Auftragen
Die Wirkstärke von Kortisonpräparaten für die Haut teilt die Leitlinie in Klassen von schwach (Klasse I) bis sehr stark wirksam (Klasse IV) ein. Bei Kindern sind in der Regel schwach bis mittelstark wirksame Präparate zu verwenden. Im Gesicht, besonders um die Augen, und an anderen empfindlichen Stellen wie Hautfalten und Hals sollten sie, wenn überhaupt, nur wenige Tage und ausschließlich in Klasse I und II verwendet werden [1]. Methylprednisolonaceponat als Creme ist laut Packungsbeilage unter anderem zur Behandlung des endogenen Ekzems (Neurodermitis) bestimmt und wird für Kinder unter 3 Jahren wegen fehlender Sicherheitsdaten nicht empfohlen [4]. Triamcinolon-Creme wird laut Packungsbeilage unter anderem bei verschiedenen akuten und chronischen Ekzemformen angewendet [5]; die Fachinformation ordnet sie den mittelstark wirksamen Kortikosteroiden zu (Gruppe II) [6].
Calcineurin-Hemmer zum Auftragen
Zur Behandlung der Neurodermitis sind Tacrolimus-Salbe und Pimecrolimus-Creme zugelassen [1]. Tacrolimus-Salbe ist laut Fachinformation für mittelschwere bis schwere Neurodermitis bestimmt: bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren, wenn herkömmliche Behandlungen wie Kortison zum Auftragen nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, bei Kindern ab 2 Jahren, wenn eine herkömmliche Behandlung nicht ausreichend gewirkt hat; unter 16 Jahren ist nur die Salbe mit 0,03 % zugelassen [7]. Pimecrolimus-Creme wird laut Packungsbeilage bei Kindern ab 3 Monaten und Erwachsenen mit leichter oder mittelschwerer Neurodermitis angewendet. Sie darf nur angewendet werden, wenn andere verschreibungspflichtige Mittel oder rückfettende Pflegepräparate nicht wirksam waren oder die Ärztin oder der Arzt empfiehlt, keine anderen verschreibungspflichtigen Mittel anzuwenden [8].
Calcineurin-Hemmer verursachen laut Leitlinie keine Verdünnung der Haut [1]. Die längere Gabe von Calcineurin-Hemmern im ganzen Körper nach Organtransplantationen war laut Fachinformation von Tacrolimus-Salbe mit einem erhöhten Risiko für Lymphome und bösartige Hautveränderungen verbunden; für die Salbe wurde ein Zusammenhang mit bösartigen Veränderungen nicht bestätigt, endgültige Schlussfolgerungen können aber nicht gezogen werden [7]. Unter Tacrolimus-Salbe (Informationsbrief vom 11.05.2012) und Pimecrolimus (Packungsbeilage) wurde über bösartige Veränderungen wie Lymphome und Hauttumoren berichtet [8, 15]. Beide Packungsbeilagen raten, längere oder übermäßige Sonnenbestrahlung, Sonnenbänke und Solarien zu meiden und im Freien Sonnenschutz und locker sitzende Kleidung zu tragen; eine gleichzeitige Lichttherapie wird nicht empfohlen (Tacrolimus) beziehungsweise sollte nicht erfolgen (Pimecrolimus) [7, 8]. Tacrolimus-Salbe darf nicht auf infizierte Hautstellen, Pimecrolimus-Creme nicht auf Stellen mit einer akuten Virusinfektion wie Fieberbläschen aufgetragen werden; unter beiden kann das Risiko für Herpes-Infektionen der Haut erhöht sein. Bei schmerzhaften Bläschen oder geschwollenen Lymphknoten wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [7, 8].
Behandlung im ganzen Körper (Systemtherapie)
Eine systemische Behandlung ist laut Leitlinie angezeigt, wenn sich die Neurodermitis mit Behandlungen zum Auftragen, im Erwachsenenalter gegebenenfalls auch mit einer UV-Lichttherapie, nicht ausreichend kontrollieren lässt. Bei entzündlichen Hautstellen soll sie mit einer entzündungshemmenden Behandlung zum Auftragen kombiniert werden; Therapieziele sollen zu Beginn gemeinsam festgelegt und regelmäßig überprüft werden (jeweils starke Empfehlung) [1]. Die Leitlinie empfiehlt [1]:
- Antikörper und JAK-Hemmer: Bei Menschen ab 12 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis, für die eine systemische Therapie infrage kommt, sollen die Antikörper Dupilumab, Lebrikizumab, Nemolizumab und Tralokinumab und die JAK-Hemmer Upadacitinib, Abrocitinib und Baricitinib eingesetzt werden. Dupilumab soll außerdem bei Kindern von 6 Monaten bis 11 Jahren mit schwerer Neurodermitis eingesetzt werden, wenn eine systemische Therapie infrage kommt.
- Vor JAK-Hemmern: Vor der Behandlung sollen ein Screening und im Verlauf Kontrollen erfolgen; bei früheren Thrombosen oder Embolien (thromboembolischen Ereignissen) und bei genetisch bedingt erhöhtem Thromboserisiko sollen sie nicht eingesetzt werden.
- Ciclosporin: Ciclosporin kann bei Erwachsenen als Intervalltherapie erwogen werden; Nutzen und Risiken sollen individuell geprüft werden.
- Kortisontabletten: Systemische Glukokortikoide wie Prednisolon sollten ausschließlich als Kurzzeittherapie bei akuten Schüben bis höchstens 3 Wochen eingesetzt werden; eine Langzeitbehandlung soll nicht erfolgen.
Welches Mittel im Einzelfall am besten geeignet ist, soll laut Leitlinie gemeinsam mit den Betroffenen ausgewählt werden [1]. Laut Fachinformation sind Dupilumab und Upadacitinib ab 12 Jahren für mittelschwere bis schwere Neurodermitis zugelassen, Dupilumab außerdem ab 6 Monaten für schwere Neurodermitis, jeweils wenn eine systemische Therapie infrage kommt [9, 10]. Ciclosporin wird laut Packungsbeilage unter anderem bei schweren Fällen von Neurodermitis angewendet; bei Kindern darf es dafür nicht angewendet werden [11]. Mehr: Glukokortikoide.
Mittel gegen Juckreiz
Gegen den Juckreiz sollen laut Leitlinie entzündungshemmende Mittel zum Auftragen und systemische Mittel bedarfsgerecht eingesetzt werden. Antihistaminika zum Auftragen sollen nicht zur Juckreizbehandlung eingesetzt werden, Antihistaminika zum Einnehmen nicht als Langzeitbehandlung (jeweils starke Empfehlung) [1]. Laut IQWiG haben sie in Studien keine überzeugende Wirkung gezeigt; bei gleichzeitigen allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen können sie sinnvoll sein [3]. Von müde machenden Antihistaminika bei Kindern rät laut Leitlinie eine Kommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ab [1]. Mehr: Antihistaminika.
Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sollen laut Leitlinie Kortisonpräparate der Klasse II oder III zum Auftragen eingesetzt werden; reicht die Behandlung zum Auftragen nicht, soll eine UV-Therapie mit Schmalspektrum-UVB oder UVA1 eingesetzt werden. JAK-Hemmer sollen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, Dupilumab sollte wegen mangelnder Erfahrung nicht angewendet werden; eine Langzeittherapie mit Kortisontabletten soll nicht erfolgen [1]. Packungsbeilagen schränken die Anwendung teils ein: Laut Packungsbeilage von Advantan (Methylprednisolonaceponat) sollten in den ersten 3 Monaten einer Schwangerschaft grundsätzlich keine kortisonhaltigen Präparate zum Auftragen angewendet werden [4]; Kortikoid-ratiopharm (Triamcinolon) und Upadacitinib dürfen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden [5, 10]. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Kortison zum Auftragen: Örtliche Nebenwirkungen sind laut Leitlinie vor allem eine Verdünnung der Haut mit sichtbarer Fältelung, erweiterte Äderchen, Dehnungsstreifen, Blutergüsse und vermehrte Behaarung; sie treten bei älteren Präparaten der Klassen III und IV häufiger auf als bei neueren, doppelt veresterten und schwächeren [1]. Im Gesicht kann eine unangemessene Langzeitanwendung stark oder sehr stark wirksamer Präparate eine rosazeaähnliche oder periorale Dermatitis auslösen, und die Haut kann von Kortison abhängig werden ("Red-Skin-Syndrom") [1]. Verschwommenes Sehen und eine Netzhauterkrankung (zentrale seröse Chorioretinopathie) sind laut einer Risikoinformation des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 14.06.2017 ein Problem der gesamten Gruppe der Kortikosteroide (Feststellung der europäischen Koordinierungsgruppe CMDh) [12]; bei Sehstörungen wenden Sie sich laut Packungsbeilage von Advantan an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [4]. Mehr: Sehstörungen.
Calcineurin-Hemmer: Das Brennen und Jucken unter Tacrolimus-Salbe war laut Fachinformation gewöhnlich leicht oder mäßig und verschwand in der Regel innerhalb einer Woche; häufig war eine Unverträglichkeit von Alkohol mit Rötung der Gesichtshaut oder Hautreizungen [7]. Herpes-simplex-Infektionen am Auge nennt die Produktinformation seit 2016 mit nicht bekannter Häufigkeit, laut BfArM besonders bei Anwendung in Augennähe [7, 16]. Unter Pimecrolimus sind laut Packungsbeilage Hautinfektionen wie eine Haarbalgentzündung häufig, gelegentlich Fieberbläschen, Gürtelrose oder ein Eczema herpeticatum [8].
Dupilumab: In den Studien zu Neurodermitis traten laut Fachinformation häufig Augenjucken, Lidrandentzündung (Blepharitis) und trockenes Auge auf, gelegentlich Hornhautentzündungen (Keratitis), auch mit Geschwüren; einige Behandelte berichteten von verschwommenem Sehen. Selten sind schwerwiegende allergische Reaktionen wie eine anaphylaktische Reaktion [9]. Treten Augenprobleme auf oder verschlechtern sie sich, auch Augenschmerzen oder Veränderungen des Sehvermögens, sprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [9].
JAK-Hemmer: Unter Upadacitinib ist laut Produktinformation auch nicht melanozytärer Hautkrebs häufig [10]. Laut einem Rote-Hand-Brief vom 17.03.2023 wurde bei Menschen mit rheumatoider Arthritis, die bestimmte Risikofaktoren hatten, unter JAK-Hemmern eine erhöhte Häufigkeit von bösartigen Erkrankungen, schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignissen, schwerwiegenden Infektionen, venösen Thromboembolien und Todesfällen beobachtet als unter TNF-alpha-Hemmern. Diese Risiken gelten als Klasseneffekte für alle zugelassenen Anwendungsgebiete. Bei Menschen ab 65 Jahren, Rauchenden oder ehemals langjährig Rauchenden und bei anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen sollten JAK-Hemmer nur angewendet werden, wenn keine geeigneten Alternativen zur Verfügung stehen; bei anderen Risikofaktoren für venöse Thromboembolien sollten JAK-Hemmer mit Vorsicht angewendet werden; regelmäßige Hautuntersuchungen werden bei allen empfohlen [13]. Bei Einsatz von JAK-Hemmern soll laut Leitlinie ab 18 Jahren eine Impfung gegen Gürtelrose nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erfolgen [1].
Ciclosporin: Während der Behandlung einer Neurodermitis müssen Sie laut Packungsbeilage jede UVB-Bestrahlung oder Lichttherapie vermeiden [11]. Mehr: Blutdruckanstieg und Nierenschäden.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie auch direkt dem BfArM melden [4]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Neurodermitis
Kratzen ist laut IQWiG eine natürliche Reaktion, kann aber Komplikationen begünstigen und den Juckreiz verstärken; bei Kindern kann es helfen, die Nägel kurz zu schneiden. Selbsthilfegruppen sind eine Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, und bei starker Neurodermitis kann eine ambulante oder stationäre Rehabilitation infrage kommen [2].
Impfungen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Neurodermitis sollen laut Leitlinie nach den STIKO-Empfehlungen regulär geimpft werden; bei einem akuten Schub sollte erwogen werden, die Impfung aufzuschieben, bis sich die Haut bestmöglich stabilisiert hat [1]. Lebendimpfstoffe dürfen während einer Systemtherapie mit Immunsuppressiva nicht gegeben werden [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Ausbreitende Herpes-Infektion: Auf der entzündeten Haut können sich Herpes-Viren leichter ausbreiten; es bilden sich kleine Bläschen, es kann zu Fieber und Abgeschlagenheit kommen. Breitet sich die Infektion auf weitere Hautstellen aus, ist laut IQWiG schnelle ärztliche Hilfe wichtig [2]. Todesfälle nach einem Eczema herpeticatum sind laut Leitlinie bekannt [1]. Breitet sich eine bakterielle Infektion aus, ist laut IQWiG in der Regel eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich [2].
Unter Medikamenten: Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion wie Atemproblemen oder Schwellungen von Gesicht, Lippen, Mund, Rachen oder Zunge beenden Sie laut Packungsbeilage von Dupilumab die Anwendung und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder fordern umgehend medizinische Hilfe an [9]. Laut Packungsbeilage von Upadacitinib beenden Sie bei Nesselsucht, Atembeschwerden oder Schwellungen von Lippen, Zunge oder Hals die Einnahme und suchen sofort medizinische Hilfe auf; plötzliche Kurzatmigkeit, Schmerzen im Brustraum oder Schwellungen und Schmerzen der Beine können Zeichen von Blutgerinnseln in den Venen sein; informieren Sie dann Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [10]. Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion kurz nach dem Auftragen von Pimecrolimus wenden Sie die Creme nicht weiter an und informieren umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [8].
Schwere Atemnot und Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112; sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [14].
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (AD) (Neurodermitis, atopisches Ekzem), Langfassung (AWMF-Register-Nr. 013-027). Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und weitere Fachgesellschaften, Koordination Prof. Dr. Thomas Werfel und Prof. Dr. Hagen Ott; Fassung auf dgaki.de (Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie). Stand Stand 29.06.2026, gültig bis 15.06.2028. abgerufen am 18.10.2026
- Neurodermitis bei Babys, Kleinkindern und Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.01.2021. abgerufen am 18.10.2026
- Neurodermitis: Lichttherapie, Tabletten und Spritzen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.01.2021. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Advantan 0,1 % Creme (Methylprednisolonaceponat). LEO Pharma A/S. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Kortikoid-ratiopharm 0,1 % Creme (Triamcinolonacetonid). ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Kortikoid-ratiopharm 0,1 % Creme (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Protopic 0,03 %/0,1 % Salbe (Tacrolimus), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. LEO Pharma A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 12/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Elidel 10 mg/g Creme (Pimecrolimus). Viatris Healthcare GmbH. Stand 12/2022. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Dupixent (Dupilumab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Sanofi Winthrop Industrie (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Rinvoq (Upadacitinib), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage RINVOQ Retardtabletten. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ciclosporin Pro 100 mg Weichkapseln. TEVA GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Kortikosteroide: Nebenwirkungen am Auge. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Risikoinformation. Stand 14.06.2017. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Cibinqo, Jyseleca, Olumiant, Rinvoq und Xeljanz: Aktualisierte Empfehlungen zur Minimierung der Risiken für maligne Erkrankungen, schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse, schwerwiegende Infektionen, venöse Thromboembolie und Mortalität. AbbVie, Galapagos, Lilly und Pfizer in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). Stand 17.03.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationen für medizinische Fachkreise: Wichtige Empfehlungen für die richtige Anwendung von PROTOPIC (Tacrolimus) (0,03% und 0,1%) Salbe zur Minimierung von Risiken. Astellas Pharma Europe, genehmigt von der Europäischen Arzneimittel-Agentur und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), veröffentlicht vom BfArM. Stand 11.05.2012. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Protopic: Herpes-simplex-Infektion am Auge (Risikoinformation, Wirkstoff Tacrolimus). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 28.01.2016. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen bei Neurodermitis?
Grundlage ist laut S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (Stand 29.06.2026) die Basistherapie mit Emollienzien. Bei Ekzemen sollen Kortison (topische Glukokortikoide) und Calcineurin-Hemmer wie Tacrolimus und Pimecrolimus zum Auftragen eingesetzt werden. Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis empfiehlt die Leitlinie für Menschen ab 12 Jahren, für die eine systemische Therapie infrage kommt, mit "soll" unter anderem die Antikörper Dupilumab, Lebrikizumab, Nemolizumab und Tralokinumab sowie die JAK-Hemmer Abrocitinib, Baricitinib und Upadacitinib. Ciclosporin kann bei Erwachsenen als Intervalltherapie erwogen werden. Welches Mittel passt, soll laut Leitlinie gemeinsam mit Ihnen entschieden werden.
Ist Kortisoncreme bei Neurodermitis gefährlich?
Kortison zum Auftragen soll laut Leitlinie bei akuten Schüben eingesetzt werden; auf Bedenken und Ängste soll angemessen eingegangen werden. Örtliche Nebenwirkungen wie eine Verdünnung der Haut treten laut Leitlinie bei älteren, stark und sehr stark wirksamen Wirkstoffen häufiger auf als bei neueren, doppelt veresterten und schwächeren. Im Gesicht kann eine unangemessene Langzeitanwendung stark oder sehr stark wirksamer Präparate eine rosazeaähnliche oder periorale Dermatitis auslösen. Wie häufig Nebenwirkungen sind, hängt vom Wirkstoff ab: Bei Advantan Creme (Methylprednisolonaceponat) sind Brennen und Juckreiz an der Anwendungsstelle laut Packungsbeilage häufig.
Was ist die proaktive Therapie?
Bei der proaktiven Therapie wird laut Leitlinie nach einem abgeheilten Schub ein entzündungshemmendes Mittel in der Regel zweimal wöchentlich auf die zuvor entzündeten Hautstellen aufgetragen, zusammen mit der täglichen Basistherapie am ganzen Körper. Sie soll mit einem geeigneten Kortison oder Calcineurin-Hemmer bedarfsgerecht durchgeführt werden, um das Risiko neuer Schübe zu verringern. Wie lange, richtet sich nach Schweregrad und Verlauf.
Helfen Antihistaminika gegen den Juckreiz?
Antihistaminika zum Einnehmen sollen laut Leitlinie nicht als Langzeitbehandlung gegen Juckreiz bei Neurodermitis verwendet werden, Antihistaminika zum Auftragen überhaupt nicht zur Juckreizbehandlung. Laut IQWiG haben sie in Studien keine überzeugende Wirkung gezeigt; bei gleichzeitigen allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen können sie sinnvoll sein. Gegen den Juckreiz sollen laut Leitlinie entzündungshemmende Behandlungen zum Auftragen und im ganzen Körper bedarfsgerecht eingesetzt werden.
Welche Creme hilft bei Neurodermitis im Gesicht?
Für Gesicht, Hautfalten und Anogenitalbereich sollen laut Leitlinie Calcineurin-Hemmer wie Tacrolimus oder Pimecrolimus als bevorzugte Langzeittherapie eingesetzt werden, weil sie keine Verdünnung der Haut auslösen. Kortison sollte im Gesicht, wenn überhaupt, nur wenige Tage und nur in schwacher bis mittlerer Wirkstärke angewendet werden. Bei einem akuten Schub kann eine Erstbehandlung mit Kortison erwogen werden, um Brennen und Stechen durch Calcineurin-Hemmer gering zu halten.
Wann kommen Spritzen oder Tabletten infrage?
Eine Behandlung im ganzen Körper ist laut Leitlinie angezeigt, wenn sich die Neurodermitis mit Behandlungen zum Auftragen, bei Erwachsenen gegebenenfalls auch mit einer UV-Lichttherapie, nicht ausreichend kontrollieren lässt. Infrage kommen Antikörper wie Dupilumab, die gespritzt werden, JAK-Hemmer wie Upadacitinib als Tabletten und Ciclosporin. Die Systemtherapie soll bei entzündlichen Hautstellen mit einer entzündungshemmenden Behandlung zum Auftragen kombiniert werden. Kortisontabletten sollten nur kurz, höchstens 3 Wochen, bei akuten Schüben eingesetzt werden.
Was hilft Babys und Kindern mit Neurodermitis?
Auch bei Kindern stehen Basistherapie und das Meiden von Auslösern am Anfang. Harnstoffhaltige Pflegemittel sind laut IQWiG für Babys und Kinder eher nicht geeignet, weil sie die Haut reizen können. Bei Kindern sind laut Leitlinie in der Regel schwach bis mittelstark wirksame Kortisonpräparate zu verwenden. Methylprednisolonaceponat-Creme (Advantan) wird laut Packungsbeilage für Kinder unter 3 Jahren wegen fehlender Sicherheitsdaten nicht empfohlen. Pimecrolimus-Creme wird laut Packungsbeilage ab 3 Monaten bei leichter oder mittelschwerer Neurodermitis angewendet, Tacrolimus-Salbe laut Fachinformation ab 2 Jahren nur mit 0,03 % (mit 0,1 % ab 16 Jahren), Dupilumab bei schwerer Neurodermitis ab 6 Monaten, wenn eine systemische Therapie in Betracht kommt. Für Eltern gibt es Neurodermitis-Schulungen, die laut IQWiG viele Krankenkassen bezahlen.
Ist Neurodermitis heilbar?
Laut IQWiG ist Neurodermitis eine chronische Erkrankung und nicht heilbar; mit Hautpflege und Medikamenten lassen sich Juckreiz und Ausschläge aber gut in den Griff bekommen. Spontanheilung ist laut Leitlinie jederzeit möglich. Bis zum frühen Erwachsenenalter sind etwa 60 Prozent der erkrankten Kinder ohne Beschwerden, mindestens 30 Prozent haben zumindest zeitweise auch als Erwachsene Ekzeme.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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