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Lippenherpes
Lippenherpes ist eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren, vor allem vom Typ 1, die lebenslang im Körper bleiben und immer wieder schmerzhafte Bläschen an der Lippe auslösen können; die Beschwerden klingen laut IQWiG normalerweise nach 1 bis 2 Wochen von selbst ab. Eine Behandlung ist laut IQWiG normalerweise nicht notwendig: Rezeptfreie Cremes, Gele oder Salben mit Aciclovir oder Penciclovir und rezeptpflichtige virushemmende Tabletten können das Abheilen etwas beschleunigen, wenn die Behandlung bei den ersten Anzeichen beginnt, auf jeden Fall innerhalb von 24 Stunden. Ärztlichen Rat brauchen Sie laut Packungsbeilage, wenn sich die Haut unter einer Aciclovir-Creme verschlechtert oder die Bläschen nach spätestens 10 Tagen nicht verkrustet oder abgeheilt sind; bei stark geschwächter Abwehr sollte laut Fachinformation vor jeder Behandlung eine Ärztin oder ein Arzt gefragt werden.

Lippenherpes ist lästig, klingt aber normalerweise nach 1 bis 2 Wochen von selbst ab [1]. Eine Behandlung ist deshalb laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) normalerweise nicht notwendig [1]. Wer das Abheilen etwas beschleunigen möchte, kann rezeptfreie Cremes, Gele oder Salben mit Aciclovir oder Penciclovir verwenden; wichtig ist, damit gleich bei den ersten Anzeichen zu beginnen [1, 2].
Was ist Lippenherpes?
Lippenherpes (Herpes labialis) wird durch Herpes-simplex-Viren verursacht. Es gibt zwei Typen: Für Lippenherpes ist vor allem das Virus vom Typ 1 (HSV-1) verantwortlich, Typ 2 (HSV-2) löst dagegen Genitalherpes aus [1, 4]. Nach der Ansteckung setzen sich die Viren in Nervenknoten (Ganglien) des Gesichtsnervs (Trigeminus) fest und bleiben dort lebenslang. Bei einem Ausbruch wandern sie entlang der Nervenfasern in die Lippen und lösen dort die typischen Beschwerden aus [1].
In Deutschland tragen schätzungsweise 60 bis 90 % der Menschen das Herpes-simplex-Virus Typ 1 in sich; mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, sich angesteckt zu haben [1]. Viele merken davon nichts. Man schätzt, dass eine Infektion bei etwa 20 bis 40 % der Trägerinnen und Träger irgendwann zu Lippenherpes führt [1]. Meist steckt man sich schon in der frühen Kindheit an [1].
Symptome und Verlauf
Zuerst juckt oder kribbelt es an einer Stelle der Ober- oder Unterlippe. Die Haut spannt und rötet sich, und es bilden sich schmerzhafte Bläschen, die sich auch auf die umliegende Haut, in die Mundhöhle oder Richtung Nase ausbreiten können [1]. Typischerweise ist nur eine Seite der Lippen betroffen [4]. Bei vielen kündigt sich ein Ausbruch einige Stunden oder einen Tag vorher durch Kribbeln oder Jucken an [1].
Beim Sprechen, Lachen oder Kauen reißen die Bläschen leicht ein und nässen; Saft, Essig oder säuerliche Lebensmittel können die Wunde reizen. Beim Abheilen bilden sich Schorf oder Krusten, die ebenfalls einreißen und bluten können [1]. Nach etwa 1 bis 2 Wochen ist der Lippenherpes wieder verschwunden, sichtbare Narben bleiben nicht zurück [1].
Wer immer wieder Lippenherpes bekommt, hat in der Regel 1 bis 2 Ausbrüche im Jahr; bei etwa 5 bis 10 % der Betroffenen sind es mehr als 5 im Jahr. Die Beschwerden werden mit der Zeit oft schwächer [1].
Erste Ansteckung: Tritt Lippenherpes zum ersten Mal auf, oft im Kleinkindalter, verursacht er oft heftigere Beschwerden, weil der Körper noch keine Antikörper gebildet hat. Es kann zu Fieber, Schwäche und geschwollenen Lymphknoten im Nacken kommen, und die Mundschleimhaut kann sich stark entzünden und schmerzen. Diese Entzündung heißt auch Mundfäule, weil sie zu starkem Mundgeruch führt [1].
Mögliche Folgen: Bei sonst gesunden Menschen klingt Lippenherpes folgenlos ab [1]. Bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder schweren Verbrennungen kann das Virus größere Hautbereiche besiedeln; das kommt eher selten vor. Ebenfalls selten entzünden sich die Augen, zum Beispiel mit Bläschen auf den Lidern. Ist die Hornhaut betroffen, tränt das Auge, ist gerötet, und es kann zu Sehstörungen kommen [1]. Bei stark geschwächtem Immunsystem, etwa durch eine Chemotherapie, kann ein Lippenherpes länger dauern, ausgeprägter sein und zu schweren Komplikationen wie einer Gehirnentzündung führen [1].
Ansteckung und Auslöser
Die Viren befinden sich in der Flüssigkeit der Bläschen. Sie können beim Küssen übertragen werden, aber auch über Gegenstände oder Finger, die man zum Mund führt [1]. Beim Oralverkehr können sie in den Genitalbereich der anderen Person gelangen; so können Viren vom Typ 1 auch Genitalherpes auslösen [1].
Die meiste Zeit hält das Immunsystem die Viren in Schach. Ein Ausbruch ist wahrscheinlicher, wenn die Abwehr geschwächt ist [3]. Als mögliche Auslöser gelten laut IQWiG vor allem [3]:
- Sonnenlicht und künstliche UV-Strahlen,
- Erkältungen und Fieber,
- kleine Verletzungen und Risse an den Lippen,
- körperliche Belastungen und psychischer Stress,
- die Einnahme von Kortisonpräparaten,
- hormonelle Schwankungen, etwa im Rahmen des weiblichen Zyklus.
Warum einige Menschen immer wieder Lippenherpes bekommen und andere nicht, ist nicht vollständig geklärt [1]. Dass Ekel einen Ausbruch auslöst, ist nicht durch Studien belegt [3].
Medikamente als Auslöser: Kortisonpräparate gelten als möglicher Auslöser; mehr zu dieser Wirkstoffgruppe unter Glucocorticoide [3]. Welche Medikamente die Abwehr schwächen können, steht unter Infektanfälligkeit durch Medikamente.
Diagnose
Lippenherpes lässt sich leicht an den typischen Symptomen erkennen; wer ihn schon einmal hatte, weiß meist bei den ersten Anzeichen, was kommt. Ein Arztbesuch ist bei normalem Verlauf in der Regel nicht nötig [1]. Tritt die Herpes-Infektion an anderen Hautstellen auf, was selten ist, kann die Ärztin oder der Arzt Flüssigkeit aus den Bläschen entnehmen (Abstrich) und im Labor auf Herpesviren untersuchen lassen [1].
Ohne Medikamente: Auslöser meiden und andere schützen

Wer festgestellt hat, dass Ausbrüche nach bestimmten Situationen häufiger kommen, etwa nach einem Sonnenbad, kann versuchen, diese Auslöser zu meiden oder sich zu schützen und zum Beispiel Sonnencreme oder eine gute Lippenpflege ausprobieren [1, 3]. Die meisten Auslöser lassen sich allerdings nicht oder nur bedingt vermeiden. Ob der Verzicht auf Solarium oder anstrengenden Sport Ausbrüche verhindert, ist nicht gut untersucht [3]. Auch Lysin, Laserbestrahlung, örtliche Wärme und Hypnose sind kaum erforscht; ob sie helfen, ist unklar [3].
Andere schützen: Bis die Bläschen und Krusten vollständig abgeheilt sind, schützen Sie andere laut IQWiG, indem Sie [1]:
- niemanden küssen,
- keine Handtücher, kein Geschirr und Besteck teilen,
- die Hände waschen, wenn Sie sich an die Lippe gefasst haben, etwa nach dem Auftragen von Salbe,
- Sport mit Körperkontakt meiden,
- keinen Oralsex haben.
Außerhalb eines Ausbruchs ist eine Ansteckung theoretisch möglich. Weil das nur sehr selten passiert, kann man auf Vorsichtsmaßnahmen verzichten, solange man gerade keinen Lippenherpes hat [1].
Säuglinge: Neugeborene bis zur achten Lebenswoche sind wegen ihres noch unreifen Immunsystems besonders gefährdet. Wer Lippenherpes hat, sollte einen Säugling nicht küssen, seinen Schnuller nicht in den Mund nehmen, sich regelmäßig die Hände waschen und verhindern, dass das Kind versehentlich die Bläschen berührt [1, 4].
Pflaster und Make-up: Um die betroffene Stelle zu schützen, gibt es kleine Herpespflaster. Beim Entfernen können sich aufgeweichte Krusten lösen und bluten; auch hier sind Hygiene und behutsames Vorgehen wichtig [1]. Über Finger und benutzte Schminkartikel können sich die Viren leicht verbreiten; Überschminken könnte zudem das Abheilen stören, etwa wenn dabei Bläschen und Krusten einreißen [1]. Eingefärbte Cremes gegen Herpesviren können die Rötung, zumindest bei hellhäutigen Menschen, etwas kaschieren [1].
Behandlung mit Medikamenten
Weil Lippenherpes von selbst abklingt, ist eine Behandlung normalerweise nicht notwendig [1]. Infrage kommen virushemmende Mittel (Virostatika): zum Auftragen als Creme, Gel, Salbe oder Pflaster mit Aciclovir oder Penciclovir, rezeptfrei in der Apotheke, oder als Tabletten mit Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir, nur auf Rezept [1, 2]. Damit sie wirken können, sollte die Behandlung beginnen, sobald die ersten Symptome auftreten, auf jeden Fall innerhalb von 24 Stunden. Später helfen sie möglicherweise nicht mehr, weil sich die Viren dann schon zu weit entlang der Nervenfasern ausgebreitet haben [2].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Virushemmende Mittel zum Auftragen, rezeptfrei, laut IQWiG mit Aciclovir oder Penciclovir [1, 2] | Aciclovir-Creme, laut Packungsbeilage zur lindernden Behandlung von Schmerzen und Juckreiz bei häufig wiederkehrendem Lippenherpes [5] | Wird erst in Zellen wirksam, die mit Herpesviren infiziert sind: Ein Enzym des Virus (Thymidinkinase) aktiviert es, körpereigene Enzyme machen daraus Aciclovir-Triphosphat. Dieses hemmt das Enzym, mit dem das Virus sein Erbgut kopiert (Virus-DNS-Polymerase), und führt zum Kettenabbruch bei der Virus-DNS [6] | Laut Packungsbeilage keine häufigen; gelegentlich: vorübergehendes Brennen oder Stechen, Eintrocknung oder Abschuppung der behandelten Haut, Juckreiz [5] |
| Virushemmende Tabletten, verschreibungspflichtig, laut IQWiG mit Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir [2] | Aciclovir-Tabletten, laut Packungsbeilage zur Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen der Haut und von Genitalherpes [7] | Wie oben: wird in infizierten Zellen aktiviert und hemmt die Virus-DNS-Polymerase [8] | Häufig: Hautausschlag, Juckreiz und erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Schwindel, Kopfschmerzen [7] |
Häufig bedeutet laut Packungsbeilage bei 1 bis 10 von 100 Behandelten, gelegentlich bei 1 bis 10 von 1.000 [5, 7]. Jede Angabe gilt nur für das Mittel, bei dem sie steht; mehr im Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Cremes, Gele und Salben
Mit Cremes, Gels und Salben mit Aciclovir oder Penciclovir klingen die Beschwerden laut IQWiG etwas früher ab und fallen etwas schwächer aus; wer nicht die 1 bis 2 Wochen bis zum Abheilen warten möchte, kann es damit zumindest ein wenig beschleunigen [2]. Teilweise können solche Mittel auch verhindern, dass sich Bläschen und Krusten bilden [1]. Die Behandlung dauert laut IQWiG 5 Tage [2], bei der Aciclovir-Creme von ratiopharm laut Packungsbeilage im Allgemeinen 5 Tage [5]. Wie oft die Mittel aufgetragen werden, steht in der Packungsbeilage des jeweiligen Präparats.
Die Aciclovir-Creme ist apothekenpflichtig [6]. Sie wird mit einem Wattestäbchen aufgetragen und soll nicht nur die sichtbaren Bläschen, die Schwellung und die Rötung bedecken, sondern auch die angrenzende Haut. Wer mit der Hand aufträgt, reinigt sie vorher und nachher gründlich, damit keine Bakterien in die Haut gelangen und die Viren nicht auf andere Stellen übertragen werden [5]. Für einen größtmöglichen Behandlungserfolg sollte die Creme laut Packungsbeilage schon bei den ersten Anzeichen wie Brennen, Jucken, Spannungsgefühl und Rötung aufgetragen werden [5]. Haben die Bläschen das Krustenstadium erreicht, ist die Behandlung mit einer Aciclovir-Creme laut Fachinformation nicht mehr sinnvoll; eine Behandlungsdauer von 10 Tagen sollte nicht überschritten werden [6].
Die Creme darf nicht auf Schleimhäute wie in der Mundhöhle oder am Auge aufgetragen werden, weil sonst mit Reizungen zu rechnen ist; besonders sollte sie nicht versehentlich ins Auge gelangen [5]. Bei einer schweren Störung der körpereigenen Abwehr sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; laut Fachinformation sollte bei stark immungeschwächten Menschen die Einnahme von Aciclovir in Betracht gezogen werden [5, 6]. Nicht angewendet werden darf die Creme bei einer Allergie gegen Aciclovir, Valaciclovir, Propylenglycol oder einen anderen Bestandteil [5]. Mehr zu Aciclovir, auch zur Anwendung laut Packungsbeilage, unter Aciclovir: Dosierung.
Tabletten
Die virushemmenden Mittel Aciclovir, Famciclovir und Valaciclovir gibt es auch als Tabletten. Sie können die Erkrankung bei ansonsten gesunden Menschen laut IQWiG etwas verkürzen [2]. Ob sie besser wirken als eine Behandlung zum Auftragen, ist unklar [1, 2]. Die Behandlung dauert laut IQWiG je nach Mittel und Dosierung 1 bis 7 Tage [2]; wie oft die Tabletten eingenommen werden, steht in der Packungsbeilage, für Aciclovir unter Aciclovir: Dosierung. Bei Menschen mit einer Nierenschwäche kann eine niedrigere Dosierung notwendig sein [2]. Deutlich größer ist die schützende Wirkung von Tabletten laut IQWiG bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel während einer Chemotherapie [1].
Aciclovir-Tabletten werden laut Packungsbeilage zur Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen der Haut angewendet; zur Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen bei Neugeborenen und schweren Herpes-simplex-Erkrankungen bei Kindern mit unterdrückter Abwehr werden sie nicht empfohlen [7]. Sie sollten so früh wie möglich nach den ersten Anzeichen einer Infektion eingenommen werden, bei wiederkehrenden Infektionen schon bei ersten Anzeichen wie Juckreiz, Spannungsgefühl oder ersten Bläschen; die Behandlung dauert laut Packungsbeilage 5 Tage und kann je nach Beschwerden verlängert werden [7]. Aciclovir-Tabletten sind verschreibungspflichtig [8]. Valaciclovir ist laut Fachinformation der L-Valin-Ester von Aciclovir und wird im Körper rasch und fast vollständig zu Aciclovir umgewandelt [9]. Zugelassen ist es unter anderem zur Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen der Haut und Schleimhäute; für Lippenherpes bei Erwachsenen und Jugendlichen sieht die Fachinformation eine Behandlung an einem einzigen Tag vor [9]. Famciclovir nennt das IQWiG als weiteren Wirkstoff [2].
Vorbeugung mit Tabletten
Für Menschen, die häufig Lippenherpes haben und sich dadurch sehr beeinträchtigt fühlen, kommt laut IQWiG eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden Tabletten infrage, kurzfristig für etwa eine Woche, zum Beispiel vor und während eines Skiurlaubs, oder über mehrere Monate [3]. Für diese Vorbeugung bei gesunder Abwehr sind die Mittel laut IQWiG nicht zugelassen, sondern nur zur Vorbeugung anderer Herpeserkrankungen; die Anwendung bei Lippenherpes ist ein nicht bestimmungsmäßiger Gebrauch (Off-Label-Use), für den besondere Regelungen gelten [3]. Aciclovir-Tabletten sind laut Fachinformation zur Vorbeugung bei Erwachsenen zugelassen, die an sehr schweren Verlaufsformen sehr häufig wiederkehrender Herpes-simplex-Infektionen im Genitalbereich leiden [8]. Mehr dazu im Ratgeber Off-Label-Use. Wie gut eine solche Vorbeugung bei gesundem Immunsystem schützt, ist kaum untersucht; mögliche Risiken einer langfristigen Einnahme von Aciclovir sind ebenfalls nicht gut untersucht [1, 3].
Anders bei geschwächter Abwehr: Bei Menschen, die eine Chemotherapie oder Knochenmarktransplantation erhalten, können virushemmende Medikamente laut IQWiG das Risiko für Herpes-Ausbrüche deutlich senken [3]. Aciclovir-Tabletten sind laut Fachinformation auch zur Vorbeugung schwerer Herpes-simplex-Infektionen bei stark immunsupprimierten Erwachsenen mit erhöhtem Infektionsrisiko zugelassen, zum Beispiel nach Organtransplantationen [8]. Cremes, Gele oder Salben haben in Studien keine vorbeugende Wirkung gezeigt; Fachleute gehen davon aus, dass die Wirkstoffe nicht bis in die befallenen Nervenzellen vordringen [3].
Schwangerschaft und Stillzeit
Die Aciclovir-Creme sollte laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nach Abwägung von Nutzen und möglichen Risiken angewendet werden. Ein Schwangerschaftsregister, das seit der Markteinführung Schwangerschaften mit Aciclovir dokumentiert, zeigt keine Erhöhung der Zahl von Geburtsschäden verglichen mit der Normalbevölkerung [5]. Aciclovir-Tabletten nehmen Sie laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nur ein, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es ausdrücklich für erforderlich hält [7]. Laut Embryotox, dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité, darf Aciclovir bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft äußerlich und innerlich verwendet werden; den Erfahrungsumfang gibt Embryotox mit "sehr hoch" an [10].
In der Stillzeit ist die Menge, die ein Kind nach Anwendung der Creme bei der Mutter aufnimmt, laut Packungsbeilage vernachlässigbar [5]. Während einer Behandlung mit Aciclovir-Tabletten soll laut Packungsbeilage nicht gestillt werden [7]; laut Embryotox kann bei äußerlicher oder innerlicher Behandlung mit Aciclovir uneingeschränkt weiter gestillt werden [10]. Mehr unter Aciclovir in der Schwangerschaft und in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Aciclovir-Creme: Gelegentlich treten laut Packungsbeilage vorübergehendes Brennen oder Stechen, Eintrocknung oder Abschuppung der behandelten Haut und Juckreiz auf. Selten sind Rötung und eine allergische Hautreaktion (Kontaktdermatitis); sie ist daran zu erkennen, dass diese Beschwerden verstärkt auftreten und über die behandelten Stellen hinausgehen [5]. Sehr selten, also bei weniger als 1 von 10.000 Behandelten, kommt es zu plötzlichen Überempfindlichkeitsreaktionen mit Schwellungen von Gesicht, Lippen oder Rachen (Angioödem) sowie zu Hautausschlag, Juckreiz oder Nesselsucht [5]. Der enthaltene Hilfsstoff Propylenglycol kann Hautreizungen hervorrufen, Cetylstearylalkohol örtlich begrenzte Hautreaktionen [5]. Mehr dazu: Juckreiz und Arzneimittelallergie.
Aciclovir-Tabletten: Mehr zu den häufigen Nebenwirkungen aus der Tabelle steht auf den Seiten Hautausschlag, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Fieber, Müdigkeit und Nesselsucht [7]. Sehr selten kommt es zu Erscheinungen am Nervensystem wie Unruhe, Verwirrtheit, Zittern, Wahnvorstellungen, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit, für gewöhnlich bei geschädigter Nierenfunktion oder anderen begünstigenden Erkrankungen [7]. Ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion haben laut Fachinformation ein erhöhtes Risiko für solche Nebenwirkungen [8]. Bei hohen Dosen oder eingeschränkter Nierenfunktion achten Sie laut Packungsbeilage darauf, ausreichend zu trinken [7].
Warnzeichen: Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion, etwa plötzlichen Schwierigkeiten beim Atmen, Sprechen oder Schlucken, Schwäche, Blutdruckabfall oder Schwellungen von Lippen, Zunge, Gesicht und Hals, oder bei den genannten Erscheinungen am Nervensystem dürfen Sie die Tabletten laut Packungsbeilage nicht mehr einnehmen. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe [7].
Valaciclovir: Sehr häufig, also bei mindestens 1 von 10 Behandelten, sind laut Fachinformation Kopfschmerzen; häufig sind Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge einschließlich Lichtempfindlichkeitsreaktionen und Juckreiz [9]. Berichtet wurde außerdem über eine Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), die lebensbedrohlich oder tödlich sein kann; über ihre Anzeichen sollte bei der Verschreibung informiert werden [9]. Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen. Mit unbekannter Häufigkeit nennt die Fachinformation eine Nierenentzündung (tubulo-interstitielle Nephritis) [9]; mehr unter Nierenschäden.
Haben Sie eine Nebenwirkung im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Lippenherpes
Die meisten Menschen, die hin und wieder Lippenherpes bekommen, sind dadurch wenig eingeschränkt. Krankschreiben lassen muss man sich nicht, und Schülerinnen und Schüler müssen dem Unterricht nicht fernbleiben [1, 4]. Die Beschwerden können aber belasten, und darauf zu achten, die Viren nicht zu verbreiten, kann anstrengend sein [1]. Manche fühlen sich durch die sichtbaren Bläschen weniger attraktiv und ziehen sich bei einem Ausbruch zurück; vielen anderen fällt Lippenherpes aber gar nicht auf oder zumindest nicht negativ, weil sie das Problem selbst kennen [1]. Fragen für die Praxis sammeln Sie mit dem Werkzeug Fragen für das Arztgespräch.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Bei normalem Verlauf ist ein Arztbesuch wegen Lippenherpes in der Regel nicht nötig [1]. Wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt, wenn sich die Hauterscheinungen während der Behandlung mit einer Aciclovir-Creme verschlechtern oder die Bläschen nach spätestens 10 Tagen nicht verkrustet oder abgeheilt sind; dann ist die Behandlung laut Packungsbeilage abzubrechen [5]. Menschen mit stark geschwächter Abwehr, zum Beispiel nach einer Knochenmarktransplantation, sollten laut Fachinformation bei jeder Infektion vor Behandlungsbeginn ärztlichen Rat einholen [6]. Laut der IQWiG-Information zu Genitalherpes in der Schwangerschaft ist schnell ärztlicher Rat nötig, wenn ein Neugeborenes Anzeichen einer Herpes-Infektion entwickelt, wie zum Beispiel Fieber, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge [11].
Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot und akute, anhaltende Krampfanfälle sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112. Kann die Behandlung bei geschlossenen Praxen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [12].
Quellen
- Lippenherpes. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Wie gut helfen Cremes und Tabletten bei Lippenherpes?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Lässt sich Lippenherpes-Ausbrüchen vorbeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Lippenherpes. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 21.08.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Aciclovir-ratiopharm Lippenherpescreme 50 mg/g Creme. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Aciclovir-ratiopharm Lippenherpescreme 50 mg/g Creme (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Aciclovir-ratiopharm 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2020. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Aciclovir-ratiopharm 200 mg / 400 mg / 800 mg Tabletten (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Valaciclovir - 1 A Pharma 500 mg / 1000 mg Filmtabletten. 1 A Pharma GmbH. Stand 12/2022. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Aciclovir. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Genitalherpes in der Schwangerschaft (Abschnitt zu den ersten acht Wochen nach der Geburt). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft schnell gegen Lippenherpes?
Lippenherpes klingt laut IQWiG normalerweise nach 1 bis 2 Wochen von selbst ab. Rezeptfreie Cremes, Gele oder Salben mit Aciclovir oder Penciclovir können die Beschwerden laut IQWiG etwas früher abklingen lassen und etwas abschwächen. Wichtig ist, sie gleich bei den ersten Anzeichen wie Kribbeln oder Jucken aufzutragen, auf jeden Fall innerhalb von 24 Stunden. Haben die Bläschen das Krustenstadium erreicht, ist eine Behandlung mit Aciclovir-Creme laut Fachinformation nicht mehr sinnvoll.
Wie oft und wie lange trage ich Aciclovir-Creme auf?
Wie oft Sie die Creme auftragen, steht in der Packungsbeilage; die Angaben der Packungsbeilage von Aciclovir-ratiopharm Lippenherpescreme finden Sie unter Aciclovir: Dosierung. Aufgetragen wird sie laut Packungsbeilage mit einem Wattestäbchen, und zwar nicht nur auf die sichtbaren Bläschen, sondern auch auf die angrenzende Haut. Die Behandlung dauert im Allgemeinen 5 Tage. Verschlechtern sich die Hauterscheinungen oder sind die Bläschen nach spätestens 10 Tagen nicht verkrustet oder abgeheilt, brechen Sie die Behandlung ab und suchen eine Ärztin oder einen Arzt auf.
Wie lange ist Lippenherpes ansteckend?
Die Viren stecken in der Flüssigkeit der Bläschen. Laut IQWiG schützen Sie andere, indem Sie bis zur vollständigen Abheilung der Bläschen und Krusten niemanden küssen, keine Handtücher, kein Geschirr und Besteck teilen, nach dem Berühren der Lippe die Hände waschen, Sport mit Körperkontakt meiden und keinen Oralsex haben. Außerhalb eines Ausbruchs ist eine Ansteckung theoretisch möglich, passiert aber nur sehr selten; dann kann auf Vorsichtsmaßnahmen verzichtet werden. Krankschreiben lassen müssen Sie sich wegen Lippenherpes laut IQWiG nicht.
Helfen Tabletten gegen Lippenherpes?
Virushemmende Tabletten mit Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir können die Erkrankung laut IQWiG bei ansonsten gesunden Menschen etwas verkürzen. Ob sie besser wirken als Cremes, ist unklar. Die Tabletten sind verschreibungspflichtig. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa während einer Chemotherapie, ist die schützende Wirkung laut IQWiG deutlich größer. Was die Packungsbeilage zur Menge sagt, steht unter Aciclovir: Dosierung.
Kann man Lippenherpes vorbeugen?
Wer merkt, dass Ausbrüche nach bestimmten Situationen kommen, etwa nach einem Sonnenbad, kann laut IQWiG versuchen, diese Auslöser zu meiden, und Sonnencreme oder eine gute Lippenpflege ausprobieren. Für virushemmende Cremes ist laut IQWiG keine vorbeugende Wirkung nachgewiesen. Bei sehr häufigem Lippenherpes kann laut IQWiG eine vorbeugende Einnahme von Tabletten infrage kommen; dafür sind die Mittel aber nicht zugelassen, und wie gut das schützt, ist kaum untersucht.
Darf ich in der Schwangerschaft Aciclovir-Creme verwenden?
Laut Packungsbeilage der Creme sollte die Anwendung in der Schwangerschaft nach Abwägung von Nutzen und möglichen Risiken erfolgen; ein Schwangerschaftsregister zeigt keine Erhöhung der Zahl von Geburtsschäden verglichen mit der Normalbevölkerung. Laut Embryotox darf Aciclovir bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft äußerlich und innerlich verwendet werden. In der Stillzeit ist die Menge, die ein Kind nach Anwendung der Creme bei der Mutter aufnimmt, laut Packungsbeilage vernachlässigbar. Fragen Sie vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Darf ich mit Lippenherpes ein Baby küssen?
Neugeborene bis zur achten Lebenswoche sind laut IQWiG wegen ihres noch unreifen Immunsystems besonders gefährdet. Wer Lippenherpes hat, sollte einen Säugling nicht küssen, seinen Schnuller nicht in den Mund nehmen, sich regelmäßig die Hände waschen und verhindern, dass das Kind die Bläschen berührt. Laut der IQWiG-Information zu Genitalherpes in der Schwangerschaft ist schnell ärztlicher Rat nötig, wenn ein Neugeborenes Anzeichen einer Herpes-Infektion entwickelt, wie zum Beispiel Fieber, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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