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Glucocorticoide (Cortison) zum Einnehmen und Spritzen

Glucocorticoide, umgangssprachlich Cortison, sind natürlich vorkommende oder künstlich hergestellte Steroidhormone der Nebenniere, verwandt mit dem körpereigenen Cortisol. Zum Einnehmen oder als Spritze werden sie gegen Entzündungen, Allergien und Autoimmunerkrankungen oder als Hormonersatz bei Nebennierenschwäche eingesetzt. Die Nebenwirkungen hängen laut Fachinformation stark von Dosis und Behandlungsdauer ab. Dazu zählen unter anderem ein Cushing-Syndrom, Knochenschwund, erhöhter Blutzucker, Bluthochdruck und eine höhere Anfälligkeit für Infektionen. Nach längerer Behandlung darf das Mittel nicht plötzlich abgesetzt werden, weil die Nebennierenrinde Zeit braucht, wieder genug eigenes Cortisol zu bilden.

Frau Anfang sechzig im ruhigen Gespräch mit ihrem Hausarzt in einer hellen Praxis
Bild: KI-generiert

Glucocorticoide, umgangssprachlich oft Cortison genannt, sind natürlich vorkommende oder künstlich hergestellte Steroidhormone der Nebenniere; als wichtigstes Corticosteroid der Nebennierenrinde gilt Hydrocortison, das dem körpereigenen Cortisol entspricht [4]. Als Tabletten, Spritze oder Infusion wirken sie im ganzen Körper (systemisch) und werden gegen Entzündungen, Allergien und Autoimmunerkrankungen sowie als Hormonersatz eingesetzt [1, 3, 4, 7, 9]. Ihre Nebenwirkungen hängen laut Fachinformation sehr stark von Dosis und Behandlungsdauer ab [1]. Beim Absetzen ist zu bedenken, dass die Nebennierenrinde nach einer längeren Behandlung Zeit braucht, um wieder genug eigenes Cortisol zu bilden [3, 4]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten. Cremes, Salben und Lösungen für die Haut beschreibt die Seite Cortison-Cremes.

Was sind Glucocorticoide?

In Abschnitt 5.1 ihrer Fachinformationen sind Prednisolon, Dexamethason und Hydrocortison als Glucocorticoide eingeordnet, mit den ATC-Codes H02AB06, H02AB02 und H02AB09 [1, 3, 4]. Hydrocortison gilt laut Fachinformation als das wichtigste von der Nebennierenrinde gebildete Corticosteroid [4]. Prednison wird in der Leber zu Prednisolon umgebaut, der eigentlich wirksamen Form [2, 8].

Budesonid-Kapseln zum Einnehmen nehmen eine Sonderstellung ein: Sie gehören zu den "Corticosteroiden mit lokaler Wirkung" für den Darm (ATC A07EA06) und führen laut Fachinformation zu niedrigeren Steroidspiegeln im Blut als eine herkömmliche Behandlung mit Glucocorticoid-Tabletten [5].

Wie Glucocorticoide wirken

Prednisolon und Prednison beeinflussen laut Fachinformation dosisabhängig den Stoffwechsel fast aller Gewebe. In der Menge, die der Körper selbst bildet, ist diese Wirkung lebensnotwendig, um das Gleichgewicht des Körpers in Ruhe und unter Belastung aufrechtzuerhalten und die Aktivität des Immunsystems zu regulieren [1, 2]. In höheren Dosen, als zum Hormonersatz nötig, wirkt Prednisolon rasch entzündungshemmend und verzögert immunsuppressiv, also abwehrdämpfend: Es hemmt Zellen des Immunsystems sowie die Freisetzung und Wirkung von Botenstoffen der Entzündungs- und Immunreaktion [1]. Eine länger dauernde Behandlung mit hohen Dosen führt laut Fachinformation zu einer Rückbildung des Immunsystems und der Nebennierenrinde [1].

Die Wirkstoffe unterscheiden sich in ihrer Stärke und in ihrer Wirkung auf den Salz- und Wasserhaushalt. Dexamethason hat laut Fachinformation eine etwa 7,5-mal stärkere glucocorticoide Wirkung als Prednisolon und Prednison und ist 30-mal stärker wirksam als Hydrocortison; eine mineralocorticoide Wirkung, also eine Wirkung auf den Salz- und Wasserhaushalt, fehlt [3]. Hydrocortison und Cortison wirken dagegen auch salzzurückhaltend [4]. Prednisolon hat nur eine geringe mineralocorticoide Wirkung, weshalb beim Ersatz einer ausgefallenen Nebennierenrinde zusätzlich ein Mineralocorticoid gegeben werden muss [1].

Wofür Glucocorticoide eingesetzt werden

Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in Abschnitt 4.1 der jeweiligen Fachinformation und unterscheiden sich je nach Präparat [1, 2, 3, 4, 5]:

  • Prednisolon ist für sehr viele Erkrankungen zugelassen, die eine Behandlung im ganzen Körper erfordern, unter anderem rheumatische Erkrankungen und Gefäßentzündungen, Asthma und akute Verschlechterungen einer COPD, schwere allergische Erkrankungen, Haut-, Blut- und Tumorerkrankungen, multiple Sklerose (zum Ausschleichen nach einer hoch dosierten Gabe als Spritze oder Infusion bei einem akuten Schub), Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sowie den Hormonersatz bei Nebennierenschwäche [1].
  • Dexamethason unter anderem bei einer Hirnschwellung, einem schweren akuten Asthmaanfall, schweren Hautkrankheiten, bestimmten rheumatischen Erkrankungen, zur Vorbeugung von Erbrechen bei einer Chemotherapie und bei COVID-19, wenn zusätzlicher Sauerstoff nötig ist [3].
  • Prednison in der Form mit verzögerter Freisetzung bei Erwachsenen mit mäßiger bis schwerer, aktiver rheumatoider Arthritis, besonders wenn sie mit morgendlicher Gelenksteifigkeit einhergeht [2].
  • Hydrocortison als Ersatz des Hormons Cortisol bei Nebenniereninsuffizienz und beim angeborenen adrenogenitalen Syndrom [4]. Für den Hormonersatz nennt auch die Fachinformation von Prednisolon Hydrocortison und Cortison als Mittel der ersten Wahl [1].
  • Budesonid-Kapseln bei akutem Morbus Crohn leichten bis mittelschweren Grades mit Beteiligung des Krummdarms und/oder des aufsteigenden Dickdarms, bei mikroskopischer Kolitis und bei Autoimmunhepatitis [5].

Wirkstoffe der Gruppe

Mit geprüftem Wirkstoff-Steckbrief beschrieben sind auf dieser Website:

  • Dexamethasonz. B. Dexamethason-ratiopharm, Dexamethason GALEN, Dexamethason JENAPHARMHirnschwellung, schwerer Asthmaanfall, entzündliche Erkrankungen, Erbrechen bei Chemotherapie, COVID-19 mit Sauerstoffbedarf
  • Hydrocortisonz. B. Hydrocortison ZentivaErsatz von Cortisol bei Nebenniereninsuffizienz und adrenogenitalem Syndrom
  • Prednisolonz. B. Predni H Tablinen, Prednisolon acis, Prednisolon GALENEntzündliche, allergische und Autoimmunerkrankungen; Hormonersatz bei Nebennierenschwäche
  • Prednisonz. B. Lodotra, Prednison GALEN, Prednison acisRheumatoide Arthritis mit Morgensteifigkeit (Lodotra); in anderen Präparaten allergische, entzündliche und Autoimmunerkrankungen

Prednisolon kann laut Embryotox zum Einnehmen, in die Vene, rektal und örtlich angewendet werden, Dexamethason örtlich und im ganzen Körper, dort vor allem zum Einnehmen und in die Vene [7, 9]. Budesonid gibt es außerdem zum Inhalieren gegen Asthma; diese Form beschreibt die Seite Asthma- und COPD-Medikamente [10].

Typische Nebenwirkungen

Bei Prednisolon und Dexamethason nennen die Fachinformationen für die Nebenwirkungen keine Häufigkeiten, weil diese sehr stark von Dosis und Behandlungsdauer abhängen; die Tabelle zeigt dort deshalb "nicht bekannt" [1, 3]. Die Angaben bei Prednison stammen aus der Fachinformation eines niedrig dosierten Präparats mit verzögerter Freisetzung; im dort empfohlenen Dosisbereich treten die Nebenwirkungen laut Fachinformation seltener und weniger schwer auf als bei höheren Dosen [2]. Beim reinen Hormonersatz mit Hydrocortison sind unerwünschte Wirkungen laut Fachinformation weniger wahrscheinlich; sie nennt nur Nebenwirkungen, die unter einer Ersatztherapie berichtet wurden [4]. Die Kategorien erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffGewichtszunahmeErhöhter BlutzuckerBlutdruckanstiegWassereinlagerungenErhöhte InfektanfälligkeitPsychose und Halluzinationen
DexamethasonNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekannt
Hydrocortisonnicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genanntNicht bekannt
PrednisolonNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekannt
PrednisonHäufigHäufigGelegentlichHäufigHäufigSelten

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Budesonid-Kapseln zum Einnehmen wirken überwiegend örtlich im Darm; besonders bei längerer Anwendung in höheren Dosen können laut Fachinformation aber auch sie Glucocorticoid-Nebenwirkungen im ganzen Körper verursachen, etwa ein Cushing-Syndrom, eine Unterdrückung der Nebennierenfunktion, eine verminderte Knochendichte, Grauen oder Grünen Star und psychische Veränderungen [5].

Cushing-Syndrom, Gewicht und Stoffwechsel

Laut Fachinformation von Prednisolon kann es zu einem Cushing-Syndrom kommen, mit Vollmondgesicht, Fettansammlung am Rumpf (Stammfettsucht) und Gesichtsröte. Weitere Stoffwechselwirkungen sind Wassereinlagerungen durch zurückgehaltenes Natrium, eine vermehrte Kaliumausscheidung, Gewichtszunahme, Appetitsteigerung, eine verminderte Zuckertoleranz, Diabetes mellitus sowie erhöhte Blutfette [1]. Hohe Dosen Hydrocortison können den Blutdruck erhöhen, Salz und Wasser zurückhalten und die Kaliumausscheidung steigern [4]. Bei Menschen mit Diabetes ist laut Fachinformation ein eventuell erhöhter Bedarf an Insulin oder Tabletten gegen Diabetes zu berücksichtigen [1]. Mehr dazu: Gewichtszunahme, Blutzucker, Wassereinlagerungen und Blutdruckanstieg.

Knochen, Muskeln und Sehnen

Osteoporose ist laut Fachinformation von Prednisolon dosisabhängig und auch bei nur kurzzeitiger Anwendung möglich. Je nach Dauer und Dosis wird eine Vorbeugung empfohlen, vor allem bei weiteren Risikofaktoren wie familiärer Veranlagung, höherem Alter, nach den Wechseljahren, starkem Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum oder Bewegungsmangel; die Vorbeugung besteht aus ausreichend Calcium und Vitamin D sowie körperlicher Aktivität [1]. Außerdem nennt die Fachinformation Muskelschwund und Muskelschwäche, ein Absterben von Knochengewebe (aseptische Knochennekrose), Knochenbrüche, Sehnenentzündungen und Sehnenrisse sowie eine Wachstumshemmung bei Kindern [1]. Zusammen mit Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone steigt das Risiko für Sehnenbeschwerden und Sehnenrisse [1]. Mehr dazu: Osteoporose durch Medikamente, Osteoporose und Sehnenschäden.

Infektionen

Durch die Abwehrdämpfung kann das Risiko für bakterielle, virale, Pilz-, Parasiten- und sogenannte opportunistische Infektionen steigen; die Anzeichen einer Infektion können verschleiert werden, und ruhende Infektionen wie Tuberkulose oder Hepatitis B können wieder aufflammen [1]. Windpocken und Masern können bei Behandelten besonders schwer verlaufen, vor allem bei Menschen, die diese Krankheiten noch nicht hatten [1, 5]. Lebendimpfstoffe dürfen laut Fachinformation von Budesonid unter einer Dauerbehandlung mit Glucocorticoiden nicht gegeben werden; der Impferfolg anderer Impfungen kann vermindert sein [5]. Ein Ersatz von Cortisol mit Hydrocortison bei Nebenniereninsuffizienz führt dagegen nicht zu einer Abwehrschwäche [4]. Mehr dazu: Infektanfälligkeit.

Psyche und Nervensystem

Die Fachinformation von Prednisolon nennt unter anderem Depressionen, Gereiztheit, Euphorie, Antriebssteigerung, Psychosen, Manie, Halluzinationen, Angstgefühle, Schlafstörungen, Suizidgedanken und Verwirrtheit; außerdem kann eine latente Epilepsie zum Vorschein kommen [1]. Bei Hydrocortison wurden bei Erwachsenen möglicherweise schwere psychische Nebenwirkungen wie Euphorie, Manie, Psychose mit Halluzinationen und Delirium auch unter Ersatzdosen beobachtet, meist innerhalb einiger Tage oder Wochen nach Behandlungsbeginn [4]. Behandelte und ihre Betreuungspersonen sollen laut Fachinformation ärztlichen Rat einholen, wenn bedenkliche psychische Beschwerden auftreten, insbesondere bei Verdacht auf eine depressive Verstimmung oder Suizidgedanken [4]. Mehr dazu: Depression, Schlafstörungen und Halluzinationen.

Augen

Glucocorticoide können Grauen Star (Katarakt), Grünen Star (Glaukom) und verschwommenes Sehen verursachen [1]. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wies am 14. Juni 2017 darauf hin, dass verschwommenes Sehen und eine zentrale seröse Chorioretinopathie, eine Flüssigkeitsansammlung unter der Netzhaut, ein Problem der gesamten Arzneimittelgruppe der Kortikosteroide sind; die Produktinformationen sollten deshalb einen entsprechenden Warnhinweis erhalten [6]. Die hier genannten Fachinformationen enthalten ihn [1, 3, 4, 5]. Bei verschwommenem Sehen oder anderen Sehstörungen sollte laut den Fachinformationen von Prednisolon, Dexamethason und Budesonid eine Überweisung an eine Augenärztin oder einen Augenarzt erwogen werden; laut Fachinformation von Hydrocortison sollte überwiesen werden [1, 3, 4, 5]. Bei einer lang dauernden Behandlung mit Prednisolon sind regelmäßige ärztliche, auch augenärztliche, Kontrollen angezeigt [1]. Mehr dazu: Sehstörungen und Grüner Star.

Magen, Haut und Blutgefäße

Laut Fachinformation von Prednisolon sind Magen-Darm-Geschwüre, Magen-Darm-Blutungen und eine Bauchspeicheldrüsenentzündung möglich, an der Haut unter anderem Dehnungsstreifen, eine dünner werdende Haut, kleine Hautblutungen, Steroidakne und eine verzögerte Wundheilung, an den Gefäßen Bluthochdruck und ein erhöhtes Thromboserisiko [1]. Nach der Anwendung von Corticosteroiden wurde über eine Phäochromozytom-Krise berichtet, die tödlich verlaufen kann; bei einem vermuteten oder bekannten Phäochromozytom, einem hormonbildenden Tumor des Nebennierenmarks, ist eine sorgfältige Abwägung nötig [1, 3]. Mehr dazu: Magenbeschwerden, Akne, Wundheilung und Thromboserisiko.

Wichtige Wechselwirkungen

Mann Mitte fünfzig geht an einem sonnigen Herbsttag zügig einen Parkweg entlang
Bild: KI-generiert

Glucocorticoide können die Wirkung anderer Mittel verändern, und andere Mittel können ihre Wirkung abschwächen oder verstärken [1]. Die Fachinformation von Prednisolon nennt zum Beispiel:

Wichtige Wechselwirkungen von Glucocorticoiden (Auswahl)
Zusammen mitWas passieren kann
NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac, Salicylate wie AcetylsalicylsäureDie Gefahr von Geschwüren und Blutungen im Magen-Darm-Trakt steigt [1]
Insuline und Tabletten gegen DiabetesDie blutzuckersenkende Wirkung wird vermindert [1]
Entwässerungsmittel (Saluretika, z. B. Hydrochlorothiazid) und Abführmittel; Herzglykoside wie DigitoxinDie Kaliumausscheidung wird verstärkt; ein Kaliummangel kann die Wirkung von Herzglykosiden verstärken [1]
Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ, z. B. PhenprocoumonDie gerinnungshemmende Wirkung kann abgeschwächt oder verstärkt werden [1]
Mittel, die das Leberenzym CYP3A4 anregen, z. B. Rifampicin, Phenytoin, CarbamazepinDie Corticoidwirkung kann abgeschwächt werden [1]
Mittel, die CYP3A4 hemmen, z. B. Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir, CobicistatDie Corticoidwirkung kann verstärkt werden, mit einem erhöhten Risiko systemischer Nebenwirkungen [1]; bei Budesonid-Kapseln sollte die Kombination vermieden werden [5]
Fluorchinolone, z. B. CiprofloxacinHöheres Risiko für Sehnenbeschwerden und Sehnenrisse [1]
Östrogene, z. B. in der PilleDie Halbwertszeit der Glucocorticoide kann verlängert und ihre Wirkung dadurch verstärkt sein [1]
Ciclosporin und andere abwehrdämpfende MittelHöhere Infektanfälligkeit; der Ciclosporin-Spiegel steigt, und die Gefahr von Krampfanfällen ist erhöht [1]

Die Liste ist nicht vollständig; die Fachinformation von Prednisolon nennt weitere Wirkstoffe [1]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies. Einen Überblick über alle Ihre Medikamente gibt der Medikationsplan, Grundlagen erklärt der Ratgeber Wechselwirkungen.

Wann Glucocorticoide nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden

Als Gegenanzeige nennen die Fachinformationen von Prednisolon, Prednison, Dexamethason und Hydrocortison nur eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil; für eine kurzfristige Anwendung bei lebensbedrohlichen Zuständen gibt es laut Fachinformation von Prednisolon sonst keine Gegenanzeigen [1, 2, 3, 4]. Budesonid-Kapseln dürfen bei Leberzirrhose nicht angewendet werden [5].

Nur unter strenger Abwägung und Überwachung sollte Prednisolon laut Fachinformation unter anderem bei akuten Virusinfektionen wie Gürtelrose, Herpes oder Windpocken, bei Pilzinfektionen des ganzen Körpers (systemische Mykosen) und Parasiteninfektionen, in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit Lebendimpfstoffen, bei Magen-Darm-Geschwüren, Osteoporose, schwer einstellbarem Bluthochdruck oder Diabetes, psychiatrischen Erkrankungen auch in der Vorgeschichte, Grünem Star und Verletzungen der Hornhaut angewendet werden [1]. Wegen der Gefahr eines Darmdurchbruchs darf Prednisolon bei schwerer Colitis ulcerosa mit drohendem Durchbruch, bei einer Divertikulitis und unmittelbar nach einer Darmoperation mit neuer Darmverbindung (Enteroanastomose) nur bei zwingender Indikation und unter Überwachung angewendet werden; Menschen mit schwerer Herzschwäche sind sorgfältig zu überwachen [1]. Bei Kindern im Wachstum sowie bei älteren Menschen, weil sie ein erhöhtes Osteoporoserisiko haben, ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis sorgfältig abzuwägen [1].

Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft darf eine Behandlung laut Fachinformation nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen. Bei einer Langzeitbehandlung sind Wachstumsstörungen des ungeborenen Kindes nicht auszuschließen; werden Glucocorticoide am Ende der Schwangerschaft gegeben, kann beim Neugeborenen eine Rückbildung der Nebennierenrinde auftreten, die eine Behandlung erfordern kann [1, 3]. Laut Embryotox lässt sich ein geringfügig erhöhtes Risiko für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten nach einer Behandlung im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht gänzlich ausschließen; Kohortenstudien mit insgesamt mehreren tausend Schwangerschaften fanden laut Embryotox weder ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen insgesamt noch für bestimmte Fehlbildungen [7].

Mittel der Wahl laut Embryotox: Laut Embryotox sind Prednisolon und Prednison die Mittel der Wahl aus der Gruppe der Glucocorticoide für eine systemische Behandlung während der Schwangerschaft [7, 8]. Dexamethason darf laut Embryotox nach individueller Abwägung in allen Phasen der Schwangerschaft systemisch eingesetzt werden, wenn es Vorteile gegenüber Prednisolon bietet; als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox für eine systemische Behandlung Prednison und Prednisolon [9]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Budesonid kann laut Embryotox zum Einnehmen oder rektal bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auch in der Schwangerschaft eingesetzt werden [10]; laut Fachinformation der Budesonid-Kapseln sollte eine Anwendung in der Schwangerschaft vermieden werden, es sei denn, es liegen überzeugende Gründe vor [5]. Eine örtliche Anwendung von Prednisolon ist laut Embryotox nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden [7].

Stillzeit: Laut Embryotox sind Prednisolon, Prednison und Methylprednisolon die Glucocorticoide der Wahl für eine systemische Behandlung in der Stillzeit; auch hohe Dosen, die einmalig oder wenige Tage gegeben werden, erfordern laut Embryotox keine Einschränkung des Stillens [7, 8]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Fachinformationen von Prednisolon und Dexamethason empfehlen abzustillen, wenn aus Krankheitsgründen höhere Dosen nötig sind [1, 3]. Budesonid kann laut Embryotox auch zum Einnehmen oder rektal in der Stillzeit angewendet werden [10]; laut Fachinformation der Budesonid-Kapseln ist zu entscheiden, ob abgestillt oder auf die Behandlung verzichtet wird [5]. Die Beratung durch Embryotox ist kostenlos [7]. Mehr dazu: Prednisolon in der Schwangerschaft und die Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Absetzen und Nebennierenrinde

Während einer Behandlung mit Glucocorticoiden kann die Nebennierenrinde ihre eigene Cortisol-Bildung herunterfahren. Eine dadurch bedingte Nebennierenrindenschwäche kann laut Fachinformation von Dexamethason abhängig von Dosis und Behandlungsdauer noch mehrere Monate und in Einzelfällen länger als ein Jahr nach dem Absetzen anhalten [3]. Bei Beendigung oder Abbruch einer Langzeitbehandlung ist laut Fachinformation an ein Wiederaufflammen der Grunderkrankung, eine akute Nebennierenrindenschwäche, besonders in Stresssituationen wie Infektionen oder nach Unfällen, und ein Cortison-Entzugssyndrom zu denken [1, 2, 3]. Bei zu rascher Dosisverringerung nach lang dauernder Behandlung können Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten [1].

Bei plötzlichem Absetzen von Hydrocortison besteht laut Fachinformation die Gefahr einer adrenalen Krise und des Todes; durch eine allmähliche Dosisverringerung lässt sich das Risiko einer arzneimittelbedingten Nebennierenschwäche senken [4]. Hohe Dosen, die nur wenige Tage gegeben wurden, können laut Fachinformation von Prednisolon je nach Grunderkrankung und Ansprechen auf die Behandlung ohne Ausschleichen abgesetzt werden; ob das für Sie gilt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt [1]. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

In körperlichen Stresssituationen wie Unfällen, Operationen, Geburt oder fieberhaften Erkrankungen kann während der Behandlung und auch danach vorübergehend eine höhere Dosis bzw. erneut ein Glucocorticoid nötig sein; bei länger dauernder Behandlung sollte deshalb ein Notfall- bzw. Kortikoid-Ausweis ausgestellt werden [1, 3, 4]. Bei Menschen mit Nebenniereninsuffizienz sollte laut Fachinformation von Hydrocortison bei Erbrechen oder akuter Erkrankung unverzüglich eine Gabe als Spritze oder Infusion (parenteral) eingeleitet werden [4]. Mehr dazu: Prednisolon absetzen, der Ratgeber Medikamente absetzen und Medikamente vor der OP.

Unterschied zu Cortison-Cremes und Inhalationssprays

Diese Seite beschreibt Glucocorticoide, die im ganzen Körper wirken. Daneben gibt es örtlich angewendete Glucocorticoide, etwa Cremes und Salben für die Haut oder Sprays zum Inhalieren [7, 10]. Laut Embryotox sind bei Budesonid die Blutspiegel nach Inhalation oder Anwendung in der Nase deutlich niedriger als nach Einnahme oder rektaler Anwendung [10]. Sehstörungen wie verschwommenes Sehen können laut den Fachinformationen aber auch bei örtlicher Anwendung von Corticosteroiden auftreten [1, 3, 4, 5]. Mehr dazu: Cortison-Cremes und Asthma- und COPD-Medikamente.

Quellen

  1. Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Lodotra 1 mg/2 mg/5 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. Skyepharma Production SAS (Mitvertrieb Mundipharma GmbH). Stand 01/2026. abgerufen am 12.10.2026
  3. Fachinformation Fachinformation Dexamethason-ratiopharm® 4 mg/8 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Hydrocortison Zentiva 10 mg Tabletten. Zentiva Pharma GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 12.10.2026
  5. Fachinformation Fachinformation Budesonid-ratiopharm 3 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  6. Behörde Risikoinformation: Kortikosteroide, Nebenwirkungen am Auge (PSUSA-Verfahren Budesonid, Position der Koordinierungsgruppe CMDh). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 14.06.2017. abgerufen am 12.10.2026
  7. Embryotox Embryotox: Prednisolon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  8. Embryotox Embryotox: Prednison. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  9. Embryotox Embryotox: Dexamethason. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  10. Embryotox Embryotox: Budesonid. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Macht Cortison dick?

Das ist möglich. Die Fachinformationen nennen Appetitsteigerung, Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen sowie bei längerer Anwendung ein Cushing-Syndrom mit rundem Vollmondgesicht und Fettansammlung am Rumpf. Wie ausgeprägt das ist, hängt laut Fachinformation stark von Dosis und Behandlungsdauer ab. Ändern Sie die Dosis nicht selbst, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Warum darf ich Cortison nicht plötzlich absetzen?

Während einer längeren Behandlung bildet die Nebennierenrinde weniger eigenes Cortisol. Wird das Mittel dann zu schnell abgesetzt, kann laut Fachinformation eine Nebennierenschwäche auftreten, besonders in Belastungssituationen wie Infektionen oder Unfällen. Bei Hydrocortison warnt die Fachinformation vor einer adrenalen Krise und Tod. Außerdem kann die Grunderkrankung wieder aufflammen. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Was ist ein Notfall- oder Kortikoid-Ausweis?

Ein Ausweis, der bei länger dauernder Behandlung ausgestellt werden sollte. Er zeigt im Notfall, dass Sie Glucocorticoide nehmen, denn in körperlichen Stresssituationen wie Unfällen, Operationen oder fieberhaften Erkrankungen kann laut Fachinformation vorübergehend eine höhere Dosis nötig sein. Tragen Sie ihn immer bei sich.

Schwächt Cortison das Immunsystem?

Ja, das ist möglich. Laut Fachinformation kann das Risiko für bakterielle, virale, Pilz- und andere Infektionen steigen, und Anzeichen einer Infektion können verschleiert werden. Auch eine lang dauernde Anwendung geringer Mengen erhöht laut Fachinformation das Infektionsrisiko. Windpocken und Masern können besonders schwer verlaufen. Lebendimpfstoffe dürfen laut Fachinformation von Budesonid unter einer Dauerbehandlung nicht gegeben werden. Beim reinen Hormonersatz mit Hydrocortison ist dagegen keine Abwehrschwäche zu erwarten.

Kann ich Cortison mit Ibuprofen kombinieren?

Nur nach ärztlicher Rücksprache. Zusammen mit NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac sowie mit Salicylaten steigt laut Fachinformation die Gefahr von Geschwüren und Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Bekommt man von Cortison Osteoporose?

Das ist möglich. Osteoporose ist laut Fachinformation von Prednisolon dosisabhängig und auch bei kurzzeitiger Anwendung möglich. Je nach Dauer und Dosis wird eine Vorbeugung empfohlen, vor allem bei weiteren Risikofaktoren wie höherem Alter oder nach den Wechseljahren. Zur Vorbeugung nennt die Fachinformation ausreichend Calcium und Vitamin D sowie körperliche Aktivität. Besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann Cortison die Psyche verändern?

Ja. Die Fachinformationen nennen unter anderem Depressionen, Gereiztheit, Euphorie, Schlafstörungen, Angst, Psychosen und Suizidgedanken. Bei Hydrocortison wurden bei Erwachsenen möglicherweise schwere psychische Nebenwirkungen auch unter Ersatzdosen beobachtet, meist innerhalb einiger Tage oder Wochen nach Behandlungsbeginn. Holen Sie ärztlichen Rat, wenn Sie solche Veränderungen bemerken, besonders bei Suizidgedanken.

Darf ich in der Schwangerschaft Cortison nehmen?

Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Embryotox sind Prednisolon und Prednison die Mittel der Wahl aus der Gruppe der Glucocorticoide für eine Behandlung im ganzen Körper während der Schwangerschaft. Dexamethason darf laut Embryotox systemisch eingesetzt werden, wenn es Vorteile gegenüber Prednisolon bietet. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu