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Grüner Star (Glaukom)
Beim Grünen Star (Glaukom) wird der Sehnerv geschädigt, häufig durch einen zu hohen Augeninnendruck; im Gesichtsfeld entstehen zunächst meist unbemerkt Lücken. Behandelt wird meist mit Augentropfen, die den Druck senken: Laut der Leitlinie der European Glaucoma Society werden Prostaglandin-Analoga in der Regel als erste Wahl der medikamentösen Behandlung des Offenwinkelglaukoms empfohlen (starke Empfehlung), daneben gibt es Betablocker, Carboanhydrasehemmer und weitere Gruppen sowie Laser und Operation. Plötzliche Sehstörungen mit Augenschmerzen, geröteten Augen, heftigen Kopfschmerzen oder Übelkeit können auf einen Glaukomanfall hinweisen; er ist ein Notfall.

Beim Grünen Star (Glaukom) wird der Sehnerv geschädigt; die Ursache ist häufig ein zu hoher Augeninnendruck [1]. Den Druck zu senken, kann helfen, den schleichenden Sehverlust zu verzögern oder aufzuhalten; meist geschieht das mit Augentropfen [1]. Laut der Leitlinie der European Glaucoma Society (EGS) werden Prostaglandin-Analoga in der Regel als erste Wahl der medikamentösen Behandlung des Offenwinkelglaukoms empfohlen (Evidenzniveau hoch, starke Empfehlung); daneben gibt es weitere Gruppen von Augentropfen sowie Laser und Operation [2, 5]. Ein Glaukomanfall mit plötzlichen Sehstörungen und Augenschmerzen ist ein Notfall [1].
Was ist ein Grüner Star?
Der Begriff Glaukom fasst laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) verschiedene Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. Das Gesichtsfeld, also der Bereich, den man sieht, ohne die Augen zu bewegen, bekommt zunächst meist unbemerkt immer größere Lücken. In fortgeschrittenen Stadien nimmt auch die Sehschärfe ab [1].
Mit über 80 Prozent ist das Offenwinkelglaukom (Weitwinkelglaukom) die häufigste Form. Es schreitet langsam voran; die Schäden am Sehnerv führen erst nach vielen Jahren zu Sehstörungen. Seltener ist das Engwinkelglaukom (Winkelblockglaukom): Es kann länger unbemerkt bleiben, aber plötzlich zu starken Beschwerden und Sehschäden führen [1]. Als normal gelten Werte des Augeninnendrucks zwischen 10 und 21 mmHg. Knapp die Hälfte der Betroffenen hat zwar Schäden am Sehnerv, aber keinen erhöhten Augeninnendruck; man spricht dann von einem Normaldruckglaukom [1, 4]. Lassen sich trotz wiederholt erhöhter Werte keine Glaukomschäden nachweisen, spricht man laut Embryotox von okulärer Hypertension [6].
Schätzungen zufolge erkranken innerhalb von 5 Jahren etwa 1 bis 2 von 100 Menschen zwischen 40 und 80 Jahren neu an einem Glaukom; etwa 3 bis 4 von 100 Menschen dieser Altersgruppe haben bereits eines [1, 4]. Heilen lässt sich ein Glaukom nicht, weil entstandene Schäden am Sehnerv nicht mehr rückgängig zu machen sind [1].
Symptome
Menschen mit einem Glaukom nehmen bestimmte Sehbereiche nicht mehr oder nur eingeschränkt wahr. Diese "blinden Flecken" entstehen meist neben der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) und bis zu den Rändern des Gesichtsfelds. Weil das zentrale Sehen zunächst nicht beeinträchtigt ist, fallen die Einschränkungen häufig nicht gleich auf [1].
Mit den Jahren kann es schwerer werden, sich im Alltag zu orientieren: Beim Autofahren erkennt man etwa die Straße vor sich klar, Personen und Dinge auf den Gehwegen daneben aber nicht. Auch die Anpassung an wechselndes Licht und das Einschätzen von Stufen oder Bordsteinen kann schwerfallen; das erhöht das Sturzrisiko [1].
Beim Engwinkelglaukom kann es zu einem Glaukomanfall kommen: Der Augeninnendruck steigt rasch und stark an. Typische Beschwerden sind akute Sehstörungen, gerötete Augen, heftige Kopf- und Augenschmerzen oder Übelkeit [1, 4].
Ursachen und Risikofaktoren
Im Auge wird ständig eine Flüssigkeit gebildet, das Kammerwasser. Es fließt von der hinteren in die vordere Augenkammer und durch ein feines Kanälchen (Schlemmscher Kanal) wieder ab; dieser Kreislauf hält den Druck im gesunden Auge konstant. Ist der Abfluss behindert, staut sich das Kammerwasser, der Druck steigt und belastet den Sehnerv, und es besteht die Gefahr, dass Nervenzellen absterben [1]. Ein Glaukom kann auch die Folge von Entzündungen, Verletzungen und Gefäßerkrankungen sein (sekundäres Glaukom); sehr selten ist es angeboren [1].
Ob ein erhöhter Augeninnendruck zu Sehverlusten führt, hängt laut IQWiG unter anderem von der Hornhautdicke und der Höhe des Drucks ab. Außerdem erhöhen ein höheres Lebensalter, eine familiäre Vorbelastung, starke Kurzsichtigkeit und Diabetes das Risiko; Menschen mit dunkler Hautfarbe erkranken häufiger [1]. Die EGS nennt zusätzlich ein Pseudoexfoliationssyndrom und als mögliche weitere Risikofaktoren eine gestörte Blutdruckregulation und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Evidenzniveau hoch, starke Empfehlung). Für einen Einfluss von Ernährung oder Lebensstil gibt es laut EGS keine überzeugenden Belege [5].
Medikamente als Ursache: Glucocorticoide ("Kortison") können laut EGS den Augeninnendruck erhöhen, als Augentropfen, ins Auge gespritzt oder über längere Zeit im ganzen Körper angewendet, aber auch als Nasenspray, Inhalation oder auf der Haut. Die Druckerhöhung entwickelt sich über 2 bis 6 Wochen nach Beginn, kann aber auch früher auftreten [5]. Einen akuten Winkelblock können laut EGS unter anderem inhalative Bronchienerweiterer wie Ipratropium oder Salbutamol, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, trizyklische Antidepressiva, Muskelrelaxanzien und andere Wirkstoffe mit parasympatholytischer oder sympathomimetischer Wirkung auslösen, normalerweise bei anatomisch dafür anfälligen Augen. Topiramat und Sulfonamide können über einen anderen Mechanismus ebenfalls einen akuten Winkelblock auslösen [5]. Mehr dazu auf den Seiten Sehstörungen durch Medikamente und Glucocorticoide.
Diagnose und Früherkennung
Augenärztinnen und Augenärzte können ein Glaukom feststellen, bevor erste Beschwerden bemerkt werden. Sie fragen nach Symptomen und untersuchen das Augeninnere mit einem Ophthalmoskop auf Schäden am Sehnerv. Der Augeninnendruck wird meist mit der Applanations-Tonometrie gemessen. Besteht ein Verdacht, wird zusätzlich das Gesichtsfeld gemessen [1]. Bei der Erstvorstellung empfiehlt die EGS unter anderem auch eine Untersuchung des Kammerwinkels (Gonioskopie) und eine Gesichtsfelduntersuchung (jeweils starke Empfehlung; die direkte Evidenz stuft die EGS als sehr gering ein) [5].
Früherkennung: Viele Augenarztpraxen bieten eine Früherkennungsuntersuchung an, die man privat bezahlen muss. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nur bei einem begründeten Verdacht auf ein Glaukom oder bei bestimmten Risiken, zum Beispiel bei Augenschäden durch Diabetes. Ob eine allgemeine Früherkennung ab einem bestimmten Alter oder für Risikogruppen sinnvoll ist, wurde bislang nicht in aussagekräftigen Studien untersucht [1].
Behandlung ohne Medikamente
Der einzige Ansatz, der sich bei der Erhaltung der Sehfunktion als wirksam erwiesen hat, ist laut EGS die Senkung des Augeninnendrucks [5]. Dafür gibt es neben Augentropfen auch Laser und Operation. Die Lasertrabekuloplastik stellt laut EGS eine gute Option für eine Erstbehandlung dar (Evidenzniveau hoch, starke Empfehlung) [5]. Laut IQWiG kommen Laser oder Operation meist dann infrage, wenn Medikamente den Druck allein nicht ausreichend senken oder die Tropfen nicht gut vertragen werden [2].
Die gängigste Operation ist laut IQWiG die Trabekulektomie, die den Abfluss des Kammerwassers verbessert. Mögliche Folgen sind anfängliche Sehstörungen, Vernarbungen und langfristig ein Grauer Star. Bei minimalinvasiven Operationen werden kleine Implantate (Stents) in den Abflusskanal eingesetzt; aussagekräftige Studien zum Vergleich mit Operation oder Laser gibt es bislang nicht [2]. Bei fortgeschrittenem Offenwinkelglaukom kann die Trabekulektomie laut EGS als erster Eingriff angeboten werden (Evidenzniveau hoch, starke Empfehlung) [5].
Für Akupunktur, Cannabinoide, andere alternative Verfahren und Nahrungsergänzungsmittel gibt es laut EGS keine Belege; für Wirkstoffe, die die Nervenzellen schützen sollen (Neuroprotektion), reicht die Evidenz nicht für eine Empfehlung (Evidenzniveau niedrig, starke Empfehlung). Eindeutige Empfehlungen zum Lebensstil lassen die bisherigen Erkenntnisse laut EGS nicht zu [5].
Behandlung mit Medikamenten

Zur Behandlung eines Glaukoms können laut IQWiG Betablocker, Prostaglandine, Alpha-Agonisten, Carboanhydrase-Hemmer, Cholinergika und Rho-Kinase-Hemmer als Augentropfen angewendet werden; Betablocker und Prostaglandine werden häufig als erstes Mittel verschrieben. Welche Mittel sich eignen, hängt unter anderem vom Alter, vom Ausmaß der Sehnervschädigung, von der Höhe des Augeninnendrucks und von möglichen Nebenwirkungen ab [2].
Die EGS empfiehlt, die Drucksenkung mit einem einzelnen Medikament (Monotherapie) zu beginnen; bei sehr hohem Druck oder fortgeschrittener Erkrankung kann eine intensivere Behandlung von Anfang an nötig sein (Evidenzniveau hoch, starke Empfehlung) [5]. Prostaglandin-Analoga werden laut EGS in der Regel als erste Wahl der medikamentösen Behandlung des Offenwinkelglaukoms empfohlen (Evidenzniveau hoch, starke Empfehlung) [5]. Wirkt das erste Mittel nicht oder wird es nicht vertragen, sollte laut EGS der Wechsel auf ein anderes Einzelmittel einem zusätzlichen Medikament vorgezogen werden. Ist ein Mittel verträglich und wirksam, senkt den Druck aber nicht bis zum individuell festgelegten Zieldruck, sollte ein zusätzliches Medikament einer anderen Klasse in Betracht gezogen werden; eine feste Kombination in einem Fläschchen ist dann laut EGS zwei getrennten Präparaten vorzuziehen, sofern es sie gibt [5].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Prostaglandin-Analoga | Latanoprost [7], Bimatoprost [9] | Steigern den Abfluss des Kammerwassers, bei Latanoprost hauptsächlich über den uveoskleralen Abfluss [8], bei Bimatoprost über das Trabekelwerk und den uveoskleralen Abfluss [9] | Latanoprost sehr häufig: zunehmende Braunfärbung der Iris, Rötung des Auges, Augenreizung, Veränderungen der Wimpern [7]. Bimatoprost sehr häufig: längere Wimpern, leichte Rötung, Jucken, Fettverlust in der Augenregion [9] |
| Betablocker als Augentropfen | Timolol [13] | Drosseln die Bildung des Kammerwassers [2, 5] | Häufig: verschwommenes Sehen, Augenschmerzen, Reizung der Augen wie Brennen oder Stechen, Augenbeschwerden, vermehrte Blutansammlung im Auge [13] |
| Carboanhydrasehemmer | Dorzolamid [10], Brinzolamid [12]; allein nur, wenn Betablocker nicht wirken oder nicht angewendet werden dürfen, sonst zusätzlich [11, 12] | Hemmen das Enzym Carboanhydrase im Ziliarkörper des Auges; dadurch wird weniger Kammerwasser gebildet [11, 12] | Dorzolamid sehr häufig: Brennen und Stechen; häufig unter anderem verschwommenes Sehen, bitterer Geschmack, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit [10]. Brinzolamid häufig unter anderem: verschwommenes Sehen, Augenreizung, Augenschmerzen, trockenes Auge, Augenrötung, schlechter Geschmack [12] |
"Sehr häufig" heißt laut Packungsbeilage mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10 [7]. Die Tabelle nennt nur die häufigsten Nebenwirkungen; alle stehen auf den Wirkstoffseiten. Was die Klassen bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Prostaglandin-Analoga
Latanoprost wird laut Packungsbeilage bei Erwachsenen mit Offenwinkelglaukom und okulärer Hypertension angewendet, außerdem bei erhöhtem Augeninnendruck und Glaukom bei Kindern und Säuglingen aller Altersstufen [7]. Bimatoprost ist bei chronischem Offenwinkelglaukom und okulärer Hypertension bei Erwachsenen zugelassen, allein oder zusätzlich zu einem Betablocker; bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wurde es nicht geprüft [9]. Zwei verschiedene Prostaglandin-Analoga sollten laut EGS nicht kombiniert werden [5].
Kosmetische Nebenwirkungen der Prostaglandin-Analoga sind laut EGS zu berücksichtigen, besonders wenn nur ein Auge behandelt wird [5]. Unter Latanoprost kann sich die Augenfarbe durch mehr braunen Farbstoff in der Iris zunehmend verändern, eher bei gemischtfarbigen Augen; die Veränderung kann dauerhaft sein und ist auffälliger, wenn nur ein Auge behandelt wird [7]. Unter Bimatoprost kann es zu einem Fettverlust rund um das Auge kommen: Die Lidfurche vertieft sich, das Auge erscheint eingesunken, das Oberlid hängt herab. Diese Veränderungen sind laut Packungsbeilage in der Regel leicht und können nach dem Absetzen verschwinden; dunklere Wimpern, Lidhaut und Iris können bleibend sein [9]. Mehr dazu: Pigmentstörungen.
Betablocker als Augentropfen
Timolol wird laut Packungsbeilage bei erhöhtem Augeninnendruck, Grünem Star und Grünem Star nach Linsenentfernung angewendet, bei kindlichem Glaukom dann, wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichen [13]. Wie andere Augentropfen kann Timolol in den ganzen Körper aufgenommen werden; deshalb können dieselben Nebenwirkungen auftreten wie bei Betablockern zum Einnehmen [13]. Nicht angewendet werden darf es unter anderem bei bestehendem oder früherem Bronchialasthma, chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen, verlangsamtem Herzschlag, Herzblock 2. und 3. Grades, medikamentös nicht eingestellter Herzschwäche und herzbedingtem Schock [13]. Bei insulinabhängigem Diabetes können Anzeichen einer Unterzuckerung verdeckt werden. Nehmen Sie zusätzlich Betablocker als Tabletten ein, etwa gegen Bluthochdruck, können sich die Wirkungen am Auge und im Herz-Kreislauf-System gegenseitig verstärken [13]. Treten bei Neugeborenen, Kleinkindern und Kindern Husten, Giemen, ungewöhnliche Atmung oder Atempausen auf, muss die Behandlung laut Packungsbeilage sofort abgebrochen und so rasch wie möglich eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden [13]. Mehr dazu: Betablocker, Asthma und COPD.
Carboanhydrasehemmer
Dorzolamid ist laut Fachinformation als Zusatztherapie zu Betablockern zugelassen und allein bei Patientinnen und Patienten, die auf Betablocker nicht ansprechen oder sie nicht anwenden dürfen, jeweils bei okulärer Hypertension, Offenwinkelglaukom und Pseudoexfoliationsglaukom [11]. Brinzolamid ist bei Erwachsenen mit okulärer Hypertension oder Offenwinkelglaukom in denselben Fällen allein zugelassen oder zusätzlich zu Betablockern oder Prostaglandin-Analoga [12]. Brinzolamid darf laut Packungsbeilage nicht angewendet werden bei einer schweren Nierenerkrankung, bei einer Allergie gegen Sulfonamide, weil es dieselbe Allergie hervorrufen kann, und bei einer Übersäuerung des Blutes (hyperchlorämische Azidose) [12]. Dorzolamid darf bei schweren Nierenfunktionsstörungen nicht angewendet werden [10]. Der bittere oder ungewöhnliche Geschmack nach dem Eintropfen ist bei beiden Mitteln häufig [10, 12]; mehr dazu unter Geschmacksstörungen.
Weitere Wirkstoffgruppen
Alpha-Agonisten wie Brimonidin verringern laut IQWiG und EGS die Bildung des Kammerwassers und erhöhen gleichzeitig dessen Abfluss [2, 5]. Als mögliche Nebenwirkungen der Gruppe nennt die EGS unter anderem allergische Entzündungen von Lid und Bindehaut, bei Brimonidin außerdem Müdigkeit und Schläfrigkeit [5]. Rho-Kinase-Hemmer wie Netarsudil erhöhen laut EGS den Abfluss über das Trabekelwerk; Cholinergika wie Pilocarpin erleichtern den Abfluss durch eine Kontraktion des Ziliarmuskels [5]. Die meisten in Europa erhältlichen festen Kombinationen enthalten laut EGS einen Betablocker; Betablocker können mit Nebenwirkungen im ganzen Körper einhergehen und müssen bei entsprechenden Gegenanzeigen mit Vorsicht eingesetzt werden [5].
Schwangerschaft und Stillzeit
Bisher ist laut EGS kein drucksenkendes Medikament für die Anwendung in Schwangerschaft oder Stillzeit zugelassen; bei Kinderwunsch sollte die Behandlung vorher besprochen werden [5]. Laut Embryotox sollte vor dem Beginn oder der Fortsetzung einer drucksenkenden Behandlung möglichst mit der Augenärztin oder dem Augenarzt geklärt werden, ob sie nötig ist; darf sie aus augenärztlicher Sicht nicht unterbrochen werden, sollte sie auch in der Schwangerschaft fortgesetzt werden [6].
Timolol ist laut Embryotox das Mittel der ersten Wahl gegen Grünen Star für Schwangere; Prostaglandin-Analoga wie Latanoprost dürfen ebenfalls in der gesamten Schwangerschaft angewendet werden, örtliche Carboanhydrasehemmer wie Dorzolamid oder Brinzolamid können ebenfalls verschrieben werden [6]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Packungsbeilagen sind enger: Latanoprost-ratiopharm dürfen Sie laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden [7]. Dorzolamid sollten Sie laut Packungsbeilage nicht in der Schwangerschaft anwenden; ist eine Behandlung erforderlich, wird Stillen nicht empfohlen [10]. Timolol soll laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn die Ärztin oder der Arzt es ausdrücklich für erforderlich hält; wenn Sie stillen, wenden Sie es nicht an [13]. Die Anwendung von Brinzolamid in Schwangerschaft oder Stillzeit wird laut Packungsbeilage nicht empfohlen, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hat eine eindeutige Indikation gestellt [12]. Während der Anwendung von Bimatoprost sollten Sie laut Packungsbeilage nicht stillen [9]. Brimonidin sollte laut EGS in der Spätschwangerschaft und Stillzeit nicht eingesetzt werden, weil es bei Säuglingen Atemaussetzer (Apnoe) auslösen kann [5]. Die Aufnahme in den Körper lässt sich laut EGS verringern, indem beim Tropfen die Tränenpünktchen verschlossen und die Lider geschlossen werden [5]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Jedes der Mittel kann laut IQWiG das Auge reizen und zum Beispiel Juckreiz und Rötungen hervorrufen; manche Wirkstoffe wie Betablocker können das Herz-Kreislauf-System und die Atmung belasten [2]. Nach dem Eintropfen kann es vorübergehend zu verschwommenem Sehen kommen; fahren Sie dann laut Packungsbeilage kein Auto und bedienen Sie keine Maschinen, bis Sie wieder klar sehen [7, 9]. Mehr dazu: Sehstörungen, langsamer Puls und Atemnot.
Konservierungsmittel: Das häufigste Konservierungsmittel in Glaukom-Augentropfen ist laut EGS Benzalkoniumchlorid. Konservierte Mittel können Störungen der Augenoberfläche wie trockene Augen auslösen oder verstärken; nach Möglichkeit sollten laut EGS konservierungsmittelfreie Mittel bevorzugt werden [5]. Benzalkoniumchlorid kann laut Packungsbeilage von weichen Kontaktlinsen aufgenommen werden; die Linsen werden vor der Anwendung entfernt und erst nach 15 Minuten wieder eingesetzt [7]. Mehr dazu: Trockene Augen.
Warnzeichen: Bei einem ungewöhnlichen Gefühl, Brennen oder Schmerz im Auge nach der Anwendung wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [7]. Ist eine Augenreizung unter Latanoprost so schwer, dass das Auge übermäßig tränt oder Sie erwägen, das Mittel abzusetzen, sprechen Sie laut Packungsbeilage unverzüglich, also innerhalb einer Woche, mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [7]. Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen mit Atem- oder Schluckbeschwerden und schwere Hautreaktionen mit Blasen sind unter Dorzolamid seltene schwerwiegende Nebenwirkungen; dann brechen Sie die Behandlung laut Packungsbeilage ab und holen umgehend ärztlichen Rat ein [10]. Bei schweren Hautausschlägen mit zielscheibenartigen Flecken, Blasen oder Geschwüren an Mund, Rachen, Nase, Genitalien und Augen verlangt die Packungsbeilage von Brinzolamid, die Anwendung abzubrechen und sofort ärztliche Hilfe zu suchen [12]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: schwere Hautreaktionen und Arzneimittelallergie.
Bei anhaltenden Nebenwirkungen ist es laut IQWiG sinnvoll, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen [2]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Wird die Behandlung mit Brinzolamid abgebrochen, ohne vorher die Ärztin oder den Arzt zu informieren, ist der Augeninnendruck laut Packungsbeilage nicht mehr kontrolliert, was zu Sehverlust führen kann [12]. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Grünem Star
Augentropfen richtig anwenden: Eine sorgfältige Anwendung ist laut IQWiG wichtig, damit das Mittel ausreichend wirkt und nicht in den Nasen-Rachen-Raum fließt, wo es über die Schleimhaut in den Körper aufgenommen werden kann. Empfohlen werden in der Regel: Hände waschen, den Kopf nach hinten neigen, das Unterlid sanft herunterziehen, die Tropfen einträufeln, ohne das Auge zu berühren, danach die Augen schließen und den inneren Augenwinkel leicht zudrücken [3]. Wie lange die Augen geschlossen bleiben sollen, hängt vom Medikament ab und steht wie der nötige Abstand zu weiteren Augentropfen in der Packungsbeilage [3, 7]. Wer unsicher ist, kann sich die Anwendung in der Arztpraxis erklären lassen [3].
Dranbleiben: Über Jahre regelmäßig zu tropfen, kann schwerfallen, auch weil sich keine sofortige Verschlechterung zeigt, wenn man eine Anwendung vergisst. Feste Tageszeiten, Erinnerungshilfen und regelmäßige Kontrolltermine können laut IQWiG helfen; Selbsthilfegruppen bieten zum Beispiel Tropfschulungen an [2]. Ein vereinfachtes Behandlungsschema, Aufklärung, effektive Kommunikation und Erinnerungen über Alarme oder Mitteilungen können laut EGS die Therapietreue fördern (Evidenzniveau sehr niedrig, starke Empfehlung) [5]. Eine Erinnerung können Sie mit dem Werkzeug Einnahme-Erinnerung einrichten.
Kontrollen und Alltag: Kontrolluntersuchungen in der Augenarztpraxis werden laut IQWiG etwa 1- bis 3-mal pro Jahr angeboten, je nachdem, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist [1]. Bei deutlichem Sehverlust können zusätzliche Lichtquellen helfen, und das Entfernen von Stolperfallen ist wichtig, um Stürze zu vermeiden [1]. Notieren Sie Ihre Augentropfen auch im Medikationsplan, damit andere Behandelnde sie kennen.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Ein Glaukomanfall ist ein Notfall, weil er innerhalb weniger Stunden bis Tage zu bleibenden Sehschäden führen kann [1]. Bei typischen Beschwerden wie akuten Sehstörungen und Augenschmerzen müssen Betroffene laut gesund.bund.de sofort eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufsuchen; dort kann zum Beispiel eine Laserbehandlung dafür sorgen, dass das aufgestaute Kammerwasser wieder abfließt [4]. Weitere typische Beschwerden sind gerötete Augen, heftige Kopfschmerzen und Übelkeit [1].
Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. In lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [14].
Quellen
- Grüner Star (Glaukom). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 14.06.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Wie wird ein Glaukom behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 14.06.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Augentropfen richtig anwenden. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 02.11.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Glaukom. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 18.10.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie Terminologie und Leitlinien für das Glaukom, 6. Auflage (deutsche Übersetzung; Abschnitte I.3 Zentrale Fragestellungen, II.2.3.3, II.2.5 und Kapitel II.3 Therapie). European Glaucoma Society (EGS). Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Glaukom. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Latanoprost-ratiopharm 50 Mikrogramm/ml Augentropfen, Lösung. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Latanoprost-ratiopharm 50 Mikrogramm/ml Augentropfen, Lösung (Version 6). ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation LUMIGAN (Bimatoprost), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels und Anhang III B: Packungsbeilage LUMIGAN 0,3 mg/ml Augentropfen, Lösung. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Dorzolamid STADA 20 mg/ml Augentropfen. STADAPHARM GmbH. Stand 12/2022. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Dorzolamid STADA 20 mg/ml Augentropfen. STADAPHARM GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation AZOPT (Brinzolamid), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels und Anhang III B: Packungsbeilage AZOPT 10 mg/ml Augentropfensuspension. Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Timolol 0,5% AT - 1 A Pharma 5 mg/ml Augentropfen, Lösung. 1 A Pharma GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112?"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Augentropfen helfen bei Grünem Star?
Die Leitlinie der European Glaucoma Society (EGS) empfiehlt, mit einem einzelnen Mittel zu beginnen, und nennt Prostaglandin-Analoga wie Latanoprost in der Regel als erste Wahl der medikamentösen Behandlung des Offenwinkelglaukoms (Evidenzniveau hoch, starke Empfehlung). Laut IQWiG werden auch Betablocker wie Timolol häufig als erstes Mittel verschrieben; weitere Gruppen sind unter anderem Carboanhydrase-Hemmer. Welches Mittel passt, hängt laut IQWiG unter anderem vom Alter, vom Schaden am Sehnerv, von der Höhe des Drucks und von möglichen Nebenwirkungen ab.
Ist Grüner Star heilbar?
Nein. Laut IQWiG lassen sich bereits entstandene Schäden am Sehnerv nicht rückgängig machen. Den Augeninnendruck zu senken, kann aber helfen, den schleichenden Sehverlust zu verzögern oder aufzuhalten. Bei einem Offenwinkelglaukom können laut IQWiG viele Menschen auch 20 Jahre nach der Diagnose noch ausreichend sehen, vor allem, wenn das Glaukom gut behandelt wird.
Welcher Augeninnendruck ist normal?
Als normal gelten laut IQWiG Werte zwischen 10 und 21 mmHg. Bei einem Glaukom liegt der Druck aber nicht immer darüber: Knapp die Hälfte der Betroffenen hat Schäden am Sehnerv ohne erhöhten Augeninnendruck (Normaldruckglaukom). Einen einheitlichen Zielwert für alle gibt es laut EGS nicht; der Zieldruck wird für jedes Auge einzeln festgelegt und bei den Kontrollen überprüft.
Welche Medikamente können einen Grünen Star auslösen oder verschlimmern?
Glucocorticoide ("Kortison") können laut EGS den Augeninnendruck erhöhen, als Augentropfen, ins Auge gespritzt oder über längere Zeit im ganzen Körper angewendet, aber auch als Nasenspray, Inhalation oder auf der Haut. Einen akuten Winkelblock können laut EGS unter anderem inhalative Bronchienerweiterer wie Ipratropiumbromid oder Salbutamol, bestimmte Antidepressiva und Muskelrelaxanzien auslösen, normalerweise bei anatomisch dafür anfälligen Augen, über einen anderen Mechanismus auch Topiramat und Sulfonamide. Mehr dazu auf der Seite Sehstörungen durch Medikamente. Ob ein Mittel für Sie infrage kommt, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich Glaukom-Augentropfen in der Schwangerschaft anwenden?
Laut Embryotox ist Timolol das Mittel der ersten Wahl gegen Grünen Star für Schwangere; Prostaglandin-Analoga wie Latanoprost dürfen ebenfalls in der gesamten Schwangerschaft angewendet werden, örtliche Carboanhydrasehemmer wie Dorzolamid oder Brinzolamid können ebenfalls verschrieben werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage dürfen Sie Latanoprost-ratiopharm dagegen in Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden.
Was kann ich tun, wenn mich die Augentropfen stören?
Jedes Mittel kann laut IQWiG das Auge reizen und zum Beispiel Juckreiz und Rötungen hervorrufen. Bei anhaltenden Nebenwirkungen ist es sinnvoll, mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen; die Mittel sollten laut IQWiG möglichst bis zum nächsten Untersuchungstermin weiter angewendet und nicht eigenständig abgesetzt werden. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Laut EGS können konservierungsmittelfreie Mittel, weniger verschiedene Tropfen durch feste Kombinationen oder zusätzliche Tränenersatzmittel ohne Konservierungsmittel bei Störungen der Augenoberfläche helfen.
Darf ich mit Grünem Star Auto fahren?
Das hängt vom Gesichtsfeld ab. Ab einer bestimmten Einschränkung des Gesichtsfelds ist Autofahren laut IQWiG gesetzlich nicht mehr erlaubt; konkrete Beratung geben Augenärztinnen und Augenärzte. Kurz nach dem Eintropfen kann das Sehen verschwommen sein: Laut Packungsbeilage von Latanoprost fahren Sie dann kein Auto und benutzen keine Maschinen, bis Sie wieder klar sehen. Mehr im Ratgeber Medikamente und Autofahren.
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