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Trockene Augen

Bei trockenen Augen bilden die Tränendrüsen zu wenig Flüssigkeit oder der Tränenfilm ist nicht stabil; Hinweise sind zum Beispiel gerötete, brennende Augen und ein Gefühl wie ein Sandkorn im Auge. Laut der Leitlinie von BVA und DOG (Stand 2019) sind Tränenersatzmittel ("künstliche Tränen") Mittel der ersten Wahl, bei häufiger und langfristiger Anwendung und bei Allergie bevorzugt ohne Konservierungsstoff; bei Entzündungen helfen laut gesund.bund.de Kortikosteroide zur äußerlichen Anwendung, und bei Erwachsenen mit schwerer Hornhautentzündung, die sich trotz Tränenersatzmitteln nicht bessert, kommen Ciclosporin-Augentropfen infrage. Abschwellende Augentropfen gegen rote Augen verstärken laut gesund.bund.de die Beschwerden; plötzliche Sehstörungen mit heftigen Augen- und Kopfschmerzen und geröteten Augen können laut IQWiG auf einen Glaukomanfall hinweisen, der ein Notfall ist.

Frau Mitte vierzig mit hellbraunem Haar sitzt in einem korallenroten Strickpullover an einem geöffneten Fenster in einem hellen Wohnzimmer, schließt entspannt die Augen, daneben eine grüne Zimmerpflanze
Bild: KI-generiert

Trockene Augen entstehen, wenn die Tränendrüsen zu wenig Flüssigkeit bilden oder sich der Tränenfilm schlechter über das Auge verteilt; die Augen brennen, sind gerötet oder fühlen sich an, als wäre ein Sandkorn darin [1]. Oft helfen schon Änderungen im Alltag und künstliche Tränen [1]. Tränenersatzmittel sind laut der Leitlinie von BVA und DOG (Stand 2019) Mittel der ersten Wahl; bei Entzündungen kommen entzündungshemmende Augentropfen infrage [1, 2].

Was sind trockene Augen?

Unter trockenen Augen (Keratoconjunctivitis sicca, Sicca-Syndrom) fassen Ärztinnen und Ärzte Störungen zusammen, die durch zu wenig Tränenflüssigkeit oder einen unbeständigen Tränenfilm entstehen [1, 2]. Die Tränendrüse hält Hornhaut und Bindehaut feucht. Eine fetthaltige Schicht des Tränenfilms, die die Talgdrüsen am Lidrand (Meibom-Drüsen) bilden, verhindert, dass die Tränenflüssigkeit verdunstet [1]. Die Leitlinie Nr. 11 Trockenes Auge des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), Stand März 2019, beschreibt die Erkrankung als vielschichtige Störung der Augenoberfläche, bei der unter anderem ein instabiler Tränenfilm, Entzündung und Schäden der Augenoberfläche eine Rolle spielen [2].

Die Leitlinie unterscheidet Störungen der wässrigen Anteile des Tränenfilms (zu wenig Tränen), Störungen der Fettanteile mit vermehrter Verdunstung, etwa bei einer Lidrandentzündung (Blepharitis), und Mischformen [2]. Trockene Augen sind laut Leitlinie eine Volkskrankheit: In Deutschland sind 15 bis 17 Prozent der Bevölkerung betroffen, ältere Menschen und Frauen häufiger. Bei 60 bis 80 Prozent der Betroffenen ist die Fettschicht des Tränenfilms gestört; meist liegen Mischformen vor [2].

Symptome

Auf trockene Augen weisen laut gesund.bund.de unter anderem diese Beschwerden hin [1]:

  • gerötete Augen,
  • Beißen, Brennen oder Druckgefühl in den Augen,
  • ein scharfer oder dumpfer Schmerz im, hinter oder um das Auge,
  • ein Gefühl, als hätte man ein Sandkorn im Auge,
  • schwere Augenlider und Schwierigkeiten, das Auge zu öffnen,
  • meist zeitweise verschwommenes Sehen,
  • müde Augen, vor allem bei Menschen mit Kontaktlinsen,
  • empfindliche Augen, die leicht tränen.

Bei stark ausgeprägten trockenen Augen kann es zu Erkrankungen der Hornhaut kommen, zum Beispiel einer Hornhautentzündung (Keratitis) oder einem Hornhautgeschwür. Bilden sich Narben auf der Hornhaut, kann das einen Sehverlust zur Folge haben [1].

Ursachen und Risikofaktoren

Häufigster Risikofaktor ist laut Leitlinie eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen (Meibom-Drüsen-Dysfunktion), bei der die Ausführungsgänge verstopfen können [2]. Weitere Risikofaktoren sind laut Leitlinie besonders häufig Rosazea und Neurodermitis (atopische Dermatitis), außerdem unter anderem Diabetes, ein Mangel an Androgenen oder Vitamin A, Augentropfen, Bestrahlungen des Kopfes und Eingriffe, die die Empfindlichkeit der Hornhaut stören, vor allem Augenlaser-Operationen (LASIK) sowie Hornhaut- und Kataraktoperationen. Allergien, rheumatische Erkrankungen wie das Sjögren-Syndrom und vernarbende Erkrankungen treten zusammen mit trockenen Augen auf oder können deren Ursache sein [2]. Auch Wechseljahre, Schwangerschaft und Stillzeit, rheumatoide Arthritis, Schilddrüsenerkrankungen, Parkinson und Kontaktlinsen nennt die Leitlinie [2].

Begünstigt werden trockene Augen laut gesund.bund.de durch trockene Luft und Luftzug, Klimaanlagen und Heizlüfter, Tabakrauch und langes Arbeiten am Bildschirm, weil man dabei weniger blinzelt. Auch Fehlbildungen der Augenlider, die den Lidschluss beeinträchtigen, und ein eingeschränktes Blinzeln, etwa bei Parkinson, fördern die Verdunstung [1].

Medikamente als Ursache: Manche Medikamente können laut gesund.bund.de die Beschwerden verstärken, unter anderem harntreibende Mittel (Diuretika), Antihistaminika, Antidepressiva und Retinoide [1]. Als Risikofaktoren nennt die Leitlinie bei Anwendung im ganzen Körper (systemisch) die Pille, eine Östrogenbehandlung nach den Wechseljahren, Betablocker, Psychopharmaka wie Benzodiazepine, Antidepressiva und Neuroleptika, Antihistaminika, Diuretika, Anticholinergika und Isotretinoin; zur Anwendung am Auge Glaukommittel, Betablocker, Antihistaminika, gefäßverengende "Weißmacher", betäubende Augentropfen (Anästhetika) und Konservierungsmittel [2]. Bei Isotretinoin sind trockene und gereizte Augen laut Packungsbeilage sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten; es wurden Fälle berichtet, in denen die trockenen Augen nach dem Ende der Behandlung nicht abklangen [6]. Unter Latanoprost-Augentropfen gegen Grünen Star ist ein trockenes Auge laut Packungsbeilage gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten [5]. Ob ein Mittel, das die Augen austrocknen kann, ersetzt werden kann, klären Sie laut gesund.bund.de mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ist das nicht möglich, kann es sinnvoll sein, dauerhaft benetzende Augentropfen ohne Konservierungsstoffe zu benutzen [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Diagnose

Wesentlich ist laut gesund.bund.de ein ausführliches ärztliches Gespräch: Die Ärztin oder der Arzt fragt zum Beispiel, ob man viel in der Nähe von Ventilatoren oder Klimaanlagen sitzt, viel liest oder am Computer arbeitet, ob Vorerkrankungen bestehen und welche Medikamente man nimmt. Dafür gibt es auch spezielle Fragebogen. Lindern benetzende Augentropfen die Beschwerden, ist das ein weiterer Hinweis auf trockene Augen [1]. Mit Untersuchungen lassen sich die Menge der Tränenflüssigkeit, kleine Schäden an Hornhaut, Bindehaut oder Lid, der Salzgehalt der Tränen und die Häufigkeit des Blinzelns bestimmen; die Funktion der Talgdrüsen lässt sich durch Durchleuchten der Lider beurteilen (Meibographie) [1]. Notwendig sind laut Leitlinie bei der ersten Untersuchung unter anderem die Befragung nach Beschwerden und Risikofaktoren, die Bestimmung der Sehschärfe und eine Untersuchung der Augenoberfläche mit der Spaltlampe, auch mit dem Farbstoff Fluoreszein [2]. Nehmen Sie dazu Ihren Medikationsplan mit.

Behandlung ohne Medikamente

Die Behandlung richtet sich laut gesund.bund.de nach der Schwere; im Vordergrund stehen Maßnahmen, die die Beschwerden lindern. Oft genügen schon Änderungen des Lebensstils [1]:

  • weniger Zeit mit digitalen Medien verbringen und beim Lesen oder am Handy auf häufigeres Blinzeln achten,
  • trockene Luft und direkten Luftzug vermeiden, etwa Sitzmöbel und Betten nicht in den Luftzug von Ventilatoren, Klimaanlagen oder Heizlüftern stellen,
  • die Luft in Innenräumen befeuchten, zum Beispiel mit Wasserbehältern an den Heizkörpern,
  • nicht rauchen und verrauchte Räume meiden,
  • Kontaktlinsen nicht zu lange am Stück tragen.

Wichtig ist laut gesund.bund.de außerdem die Pflege der Augenlider: Bei verstopften Talgdrüsen lässt sich das Sekret durch warme Kompressen lösen, sodass es leichter abfließt [1]. Bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion und Lidrandentzündung nennt die Leitlinie eine Behandlung mit Wärme, Massage und Reinigung der Lidkanten, von Hand oder mit Geräten, und bei Rosazea am Auge eine Behandlung mit hochenergetischen Lichtblitzen (Intense pulsed light) [2].

Weitere Möglichkeiten sind laut Leitlinie unter anderem das Ausgleichen einer Fehlsichtigkeit, die Korrektur von Fehlstellungen der Lider, eine Brille mit Seitenschutz, besondere Kontaktlinsen als Verband und ein Verschluss der Tränenwege mit kleinen Stöpseln oder durch eine Operation [2]. Liegen Erkrankungen vor, die trockene Augen fördern, gilt es laut gesund.bund.de, zunächst diese zu behandeln [1].

Behandlung mit Medikamenten

Mann Ende fünfzig mit silbernem Haar in einer dunkelblauen Windjacke und mit eng anliegender Sonnenbrille geht an einem hellen, windigen Tag eine Strandpromenade entlang
Bild: KI-generiert

Tränenersatzmittel sind laut der Leitlinie von BVA und DOG (Stand 2019) Mittel der ersten Wahl. Als weitere Möglichkeiten zählt sie, gegebenenfalls kombiniert, eine entzündungshemmende Behandlung am Auge mit Kortison (Steroiden) oder Ciclosporin, Augentropfen aus dem eigenen Blutserum und Mittel auf, die die Tränenbildung anregen [2]. Bei Entzündungen der Augen helfen laut gesund.bund.de entzündungshemmend wirkende Kortikosteroide zur äußerlichen Anwendung [1].

Augentropfen bei trockenen Augen im Überblick
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Tränenersatzmittel ("künstliche Tränen")Unter anderem Hyaluronsäure, Carbomere, Zellulosederivate, Polyvinylalkohol, lipidhaltige Mittel und semifluorierte Alkane, als Tropfen, Gele oder Salben [2]Benetzen das Auge und ersetzen den Tränenfilm [1, 2]Konservierungsmittel zählen laut Leitlinie zu den örtlichen Risikofaktoren für trockene Augen; bei häufiger und langfristiger Anwendung und bei Allergie werden konservierungsstofffreie Mittel bevorzugt [2]
Glucocorticoide als AugentropfenAuswahl durch die Ärztin oder den Arzt [1, 2]Wirken entzündungshemmend [1]Können laut EGS den Augeninnendruck erhöhen; die Erhöhung entwickelt sich über 2 bis 6 Wochen nach Beginn, kann aber auch früher auftreten [4]
Ciclosporin-AugentropfenCiclosporin (ohne eigene Wirkstoffseite für die Augentropfen), laut Fachinformation nur bei Erwachsenen mit schwerer Hornhautentzündung bei trockenen Augen, wenn trotz Tränenersatzmitteln keine Besserung eingetreten ist [3]Wirkt entzündungshemmend: Ciclosporin wird in Ansammlungen weißer Blutkörperchen (T-Lymphozyten) in Horn- und Bindehaut aufgenommen und blockiert dort die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe [3]Sehr häufig: Augenschmerzen, Augenreizung; häufig unter anderem gerötete Augen und Lider, wässrige Augen, verschwommenes Sehen, geschwollene Lider, Augenjucken [3]

"Sehr häufig" heißt laut Packungsbeilage mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10 [3]. Was die Klassen bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Tränenersatzmittel

Mit künstlichen Tränen, auch benetzende Augentropfen genannt, lässt sich laut gesund.bund.de meist Abhilfe schaffen [1]. Die Leitlinie nennt oberflächenaktive Stoffe wie Polyvinylalkohol, Polyvinylpyrrolidon, Zellulosederivate, Hyaluronsäuren und Carbomere, außerdem Mittel mit Muzin-ähnlichen Stoffen, Osmoprotektiva oder Elektrolyten, lipidhaltige Tränenersatzmittel und semifluorierte Alkane; es gibt sie als Tropfen, Gele oder Salben [2]. Bei einer Störung der Meibom-Drüsen und vermehrter Verdunstung nennt sie lipidhaltige Tränenersatzmittel und semifluorierte Alkane [2]. Bei häufiger und langfristiger Anwendung und bei einer Allergie werden laut Leitlinie Mittel ohne Konservierungsstoff bevorzugt [2]. Wie Sie Augentropfen richtig anwenden, steht in der Packungsbeilage Ihres Mittels.

Was Sie meiden sollten: Freiverkäufliche abschwellende Augentropfen werden oft gegen gerötete Augen beworben. Sie verengen laut gesund.bund.de die Blutgefäße und verstärken so die Beschwerden bei trockenen Augen; bei trockenen Augen sollten sie gegen Reizungen und Rötungen nicht eingesetzt werden [1].

Entzündungshemmende Augentropfen

Eine örtliche Behandlung mit Kortison (Glucocorticoide) nennt die Leitlinie als Möglichkeit zur Immunmodulation [2]. Kortison am Auge kann laut EGS den Augeninnendruck erhöhen; das Risiko richtet sich nach der Wirkstärke, der Dosis, der Häufigkeit und Dauer der Anwendung und der Darreichungsform [4]. Mehr dazu auf der Seite Grüner Star.

Ciclosporin-Augentropfen (IKERVIS) sind laut Fachinformation zur Behandlung einer schweren Hornhautentzündung (Keratitis) bei Erwachsenen mit trockenen Augen zugelassen, bei denen trotz Tränenersatzmitteln keine Besserung eingetreten ist. Die Behandlung muss von einer Augenärztin oder einem Augenarzt eingeleitet werden; das Ansprechen sollte mindestens alle 6 Monate überprüft werden [3]. Nicht angewendet werden dürfen die Tropfen laut Packungsbeilage bei einer Allergie gegen Ciclosporin, bei Krebs in oder um das Auge und bei einer Augeninfektion. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie früher eine Augeninfektion durch Herpesviren hatten oder Mittel mit Kortison oder gegen Grünen Star anwenden [3]. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind sie nicht bestimmt [3].

Schwangerschaft und Stillzeit: Ciclosporin-Augentropfen sollten laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht angewendet werden; Frauen, die schwanger werden könnten, müssen während der Behandlung wirksam verhüten. Ciclosporin geht wahrscheinlich in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über; sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie stillen [3]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Weitere Möglichkeiten

Augentropfen aus dem eigenen Blutserum wirken laut Leitlinie als Tränenersatz und entzündungshemmend. Die Tränenbildung lässt sich laut Leitlinie örtlich, etwa mit Ciclosporin, oder über Mittel zum Einnehmen anregen. Bei fadenförmigen Ablagerungen auf der Hornhaut (filiforme Keratopathie) nennt die Leitlinie schleimlösende Mittel wie Acetylcystein-Augentropfen, bei einer Verhornung der Augenoberfläche in der Apotheke hergestellte Vitamin-A-Säure-Tropfen [2].

Nebenwirkungen der Medikamente

Ciclosporin-Augentropfen: Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Augenschmerzen und Augenreizung. Häufig sind unter anderem eine Rötung des Augenlids, wässrige Augen, gerötete Augen, verschwommenes Sehen, eine Schwellung des Augenlids und Augenjucken [3]. Die häufigsten, etwa Augenschmerzen, Augenreizung und gerötete Augen, sind laut Fachinformation in der Regel vorübergehend und traten während des Einträufelns auf [3]. Augenmittel, die das Immunsystem beeinflussen, können laut Fachinformation die Abwehr gegen örtliche Infektionen und bösartige Erkrankungen beeinträchtigen; bei einer Anwendung über Jahre wird deshalb eine regelmäßige Untersuchung der Augen empfohlen, zum Beispiel mindestens alle 6 Monate [3]. Unmittelbar nach dem Eintropfen kann die Sicht verschwommen sein; warten Sie dann laut Packungsbeilage, bis Sie wieder klar sehen, bevor Sie fahren oder Maschinen bedienen [3]. Mehr dazu: Sehstörungen.

Konservierungsmittel: Die Ciclosporin-Augentropfen enthalten Cetalkoniumchlorid, das Reizungen am Auge hervorrufen kann; Kontaktlinsen müssen laut Packungsbeilage vor der Anwendung herausgenommen werden [3]. Benzalkoniumchlorid ist laut EGS das häufigste Konservierungsmittel in Glaukommitteln [4]; es kann laut Packungsbeilage von Latanoprost Reizungen am Auge hervorrufen, besonders bei trockenen Augen oder Erkrankungen der Hornhaut [5]. Konservierte Glaukommittel können laut EGS Störungen der Augenoberfläche wie trockene Augen auslösen oder verstärken; werden sie durch konservierungsmittelfreie ersetzt, lassen die Beschwerden oft nach [4]. Tritt nach der Anwendung von Augentropfen mit diesen Konservierungsmitteln ein ungewöhnliches Gefühl, Brennen oder Schmerz im Auge auf, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [3, 5].

Kortison-Augentropfen: Eine Druckerhöhung durch Kortison geht laut EGS nach dem Ende der Anwendung langsam zurück. Als Behandlung nennt die EGS, Kortison wenn möglich abzusetzen; ist das bei Augentropfen nicht möglich, sollte auf ein schwächeres Kortison gewechselt werden [4]. Verschwommenes Sehen und eine Erkrankung der Netzhaut (zentrale seröse Chorioretinopathie) sind laut einer Risikoinformation des BfArM vom 14.06.2017 ein Problem der gesamten Gruppe der Kortikosteroide; für andere Kortikosteroide als Budesonid ist die Häufigkeit nicht bekannt [10]. Ob das bei Ihnen nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit trockenen Augen

Trockene Augen sind laut gesund.bund.de eine chronische Erkrankung. Um gut damit leben zu können, sind der Schutz der Augen vor Austrocknung im Alltag und die Pflege der Augenlider wesentlich [1]. Kontrollen sieht die Leitlinie je nach Befund und Beschwerden vor, um die Verträglichkeit zu prüfen und die Behandlung an veränderte äußere Belastungen anzupassen [2].

Wer Kontaktlinsen trägt, neigt laut gesund.bund.de häufig zu trockenen Augen, manchmal so ausgeprägt, dass keine Linsen mehr getragen werden können [1]. Laut Leitlinie können Kontaktlinsen die Empfindlichkeit der Hornhaut verringern und die Meibom-Drüsen schädigen [2]. Treten unter Isotretinoin trockene Augen auf und tragen Sie Kontaktlinsen, müssen Sie laut Packungsbeilage unter Umständen stattdessen eine Brille tragen [6].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Allergien treten laut Leitlinie auch zusammen mit trockenen Augen auf [2]. Bei einer allergischen Bindehautentzündung können laut gesund.bund.de selten eine Verschlechterung der Sehkraft, eine erhöhte Lichtempfindlichkeit oder ein Fremdkörpergefühl hinzukommen; sie können manchmal auf ernstere Probleme hinweisen, vor allem mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Dann ist es wichtig, schnell ärztlichen Rat einzuholen [7]. Akute Sehstörungen, gerötete Augen, heftige Kopf- und Augenschmerzen oder Übelkeit sind laut IQWiG typische Beschwerden eines Glaukomanfalls; er ist ein Notfall, weil er innerhalb weniger Stunden bis Tage zu bleibenden Sehschäden führen kann. Bei akuten Sehstörungen und Augenschmerzen ist es laut IQWiG wichtig, sofort eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufzusuchen [8].

Bei verschwommenem Sehen unter Isotretinoin verlangt die Packungsbeilage, die Einnahme sofort zu beenden und die Ärztin oder den Arzt zu kontaktieren [6]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117; in lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [9].

Quellen

  1. Behörde Trockene Augen. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 06.05.2022. abgerufen am 18.10.2026
  2. Leitlinie Leitlinie Nr. 11 Trockenes Auge. Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Stand 08.03.2019. abgerufen am 18.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation IKERVIS 1 mg/ml Augentropfen, Emulsion (Ciclosporin), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels und Anhang III B: Packungsbeilage. Santen Oy (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
  4. Leitlinie Terminologie und Leitlinien für das Glaukom, 6. Auflage (deutsche Übersetzung; Abschnitte II.2.3.3.1 Glaukom bei Steroidtherapie und II.3.5.2 Konservierungsmittel). European Glaucoma Society (EGS). Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Latanoprost-ratiopharm 50 Mikrogramm/ml Augentropfen, Lösung. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Isotretinoin-ratiopharm 20 mg Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
  7. Behörde Bindehautentzündung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 05.03.2026. abgerufen am 18.10.2026
  8. Grüner Star (Glaukom). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 14.06.2023. abgerufen am 18.10.2026
  9. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112?"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  10. Behörde Kortikosteroide: Nebenwirkungen am Auge (Risikoinformation). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 14.06.2017. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft schnell gegen trockene Augen?

Mit künstlichen Tränen, also benetzenden Augentropfen, lässt sich laut gesund.bund.de meist Abhilfe schaffen. Oft genügen schon Änderungen im Alltag: trockene Luft und direkten Luftzug meiden, die Raumluft befeuchten, weniger Zeit mit digitalen Medien verbringen und nicht rauchen. Bei verstopften Talgdrüsen am Lidrand können warme Kompressen das Sekret lösen.

Welche Augentropfen eignen sich bei trockenen Augen?

Tränenersatzmittel sind laut der Leitlinie von BVA und DOG (Stand 2019) Mittel der ersten Wahl. Es gibt sie mit verschiedenen Inhaltsstoffen, etwa Hyaluronsäure, Carbomeren oder Zellulosederivaten, außerdem mit Fetten (lipidhaltig) und als Tropfen, Gele oder Salben. Bei häufiger und langfristiger Anwendung und bei einer Allergie werden laut Leitlinie konservierungsstofffreie Mittel bevorzugt. Über entzündungshemmende Augentropfen mit Kortison oder Ciclosporin entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Ciclosporin-Augentropfen sind laut Fachinformation nur für Erwachsene mit schwerer Hornhautentzündung bei trockenen Augen zugelassen, die sich trotz Tränenersatzmitteln nicht gebessert hat; die Behandlung muss eine Augenärztin oder ein Augenarzt einleiten.

Warum soll ich keine Augentropfen gegen rote Augen nehmen?

Freiverkäufliche abschwellende Augentropfen werden oft als Mittel gegen gerötete Augen beworben. Sie verengen laut gesund.bund.de die Blutgefäße und verstärken so die Beschwerden bei trockenen Augen; wer trockene Augen hat, sollte sie deshalb gegen Reizungen und Rötungen nicht einsetzen. Auch konservierungsstoffhaltige abschwellende Augentropfen können dazu führen, dass zu viel Tränenfilm verdunstet.

Welche Medikamente können trockene Augen verursachen?

Laut gesund.bund.de können unter anderem harntreibende Mittel (Diuretika), Antihistaminika, Antidepressiva und Retinoide wie Isotretinoin die Beschwerden verstärken. Die Leitlinie von BVA und DOG (Stand 2019) nennt als Risikofaktoren außerdem unter anderem die Pille, eine Östrogenbehandlung nach den Wechseljahren, Betablocker, Benzodiazepine, Neuroleptika und Anticholinergika, dazu Augentropfen gegen Grünen Star und Konservierungsmittel. Bei Isotretinoin sind trockene und gereizte Augen laut Packungsbeilage sehr häufig. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Sind trockene Augen gefährlich?

Meist sind die Beschwerden laut gesund.bund.de gut behandelbar. Trockene Augen sind aber eine chronische Erkrankung. Bei stark ausgeprägten trockenen Augen kann es zu Erkrankungen der Hornhaut kommen, etwa einer Hornhautentzündung (Keratitis) oder einem Hornhautgeschwür; bilden sich Narben auf der Hornhaut, kann das zu Sehverlust führen.

Darf ich mit trockenen Augen Kontaktlinsen tragen?

Menschen mit Kontaktlinsen neigen laut gesund.bund.de häufig zu trockenen Augen, manchmal so ausgeprägt, dass sie keine Linsen mehr tragen können; sie sollten die Linsen nicht zu lange am Stück tragen. Laut Leitlinie können Kontaktlinsen die Empfindlichkeit der Hornhaut verringern und die Talgdrüsen am Lidrand schädigen. Das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid kann laut Packungsbeilage von Latanoprost von weichen Kontaktlinsen aufgenommen werden; was zu tun ist, steht in der Packungsbeilage des jeweiligen Mittels.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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