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Zahnfleischentzündung
Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) zeigt sich durch gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch, das beim Zähneputzen bluten kann; die häufigste Ursache sind laut IQWiG bakterielle Zahnbeläge. Grundlage der Behandlung ist eine sorgfältige Mundhygiene mit Zähneputzen und Reinigung der Zahnzwischenräume, Zahnstein entfernt die Zahnarztpraxis. Laut einer S3-Leitlinie von 2018, deren Gültigkeit 2023 abgelaufen ist, soll die zusätzliche Anwendung antimikrobieller Wirkstoffe in Mundspüllösungen (ätherische Öle, Chlorhexidin, Triclosan/Copolymer) als Ergänzung zur mechanischen Reinigung zur Verringerung der Gingivitis empfohlen werden (starke Empfehlung). Hält die Entzündung an, kann eine Parodontitis daraus werden, die Zähne lockern kann; dann ist eine zahnärztliche Behandlung nötig.

Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) zeigt sich durch gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch, das beim Zähneputzen blutet; Schmerzen verursacht sie meist nicht [1]. Die häufigste Ursache sind bakterielle Zahnbeläge, die sich durch gründliche Mundhygiene entfernen lassen [1, 3]. Hält die Entzündung an, kann sie auf den Zahnhalteapparat übergreifen; dann spricht man von einer Parodontitis, die mit der Zeit Zähne lockern kann [1]. Laut einer inzwischen abgelaufenen S3-Leitlinie soll die zusätzliche Anwendung antimikrobieller Wirkstoffe in Mundspüllösungen (ätherische Öle, Chlorhexidin, Triclosan/Copolymer) als Ergänzung zur mechanischen Reinigung zur Verringerung der Gingivitis empfohlen werden (starke Empfehlung) [5].
Was ist eine Zahnfleischentzündung?
Bei vielen Menschen entzündet sich laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ab und an das Zahnfleisch. Meist macht eine Zahnfleischentzündung zunächst keine großen Probleme. Sie kann aber auf andere Teile des Zahnhalteapparats übergreifen und ihn schädigen; dann spricht man von einer Parodontitis, umgangssprachlich "Parodontose" [1]. Zum Zahnhalteapparat gehören laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) das Zahnfleisch, der Kieferknochen, das Wurzelzement und die Haltefasern, die den Zahn elastisch im Kiefer verankern [4].
Bei einer Gingivitis beschränken sich die Veränderungen laut KZBV auf das Zahnfleisch; Knochen und Haltefasern bleiben unversehrt. Die Veränderungen sind umkehrbar, wenn die bakteriellen Beläge gründlich entfernt werden; eine Gingivitis kann aber der Beginn einer Parodontitis sein [4].
Wenn daraus eine Parodontitis wird
Eine Zahnfleischentzündung kann laut IQWiG von selbst zurückgehen, aber auch andauern und zu einer Parodontitis werden. Dann können die Zahnfleischtaschen zwischen Zahn und Zahnfleisch mehrere Millimeter tief werden, manchmal mehr als einen Zentimeter. Darin sammeln sich Bakterien, die mit der Zahnbürste nicht mehr erreichbar sind; die Beläge können sich verfestigen und lassen sich dann nur noch in der Zahnarztpraxis entfernen [1]. Schreitet die Parodontitis fort, wird auch der Kieferknochen um die Zähne angegriffen und abgebaut, Teile der Zahnwurzel können frei liegen, und die Zähne können sich lockern [1]. Eine Parodontitis verläuft in Schüben und geht nicht von allein wieder weg [1].
Symptome
Eine Zahnfleischentzündung macht sich laut IQWiG durch gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch und Zahnfleischbluten bemerkbar. Es blutet beim Zähneputzen, selten auch ohne äußeren Anlass. Weil eine Zahnfleischentzündung meist keine Schmerzen oder andere Beschwerden verursacht, bleibt sie oft lange unbemerkt [1].
Auch eine Parodontitis verursacht oft erst Beschwerden, wenn sie fortgeschritten ist. Mögliche Anzeichen sind laut IQWiG [1]:
- gerötetes Zahnfleisch und Zahnfleischbluten,
- empfindliche und zunehmend sichtbare Zahnhälse ("lange Zähne"),
- schmerzendes Zahnfleisch,
- Mundgeruch,
- bei fortgeschrittener Parodontitis Zähne, die sich verschieben, wackeln oder beim Kauen wehtun.
Bei Rauchern kann das typische Alarmzeichen fehlen: Weil Rauchen die Gefäße verengt, wird das Zahnfleischbluten laut KZBV unterdrückt, und die Erkrankung ist noch schwerer zu erkennen [4]. Mehr zu Mundgeruch durch Medikamente: Mundgeruch.
Ursachen und Risikofaktoren
Die häufigste Ursache für entzündetes Zahnfleisch sind laut IQWiG bakterielle Zahnbeläge (Plaque). Dieser dünne, zunächst kaum sichtbare Film besteht zum Großteil aus Bakterien und sitzt vor allem am Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch. Stoffwechselprodukte der Bakterien können das Zahnfleisch entzünden und anschwellen lassen [1]. Wird der Belag nicht entfernt, kann sich das Zahnfleisch schon innerhalb weniger Tage entzünden, und der Belag kann zu Zahnstein aushärten [1]. Zahnstein macht die Zahnoberfläche laut KZBV rau und bietet Bakterien einen idealen Nistplatz [4].
Häufiger kommen Zahnfleischentzündungen und Parodontitis laut IQWiG vor bei Raucherinnen und Rauchern, bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und bei Schwangeren, bedingt durch die hormonellen Veränderungen; außerdem sind einige Menschen anfälliger als andere [1]. Die KZBV nennt als weitere Einflüsse auf eine Parodontitis eine erbliche Veranlagung, psychischen Stress und Krankheiten des Immunsystems [4]. Raucher haben laut KZBV im Vergleich zu Nichtrauchern ein zwei- bis siebenfach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken [4]. Hilfe beim Aufhören bietet die Seite Nikotinabhängigkeit.
Medikamente als Ursache: Bestimmte Medikamente können laut IQWiG zu einem übermäßigen Wachstum des Zahnfleischs führen. Das erschwert die Mundhygiene und fördert Zahnfleischentzündungen. Das gilt zum Beispiel für Mittel, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), und für Medikamente gegen Gefäß- und Herzkrankheiten [1, 3]. Laut KZBV entstehen durch solche Wucherungen Zahnfleischtaschen, die Betroffene nicht reinigen können [4]. Welche Wirkstoffe Zahnfleischwucherungen in ihren Produktinformationen nennen, steht auf der Seite Zahnschäden und Zahnfleischprobleme durch Medikamente. Zahnfleischbluten nennt zum Beispiel die Packungsbeilage von Acetylsalicylsäure (ASS) als mögliche Nebenwirkung [8]; mehr dazu unter Blutungen durch Medikamente.
Diagnose
Zahnfleischentzündungen lassen sich bei zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen erkennen. Gesetzlich Krankenversicherte haben laut IQWiG zweimal im Jahr Anspruch auf eine solche Untersuchung, bei der Zähne und Zahnfleisch kontrolliert werden [1]. Alle zwei Jahre gibt es außerdem eine spezielle Parodontitis-Untersuchung, den Parodontalen Screening Index (PSI): Dabei wird das gesamte Gebiss Zahn für Zahn mit einer Parodontalsonde auf Zahnfleischtaschen geprüft und unter anderem auf Zahnfleischblutungen, Zahnstein, Zahnfleischrückgang und gelockerte Zähne geachtet [1]. Besteht der Verdacht auf eine Parodontitis, sind weitere Untersuchungen nötig, etwa Röntgenaufnahmen, um festzustellen, ob bereits Knochen abgebaut wurde [1].
Behandlung ohne Medikamente
Die Basis zur Vorbeugung und Behandlung der Gingivitis ist laut S3-Leitlinie "Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis" der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) die sorgfältige mechanische Mundhygiene, die neben dem Zähneputzen mit einer Form der Reinigung der Zahnzwischenräume ergänzt werden muss (Expertenkonsens) [5]. Die Leitlinie hat den Stand November 2018 (Amendment Dezember 2020); ihre Gültigkeit endete im November 2023, die Inhalte werden derzeit überprüft [5].
Zahnbelag bildet sich laut IQWiG sehr schnell, lässt sich aber durch gründliche Mundhygiene entfernen: durch regelmäßiges Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnzwischenraum-Bürstchen oder Zahnseide [1]. Wer eine Zahnfleischentzündung oder Parodontitis hat, wird in der Zahnarztpraxis zur richtigen Zahnpflege angeleitet [1]. Zahnstein, überstehende Füllungs- und Kronenränder erschweren es, die bakteriellen Beläge dahinter zu beseitigen; deshalb werden sie bei der Behandlung einer Zahnfleischentzündung, falls erforderlich, entfernt oder geglättet [1]. Die Kosten für die Zahnsteinentfernung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung einmal pro Jahr; eine professionelle Zahnreinigung, bei der harte und weiche Beläge entfernt werden, muss in der Regel selbst bezahlt werden [1].
Bei einer Parodontitis werden laut IQWiG in der Regel unter örtlicher Betäubung bakterielle Beläge und feste Ablagerungen (Konkremente) unterhalb des Zahnfleischrands entfernt (geschlossene Behandlung) [2]. Hat das nicht ausreichend geholfen, wird manchmal ein operativer Eingriff vorgeschlagen, bei dem das Zahnfleisch zurückgeklappt und die Zahnwurzel gereinigt wird (offene Behandlung) [2]. Die Nachsorge, die unterstützende Parodontitistherapie, beginnt nach 3 bis 6 Monaten und erstreckt sich über zwei Jahre [2].
Behandlung mit Medikamenten

Ziel der zusätzlichen Anwendung einer antimikrobiellen Mundspüllösung ist laut S3-Leitlinie (Stand 2018, Gültigkeit 2023 abgelaufen), den Erfolg der mechanischen Mundhygiene zu verbessern: durch weniger Plaque und damit eine Vorbeugung der Gingivitis und durch das Ausheilen einer bestehenden Gingivitis [5]. Für die Behandlung nennt die Leitlinie Wirkstoffe mit zwei Empfehlungsgraden [5]:
- Die zusätzliche Anwendung chemisch antimikrobieller Wirkstoffe (ätherische Öle, Chlorhexidin, Triclosan/Copolymer) soll als Ergänzung zur mechanischen Reinigung zur Verringerung der Gingivitis empfohlen werden (starke Empfehlung, Evidenzgrad hoch).
- Die zusätzliche Anwendung chemisch antimikrobieller Wirkstoffe (Aminfluorid/Zinnfluorid, Cetylpyridiniumchlorid) sollte als Ergänzung zur mechanischen Reinigung zur Verringerung der Gingivitis empfohlen werden (Empfehlung, Evidenzgrad moderat).
Eine Aussage zu bestimmten Formulierungen oder Konzentrationen ist laut Leitlinie nicht möglich [5]. Zur Verringerung des Zahnbelags und damit zur Vorbeugung einer Gingivitis kann die zusätzliche Anwendung chemisch antimikrobieller Wirkstoffe in Mundspüllösungen als Ergänzung zur mechanischen Reinigung empfohlen werden (Empfehlung offen, Evidenzgrad gering) [5].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Antiseptische Mundspüllösung mit Chlorhexidin (starke Empfehlung) | Chlorhexidin (ohne eigene Wirkstoffseite), zum Beispiel Dynexidin Forte, rezeptfrei [6] | Antiseptikum für Haut und Schleimhaut [7]; vermindert Bakterien in der Mundhöhle und wird unterstützend zur mechanischen Reinigung bei bakteriell bedingten Entzündungen des Zahnfleischs angewendet [6] | Keine häufigen Nebenwirkungen genannt; selten: kurzzeitig gestörtes Geschmacksempfinden, vorübergehendes Taubheitsgefühl der Zunge, vorübergehende Verfärbungen von Zunge, Zähnen und Füllungen [6] |
| Weitere antimikrobielle Wirkstoffe in Mundspüllösungen | Ätherische Öle und Triclosan/Copolymer (starke Empfehlung); Aminfluorid/Zinnfluorid und Cetylpyridiniumchlorid (Empfehlung); jeweils ohne eigene Wirkstoffseite [5]; laut Langfassung der Leitlinie gelten in Deutschland Chlorhexidin-Lösungen ab 0,1 Prozent als Arzneimittel, andere Mundspüllösungen sind als Kosmetika deklariert [11] | Chemisch antimikrobielle Wirkstoffe als Ergänzung zur mechanischen Reinigung [5] | Stehen in den Angaben des jeweiligen Produkts |
Selten heißt laut Packungsbeilage bei 1 bis 10 von 1.000 Behandelten [6]. Die Angaben gelten für das genannte Präparat. Mit dem Werkzeug Häufigkeit übersetzen lassen sich Häufigkeiten einordnen.
Chlorhexidin-Mundspüllösung in der Selbstbehandlung
Die Mundspüllösung Dynexidin Forte wird laut Packungsbeilage vorübergehend angewendet, um Bakterien in der Mundhöhle zu vermindern, unterstützend zur mechanischen Reinigung bei bakteriell bedingten Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut, nach chirurgischen Eingriffen am Zahnhalteapparat und wenn die Mundhygiene eingeschränkt ist [6]. Sie ist ohne Verschreibung erhältlich; ohne ärztliche oder zahnärztliche Empfehlung sollte sie nicht länger als 6 Wochen angewendet werden [6]. Verschlimmern sich die Beschwerden oder tritt nach einigen Tagen keine Besserung ein, müssen Sie laut Packungsbeilage auf jeden Fall eine Zahnarztpraxis oder Arztpraxis aufsuchen [6].
Nicht angewendet werden darf die Lösung laut Packungsbeilage [6]:
- bei einer Allergie gegen Chlorhexidin oder einen der sonstigen Bestandteile,
- bei schlecht durchblutetem Gewebe in der Mundhöhle,
- am Trommelfell sowie am Auge und in der Augenumgebung,
- bei offenen Wunden und Geschwüren in der Mundhöhle,
- bei Säuglingen und Kleinkindern unter 2 Jahren, weil sie den Schluckreflex altersbedingt noch nicht ausreichend kontrollieren können und die Gefahr eines Kehlkopfkrampfs besteht.
Besondere Vorsicht ist laut Packungsbeilage bei furchigen, schuppigen Veränderungen der Mundschleimhaut nötig [6]. Zucker (Saccharose), Polysorbat 80 und unlösliche Magnesium-, Zink- und Calciumsalze machen Chlorhexidin unwirksam; Seifen und andere anionische Stoffe, die in der Regel auch in Zahnpasta enthalten sind, vermindern die Wirkung [6]. Wie Sie die Lösung anwenden, steht in der Packungsbeilage.
Ist kurzfristig (etwa 2 bis 4 Wochen) eine hohe Keimzahlverringerung als alleinige Maßnahme notwendig, weil eine mechanische Reinigung nicht möglich oder nicht angezeigt ist, sollten laut Leitlinie antimikrobielle Mundspüllösungen angewendet werden; dann sollte auf chlorhexidinhaltige Spüllösungen mit mindestens 0,1 Prozent zurückgegriffen werden (Expertenkonsens) [5]. Nebenwirkungen wie Verfärbungen bei der Langzeitanwendung, Gegenanzeigen, Kosten, Zulassungsbestimmungen und Umweltfaktoren sollen laut Leitlinie bei der Wahl des Produkts berücksichtigt werden (Expertenkonsens) [5].
Antibiotika nur bei schwerer Parodontitis
Bei besonders schweren Formen der Parodontitis kann laut IQWiG eine ergänzende Einnahme von Antibiotika infrage kommen, zum Beispiel als Tabletten. Zur alleinigen Behandlung reicht sie bei einer Parodontitis nicht aus [2]. Die Behandlung mit Antibiotika sollte gut begründet sein, da noch nicht eindeutig gezeigt wurde, ob und wem sie helfen kann; ob örtlich angewendete Antibiotika helfen, ist unklar [2]. Antiseptische Substanzen (meist Chlorhexidin), die in die Zahnfleischtaschen eingebracht werden, bieten manche Zahnarztpraxen zusätzlich an; ob das bei einer Parodontitis hilft, ist laut IQWiG noch unklar [2].
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangere haben laut IQWiG wegen der hormonellen Veränderungen häufiger Zahnfleischentzündungen und Parodontitis [1]. Laut KZBV kann der erhöhte Hormonspiegel in der Schwangerschaft die Zusammensetzung der Zahnbeläge beeinflussen und bestehende Entzündungen in der Mundhöhle verstärken; Schwangere mit schwerer Parodontitis scheinen ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt zu haben [4]. Zur Anwendung von Chlorhexidin in Schwangerschaft und Stillzeit liegen laut Packungsbeilage von Dynexidin Forte keine ausreichenden Erfahrungen vor; Schwangere und Stillende sollten die Lösung deshalb nur mit besonderer Vorsicht anwenden [6]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Chlorhexidin: Laut Packungsbeilage von Dynexidin Forte kann es selten zu kurzzeitig gestörtem Geschmacksempfinden, einem vorübergehenden Taubheitsgefühl der Zunge und vorübergehenden Verfärbungen von Zunge, Zähnen und Füllungen kommen. Mit nicht bekannter Häufigkeit treten Überempfindlichkeitsreaktionen, vorübergehende oberflächliche, nicht blutende Abschilferungen der Mundschleimhaut und anaphylaktische Reaktionen bis zum Schock auf [6]. Ständiger Gebrauch ohne mechanische Reinigung kann laut Packungsbeilage Blutungen des Zahnfleischs fördern [6]. Mehr dazu: Geschmacksstörungen durch Medikamente.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erinnerte am 27.09.2013 daran, dass Chlorhexidin schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen kann, von örtlichen Reaktionen bis zu schweren anaphylaktischen Reaktionen; der größte Teil der gemeldeten Fälle trat bei chlorhexidinhaltigen Mundspüllösungen auf [7]. Wer schon einmal überempfindlich reagiert hat, muss laut BfArM darauf hingewiesen werden, alle chlorhexidinhaltigen Arzneimittel und anderen chlorhexidinhaltigen Produkte zu meiden [7]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.
Zahnfleischbluten als Nebenwirkung: Die Packungsbeilage von ASS-ratiopharm nennt Blutungen wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder rote Flecken unter der Haut als mögliche Nebenwirkung; dann informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder gehen in das nächstgelegene Krankenhaus [8]. Nehmen Sie ein Medikament regelmäßig ein und blutet Ihr Zahnfleisch, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie auch direkt dem BfArM melden [6]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit empfindlichem Zahnfleisch
Nach einer Parodontitis-Behandlung ist eine gute Mundhygiene laut IQWiG die Voraussetzung für den Erfolg und soll verhindern, dass die Erkrankung zurückkehrt: mindestens zweimal täglich die Zähne putzen und die Zahnzwischenräume mit Zahnzwischenraum-Bürstchen oder Zahnseide reinigen [2]. Oft hilft es, bei der Zahnpflege tägliche Routinen einzuführen und an ihnen festzuhalten; vielen fällt die Pflege mit der Zeit leichter, wenn sie merken, dass sich ihre Zahngesundheit verbessert [2].
Für eine von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlte systematische Parodontitis-Behandlung müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: unter anderem eine ausreichende Mundhygiene, möglichst der Rauchstopp und eine optimal behandelte Diabetes-Erkrankung [2]. Diabetes und Parodontitis beeinflussen sich laut KZBV gegenseitig: Diabetes erhöht das Risiko für Parodontitis, und akute Entzündungen verringern die Wirkung von Insulin, sodass eine Parodontitis die Einstellung des Blutzuckers erschweren kann [4]. Außerdem besteht laut KZBV ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen [4].
Pflegebedürftige Menschen und Menschen mit Behinderungen können laut IQWiG zweimal pro Jahr kostenlos Zahnstein entfernen lassen und haben zweimal pro Jahr Anspruch auf eine Schulung zur Pflege von Zähnen und Zahnersatz [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Hält eine Zahnfleischentzündung an, kann daraus laut IQWiG eine Parodontitis werden; je eher sie erkannt wird, desto einfacher lässt sie sich behandeln [1]. Verschlimmern sich die Beschwerden unter einer Chlorhexidin-Mundspüllösung oder tritt nach einigen Tagen keine Besserung ein, müssen Sie laut Packungsbeilage auf jeden Fall eine Zahnarztpraxis oder Arztpraxis aufsuchen [6].
Blutet das Zahnfleisch unter ASS, informieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder gehen in das nächstgelegene Krankenhaus [8]. Bei starken Zahnschmerzen oder anderen zahnmedizinischen Notfällen außerhalb der Sprechzeiten können Sie sich laut gesund.bund.de an den zahnärztlichen Notdienst wenden [9]. Den Notruf 112 wählen Sie, wenn Lebensgefahr besteht oder bleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden können [9]; als Beispiele nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung unter anderem schwere Atemnot sowie starke, nicht stillbare Blutungen [10]. Mehr zu Zahnschmerzen: Zahnschmerzen.
Quellen
- Zahnfleischentzündung und Parodontitis. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 23.08.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Wie wird eine Parodontitis behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 23.08.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Zahnfleischentzündung und Parodontitis. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 28.08.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Parodontitis: Ursachen und Auswirkungen. Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV). Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis, Kurzversion (AWMF-Register-Nr. 083-016), Stand November 2018, Amendment Dezember 2020; gültig bis November 2023 (abgelaufen, Inhalte werden überprüft). Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Stand 11/2018. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Dynexidin Forte 0,2 % Lösung (Chlorhexidinbis(D-gluconat)). Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH. Stand 03/2021. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Chlorhexidin: Anaphylaktische Reaktionen (Risikoinformation). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 27.09.2013. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation ASS-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Nummern für den Notfall (Abschnitte Notruf und Zahnärztlicher Notdienst). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 06.10.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis, Langversion (AWMF-Register-Nr. 083-016), Stand November 2018, Amendment Dezember 2020; gültig bis November 2023 (abgelaufen). Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Stand 11/2018. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft gegen eine Zahnfleischentzündung?
Die Basis ist laut S3-Leitlinie zum häuslichen chemischen Biofilmmanagement (Stand 2018, Gültigkeit 2023 abgelaufen) die sorgfältige mechanische Mundhygiene, die neben dem Zähneputzen mit einer Form der Reinigung der Zahnzwischenräume ergänzt werden muss (Expertenkonsens). Das IQWiG nennt Zähneputzen sowie Zahnzwischenraum-Bürstchen und Zahnseide. Zahnstein und überstehende Füllungs- und Kronenränder entfernt oder glättet die Zahnarztpraxis. Zusätzlich soll laut derselben Leitlinie die Anwendung antimikrobieller Wirkstoffe in Mundspüllösungen (ätherische Öle, Chlorhexidin, Triclosan/Copolymer) als Ergänzung zur mechanischen Reinigung zur Verringerung der Gingivitis empfohlen werden (starke Empfehlung).
Welche Mundspülung hilft bei Zahnfleischentzündung?
Die S3-Leitlinie (Stand 2018, Gültigkeit 2023 abgelaufen) nennt ätherische Öle, Chlorhexidin und Triclosan/Copolymer (starke Empfehlung) sowie Aminfluorid/Zinnfluorid und Cetylpyridiniumchlorid (Empfehlung), jeweils als Ergänzung zur mechanischen Reinigung. Eine Aussage zu bestimmten Produkten oder Konzentrationen ist laut Leitlinie nicht möglich. Chlorhexidin-Mundspüllösungen wie Dynexidin Forte gibt es rezeptfrei; ohne ärztliche oder zahnärztliche Empfehlung sollte diese Lösung laut Packungsbeilage nicht länger als 6 Wochen angewendet werden. Lassen Sie sich in der Zahnarztpraxis oder Apotheke beraten.
Warum blutet mein Zahnfleisch?
Zahnfleischbluten ist laut IQWiG ein Zeichen einer Zahnfleischentzündung: Das Zahnfleisch blutet beim Zähneputzen, selten auch ohne äußeren Anlass. Die häufigste Ursache sind bakterielle Zahnbeläge. Auch Medikamente kommen infrage: Die Packungsbeilage von ASS nennt Zahnfleischbluten als mögliche Nebenwirkung; dann informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder gehen in das nächstgelegene Krankenhaus. Mehr dazu: Blutungen durch Medikamente.
Geht eine Zahnfleischentzündung von selbst weg?
Das ist möglich. Laut IQWiG kann eine Zahnfleischentzündung von selbst zurückgehen. Sie kann aber auch andauern, sich ausweiten und zu einer Parodontitis werden, die nicht von allein ausheilt. Laut KZBV sind die Veränderungen einer Gingivitis umkehrbar, wenn die bakteriellen Beläge gründlich entfernt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Gingivitis und Parodontitis?
Bei einer Gingivitis ist nur das Zahnfleisch entzündet; Knochen und Haltefasern des Zahns bleiben laut KZBV unversehrt. Greift die Entzündung auf den Zahnhalteapparat über, spricht man laut IQWiG von einer Parodontitis, umgangssprachlich "Parodontose". Dabei entstehen Zahnfleischtaschen, und im fortgeschrittenen Stadium wird der Kieferknochen um die Zähne angegriffen; die Zähne können sich lockern.
Brauche ich bei einer Zahnfleischentzündung ein Antibiotikum?
Bei besonders schweren Formen der Parodontitis kann laut IQWiG eine ergänzende Einnahme von Antibiotika infrage kommen, zum Beispiel als Tabletten; zur alleinigen Behandlung reicht sie aber nicht aus. Die Behandlung sollte gut begründet sein, weil noch nicht eindeutig gezeigt wurde, ob und wem sie hilft. Ob örtlich angewendete Antibiotika helfen, ist laut IQWiG unklar.
Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft: Was ist zu beachten?
Bei Schwangeren kommen Zahnfleischentzündungen und Parodontitis laut IQWiG wegen der hormonellen Veränderungen häufiger vor. Laut KZBV kann der erhöhte Hormonspiegel bestehende Entzündungen in der Mundhöhle verstärken; Schwangere mit schwerer Parodontitis scheinen ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt zu haben. Zu Chlorhexidin in Schwangerschaft und Stillzeit liegen laut Packungsbeilage von Dynexidin Forte keine ausreichenden Erfahrungen vor; sie sollte dann nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden. Fragen Sie vor der Anwendung Ihre Ärztin, Ihren Arzt, Ihre Zahnarztpraxis oder Apotheke.
Können Medikamente das Zahnfleisch schädigen?
Ja. Bestimmte Medikamente können laut IQWiG zu einem übermäßigen Wachstum des Zahnfleischs führen, zum Beispiel Mittel, die das Immunsystem unterdrücken, und Medikamente gegen Gefäß- und Herzkrankheiten; das erschwert die Mundhygiene und fördert Zahnfleischentzündungen. Welche Wirkstoffe das in ihren Produktinformationen nennen, steht auf der Seite Zahnschäden und Zahnfleischprobleme durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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