Ratgeber
Medikamente in der Stillzeit
Auch Stillende müssen laut Embryotox mit Arzneimitteln versorgt werden, denn unbehandelte Erkrankungen können Mutter und Kind gefährden; bei einer chronischen Erkrankung finden sich laut BIÖG auch für die Stillzeit fast immer geeignete Arzneimittel. Packungsbeilage und Embryotox bewerten dasselbe Mittel manchmal unterschiedlich: Cetirizin sollten Sie laut Packungsbeilage in der Stillzeit erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt einnehmen, laut Embryotox kann es ohne Stillunterbrechung eingenommen werden. Fragen Sie vor jeder Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt, Ihre Hebamme oder Ihre Apotheke; Embryotox selbst kann Stillende aus Kapazitätsgründen nicht persönlich beraten.

Auch Schwangere und Stillende müssen mit Arzneimitteln versorgt werden, denn unbehandelte Erkrankungen können Mutter und Kind gefährden, schreibt das Beratungszentrum Embryotox der Charité [2]. Laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) finden sich bei einer chronischen Erkrankung auch für die Stillzeit fast immer geeignete Arzneimittel; Umstellungen der Medikamente sollten Sie aber nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vornehmen [7]. Manchmal ist die Einnahme eines Medikaments, das in die Muttermilch übergeht und dem Kind schaden könnte, aber auch ein medizinischer Grund, weshalb eine Frau nicht stillen kann oder darf [6].
Hinweise je Wirkstoff geben die Packungsbeilage und Embryotox, das zu mehr als 400 Arzneimitteln über Verträglichkeit und Risiken in Schwangerschaft und Stillzeit informiert [1]. Stillende Mütter kann Embryotox aus Kapazitätsgründen nicht persönlich beraten; Anlaufstellen nennt der Abschnitt Wo Sie Rat bekommen [3].
Wie Medikamente in die Muttermilch gelangen
Mehrere Packungsbeilagen sagen ausdrücklich, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, etwa bei Paracetamol, Cetirizin und Sertralin [15, 28, 30]. Wie viel beim Kind ankommt, ist je nach Mittel verschieden. Bei Ibuprofen gehen der Wirkstoff und seine Abbauprodukte laut Packungsbeilage nur in geringen Mengen in die Muttermilch über [19]. Bei Metamizol gehen die Abbauprodukte in beträchtlicher Menge über [23], und Metoprolol wird in der Muttermilch angereichert [25].
Embryotox gibt auf seinen Wirkstoffseiten dafür die relative Dosis an: den Anteil an der auf das Körpergewicht bezogenen Tagesdosis der Mutter, den ein voll gestillter Säugling pro Kilogramm Körpergewicht in 24 Stunden mit der Milch erhält [4]. Für Paracetamol nennt Embryotox statt der relativen Dosis einen Schätzwert: Nach den vorhandenen Studien ist anzunehmen, dass ein gestilltes Kind mit einer Mahlzeit maximal etwa 2 Prozent der gewichtsbezogenen Dosis der Mutter aufnimmt [29]. Ein zweiter Wert, der Milch/Plasma-Quotient, vergleicht die Konzentration in der Milch mit der im Blutplasma der Mutter; er eignet sich laut Embryotox nicht zum Vergleich von Arzneimittelrisiken in der Stillzeit, die relative Dosis ist informativer [5].
Ob ein Mittel beim Kind Beschwerden auslöst, beschreiben die Wirkstoffseiten von Embryotox unter "Klinik", soweit Erfahrungen vorliegen. Bei Amoxicillin zum Beispiel haben die meisten gestillten Kinder keine Symptome; gelegentlich kann eine Antibiotika-Behandlung der Mutter beim gestillten Säugling vorübergehenden Durchfall oder Soor auslösen [14].
Was die Packungsbeilage zur Stillzeit sagt
Nach § 11 Abs. 1 des Arzneimittelgesetzes muss die Packungsbeilage bei Gegenanzeigen, Vorsichtsmaßnahmen, Wechselwirkungen und Warnhinweisen auf die besondere Situation bestimmter Personengruppen eingehen, darunter Schwangere und stillende Frauen, soweit das nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse erforderlich ist [9]. In der Packungsbeilage stehen diese Angaben in Abschnitt 2 unter "Schwangerschaft und Stillzeit"; die EU-Vorlage sieht dort den Satz vor, dass Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat fragen, wenn Sie schwanger sind oder stillen [10].
Was danach folgt, unterscheidet sich von Mittel zu Mittel. Bei Paracetamol wird eine Unterbrechung des Stillens laut Packungsbeilage in der Regel nicht erforderlich sein [28]. Cetirizin sollten Sie während der Stillzeit nicht einnehmen, bis Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt gewendet haben [15]. Bei Amoxicillin steht in der Packungsbeilage nur der allgemeine Satz [12]; die Fachinformation nennt mögliche Folgen für den Säugling [13]. Die Packungsbeilage von Sertralin sagt, dass stillende Frauen es nur anwenden sollten, wenn nach ärztlichem Ermessen der Nutzen größer ist als das mögliche Risiko für den Säugling [30].
Laut Embryotox vermitteln die Angaben auf Beipackzetteln, in der Fachinformation und in der Roten Liste häufig den Eindruck, dass die meisten Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden dürfen; viele Ärztinnen, Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker betrachten diese Hinweise als rechtlich bindend [1]. Die Einschätzungen von Embryotox beruhen nach eigenen Angaben auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand [1]. Ein Beispiel ist Metoprolol: Laut Fachinformation sollte es in der Stillzeit nicht eingenommen werden, es sei denn, die Einnahme wird als notwendig erachtet [26]; Embryotox zählt es zu den Betablockern der Wahl in der Stillzeit [27]. Ob und wie Sie ein Mittel anwenden, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Wie eine Packungsbeilage aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Welche Medikamente betroffen sein können
Jede Angabe gilt nur für den Wirkstoff, bei dem sie steht; die Tabelle ist keine Liste erlaubter oder verbotener Mittel. Die Spalte "Was die Packungsbeilage sagt" gibt die Packungsbeilage je eines Präparats wieder, bei einigen ergänzt um die Fachinformation; welches Präparat, steht in den Quellen am Ende der Seite.
| Wirkstoff | Was die Packungsbeilage sagt | Was Embryotox sagt | Mehr dazu |
|---|---|---|---|
| Amoxicillin | Nur der allgemeine Hinweis, vor der Einnahme Ärztin, Arzt oder Apotheke um Rat zu fragen [12]. Laut Fachinformation gehen geringe Mengen in die Muttermilch über, mit dem möglichen Risiko einer Sensibilisierung; beim gestillten Säugling sind Durchfall und eine Pilzinfektion der Schleimhäute möglich, sodass eventuell abgestillt werden muss. Amoxicillin sollte in der Stillzeit nur nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt angewendet werden [13] | Gehört zu den Antibiotika der Wahl in der Stillzeit; die meisten gestillten Kinder haben keine Symptome [14] | Amoxicillin im Alltag |
| Cetirizin | Geht in die Muttermilch über; bei gestillten Säuglingen können Nebenwirkungen beobachtet werden. Sie sollten es während der Stillzeit nicht einnehmen, bis Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt gewendet haben [15] | Kann in der Stillzeit eingenommen werden, ohne dass eine Stillunterbrechung nötig ist; bisherige Erfahrungen deuten nicht auf nennenswerte Unverträglichkeiten hin [16] | Cetirizin im Alltag |
| Desogestrel (Minipille) | Kann in der Stillzeit angewendet werden und scheint im Allgemeinen keinen Einfluss auf Produktion oder Qualität der Muttermilch zu haben; in seltenen Fällen wurde über eine verminderte Milchproduktion berichtet. Eine geringe Menge geht in die Muttermilch über. Bei Kindern, die 7 Monate gestillt und bis zum Alter von 2,5 Jahren untersucht wurden, zeigten sich keine Auswirkungen auf Wachstum oder Entwicklung. Wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie stillen und Desogestrel einnehmen möchten [17] | Reine Gestagenpräparate (Minipille) oder gestagenhaltige Spiralen sind die Mittel der ersten Wahl für die hormonale Verhütung in der Stillzeit; mit der Anwendung kann sechs bis acht Wochen nach der Entbindung begonnen werden [18] | Desogestrel im Alltag |
| Ibuprofen | Geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über. Da nachteilige Folgen für den Säugling bisher nicht bekannt geworden sind, wird bei kurzfristiger Einnahme der empfohlenen Dosis eine Unterbrechung des Stillens in der Regel nicht erforderlich sein [19] | Ebenso wie Paracetamol Schmerzmittel der Wahl in der Stillzeit; Nebenwirkungen bei gestillten Kindern wurden in mehreren Untersuchungen nicht beobachtet [20] | Ibuprofen im Alltag |
| Levothyroxin | Wenn Sie stillen, setzen Sie die Einnahme nach Anweisung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes fort. Die Menge, die in die Muttermilch übergeht, ist selbst bei hoch dosierter Behandlung sehr gering [21] | Mittel der Wahl bei einer Schilddrüsenunterfunktion in der Stillzeit; die Behandlung der Mutter beeinflusst die Schilddrüsenfunktion eines gesunden Kindes nicht [22] | Levothyroxin im Alltag |
| Metamizol | Die Abbauprodukte gehen in beträchtlicher Menge in die Muttermilch über, ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere eine wiederholte Anwendung in der Stillzeit muss vermieden werden. Nach einer Einzelanwendung wird geraten, die Muttermilch 48 Stunden lang zu sammeln und zu verwerfen [23] | Einzelne Dosen erfordern keine Einschränkung des Stillens, Paracetamol oder Ibuprofen sind vorzuziehen [24]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | Metamizol im Alltag |
| Metoprolol | Wird in der Muttermilch angereichert. Obwohl nach therapeutischen Dosierungen nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen ist, sollten gestillte Säuglinge auf Anzeichen einer Arzneimittelwirkung überwacht werden [25]. Laut Fachinformation sollte Metoprolol in der Stillzeit nicht eingenommen werden, es sei denn, die Einnahme wird als notwendig erachtet [26] | Gehört zu den Betablockern der Wahl in der Stillzeit; die meisten gestillten Säuglinge zeigten keine Symptome, nur in sehr wenigen Einzelfällen wurde ein verlangsamter Herzschlag (Bradykardie) berichtet [27] | Metoprolol im Alltag |
| Paracetamol | Geht in die Muttermilch über. Da nachteilige Folgen für den Säugling bisher nicht bekannt geworden sind, wird eine Unterbrechung des Stillens in der Regel nicht erforderlich sein [28] | Neben Ibuprofen Schmerzmittel der Wahl in der Stillzeit; keine nennenswerten Hinweise auf Unverträglichkeiten beim gestillten Säugling [29] | Paracetamol im Alltag |
| Sertralin | Geht in die Muttermilch über. Stillende Frauen sollten es nur anwenden, wenn nach ärztlichem Ermessen der Nutzen größer ist als das mögliche Risiko für den Säugling [30] | Gehört zu den Antidepressiva der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit. Treten beim gestillten Kind anders nicht erklärbare Symptome wie Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollte das Kind in einer kinderärztlichen Praxis vorgestellt werden [31] | Sertralin im Alltag |
| Sumatriptan | Stillen Sie Ihr Baby 12 Stunden lang nach der Einnahme nicht; Muttermilch aus dieser Zeit verwerfen. Einige stillende Frauen berichten über Brust- oder Brustwarzenschmerzen, die in der Regel vorübergehend sind und innerhalb von 3 bis 12 Stunden verschwinden [32] | Bisher wurde nicht über unerwünschte Wirkungen bei gestillten Kindern berichtet; bei Stillenden gibt es Berichte über Schmerzen der Brust und Brustwarzen und eine verringerte Milchproduktion nach Triptanen. Zu den Schmerzmitteln der Wahl in der Stillzeit gehören Ibuprofen und Paracetamol; bei unzureichender Wirksamkeit kann auch Sumatriptan gegen akute Migräneattacken eingesetzt werden [33]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | Sumatriptan im Alltag |
Die Tabelle ist eine Auswahl. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Was Packungsbeilage und Embryotox zu weiteren Wirkstoffen sagen, steht auf den Wirkstoffseiten im Abschnitt "Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft"; zur Schwangerschaft gibt es den Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Stillpause und Abstillen

Ob eine Stillpause oder sogar das Abstillen nötig ist, sagt die Packungsbeilage je nach Mittel unterschiedlich. Bei Metamizol wird nach einer Einzelanwendung geraten, die Muttermilch 48 Stunden lang zu sammeln und zu verwerfen [23]. Bei Sumatriptan stillen Sie Ihr Baby laut Packungsbeilage 12 Stunden lang nach der Einnahme nicht [32]. Bei Amoxicillin sind laut Fachinformation Durchfall und eine Pilzinfektion der Schleimhäute beim gestillten Säugling möglich, sodass eventuell abgestillt werden muss [13]. Bei Paracetamol und Ibuprofen ist laut Packungsbeilage eine Unterbrechung in der Regel nicht erforderlich, bei Ibuprofen bezogen auf die kurzfristige Einnahme der empfohlenen Dosis [19, 28].
Embryotox kommt dabei zum Teil zu anderen Ergebnissen, etwa bei Metamizol: Einzelne Dosen erfordern danach keine Einschränkung des Stillens, Paracetamol oder Ibuprofen sind vorzuziehen [24]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ob in Ihrem Fall eine Pause sinnvoll ist, entscheiden Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Verhütung in der Stillzeit
Reine Gestagenpräparate (Minipille) oder gestagenhaltige Spiralen sind laut Embryotox die Mittel der ersten Wahl für die hormonale Verhütung in der Stillzeit; mit der Anwendung kann sechs bis acht Wochen nach der Entbindung begonnen werden [18]. Reine Gestagenpillen beeinflussen laut Embryotox weder Menge noch Qualität der Muttermilch [35]. Die Packungsbeilage eines Präparats mit Desogestrel sagt, dass es in der Stillzeit angewendet werden kann, nennt aber seltene Berichte über eine verminderte Milchproduktion [17]. Mehr zur Hormonspirale: Hormonspirale.
Kombinationspillen mit Östrogen und Gestagen können laut Embryotox die Milchmenge verringern, insbesondere wenn die Milchbildung schon vorher schwach war; die heute üblichen sehr niedrig dosierten Kombinationspräparate stuft Embryotox als akzeptabel ein, sie erfordern danach keine Einschränkung des Stillens [35]. Die Packungsbeilage einer Kombinationspille mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol sagt dagegen, dass Frauen sie in der Stillzeit nicht anwenden sollten, außer nach Anweisung der Ärztin oder des Arztes [34]. Als Mittel der ersten Wahl für die Verhütung mit Tabletten in der Stillzeit nennt Embryotox die Minipille [35]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Eine einmalige Einnahme von Levonorgestrel als "Pille danach" erfordert laut Embryotox keine Stillpause [18]. Mehr: Verhütungsmittel.
So gehen Sie vor
- Vor jeder Einnahme fragen Sagen Sie bei jeder Verordnung und in der Apotheke, dass Sie stillen. Die Packungsbeilagen bitten Stillende, vor der Einnahme Ärztin, Arzt oder Apotheke um Rat zu fragen [10, 12].
- Packungsbeilage lesen Die Angaben zur Stillzeit stehen in Abschnitt 2 unter "Schwangerschaft und Stillzeit" [10]. Steht dort eine Stillpause oder ein Hinweis zum Abstillen, besprechen Sie ihn vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Alle Mittel auflisten Schreiben Sie auch rezeptfreie Mittel auf, die Sie nehmen. Eine Vorlage bietet das Werkzeug Medikationsplan; Fragen für den Termin können Sie mit dem Werkzeug Fragen für das Arztgespräch vorbereiten.
- Das Kind beobachten Bei manchen Mitteln nennen die Quellen ausdrücklich, worauf zu achten ist, etwa bei Metoprolol auf Anzeichen einer Arzneimittelwirkung beim Säugling [25] und bei Sertralin auf anders nicht erklärbare Symptome wie Trinkschwäche oder Unruhe [31].
- Nicht eigenmächtig absetzen Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei einer chronischen Erkrankung sollten Sie Umstellungen der Medikamente laut BIÖG nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vornehmen [7].
- Beschwerden melden Bemerken Sie Nebenwirkungen, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem BfArM melden [19]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wo Sie Rat bekommen
Kinderarztpraxis, Frauenarztpraxis, Hebamme, Stillberatung und Apotheke: An sie verweist Embryotox stillende Mütter mit Fragen zu Medikamenten, weil es Stillende aus Kapazitätsgründen nicht beraten kann. Embryotox bittet darum, das Fachpersonal auf sein Beratungsangebot für Fachkreise hinzuweisen [3]. Haben Sie sich vorher auf den Seiten von Embryotox informiert, wenden Sie sich laut Embryotox anschließend an diese Stellen [2].
Embryotox im Internet: Die Wirkstoffseiten richten sich vor allem an Ärztinnen, Ärzte und Apotheken. Ohne fachlichen Hintergrund können die kurz gefassten Informationen laut Embryotox zu Fehldeutungen des Risikos führen; sie dürfen nicht als Grundlage für eigenmächtige Entscheidungen beim Stillen dienen [1, 2].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bei einer Brustentzündung sollten Sie laut BIÖG auf jeden Fall eine Arztpraxis oder Ihre Hebamme aufsuchen. Typische Zeichen sind Schmerzen, zunächst nur bei Berührung, gerötete Bereiche, eine starke Schwellung an der Brust sowie Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl; in schweren Fällen kann eine unbehandelte Brustentzündung zu hohem Fieber oder einem eitrigen Abszess führen [8]. Welche Schmerzmittel in der Stillzeit infrage kommen, erfragen Sie laut BIÖG bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [8].
In lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter 112, laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) zum Beispiel bei Bewusstlosigkeit oder erheblicher Bewusstseinstrübung, schwerer Atemnot oder Vergiftungen [11]. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [11].
Quellen
- Embryotox Embryotox: Startseite (Informationen zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit; Hinweise für Eltern und Fachkreise). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 16.04.2026 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Hinweise (Beim Lesen der Internetplattform bitte unbedingt beachten). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 04.04.2025 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Beratung. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 18.09.2026 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Glossar, Relative Dosis. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 14.11.2023 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Glossar, M/P-Quotient. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 14.11.2023 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Ist Stillen etwas für mich? (Welche Gründe können gegen das Stillen sprechen?). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 27.11.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Chronische Erkrankung und Schwangerschaft (Kann ich meine Medikamente weiterhin nehmen?). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 07.10.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Brustentzündung (Mastitis). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 13.06.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde § 11 Arzneimittelgesetz (AMG): Packungsbeilage (Absatz 1). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, gesetze-im-internet.de. Stand AMG zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 4 G v. 12.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 143); Änderung durch Art. 6 G v. 26.06.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 195) textlich nachgewiesen. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde QRD-Vorlage für Produktinformationen, Version 10.4, deutsche Fassung mit markierten Änderungen (Packungsbeilage, Abschnitt 2). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 02/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm 1000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm Filmtabletten (Abschnitt 4.6). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Amoxicillin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cetirizin-ratiopharm bei Allergien 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Cetirizin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Desirett 75 Mikrogramm Filmtabletten (Desogestrel). Exeltis Germany GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Gestagene. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Ibuprofen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation L-Thyroxin Henning 100 (100 Mikrogramm, Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Thyroxin (Levothyroxin). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten (Metamizol). ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Metamizol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat 47,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat Retardtabletten (Abschnitt 4.6). ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Metoprolol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Paracetamol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Sertralin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sumatriptan-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Sumatriptan. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Asumate 30 150/30 Mikrogramm Filmtabletten (Levonorgestrel/Ethinylestradiol; Abschnitt 2, Stillzeit). Exeltis Germany GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Kontrazeptiva, orale. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente darf ich in der Stillzeit nehmen?
Eine allgemeine Liste gibt es nicht. Bei einer chronischen Erkrankung finden sich laut BIÖG auch für die Stillzeit fast immer geeignete Arzneimittel; welches für Sie infrage kommt, wird im Einzelfall entschieden. Was Packungsbeilage und Embryotox zu einzelnen Wirkstoffen sagen, zeigt die Tabelle auf dieser Seite. Fragen Sie vor jeder Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt, Ihre Hebamme oder Ihre Apotheke.
Darf ich in der Stillzeit Ibuprofen oder Paracetamol nehmen?
Beide gehen laut Packungsbeilage in die Muttermilch über; weil nachteilige Folgen für den Säugling bisher nicht bekannt geworden sind, wird eine Unterbrechung des Stillens in der Regel nicht erforderlich sein, bei Ibuprofen bezogen auf die kurzfristige Einnahme der empfohlenen Dosis. Embryotox nennt Ibuprofen und Paracetamol Schmerzmittel der Wahl in der Stillzeit. Einzelheiten stehen auf den Seiten der beiden Wirkstoffe.
Muss ich abstillen, wenn ich ein Antibiotikum brauche?
Das hängt vom Antibiotikum ab. Bei Amoxicillin sind laut Fachinformation Durchfall und eine Pilzinfektion der Schleimhäute beim gestillten Säugling möglich, sodass eventuell abgestillt werden muss; Amoxicillin sollte in der Stillzeit laut Fachinformation nur nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt angewendet werden. Embryotox zählt Amoxicillin zu den Antibiotika der Wahl in der Stillzeit; die meisten gestillten Kinder haben keine Symptome. Fragen Sie bei der Verordnung, was für Ihr Mittel gilt.
Warum steht im Beipackzettel, dass ich das Mittel in der Stillzeit nicht nehmen soll?
Laut Embryotox vermitteln die Angaben auf Beipackzetteln, in der Fachinformation und in der Roten Liste häufig den Eindruck, dass die meisten Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden dürfen; viele Ärztinnen, Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker betrachten diese Hinweise als rechtlich bindend. Die Einschätzungen von Embryotox beruhen nach eigenen Angaben auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Entscheiden Sie trotzdem nicht allein danach, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
Welche Pille kann ich in der Stillzeit nehmen?
Laut Embryotox sind reine Gestagenpräparate (Minipille) die Mittel der ersten Wahl für die Verhütung mit Tabletten in der Stillzeit; mit der Anwendung kann sechs bis acht Wochen nach der Entbindung begonnen werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Kombinationspillen können laut Embryotox die Milchmenge verringern, vor allem bei schon vorher schwacher Milchbildung; die heute üblichen sehr niedrig dosierten Kombinationspräparate stuft Embryotox als akzeptabel ein. Die Packungsbeilage einer Kombinationspille sagt, dass Frauen sie in der Stillzeit nicht anwenden sollten, außer nach Anweisung der Ärztin oder des Arztes.
Was bedeutet "relative Dosis" bei Embryotox?
Die relative Dosis ist laut Embryotox der Anteil an der auf das Körpergewicht bezogenen Tagesdosis der Mutter, den ein voll gestillter Säugling pro Kilogramm Körpergewicht in 24 Stunden mit der Milch erhält. Sie ist laut Embryotox informativer als der Milch/Plasma-Quotient, der sich nicht zum Vergleich von Arzneimittelrisiken in der Stillzeit eignet.
Kann Embryotox mich in der Stillzeit beraten?
Nein. Embryotox kann stillende Mütter aus Kapazitätsgründen nicht beraten und bittet sie, sich an die Kinderärztin oder den Kinderarzt, die Gynäkologin oder den Gynäkologen, die Hebamme, eine Stillberaterin oder die Apotheke zu wenden. Diese Fachleute können sich ihrerseits an das Beratungsangebot von Embryotox für Fachkreise wenden.
Worauf sollte ich beim gestillten Kind achten?
Darauf weisen einzelne Quellen hin: Bei Metoprolol sollten gestillte Säuglinge laut Packungsbeilage auf Anzeichen einer Arzneimittelwirkung überwacht werden. Treten unter Sertralin beim gestillten Kind anders nicht erklärbare Symptome wie Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollte das Kind laut Embryotox in einer kinderärztlichen Praxis vorgestellt werden. Bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot oder einer Vergiftung rufen Sie den Notruf 112.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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