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Metamizol: Nebenwirkungen und Wirkung

Metamizol, auch Novaminsulfon genannt, ist ein verschreibungspflichtiges Schmerz- und Fiebermittel aus der Gruppe der Pyrazolone. Es wird bei starken Schmerzen, Koliken und hohem Fieber eingesetzt, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht. Sehr selten verursacht es eine Agranulozytose, einen starken Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen. Bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften wunden Stellen in Mund, Nase, Rachen oder im Genital- oder Analbereich nehmen Sie es nicht mehr ein und holen sofort ärztliche Hilfe.

Frau in den Fünfzigern ruht mit einer Wolldecke auf dem Sofa, eine Hand an der Stirn, neben ihr steht ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Wofür wird Metamizol eingesetzt?

Metamizol, auch Novaminsulfon genannt, ist ein schmerzstillendes und fiebersenkendes Arzneimittel aus der Gruppe der Pyrazolone [1, 3]. Es zählt zu den Nichtopioid-Analgetika, also zu den Schmerzmitteln, die kein Opioid sind [3, 4]. In Deutschland ist es verschreibungspflichtig [2, 6].

Laut Packungsbeilage wird Metamizol angewendet bei akuten starken Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, bei krampfartigen Leibschmerzen (Koliken), bei Schmerzen durch Krebserkrankungen und bei sonstigen akuten oder chronischen starken Schmerzen, wenn eine andere Behandlung nicht infrage kommt. Außerdem ist es zugelassen bei hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht [1, 2]. Die Tabletten mit 500 mg sind für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren bestimmt; für kleinere Kinder gibt es andere Darreichungsformen und Stärken [1].

Wie wirkt Metamizol?

Metamizol wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und krampflösend (spasmolytisch). Wie genau, ist laut Fachinformation nicht vollständig aufgeklärt. Im Körper wird Metamizol nach der Einnahme vollständig in sein wirksames Hauptabbauprodukt 4-N-Methylaminoantipyrin (MAA) umgewandelt. Einige Untersuchungen sprechen dafür, dass Metamizol und MAA sowohl im zentralen Nervensystem als auch außerhalb davon wirken [2].

Laut Packungsbeilage kann 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme der Tabletten eine deutliche Wirkung erwartet werden [1]. Die Halbwertszeit von MAA (die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert) lag nach einer einzelnen Dosis bei 2,7 Stunden. Die Abbauprodukte werden in der Leber weiter verarbeitet und überwiegend mit dem Urin ausgeschieden. Bei älteren Menschen ist die Menge im Blut auf das 2- bis 3-Fache erhöht, bei Leberzirrhose und eingeschränkter Nierenfunktion werden einige Abbauprodukte langsamer ausgeschieden; hohe Dosen sollten dann vermieden werden [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die die Packungsbeilage eine Häufigkeit angibt. "Gelegentlich" heißt: bis zu 1 von 100 Behandelten, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Häufige oder sehr häufige Nebenwirkungen nennt die Packungsbeilage nicht. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Gleich zu Beginn warnt die Packungsbeilage vor der Agranulozytose, einer starken Verminderung der Granulozyten (weißer Blutkörperchen, die für die Abwehr von Infektionen wichtig sind). Sie ist sehr selten, kann aber zu schweren und lebensbedrohlichen Infektionen führen; die Fachinformation nennt auch Fälle mit tödlichem Ausgang [1, 2]. Sie hängt nicht von der Dosis ab und kann jederzeit während der Behandlung und auch kurz nach ihrem Ende auftreten, auch dann, wenn Sie Metamizol früher ohne Probleme eingenommen haben [2, 4]. Mehr zu Veränderungen der Blutwerte lesen Sie auf der Seite Blutungen und Blutbildveränderungen.

Gelegentlich sinkt der Blutdruck, ohne dass andere Zeichen einer Allergie auftreten; nur in seltenen Fällen kommt es dabei zu einem schweren Blutdruckabfall. Typische Anzeichen eines starken Blutdruckabfalls sind Herzrasen, Blässe, Zittern, Schwindel, Übelkeit und Ohnmacht [1]. Laut Fachinformation ist ein solcher Blutdruckabfall möglicherweise von der Dosis abhängig; bei einer Injektion ist eher damit zu rechnen als bei der Einnahme, und eine schnelle Injektion in die Vene erhöht das Risiko [2]. Mehr dazu auf der Seite Niedriger Blutdruck durch Medikamente. Durch ein Abbauprodukt, die Rubazonsäure, kann sich der Urin rot färben; die Packungsbeilage nennt dieses Abbauprodukt "harmlos" [1, 2].

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • HautVioletter bis tiefroter, zum Teil blasiger Hautausschlag (fixes Arzneimittelexanthem)[1, 2]Mehr dazu: Hautausschlag
  • Gefäße und KreislaufBlutdruckabfall ohne weitere Zeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion (isolierte hypotensive Reaktion), möglicherweise direkt durch die Arzneimittelwirkung bedingt; nur in seltenen Fällen führt er zu einem schweren Blutdruckabfall. Bei sehr hohem Fieber kann das Risiko erhöht sein[1, 2]Mehr dazu: Niedriger Blutdruck

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • ImmunsystemSchwere Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktoide oder anaphylaktische Reaktionen); typische Anzeichen leichterer Reaktionen sind Augenbrennen, Husten, laufende Nase, Niesen, Engegefühl in der Brust, Hautrötung, Nesselsucht und Schwellungen im Gesicht, seltener Übelkeit und Bauchkrämpfe; sie können in schwerere Formen mit starker Nesselsucht, Schwellungen im Kehlkopfbereich, Verkrampfung der Atemwege, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit und Kreislaufschock übergehen[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenNesselsuchtSchwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenAtemnotHerzrasenNiedriger Blutdruck
  • Blut und LymphsystemVerminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • HautHautausschlag (zum Beispiel makulopapulöses Exanthem)[1, 2]Mehr dazu: Hautausschlag

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemStarke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Agranulozytose), einschließlich Fällen mit tödlichem Ausgang; Anzeichen sind unter anderem Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und schmerzhafte Schleimhautveränderungen in Mund, Nase, Rachen oder im Genital- oder Analbereich[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsFieberErhöhte Infektanfälligkeit
  • Blut und LymphsystemVerminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) mit verstärkter Blutungsneigung und punktförmigen Blutungen in Haut und Schleimhäuten (Petechien)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsBlutungen und blaue Flecken
  • ImmunsystemAsthmaanfall (Atemnotanfall durch Verengung der kleinsten Luftwege); bei Menschen mit Analgetika-Asthma-Syndrom äußern sich Unverträglichkeitsreaktionen typischerweise so[1, 2]Mehr dazu: Atemnot
  • HautSchwere Hautreaktionen mit rötlichen, zielscheibenartigen oder kreisförmigen Flecken am Rumpf, Blasen, Abschälen der Haut und Geschwüren in Mund, Rachen, Nase, an Genitalien und Augen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse)[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
  • Nieren und HarnwegeAkute Verschlechterung der Nierenfunktion, in einigen Fällen mit fehlender oder zu geringer Harnmenge, Eiweiß im Urin (Proteinurie) oder akutem Nierenversagen; Nierenentzündung (akute interstitielle Nephritis)[1, 2]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Wenn Sie Metamizol gegen Fieber einnehmen, können einige Zeichen einer beginnenden Agranulozytose unbemerkt bleiben; bekommen Sie gleichzeitig Antibiotika, können die Zeichen verschleiert werden [1, 2, 4]. Treten Warnzeichen auf, wird sofort ein Blutbild einschließlich Differenzialblutbild erstellt, und die Behandlung wird unterbrochen, bis die Ergebnisse vorliegen. Bestätigt sich die Agranulozytose, darf Metamizol nicht wieder eingenommen werden. Eine routinemäßige Kontrolle des Blutbilds ohne Beschwerden wird laut Rote-Hand-Brief vom Dezember 2024 nicht mehr empfohlen [4].

Unter Metamizol wurde außerdem über Leberentzündungen berichtet; die Beschwerden begannen wenige Tage bis wenige Monate nach Beginn der Behandlung [1, 2]. In Einzelfällen wurde laut Fachinformation über ein Fortschreiten bis zum akuten Leberversagen berichtet, das eine Lebertransplantation nötig machte [2]. Schwere allergische Reaktionen können sich unmittelbar nach der Einnahme, aber auch Stunden später entwickeln; überwiegend treten sie in der ersten Stunde auf [2]. Mehr zu allergischen Reaktionen lesen Sie auf der Seite Arzneimittelallergie, zu schweren Hautreaktionen auf der Seite Schwere Hautreaktionen.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Sechzigern sitzt mit einer Tasse Tee am Küchentisch und telefoniert
Bild: KI-generiert

Laut Rote-Hand-Brief müssen Sie während der gesamten Behandlung und auch kurz danach jederzeit auf die Frühzeichen einer Agranulozytose achten: Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und schmerzhafte wunde Stellen an den Schleimhäuten, besonders in Mund, Nase und Rachen oder im Genital- oder Analbereich. Heben Sie die Packungsbeilage auf, damit Sie die Warnzeichen nachlesen können [1, 4]. Treten sie auf, nehmen Sie Metamizol nicht mehr ein und gehen sofort zur Ärztin oder zum Arzt. Nehmen Sie das Mittel erst wieder, wenn die Blutwerte vorliegen und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die weitere Anwendung empfiehlt [1].

Schwindel, Blässe, Herzrasen oder Übelkeit nach der Einnahme können Zeichen eines starken Blutdruckabfalls sein [1]. Ein erhöhtes Risiko dafür besteht bei niedrigem Blutdruck, deutlichem Flüssigkeitsmangel, Kreislaufschwäche, beginnendem Kreislaufversagen und hohem Fieber; dann sind eine sorgfältige Abwägung, enge Überwachung und gegebenenfalls vorbeugende Maßnahmen nötig [1, 2].

Bemerken Sie Hautausschlag, Juckreiz oder andere ungewohnte Beschwerden, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [1]. Nebenwirkungen können Sie auch selbst dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte melden; wie das geht, steht im Ratgeber Nebenwirkung melden. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Metamizol kann Enzyme anregen, die andere Wirkstoffe abbauen, etwa CYP2B6 und CYP3A4. Dadurch können die Blutspiegel von Bupropion, Efavirenz, Methadon, Valproat, Ciclosporin, Tacrolimus oder Sertralin sinken und deren Wirkung nachlassen [2]. Zusammen mit Methotrexat kann Metamizol die Schädigung der Blutbildung verstärken, besonders bei älteren Menschen; diese Kombination sollte vermieden werden [1, 2]. Bei niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zum Schutz des Herzens kann Metamizol die Wirkung auf die Blutplättchen abschwächen [1, 2].

Wechselwirkungen von Metamizol
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Ciclosporin (Mittel zur Unterdrückung des Immunsystems)Blutspiegel von Ciclosporin kann sinken[1, 2]Ciclosporin-Blutspiegel ärztlich überwachen lassen
MethotrexatSchädigung der Blutbildung durch Methotrexat kann verstärkt werden, besonders bei älteren Menschen[1, 2]Kombination sollte vermieden werden
Acetylsalicylsäure (ASS) in niedriger Dosis zum Schutz des HerzensWirkung von ASS auf die Blutplättchen kann abgeschwächt werden[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Bupropion, Efavirenz, Methadon, Valproat, Tacrolimus oder SertralinMetamizol kann Abbau-Enzyme (u. a. CYP2B6 und CYP3A4) anregen; die Blutspiegel dieser Mittel können sinken und ihre Wirkung nachlassen[1, 2]Ansprechen bzw. Wirkstoffspiegel ärztlich überwachen lassen
Chlorpromazin (Mittel bei psychischen Erkrankungen)Starke Erniedrigung der Körpertemperatur möglich[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Gerinnungshemmer zum Einnehmen, Captopril, Lithium, Triamteren, Blutdrucksenker und EntwässerungsmittelFür die Gruppe der Pyrazolone sind Wechselwirkungen bekannt; ob Metamizol sie ebenfalls auslöst, ist nicht bekannt[1, 2]Ärztin oder Arzt über alle Arzneimittel informieren

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Metamizol nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Haben Sie schon einmal auf Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol mit Atemnot, Nesselsucht oder Schwellungen reagiert, dürfen Sie Metamizol nicht einnehmen [1, 2]. Wer auf Metamizol allergisch reagiert, ist besonders gefährdet, auf andere Schmerzmittel und auf verwandte Stoffe ebenso zu reagieren [1]. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Metamizol oder andere Pyrazolone (z. B. Phenazon, Propyphenazon) oder Pyrazolidine (z. B. Phenylbutazon), auch nach schweren Hautreaktionen auf Metamizol, sowie gegen einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Unverträglichkeit von Schmerzmitteln (Analgetika-Asthma-Syndrom oder Analgetika-Intoleranz vom Urtikaria-Angioödem-Typ): Verkrampfung der Atemwege, Nesselsucht, Schnupfen oder Schwellungen nach Schmerzmitteln wie Salicylaten, Paracetamol, Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin oder Naproxen[1, 2]
  • Frühere Agranulozytose durch Metamizol oder andere Pyrazolone oder Pyrazolidine[1, 2]
  • Störungen der Knochenmarkfunktion, etwa nach einer Behandlung mit Mitteln gegen Krebs, oder Erkrankungen, die Bildung oder Funktion der Blutzellen stören[1, 2]
  • Angeborener Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Gefahr des Zerfalls roter Blutkörperchen)[1, 2]
  • Akute intermittierende hepatische Porphyrie[1, 2]
  • Letzte 3 Monate der Schwangerschaft[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Asthma, besonders mit Nasenpolypen oder Entzündungen von Nase und Nebenhöhlen, länger anhaltende Nesselsucht, Überempfindlichkeit gegen Farbstoffe (z. B. Tartrazin) oder Konservierungsmittel (z. B. Benzoate) sowie Alkoholunverträglichkeit: deutlich erhöhte Gefahr schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen; Anwendung nur nach sorgfältiger Abwägung, unter engmaschiger ärztlicher Überwachung und mit Notfallbereitschaft[1, 2]
  • Niedriger Blutdruck, deutlicher Flüssigkeitsmangel, Kreislaufschwäche, beginnendes Kreislaufversagen (z. B. bei Herzinfarkt oder schweren Verletzungen) oder hohes Fieber: höheres Risiko für einen Blutdruckabfall; nötig sind sorgfältige Abwägung, enge Überwachung und gegebenenfalls vorbeugende Maßnahmen. Ein Blutdruckabfall ist laut Fachinformation möglicherweise dosisabhängig und bei einer Injektion eher zu erwarten als bei der Einnahme[1, 2]
  • Schwere Erkrankung der Herzkranzgefäße oder Verengungen der Gefäße, die das Gehirn versorgen: Anwendung nur unter sorgfältig überwachter Kreislauffunktion[1, 2]
  • Eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion: nur nach strenger Abwägung von Nutzen und Risiko[1, 2]
  • Früherer Leberschaden unter einem metamizolhaltigen Arzneimittel: Metamizol sollte nicht eingenommen werden[1, 2, 5]
  • Bei Anwendung gegen Fieber können einige Zeichen einer beginnenden Agranulozytose unbemerkt bleiben; bei gleichzeitiger Behandlung mit Antibiotika können die Zeichen verschleiert werden[1, 2, 4]
  • Wer auf Metamizol allergieähnlich reagiert, ist besonders gefährdet, auf andere Schmerzmittel und auf verwandte Stoffe (Pyrazolone, Pyrazolidine) ebenso zu reagieren[1, 2]
  • Kinder unter 15 Jahren: Die 500-mg-Tabletten sollten nicht angewendet werden; für kleinere Kinder gibt es andere Darreichungsformen und Stärken[1]
  • Vor Laboruntersuchungen die Ärztin oder den Arzt informieren: Metamizol kann die Bestimmung von Kreatinin, Blutfetten, HDL-Cholesterin oder Harnsäure stören[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Alltag, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 3]. Reagieren Sie schon auf geringe Mengen Alkohol mit Niesen, Augentränen und starker Gesichtsrötung, kann das ein Hinweis auf eine bisher nicht erkannte Unverträglichkeit gegenüber Schmerzmitteln sein; die Gefahr möglicherweise schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen auf Metamizol ist dann deutlich erhöht [1, 2]. Eine Wartezeit oder eine Alkoholmenge ohne Risiko nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht [1, 2]. Mehr dazu: Metamizol und Alkohol. In den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft dürfen Sie Metamizol nicht anwenden [1]. Wurde es dort versehentlich angewendet, sollten laut Fachinformation Fruchtwasser und das Blutgefäß Ductus arteriosus beim Kind mit Ultraschall untersucht werden [2]. Allgemeines zum Thema lesen Sie im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Daten zum ersten Schwangerschaftsdrittel sind begrenzt, weisen aber nicht auf schädliche Wirkungen auf den Embryo hin. Im ersten und zweiten Drittel wird Metamizol generell nicht empfohlen; in Einzelfällen, wenn es keine andere Behandlungsmöglichkeit gibt, können einzelne Dosen nach Rücksprache und strenger Nutzen-Risiko-Abwägung vertretbar sein.[1, 2]

In den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft dürfen Sie Metamizol nicht anwenden: Es besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen und für einen vorzeitigen Verschluss eines Blutgefäßes beim ungeborenen Kind (Ductus Botalli); die Fachinformation nennt außerdem eine Einschränkung der Nierenfunktion des Kindes.[1, 2]

Embryotox beschreibt einen hohen Erfahrungsumfang; Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko ergaben sich in mehreren Studien zum ersten Schwangerschaftsdrittel nicht. Auf Metamizol sollte laut Embryotox während der gesamten Schwangerschaft verzichtet werden; als Schmerzmittel ist Paracetamol in der gesamten Schwangerschaft vorzuziehen. Für eine entzündungshemmende Behandlung sind laut Embryotox nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zu bevorzugen, zum Beispiel Ibuprofen bis zur 28. Schwangerschaftswoche. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Die Abbauprodukte von Metamizol gehen in beträchtlicher Menge in die Muttermilch über; ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Eine wiederholte Anwendung in der Stillzeit muss vermieden werden. Nach einer einzelnen Anwendung wird geraten, die Muttermilch für 48 Stunden nach der Anwendung zu sammeln und zu verwerfen.[1, 2]

Embryotox sieht nach einzelnen Dosen keine Einschränkung des Stillens, nennt aber Paracetamol oder Ibuprofen als vorzuziehen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Trinken Sie während der Anwendung möglichst keinen Alkohol. Wer schon nach geringen Mengen Alkohol mit Niesen, tränenden Augen und starker Gesichtsrötung reagiert, kann eine bisher unerkannte Unverträglichkeit gegenüber Schmerzmitteln haben.[1]

Autofahren und Maschinen

Im empfohlenen Dosisbereich ist keine Beeinträchtigung von Konzentration und Reaktionsvermögen bekannt. Zumindest bei höheren Dosierungen sollten Sie vorsichtshalber auf das Führen von Fahrzeugen, das Bedienen von Maschinen und andere gefahrvolle Tätigkeiten verzichten, besonders nach Alkohol.[1, 2]

Einnahme

Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit (z. B. einem Glas Wasser) einnehmen; sie lassen sich an der Bruchkerbe in 2 gleiche Hälften teilen, wenn die verordnete Dosis das erfordert. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; es sollte immer die niedrigste Dosis gewählt werden, die Schmerzen und Fieber kontrolliert.[1]

Schmerzmittel sollten nicht länger als 3 bis 5 Tage eingenommen werden, ohne nochmals ausdrücklich ärztlichen oder zahnärztlichen Rat einzuholen.[1]

Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge nehmen.[1]

Absetzen

Bei Zeichen einer Agranulozytose, einer Verminderung von Blutzellen, einer schweren Haut- oder Überempfindlichkeitsreaktion oder eines Leberschadens wird Metamizol sofort abgesetzt. Nach einer bestätigten Agranulozytose oder einer schweren Hautreaktion darf es nicht wieder angewendet werden; nach einem Leberschaden ohne andere Ursache sollte es nicht wieder angewendet werden.[1, 2, 4, 5]

Überdosierung

Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort eine Ärztin oder einen Arzt informieren. Mögliche Zeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, verringerte Nierenfunktion bis zum akuten Nierenversagen, Schwindel, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit, Krämpfe, Blutdruckabfall bis zum Kreislaufversagen und Herzrasen. Ein spezielles Gegenmittel ist nicht bekannt. Nach sehr hohen Dosen kann ein Abbauprodukt den Urin rot färben.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt eine Höchstmenge je Einnahme und je Tag für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren oberhalb eines bestimmten Körpergewichts sowie Hinweise für ältere Menschen und eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist und wie lange Sie Metamizol einnehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Metamizol immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein. Die Tabletten schlucken Sie unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit, zum Beispiel einem Glas Wasser. Sie lassen sich an der Bruchkerbe in 2 gleiche Hälften teilen, wenn die verordnete Dosis das erfordert. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie nicht die doppelte Menge [1]. Wie Sie Tabletten am besten teilen, erklärt der Ratgeber Tabletten teilen und mörsern.

Die Dauer der Anwendung richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung. Die Packungsbeilage empfiehlt, Schmerzmittel nicht länger als 3 bis 5 Tage einzunehmen, ohne nochmals ausdrücklich ärztlichen oder zahnärztlichen Rat einzuholen [1]. Bei Warnzeichen einer Agranulozytose, einer schweren Haut- oder Überempfindlichkeitsreaktion oder eines Leberschadens wird Metamizol sofort abgesetzt [1, 2]. Informieren Sie vor Laboruntersuchungen Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, denn Metamizol kann die Bestimmung von Kreatinin, Blutfetten, HDL-Cholesterin oder Harnsäure stören [1]. Was bei einer Überdosierung zu tun ist, steht in der Karte oben; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Metamizol

Metamizol gibt es als Tabletten, Tropfen zum Einnehmen, Zäpfchen und Injektionslösung, alle verschreibungspflichtig [2, 3, 6]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten sowie die Rote-Hand-Briefe zu Agranulozytose und Leberschaden [1, 2, 4, 5]. Für andere Darreichungsformen, etwa Tropfen für Kinder, gelten eigene Packungsbeilagen.

Präparate mit Metamizol
PräparatAnbieterHinweis
AnalginAbanta Pharma GmbHTabletten, verschreibungspflichtig
Berlosinverschreibungspflichtig
Novalginverschreibungspflichtig
Novaminsulfon-ratiopharmratiopharm GmbH500 mg Tabletten, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Metamizol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Metamizolhaltige Arzneimittel, Wichtige Maßnahmen zur Minimierung der schwerwiegenden Folgen des bekannten Risikos für Agranulozytose. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 09.12.2024. abgerufen am 10.10.2026
  5. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Metamizol, Risiko für arzneimittelbedingten Leberschaden. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 15.12.2020. abgerufen am 10.10.2026
  6. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Metamizol. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 10.10.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Metamizol und Novaminsulfon?

Es gibt keinen: Novaminsulfon ist ein anderer Name für denselben Wirkstoff. Präparate wie Novaminsulfon-ratiopharm enthalten Metamizol-Natrium. Als Produktnamen nennt Embryotox unter anderem Novalgin, Berlosin und Analgin.

Wie gefährlich ist eine Agranulozytose durch Metamizol?

Eine Agranulozytose ist ein starker Mangel an Granulozyten, weißen Blutkörperchen, die Infektionen abwehren. Sie ist sehr selten (bis zu 1 von 10.000 Behandelten), kann aber zu schweren und lebensbedrohlichen Infektionen führen; Fälle mit tödlichem Ausgang sind beschrieben. Sie kann jederzeit während der Einnahme und kurz danach auftreten, auch wenn Sie Metamizol früher problemlos vertragen haben. Bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften wunden Stellen in Mund, Nase, Rachen oder im Genital- oder Analbereich nehmen Sie Metamizol nicht mehr ein und gehen sofort zur Ärztin oder zum Arzt.

Muss bei Metamizol regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden?

Laut Rote-Hand-Brief vom Dezember 2024 wird eine routinemäßige Überwachung des Blutbilds nicht mehr empfohlen. Patientinnen und Patienten müssen laut demselben Schreiben jederzeit auf die Warnzeichen achten, da diese zu jedem Zeitpunkt der Behandlung und auch kurz nach ihrem Ende auftreten können. Treten sie auf, wird sofort ein Blutbild mit Differenzialblutbild erstellt, und die Behandlung ruht, bis die Ergebnisse vorliegen.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Metamizol nehme?

Die Packungsbeilage rät, während der Anwendung möglichst keinen Alkohol zu trinken. Zumindest bei höheren Dosierungen sollten Sie vorsichtshalber nicht Auto fahren und keine Maschinen bedienen, besonders wenn Sie Alkohol getrunken haben. Reagieren Sie schon auf wenig Alkohol mit Niesen, tränenden Augen und starker Gesichtsrötung, kann das auf eine Unverträglichkeit von Schmerzmitteln hinweisen. Sprechen Sie dann vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie schnell wirkt Metamizol?

Laut Packungsbeilage kann 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme der Tabletten eine deutliche Wirkung erwartet werden. Wie viel Sie einnehmen und wie lange, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Darf ich Metamizol in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?

In den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft dürfen Sie Metamizol nicht anwenden. Im ersten und zweiten Drittel wird es generell nicht empfohlen; in Einzelfällen, wenn es keine andere Behandlungsmöglichkeit gibt, können einzelne Dosen nach Rücksprache und strenger Nutzen-Risiko-Abwägung vertretbar sein. Laut Embryotox sollte in der gesamten Schwangerschaft darauf verzichtet werden. In der Stillzeit muss eine wiederholte Anwendung vermieden werden; nach einer einzelnen Dosis rät die Packungsbeilage, die Muttermilch für 48 Stunden nach der Anwendung zu sammeln und zu verwerfen.

Warum ist mein Urin nach Metamizol rot?

Ein Abbauprodukt von Metamizol, die Rubazonsäure, kann den Urin rot färben; die Packungsbeilage bezeichnet dieses Abbauprodukt als "harmlos". Nach sehr hohen Dosen kann die Rotfärbung auch Folge einer Überdosierung sein. Haben Sie mehr eingenommen als verordnet, informieren Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Metamizol?

Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosierung finden Sie im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite. Welche Menge für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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