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Diuretika (Entwässerungsmittel)

Diuretika, auch Entwässerungsmittel oder harntreibende Mittel genannt, erhöhen die Ausscheidung von Salz und Wasser über die Nieren. Zu ihnen gehören Thiazide und thiazidartige Mittel wie Hydrochlorothiazid, Chlortalidon und Indapamid, Schleifendiuretika wie Furosemid und Torasemid sowie kaliumsparende Mittel wie Spironolacton und Eplerenon. Eingesetzt werden sie je nach Wirkstoff bei Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und Herzschwäche. Zu den Nebenwirkungen gehören laut IQWiG ein gesteigerter Harndrang und ein möglicher Mangel an Kalium und Natrium; Spironolacton und Eplerenon können dagegen den Kaliumspiegel erhöhen.

Frau Mitte sechzig mit kurzem grauem Haar trinkt an einem warmen Sommertag im Schatten eines Gartens ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Diuretika, auch Entwässerungsmittel oder harntreibende Mittel genannt, erhöhen die Harnbildung in den Nieren und senken dadurch den Druck in den Blutgefäßen [23]. Mit dem Wasser scheidet der Körper auch Mineralstoffe wie Kalium und Natrium aus [23]. Je nach Untergruppe und Wirkstoff werden Diuretika bei Bluthochdruck, bei Wassereinlagerungen (Ödemen) und bei Herzschwäche eingesetzt [2, 5, 7, 14, 17]. Einzelheiten zu jedem Mittel stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.

Was sind Diuretika?

Wie die Fachinformationen die hier beschriebenen Wirkstoffe einordnen, zeigt die Tabelle:

Untergruppen der Diuretika (Abschnitt 5.1 der Fachinformationen)
UntergruppeAngriffsort in der Niere laut FachinformationWirkstoffe auf dieser Website
Schleifendiuretika (High-Ceiling-Diuretika)Aufsteigender Teil der Henle-Schleife [2, 5]Furosemid, Torasemid [2, 5]
ThiazideVorwiegend distaler Tubulus [7]Hydrochlorothiazid (HCT) [7]
Thiazidartige Diuretika (Sulfonamide)Distaler Tubulus; laut den Fachinformationen mit den Thiaziden verwandt, bei Xipamid unterscheidet sich der Wirkmechanismus trotz struktureller Verwandtschaft [9, 10, 12]Chlortalidon, Indapamid, Xipamid [9, 10, 12, 21]
Aldosteronantagonisten (kaliumsparend)Spätdistaler Tubulus und Sammelrohr [14]Spironolacton, Eplerenon [14, 17]

Den Begriff "thiazidartige Diuretika" verwendet die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Hypertonie für Chlortalidon und Indapamid [21]. Viele Diuretika sind Sulfonamid-Abkömmlinge: Bei Furosemid, Hydrochlorothiazid, Chlortalidon, Indapamid und Xipamid ist eine Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide eine Gegenanzeige, bei Torasemid eine Überempfindlichkeit gegen Sulfonylharnstoffe [2, 5, 7, 9, 10, 12].

Wie Diuretika wirken

Schleifendiuretika: Furosemid hemmt laut Fachinformation im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife (einem Abschnitt der Nierenkanälchen) die Rückaufnahme von Natrium, Chlorid und Kalium ins Blut; es ist ein starkes, kurz und schnell wirkendes Schleifendiuretikum, dessen Wirkung nach etwa 30 Minuten einsetzen kann [5]. Torasemid wirkt am gleichen Ort; nach der Einnahme ist die Wirkung laut Fachinformation nach 2 bis 3 Stunden am stärksten und hält bis zu 12 Stunden an. Es kann die Harnmenge auch dann noch steigern, wenn Thiazide nicht mehr ausreichend wirken, etwa bei eingeschränkter Nierenfunktion [2].

Thiazide und thiazidartige Diuretika: Hydrochlorothiazid hemmt vorwiegend im distalen Tubulus die Rückaufnahme von Natrium; mit dem Natrium werden Chlorid, Wasser und vermehrt Kalium ausgeschieden [7]. Wie es den Blutdruck senkt, ist laut Fachinformation bislang nicht ausreichend geklärt [7]. Die Wirkung setzt nach etwa 1 bis 2 Stunden ein und hält je nach Dosis 6 bis 12 Stunden an [7]. Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion ist Hydrochlorothiazid laut Fachinformation unwirksam und sogar schädlich [7]. Xipamid wirkt laut Fachinformation dagegen bis zur terminalen Niereninsuffizienz [12].

Aldosteronantagonisten: Spironolacton blockiert die Bindung des Hormons Aldosteron an seinen Rezeptor und wirkt so der Rückaufnahme von Natrium und der Ausscheidung von Kalium entgegen; allein angewendet ist seine harntreibende Wirkung gering, die volle Wirkung tritt nach 2 bis 3 Tagen oder später ein [14]. Eplerenon bindet laut Fachinformation vergleichsweise selektiv an die Rezeptoren für Aldosteron (Mineralokortikoidrezeptoren) [17]. In der bei Herzschwäche üblichen Dosierung wirken beide nach der NVL Chronische Herzinsuffizienz wenig harntreibend [22].

Wofür Diuretika eingesetzt werden

Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in Abschnitt 4.1 der jeweiligen Fachinformation:

  • Furosemid: Ödeme bei Erkrankungen von Herz, Leber oder Nieren und nach Verbrennungen sowie Bluthochdruck; die hoch dosierte Tablette nur bei stark eingeschränkter Nierenfunktion [5].
  • Torasemid: Behandlung von Ödemen und Ergüssen bei Herzschwäche und Vorbeugung ihres Wiederauftretens [2]; laut ihrer Fachinformation sind die 2,5-mg-Tabletten von Torasemid STADA bei Erwachsenen auch bei Bluthochdruck ohne erkennbare Ursache (essentielle Hypertonie) zugelassen [3].
  • Hydrochlorothiazid: Bluthochdruck, Ödeme bei Erkrankungen von Herz, Leber oder Nieren und zusätzlich zu ACE-Hemmern bei chronischer Herzschwäche [7].
  • Chlortalidon: Ödeme, Bluthochdruck, Herzschwäche und, wenn andere Mittel nicht infrage kommen, ein renaler Diabetes insipidus [9].
  • Indapamid: Bluthochdruck ohne erkennbare Ursache (essentielle Hypertonie) bei Erwachsenen [10]. Xipamid: Bluthochdruck und Ödeme bei Erkrankungen von Herz, Nieren oder Leber [12].
  • Spironolacton: eine Überproduktion von Aldosteron in der Nebenniere (primärer Hyperaldosteronismus), wenn keine Operation angezeigt ist, sowie Ödeme und Bauchwassersucht (Aszites) bei Erkrankungen mit einem sekundären Hyperaldosteronismus [14]. Spironolacton Accord ist laut seiner Fachinformation zusätzlich unter anderem bei schwerer Herzschwäche (NYHA III bis IV) und zur Begleitbehandlung eines therapieresistenten Bluthochdrucks zugelassen [15].
  • Eplerenon: zusätzlich zur Standardtherapie bei stabilen Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Pumpfunktion und Zeichen einer Herzschwäche nach einem kürzlich erlittenen Herzinfarkt sowie bei chronischer Herzschwäche mit leichten Beschwerden (NYHA-Klasse II) und eingeschränkter Pumpfunktion [17].

Bei Bluthochdruck zählen Thiazid-artige Diuretika oder Thiazide nach der NVL Hypertonie (Version 1.0, 2023) neben ACE-Hemmern bzw. Sartanen und Kalziumkanalblockern zu den Wirkstoffklassen der ersten Wahl; der Therapie-Algorithmus "soll" angewendet werden (Empfehlung 7-1) [21]. Schleifendiuretika senken den Blutdruck danach nur gering und werden bevorzugt bei Herzschwäche mit Beschwerden, zur Ausschwemmung von Ödemen und bei chronischer Nierenkrankheit eingesetzt; Aldosteronantagonisten nennt die Leitlinie für einen therapieresistenten Bluthochdruck (Spironolacton, bei Unverträglichkeit Eplerenon) und für den primären Hyperaldosteronismus [21].

Bei Herzschwäche mit eingeschränkter Pumpfunktion und Zeichen einer Flüssigkeitsansammlung "soll" nach der NVL Chronische Herzinsuffizienz (Version 4.0, 2023) ein Diuretikum empfohlen werden (Empfehlung 6-6); eingesetzt werden vor allem Schleifendiuretika [22]. Unter der Behandlung "soll" regelmäßig geprüft werden, ob die Dosis reduziert werden kann (Empfehlung 6-7) [22]. Aldosteronantagonisten (Mineralokortikoidrezeptorantagonisten, MRA) gehören dort zu den bis zu vier Substanzgruppen, deren Kombination symptomatischen Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Pumpfunktion (HFrEF) empfohlen werden "soll" (Empfehlung 6-1) [22]. Mehr dazu: Niereninsuffizienz und Wassereinlagerungen.

Wirkstoffe der Gruppe

Diese Diuretika sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:

  • Chlortalidonz. B. Hygroton 25 mg, Hygroton 50 mgBluthochdruck, Wassereinlagerungen (Ödeme), Herzschwäche
  • Eplerenonz. B. Eplerenon-ratiopharm, Eplerenon AbZHerzschwäche nach Herzinfarkt und bei leichten Beschwerden
  • Furosemidz. B. Furosemid-ratiopharm, Furosemid AbZ, Furosemid STADAWassereinlagerungen (Ödeme), Bluthochdruck
  • Hydrochlorothiazidz. B. HCT-CT, HCT-ratiopharmBluthochdruck, Wassereinlagerungen, Herzschwäche
  • Indapamidz. B. Indapamid-ratiopharm, Indapamid-CT, Indapamid STADABluthochdruck
  • Spironolactonz. B. Aldactone, Spironolacton Accord, Spironolacton-ratiopharmWassereinlagerungen, Hyperaldosteronismus; bei Spironolacton Accord auch schwere Herzschwäche
  • Torasemidz. B. Torasemid-ratiopharm, Torasemid HEXAL, Torasemid-1A PharmaWassereinlagerungen bei Herzschwäche, Bluthochdruck
  • Xipamidz. B. Xipamid-ratiopharmBluthochdruck, Wassereinlagerungen bei Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen

Die NVL Hypertonie nennt die Kombination von Amilorid mit Hydrochlorothiazid [21].

Typische Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen mit ihrer Häufigkeit stehen auf den Wirkstoffseiten, die vollständige Liste in der Packungsbeilage Ihres Präparats. Als Nebenwirkungen von Diuretika nennt das IQWiG einen gesteigerten Harndrang und eine erhöhte Urinmenge; verliert der Körper zu viel Wasser, Kalium oder Natrium, kann es zu Mundtrockenheit, Muskelschwäche oder Verwirrtheit kommen [23]. Diuretika können laut IQWiG außerdem die Haut lichtempfindlicher machen und den Blutzucker leicht steigen lassen [23]. Die NVL Chronische Herzinsuffizienz weist auf einen Mangel an Kalium und Magnesium hin, der zu Herzrhythmusstörungen führen kann, sowie auf niedrigen Blutdruck und eine verschlechterte Nierenfunktion [22]. Wie die Produktinformationen der einzelnen Wirkstoffe ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle; was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffVeränderter KaliumspiegelNatriummangelErhöhte Harnsäure und GichtErhöhter BlutzuckerLichtempfindlichkeit der Haut
ChlortalidonSehr häufigHäufigSehr häufigHäufigSelten
EplerenonHäufigGelegentlichnicht genanntGelegentlichnicht genannt
FurosemidHäufigHäufigHäufigGelegentlichGelegentlich
HydrochlorothiazidSehr häufigSehr häufigHäufigHäufigGelegentlich
IndapamidNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekannt
SpironolactonHäufignicht genanntHäufignicht genanntnicht genannt
TorasemidHäufigHäufigHäufigHäufigSehr selten
XipamidSehr häufigHäufigHäufigNicht bekanntSelten

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Die Spalte "Veränderter Kaliumspiegel" fasst zu niedrige und zu hohe Werte zusammen: Bei Schleifendiuretika, Thiaziden und thiazidartigen Mitteln geht es um einen Kaliummangel, bei Spironolacton und Eplerenon um einen erhöhten Kaliumspiegel [5, 7, 13, 17].

Kalium: zu wenig oder zu viel

Ein Abfall des Kaliumspiegels bis hin zum Kaliummangel (Hypokaliämie) ist laut den Fachinformationen von Indapamid und Xipamid das Hauptrisiko einer Behandlung mit Thiaziddiuretika und verwandten Wirkstoffen [10, 12]. Besonders zu vermeiden ist er danach bei älteren, unterernährten oder mit mehreren Medikamenten behandelten Menschen sowie bei Leberzirrhose mit Ödemen oder Bauchwassersucht, koronarer Herzkrankheit oder Herzschwäche; bei einer Verlängerung des QT-Intervalls im EKG begünstigt ein Kaliummangel zusammen mit einem langsamen Herzschlag schwere Herzrhythmusstörungen [10, 12]. Auch unter Furosemid werden laut Fachinformation häufig Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt beobachtet; die Blutsalze werden deshalb regelmäßig kontrolliert [5]. Mehr unter Kaliumspiegel und Kaliummangel.

Umgekehrt kann unter Spironolacton laut Packungsbeilage häufig ein lebensbedrohlich erhöhter Kaliumspiegel (Hyperkaliämie) auftreten, vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion, bis hin zu Lähmungserscheinungen der Muskeln und Herzrhythmusstörungen [13]. Auch Kaliumergänzungsmittel und kaliumreiche Lebensmittel können dazu beitragen [13]. Unter Eplerenon wird der Kaliumwert laut Fachinformation zu Beginn und nach jeder Dosisanpassung kontrolliert; Kaliumergänzungsmittel werden danach nicht empfohlen [17].

Natriummangel und Flüssigkeitsverlust

Nach den Fachinformationen von Indapamid und Xipamid kann es grundsätzlich unter jeder Diuretikatherapie zu einem Natriummangel (Hyponatriämie) mit bisweilen sehr ernsten Folgen kommen [10, 12]. Weil ein Abfall zunächst ohne Beschwerden verlaufen kann, wird der Natriumwert vor Beginn und regelmäßig während der Behandlung kontrolliert, bei älteren Menschen und bei Leberzirrhose engmaschig [10, 12]. Bei stärkerem Flüssigkeitsverlust, etwa durch Erbrechen, Durchfall oder starkes Schwitzen, ist laut Fachinformation von Furosemid eine besonders enge Überwachung nötig [5]. Das IQWiG rät, an heißen Tagen oder nach dem Sport ausreichend zu trinken; besonders ältere Menschen sollten das beachten [23]. Mehr unter Natriummangel durch Medikamente und im Ratgeber Medikamente bei Hitze.

Harnsäure, Gicht und Blutzucker

Furosemid kann laut Fachinformation die Ausscheidung von Harnsäure vermindern [5]. Bei Menschen mit erhöhter Harnsäure kann es unter Indapamid und Xipamid vermehrt zu Gichtanfällen kommen [10, 12]. Gicht ist bei Hydrochlorothiazid, Torasemid und Xipamid eine Gegenanzeige, bei Chlortalidon eine Harnsäureerhöhung mit Beschwerden; bei Furosemid verlangt die Fachinformation dann eine besonders sorgfältige Überwachung [2, 5, 7, 9, 12]. Für Menschen mit Gicht sind Diuretika laut IQWiG nicht geeignet [23]. Für Thiazide und thiazidartige Diuretika nennt die NVL Hypertonie außerdem eine Erhöhung von Blutzucker und Blutfetten (Triglyceride) und des Diabetesrisikos, besonders in höheren Dosierungen [21]. Bei Diabetes empfehlen die Fachinformationen regelmäßige Blutzuckerkontrollen [2, 5, 7]. Mehr unter Harnsäure und Gicht, Blutzucker und Gicht.

Hydrochlorothiazid und weißer Hautkrebs

Mit einem Rote-Hand-Brief vom 17. Oktober 2018 informierten die Zulassungsinhaber hydrochlorothiazidhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über Studien, die ein erhöhtes Risiko für hellen bzw. weißen Hautkrebs (nichtmelanozytärer Hautkrebs: Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom der Haut) mit steigender Gesamtmenge von Hydrochlorothiazid gezeigt haben [8]. Die lichtempfindlich machende Wirkung von Hydrochlorothiazid könnte laut Fachinformation dazu beitragen [7]. Wer Hydrochlorothiazid allein oder in Kombinationspräparaten einnimmt, sollte danach die Haut regelmäßig auf neue oder veränderte Stellen untersuchen, verdächtige Veränderungen melden, den Aufenthalt in Sonnenlicht und UV-Strahlung einschränken und sich dabei angemessen schützen [8]. Bei bereits aufgetretenem weißem Hautkrebs ist eine erneute Anwendung sorgfältig abzuwägen [8].

Die NVL Hypertonie vermutet ein erhöhtes Hautkrebsrisiko durch die Lichtempfindlichkeit als Klasseneffekt der Thiazide und thiazidartigen Diuretika [21]. Eine Umstellung aller mit Hydrochlorothiazid behandelten Menschen ist nach der NVL Chronische Herzinsuffizienz nicht generell erforderlich, sondern individuell zu prüfen, etwa bei erhöhtem Hautkrebsrisiko oder bei jüngeren Menschen mit voraussichtlich langer Behandlung [22]. Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Mehr unter Lichtempfindlichkeit und im Ratgeber Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.

Hydrochlorothiazid kann außerdem eine Flüssigkeitsansammlung in der Aderhaut des Auges oder einen akuten Augendruckanstieg (Winkelblockglaukom) auslösen; Anzeichen sind eine Abnahme des Sehvermögens oder Augenschmerzen, die typischerweise innerhalb von Stunden bis Wochen nach Beginn der Behandlung auftreten; ein unbehandeltes Winkelblockglaukom kann zu dauerhaftem Sehverlust führen [6, 7]. Mehr unter Grüner Star.

Schwindel, niedriger Blutdruck und Harndrang

Unter Furosemid kann laut Fachinformation ein zu niedriger Blutdruck mit Schwindel, Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit auftreten, insbesondere bei älteren Menschen und zusammen mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln [5]. Die Fähigkeit, Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen, kann laut den Fachinformationen von Furosemid und Hydrochlorothiazid beeinträchtigt sein, verstärkt bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung, Präparatewechsel und zusammen mit Alkohol [5, 7]. Bei Störungen beim Wasserlassen, etwa durch eine vergrößerte Prostata, darf Furosemid nur angewendet werden, wenn der Harn frei abfließen kann; eine plötzliche Harnflut kann sonst zu einem Harnverhalt führen [5]. Um nächtliche Toilettengänge zu vermeiden, nimmt man Diuretika laut IQWiG am besten morgens ein [23]; die Packungsbeilage von Furosemid nennt die Einnahme morgens nüchtern, die von Hydrochlorothiazid zum Frühstück [4, 6]. Mehr unter Schwindel, niedriger Blutdruck und im Ratgeber Medikamente und Autofahren.

Spironolacton: Brust und Hormone

Spironolacton bindet laut Fachinformation auch an den Rezeptor für männliche Hormone (Androgenrezeptor) [14]. Bei Männern kann es laut Packungsbeilage häufig zu einer meist wieder zurückgehenden Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie) kommen, bei Frauen und Männern zu Brustspannen und bei Frauen zu Menstruationsstörungen und vermehrter Behaarung [13, 14]. Die NVL Hypertonie führt Gynäkomastie und Brustspannen bei den häufigen unerwünschten Wirkungen von Spironolacton auf, bei Eplerenon Magen-Darm-Beschwerden [21]. In der Fachinformation von Eplerenon ist eine Gynäkomastie als gelegentlich eingestuft [17]. Mehr unter Brustspannen und Brustvergrößerung.

Wichtige Wechselwirkungen

Mann Ende fünfzig mit Sonnenhut und langärmligem Hemd arbeitet an einem sonnigen Tag in seinem Gemüsegarten
Bild: KI-generiert

Die folgenden Wechselwirkungen beschreiben die Fachinformationen, viele für mehrere Diuretika gleichlautend [5, 7, 14, 17]:

Wichtige Wechselwirkungen von Diuretika (Auswahl)
Zusammen mitWas passieren kann
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen oder AcetylsalicylsäureDie Wirkung des Diuretikums kann nachlassen; bei Flüssigkeitsmangel ist ein akutes Nierenversagen möglich [5, 7, 14]. Mit Spironolacton kann der Kaliumspiegel steigen [14]
ACE-Hemmer und SartaneZu Beginn massiver Blutdruckabfall bis zum Schock und Verschlechterung der Nierenfunktion möglich [5, 7]. Mit Spironolacton und Eplerenon steigt das Risiko eines erhöhten Kaliumspiegels; Eplerenon darf nicht zusammen mit einem ACE-Hemmer und einem Sartan angewendet werden [14, 17]
Kaliumhaltige Präparate, kaliumsparende Mittel (Amilorid, Triamteren), Trimethoprim/SulfamethoxazolMit Spironolacton schwere, unter Umständen lebensbedrohliche Hyperkaliämie [13, 14]; Eplerenon darf nicht mit kaliumsparenden Diuretika oder Kaliumpräparaten gegeben werden [17]
LithiumLithium wird langsamer ausgeschieden, seine schädlichen Wirkungen auf Herz und Nerven können zunehmen; der Lithiumspiegel wird überwacht [5, 7]. Mit Eplerenon vermeiden [17]
Herzglykoside wie Digitoxin oder DigoxinEin Kalium- oder Magnesiummangel erhöht die Empfindlichkeit des Herzmuskels für Herzglykoside; deren Wirkungen und Nebenwirkungen können sich verstärken [5, 7]. Spironolacton kann den Digoxinspiegel erhöhen [14]
Mittel, die das QT-Intervall verlängern (z. B. einige Mittel gegen Herzrhythmusstörungen)Bei Elektrolytstörungen erhöhtes Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) [5, 7]
Kortison (Glukokortikoide wie Prednisolon), Abführmittel, große Mengen LakritzeStärkere Kaliumverluste [5, 7]
Insulin und Tabletten gegen DiabetesIhre Wirkung kann abgeschwächt werden [5, 7]
Aminoglykosid-Antibiotika wie Gentamicin, CisplatinMit Furosemid Hörschäden möglich, die bleiben können; die Kombination mit Aminoglykosiden sollte vermieden werden [5]
Starke CYP3A4-Hemmer wie Itraconazol oder ClarithromycinMit Eplerenon kontraindiziert [17]
Andere Blutdrucksenker, AlkoholStärkere Blutdrucksenkung [5, 7]

Die Liste ist nicht vollständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies Schmerzmittel. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen; den Überblick behalten Sie mit dem Medikationsplan.

Wann Diuretika nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden

Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Bei Schleifendiuretika, Thiaziden und thiazidartigen Mitteln nennen die Fachinformationen je nach Wirkstoff unter anderem einen Kalium- oder Natriummangel, einen Flüssigkeitsmangel bzw. eine verminderte Blutmenge, ein Leberkoma bzw. dessen Vorstufe sowie ein Nierenversagen ohne Harnausscheidung oder eine schwere Nierenfunktionsstörung [2, 5, 7, 9, 10, 12]. Hydrochlorothiazid, Chlortalidon und Xipamid dürfen bei einem erhöhten Calciumspiegel nicht angewendet werden [7, 9, 12]. Bei Spironolacton sind unter anderem ein erhöhter Kaliumspiegel, ein Natriummangel und eine schwere Niereninsuffizienz Gegenanzeigen, bei Eplerenon ein erhöhter Kaliumwert zu Behandlungsbeginn sowie eine schwere Nieren- oder Leberinsuffizienz [14, 17].

Besondere Vorsicht verlangen die Fachinformationen von Furosemid und Hydrochlorothiazid unter anderem bei niedrigem Blutdruck, Durchblutungsstörungen des Gehirns oder der Herzkranzgefäße und bei Diabetes [5, 7]. Bei Lebererkrankungen kann unter Thiaziden und verwandten Wirkstoffen eine Funktionsstörung des Gehirns durch die Leberschwäche (hepatische Enzephalopathie) auftreten; Indapamid und Xipamid sind dann sofort abzusetzen [10, 12]. Torasemid, Furosemid, Hydrochlorothiazid, Chlortalidon, Indapamid, Xipamid und Spironolacton können laut ihren Fachinformationen bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen [2, 5, 7, 9, 10, 12, 14]. Trifft ein Punkt auf Sie zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Schwangerschaft und Stillzeit

Für die routinemäßige Behandlung von Bluthochdruck und Ödemen in der Schwangerschaft sind Diuretika laut den Fachinformationen von Furosemid und Torasemid nicht geeignet, weil sie die Durchblutung des Mutterkuchens (Plazenta) und damit das Wachstum des Kindes beeinträchtigen können [2, 5]. Hydrochlorothiazid sollte laut Fachinformation bei Schwangerschaftsödemen, Schwangerschaftshochdruck oder einer Präeklampsie nicht angewendet werden [7]. Spironolacton, Chlortalidon und Xipamid sind laut Fachinformation in der Schwangerschaft kontraindiziert, Indapamid soll aus Vorsichtsgründen vermieden werden, Eplerenon nur mit Vorsicht eingesetzt werden [9, 10, 12, 14, 17].

Wenn in der Schwangerschaft ein Diuretikum erforderlich ist, sollte laut Embryotox, dem Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité, primär Hydrochlorothiazid in Betracht gezogen werden [19]. Für Furosemid und Spironolacton, deren Anwendung laut Embryotox speziellen Indikationen vorbehalten ist, nennt Embryotox als Diuretikum zunächst Hydrochlorothiazid als besser geeignete Alternative [18, 20]. Bei Bluthochdruck ohne weitere Begleiterkrankungen nennt Embryotox auf der Seite zu Furosemid zum Beispiel Metoprolol oder Alpha-Methyldopa, insbesondere im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel auch Nifedipin [18]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

In der Stillzeit sind Furosemid, Torasemid, Spironolacton, Chlortalidon und Xipamid laut Fachinformation kontraindiziert bzw. nicht anzuwenden; Schleifendiuretika können die Milchbildung verringern [2, 5, 9, 12, 14]. Hydrochlorothiazid wird laut Fachinformation in der Stillzeit nicht empfohlen; Embryotox hält es bis zu einer begrenzten Tagesdosis für akzeptabel und rät auch bei Furosemid, als Diuretikum möglichst Hydrochlorothiazid zu bevorzugen [7, 18, 19]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Unter Spironolacton scheint Stillen laut Embryotox akzeptabel, wenn tatsächlich eine Indikation vorliegt; die Fachinformation sieht die Stillzeit dagegen als Gegenanzeige [14, 20]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Absetzen

Bei Unterbrechung oder vorzeitiger Beendigung ist laut Packungsbeilage von Torasemid eine Verschlechterung der Beschwerden zu erwarten; Sie sollten die Einnahme deshalb nicht ohne Rücksprache unterbrechen oder beenden [1]. Auch die Packungsbeilagen von Indapamid und Eplerenon sehen vor, die Behandlung nur nach Rücksprache bzw. ärztlicher Anweisung zu beenden [11, 16]. Nach einer Langzeitbehandlung sollte Hydrochlorothiazid laut Packungsbeilage ausschleichend abgesetzt werden [6]. Bei Herzschwäche empfiehlt die NVL, regelmäßig zu prüfen, ob die Dosis des Diuretikums verringert werden kann [22]. Wie, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.

Unterschied zu SGLT2-Hemmern und anderen Blutdrucksenkern

SGLT2-Hemmer haben nach der NVL Chronische Herzinsuffizienz zwar eine harntreibende Wirkung, zählen aber nicht zu den Diuretika [22]. Bei Bluthochdruck stehen Thiazide und thiazidartige Diuretika in der NVL Hypertonie in derselben Tabelle der Wirkstoffklassen der ersten Wahl wie ACE-Hemmer bzw. Sartane und Calciumkanalblocker; als häufige unerwünschte Wirkungen nennt sie für ACE-Hemmer und Sartane einen erhöhten Kaliumspiegel und Angioödeme, für Kalziumkanalblocker unter anderem Ödeme [21]. Die Leitlinie befasst sich außerdem mit festen Kombinationen von Blutdrucksenkern mit einem Diuretikum in einer Tablette [21]. Weitere Blutdrucksenker: Betablocker.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Torasemid-ratiopharm® 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2022. abgerufen am 12.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Torasemid-ratiopharm® 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2022. abgerufen am 12.10.2026
  3. Fachinformation Fachinformation Torasemid STADA® 2,5 mg / 20 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Furosemid-ratiopharm® 40 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
  5. Fachinformation Fachinformation Furosemid-ratiopharm® 40 mg / 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation HCT-ratiopharm® 25 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 12.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation HCT-ratiopharm® 25 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 12.10.2026
  8. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Hydrochlorothiazid (HCT): Risiko von nichtmelanozytärem Hautkrebs (Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom der Haut). Zulassungsinhaber hydrochlorothiazidhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem BfArM. Stand 17.10.2018. abgerufen am 12.10.2026
  9. Fachinformation Fachinformation Hygroton 25 mg/Hygroton 50 mg Tabletten (Chlortalidon). Trommsdorff GmbH & Co. KG. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Indapamid-ratiopharm® 1,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 12.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Indapamid-ratiopharm® 1,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 12.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Xipamid-ratiopharm® 10 mg/20 mg/40 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 12.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Spironolacton-ratiopharm® 50 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 12.10.2026
  14. Fachinformation Fachinformation Spironolacton-ratiopharm® Tabletten (50 mg/100 mg). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 12.10.2026
  15. Fachinformation Fachinformation Spironolacton Accord 25 mg/50 mg/100 mg Filmtabletten. Accord Healthcare GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 12.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Eplerenon-ratiopharm® 25 mg, 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 12.10.2026
  17. Fachinformation Fachinformation Eplerenon-ratiopharm® 25 mg/50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 12.10.2026
  18. Embryotox Embryotox: Furosemid. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  19. Embryotox Embryotox: Hydrochlorothiazid. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  20. Embryotox Embryotox: Spironolacton. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  21. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Langfassung, Version 1.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-009). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 1.0, 2023. abgerufen am 12.10.2026
  22. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz, Langfassung, Version 4.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-006). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 4.0, 2023. abgerufen am 12.10.2026
  23. Mit welchen Medikamenten wird Bluthochdruck behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.05.2024. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Was sind Diuretika und wie wirken sie?

Diuretika sind Entwässerungsmittel: Sie erhöhen die Harnbildung in den Nieren, und mit dem Wasser werden auch Mineralstoffe wie Kalium und Natrium ausgeschieden. Schleifendiuretika wie Furosemid und Torasemid wirken an der Henle-Schleife, Thiazide wie Hydrochlorothiazid und thiazidartige Mittel wie Indapamid vor allem im distalen Abschnitt der Nierenkanälchen. Spironolacton und Eplerenon blockieren das Hormon Aldosteron und sparen dabei Kalium.

Welche Nebenwirkungen haben Diuretika?

Laut IQWiG gehören ein gesteigerter Harndrang und eine erhöhte Urinmenge dazu; verliert der Körper zu viel Wasser, Kalium oder Natrium, kann es zu Mundtrockenheit, Muskelschwäche oder Verwirrtheit kommen. Außerdem können Harnsäure und Blutzucker steigen und die Haut lichtempfindlicher werden. Spironolacton und Eplerenon können dagegen den Kaliumspiegel erhöhen. Wie häufig eine Nebenwirkung ist, hängt vom Wirkstoff ab.

Wann am Tag nehme ich ein Diuretikum ein?

Um nächtliche Toilettengänge zu vermeiden, nimmt man Diuretika laut IQWiG am besten morgens ein. Die Packungsbeilage von Furosemid nennt morgens nüchtern, die von Hydrochlorothiazid die Einnahme zum Frühstück. Maßgeblich ist die Anweisung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.

Kann Hydrochlorothiazid Hautkrebs verursachen?

Laut Rote-Hand-Brief vom 17. Oktober 2018 haben Studien ein erhöhtes Risiko für weißen Hautkrebs (Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom der Haut) mit steigender Gesamtmenge von Hydrochlorothiazid gezeigt. Prüfen Sie Ihre Haut regelmäßig, melden Sie verdächtige Veränderungen und schützen Sie sich vor Sonne und UV-Strahlen. Setzen Sie das Mittel nicht eigenmächtig ab; ob eine Umstellung sinnvoll ist, prüft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.

Warum wird unter Diuretika der Kaliumspiegel kontrolliert?

Thiazide, thiazidartige Mittel und Schleifendiuretika können einen Kaliummangel auslösen, der zusammen mit anderen Risiken schwere Herzrhythmusstörungen begünstigen kann. Spironolacton und Eplerenon können umgekehrt einen gefährlich hohen Kaliumspiegel verursachen, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion. Deshalb sehen die Fachinformationen regelmäßige Kontrollen der Blutsalze vor.

Darf ich mit Gicht ein Diuretikum nehmen?

Diuretika können die Harnsäure erhöhen. Bei Hydrochlorothiazid, Torasemid und Xipamid ist Gicht laut Fachinformation eine Gegenanzeige, bei Furosemid ist eine besonders sorgfältige Überwachung nötig. Das IQWiG hält Diuretika für Menschen mit Gicht nicht für geeignet. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Was muss ich an heißen Tagen beachten?

Das IQWiG rät, an heißen Tagen oder nach dem Sport ausreichend zu trinken, damit der Körper nicht zu viel Wasser, Kalium und Natrium verliert; besonders ältere Menschen sollten das beachten. Bei stärkerem Flüssigkeitsverlust, etwa durch Erbrechen, Durchfall oder starkes Schwitzen, ist laut Fachinformation von Furosemid eine besonders enge ärztliche Überwachung nötig.

Darf ich in der Schwangerschaft ein Diuretikum nehmen?

Für die routinemäßige Behandlung von Bluthochdruck und Ödemen in der Schwangerschaft sind Diuretika laut den Fachinformationen von Furosemid und Torasemid nicht geeignet, weil sie die Durchblutung des Mutterkuchens beeinträchtigen können; einige Diuretika sind laut ihrer Fachinformation in der Schwangerschaft kontraindiziert. Ist ein Diuretikum erforderlich, sollte laut Embryotox primär Hydrochlorothiazid in Betracht gezogen werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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