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Digitoxin: Nebenwirkungen und Wirkung

Digitoxin ist ein verschreibungspflichtiges Herzglykosid gegen chronische Herzmuskelschwäche und gegen schnelles Vorhofflimmern oder Vorhofflattern. Es hat eine geringe therapeutische Breite: Die Dosis wird sorgfältig überwacht eingestellt, und Nebenwirkungen können Zeichen einer Überdosierung sein. Bei Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen oder Veränderungen des Farbsehens benachrichtigen Sie bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Frau Anfang siebzig sitzt in einem hellen Wintergarten in einem Korbsessel und schaut entspannt in den Garten
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Jede Form von Herzrhythmusstörungen, insbesondere Extraschläge aus den Herzkammern (Extrasystolen), Kammertachykardien mit Doppel- oder Dreifachschlägen (Bigeminie, Trigeminie), schnelle Schlagfolge der Vorhöfe (Vorhoftachykardien, bei sehr hoher Dosierung), Erregungsleitungsstörungen zwischen Vorhof und Kammer (AV-Block I. bis III. Grades) und Störungen der Herzschlagfolge wie ein verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)[1, 2]
  • Häufig: Appetitlosigkeit, Übelkeit (sie sollte als frühes Zeichen einer übermäßig hohen Dosierung angesehen werden), Erbrechen, Bauchbeschwerden (z. B. Bauchschmerzen), Durchfall[1, 2]
  • Häufig: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Digitoxin eingesetzt?

Digitoxin ist ein verschreibungspflichtiges, herzwirksames Glykosid aus Digitalis purpurea [1, 2]. Laut Packungsbeilage wird es angewendet bei einer manifesten chronischen Herzmuskelschwäche, die auf einer verminderten Pumpfunktion beruht (Herzinsuffizienz), bei der schnellen Form einer Herzrhythmusstörung bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern und bei anfallsartigem Vorhofflimmern oder Vorhofflattern [1, 2].

Digitoxin hat eine geringe therapeutische Breite, deshalb ist eine sorgfältig überwachte Einstellung auf die individuelle Dosis notwendig. Die Dosis richtet sich nach dem Glykosidbedarf und danach, wie schnell der Körper den Wirkstoff ausscheidet; empfohlen wird eine regelmäßige Kontrolle des klinischen Bildes mit Bestimmung der Digitoxin-Konzentration im Blut [1, 2]. Zwischen Menschen bestehen erhebliche Unterschiede in der Empfindlichkeit gegenüber Glykosiden [1, 2].

Wie wirkt Digitoxin?

Digitoxin steigert die Kraft und Geschwindigkeit, mit der sich der Herzmuskel zusammenzieht, senkt die Schlagfrequenz, verzögert die Erregungsleitung im Herzen und steigert die Erregbarkeit, besonders der Herzkammermuskulatur [2]. Grundlage ist die Hemmung eines Enzyms, das Natrium und Kalium durch die Zellmembran pumpt. Dadurch steht in den Herzmuskelzellen mehr Calcium zur Verfügung. Bei einem niedrigen Kaliumspiegel kann die Wirkung verstärkt sein [2].

Digitoxin wird nach dem Einnehmen nahezu vollständig aufgenommen und wirkt lange: Die Eliminationshalbwertszeit beträgt im Mittel 7 bis 8 Tage, die Wirkungen sind bis zu 21 Tage beobachtbar [2]. Bei gesunder Leber- und Nierenfunktion werden etwa 60 % über die Nieren, etwa 40 % über den Stuhl ausgeschieden. Eine alleinige Störung der Nierenfunktion beeinflusst die Ausscheidung kaum; bei gleichzeitiger Leber- und Nierenschwäche muss mit höheren Spiegeln gerechnet werden [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen aus Packungsbeilage und Fachinformation. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000 [1, 2]. Wie Sie solche Angaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Nebenwirkungen können die Zeichen einer Überdosierung sein [1]. Am häufigsten betreffen sie das Herz: Grundsätzlich ist jede Form von Herzrhythmusstörungen möglich, etwa Extraschläge oder ein verlangsamter Herzschlag; Störungen von Kalium, Calcium oder Magnesium begünstigen sie [1, 2]. Häufig sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchbeschwerden, Durchfall, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schlaflosigkeit [1, 2]. Übelkeit sollte als frühes Zeichen einer übermäßig hohen Dosierung angesehen werden [1, 2]. Gelegentlich verändert sich das Farbsehen im Grün-Gelb-Bereich, bereits bei Spiegeln im therapeutischen Bereich; mehr dazu unter Sehstörungen [1, 2].

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • HerzJede Form von Herzrhythmusstörungen, insbesondere Extraschläge aus den Herzkammern (Extrasystolen), Kammertachykardien mit Doppel- oder Dreifachschlägen (Bigeminie, Trigeminie), schnelle Schlagfolge der Vorhöfe (Vorhoftachykardien, bei sehr hoher Dosierung), Erregungsleitungsstörungen zwischen Vorhof und Kammer (AV-Block I. bis III. Grades) und Störungen der Herzschlagfolge wie ein verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)[1, 2]Mehr dazu: HerzrhythmusstörungenVerlangsamter Herzschlag

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • PsycheSprachstörungen (Aphasien), Schwäche, Teilnahmslosigkeit (Apathie), Unwohlsein[1, 2]Mehr dazu: Schwäche (Asthenie)
  • Magen und DarmGefäßverschluss im Bauchraum (Mesenterialinfarkt)[1, 2]

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Laut Fachinformation können bei einer Überdosierung, individuell verschieden, Beschwerden an Herz, Magen-Darm-Trakt und Nervensystem ohne typische Reihenfolge auftreten, gleichzeitig oder nacheinander. Die Zeichen am Herzen sind weitaus ernster zu bewerten [2]. Nach einer akuten Überdosierung können die giftigen Wirkungen noch bis zu 12 Stunden zunehmen. Eine akute Überdosierung kann den Kaliumspiegel erhöhen, eine chronische geht häufig mit einem niedrigen Kaliumspiegel einher [2]. Für schwere Vergiftungen nennt die Fachinformation als Behandlung der Wahl spezifische Digitalis-Antikörperfragmente [2].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Ende sechzig sitzt in einer hellen Arztpraxis, während eine Ärztin ihm freundlich etwas erklärt
Bild: KI-generiert

Kontrollen wahrnehmen: Blutsalze und Nierenfunktion sollten in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, je nach klinischem Zustand. Schnelle Änderungen des Kaliums oder anderer Blutsalze wie Magnesium oder Calcium sollten vermieden werden [1, 2]. Eine Störung der Nierenfunktion ist einer der häufigsten Gründe für eine Digitalisvergiftung [1, 2].

Auf Kalium achten: Bei Kaliummangel wird der Herzmuskel für Digitoxin empfindlicher, auch wenn die Digitoxinkonzentration im therapeutischen Bereich liegt. Ein Kaliummangel kann zum Beispiel durch Dialyse, Durchfall, längeres Erbrechen, Unterernährung, hohes Alter oder eine lange bestehende Herzschwäche entstehen, etwa infolge einer Behandlung mit Entwässerungsmitteln [1, 2]. Mehr dazu unter Veränderter Kaliumspiegel und Kaliummangel.

Regelmäßig einnehmen: Achten Sie unbedingt darauf, Digitoxin regelmäßig in der verordneten Menge einzunehmen [1]. Treten Übelkeit, Appetitlosigkeit, Herzstolpern oder Veränderungen beim Sehen auf, benachrichtigen Sie bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen. Bei jeder zusätzlichen Behandlung sollte eine mögliche Wechselwirkung berücksichtigt werden; im Zweifel sollte der Digitoxin-Spiegel geprüft werden [1]. Mittel, die den Kalium- oder Magnesiumspiegel senken, verstärken die Giftigkeit, etwa Entwässerungsmittel, Kortison oder Abführmittel bei Missbrauch [1, 2]. Calciumantagonisten wie Verapamil oder Nifedipin, Amiodaron und bestimmte Antibiotika können die Digitoxin-Konzentration erhöhen; Betablocker verstärken die pulsverlangsamende Wirkung [1, 2]. Mittel, die den Kaliumspiegel erhöhen, wie Spironolacton, können die Wirkung auf die Herzkraft abschwächen und Herzrhythmusstörungen begünstigen [1, 2].

Wechselwirkungen von Digitoxin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
CalciumVerstärkung der Giftigkeit des Glykosids[1, 2]Calcium darf nicht in die Vene gespritzt werden
Mittel, die den Elektrolythaushalt beeinflussen, z. B. Entwässerungsmittel (vor allem kaliumausschwemmende), Abführmittel (bei Missbrauch), Benzylpenicillin, Amphotericin B, Carbenoxolon, Kortikosteroide, ACTH, Salicylate, LithiumsalzeVerstärkte Giftigkeit des Glykosids durch niedrigere Kalium- oder Magnesiumspiegel[1, 2]Vorher ärztlich besprechen; im Zweifel Digitoxin-Spiegel prüfen lassen
Mittel, die den Abbau in der Leber verlangsamen, z. B. Makrolid-Antibiotika, Itraconazol, Steroidhormone (z. B. Prednison, Danazol), Fluoxetin, HIV-Proteasehemmer (z. B. Indinavir, Ritonavir), Calciumantagonisten (z. B. Verapamil, Nifedipin, Diltiazem), AmiodaronHöhere Digitoxin-Konzentration im Blut (geringer ausgeprägt als bei Digoxin)[1, 2]Vorher ärztlich besprechen; im Zweifel Digitoxin-Spiegel prüfen lassen
Hemmstoffe des Transportproteins P-Glykoprotein, wie bestimmte Antibiotika (z. B. Makrolide, Tetrazykline) oder ChinidinHöhere Digitoxin-Konzentration im Blut[1, 2]Vorher ärztlich besprechen; im Zweifel Digitoxin-Spiegel prüfen lassen
Antibiotika, die den Abbau von Digitoxin durch ein bestimmtes Bakterium (E. lentum) hemmen, wie Makrolide, Carbapeneme und Beta-Lactam-Antibiotika (betrifft nur 10 % der Bevölkerung)Höhere Digitoxin-Konzentration im Blut[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
BetablockerVerstärkung der herzschlagverlangsamenden Wirkung von Digitoxin[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Muskelrelaxanzien (z. B. Suxamethoniumchlorid, Pancuronium), Reserpin, trizyklische Antidepressiva, Sympathomimetika, Phosphodiesterasehemmer (z. B. Theophyllin), Lithium (bei sinuatrialem Block)Begünstigung von Herzrhythmusstörungen[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Kaliumspiegel erhöhende Mittel (z. B. Spironolacton, Kaliumcanrenoat, Amilorid, Triamteren, Kaliumsalze)Abschwächung der kraftsteigernden Wirkung von Digitoxin, Begünstigung von Herzrhythmusstörungen[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Aktivkohle, Colestyramin, Colestipol, Kaolin-Pektin, einige Füll- oder QuellabführmittelWeniger Digitoxin wird aufgenommen bzw. es wird schneller ausgeschieden[1, 2]Digitoxin 2 Stunden vorher einnehmen
Mittel, die den Abbau in der Leber beschleunigen oder P-Glykoprotein anregen (z. B. Phenylbutazon, Phenobarbital, Phenytoin, Rifampicin, Spironolacton, Barbiturate)Niedrigere Digitoxin-Konzentration im Blut[1, 2]Vorher ärztlich besprechen; im Zweifel Digitoxin-Spiegel prüfen lassen

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Digitoxin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Digitoxin darf unter anderem nicht angewendet werden bei Verdacht auf eine Vergiftung mit Herzglykosiden, bei bestimmten schweren Herzrhythmusstörungen, bei Kaliummangel, bei erhöhtem Calcium- oder erniedrigtem Magnesiumspiegel und vor einer geplanten elektrischen Kardioversion [1, 2]. Eine erhöhte Empfindlichkeit für Glykoside besteht zum Beispiel im höheren Lebensalter, bei einer Schilddrüsenunterfunktion, Sauerstoffmangel im Blut, einer Herzmuskelentzündung, einem akuten Herzinfarkt und bei Störungen des Säure-Basen- und Elektrolythaushalts; Betroffene sollten mit reduzierter Dosis behandelt und sorgfältig überwacht werden [1, 2]. Mehr zur Schilddrüse lesen Sie unter Schilddrüsenunterfunktion.

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Digitoxin, andere herzwirksame Glykoside oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Verdacht auf eine Vergiftung mit Herzglykosiden[1, 2]
  • Von den Herzkammern ausgehende beschleunigte Herzschlagfolge (Kammertachykardie oder Kammerflimmern)[1, 2]
  • AV-Block II. oder III. Grades, krankhafte Sinusknotenfunktion (ausgenommen mit Herzschrittmacher)[1, 2]
  • Carotissinussyndrom[1, 2]
  • Geplante elektrische Kardioversion[1, 2]
  • Zusätzliche Leitungsbahnen zwischen Vorhof und Kammer (z. B. WPW-Syndrom) oder Verdacht darauf[1, 2]
  • Kaliummangel im Blut (Hypokaliämie)[1, 2]
  • Erhöhter Calciumspiegel (Hyperkalzämie), Magnesiummangel im Blut (Hypomagnesiämie)[1, 2]
  • Herzmuskelerkrankung mit Verengung der Ausflussbahn (hypertrophe Kardiomyopathie mit Obstruktion)[1, 2]
  • Krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader im Brustkorb (thorakales Aortenaneurysma)[1, 2]
  • Gleichzeitige Gabe von Calciumsalzen in die Vene[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Verlangsamter Herzschlag (Puls unter 50 Schläge pro Minute) durch Erregungsbildungs- oder -leitungsstörungen, AV-Block I. Grades[1, 2]
  • Erhöhter Kaliumspiegel im Blut: vermehrt Erregungsbildungs- und -leitungsstörungen möglich[1, 2]
  • Höheres Lebensalter oder verminderte Ausscheidung über die Nieren[1, 2]
  • Schilddrüsenerkrankungen: Bei einer Unterfunktion sollten Aufsättigungs- und Erhaltungsdosis verringert werden, bei einer Überfunktion kann eine Dosiserhöhung erforderlich sein[1, 2]
  • Akuter Herzinfarkt: häufig verringerte Kaliumspiegel und/oder Neigung zu Herzrhythmusstörungen[1, 2]
  • Akute Herzmuskelentzündung, Cor pulmonale oder Sauerstoffmangel im Blut infolge schwerer Atemwegserkrankung: erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Digitalis-Glykosiden[1, 2]
  • Herzglykoside in den vorangegangenen 2 Wochen: Eine verringerte Aufsättigungsdosis kann nötig sein[1, 2]
  • Kaliummangel macht den Herzmuskel empfindlicher für Digitoxin, auch wenn die Digitoxinkonzentration im therapeutischen Bereich liegt; er kann z. B. durch Dialyse, Absaugen von Magen-Darm-Sekret, Unterernährung, Durchfall, längeres Erbrechen, hohes Alter oder lange bestehende Herzinsuffizienz (z. B. durch Entwässerungsmittel) entstehen[1, 2]
  • Schnelle Änderungen von Kalium und anderen Blutsalzen (z. B. Magnesium, Calcium) vermeiden; Blutsalze und Nierenfunktion regelmäßig kontrollieren lassen[1, 2]
  • Eine Störung der Nierenfunktion ist einer der häufigsten Gründe für eine Digitalisvergiftung[1, 2]
  • Digitoxin kann Veränderungen im EKG (ST-T-Veränderungen) verursachen, ohne dass eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels vorliegt[1, 2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist laut Packungsbeilage eine besonders sorgfältige Überwachung mit individueller Dosierung nötig. Digitoxin geht in die Muttermilch über; die Packungsbeilage rät vorsichtshalber zum Abstillen, Embryotox empfiehlt eine Entscheidung im Einzelfall [1, 3]. Die Verkehrstüchtigkeit wird laut Packungsbeilage nicht beeinträchtigt; zugleich nennt sie Müdigkeit (häufig) und Veränderungen des Farbsehens (gelegentlich) als mögliche Nebenwirkungen [1]. Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und Embryotox sagen [1, 2, 3].

Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist eine besonders sorgfältige Überwachung und eine individuelle, bedarfsgerechte Dosierung nötig. Bisherige Erfahrungen mit Digitalis-Glykosiden in therapeutischen Dosen ergaben keine Hinweise auf eine Schädigung des Embryos oder Fötus. In den letzten Wochen der Schwangerschaft kann der Bedarf ansteigen, nach der Geburt ist häufig eine Dosisverringerung angezeigt. Nach Digitalis-Vergiftungen der Mutter wurde auch beim Fötus über Vergiftungserscheinungen berichtet.[1, 2]

Laut Embryotox können Herzglykoside in der Schwangerschaft bei mütterlicher und kindlicher Indikation eingesetzt werden; fast alle Erfahrungen beziehen sich auf Digoxin, zu Digitoxin gibt es praktisch keine publizierten Erfahrungsberichte. Nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel kann eine weiterführende Ultraschalluntersuchung angeboten werden. Als besser geeignete Alternative nennt Embryotox Digoxin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Digitoxin geht in die Muttermilch über; laut Packungsbeilage sollte deshalb vorsichtshalber abgestillt werden.[1, 2]

Laut Embryotox liegen keine Daten zum Übergang in die Muttermilch vor, Beschwerden bei gestillten Kindern wurden bisher nicht berichtet; wegen der fehlenden Daten und der langen Halbwertszeit sollte im Einzelfall über das Stillen entschieden werden. Falls möglich, sollte laut Embryotox Digoxin bevorzugt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Laut Packungsbeilage wird die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen nicht beeinträchtigt; laut Fachinformation hat Digitoxin AWD 0,07 keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss. Zugleich nennen beide als mögliche Nebenwirkungen Müdigkeit (häufig) sowie Veränderungen des Farbsehens und psychische Veränderungen wie Verwirrtheit (gelegentlich). Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.[1, 2]

Einnahme

Die Tabletten unzerkaut nach einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen. Die Bruchkerbe dient nur zum Teilen, wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Tablette im Ganzen zu schlucken. Es ist unbedingt darauf zu achten, das Arzneimittel regelmäßig in der verordneten Menge einzunehmen.[1]

Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge einnehmen.[1]

Überdosierung

Nebenwirkungen können Zeichen einer Überdosierung sein; Übelkeit gilt als frühes Zeichen einer übermäßig hohen Dosierung. Laut Fachinformation können bei einer Überdosierung Beschwerden an Herz, Magen-Darm-Trakt und Nervensystem ohne typische Reihenfolge, gleichzeitig oder nacheinander auftreten; die Zeichen am Herzen sind weitaus ernster. Nach einer akuten Überdosierung können die giftigen Wirkungen noch bis zu 12 Stunden zunehmen; eine akute Überdosierung kann den Kaliumspiegel erhöhen, eine chronische geht häufig mit einem niedrigen Kaliumspiegel einher. Benachrichtigen Sie bei Verdacht sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage beschreibt eine Sättigungsbehandlung über 3 Tage und eine anschließende Erhaltungsbehandlung, unterschieden nach Alter und Körperbau, sowie Hinweise zur Umstellung von anderen Herzglykosiden [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest, begleitet von Kontrollen [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Digitoxin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein: unzerkaut nach einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit. Die Bruchkerbe dient nur zum Teilen, wenn Sie die Tablette im Ganzen schlecht schlucken können. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie nicht die doppelte Menge [1]. Brauchen Sie Aktivkohle, Colestyramin oder bestimmte Abführmittel, nehmen Sie Digitoxin 2 Stunden vorher ein [1, 2].

Über die Dauer der Anwendung entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt [1]. Ändern oder beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache; mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen. Bei Verdacht auf eine Überdosierung benachrichtigen Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Digitoxin

Digitoxin gibt es als Tabletten [1]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Digitoxin AWD 0,07 [1, 2].

Präparate mit Digitoxin
PräparatAnbieterHinweis
Digitoxin AWD 0,07TEVA GmbHTabletten mit 0,07 mg, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Digitoxin AWD 0,07. TEVA GmbH. Stand 02/2018. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Digitoxin AWD 0,07. TEVA GmbH. Stand 02/2018. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Digitoxin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Woran erkenne ich eine Digitoxin-Überdosierung?

Nebenwirkungen können Zeichen einer Überdosierung sein. Übelkeit sollte laut Packungsbeilage als frühes Zeichen einer übermäßig hohen Dosierung angesehen werden; hinzu kommen können Appetitlosigkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Veränderungen des Farbsehens und psychische Veränderungen wie Verwirrtheit. Laut Fachinformation treten die Beschwerden in keiner typischen Reihenfolge auf, und die Zeichen am Herzen sind weitaus ernster. Bei Verdacht benachrichtigen Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Warum ist der Kaliumwert unter Digitoxin so wichtig?

Bei Kaliummangel wird der Herzmuskel für Digitoxin empfindlicher, auch wenn die Digitoxinkonzentration im Blut im therapeutischen Bereich liegt. Ein Kaliummangel kann etwa durch Entwässerungsmittel, Durchfall, längeres Erbrechen, Unterernährung oder Dialyse entstehen. Bei Kaliummangel darf Digitoxin nicht angewendet werden; Blutsalze und Nierenfunktion sollten regelmäßig kontrolliert und schnelle Änderungen der Blutsalze vermieden werden.

Warum muss Digitoxin so genau dosiert werden?

Digitoxin hat laut Packungsbeilage eine geringe therapeutische Breite; deshalb ist eine sorgfältig überwachte Einstellung auf die individuelle Dosis nötig, und regelmäßige Kontrollen des klinischen Bildes mit Bestimmung der Digitoxin-Konzentration im Blut werden empfohlen. Nehmen Sie Digitoxin unbedingt regelmäßig in der verordneten Menge ein.

Wie lange bleibt Digitoxin im Körper?

Die Eliminationshalbwertszeit beträgt laut Fachinformation im Mittel 7 bis 8 Tage, und die Wirkungen von Digitoxin sind bis zu 21 Tage beobachtbar. Wer von Digoxin oder einem anderen Herzglykosid auf Digitoxin umgestellt wird, legt eine Behandlungspause ein, deren Länge von der Nierenfunktion abhängt.

Welche Medikamente vertragen sich nicht mit Digitoxin?

Viele: Calcium darf nicht in die Vene gespritzt werden. Entwässerungsmittel, Kortison oder Abführmittel bei Missbrauch können über einen Kalium- oder Magnesiummangel die Giftigkeit verstärken. Verapamil, Amiodaron, bestimmte Antibiotika, Pilzmittel und HIV-Mittel können die Digitoxin-Konzentration erhöhen, Rifampicin, Phenobarbital oder Phenytoin sie senken. Colestyramin und Aktivkohle verringern die Aufnahme; Digitoxin wird dann 2 Stunden vorher eingenommen. Im Zweifel sollte der Digitoxin-Spiegel geprüft werden.

Darf ich Digitoxin in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?

In der Schwangerschaft ist eine besonders sorgfältige Überwachung mit individueller Dosierung nötig; bisherige Erfahrungen mit Digitalis-Glykosiden in therapeutischer Dosis ergaben keine Hinweise auf eine Schädigung des Kindes. Digitoxin geht in die Muttermilch über; laut Packungsbeilage sollte vorsichtshalber abgestillt werden. Embryotox empfiehlt, im Einzelfall über das Stillen zu entscheiden.

Kann Digitoxin das Sehen verändern?

Ja. Gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten, verändert sich das Farbsehen im Grün-Gelb-Bereich, bereits bei Digitoxinspiegeln im therapeutischen Bereich. Solche Veränderungen können auch zu den Zeichen einer Überdosierung gehören; sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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  • Werkzeuge Was heißt "häufig"?

    "Häufig" heißt in der Packungsbeilage: bei bis zu 1 von 10 Behandelten.