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Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bildet die Schilddrüse zu wenige Hormone; häufigster Grund ist hierzulande laut IQWiG die Hashimoto-Thyreoiditis. Bei einer ausgeprägten (manifesten) Unterfunktion soll laut S2k-Leitlinie der DEGAM immer eine Hormonbehandlung erfolgen, mit Levothyroxin als Monotherapie und Mittel der Wahl; ob eine latente Unterfunktion mit erhöhtem TSH-Wert und normalen Hormonwerten behandelt wird, sollte individuell entschieden werden (Konsensempfehlungen). Weil Beschwerden wie Müdigkeit oder Frieren viele Ursachen haben können, klärt eine Blutuntersuchung in der Arztpraxis, ob die Schilddrüse dahintersteckt.

Frau Anfang fünfzig mit schulterlangem aschblondem Haar in einer moosgrünen Strickjacke sitzt in eine Wolldecke gehüllt am Fenster und hält an einem grauen Herbstmorgen eine Tasse Tee
Bild: KI-generiert

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bildet die Schilddrüse zu wenige Hormone. Das kann zum Beispiel zu Müdigkeit, Hautveränderungen oder einer niedergeschlagenen Stimmung führen [2]. Behandelt wird mit Tabletten, die das fehlende Hormon ersetzen; dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel [2]. Laut S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) soll eine ausgeprägte Unterfunktion immer behandelt werden, mit Levothyroxin als Mittel der Wahl. Ob ein erhöhter TSH-Wert bei normalen Hormonwerten behandelt wird, sollte individuell entschieden werden (Konsensempfehlungen 6.1.1, 6.1.2 und 6.2.1) [1].

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Die Schilddrüse bildet Hormone, die sehr viele Vorgänge im Körper steuern. Die Hirnanhangdrüse regt sie mit dem Hormon TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) dazu an. Wird die Schilddrüse schwächer, gibt die Hirnanhangdrüse mehr TSH ab; ein erhöhter TSH-Wert im Blut kann deshalb ein Anzeichen für eine Unterfunktion sein [2]. In Ländern wie Deutschland haben laut IQWiG ungefähr 5 von 100 Menschen eine Unterfunktion. Frauen und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen, bei etwa 1 von 3.400 Neugeborenen ist sie angeboren [2].

Die DEGAM-Leitlinie "Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis" (Stand April 2023) unterscheidet zwei Formen [1]:

  • Manifeste Unterfunktion: Der TSH-Wert liegt über dem altersspezifischen Grenzwert, und das freie Schilddrüsenhormon fT4 liegt unter dem Referenzbereich. Das ist laut Leitlinie eine eindeutige Indikation für eine Hormonbehandlung [1].
  • Latente Unterfunktion: Der TSH-Wert ist erhöht, der fT4-Wert normal. Sie verläuft laut Leitlinie ohne Beschwerden und wird häufig bei Routineuntersuchungen entdeckt [1]. Leicht erhöhte TSH-Werte normalisieren sich laut IQWiG häufig von selbst, bei stark erhöhten Werten entwickelt sich dagegen oft innerhalb von einigen Monaten oder Jahren eine spürbare Unterfunktion [3].

Als erhöht sollten laut Leitlinie in der Hausarztpraxis TSH-Werte über 4,0 mU/l bei 18 bis 70 Jahren gelten, über 5,0 mU/l bei über 70 bis 80 Jahren und über 6,0 mU/l bei über 80 Jahren (Empfehlung 4.1.1, Konsens 5 von 5) [1].

Symptome

Fehlen Schilddrüsenhormone, verlangsamt sich laut IQWiG der Stoffwechsel. Das kann viele Körperfunktionen betreffen. Mögliche Beschwerden sind unter anderem [2]:

  • Schwäche und Müdigkeit, ein niedriger Puls und Kurzatmigkeit,
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Teilnahmslosigkeit, Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten,
  • trockene, vor allem im Gesicht teigig verdickte Haut, trockenes Haar und Haarausfall,
  • eine leichte bis mäßige Gewichtszunahme, Verstopfung, eine vergrößerte Schilddrüse (Kropf) und eine tiefe, heisere Stimme,
  • starke Regelblutungen oder Zyklusstörungen, eine eingeschränkte Fruchtbarkeit und Erektionsstörungen,
  • Kälteempfindlichkeit und Frieren, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl.

Viele dieser Beschwerden können andere Ursachen haben. Besonders bei älteren Menschen kann eine Unterfunktion laut gesund.bund.de mit altersbedingten Veränderungen verwechselt werden, zum Beispiel mit einer beginnenden Demenz [5]. Viele Menschen mit erhöhtem TSH-Wert fühlen sich laut DEGAM-Leitlinie nicht krank, und die oft genannten Beschwerden sind sehr unspezifisch [1]. Ähnliche Beschwerden können auch Nebenwirkungen sein: Müdigkeit, Gewichtszunahme und Haarausfall durch Medikamente.

Ursachen und Risikofaktoren

Laut IQWiG gibt es verschiedene Gründe, warum die Schilddrüse nicht mehr genug Hormone bildet [2]:

  • Entzündung der Schilddrüse: Die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Entzündung durch eine Autoimmunreaktion, ist hierzulande der häufigste Grund. Auch eine Infektion kann eine Entzündung auslösen; manchmal bleibt die Ursache unklar [2].
  • Operation oder Radiojod: Wird die Schilddrüse etwa wegen einer Überfunktion oder wegen Krebs teilweise oder ganz entfernt oder mit Radiojod bestrahlt, entstehen zu wenige oder gar keine Hormone mehr [2]. Mehr dazu: Radiojodtherapie.
  • Ausgeprägter Jodmangel: Der Körper braucht Jod, um Schilddrüsenhormone zu bilden [2]. In den Industrieländern führt Jodmangel laut gesund.bund.de heute nur sehr selten zu einer Unterfunktion [5].
  • Angeborene Unterfunktion: Sie ist selten genetisch bedingt. Ausgelöst werden kann sie auch, wenn eine Schwangere zu wenig Jod aufnimmt oder ihr Immunsystem Antikörper gegen Schilddrüsengewebe bildet [2].

Als Faktoren, die eine Unterfunktion wahrscheinlicher machen, nennt die DEGAM-Leitlinie unter anderem frühere Schilddrüsenerkrankungen oder -operationen, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse oder eine Unterfunktion bei Verwandten ersten Grades, eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich, andere Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1 und eine Dauerbehandlung mit Amiodaron oder Lithium [1].

Medikamente als Ursache: Bei Amiodaron, einem Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, ist eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse laut Packungsbeilage häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten. Die Schilddrüse sollte deshalb vor Beginn, während der Behandlung und bis etwa ein Jahr nach dem Absetzen regelmäßig untersucht werden; nach dem Absetzen normalisiert sich eine Unterfunktion normalerweise innerhalb von 1 bis 3 Monaten [11]. Für Lithium nennt die österreichische Fachinformation von Quilonorm retard Unter- und Überfunktionen der Schilddrüse und einen Kropf bei normaler Schilddrüsenfunktion, jeweils ohne bekannte Häufigkeit [12]. In Deutschland ist für denselben Zulassungsinhaber, die Teofarma S.r.l., Quilonum retard zugelassen; die deutsche Fassung kann in Einzelheiten abweichen [14]. Amiodaron und iodhaltige Röntgenkontrastmittel können laut Packungsbeilage von Levothyroxin wegen ihres hohen Iodgehalts sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion auslösen [6]. Mittel gegen eine Überfunktion können laut IQWiG bei zu hoher Dosis eine Unterfunktion verursachen [2]. Die DEGAM-Leitlinie nennt außerdem Zytokine und bestimmte Krebsmittel wie Tyrosinkinase-Hemmer und Checkpoint-Inhibitoren [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt fragt laut IQWiG nach Beschwerden und tastet die Schilddrüse ab. Weil viele Beschwerden auch andere Ursachen haben können, folgt eine Blutuntersuchung der Schilddrüsenwerte [2]. Für die Hausarztpraxis empfiehlt die DEGAM-Leitlinie [1]:

  • Erster erhöhter Wert: Liegt der TSH-Wert über dem altersspezifischen Grenzwert, aber höchstens bei 10,0 mU/l, und ist die Vorgeschichte unauffällig, sollte zunächst eine Wiederholungsmessung erfolgen. Bei einem ersten Wert über 10,0 mU/l sollte zusätzlich eine weiterführende Diagnostik eingeleitet werden (Empfehlung 5.3.1, Konsens 5 von 5).
  • fT4: Zur weiteren Abklärung sollte zunächst einmalig der fT4-Wert bestimmt werden (Empfehlung 5.4.1.1, Konsens 5 von 5).
  • Ultraschall: Eine routinemäßige Ultraschalluntersuchung sollte bei erhöhten TSH-Werten nicht durchgeführt werden (Empfehlung 5.4.4.1, Konsens 4 von 5 bei einer Gegenstimme der Patientenvertretung).
  • Kein Screening: Ein TSH-Screening bei Erwachsenen ohne Beschwerden sollte nicht erfolgen (Empfehlung 4.2.1, Konsens 5 von 5).

Die Messung können laut Leitlinie auch akute Erkrankungen und Medikamente wie hoch dosierte Acetylsalicylsäure, Heparin, Glukokortikoide ("Kortison") und Biotin beeinflussen [1]. Nehmen Sie Biotin ein oder haben Sie es bis vor Kurzem eingenommen, auch in Multivitaminpräparaten oder Mitteln für Haare, Haut und Nägel, informieren Sie laut Packungsbeilage von Levothyroxin vor der Blutuntersuchung Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder das Labor [6]. Mehr dazu: Medikamente vor Untersuchungen.

Behandlung ohne Medikamente

Manche Menschen mit erhöhtem TSH-Wert bekommen laut IQWiG nie Beschwerden; leicht und mäßig erhöhte Werte müssen deshalb nicht unbedingt behandelt werden [3]. Unabhängig vom Alter sollte laut DEGAM-Leitlinie bei Menschen ohne Beschwerden und einem nur leicht erhöhten TSH-Wert bis 10 mU/l keine Hormonbehandlung erfolgen (Empfehlung 6.1.2, Konsens 5 von 5). Wird keine Behandlung begonnen, kann der TSH-Wert nach 6 bis 12 Monaten erneut kontrolliert werden, um vorübergehende Ursachen wie akute Erkrankungen oder Medikamente auszuschließen (Empfehlung 5.4.1.2, Konsens 5 von 5) [1].

Einer Unterfunktion kann man laut IQWiG nicht vorbeugen, mit einer Ausnahme: Eine ausreichende Jodversorgung verhindert eine Unterfunktion durch Jodmangel. Dazu reicht es, wenn täglich Milch, Milchprodukte oder Eier und öfter Meeresfisch auf dem Speiseplan stehen; außerdem wird jodiertes Speisesalz empfohlen [2]. Die tägliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann laut IQWiG problematisch sein, wenn sie mehr als 100 Mikrogramm Jod enthalten, denn wer dauerhaft zu viel Jod aufnimmt, erhöht das Risiko für eine Überfunktion [2].

Für die zusätzliche Einnahme von Spurenelementen, pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln wie Jod, Selen oder Vitaminen gibt es laut DEGAM-Leitlinie keine Belege für einen Nutzen bei einer Unterfunktion [1]. Mehr dazu: Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.

Behandlung mit Medikamenten

Mann Mitte fünfzig mit kurzem grau meliertem Haar in einem dunkelblauen Pullover sitzt in einer hellen Hausarztpraxis, eine Ärztin mit dunklem Pferdeschwanz tastet vorsichtig seinen Hals ab
Bild: KI-generiert

Bei einer Unterfunktion wird das fehlende Hormon Thyroxin durch ein Medikament ersetzt: Levothyroxin, auch L-Thyroxin genannt. Es bringt die Hormonwerte in den normalen Bereich [2]. Angewendet wird Levothyroxin laut Packungsbeilage unter anderem zum Ersatz des fehlenden Hormons bei jeder Form einer Schilddrüsenunterfunktion [6]. Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt [1]:

  • Manifeste Unterfunktion: Eine Hormonbehandlung soll immer erfolgen (Empfehlung 6.1.1, Konsens 5 von 5).
  • Latente Unterfunktion: Ob behandelt wird, sollte individuell entschieden werden. Bei Menschen bis 75 Jahre sollte ab einem TSH-Wert über 10 mU/l eine Behandlung eingeleitet werden; je nach Beschwerden und Wunsch kann nach umfassender Aufklärung auch ein Verzicht unter Kontrolle des TSH-Werts (bis unter 20 mU/l) eine Alternative sein. Bei über 75-Jährigen kann bis zu einem TSH-Wert unter 20 mU/l auf eine Behandlung verzichtet werden (Empfehlung 6.1.2, Konsens 5 von 5).
  • Wirkstoff: Levothyroxin soll als Monotherapie und Mittel der Wahl verwendet werden (Empfehlung 6.2.1, Konsens 5 von 5). T3, T3/T4-Kombinationen oder natürliche Schilddrüsenhormonpräparate sollten nicht verordnet werden (Empfehlung 6.2.3, Konsens 5 von 5).
  • Einstellung: Die Anfangsdosis sollte sich nach Alter, Gewicht, dem Zustand des Herzens und der Schwere der Unterfunktion richten, mit einem TSH-Zielkorridor zwischen 0,4 und 4,0 mU/l; angepasst werden sollte sie nach den Laborwerten und dem Befinden (Empfehlung 6.2.4, Konsens 5 von 5).
Medikament bei Schilddrüsenunterfunktion laut DEGAM-Leitlinie
WirkstoffgruppeBeispielWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Schilddrüsenhormone (Schilddrüsenmittel)Levothyroxin (L-Thyroxin) [1, 6]Wirkt genauso wie das Hormon, das die Schilddrüse vorwiegend selbst bildet; der Körper kann beide nicht unterscheiden. Ein Teil wird besonders in Leber und Niere in die Form Liothyronin (T3) umgewandelt, die auf Entwicklung, Wachstum und Stoffwechsel wirkt [7]Wird die Dosisstärke nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor: sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen; häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, Herzrasen und Nervosität [6]

Bei älteren Menschen, bei einer Erkrankung der Herzkranzgefäße und bei schwerer oder lang bestehender Unterfunktion wird die Behandlung laut Packungsbeilage besonders vorsichtig begonnen: mit einer niedrigen Anfangsdosis, die unter häufigen Kontrollen langsam gesteigert wird [6]. Als relative Gegenanzeigen nennt die DEGAM-Leitlinie Herzerkrankungen wie eine koronare Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen mit schnellem Herzschlag [1]. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosis stehen unter Dosierung von Levothyroxin; Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand von Kontrolluntersuchungen fest [6].

Bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat, dauert es laut IQWiG etwa 2 bis 3 Monate [2]. Nach Beginn und nach jeder Änderung der Dosis sollten die Schilddrüsenhormone laut DEGAM-Leitlinie frühestens nach 8 Wochen kontrolliert werden, nach etablierter Dosis halbjährlich und schließlich jährlich (Empfehlungen 6.2.6 und 6.2.7, Konsens jeweils 5 von 5). Bleiben Beschwerden, die für die Entscheidung zur Behandlung wichtig waren, bestehen oder werden sie schlimmer, sollten andere Ursachen geprüft werden (Empfehlung 6.2.10, Konsens 5 von 5) [1].

Schwangerschaft und Stillzeit

Levothyroxin ist laut Embryotox Mittel der Wahl zur Behandlung einer Unterfunktion in der Schwangerschaft. Die Stoffwechsellage sollte danach idealerweise schon vor der Schwangerschaft geprüft werden; nach Feststellung der Schwangerschaft soll frühzeitig der TSH-Wert bestimmt und die Dosis angepasst werden, weil der Bedarf in der Regel steigt. Eine unbehandelte Unterfunktion der Mutter hat laut Embryotox negative Auswirkungen auf die geistige Entwicklung des Ungeborenen [8].

Bei Schwangeren mit manifester Unterfunktion soll laut DEGAM-Leitlinie eine Hormonbehandlung eingeleitet oder fortgeführt werden (Empfehlung 6.1.3, Konsens 5 von 5). Bei Schwangeren, die bereits wegen einer Unterfunktion behandelt werden, soll die Behandlung weitergeführt werden; angestrebt ist durchgehend ein TSH-Wert zwischen 0,4 und 4,0 mU/l. Nach der Geburt sollte bei vorbestehender Unterfunktion auf die Dosis vor der Schwangerschaft reduziert werden (Empfehlung 6.2.5, Konsens 5 von 5). Zur Hormonbehandlung einer latenten Unterfunktion in der Schwangerschaft kann die Leitlinie wegen der Datenlage derzeit keine Empfehlung formulieren [1]. Laut Packungsbeilage muss die Behandlung in Schwangerschaft und Stillzeit konsequent unter ärztlicher Aufsicht fortgesetzt werden; zusammen mit einem Mittel gegen eine Überfunktion (Thyreostatikum) dürfen Sie Levothyroxin in der Schwangerschaft nicht einnehmen [6]. In der Stillzeit ist Thyroxin laut Embryotox Mittel der Wahl bei einer Unterfunktion [8]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.

Kinder

Um eine angeborene Unterfunktion früh zu erkennen, wird bei allen Neugeborenen routinemäßig der TSH-Wert bestimmt. Unbehandelt kann sie vor allem bei Kindern laut IQWiG schwerwiegende Folgen wie Kleinwuchs, Schwerhörigkeit oder Störungen der geistigen Entwicklung haben; dazu kommt es hierzulande nur sehr selten, weil die Erkrankung meist im Neugeborenen-Screening erkannt wird [2]. Bei angeborener Unterfunktion ist laut Packungsbeilage ein rascher Hormonersatz besonders wichtig, um eine normale geistige und körperliche Entwicklung zu erzielen [6]. Dass die Behandlung einer latenten Unterfunktion bei Kindern und Jugendlichen Vorteile hat, ist laut IQWiG nicht belegt [3]. Mehr dazu: Medikamente bei Kindern.

Nebenwirkungen der Medikamente

Wird die Dosisstärke im Einzelfall nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor, können laut Packungsbeilage von Levothyroxin die typischen Zeichen einer Überfunktion auftreten, besonders bei zu schneller Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung. Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind dann Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen, häufig Herzrasen und Nervosität. Ohne bekannte Häufigkeit nennt die Packungsbeilage unter anderem Herzrhythmusstörungen, innere Unruhe, Zittern, übermäßiges Schwitzen, Gewichtsabnahme und Störungen der Regelblutung [6]. Teilen Sie Nebenwirkungen Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit: Sie oder er bestimmt, ob die Tagesdosis verringert oder die Einnahme für mehrere Tage unterbrochen wird [6]. An der Dosis sollten Sie laut IQWiG nichts auf eigene Faust ändern [4].

Herz und Knochen: Bei einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen mit schnellem Herzschlag, nach einem Herzinfarkt oder bei lange bestehender Unterfunktion ist laut Fachinformation auch eine leichtere medikamentös bedingte Überfunktion unbedingt zu vermeiden [7]. Gerade bei älteren Menschen kann es laut DEGAM-Leitlinie infolge einer Überdosierung zu Herzrhythmusstörungen und Knochenschwund kommen [1]. Knochenschwund (Osteoporose) bei hohen Dosen nennt die Packungsbeilage ohne bekannte Häufigkeit, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren, hauptsächlich bei einer Behandlung über einen langen Zeitraum [6]; bei ihnen sollte laut Fachinformation auf die niedrigste wirksame Dosis eingestellt werden, wenn ihr Osteoporoserisiko erhöht ist [7]. Mehr dazu: Osteoporose durch Medikamente.

Allergische Reaktionen: Sie können laut Packungsbeilage sofort oder innerhalb weniger Tage an der Haut oder an den Atemwegen auftreten und lebensbedrohlich sein, etwa mit Ausschlag, Juckreiz, Atembeschwerden oder einer Schwellung von Gesicht, Lippen, Hals oder Zunge. Wenden Sie sich dann sofort an eine Ärztin oder einen Arzt oder begeben Sie sich schnellstmöglich in die nächste Notfallambulanz [6]. Laut Fachinformation muss die Behandlung dann abgebrochen werden [7]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.

Wechsel des Präparats: Ist die Behandlung eingestellt, sollte laut Fachinformation die Umstellung auf ein anderes Arzneimittel mit Schilddrüsenhormon nur unter enger Überwachung der Labor- und Krankheitszeichen erfolgen, weil ein Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone möglich ist [7]. Laut IQWiG wird empfohlen, möglichst immer dasselbe Präparat zu verwenden [4]. Laut einem Informationsbrief der Aristo Pharma GmbH vom 27. Juli 2026, abgestimmt mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sind Eferox Tabletten ab August 2026 in neuer Zusammensetzung erhältlich: Der Hilfsstoff Maisstärke wurde ergänzt, der Wirkstoff Levothyroxin-Natrium ist unverändert. Bei einem Wechsel auf die neue Zusammensetzung wird eine engmaschige Kontrolle empfohlen, weil wegen des engen therapeutischen Fensters von Levothyroxin Veränderungen der Schilddrüsenstoffwechsellage auftreten können. Eine zuverlässige Grundlage für die Überprüfung der Tagesdosis liefert danach die Bestimmung des TSH-Werts 6 bis 8 Wochen nach der Umstellung zusammen mit der klinischen Untersuchung [9]. Dieselbe Empfehlung gab ein Rote-Hand-Brief der Merck Serono GmbH vom 10. April 2019 zu Euthyrox Tabletten in neuer Zusammensetzung, in der der Hilfsstoff Lactose durch Mannitol und Citronensäure ersetzt wurde, bei unverändertem Wirkstoff. Besonders zu beachten sind danach empfindliche Gruppen, zum Beispiel Menschen mit Schilddrüsenkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangere, Kinder und ältere Menschen [10]. Mehr dazu: Generika und Original.

Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit einer Schilddrüsenunterfunktion

Einnahme: Laut Packungsbeilage nehmen Sie die gesamte Tagesdosis morgens nüchtern mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit ein, vorzugsweise mit einem Glas Wasser [6]. Danach empfehlen Fachleute laut IQWiG, mindestens 30 Minuten zu warten, bevor man etwas isst, andere Medikamente einnimmt oder etwas anderes als Wasser trinkt [4]. Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte beeinflussen laut DEGAM-Leitlinie die Aufnahme, deshalb ist die Einnahme mit Wasser günstig [1]. Nach der Einnahme sollten Sie laut Packungsbeilage mindestens eine halbe bis eine Stunde warten, bevor Sie Kaffee trinken. Eine vergessene Einnahme holen Sie nicht nach, sondern bleiben im festgelegten Rhythmus [6]. Mehr dazu: Medikamente und Kaffee.

Andere Medikamente: Levothyroxin nehmen Sie laut Packungsbeilage mindestens 2 Stunden vor eisenhaltigen Mitteln, Calciumcarbonat oder aluminiumhaltigen Magensäurebindern ein. Mit einer östrogenhaltigen "Pille" oder einer Hormonersatzbehandlung nach den Wechseljahren kann der Bedarf an Levothyroxin steigen [6]. Laut IQWiG ist es ratsam, neue Medikamente, auch rezeptfreie, nur nach ärztlicher Absprache einzunehmen [4]. Alle Angaben stehen unter Wechselwirkungen von Levothyroxin.

Kontrollen: Das Blut wird laut DEGAM-Leitlinie vor der Einnahme der Tagesdosis abgenommen, ohne dass Sie die Einnahme in den Tagen und Wochen davor unterbrechen [1]. Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin sollten Sie laut IQWiG ab dem Tag vor der Untersuchung weglassen. Bemerken Sie Zeichen einer zu niedrigen Dosis wie Schwäche, Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Frieren oder einer zu hohen Dosis wie Unruhe, Nervosität, schnellen Puls oder Schwitzen, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren [4].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Zeichen einer allergischen Reaktion nach der Einnahme von Levothyroxin wie Ausschlag, Juckreiz, Atembeschwerden oder eine Schwellung von Gesicht, Lippen, Hals oder Zunge können lebensbedrohlich sein: Wenden Sie sich laut Packungsbeilage sofort an eine Ärztin oder einen Arzt oder begeben Sie sich schnellstmöglich in die nächste Notfallambulanz. Haben Sie mehr eingenommen, als Sie sollten, und bemerken Zeichen einer Überfunktion, suchen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [6].

Bleibt eine Unterfunktion bei Erwachsenen unbehandelt, sind laut IQWiG Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma möglich; diese Folgen sind sehr selten [2]. Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot sowie starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [13].

Quellen

  1. Leitlinie S2k-Leitlinie Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, DEGAM-Leitlinie Nr. 18 (AWMF-Register-Nr. 053-046), Langfassung mit Empfehlungen 4.1.1 bis 6.2.11 und Hintergrundtexten. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand 04/2023, Revision geplant 05/2027. abgerufen am 17.10.2026
  2. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
  3. Hat es Vorteile, eine latente Schilddrüsenunterfunktion zu behandeln?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
  4. Schilddrüsenhormone richtig einnehmen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
  5. Behörde Schilddrüsenunterfunktion. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 23.02.2026. abgerufen am 17.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation L-Thyroxin Henning 100 (100 Mikrogramm, Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 17.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation L-Thyroxin Henning 25 bis 200 (Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 06/2023. abgerufen am 17.10.2026
  8. Embryotox Embryotox: Thyroxin (Levothyroxin). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 17.10.2026
  9. Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu Eferox (Levothyroxin-Natrium): Tabletten in neuer Zusammensetzung, Information und Kontrolle von Patienten bei der Umstellung. Aristo Pharma GmbH in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 27.07.2026. abgerufen am 17.10.2026
  10. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Euthyrox (Levothyroxin-Natrium) Tabletten in neuer Zusammensetzung: Information und Kontrolle von Patienten bei der Umstellung. Merck Serono GmbH in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 10.04.2019. abgerufen am 17.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amiodaron-ratiopharm 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 17.10.2026
  13. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  14. Behörde List of nationally authorised medicinal products, Active substance: lithium (PSUSA/00001897/202308, EMA/159597/2024). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 25.04.2024. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen bei einer Schilddrüsenunterfunktion?

Das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin wird durch ein Medikament ersetzt, den Wirkstoff Levothyroxin, auch L-Thyroxin genannt. Laut S2k-Leitlinie der DEGAM soll Levothyroxin bei einer behandlungsbedürftigen Unterfunktion als Monotherapie und Mittel der Wahl verwendet werden; T3, T3/T4-Kombinationen und natürliche Schilddrüsenhormonpräparate sollten danach nicht verordnet werden (Konsensempfehlungen). Bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat, dauert es laut IQWiG etwa 2 bis 3 Monate. Mehr zum Wirkstoff: Levothyroxin.

Ab welchem TSH-Wert muss eine Unterfunktion behandelt werden?

Ist neben einem erhöhten TSH-Wert das freie Schilddrüsenhormon fT4 erniedrigt (manifeste Unterfunktion), soll laut DEGAM-Leitlinie immer behandelt werden. Ist nur der TSH-Wert erhöht (latente Unterfunktion), sollte bei Menschen ohne Beschwerden und einem TSH-Wert bis 10 mU/l keine Hormonbehandlung erfolgen. Bei Menschen bis 75 Jahre sollte ab einem TSH-Wert über 10 mU/l eine Behandlung eingeleitet werden; je nach Beschwerden und Wunsch kann nach umfassender Aufklärung auch ein Verzicht unter Kontrolle des TSH-Werts bis unter 20 mU/l eine Alternative sein. Bei über 75-Jährigen kann bis zu einem TSH-Wert unter 20 mU/l auf eine Behandlung verzichtet werden (Konsensempfehlungen der S2k-Leitlinie).

Muss ich L-Thyroxin lebenslang nehmen?

Je nach Ursache wird eine Unterfunktion laut IQWiG vorübergehend oder lebenslang behandelt; manchmal erholt sich die Schilddrüse von selbst, etwa wenn eine Entzündung abklingt. Laut Packungsbeilage wird Levothyroxin bei einer Schilddrüsenunterfunktion meist zeitlebens eingenommen. Bei einer Dauerbehandlung mit unklarer Begründung sollte laut DEGAM-Leitlinie ein kontrolliertes Absetzen unter Beachtung der Interessen der Patientin oder des Patienten erwogen werden (Konsensempfehlung). Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu: Levothyroxin absetzen.

Wie nehme ich L-Thyroxin richtig ein?

Laut Packungsbeilage nehmen Sie die gesamte Tagesdosis morgens nüchtern mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit ein, vorzugsweise mit einem Glas Wasser. Nehmen Sie Levothyroxin nicht zusammen mit Kaffee ein; danach sollten Sie mindestens eine halbe bis eine Stunde warten, bevor Sie Kaffee trinken. Eisenhaltige Mittel, Calciumcarbonat und aluminiumhaltige Magensäurebinder kommen laut Packungsbeilage frühestens 2 Stunden nach Levothyroxin. Laut IQWiG wird empfohlen, möglichst immer dasselbe Präparat zu verwenden.

Welche Nebenwirkungen hat L-Thyroxin?

Wird die Dosisstärke im Einzelfall nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor, können laut Packungsbeilage typische Zeichen einer Überfunktion auftreten, besonders bei zu schneller Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung: sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen, häufig Herzrasen und Nervosität. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bestimmt dann, ob die Tagesdosis verringert oder die Einnahme für mehrere Tage unterbrochen wird. Knochenschwund bei hohen Dosen nennt die Packungsbeilage ohne bekannte Häufigkeit, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren, hauptsächlich bei einer Behandlung über einen langen Zeitraum. Alle Angaben stehen auf der Seite Levothyroxin.

Kann man mit L-Thyroxin abnehmen?

Laut Packungsbeilage dürfen Sie Levothyroxin nicht einnehmen, um abzunehmen: Liegen die Hormonspiegel im normalen Bereich, bewirkt eine zusätzliche Einnahme keine Gewichtsabnahme. Eine zusätzliche Einnahme oder eine Dosiserhöhung ohne ärztliche Anweisung kann schwerwiegende oder sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen, insbesondere zusammen mit bestimmten Mitteln zur Gewichtsabnahme. Laut DEGAM-Leitlinie gibt es keinen nachgewiesenen Nutzen einer Hormonbehandlung für eine Verringerung von Body-Mass-Index oder Taillenumfang.

Was gilt bei einer Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft?

Laut Embryotox ist Levothyroxin das Mittel der Wahl zur Behandlung einer Unterfunktion in der Schwangerschaft; nach Feststellung der Schwangerschaft soll frühzeitig der TSH-Wert bestimmt und die Dosis angepasst werden, weil der Bedarf in der Regel steigt. Bei Schwangeren mit manifester Unterfunktion soll laut DEGAM-Leitlinie eine Hormonbehandlung eingeleitet oder fortgeführt werden (Konsensempfehlung). Laut Packungsbeilage muss die Behandlung in Schwangerschaft und Stillzeit konsequent unter ärztlicher Aufsicht fortgesetzt werden; zusammen mit einem Mittel gegen eine Überfunktion (Thyreostatikum) dürfen Sie Levothyroxin in der Schwangerschaft nicht einnehmen.

Können Medikamente eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen?

Ja. Laut Packungsbeilage von Amiodaron, einem Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, ist eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten. Für Lithium nennt die österreichische Fachinformation von Quilonorm retard Unter- und Überfunktionen der Schilddrüse ohne bekannte Häufigkeit; in Deutschland ist Quilonum retard zugelassen, dessen deutsche Fassung in Einzelheiten abweichen kann. Mittel gegen eine Überfunktion können laut IQWiG bei zu hoher Dosis eine Unterfunktion verursachen. Die DEGAM-Leitlinie nennt außerdem Zytokine und bestimmte Krebsmittel wie Tyrosinkinase-Hemmer und Checkpoint-Inhibitoren.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu