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Diabetes Typ 1

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung: Das eigene Immunsystem zerstört die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, bis ein absoluter Insulinmangel besteht. Eine Insulintherapie ist laut S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft immer und lebenslang nötig; Behandlungsstandard ist die intensivierte Insulintherapie mit Basal- und Mahlzeiteninsulin, mit Pen oder Insulinpumpe, und eine kontinuierliche Glukosemessung soll allen Betroffenen angeboten werden (Empfehlungsgrad A). Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit rufen Sie den Notruf 112.

Junge Frau Ende zwanzig mit dunkelblondem Pferdeschwanz in einer petrolfarbenen Laufjacke joggt am Morgen auf einem Uferweg an einem See
Bild: KI-generiert

Bei Typ-1-Diabetes bildet die Bauchspeicheldrüse kein oder nur sehr wenig Insulin, weil das eigene Immunsystem die insulinbildenden Zellen zerstört hat [3]. Deshalb ist eine Insulintherapie laut S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft immer und lebenslang nötig [1]. Behandlungsstandard ist die intensivierte Insulintherapie mit Pen oder Insulinpumpe, begleitet von Schulung und Glukosemessung [1].

Was ist Typ-1-Diabetes?

Insulin sorgt dafür, dass der mit Essen und Trinken aufgenommene Zucker in die Körperzellen gelangt und dort in Energie umgewandelt wird; ohne Insulin sammelt sich der Zucker im Blut an [3]. Typ-1-Diabetes ist laut S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes, Version 5.0 von 2023, gekennzeichnet durch eine autoimmunbedingte, fortschreitende Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Innerhalb weniger Monate oder über Jahre entwickelt sich ein absoluter Insulinmangel [1]. Von allen Diabetesformen macht er laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes 5 bis 10 Prozent aus [5]. Mehr zur häufigeren Form: Diabetes Typ 2.

Typ-1-Diabetes tritt bevorzugt in jüngeren Lebensjahren auf, kann aber auch später beginnen [1]. Laut IQWiG beginnt er meist in der Kindheit, der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter; pro Jahr erkranken etwa 2 von 10.000 Kindern neu [3]. Bei Erwachsenen lag die Zahl der Neuerkrankungen laut S3-Leitlinie bei circa 4.150 pro Jahr; 2016 waren etwa 341.000 Erwachsene in Deutschland betroffen [1]. Auch ein langsam fortschreitender Autoimmundiabetes, der im Erwachsenenalter zunächst oft für einen Typ-2-Diabetes gehalten wird (LADA), zählt laut Leitlinie zum Typ-1-Diabetes [1].

Die Leitlinie unterscheidet drei Stadien: Im Stadium 1 sind mindestens zwei Inselzell-Autoantikörper nachweisbar, der Blutzucker ist aber normal; im Stadium 2 kommen erhöhte Blutzuckerwerte unterhalb der Diabetesgrenze hinzu; erst im Stadium 3 bestehen ein Diabetes und Beschwerden [1].

Symptome

Wenn ein Typ-1-Diabetes nicht gut behandelt wird, ist der Blutzucker dauerhaft erhöht; das ist nicht immer gleich spürbar [3]. Anzeichen für einen sehr hohen Blutzucker bei Typ-1-Diabetes können laut IQWiG sein [4]:

  • extremer Durst, große Trinkmengen und dadurch häufiges Wasserlassen,
  • eine ausgeprägte ungewollte Gewichtsabnahme innerhalb weniger Wochen,
  • ein auffälliger Leistungsabfall mit Muskelschwäche, Müdigkeit und stark beeinträchtigtem Allgemeinbefinden,
  • Übelkeit und Bauchschmerzen, Sehstörungen und Konzentrationsstörungen,
  • gehäufte Infektionen wie Harnwegsinfektionen oder Pilzerkrankungen.

Ist der Blutzucker sehr stark erhöht, kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen (diabetisches Koma) [4]. Laut S3-Leitlinie zeigt sich bei Diagnosestellung auch heute noch bei etwa 15 bis 30 Prozent eine schwere Stoffwechselentgleisung mit Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose), die bis zum Bewusstseinsverlust reichen kann [1]. Über Jahre erhöhte Blutzuckerwerte können die kleinen Gefäße etwa in Netzhaut und Nieren schädigen, die Nerven angreifen (diabetische Neuropathie) und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen [3]. Mehr dazu: Polyneuropathie.

Ursachen und Risikofaktoren

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes greift das eigene Immunsystem die Betazellen der Bauchspeicheldrüse an und schädigt sie mit den Jahren so stark, dass sie nur noch sehr wenig oder gar kein Insulin mehr freisetzen [3]. In bestimmten Familien tritt Typ-1-Diabetes gehäuft auf, manche Menschen haben dadurch erblich bedingt ein erhöhtes Risiko. Vermutet werden noch andere Einflüsse wie bestimmte Infektionen oder Umweltfaktoren; welche Rolle sie spielen, lässt sich laut IQWiG bislang nicht genau sagen [3]. Kinder mit Typ-1-Diabetes haben laut Kinder-Leitlinie der DDG ein erhöhtes Risiko für andere Autoimmunerkrankungen, etwa der Schilddrüse (mehr dazu: Hashimoto) oder Zöliakie [2].

Medikamente als Ursache: Eine Krebsbehandlung mit Immuncheckpoint-Inhibitoren kann laut NVL Typ-2-Diabetes einen Autoimmundiabetes mit absolutem Insulinmangel auslösen, der sich gleich mit einer Ketoazidose zeigen kann [5]. Ein durch Medikamente wie Glukokortikoide ausgelöster Diabetes zählt laut S3-Leitlinie dagegen zu den anderen spezifischen Diabetestypen [1]. Mehr dazu: Blutzucker zu niedrig oder zu hoch durch Medikamente.

Diagnose

Für die Diagnose nennt die S3-Leitlinie diese Blutzuckerkriterien: eine Nüchtern-Plasmaglukose ab 126 mg/dl (7,0 mmol/l), ein Zwei-Stunden-Wert ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) im Zuckerbelastungstest (oGTT), ein HbA1c-Wert ab 6,5 Prozent (48 mmol/mol) oder ein zufälliger Plasmaglukosewert ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) mit typischen Beschwerden [1]. Den Typ-1-Diabetes kennzeichnen Autoantikörper gegen Bestandteile der Betazellen, etwa gegen Glutamat-Decarboxylase (GAD65), Tyrosinphosphatase (IA-2) oder den Zinktransporter 8; die Diagnose wird bei Nachweis eines oder mehrerer dieser Autoantikörper gestellt [1]. Bei allen Kindern und Jugendlichen mit Verdacht auf Diabetes soll laut Kinder-Leitlinie die Bestimmung dieser Antikörper erfolgen (Empfehlung 4-2, Empfehlungsgrad A) [2]. Ein alleiniger Rückschluss vom Körperbau auf den Diabetestyp scheint laut NVL nicht zeitgemäß, weil auch Menschen mit Typ-1-Diabetes übergewichtig sein können [5].

Behandlung ohne Medikamente: Schulung, Messen, Ernährung

Frau Anfang dreißig mit kurzem braunem Haar in einem kornblumenblauen Pullover spricht an einem hellen Tisch mit einer Diabetesberaterin mit grauem Kurzhaarschnitt
Bild: KI-generiert

Ohne Insulin geht es bei Typ-1-Diabetes nicht. Die Ernährungsberatung im Rahmen der Schulung ist laut S3-Leitlinie aber ein wichtiger Teil des Therapieplans, die kontinuierliche Glukosemessung ein fester Bestandteil einer sicheren Therapie [1]. Strukturierte Schulungs- und Behandlungsprogramme sollen laut S3-Leitlinie Menschen mit Typ-1-Diabetes und gegebenenfalls ihren Angehörigen unmittelbar nach der Diagnose und regelmäßig im Verlauf angeboten werden (Empfehlung 5-27, Empfehlungsgrad A) [1]. Weiter empfiehlt die Leitlinie [1]:

  • Glukosemessung: Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) soll allen Menschen mit Typ-1-Diabetes angeboten werden; die Entscheidung dafür oder dagegen und die Auswahl des Systems sollen gemeinsam getroffen werden (Empfehlung 5-2, Empfehlungsgrad A). Auch dann soll allen die Blutzuckermessung ermöglicht werden (Empfehlung 10-3, Empfehlungsgrad A).
  • Kohlenhydrate: Menschen mit Typ-1-Diabetes sollen angeleitet werden, den Kohlenhydratanteil ihrer Mahlzeiten einschätzen zu können (Empfehlung 5-21, Empfehlungsgrad A).
  • Gewicht: Bei Übergewicht sollte auf Wunsch eine strukturierte Ernährungsberatung angeboten werden (Empfehlung 5-24, Empfehlungsgrad B); mediterrane Kost sollte bei Übergewicht oder Zeichen des metabolischen Syndroms empfohlen werden (Empfehlung 5-25, Empfehlungsgrad B).
  • Alkohol: Die Menge sollte wie für die Allgemeinbevölkerung begrenzt werden; bei größeren Mengen steigt das Risiko schwerer Unterzuckerungen, und Essen während des Trinkens verringert dieses Risiko (Empfehlung 5-26, Empfehlungsgrad B).
  • Rauchen: Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten nach dem Rauchen gefragt werden, und der Verzicht darauf sollte empfohlen werden (Empfehlung 10-7e, Empfehlungsgrad B).

Menschen mit häufigen Problemen durch Unterzuckerungen, etwa wenn sie diese schlecht wahrnehmen, sollte ein Schulungsprogramm zur besseren Wahrnehmung und zum Umgang damit angeboten werden (Empfehlung 5-28, Empfehlungsgrad B) [1]. Minderjährige sollten laut Kinder-Leitlinie in kinderdiabetologischen Einrichtungen behandelt werden (Empfehlung 4-5, Empfehlungsgrad B) [2].

Behandlung mit Medikamenten

Die Indikation für eine Insulintherapie besteht bei Typ-1-Diabetes laut S3-Leitlinie immer und lebenslang [1]. Die intensivierte Insulintherapie ist danach der Behandlungsstandard (Statement 5-8); sie soll im Rahmen einer strukturierten Diabetesbetreuung erfolgen, die Schulung ebenfalls strukturiert (Empfehlung 5-9, Empfehlungsgrad A) [1]. Bei der intensivierten Therapie wird mindestens dreimal am Tag Insulin gegeben: ein lang wirkendes Basalinsulin deckt den Grundbedarf, ein kurz wirksames Bolusinsulin den Bedarf zu den Mahlzeiten und zur Korrektur erhöhter Werte (Basal-Bolus-Prinzip). Sie ermöglicht es, Zeitpunkt und Größe der Mahlzeiten selbst festzulegen; Insulindosierung und Korrekturen erfolgen danach eigenverantwortlich durch die Betroffenen. Die Grundlagen dafür vermittelt die strukturierte Schulung; Glukosewerte und Insulintherapie sollten laut Leitlinie alle drei Monate mit dem Behandlungsteam besprochen werden (Empfehlung 10-5, Empfehlungsgrad B) [1]. Wie das im Einzelfall aussieht, besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam. Die einfachere konventionelle Therapie mit festen Insulinmischungen und festem Essensplan kommt laut Leitlinie als nachrangige Möglichkeit infrage, etwa für Menschen, die den Anforderungen einer intensivierten Therapie nicht gerecht werden können oder sich nach Aufklärung dagegen entscheiden [1].

Zur Therapie sollen laut S3-Leitlinie Humaninsuline (Normalinsulin oder Humaninsuline mit Verzögerungsprinzip) oder Insulinanaloga (kurz wirksame oder lang wirksame) eingesetzt werden (Empfehlung 5-10, Empfehlungsgrad A) [1]. Die Dosierungsangaben der Packungsbeilagen stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Insulin glargin.

Insuline bei Typ-1-Diabetes nach der S3-Leitlinie der DDG (Version 5.0, 2023): Beispiele mit eigener Wirkstoffseite
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Humaninsuline (Normalinsulin, NPH-Insulin)HumaninsulinMit dem menschlichen Insulin chemisch identisch [1]; das Normalinsulin Actrapid beginnt etwa eine halbe Stunde nach der Injektion, den Blutzucker zu senken, die Wirkung hält etwa 8 Stunden an [6]Actrapid, sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten: Unterzuckerung; häufige Nebenwirkungen nennt die Packungsbeilage darüber hinaus nicht [6]
Kurz wirksame Insulinanaloga (Mahlzeiteninsulin)Insulin aspart, Insulin lispro, Insulin glulisinVeränderte Insuline mit schnellerem Wirkungseintritt und kürzerer Wirkdauer [1]; Fiasp (Insulin aspart) hat sein Wirkmaximum 1 bis 3 Stunden nach der Injektion, die Wirkung hält 3 bis 5 Stunden an [7]Fiasp, sehr häufig: Unterzuckerung; häufig, also bei bis zu 1 von 10: Reaktionen an der Injektionsstelle wie Ausschlag, Rötung, Blutergüsse, Schmerzen und Juckreiz sowie allergische Hautreaktionen wie Ekzem oder Nesselsucht [7]
Lang wirksame Insulinanaloga (Basalinsulin)Insulin glargin, Insulin degludecLängere Wirkdauer und geringere Schwankung des Wirkspiegels [1]; Insulin glargin senkt den Blutzucker lang anhaltend und gleichmäßig [8]Insulin glargin (Lantus), sehr häufig: Unterzuckerung; häufig: Verdickung der Haut an der Injektionsstelle (Lipohypertrophie) und Haut- oder allergische Reaktionen an der Injektionsstelle [8]; Insulin degludec (Tresiba), sehr häufig: Unterzuckerung; häufig: örtliche Reaktionen an der Injektionsstelle [9]

Insulin degludec muss bei Typ-1-Diabetes laut Packungsbeilage von Tresiba immer zusammen mit einem schnell wirkenden Mahlzeiteninsulin angewendet werden [9]. Bei der Insulinpumpe wird laut S3-Leitlinie ausschließlich ein kurz wirksames Insulin verwendet, das den Grundbedarf als kontinuierliche Infusion und den Bedarf zu den Mahlzeiten als Bolus abdeckt [1].

Insulinpumpe und AID: Bei Nichterreichen der persönlichen Therapieziele unter intensivierter Insulintherapie trotz CGM soll laut S3-Leitlinie eine Insulinpumpe mit AID-Algorithmus empfohlen werden; dabei passt ein Algorithmus die Insulinabgabe anhand der Sensorwerte automatisch an. Bei häufigen Unterzuckerungen oder wiederholten schweren Unterzuckerungen unter intensivierter Insulintherapie mit CGM soll sie angeboten werden (Empfehlungen 5-15 und 5-16, Empfehlungsgrad A). Eine Pumpe ohne AID-Algorithmus soll empfohlen werden, wenn kein geeignetes CGM-System verfügbar ist oder AID-Systeme nicht gewünscht oder nicht beherrscht werden (Empfehlung 5-20, Empfehlungsgrad A) [1]. Kindern und Jugendlichen soll laut Kinder-Leitlinie eine Insulinpumpe direkt nach der Diagnose oder unter Spritzentherapie angeboten werden, wenn sie oder ihre Eltern sie sicher anwenden können (Empfehlung 6-1, Empfehlungsgrad A); ein AID-System sollte Kindern und Jugendlichen mit Insulinpumpe unter derselben Bedingung angeboten werden (Empfehlung 5-1c, Empfehlungsgrad B) [2].

Therapieziele: Ein individueller HbA1c-Zielwert soll laut S3-Leitlinie vereinbart werden, abgewogen unter anderem gegen das Risiko für Unterzuckerungen, Begleiterkrankungen, Alter und Erkrankungsdauer (Empfehlung 3-4, Empfehlungsgrad A). Bei Erwachsenen sollte ein HbA1c-Wert bis 7,5 Prozent (58 mmol/mol) angestrebt werden, solange keine problematischen Unterzuckerungen auftreten (Empfehlung 3-6, Empfehlungsgrad B); bei niedrigem Unterzuckerungsrisiko kann ein Wert bis 6,5 Prozent (48 mmol/mol) angestrebt werden (Empfehlung 3-7, Empfehlungsgrad 0). Ein weniger strenger Wert unter 8,5 Prozent (69 mmol/mol) sollte angestrebt werden, etwa wenn die Therapiesicherheit nicht gewährleistet ist oder gehäuft schwere Unterzuckerungen aufgetreten sind (Empfehlung 3-8, Empfehlungsgrad B) [1]. Bei Kindern und Jugendlichen soll der HbA1c laut Kinder-Leitlinie unter 7,0 Prozent (53 mmol/mol) liegen, ohne dass schwere Unterzuckerungen auftreten (Empfehlung 7-6a, Empfehlungsgrad A) [2].

Tabletten und andere Mittel: Zum Zeitpunkt der Verabschiedung der S3-Leitlinie 2023 war keine Tablette gegen Diabetes für die Zusatzbehandlung des Typ-1-Diabetes zugelassen; SGLT2-Hemmer dürfen danach wegen des erhöhten Risikos einer Ketoazidose derzeit nicht bei Typ-1-Diabetes eingesetzt werden [1]. Forxiga (Dapagliflozin) ist laut Rote-Hand-Brief vom 29. Oktober 2021 seit dem 25. Oktober 2021 nicht mehr für Typ-1-Diabetes zugelassen und darf dafür nicht mehr angewendet werden [11]. Für den Notfall einer schweren Unterzuckerung gibt es Glukagon; Betroffene und ihre Angehörigen sollten laut S3-Leitlinie über die Anwendung der Glukagonspritze oder des Glukagon-Nasenpulvers aufgeklärt werden (Empfehlung 9-4, Empfehlungsgrad B) [1].

In der Schwangerschaft

Schwangerschaften mit Diabetes sind laut Embryotox (Charité Berlin) Risikoschwangerschaften; eine normale Blutzuckereinstellung (normoglykämische Stoffwechsellage) sollte bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes bereits vor der Empfängnis angestrebt und erreicht werden. Bereits drei Monate vor der Empfängnis ist danach ein HbA1c-Wert unter 7 Prozent anzustreben, bei fehlendem Unterzuckerungsrisiko möglichst unter 6,5 Prozent [10]. Bei Typ-1-Diabetes können laut Embryotox sowohl Humaninsulin als auch Insulinanaloga eingesetzt oder fortgesetzt werden; eine Umsetzung der Insulinanaloga ist in der Schwangerschaft in der Regel nicht notwendig. Der Insulinbedarf ändert sich: Im ersten Schwangerschaftsdrittel ist er in der Regel geringer, im zweiten und dritten steigt er deutlich an und kann zur Geburt schnell wieder abfallen [10]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Medikamente

Unterzuckerung: Sie ist laut den Packungsbeilagen eine sehr häufige Nebenwirkung der Insulinbehandlung; fällt der Blutzucker zu stark ab, ist Bewusstlosigkeit möglich, und eine schwere Unterzuckerung kann zu Hirnschäden führen und lebensbedrohlich sein [7, 8, 9]. Bei Typ-1-Diabetes sind Unterzuckerungen laut S3-Leitlinie stets die Folge einer absoluten oder relativen Insulinüberdosierung, etwa durch eine zu hohe Insulindosis, ausgelassene Mahlzeiten, Sport oder Alkohol [1]. Auf eine Unterzuckerung können laut IQWiG ein schneller Puls, kalter Schweiß, blasse Gesichtsfarbe, Kopfschmerzen, Heißhunger, Zittern, Unruhe und Konzentrationsstörungen bis zu Verwirrtheit hindeuten; sie kann auch nachts auftreten [4]. Die Warnzeichen können laut Packungsbeilage von Lantus abgeschwächt sein oder fehlen, etwa bei langer Diabetesdauer oder nach einer kürzlichen Unterzuckerung [8]. Mehr dazu: Blutzucker zu niedrig oder zu hoch durch Medikamente.

Spritzstellen: Wird Insulin zu oft in dieselbe Stelle gespritzt, kann das Fettgewebe dort dicker werden oder schrumpfen; Knoten durch Ablagerung des Eiweißes Amyloid sind ebenfalls möglich, und das Insulin wirkt dort möglicherweise nicht richtig [8, 9]. Zur Vermeidung von Lipohypertrophien soll die Injektionsstelle laut S3-Leitlinie bei jeder Injektion gewechselt werden (Empfehlung 5-12, Empfehlungsgrad A); in veränderte Bereiche soll nicht injiziert werden (Empfehlung 5-13, Empfehlungsgrad A) [1]. Beim Einsatz einer Insulinpumpe nennt die Packungsbeilage von Lyumjev Reaktionen an der Infusionsstelle wie Rötung, Schmerzen, Schwellung oder Juckreiz als sehr häufig [12].

Weitere Wirkungen: Jede Form der Insulintherapie führt laut S3-Leitlinie bei Senkung des Blutzuckers zu einer Gewichtszunahme, die umso höher ausfällt, je höher der Blutzucker zu Beginn war [1]. Zu Beginn einer Insulinbehandlung sind laut Packungsbeilage von Actrapid gelegentlich vorübergehende Sehstörungen und Wassereinlagerungen um die Knöchel möglich [6]. Mehr dazu: Gewichtszunahme durch Medikamente und Wassereinlagerungen.

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder über das nationale Meldesystem direkt melden [7]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Typ-1-Diabetes: Kontrollen und Alltag

Die S3-Leitlinie nennt diese regelmäßigen Kontrollen [1]:

  • Alle drei Monate: HbA1c-Wert und Besprechung der Glukosewerte und Sensordaten (Empfehlung 10-5, Empfehlungsgrad B); Blutdruck in der Regel vierteljährlich (Empfehlung 10-7d, Empfehlungsgrad B).
  • Einmal im Jahr: Nierenwerte eGFR (Empfehlung 10-7b, Empfehlungsgrad A) und Albumin im Urin (Empfehlung 10-7a, Empfehlungsgrad A), Blutfette (Empfehlung 10-7c, Empfehlungsgrad B), Untersuchung auf Nervenschäden und Fußkomplikationen (Empfehlung 10-9, Empfehlungsgrad B) und der Spritzstellen (Empfehlung 10-10, Empfehlungsgrad B).
  • Augen: ab dem elften Lebensjahr oder nach fünf Jahren Diabetesdauer ohne Netzhautveränderungen alle zwei Jahre bei geringem Risiko, sonst jährlich (Empfehlung 10-8, Empfehlungsgrad B).
  • Psyche: mindestens einmal im Jahr Fragen nach Belastungen durch den Diabetes und nach Depression, Angst- oder Essstörungen (Empfehlungen 5-31 und 5-32, Empfehlungsgrad B).

Ketone messen: Laut S3-Leitlinie wird empfohlen, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes Teststreifen zur Messung von Ketonkörpern in Urin oder Blut haben und im Umgang damit geschult sind [1]. Auf Reisen gehören laut Leitlinie Insulin, Pen oder Spritzen, Messstreifen, ein Diabetikerausweis und Glukagon griffbereit ins Handgepäck, dazu Kohlenhydrate für den Notfall und ein ärztliches Attest [1]. Mehr dazu: Medikamente im Handgepäck und Medikamente im Kühlschrank. Ihre persönliche Liste für die Reise stellen Sie mit der Reise-Checkliste Medikamente zusammen. Im Straßenverkehr: Wer sich beim Erkennen seiner Warnzeichen nicht sicher ist, meidet laut Packungsbeilage von Lantus Situationen wie das Autofahren, in denen eine Unterzuckerung sich selbst oder andere gefährden würde [8]. Mehr dazu: Medikamente und Autofahren.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Ketoazidose: Bauchschmerzen, schnelle und tiefe Atmung, Schläfrigkeit oder gar Bewusstlosigkeit können laut Packungsbeilage von Lantus Anzeichen einer schweren Stoffwechselentgleisung mit Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose) aufgrund von Insulinmangel sein; ihre Behandlung muss stets durch eine Ärztin oder einen Arzt erfolgen, in der Regel im Krankenhaus [8]. Häufig stehen laut S3-Leitlinie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen im Vordergrund. Auslöser sind unter anderem ein noch nicht erkannter Typ-1-Diabetes, eine Unterbrechung der Insulingabe, auch bei der Pumpentherapie, fieberhafte Infektionen und Medikamente wie Entwässerungsmittel oder Kortikosteroide [1].

Sehr hoher Blutzucker: Wer extremen Durst, häufiges Wasserlassen, ungewollte Gewichtsabnahme oder einen auffälligen Leistungsabfall mit Müdigkeit bei sich oder seinem Kind beobachtet, sollte laut IQWiG ärztliche Hilfe suchen. Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit ist der Rettungsdienst unter 112 zu rufen [4].

Schwere Unterzuckerung: Laut IQWiG können Angehörige Glukagon spritzen; ist das nicht möglich, ist sofort unter der Notfallnummer 112 ärztliche Hilfe zu rufen [4]. Wer bewusstlos ist, gehört laut Packungsbeilage von Actrapid in die stabile Seitenlage; Umstehende verständigen sofort eine Ärztin oder einen Arzt und geben nichts zu essen oder zu trinken, weil die Person daran ersticken könnte [6].

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes, Version 5.0 (AWMF-Register-Nr. 057-013). Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit weiteren Fachgesellschaften. Stand Version 5.0, 2023 (gültig von 09/2023 bis 09/2028). abgerufen am 17.10.2026
  2. Leitlinie S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter, Version 4.1 (AWMF-Register-Nr. 057-016). Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD). Stand Version 4.1, veröffentlicht 26.02.2026 (gültig von 10/2023 bis 10/2028). abgerufen am 17.10.2026
  3. Diabetes Typ 1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 11.08.2021. abgerufen am 17.10.2026
  4. Über- und Unterzuckerung bei Typ-1-Diabetes. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 11.08.2021. abgerufen am 17.10.2026
  5. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Langfassung, Version 3.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-001), Kapitel 4.1.3 und 4.1.4. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien). Stand Version 3.0, 2023 (publiziert 15.05.2023, gültig bis 15.05.2028). abgerufen am 17.10.2026
  6. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Actrapid (Humaninsulin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2020. abgerufen am 17.10.2026
  7. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Fiasp (Insulin aspart), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2021. abgerufen am 17.10.2026
  8. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lantus (Insulin glargin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 17.10.2026
  9. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Tresiba (Insulin degludec), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 06/2025. abgerufen am 17.10.2026
  10. Embryotox Embryotox: Diabetes mellitus (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  11. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Forxiga (Dapagliflozin) 5 mg: Das Arzneimittel darf nicht mehr zur Behandlung von Typ-1-Diabetes angewendet werden. AstraZeneca in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 29.10.2021. abgerufen am 17.10.2026
  12. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lyumjev (Insulin lispro), Anhang III B: Packungsbeilage. Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Welche Insuline gibt es bei Typ-1-Diabetes?

Laut S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) gibt es Humaninsuline, also Normalinsulin und NPH-Insulin mit Verzögerungsprinzip, und Insulinanaloga: kurz wirksame wie Insulin lispro, Insulin aspart und Insulin glulisin und lang wirksame wie Insulin glargin, Insulin detemir und Insulin degludec. Eingesetzt werden sollen Humaninsuline oder Insulinanaloga (Empfehlung 5-10, Empfehlungsgrad A). Welches Insulin zu Ihnen passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Diabetesteam.

Was ist eine intensivierte Insulintherapie?

Laut S3-Leitlinie wird dabei mindestens dreimal am Tag Insulin gegeben: ein lang wirkendes Basalinsulin deckt den Grundbedarf, ein kurz wirksames Bolusinsulin den Bedarf zu den Mahlzeiten und zur Korrektur erhöhter Werte (Basal-Bolus-Prinzip). Sie ist bei Typ-1-Diabetes der Behandlungsstandard und kann mit Spritzen, Pens oder einer Insulinpumpe erfolgen. Die Schulung dazu soll strukturiert erfolgen (Empfehlung 5-9, Empfehlungsgrad A).

Wann kommt eine Insulinpumpe infrage?

Laut S3-Leitlinie soll eine Insulinpumpe mit AID-Algorithmus (automatische Insulindosierung über einen Glukosesensor) empfohlen werden, wenn die persönlichen Therapieziele unter intensivierter Insulintherapie trotz kontinuierlicher Glukosemessung nicht erreicht werden, und angeboten werden bei häufigen oder wiederholten schweren Unterzuckerungen unter intensivierter Insulintherapie mit Glukosesensor (Empfehlungen 5-15 und 5-16, Empfehlungsgrad A). Kindern und Jugendlichen soll laut Kinder-Leitlinie der DDG eine Insulinpumpe direkt nach der Diagnose oder unter Spritzentherapie angeboten werden, wenn sie oder ihre Eltern sie sicher anwenden können (Empfehlung 6-1, Empfehlungsgrad A).

Welcher HbA1c-Wert ist bei Typ-1-Diabetes das Ziel?

Laut S3-Leitlinie soll ein individueller Zielwert vereinbart werden (Empfehlung 3-4, Empfehlungsgrad A). Bei Erwachsenen sollte ein HbA1c-Wert bis 7,5 Prozent (58 mmol/mol) angestrebt werden, solange keine problematischen Unterzuckerungen auftreten (Empfehlungsgrad B); bei niedrigem Unterzuckerungsrisiko kann ein Wert bis 6,5 Prozent angestrebt werden (Empfehlungsgrad 0), etwa nach häufigen schweren Unterzuckerungen sollte ein weniger strenger Wert unter 8,5 Prozent angestrebt werden (Empfehlungsgrad B). Bei Kindern und Jugendlichen soll der HbA1c laut Kinder-Leitlinie unter 7,0 Prozent liegen, ohne dass schwere Unterzuckerungen auftreten (Empfehlungsgrad A).

Was tun bei einer Unterzuckerung?

Bei einer leichten Unterzuckerung, die Sie selbst behandeln können, sollen Sie laut S3-Leitlinie 15 bis 20 Gramm Kohlenhydrate, vorzugsweise als Traubenzucker, zu sich nehmen und das nach 15 Minuten wiederholen, wenn der Blutzucker weiter gering bleibt (50 bis 60 mg/dl, 2,8 bis 3,3 mmol/l) (Empfehlung 9-1, Empfehlungsgrad A). Light- oder Zero-Getränke mit Süßstoff helfen laut IQWiG nicht. Wer bewusstlos ist, soll laut Leitlinie Glukose in die Vene oder, wenn kein Zugang zur Vene verfügbar ist, Glukagon erhalten (Empfehlung 9-3, Empfehlungsgrad A); Angehörige können Glukagon spritzen; ist das nicht möglich, ist es laut IQWiG wichtig, sofort den Notruf 112 zu rufen. Mehr dazu: Blutzucker zu niedrig oder zu hoch durch Medikamente.

Welche Nebenwirkungen hat Insulin?

Eine Unterzuckerung ist laut den Packungsbeilagen von Actrapid, Fiasp, Lantus und Tresiba sehr häufig und kann schwer verlaufen. Häufig sind je nach Präparat Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung, Schmerzen, Schwellung oder Juckreiz. Wird zu oft in dieselbe Stelle gespritzt, kann sich das Fettgewebe verdicken oder schrumpfen; auch Knoten durch Amyloid-Ablagerungen sind möglich, und das Insulin wirkt dort möglicherweise nicht richtig. Mehr dazu: Insuline.

Gibt es Tabletten gegen Typ-1-Diabetes?

Nein. Bei Typ-1-Diabetes besteht laut S3-Leitlinie immer und lebenslang die Indikation für eine Insulintherapie. Zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Leitlinie 2023 war keine Tablette gegen Diabetes für die Zusatzbehandlung des Typ-1-Diabetes zugelassen. SGLT2-Hemmer dürfen danach wegen des Risikos einer Ketoazidose derzeit nicht bei Typ-1-Diabetes eingesetzt werden; Forxiga (Dapagliflozin) ist laut Rote-Hand-Brief vom 29. Oktober 2021 seit dem 25. Oktober 2021 nicht mehr für Typ-1-Diabetes zugelassen.

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