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Humaninsulin (Actrapid): Nebenwirkungen und Wirkung

Humaninsulin ist ein verschreibungspflichtiges Insulin zur Senkung hoher Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus; als Normalinsulin wie Actrapid wirkt es schnell und etwa 8 Stunden lang. Die sehr häufige Nebenwirkung ist eine Unterzuckerung. Bei ersten Anzeichen nehmen Sie Traubenzucker oder eine stark zuckerhaltige Zwischenmahlzeit zu sich. Innerhalb von 30 Minuten nach der Injektion folgt eine kohlenhydrathaltige Mahlzeit.

Frau in den Fünfzigern sitzt in einer hellen Küche vor einem Teller mit Vollkornbrot und Salat und beginnt ihr Mittagessen
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Niedriger Blutzucker (Unterzuckerung, Hypoglykämie). Schwere Unterzuckerungen können zu Bewusstlosigkeit führen, laut Fachinformation auch zu Krampfanfällen; eine anhaltende schwere Unterzuckerung kann unbehandelt vorübergehende oder dauerhafte Hirnschäden verursachen oder sogar zum Tod führen[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Humaninsulin eingesetzt?

Humaninsulin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das hohe Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus senkt [1, 3]. Diabetes ist laut Packungsbeilage eine Krankheit, bei der der Körper nicht genug Insulin bildet, um den Blutzucker zu kontrollieren; die Behandlung hilft, Komplikationen des Diabetes zu verhindern [1]. Actrapid kann laut Fachinformation bei Erwachsenen, älteren Menschen, Kindern und Jugendlichen angewendet werden [2]. Hintergründe zu den Erkrankungen lesen Sie unter Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2, einen Überblick über die Wirkstoffgruppe unter Insuline.

Humaninsulin wird gentechnisch hergestellt und hat dieselbe Aminosäuresequenz wie das Insulin der menschlichen Bauchspeicheldrüse [4]. Ohne Zusätze wird es als kurz wirksames Normalinsulin verwendet; an das Eiweiß Protamin gebunden entsteht ein Verzögerungsinsulin, das sogenannte NPH-Insulin [4]. Diese Seite beschreibt das Normalinsulin und beruht auf der EMA-Produktinformation von Actrapid [1, 2]. Actrapid wird häufig zusammen mit mittel bis lang wirkenden Insulinen angewendet [1]. Die Durchstechflasche kann laut Fachinformation falls nötig auch in eine Vene gegeben werden; das darf nur medizinisches Fachpersonal [2].

Wie wirkt Humaninsulin?

Insulin senkt den Blutzucker: Laut Fachinformation bindet es an Insulinrezeptoren in Muskel- und Fettzellen, verstärkt dadurch die Aufnahme von Glucose in diese Zellen und hemmt gleichzeitig die Freisetzung von Glucose aus der Leber [2]. Im Blut hat Insulin eine Halbwertszeit von nur wenigen Minuten; wie lange ein Insulinpräparat wirkt, hängt deshalb davon ab, wie schnell es aus dem Unterhautgewebe aufgenommen wird [2].

Actrapid beginnt etwa eine halbe Stunde nach der Injektion, den Blutzucker zu senken, und wirkt etwa 8 Stunden [1]. Die Fachinformation nennt ein Wirkmaximum innerhalb von 1,5 bis 3,5 Stunden und eine gesamte Wirkdauer von etwa 7 bis 8 Stunden [2]. In das Unterhautfettgewebe des Bauches gespritzt, wird das Insulin schneller aufgenommen als an anderen Stellen; die Wirkdauer hängt außerdem von Dosis, Durchblutung, Temperatur und körperlicher Betätigung ab [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation von Actrapid eine Häufigkeit angeben [1, 2]. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bis zu 1 von 100 und "sehr selten" weniger als 1 von 10.000 [1]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Die am häufigsten gemeldete Nebenwirkung ist die Unterzuckerung (Hypoglykämie) [1, 2]. Sie kann auftreten, wenn Sie zu viel Insulin spritzen, zu wenig essen oder eine Mahlzeit auslassen, sich mehr als sonst körperlich anstrengen oder Alkohol trinken [1]. Wie häufig Unterzuckerungen in Studien vorkamen, hing laut Fachinformation von der Patientengruppe, dem Dosierungsschema und der Blutzuckereinstellung ab [2]. Mehr dazu unter Blutzucker als Nebenwirkung.

Zu Beginn einer Insulinbehandlung können Sehstörungen, Wassereinlagerungen um Knöchel und Gelenke sowie Reaktionen an der Injektionsstelle auftreten; sie sind normalerweise vorübergehend [1, 2]. Bessern sich die Blutzuckerwerte sehr rasch, sind Nervenschmerzen möglich, und eine bestehende diabetische Augenerkrankung kann sich verschlimmern [1]. Laut Fachinformation verringert eine langfristig bessere Blutzuckereinstellung dagegen das Risiko, dass eine diabetische Retinopathie fortschreitet [2]. Mehr dazu unter Wassereinlagerungen und Sehstörungen.

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • Stoffwechsel und ErnährungNiedriger Blutzucker (Unterzuckerung, Hypoglykämie). Schwere Unterzuckerungen können zu Bewusstlosigkeit führen, laut Fachinformation auch zu Krampfanfällen; eine anhaltende schwere Unterzuckerung kann unbehandelt vorübergehende oder dauerhafte Hirnschäden verursachen oder sogar zum Tod führen[1, 2]Mehr dazu: Unterzuckerung

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • ImmunsystemNesselsucht (Urtikaria) und Hautausschlag[2]Mehr dazu: NesselsuchtHautausschlag
  • Allgemeine BeschwerdenÖrtliche Überempfindlichkeitsreaktionen an der Injektionsstelle: Schmerzen, Rötung, Nesselsucht, Entzündung, Blutergüsse, Schwellung oder Juckreiz; sie klingen normalerweise nach einigen Wochen der Insulinanwendung ab[1, 2]Mehr dazu: JuckreizNesselsucht
  • HautSchrumpfen (Lipoatrophie) oder Verdickung (Lipohypertrophie) des Fettgewebes, wenn Insulin in dieselbe Stelle gespritzt wird (Lipodystrophie)[1, 2]
  • AugenSehstörungen zu Beginn der Insulinbehandlung, normalerweise vorübergehend (laut Fachinformation Refraktionsanomalien)[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
  • Allgemeine BeschwerdenSchwellungen um die Knöchel und andere Gelenke durch Wasseransammlung zu Beginn der Insulinbehandlung (Ödeme); sie klingen normalerweise bald ab[1, 2]Mehr dazu: Wassereinlagerungen
  • NervensystemNervenschmerzen, wenn sich die Blutzuckerwerte sehr rasch bessern (akute schmerzhafte Neuropathie); normalerweise vorübergehend[1, 2]Mehr dazu: Kribbeln und Taubheitsgefühl

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • HautKnoten unter der Haut durch Ansammlung des Eiweißes Amyloid (kutane Amyloidose); das Insulin wirkt möglicherweise nicht richtig, wenn in einen Bereich mit Knoten, Vertiefungen oder Verdickungen gespritzt wird[1, 2]

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Sagen Sie den Menschen in Ihrem Umfeld, dass Sie Diabetes haben und dass Sie bei einer Unterzuckerung bewusstlos werden können. Diese Menschen sollten wissen, dass sie Sie dann in die stabile Seitenlage bringen, sofort einen Arzt verständigen und Ihnen nichts zu essen oder zu trinken geben dürfen [1]. Eine anhaltende schwere Unterzuckerung kann unbehandelt vorübergehende oder dauerhafte Hirnschäden verursachen oder sogar zum Tod führen [1]. Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Sechzigern sitzt nach einem Spaziergang auf einer Gartenbank und trinkt ein Glas Orangensaft
Bild: KI-generiert

Unterzuckerungen vorbeugen: Nehmen Sie innerhalb von 30 Minuten nach der Injektion eine kohlenhydrathaltige Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit zu sich [1]. Wollen Sie sich mehr bewegen als üblich oder Ihre Ernährung umstellen, fragen Sie vorher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, weil sich Ihr Blutzucker dadurch ändern kann [1]. Tragen Sie vorsichtshalber immer Traubenzucker oder stark zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten bei sich und messen Sie Ihren Blutzucker regelmäßig [1].

Nach einer Unterzuckerung: Hatten Sie eine Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit, wurde Ihnen Glucagon gespritzt oder treten Unterzuckerungen häufig auf, suchen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf. Möglicherweise müssen Insulindosis, Zeitpunkt der Anwendung, Ernährung oder Bewegung angepasst werden [1].

Einstichstellen: Wechseln Sie bei jeder Injektion die Einstichstelle innerhalb der gewählten Körperregion; das kann helfen, Verdickungen, Vertiefungen oder Knoten unter der Haut vorzubeugen [1]. In solche Bereiche gespritzt, wirkt das Insulin möglicherweise nicht richtig. Bemerken Sie Hautveränderungen, sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, und sprechen Sie vor einem Wechsel in einen anderen Bereich mit ihr oder ihm; möglicherweise müssen Sie den Blutzucker dann engmaschiger überwachen [1]. Laut Fachinformation wurde berichtet, dass ein plötzlicher Wechsel in einen nicht betroffenen Bereich zu Unterzuckerungen führte [2].

Reaktionen an der Injektionsstelle: Schmerzen, Rötung, Nesselsucht, Schwellung oder Juckreiz klingen normalerweise nach einigen Wochen der Insulinanwendung ab [1]. Klingen sie nicht ab oder breiten sie sich auf andere Körperteile aus, suchen Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt, Ihre Apotheke oder das medizinische Fachpersonal, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen: Einige Arzneimittel beeinflussen den Blutzucker, sodass die Insulindosis angepasst werden muss [1]. Betablocker können die ersten Warnzeichen einer Unterzuckerung abschwächen oder vollständig unterdrücken [1]. Wird Insulin mit Pioglitazon kombiniert, teilen Sie Anzeichen einer Herzschwäche wie ungewöhnliche Kurzatmigkeit oder eine schnelle Gewichtszunahme Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt so schnell wie möglich mit [1]. Mehr dazu im Ratgeber Wechselwirkungen.

Wechselwirkungen von Humaninsulin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Andere Arzneimittel gegen Diabetes, MAO-Hemmer (gegen Depressionen), Betablocker, ACE-Hemmer, Salicylate, anabole Steroide (z. B. Testosteron), Sulfonamide (gegen Infektionen)Blutzucker kann sinken (Unterzuckerung)[1, 2]Die Insulindosis muss gegebenenfalls angepasst werden, ärztlich besprechen
Orale Verhütungsmittel (Pille), Thiazide, Glucocorticoide ("Cortison"), Schilddrüsenhormone, Sympathomimetika (z. B. Epinephrin, Salbutamol, Terbutalin), Wachstumshormon, DanazolBlutzucker kann steigen (Überzuckerung)[1, 2]Die Insulindosis muss gegebenenfalls angepasst werden, ärztlich besprechen
Octreotid und LanreotidBlutzucker kann steigen oder sinken[1, 2]Ärztlich besprechen
BetablockerDie ersten Warnzeichen einer Unterzuckerung können abgeschwächt oder vollständig unterdrückt sein[1, 2]Ärztlich besprechen
Pioglitazon (Tabletten gegen Typ-2-Diabetes)Einige Patientinnen und Patienten mit lange bestehendem Typ-2-Diabetes und Herzerkrankung oder Schlaganfall entwickelten unter Pioglitazon und Insulin eine Herzschwäche[1, 2]Anzeichen wie ungewöhnliche Kurzatmigkeit, schnelle Gewichtszunahme oder Schwellungen so schnell wie möglich ärztlich mitteilen
AlkoholDer Insulinbedarf kann sich ändern, der Blutzucker kann steigen oder sinken[1, 2]Engmaschige Blutzuckerkontrolle empfohlen

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Humaninsulin nicht oder nur mit Vorsicht anwenden sollte

Actrapid dürfen Sie nicht anwenden, wenn Sie allergisch gegen Humaninsulin oder einen der sonstigen Bestandteile sind und wenn Sie erste Anzeichen einer Unterzuckerung spüren [1, 2]. Es darf nicht in Insulininfusionspumpen verwendet werden [1]. Einen Pen, der fallen gelassen, beschädigt oder zerdrückt wurde, und Insulin, das nicht korrekt gelagert, eingefroren oder nicht klar und farblos ist, verwenden Sie nicht [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Humaninsulin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Erste Anzeichen einer Unterzuckerung (Hypoglykämie); laut Fachinformation auch, wenn eine Unterzuckerung befürchtet wird[1, 2]
  • Anwendung in Insulininfusionspumpen; laut Fachinformation wegen des Risikos einer Ausflockung in Pumpenkathetern[1, 2]
  • Pen, der fallen gelassen, beschädigt oder zerdrückt wurde, Insulin, das nicht korrekt gelagert wurde oder eingefroren war, und Insulin, das nicht klar und farblos aussieht[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Stellen Sie Ihr Insulin nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt um. Laut Fachinformation muss die Umstellung auf einen anderen Insulintyp oder eine andere Insulinmarke unter strenger medizinischer Überwachung erfolgen; Veränderungen von Stärke, Marke, Insulintyp, Ursprung oder Herstellungsverfahren können eine Dosisänderung erfordern, bei der ersten Dosis oder innerhalb der ersten Wochen oder Monate[1, 2]
  • Laut Fachinformation können sich die Warnzeichen einer Unterzuckerung verändern, wenn sich die Blutzuckereinstellung deutlich verbessert hat, etwa durch eine intensivierte Insulintherapie, oder nach einer Umstellung auf einen anderen Insulintyp; bei lange bestehendem Diabetes verschwinden die üblichen Warnzeichen möglicherweise[2]
  • Funktionsstörungen von Nieren, Leber, Nebennieren, Hirnanhang- oder Schilddrüse, mehr körperliche Bewegung als üblich oder eine Änderung der Ernährung können den Insulinbedarf beeinflussen, ärztlich beraten lassen. Laut Fachinformation können das Auslassen einer Mahlzeit oder ungeplante anstrengende körperliche Aktivität zu einer Unterzuckerung führen[1, 2]
  • Bei Krankheit das Insulin weiter anwenden und ärztlichen Rat einholen; laut Fachinformation erhöhen Begleiterkrankungen, insbesondere Infektionen und fiebrige Zustände, in der Regel den Insulinbedarf[1, 2]
  • Reisen über mehrere Zeitzonen können den Insulinbedarf und den Zeitpunkt der Injektionen beeinflussen; laut Fachinformation vorher ärztlich beraten lassen[1, 2]
  • Injektionsstelle regelmäßig wechseln; das kann helfen, Verdickungen, Vertiefungen oder Knoten unter der Haut vorzubeugen; Hautveränderungen ärztlich mitteilen. Spritzen Sie derzeit in einen betroffenen Bereich, sprechen Sie vor dem Wechsel in einen anderen Bereich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, möglicherweise müssen der Blutzucker engmaschiger überwacht und die Dosis angepasst werden[1, 2]
  • Vor jeder Injektion anhand des Etiketts prüfen, ob es sich um den richtigen Insulintyp handelt; für jede Injektion eine neue Nadel verwenden und Nadeln und Pen mit niemandem teilen[1, 2]
  • Actrapid FlexPen ist nur für Injektionen unter die Haut geeignet; laut Fachinformation sollte eine Durchstechflasche verwendet werden, wenn eine Spritze oder eine Injektion in die Vene nötig ist[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Alkohol kann den Insulinbedarf verändern, weil der Blutzucker steigen oder sinken kann; eine engmaschige Blutzuckerkontrolle wird empfohlen [1]. Ein zu niedriger oder zu hoher Blutzucker kann Konzentration und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen; fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob Sie fahren können, wenn Sie häufig Unterzuckerungen haben oder deren Anzeichen schlecht wahrnehmen [1]. Mehr dazu in den Ratgebern Medikamente und Autofahren und Medikamente und Alkohol. Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité sagen [1, 2, 4].

Schwangerschaft

Fragen Sie vor der Anwendung Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat, wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten. Actrapid kann während der Schwangerschaft angewendet werden; die Insulindosis muss während der Schwangerschaft und nach der Entbindung möglicherweise angepasst werden. Eine engmaschige Kontrolle des Diabetes, insbesondere die Vorbeugung von Unterzuckerungen, ist auch für die Gesundheit des Babys wichtig.[1]

Laut Fachinformation bestehen für die Anwendung von Insulin zur Diabetesbehandlung in der Schwangerschaft keine Einschränkungen, da Insulin nicht plazentagängig ist. Unter- und Überzuckerungen bei nicht ausreichend kontrollierter Behandlung erhöhen das Risiko von Fehlbildungen und Fruchttod. Im ersten Schwangerschaftsdrittel fällt der Insulinbedarf gewöhnlich, im zweiten und dritten steigt er wieder an; nach der Entbindung kehrt er normalerweise schnell auf das Niveau vor der Schwangerschaft zurück.[2]

Embryotox bewertet den Erfahrungsumfang als sehr hoch: Aus der jahrzehntelangen Anwendung von Humaninsulin in der Schwangerschaft haben sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko ergeben; ein schlecht eingestellter Diabetes ist dagegen mit einem höheren Risiko für Fehlbildungen und Fehlgeburten verbunden. Humaninsulin darf laut Embryotox bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft indikationsgerecht eingesetzt werden; eine optimale Blutzuckereinstellung sollte möglichst schon vor der Empfängnis erreicht werden.[4]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Es gibt keine Einschränkungen für die Behandlung mit Actrapid während der Stillzeit. Laut Fachinformation stellt die Insulinbehandlung der stillenden Mutter kein Risiko für das Kind dar; eventuell muss die Dosis angepasst werden.[1, 2]

Laut Embryotox darf unter Humaninsulin uneingeschränkt gestillt werden; bei Einsetzen der Milchproduktion sinkt der Insulinbedarf häufig.[4]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Wenn Sie Alkohol trinken, kann sich Ihr Insulinbedarf ändern, weil der Blutzucker steigen oder sinken kann; eine engmaschige Blutzuckerkontrolle wird empfohlen. Alkohol gehört laut Packungsbeilage zu den möglichen Auslösern einer Unterzuckerung.[1]

Autofahren und Maschinen

Ist der Blutzucker zu niedrig oder zu hoch, können Konzentration und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein, und damit die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob Sie fahren können, wenn Sie häufig Unterzuckerungen haben oder deren Anzeichen schlecht wahrnehmen. Laut Fachinformation sollten Sie Vorsichtsmaßnahmen treffen, um Unterzuckerungen beim Fahren zu vermeiden.[1, 2]

Einnahme

Actrapid wird unter die Haut gespritzt, niemals direkt in eine Vene oder einen Muskel. Geeignet sind Bauchdecke, Gesäß, die Vorderseite der Oberschenkel oder der Oberarme; in der Bauchdecke tritt die Wirkung schneller ein. Wechseln Sie bei jeder Injektion die Einstichstelle innerhalb der gewählten Körperregion und messen Sie Ihren Blutzucker regelmäßig.[1]

Nehmen Sie innerhalb von 30 Minuten nach der Injektion eine kohlenhydrathaltige Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit zu sich, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Laut Fachinformation sollte die Nadel mindestens 6 Sekunden unter der Haut bleiben, damit die gesamte Dosis injiziert wird.[1, 2]

Dosis vergessen: Der Blutzucker kann zu hoch ansteigen (Hyperglykämie); achten Sie auf die Warnzeichen eines hohen Blutzuckers.[1]

Absetzen

Beenden Sie die Insulinbehandlung nicht, ohne mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gesprochen zu haben: Ein sehr hoher Blutzucker (schwere Hyperglykämie) und eine Ketoazidose können die Folge sein.[1]

Überdosierung

Zu viel Insulin lässt den Blutzucker zu stark sinken; dann gelten die Maßnahmen bei Unterzuckerung. Laut Fachinformation können leichte Unterzuckerungen mit Traubenzucker oder zuckerhaltigen Lebensmitteln behandelt werden, schwere mit Bewusstlosigkeit mit Glucagon durch eine geschulte Person oder mit Glucose in die Vene durch eine Ärztin oder einen Arzt; nach dem Erwachen werden Kohlenhydrate zum Einnehmen empfohlen, um einen Rückfall zu vermeiden.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Die Packungsbeilage nennt keine feste Dosis: Sie wenden Ihr Insulin an und passen die Dosis an, immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Die Fachinformation ergänzt Hinweise zur Umstellung, zu älteren Menschen und zu eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion [2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung [1, 2].

Anwendung und Absetzen

Actrapid wird unter die Haut gespritzt, niemals direkt in eine Vene oder einen Muskel [1]. Geeignete Stellen sind Bauchdecke, Gesäß und die Vorderseite der Oberschenkel oder Oberarme; in der Bauchdecke tritt die Wirkung schneller ein [1]. Laut Fachinformation sollte die Nadel mindestens 6 Sekunden unter der Haut bleiben, damit die gesamte Dosis injiziert wird [2]. Prüfen Sie vor jeder Injektion anhand des Etiketts, dass es sich um den richtigen Insulintyp handelt, verwenden Sie für jede Injektion eine neue Nadel und teilen Sie Nadeln und Pen mit niemandem [1].

Vor dem Öffnen lagern Sie den FlexPen im Kühlschrank bei 2 °C bis 8 °C, fern vom Kühlelement, und frieren ihn nicht ein [1]. Während des Gebrauchs oder als Ersatz lagern Sie ihn nicht im Kühlschrank; Sie können ihn bei Raumtemperatur bis 30 °C bis zu 6 Wochen aufbewahren und lassen die Penkappe aufgesetzt, um den Inhalt vor Licht zu schützen [1]. Mehr dazu in den Ratgebern Medikamente im Kühlschrank und Medikamente ins Ausland.

Beenden Sie die Insulinbehandlung nicht, ohne mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen: Ein sehr hoher Blutzucker und eine Ketoazidose können die Folge sein [1]. Haben Sie eine Dosis vergessen, kann der Blutzucker zu hoch ansteigen; achten Sie dann auf die Warnzeichen eines hohen Blutzuckers [1]. Vor Reisen in andere Zeitzonen beraten Sie sich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, weil sich Insulinbedarf und Zeitpunkt der Injektionen ändern können [1, 2].

Präparate mit Humaninsulin

Grundlage dieser Seite ist die EMA-Produktinformation von Actrapid mit der Packungsbeilage des Actrapid FlexPen und der Fachinformation [1, 2]. Zulassungsinhaber ist Novo Nordisk A/S [2]. Actrapid gibt es mit 100 Internationalen Einheiten je ml als FlexPen, InnoLet und Penfill-Patrone sowie als Durchstechflasche, außerdem als Durchstechflasche mit 40 Internationalen Einheiten je ml [2]. Embryotox nennt als weitere Produktnamen mit Humaninsulin unter anderem Berlinsulin H und Protaphane [4]. Maßgeblich ist immer die Packungsbeilage des Präparats, das Ihnen verordnet wurde.

Präparate mit Humaninsulin
PräparatAnbieterHinweis
ActrapidNovo Nordisk A/SNormalinsulin mit 100 I.E./ml als FlexPen, InnoLet, Penfill-Patrone und Durchstechflasche, außerdem Durchstechflasche mit 40 I.E./ml; Grundlage dieser Seite
ProtaphaneNovo Nordisk A/SHumaninsulin mit Protamin (Isophan-Insulin), länger wirkend; eigene Packungsbeilage

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Actrapid (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Actrapid FlexPen 100 I.E./ml Injektionslösung im Fertigpen. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2020. abgerufen am 11.10.2026
  2. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Actrapid (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2020. abgerufen am 11.10.2026
  3. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag "Insulin, ferner Erzeugnisse, die aus der Bauchspeicheldrüse hergestellt und zu Einspritzungen bei Diabetes mellitus bestimmt sind". Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026
  4. Embryotox Embryotox: Insulin human. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Humaninsulin und Insulinanaloga?

Humaninsulin wird gentechnisch hergestellt und hat dieselbe Aminosäuresequenz wie das Insulin der menschlichen Bauchspeicheldrüse. Ohne Zusätze wird es als kurz wirksames Normalinsulin verwendet, an Protamin gebunden als Verzögerungsinsulin. Laut Fachinformation von Actrapid kann eine Umstellung zwischen Humaninsulin und einem Insulinanalogon eine Änderung der Dosis erforderlich machen. Insulinanaloga beschreiben wir auf eigenen Seiten, etwa Insulin aspart, Insulin lispro und Insulin glargin. Stellen Sie Ihr Insulin nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt um.

Wann wirkt Actrapid und wie lange?

Laut Packungsbeilage beginnt Actrapid etwa eine halbe Stunde nach der Injektion, den Blutzucker zu senken, und wirkt etwa 8 Stunden. Die Fachinformation nennt ein Wirkmaximum innerhalb von 1,5 bis 3,5 Stunden und eine gesamte Wirkdauer von etwa 7 bis 8 Stunden. Laut Packungsbeilage nehmen Sie innerhalb von 30 Minuten nach der Injektion eine kohlenhydrathaltige Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit zu sich, um eine Unterzuckerung zu vermeiden.

Welche Nebenwirkungen hat Humaninsulin am häufigsten?

Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, ist eine Unterzuckerung. Gelegentlich, bei bis zu 1 von 100, kommen Reaktionen an der Injektionsstelle, Veränderungen des Fettgewebes an der Einstichstelle, zu Beginn der Behandlung vorübergehende Sehstörungen und Wassereinlagerungen sowie Nervenschmerzen bei sehr rascher Besserung der Blutzuckerwerte vor. Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit finden Sie im Abschnitt Nebenwirkungen.

Was tun bei einer Unterzuckerung unter Insulin?

Nehmen Sie Traubenzucker oder eine andere stark zuckerhaltige Zwischenmahlzeit wie Süßigkeiten, Kekse oder Fruchtsaft zu sich, messen Sie falls möglich den Blutzucker und ruhen Sie sich aus. Bei Bewusstlosigkeit bringen andere Sie in die stabile Seitenlage, rufen sofort ärztliche Hilfe und geben Ihnen nichts zu essen oder zu trinken. Nach einer Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit oder bei häufigen Unterzuckerungen suchen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf.

Darf man Actrapid in einer Insulinpumpe verwenden?

Nein. Laut Packungsbeilage darf Actrapid nicht in Insulininfusionspumpen angewendet werden; die Fachinformation begründet das mit dem Risiko einer Ausflockung in Pumpenkathetern. Der FlexPen ist nur für Injektionen unter die Haut geeignet.

Darf ich Humaninsulin in der Schwangerschaft und Stillzeit spritzen?

Actrapid kann laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft angewendet werden, und in der Stillzeit gibt es keine Einschränkungen; die Dosis muss möglicherweise angepasst werden. Das Beratungszentrum Embryotox bewertet den Erfahrungsumfang als sehr hoch und sieht aus der jahrzehntelangen Anwendung keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Besprechen Sie eine geplante oder bestehende Schwangerschaft mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Humaninsulin?

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; Sie wenden Ihr Insulin immer genau nach dieser Absprache an. Die Angaben der Packungsbeilage und Fachinformation finden Sie im Abschnitt Dosierung. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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