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Vorhofflimmern
Bei Vorhofflimmern schlägt das Herz unregelmäßig und oft zu schnell; das ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erhöht aber das Risiko für Schlaganfälle. Laut der Pocket-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zur S3-Leitlinie soll ab einem CHA2DS2-VA-Score von 2 eine Behandlung mit Gerinnungshemmern (orale Antikoagulation) empfohlen werden, mit einem direkten oralen Antikoagulans wie Apixaban oder mit Phenprocoumon. Gegen die Beschwerden wird der Puls mit Betablockern, Calciumantagonisten oder Digitalis gesenkt oder der normale Rhythmus durch Kardioversion, Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen oder eine Katheterablation wiederhergestellt. Bei Zeichen eines Schlaganfalls rufen Sie sofort den Notruf 112.

Bei Vorhofflimmern schlägt das Herz anhaltend unregelmäßig und oft so schnell, dass es weniger Blut in den Körper pumpt [2]. Es ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erhöht auf Dauer aber das Risiko für Schlaganfälle [2]. Die Behandlung hat zwei Ziele: die Beschwerden lindern und einem Schlaganfall vorbeugen [2]. Dafür werden Gerinnungshemmer eingesetzt und Medikamente, die den Puls senken oder den normalen Herzrhythmus wiederherstellen; dazu kommen Eingriffe wie die elektrische Kardioversion oder die Katheterablation [1, 2].
Was ist Vorhofflimmern?
Normalerweise gibt der Sinusknoten in der Wand des rechten Vorhofs den Takt vor. Bei Vorhofflimmern breiten sich die elektrischen Impulse in den Vorhöfen unregelmäßig aus, die Vorhöfe zittern (flimmern) unkontrolliert [2]. Die Herzkammern pumpen weiter, aber weniger und unregelmäßiger [2]. Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen: Nach Schätzungen sind etwa 2 Prozent der Bevölkerung betroffen, bei über 65-Jährigen etwa 8 Prozent [2].
Gesichert wird die Diagnose durch ein EKG [1]. Nach der Dauer der Episoden unterscheidet die Pocket-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zur S3-Leitlinie Vorhofflimmern (Version 2025) [1]:
- paroxysmal (anfallsartig): endet spontan oder durch eine Kardioversion innerhalb von 7 Tagen,
- persistierend (anhaltend): endet nach mehr als 7 Tagen,
- lang persistierend: besteht vor der Entscheidung für eine rhythmuserhaltende Behandlung seit mehr als 12 Monaten ununterbrochen,
- permanent: Betroffene und Behandelnde haben gemeinsam entschieden, das Vorhofflimmern zu belassen und keine weiteren Versuche zu unternehmen, den normalen Rhythmus wiederherzustellen.
Vorhofflimmern ist laut Leitlinie eine fortschreitende Erkrankung: Anfangs haben die meisten Betroffenen anfallsartige Episoden, die im Verlauf länger anhalten und oft dauerhaft bestehen bleiben [1].
Symptome
Das häufigste Symptom ist Herzklopfen, das man in der Brust oder am Hals spürt. Das Herz schlägt dann meist schneller und unregelmäßiger als normal, bei Vorhofflimmern 120- bis 160-mal pro Minute, bei manchen bis 200-mal [2]. Ein gesunder Ruhepuls liegt meist zwischen 60 und 90 Schlägen pro Minute [2]. Weitere mögliche Beschwerden sind Schwächegefühl, schnelle Erschöpfung, ein Engegefühl in der Brust, Benommenheit und Schwindel [2]. Liegt zusätzlich eine Herzschwäche vor, kann es vor allem bei Belastung zu Kurzatmigkeit und Erschöpfung kommen [2].
Mehr als die Hälfte der Betroffenen bemerkt das Vorhofflimmern zumindest anfangs gar nicht [2]. Deshalb wird es manchmal zufällig festgestellt, etwa bei einem EKG aus anderem Grund [2]. Mehr: Herzrasen.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei den meisten Menschen lässt sich Vorhofflimmern auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurückführen [2]:
- Bluthochdruck,
- koronare Herzkrankheit,
- Herzinfarkt,
- Herzschwäche, die auch Folge eines Vorhofflimmerns sein kann.
Manchmal steckt eine behandelbare Ursache dahinter, etwa eine undichte Herzklappe oder eine Schilddrüsenüberfunktion [2]. Das Risiko steigt vor allem mit dem Alter; Männer, hellhäutige Menschen und Menschen, deren Eltern oder Geschwister Vorhofflimmern haben, erkranken häufiger [2]. Beeinflussen lassen sich starker oder häufiger Alkoholkonsum, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, deutliches Übergewicht und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) [2].
Medikamente als Ursache: Auch bestimmte Medikamente können laut gesund.bund.de zu Vorhofflimmern führen [9]. Eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine zu hohe Dosierung von Schilddrüsenmedikamenten kann laut IQWiG Ursache eines Vorhofflimmerns sein; die Schilddrüsenfunktion lässt sich mit einem Bluttest beurteilen [2, 9]. Bei Omega-3-Fettsäure-haltigen Arzneimitteln zeigten Übersichtsarbeiten laut Rote-Hand-Brief vom 16.11.2023 ein dosisabhängig erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder entsprechenden Risikofaktoren. Ärztinnen, Ärzte und andere Gesundheitsberufe sollten laut Brief Betroffenen raten, bei Zeichen von Vorhofflimmern eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen; entwickelt sich Vorhofflimmern, sollte die Behandlung mit diesen Arzneimitteln dauerhaft abgesetzt werden [26]. Mehr: Schilddrüsenmittel und Herzrasen durch Medikamente.
Folgen: Weil die Vorhöfe nicht mehr richtig pumpen, fließt das Blut dort langsamer und bildet leichter Gerinnsel; wird ein Gerinnsel ins Gehirn geschwemmt, kann es einen Schlaganfall auslösen [2]. Das Risiko für Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel (Thromboembolien), insbesondere Schlaganfälle, ist laut Leitlinie etwa 4- bis 5-fach erhöht [1]. Auf Dauer kann Vorhofflimmern außerdem das Herz überfordern und schwächen [2].
Diagnose
Die Diagnose soll laut Leitlinie durch die ärztliche Beurteilung eines EKG ausreichender Qualität gestellt werden; sie beruht auf einer EKG-Aufzeichnung über mehr als 30 Sekunden [1]. Alle Menschen mit neu festgestelltem Vorhofflimmern sollen eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (transthorakale Echokardiografie) erhalten [1]. Zur ersten Abklärung nennt die Leitlinie außerdem Blutuntersuchungen der Schilddrüsenwerte (TSH), des roten Blutfarbstoffs, von Kalium und der Nierenfunktion [1]. Nieren- und Leberwerte sind wichtig, weil bei einer Nieren- oder Leberschwäche nicht alle Medikamente infrage kommen [2].
Früherkennung: Menschen ab 75 Jahren oder mit erhöhtem Schlaganfallrisiko sollte laut Leitlinie mindestens einmal ein EKG empfohlen werden [1]. Ein allgemeines Screening mit Geräten zur Dauerüberwachung wie Smartwatches wird derzeit nicht empfohlen, weil die Folgen für die Behandlung unklar sind [1]. Für den Termin hilft ein aktueller Medikationsplan.
Behandlung ohne Medikamente
Untersuchung und Behandlung von Begleiterkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Herzschwäche und schlafbezogenen Atemstörungen empfiehlt die Leitlinie allen Menschen mit Vorhofflimmern [1]. Zum Alkohol sollen Betroffene beraten werden; es soll empfohlen werden, die Grenzen des risikoarmen Alkoholkonsums nicht zu überschreiten [1]. Auf Tabak zu verzichten, soll allen Betroffenen empfohlen werden [1]. Besonders Menschen mit anfallsartigem Vorhofflimmern und Angst vor körperlicher Aktivität soll ein strukturiertes Training empfohlen werden, etwa in einer Herzsportgruppe [1]. Laut IQWiG haben Menschen mit Vorhofflimmern seltener eine Episode, wenn sie weitgehend auf Alkohol verzichten [2].
Eingriffe: Bei der elektrischen Kardioversion bringt ein elektrischer Impuls über Elektroden auf dem Brustkorb das Herz wieder in den normalen Rhythmus; dafür erhält man eine kurze, leichte Narkose [4]. Kreislaufinstabile Patientinnen und Patienten sollen laut Leitlinie sofort elektrisch kardiovertiert werden [1]. Bei der Katheterablation wird über einen Katheter mit Strom oder Kälte etwas Gewebe im linken Vorhof verödet [4]. Jüngeren Menschen mit Beschwerden ohne relevante Begleiterkrankungen soll sie laut Leitlinie als erste Behandlung empfohlen werden, wenn ein normaler Rhythmus angestrebt wird; Menschen mit anhaltendem Vorhofflimmern und Beschwerden sollen dazu beraten werden [1]. Wer auf eine verstärkte Pulssenkung nicht ausreichend anspricht und für eine Rhythmuskontrolle nicht infrage kommt, dem sollte zur Linderung der Beschwerden ein Herzschrittmacher mit Verödung des AV-Knotens empfohlen werden [1]. Einen Verschluss des linken Vorhofohrs empfehlen Fachleute laut IQWiG nur zu erwägen, wenn wegen eines hohen Blutungsrisikos keine Gerinnungshemmer infrage kommen [5].
Behandlung mit Medikamenten

Medikamente haben bei Vorhofflimmern drei Aufgaben: Schlaganfällen vorbeugen, den Puls senken (Frequenzkontrolle) und den normalen Rhythmus wiederherstellen oder erhalten (Rhythmuskontrolle) [1, 2]. Die Therapieplanung soll laut Leitlinie die Abschätzung des Schlaganfallrisikos, die Begleiterkrankungen und die Entscheidung zwischen Rhythmus- und Frequenzkontrolle umfassen [1]. Die Nebenwirkungen stammen aus der Packungsbeilage und gelten nur für den genannten Wirkstoff ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10).
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK, Blutverdünner) | Apixaban, Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban | Hemmen bestimmte Gerinnungsfaktoren direkt; die Wirkung setzt nach einigen Stunden ein, der Gerinnungswert muss nicht kontrolliert werden [6] | Apixaban, häufig: Blutungen, etwa in den Augen, in Magen oder Darm, aus dem Enddarm, Blut im Urin, Nasen- und Zahnfleischbluten, Blutergüsse; Blutarmut, niedriger Blutdruck, Übelkeit, erhöhte GGT im Blut [10]. Rivaroxaban, häufig unter anderem: Blutungen, etwa in Magen oder Darm, im Urogenitalbereich, aus Nase oder Zahnfleisch; Blutarmut, niedriger Blutdruck, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Hautausschlag [11] |
| Vitamin-K-Antagonisten (Cumarine) | Phenprocoumon | Verdrängen einen Teil des Vitamin K, das die Leber für einige Gerinnungsfaktoren braucht; sie wirken mit einigen Tagen Verzögerung, der Gerinnungswert wird regelmäßig kontrolliert [6] | Phenprocoumon, sehr häufig: Blutungen, insbesondere lebensbedrohliche Blutungen im Gehirn und Rückenmark, im Magen-Darm-Trakt, in den Atemwegen, Harnwegen und Geschlechtsorganen, in der Gebärmutter, in Leber und Gallenblase und in den Augen [12] |
| Betablocker | Metoprolol | Senken die Herzfrequenz; laut Leitlinie mit den Calciumantagonisten die erste Stufe der Frequenzkontrolle [1] | Metoprolol, sehr häufig: Müdigkeit; häufig: ausgeprägter Blutdruckabfall, auch beim Aufstehen, verlangsamter Puls, unregelmäßiger Herzschlag oder Herzklopfen, Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot bei Asthma, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, kalte Hände und Füße [13] |
| Calciumantagonisten wie Verapamil und Diltiazem | Verapamil | Senken die Herzfrequenz; laut Leitlinie neben Betablockern die erste Stufe der Frequenzkontrolle [1] | Verapamil, häufig unter anderem: Schwindel oder Benommenheit, Kopfschmerzen, Nervosität, verlangsamter Herzschlag, Entstehung oder Verschlimmerung einer Herzschwäche, übermäßiger Blutdruckabfall, Gesichtsrötung, Verstopfung, Übelkeit, Knöchelödeme [14] |
| Herzglykoside (Digitalis) | Digitoxin | Senken die Herzfrequenz; werden laut IQWiG meist zusätzlich gegeben, wenn ein Betablocker oder Calciumantagonist allein nicht reicht [1, 3] | Digitoxin, sehr häufig: Herzrhythmusstörungen jeder Form, etwa ein verlangsamter Herzschlag; häufig: Appetitlosigkeit, Übelkeit (frühes Zeichen einer zu hohen Dosierung), Erbrechen, Bauchbeschwerden, Durchfall, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit [15] |
| Antiarrhythmika (Rhythmuskontrolle) | Flecainid, Amiodaron | Bringen das Herz wieder in den normalen Rhythmus und können ihn als Dauerbehandlung erhalten [4] | Flecainid, sehr häufig: Schwindel, Benommenheit, Doppelt- oder Schleiersehen; häufig: neue oder verschlimmerte Herzrhythmusstörungen, Atemnot, Schwäche, Müdigkeit, Fieber, Ödeme, allgemeines Unwohlsein [16]. Amiodaron, sehr häufig: Ablagerungen auf der Hornhaut, Übelkeit und Geschmacksveränderungen zu Beginn, erhöhte Leberwerte, Lichtempfindlichkeit der Haut; häufig unter anderem Schilddrüsenstörungen und Lungenschäden [18] |
Schlaganfällen vorbeugen
Das Schlaganfallrisiko soll laut Leitlinie mit dem CHA2DS2-VA-Score abgeschätzt werden [1]. Je 1 Punkt zählen Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes, eine Gefäßerkrankung und ein Alter von 65 bis 74 Jahren, je 2 Punkte ein Alter ab 75 Jahren und ein früherer Schlaganfall oder eine TIA (vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns) [1]. Ab 2 Punkten soll eine orale Antikoagulation empfohlen werden; bei 1 Punkt soll die Indikation individuell geprüft werden [1]. Bei 0 Punkten sieht die Leitlinie den Nutzen als so gering an, dass sie wegen des Blutungsrisikos keine Indikation sieht [1]. Das Blutungsrisiko sollte zusätzlich abgeschätzt werden, etwa mit dem HAS-BLED-Score, um Risikofaktoren für Blutungen zu verringern [1]. Entscheiden sollen Patientin oder Patient und Ärztin oder Arzt gemeinsam [1].
Infrage kommen direkte orale Antikoagulanzien und Vitamin-K-Antagonisten [5]. Zugelassen ist Rivaroxaban laut Packungsbeilage bei Vorhofflimmern, das nicht durch eine Herzklappenerkrankung bedingt ist, Apixaban bei Vorhofflimmern mit mindestens einem weiteren Risikofaktor [10, 11]. Anders als andere internationale Leitlinien spricht die deutsche S3-Leitlinie laut DGK-Pocket-Leitlinie keine Empfehlung für DOAK als Erstlinientherapie aus; ob ein DOAK oder Phenprocoumon eingesetzt wird, überlässt sie Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen, wobei Phenprocoumon gut eingestellt sein muss [1]. Über die Wahl soll nach Begleiterkrankungen, Lebensumständen und Anwendungsbeschränkungen entschieden werden [1]. Wirkstoffe wie ASS werden bei Vorhofflimmern laut IQWiG in der Regel nicht mehr eingesetzt, weil sie keinen ausreichenden Schutz vor Schlaganfällen bieten, aber das Blutungsrisiko erhöhen [5]. Mehr dazu: Apixaban oder Rivaroxaban.
Puls senken (Frequenzkontrolle)
Als erstes Ziel sollte laut Leitlinie ein Ruhepuls unter 110 Schlägen pro Minute ohne Beschwerden angestrebt werden; bestehen weiter Beschwerden, sollte ein niedrigerer Puls unter 80 angestrebt und geprüft werden, ob eine Rhythmuskontrolle infrage kommt [1]. Die Wirkstoffe sollen nach Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit ausgewählt werden [1]. Metoprolol darf laut Packungsbeilage unter anderem nicht bei einer Neigung zu Bronchialverkrampfungen, einem Puls unter 50 Schlägen pro Minute oder einer instabilen, dekompensierten Herzschwäche eingenommen werden [13]. Verapamil darf unter anderem nicht bei einer Herzmuskelschwäche mit deutlich verminderter Pumpleistung und nicht bei Vorhofflimmern mit WPW-Syndrom eingenommen werden [14]. Verapamil und Betablocker können sich laut Packungsbeilage in ihren Wirkungen auf Herz und Kreislauf gegenseitig verstärken; Betablocker dürfen während der Behandlung mit Verapamil nicht in die Vene gegeben werden, außer in der Intensivmedizin [14].
Bisoprolol ist laut Leitlinie in Deutschland für Herzrhythmusstörungen nicht zugelassen, anders als in anderen europäischen Ländern; internationale Leitlinien empfehlen es zur Pulssenkung [1]. Zugelassen ist Bisoprolol laut Packungsbeilage für Bluthochdruck, chronisch stabile Angina pectoris und eine stabile chronische Herzschwäche mit eingeschränkter Pumpfunktion [19]. Mehr: Bisoprolol oder Metoprolol und Off-Label-Use.
Rhythmus wiederherstellen (Rhythmuskontrolle)
Bei allen Menschen mit neu festgestelltem Vorhofflimmern soll laut Leitlinie eine frühe Rhythmuskontrolle geprüft werden; vor allem bei relevanten Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, höherem Lebensalter oder Begleiterkrankungen (CHA2DS2-VA-Score ab 2) sollte sie unabhängig von Beschwerden empfohlen werden [1]. Vor einer geplanten Kardioversion soll entweder 3 Wochen ununterbrochen eine orale Antikoagulation erfolgen oder ein Blutgerinnsel per Ultraschall durch die Speiseröhre ausgeschlossen werden; ausgenommen sind Vorhofflimmern unter 24 Stunden bei geringem Risiko [1]. Nach einer elektrischen Kardioversion wird unabhängig vom Risikoprofil immer für mindestens 4 Wochen eine orale Antikoagulation empfohlen [1].
Ohne strukturelle Herzerkrankung sollte laut Leitlinie bei einer medikamentösen Behandlung zuerst Flecainid oder Propafenon empfohlen werden; eine Langzeitbehandlung mit Amiodaron sollte wenn möglich vermieden werden [1]. Flecainid ist laut Fachinformation für anfallsartiges Vorhofflimmern nur bei eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit nach einer Kardioversion zugelassen, wenn die Behandlung wegen schwerer Beschwerden eindeutig erforderlich ist und andere Behandlungen unwirksam waren; eine strukturelle Herzerkrankung sollte vorher ausgeschlossen werden [17]. Amiodaron ist laut Packungsbeilage beim anfallsartigen Vorhofflimmern zugelassen, wenn andere Antiarrhythmika nicht wirken oder nicht angezeigt sind [18]. Außerdem nennt die Leitlinie Propafenon, Dronedaron und Sotalol [1]. Dronedaron ist laut Rote-Hand-Brief vom 30.09.2011 nur noch bei klinisch stabilen Erwachsenen mit anfallsartigem oder anhaltendem Vorhofflimmern angezeigt, um nach einer erfolgreichen Kardioversion den normalen Rhythmus zu erhalten; bei früherer oder bestehender Herzschwäche darf es nicht angewendet werden [25].
Nebenwirkungen der Medikamente
Blutungen: Sie sind laut IQWiG die bedeutendste Nebenwirkung der Gerinnungshemmer; zu den häufigsten gehören Blutungen im Magen-Darm-Trakt [6, 7]. Leichtes Nasen- oder Zahnfleischbluten und blaue Flecken sind laut IQWiG in der Regel unproblematisch, größere Blutungen müssen rasch behandelt werden [7]. Das Risiko erhöhen unter anderem ein Alter über 65 Jahre, ein nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck, Alkohol und entzündungshemmende Schmerzmittel wie ASS, Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen [5, 7]. In einem Informationsbrief vom 05.09.2013 baten die Zulassungsinhaber von Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban, Risikofaktoren für Blutungen sowie Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, um das Risiko von Blutungen zu verringern [23]; laut BfArM gelten diese Empfehlungen auch für Edoxaban [28]. Mehr: Blutungen durch Medikamente und Wechselwirkungen.
Weitere Hinweise zu DOAK: Bei einem Antiphospholipid-Syndrom wird die Anwendung von DOAK laut Rote-Hand-Brief vom 23.05.2019 nicht empfohlen, besonders bei Hochrisikopatienten, die in allen drei Antiphospholipid-Tests positiv getestet wurden; bei Menschen mit diesem Syndrom und einer Thrombose in der Vorgeschichte war Rivaroxaban in einer Studie im Vergleich zu Warfarin mit einem erhöhten Risiko für erneute Thrombosen verbunden, die anderen DOAK möglicherweise ebenfalls [20]. Bei Dabigatran sollte laut Rote-Hand-Brief vom 27.10.2011 vor Behandlungsbeginn bei allen Behandelten die Nierenfunktion geprüft werden, während der Behandlung bei Verdacht auf eine Verschlechterung und bei über 75-Jährigen oder eingeschränkter Nierenfunktion mindestens einmal im Jahr [21]. Laut Rote-Hand-Brief vom 07.01.2013 darf Dabigatran bei künstlichen Herzklappen, die eine gerinnungshemmende Behandlung erfordern, nicht angewendet werden [22]. Die Packung von Eliquis (Apixaban) enthält einen Patientenausweis, den Sie laut Packungsbeilage ständig bei sich tragen sollen [10].
Pulssenkende Mittel: Ein verlangsamter Puls und ein Blutdruckabfall sind bei Metoprolol und Verapamil häufig, bei Digitoxin sind Herzrhythmusstörungen jeder Form sehr häufig [13, 14, 15]. Übelkeit unter Digitoxin sollte laut Packungsbeilage als frühes Zeichen einer zu hohen Dosierung gelten [15]. Mehr: Verlangsamter Herzschlag und Niedriger Blutdruck.
Antiarrhythmika: Flecainid kann wie andere Antiarrhythmika Herzrhythmusstörungen auslösen; am größten ist das Risiko bei strukturellen Herzerkrankungen [16]. Amiodaron hat laut Leitlinie ein relativ großes Nebenwirkungsspektrum, unter anderem an Schilddrüse, Lunge und Leber, das strenge Sicherheitsabwägungen und engmaschige Kontrollen erfordert [1]. Zusammen mit Sofosbuvir gegen Hepatitis C kann es laut Packungsbeilage eine lebensbedrohliche Verlangsamung des Herzschlags bewirken; darauf wies ein Rote-Hand-Brief vom 12.05.2015 hin [18, 24]. Mehr: QT-Verlängerung und Herzrhythmusstörungen, Lichtempfindlichkeit und Amiodaron absetzen.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei einem vorzeitigen Abbruch könnte laut Packungsbeilage von Apixaban das Risiko für ein Blutgerinnsel erhöht sein [10]. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [11]. Wie das geht: Nebenwirkung melden.
Leben mit Vorhofflimmern
Gegen Sport spricht laut IQWiG medizinisch nichts; Forschungsergebnisse geben Hinweise, dass moderater Sport die Fitness verbessert [2]. Schulungen vermitteln, wie man im Alltag mit der Erkrankung umgeht und die Gerinnungshemmer richtig anwendet [2]. Wer Gerinnungshemmer nimmt, informiert vor Operationen und anderen Eingriffen, auch vor dem Ziehen eines Zahns oder einer Darmspiegelung, rechtzeitig die Ärztin oder den Arzt [5, 7]. Für das Vorgehen vor geplanten Eingriffen gibt die Leitlinie einen eigenen Ablauf vor [1]. Mehr: Medikamente vor der OP.
Vitamin-K-Antagonisten können das ungeborene Kind schädigen; mit DOAK gibt es in der Schwangerschaft kaum Erfahrungen. Frauen, die schwanger werden können, wird laut IQWiG deshalb empfohlen zu verhüten und sich vor einer gewünschten Schwangerschaft ärztlich beraten zu lassen [6]. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Zeichen eines Schlaganfalls: plötzliche Schwäche, Taubheitsgefühle oder Lähmungen, meist auf einer Körperseite, ein herunterhängender Mundwinkel, Sprach- oder Verständnisstörungen, Sehstörungen, Schwindel mit Gangunsicherheit und plötzliche, ungewohnt heftige Kopfschmerzen [8]. Rufen Sie bei jedem Verdacht sofort den Notruf 112 und sagen Sie, dass Vorhofflimmern bekannt ist und welche Medikamente eingenommen werden [8].
Blutungen unter Gerinnungshemmern: Bei starkem, anhaltendem Nasen- oder Zahnfleischbluten, großen Blutergüssen, rot verfärbtem Urin, dunkelrotem oder schwarzem Stuhl und Blut im Erbrochenen ist laut IQWiG ärztlicher Rat wichtig [7]. Kopfschmerzen, einseitige Schwäche, Erbrechen, Krampfanfälle, vermindertes Bewusstsein und Nackensteifigkeit können laut Packungsbeilage von Rivaroxaban Zeichen einer Blutung im Gehirn sein, ein schwerer medizinischer Notfall [11]. Starke, nicht stillbare Blutungen, Bewusstlosigkeit, schwere Atemnot und starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [27].
Quellen
- Leitlinie Pocket-Leitlinie AWMF-S3-Leitlinie Vorhofflimmern (Kurzfassung der S3-Leitlinie Vorhofflimmern, Version 1, AWMF-Register-Nr. 019-014). Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), herausgegeben vom Vorstand der DGK. Stand Version 2025 (S3-Leitlinie gültig bis 02/2030). abgerufen am 17.10.2026
- Vorhofflimmern. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.10.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Wie funktioniert die Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.10.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Wie funktioniert die Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.10.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Schlaganfällen vorbeugen bei Vorhofflimmern. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.10.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Was sind Gerinnungshemmer?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Gerinnungshemmer: Wie kann ich Blutungen vorbeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Zeichen eines Schlaganfalls. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.10.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Vorhofflimmern. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 16.12.2022. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Eliquis (Apixaban), Anhang III B: Packungsbeilage Eliquis 5 mg Filmtabletten. Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Rivaroxaban-ratiopharm 15 mg; 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Marcumar 3 mg Tabletten (Phenprocoumon). Viatris Healthcare GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat 47,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Verapamil-ratiopharm 120 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Digitoxin AWD 0,07. TEVA GmbH. Stand 02/2018. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Flecainid-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Flecainid-ratiopharm 100 mg Tabletten (Abschnitt 4.1). ratiopharm GmbH. Stand 06/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amiodaron-ratiopharm 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Bisoprolol-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Eliquis, Pradaxa, Lixiana/Roteas und Xarelto: Die Anwendung bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom wird nicht empfohlen. Bayer AG, Boehringer Ingelheim International GmbH, Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG und Daiichi Sankyo Europe in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 23.05.2019. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Pradaxa (Dabigatranetexilat): Notwendigkeit der Überprüfung der Nierenfunktion. Zulassungsinhaber, veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 27.10.2011. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Pradaxa (Dabigatranetexilat): Neue Kontraindikation. Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am 09.01.2013. Stand 07.01.2013. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu den neuen Antikoagulanzien Eliquis (Apixaban), Pradaxa (Dabigatranetexilat) und Xarelto (Rivaroxaban): Risiko von Blutungen verringern. Zulassungsinhaber, geprüft und genehmigt von EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am 06.09.2013. Stand 05.09.2013. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Harvoni (Sofosbuvir + Ledipasvir) oder Daklinza (Daclatasvir) in Kombination mit Sovaldi (Sofosbuvir): Risiko von Herzrhythmusstörungen bei gleichzeitiger Gabe von Amiodaron. Gilead Sciences GmbH und Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA, veröffentlicht vom BfArM. Stand 12.05.2015. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Multaq (Dronedaron): Einschränkung der Anwendung von Multaq. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, abgestimmt mit EMA und BfArM. Stand 30.09.2011. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Omega-3-Fettsäure-haltigen Arzneimitteln: Dosisabhängig erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern bei Patienten mit etablierten kardiovaskulären Erkrankungen oder kardiovaskulären Risikofaktoren. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 16.11.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Neue orale Antikoagulanzien: Aktualisierung zum Informationsbrief vom 05.09.2013 zur Verringerung des Risikos von Blutungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Risikoinformationen. Stand 14.12.2016. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Ist Vorhofflimmern gefährlich?
Vorhofflimmern ist laut IQWiG in den allermeisten Fällen nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Auf Dauer erhöht es aber das Risiko für Schlaganfälle, laut DGK-Pocket-Leitlinie zur S3-Leitlinie etwa um das 4- bis 5-Fache, und es kann das Herz schwächen. Laut IQWiG gehören zur Behandlung neben der Linderung der Beschwerden der Schutz vor Schlaganfällen und die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck.
Welche Medikamente bekommt man bei Vorhofflimmern?
Zum Schutz vor Schlaganfällen kommen Gerinnungshemmer infrage: direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) wie Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban oder der Vitamin-K-Antagonist Phenprocoumon. Den Puls senken laut DGK-Pocket-Leitlinie zur S3-Leitlinie Betablocker, Calciumantagonisten wie Verapamil oder Digitalis-Präparate. Um den normalen Rhythmus wiederherzustellen oder zu erhalten, nennt die Leitlinie Antiarrhythmika wie Flecainid, Propafenon, Dronedaron oder Amiodaron. Welche Mittel infrage kommen, hängt von Begleiterkrankungen und dem persönlichen Risiko ab.
Muss ich bei Vorhofflimmern Blutverdünner nehmen?
Das hängt vom Schlaganfallrisiko ab, das mit dem CHA2DS2-VA-Score abgeschätzt wird. Laut DGK-Pocket-Leitlinie zur S3-Leitlinie soll ab 2 Punkten eine orale Antikoagulation empfohlen werden, bei 1 Punkt soll die Ärztin oder der Arzt das individuell prüfen; bei 0 Punkten sieht die Leitlinie keine Indikation. Die Entscheidung sollen Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam treffen und dabei auch das Blutungsrisiko berücksichtigen. ASS bietet laut IQWiG bei Vorhofflimmern keinen ausreichenden Schutz vor Schlaganfällen.
DOAK oder Marcumar: Was ist besser?
Laut DGK-Pocket-Leitlinie spricht die deutsche S3-Leitlinie keine Empfehlung für DOAK als erste Wahl aus. Ob ein DOAK oder Phenprocoumon (Marcumar) eingesetzt wird, überlässt sie den Behandelnden und den Betroffenen; entschieden werden soll unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, Lebensumständen und Anwendungsbeschränkungen. Bei Phenprocoumon muss der Gerinnungswert regelmäßig kontrolliert werden, bei DOAK nicht. Wer gut auf einen Vitamin-K-Antagonisten eingestellt ist, hat laut IQWiG keinen medizinischen Grund für einen Wechsel.
Kann Vorhofflimmern von allein wieder weggehen?
Ja, beim anfallsartigen (paroxysmalen) Vorhofflimmern normalisiert sich der Herzrhythmus laut IQWiG meist innerhalb von etwa 48 Stunden ohne Behandlung; es kann aber bis zu 7 Tage anhalten und wiederkehren. Vorhofflimmern ist laut DGK-Pocket-Leitlinie zur S3-Leitlinie eine fortschreitende Erkrankung: Aus kurzen Episoden kann mit der Zeit dauerhaftes Vorhofflimmern werden. Alle Formen des Vorhofflimmerns erhöhen laut IQWiG das Risiko für einen Schlaganfall.
Darf ich mit Vorhofflimmern Sport treiben und Alkohol trinken?
Gegen Sport spricht laut IQWiG medizinisch nichts; welche Sportart passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Besonders Menschen mit anfallsartigem Vorhofflimmern und Angst vor Bewegung soll laut DGK-Pocket-Leitlinie zur S3-Leitlinie ein strukturiertes Training, etwa in einer Herzsportgruppe, empfohlen werden. Zu Alkohol sollen Betroffene laut Leitlinie beraten werden; es soll empfohlen werden, die Grenzen des risikoarmen Alkoholkonsums nicht zu überschreiten. Unter Gerinnungshemmern kann Alkohol laut IQWiG zusätzlich das Blutungsrisiko erhöhen.
Wird Bisoprolol bei Vorhofflimmern eingesetzt?
Bisoprolol ist laut DGK-Pocket-Leitlinie zur S3-Leitlinie in Deutschland für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen nicht zugelassen, anders als in anderen europäischen Ländern. Internationale Leitlinien empfehlen es zur Pulssenkung, und aus Sicht der Leitlinienkommission erweist es sich dafür im klinischen Alltag als sehr nützlich. Zugelassen ist es laut Packungsbeilage für Bluthochdruck, Angina pectoris und Herzschwäche. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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