Ratgeber
Medikamente in der Schwangerschaft
Auch Schwangere müssen mit Arzneimitteln versorgt werden, denn unbehandelte Erkrankungen können laut Embryotox Mutter und Kind gefährden; ob ein Medikament infrage kommt, wird im Einzelfall nach Nutzen und Risiken abgewogen. Die Packungsbeilage bittet Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch, vor der Einnahme ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einzuholen, und das BIÖG rät, auch rezeptfreie Mittel nur nach ärztlicher Beratung zu nehmen. Das Beratungszentrum Embryotox der Charité bewertet mehr als 400 Arzneimittel und berät kostenlos. Medikamente gegen eine chronische Erkrankung sollten Sie laut BIÖG nicht eigenmächtig absetzen, sondern zuerst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen.

Auch Schwangere und Stillende müssen mit Arzneimitteln versorgt werden, denn unbehandelte Erkrankungen können sowohl die Mutter als auch das Kind gefährden [2]. Ob ein Medikament infrage kommt, entscheidet laut Embryotox eine individuelle Abwägung: Die möglichen Folgen der Erkrankung werden gegen die möglichen Risiken des Arzneimittels abgewogen, für die Schwangere und für das werdende Kind [2]. Schwangere sollten Medikamente laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) grundsätzlich nur nach Beratung mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt einnehmen. Das gilt auch für rezeptfreie Mittel und für Medikamente, die sie wegen einer chronischen Erkrankung schon länger nehmen [9].
Hinweise je Wirkstoff geben die Packungsbeilage und das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité (Embryotox). Embryotox informiert derzeit zu mehr als 400 Arzneimitteln und berät auch individuell und kostenlos [1].
Warum Medikamente in der Schwangerschaft besonders abgewogen werden
Nimmt eine Schwangere Medikamente ein, können Wirkstoffe aus ihrem Blut in den noch unfertigen Organismus des Kindes gelangen und unter Umständen dessen Entwicklung beeinträchtigen. Arzneimittel können sich auch auf den Geburtsverlauf oder die Milchbildung auswirken [9]. Aus ethischen Gründen sind Medikamentenstudien mit Schwangeren nur in seltenen Fällen möglich; besonders bei neu auf den Markt gekommenen Medikamenten lassen sich die Folgen für die Schwangerschaft und das Ungeborene deshalb kaum sicher beurteilen [9].
Laut Embryotox sind sehr viele Arzneimittel unzureichend in der Schwangerschaft untersucht. Dass heute unerkannt Arzneimittel im Umlauf sind, die so stark schädigen wie Contergan (Thalidomid), ist nach Einschätzung von Embryotox aber nicht zu befürchten [2]. Belastbare Erkenntnisse zum Risiko für angeborene Fehlbildungen stammen größtenteils aus methodisch hochwertigen Beobachtungsstudien; Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich in der Regel nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen [2]. Auch Embryotox dokumentiert die Verläufe der Schwangerschaften, bei denen es berät, und wertet sie aus [2].
Das Basisrisiko: Etwa 3 bis 5 von 100 Kindern haben bei der Geburt relevante Fehlbildungen oder Störungen, die überwiegend nichts mit einer Medikamenteneinnahme der Mutter zu tun haben. Etwa 15 Prozent aller festgestellten Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt [2]. Dieses Basisrisiko gilt auch für Schwangere, die keine Medikamente nehmen. Eine Fehlbildung oder Fehlgeburt nach einer Behandlung muss nicht ursächlich mit dem Arzneistoff zusammenhängen [2].
Eine hundertprozentige Sicherheit, bei der Risiken von vornherein ausgeschlossen sind, ist laut Embryotox für eine wirksame Arzneimitteltherapie kaum zu erwarten, weder in der Schwangerschaft noch in anderen Lebensphasen. Grundvoraussetzung ist deshalb ein eindeutiger Grund für die Behandlung [2]. Auch der Zeitpunkt kann zählen: Ibuprofen nehmen Sie laut Packungsbeilage in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft nicht ein [16], Ramipril dürfen Sie auf keinen Fall nach der 13. Schwangerschaftswoche anwenden [26].
Was die Packungsbeilage zur Schwangerschaft sagt
Nach § 11 Absatz 1 des Arzneimittelgesetzes muss die Packungsbeilage bei Gegenanzeigen, Vorsichtsmaßnahmen, Wechselwirkungen und Warnhinweisen auf die besondere Situation bestimmter Personengruppen eingehen, darunter Schwangere und stillende Frauen, soweit das nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse erforderlich ist [12]. Auch die Fachinformation für Fachleute muss Angaben zur Verwendung bei Schwangerschaft und Stillzeit enthalten [13].
In der Packungsbeilage stehen diese Angaben in Abschnitt 2 unter "Schwangerschaft und Stillzeit". In den Packungsbeilagen von Präparaten mit Ibuprofen, Omeprazol und Amoxicillin steht dort zum Beispiel derselbe Satz: Wenn Sie schwanger sind oder stillen, vermuten, schwanger zu sein, oder beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme Ihren Arzt oder Apotheker um Rat [16, 20, 22]. Zur Schwangerschaft sagen die Packungsbeilagen je eines Präparats mit Amoxicillin und mit Omeprazol nicht mehr als diesen Satz [20, 22]. Andere werden deutlicher. Die Formulierungen reichen von "falls erforderlich, kann ... eingenommen werden" bei Paracetamol [14] über "sollte bei Schwangeren vermieden werden" bei Cetirizin [18] bis "auf keinen Fall nach der 13. Schwangerschaftswoche anwenden" bei Ramipril [26].
Laut Embryotox vermitteln die Angaben auf Beipackzetteln, in der Fachinformation und in der Roten Liste häufig den Eindruck, dass die meisten Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden dürfen. Viele Ärztinnen, Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker betrachten diese Hinweise als rechtlich bindend [1]. Die Einschätzungen von Embryotox beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Daten und stimmen nicht immer mit Packungsbeilage und Fachinformation überein; Embryotox spricht dann von Off-label-Use [1]. Mehr dazu im Ratgeber Off-Label-Use. Ein Beispiel ist Cetirizin: Laut Packungsbeilage eines Präparats sollte es bei Schwangeren vermieden werden [18], Embryotox stuft es als Medikament der Wahl ein [19]. Ob und wie Sie ein Mittel anwenden, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Wie eine Packungsbeilage insgesamt aufgebaut ist, steht im Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Welche Medikamente betroffen sein können
Jede Angabe gilt nur für den Wirkstoff, bei dem sie steht; die Tabelle ist keine Liste erlaubter oder verbotener Mittel. Die Farben der Ampel erklärt der Abschnitt Embryotox.
| Wirkstoff | Was die Packungsbeilage sagt | Was Embryotox sagt | Mehr dazu |
|---|---|---|---|
| Paracetamol | Falls erforderlich, kann es in der Schwangerschaft eingenommen werden. Dabei sollten Sie die geringstmögliche Dosis für den kürzestmöglichen Zeitraum einnehmen und es nicht über längere Zeit, in hohen Dosen oder zusammen mit anderen Arzneimitteln einnehmen, da die Sicherheit dafür nicht belegt ist [14] | Ampel grün. Bei Schmerzen, die medikamentös behandelt werden müssen, in jeder Phase der Schwangerschaft ein Schmerzmittel der Wahl; es darf aber nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder über mehrere Wochen eingenommen werden [15]. Als besser geeignete Alternative nennt Embryotox im ersten und zweiten Drittel gegebenenfalls Ibuprofen, im letzten Drittel keine [15]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | Paracetamol in der Schwangerschaft |
| Ibuprofen | In den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft nicht einnehmen, da es das ungeborene Kind schädigen oder Probleme bei der Geburt verursachen könnte; in den ersten 6 Monaten sollte es nicht eingenommen werden, sofern es nicht absolut notwendig ist und die Ärztin oder der Arzt es empfiehlt. Ab der 20. Schwangerschaftswoche kann eine Einnahme über mehr als ein paar Tage beim Kind Nierenprobleme mit zu wenig Fruchtwasser oder die Verengung eines Blutgefäßes im Herzen verursachen [16] | Ampel grau. In den ersten zwei Dritteln neben Paracetamol ein Schmerzmittel der Wahl, das nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder über mehrere Wochen eingenommen werden sollte; ab der 28. Schwangerschaftswoche dürfen Ibuprofen und andere NSAR nicht angewendet werden [17] | Ibuprofen: Schwangerschaft |
| Cetirizin | Sollte bei Schwangeren vermieden werden. Eine versehentliche Einnahme sollte dem Kind nicht schaden; dennoch sollte es nur eingenommen werden, wenn es notwendig ist, und nach ärztlichem Rat [18] | Ampel grün; kann in allen Phasen der Schwangerschaft eingenommen werden [19] | Cetirizin: Schwangerschaft |
| Omeprazol | Nur der allgemeine Hinweis, vor der Einnahme Ärztin, Arzt oder Apotheke um Rat zu fragen [20] | Ampel grün; eines der Mittel der Wahl zur Behandlung einer Entzündung der Speiseröhre durch Magensäure (Refluxösophagitis) oder zur Vorbeugung einer Magenschleimhautentzündung in der Schwangerschaft [21] | Omeprazol in der Schwangerschaft |
| Amoxicillin | Nur der allgemeine Hinweis, vor der Einnahme Ärztin, Arzt oder Apotheke um Rat zu fragen [22] | Ampel grün; gehört zu den Antibiotika der Wahl in der Schwangerschaft [23] | Amoxicillin in der Schwangerschaft |
| Sumatriptan | Bisher nur begrenzte Informationen zur Sicherheit bei Schwangeren, aber kein Anhalt für ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko; ob Sie es einnehmen sollten, bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen [24] | Ampel grau. Zur Behandlung der akuten Migräneattacke während der gesamten Schwangerschaft akzeptabel; aus der Gruppe der Triptane das Mittel der Wahl [25]. Als besser geeignet nennt Embryotox Ibuprofen, das wegen des Risikos eines vorzeitigen Verschlusses eines Blutgefäßes am Herzen des Kindes (Ductus arteriosus) nur bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden darf, und bei individuell gegebener Wirksamkeit auch Paracetamol [25]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | Sumatriptan in der Schwangerschaft |
| Ramipril | Sollte in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft nicht angewendet werden und darf auf keinen Fall nach der 13. Schwangerschaftswoche angewendet werden, weil es dann das ungeborene Kind schwer schädigen kann. Wer unter der Einnahme schwanger wird, informiert sofort die Ärztin oder den Arzt; vor einer geplanten Schwangerschaft sollte ein Wechsel auf eine besser verträgliche Behandlung erwogen werden [26] | Ampel rot. ACE-Hemmer sind im zweiten und dritten Drittel kontraindiziert, insbesondere nach der 20. Schwangerschaftswoche, und sollten auch im ersten Drittel möglichst nicht eingesetzt werden [27]. Als besser geeignet nennt Embryotox, abhängig vom Anwendungsgebiet, bei Bluthochdruck ohne weitere Begleiterkrankungen zum Beispiel Metoprolol oder Alpha-Methyldopa, insbesondere im zweiten und dritten Drittel auch Nifedipin [27]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | Ramipril: Schwangerschaft |
| Valproinsäure | Kann beim ungeborenen Kind zu schwerwiegenden Schädigungen führen. Bei Epilepsie in der Schwangerschaft nicht anwenden, es sei denn, es stehen keine anderen wirksamen Alternativen zur Verfügung; bei bipolaren Störungen in der Schwangerschaft nicht anwenden. Die Einnahme nur beenden, wenn die Ärztin oder der Arzt dazu auffordert [28] | Ampel rot. Bei einer geplanten oder bestehenden Schwangerschaft darf Valproat nicht eingesetzt werden; einzige Ausnahme sind Patientinnen mit Epilepsie, für die keine geeigneten therapeutischen Alternativen zur Verfügung stehen [29]. Als besser geeignet nennt Embryotox bei Epilepsie Lamotrigin und Levetiracetam, bei bipolarer affektiver Störung Quetiapin, andere Neuroleptika und Lamotrigin, gegebenenfalls auch das schwach fruchtschädigende Lithium [29]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | Valproinsäure: Schwangerschaft |
| Isotretinoin | Schwangere dürfen es nicht einnehmen; es kann ein ungeborenes Kind schwer schädigen und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt, auch bei kurzer Einnahme. Frauen, die schwanger werden können, müssen die Vorsichtsmaßnahmen eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms befolgen. Wer unter der Einnahme schwanger wird, muss das Mittel sofort absetzen und die Ärztin oder den Arzt verständigen [30] | Ampel rot. Die Einnahme ist in der gesamten Schwangerschaft absolut kontraindiziert; auch die örtliche Anwendung von Retinoiden ist in der Schwangerschaft kontraindiziert [31]. Als besser geeignet nennt Embryotox Antiseptika und Antibiotika wie Erythromycin [31]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | Isotretinoin: Schwangerschaft |
Die Tabelle ist eine Auswahl. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Was Packungsbeilage, Fachinformation und Embryotox im Einzelnen sagen, steht auf eigenen Seiten zu Aciclovir, Amoxicillin, Butylscopolamin, Eisen(II)-sulfat, Enoxaparin, Folsäure, Fosfomycin, Melatonin, Omeprazol, Pantoprazol, Paracetamol, Prednisolon, Progesteron und Sumatriptan. Zur Übelkeit in der Schwangerschaft gibt es die Seite Schwangerschaftsübelkeit. Was Fachinformation, Ständige Impfkommission (STIKO) und Embryotox zu Impfungen in Schwangerschaft und Stillzeit sagen, steht auf den Seiten zu den Impfungen gegen Grippe, HPV, Keuchhusten, Masern, Mumps und Röteln, RSV und Tetanus.
Embryotox: was die Einstufungen bedeuten
Embryotox ist ein mit öffentlichen Geldern gefördertes Institut der Charité Universitätsmedizin Berlin und bietet seit 1988 unabhängige Informationen zur Verträglichkeit von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit an [1]. Die Wirkstoffseiten beantworten zwei Fragen: Darf das Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden? Und was ist zu beachten, wenn die Behandlung bereits erfolgt ist [6]? Seiten zu häufigen Erkrankungen beschreiben, worin sich die Behandlung von Schwangeren von der Behandlung Nicht-Schwangerer unterscheidet [7].
Viele Wirkstoffseiten zeigen oben eine Ampel. Ihre Farbe bezieht sich auf eine Anwendung in der Schwangerschaft bei passendem Anwendungsgebiet und in therapeutischer Dosis [4]:
- Grün: Medikament der Wahl für das angegebene Anwendungsgebiet, bei dem umfangreiche Erfahrungen in der Schwangerschaft kein nennenswertes fruchtschädigendes Potenzial erkennen lassen. Auch Grün erfordert eine sorgfältige Prüfung, ob das Mittel nötig ist, und sollte nicht zu "unbedenklichem" Gebrauch verleiten; eine hundertprozentige Sicherheit gibt es laut Embryotox zu keinem Medikament [4].
- Grau: Mehr oder weniger umfangreiche Erfahrungen haben kein nennenswertes Risiko erkennen lassen. Die Erfahrungen können aber noch unzureichend oder die Studienergebnisse widersprüchlich sein; vor der Anwendung ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung unbedingt erforderlich [4].
- Rot: Medikament mit gesicherter fehlbildungsauslösender Wirkung (Teratogenität) und/oder gravierender Schädigung des ungeborenen Kindes (Fetotoxizität) [4].
Die Ampel ersetzt laut Embryotox niemals die ausführlicheren Informationen im Text und darf nicht die alleinige Entscheidungsgrundlage sein [4]. Dazu nennt Embryotox den Erfahrungsumfang. Er bezieht sich auf Schwangerschaften mit Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel: "sehr hoch" heißt mehr als 2.000 systematisch ausgewertete Schwangerschaften, "hoch" umfangreiche Erfahrungen oder mehr als 300, "mittel" 50 bis 300 und "gering" weniger als 50 oder größere Fallzahlen von zweifelhafter Qualität [5]. Unter "Besser geeignete Alternativen" nennt Embryotox gegebenenfalls andere Mittel, etwa bei Ramipril [27]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ohne fachlichen Hintergrund können die kurz gefassten Informationen laut Embryotox zu Fehldeutungen des Risikos führen; Laien dürfen sie deshalb nicht als Grundlage für eigenmächtige Entscheidungen verwenden und auch nicht als Grundlage für den Abbruch einer Schwangerschaft [2].
Kinderwunsch und ungeplante Schwangerschaft

Haben Sie eine chronische Erkrankung, sollten Sie laut BIÖG möglichst schon vor einer Schwangerschaft ärztlichen Rat einholen. Bei Kinderwunsch oder spätestens zu Beginn einer Schwangerschaft ist es wichtig, ärztlich prüfen zu lassen, ob sich Ihre Medikamente auf die Gesundheit des ungeborenen Kindes auswirken könnten [10]. Meistens lassen sie sich laut BIÖG durch andere Präparate ersetzen oder in der Dosis anpassen; solche Umstellungen sollten Sie aber nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vornehmen [10]. Auf keinen Fall sollten Sie die Medikamente eigenmächtig absetzen, denn auch in der Schwangerschaft trägt die Behandlung einer chronischen Erkrankung dazu bei, Schwangerschaftskomplikationen zu vermeiden [10]. Zur Einnahme von Folsäure wird allen Schwangeren geraten, möglichst schon vor Beginn der Schwangerschaft [10]. Mehr dazu: Folsäure in der Schwangerschaft.
Für einige stark fruchtschädigende Wirkstoffe gelten Schwangerschaftsverhütungsprogramme. Bei oralen Retinoiden wie Isotretinoin erinnerten die Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit einem Rote-Hand-Brief vom 02.05.2024 daran: Diese Mittel sind in der Schwangerschaft kontraindiziert und bei Frauen im gebärfähigen Alter ebenfalls, es sei denn, alle Bedingungen des Programms werden eingehalten [33]. Für Valproat informierten die Zulassungsinhaber mit einem Rote-Hand-Brief vom 09.11.2018 über neue Gegenanzeigen, verschärfte Warnhinweise und Maßnahmen gegen eine Einnahme in der Schwangerschaft, darunter eine Patientenkarte [32]. Ein weiterer Rote-Hand-Brief vom 19.02.2024 betrifft Männer: Eine Beobachtungsstudie weist auf ein erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern hin, deren Väter in den drei Monaten vor der Zeugung mit Valproat behandelt wurden; verschreibende Ärztinnen und Ärzte sollten männliche Patienten darüber informieren [35]. Für eine abschließende Risikobewertung reichen die bisherigen Daten laut Embryotox nicht aus [29].
Was zu tun ist, wenn Sie unter einer Behandlung schwanger werden, steht in der Packungsbeilage und ist je nach Mittel verschieden. Bei Valproat dürfen Sie die Einnahme nur beenden, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie dazu auffordert, und müssen unverzüglich einen Termin vereinbaren [28]. Bei Isotretinoin müssen Sie das Mittel dagegen sofort absetzen und Ihre Ärztin oder Ihren Arzt verständigen [30]. Bei Ramipril informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [26].
Haben Sie ein Medikament genommen, bevor Sie von der Schwangerschaft wussten, denken Sie an das Basisrisiko aus dem Abschnitt Hintergrund. Auf den Wirkstoffseiten von Embryotox steht unter "Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft", ob etwas zu beachten ist, bei Amoxicillin und Cetirizin etwa "Keine" [19, 23]. Für eine individuelle Einschätzung bietet Embryotox einen Fragebogen zur aktuellen Schwangerschaft an [3].
So gehen Sie vor
- Bilanz ziehen Schreiben Sie zu Beginn der Schwangerschaft auf, welche rezeptpflichtigen und welche frei verkäuflichen Medikamente Sie nehmen, und nehmen Sie pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel dazu [9]. Dabei hilft das Werkzeug Medikationsplan.
- Packungsbeilage lesen Die Angaben stehen in Abschnitt 2 unter "Schwangerschaft und Stillzeit". Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [16].
- Alle Behandelnden informieren Problematisch kann laut BIÖG sein, wenn verschiedene Ärztinnen und Ärzte Medikamente verschreiben, ohne voneinander zu wissen. Schwangere sollten die Einnahme jedes Medikaments mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen [9].
- Nicht auf eigene Faust absetzen Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Was gilt, wenn unter einer Behandlung eine Schwangerschaft eintritt, steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats [26, 28].
- Fragen vorbereiten Notieren Sie Ihre Fragen vor dem Termin, zum Beispiel mit dem Werkzeug Fragen für das Arztgespräch. Bei speziellen Fragen oder für die Abwägung im Einzelfall berät Embryotox individuell [2].
- Verdacht melden Einen vermuteten Zusammenhang zwischen einem Arzneimittel in der Schwangerschaft und Auffälligkeiten bei Schwangerschaft oder Kind können Sie Embryotox melden; es nimmt solche Berichte im Auftrag des BfArM entgegen und leitet sie nach ärztlicher Prüfung pseudonymisiert an BfArM oder Paul-Ehrlich-Institut weiter [8]. Weitere Wege: Nebenwirkung melden.
Wo Sie Rat bekommen
Embryotox: Die Beratung ist kostenlos und erfolgt telefonisch. Embryotox bittet, die Anfrage möglichst vorher über einen Online-Fragebogen zu schicken; es gibt Fragebögen zum Kinderwunsch, zur aktuellen und zu einer zurückliegenden Schwangerschaft [1, 3]. Wer den Fragebogen nicht ausfüllen kann, erreicht Embryotox unter +49 30 450 525 700; die Sprechzeiten stehen auf der Beratungsseite von Embryotox [3]. Embryotox berät zur Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht aber zu Kosmetika, Nahrungsergänzungsmitteln oder Gefahrstoffen am Arbeitsplatz oder zu Hause [3].
In der Stillzeit: Stillende Mütter kann Embryotox aus Kapazitätsgründen nicht beraten. Sie wenden sich an ihre Kinderärztin oder ihren Kinderarzt, ihre Frauenarztpraxis, Hebamme, Stillberaterin oder Apotheke [3]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Stillzeit.
Praxis, Apotheke, Hebamme: Die Packungsbeilage eines Paracetamol-Präparats nennt für Fragen vor der Einnahme Arzt, Apotheker oder Hebamme [14].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bei einer Blutung in der Schwangerschaft sollten Sie laut BIÖG immer Ihre Hebamme, Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt aufsuchen. Sofort in eine Geburtsklinik sollten Sie gehen, wenn die Blutung genauso stark ist wie bei Ihrer Menstruation oder stärker, wenn Sie gleichzeitig starke Schmerzen im Unterleib haben, wenn Ihnen schwindlig ist, Sie sich zittrig fühlen oder Ihnen schwarz vor Augen wird, oder wenn Fruchtwasser abgeht [11].
Wurde mehr Paracetamol eingenommen als empfohlen, rufen Sie laut Packungsbeilage die nächst erreichbare Ärztin oder den nächst erreichbaren Arzt zu Hilfe; Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe und Bauchschmerzen treten im Allgemeinen innerhalb von 24 Stunden auf [14]. In lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter 112, laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) zum Beispiel bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot, starken, nicht stillbaren Blutungen oder Vergiftungen [34]. Sind die Praxen geschlossen, handelt es sich um Beschwerden, mit denen Sie sonst eine Praxis aufsuchen würden, und kann die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [34].
Quellen
- Embryotox Embryotox: Startseite (Herzlich Willkommen; Hinweise für Eltern und Fachkreise). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 16.04.2026 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Hinweise (Beim Lesen der Internetplattform bitte unbedingt beachten; Basisrisiko; Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 04.04.2025 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Beratung. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 18.09.2026 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Glossar, Erläuterungen zur Ampel. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 14.11.2023 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Glossar, Erfahrungsumfang. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 21.06.2018 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Arzneimittel (Übersicht). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 15.07.2026 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Erkrankungen (Übersicht). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 14.11.2023 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: UAW-Meldung. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 14.11.2023 (letzte Änderung). abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Medikamente in der Schwangerschaft. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 24.01.2017. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Chronische Erkrankung und Schwangerschaft. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 07.10.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Beschwerden in der Schwangerschaft: Blutungen. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 11.06.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde § 11 Arzneimittelgesetz (AMG): Packungsbeilage. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand AMG zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 4 G v. 12.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 143). abgerufen am 18.10.2026
- Behörde § 11a Arzneimittelgesetz (AMG): Fachinformation. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand AMG zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 4 G v. 12.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 143). abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Paracetamol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Ibuprofen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cetirizin-ratiopharm bei Allergien 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Cetirizin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Omeprazol-ratiopharm NT 20 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Omeprazol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm 1000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Amoxicillin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sumatriptan-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Sumatriptan. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ramipril-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Ramipril. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Valproinsäure. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Isotretinoin-ratiopharm 20 mg Weichkapseln (gleichlautend 10 mg). ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Isotretinoin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Valproat: Neue Anwendungsbeschränkungen; Aktualisierung des Schwangerschaftsverhütungsprogramms. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel; veröffentlicht vom BfArM am 09.11.2018. Stand 09.11.2018. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu oralen Retinoiden (Acitretin, Alitretinoin und Isotretinoin): Erinnerung an die bestehenden Einschränkungen zur Verhinderung der Exposition während der Schwangerschaft. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem BfArM; veröffentlicht vom BfArM am 02.05.2024. Stand 02.05.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Valproat: Mögliches Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Väter mit Valproat behandelt wurden. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom BfArM am 19.02.2024. Stand 19.02.2024. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente darf ich in der Schwangerschaft nehmen?
Eine allgemeine Liste gibt es nicht. Laut Embryotox geht jeder Behandlung eine individuelle Abwägung voraus, bei der die Folgen der Erkrankung gegen mögliche Risiken des Arzneimittels für Mutter und Kind abgewogen werden. Was Packungsbeilage und Embryotox zu einzelnen Wirkstoffen sagen, zeigt die Tabelle auf dieser Seite. Fragen Sie vor jeder Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Darf ich in der Schwangerschaft Paracetamol oder Ibuprofen nehmen?
Paracetamol kann laut Packungsbeilage, falls erforderlich, in der Schwangerschaft eingenommen werden; Sie sollten dabei die geringstmögliche Dosis für den kürzestmöglichen Zeitraum einnehmen; Embryotox zählt es bei behandlungsbedürftigen Schmerzen in jeder Phase der Schwangerschaft zu den Schmerzmitteln der Wahl. Ibuprofen nehmen Sie laut Packungsbeilage in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft nicht ein; in den ersten 6 Monaten sollten Sie es nicht einnehmen, sofern es nicht absolut notwendig ist und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es empfiehlt. Einzelheiten stehen auf den Seiten der beiden Wirkstoffe.
Ich habe ein Medikament genommen, bevor ich von der Schwangerschaft wusste. Was nun?
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Auf den Wirkstoffseiten von Embryotox steht unter "Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft", ob etwas zu beachten ist, bei Amoxicillin und Cetirizin etwa "Keine". Wichtig für die Einordnung: Etwa 3 bis 5 von 100 Kindern haben laut Embryotox bei der Geburt relevante Fehlbildungen oder Störungen, überwiegend ohne Zusammenhang mit Medikamenten der Mutter. Für eine individuelle Einschätzung bietet Embryotox einen Fragebogen zur aktuellen Schwangerschaft an.
Warum steht im Beipackzettel so oft, dass ich das Mittel in der Schwangerschaft nicht nehmen soll?
Aus ethischen Gründen sind Medikamentenstudien mit Schwangeren laut BIÖG nur in seltenen Fällen möglich, deshalb ist für viele Mittel nicht genau bekannt, wie sie auf Ungeborene wirken. Laut Embryotox vermitteln die Angaben auf Beipackzetteln häufig den Eindruck, dass die meisten Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden dürfen. Die Einschätzungen von Embryotox beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Daten und stimmen nicht immer mit der Packungsbeilage überein.
Was bedeutet die Ampel bei Embryotox?
Grün steht für ein Medikament der Wahl für das angegebene Anwendungsgebiet, bei dem umfangreiche Erfahrungen kein nennenswertes fruchtschädigendes Potenzial erkennen lassen. Grau bedeutet, dass bisherige Erfahrungen kein nennenswertes Risiko gezeigt haben, die Daten aber unzureichend oder widersprüchlich sein können. Rot kennzeichnet Mittel mit gesicherter fehlbildungsauslösender Wirkung oder gravierender Schädigung des Ungeborenen. Die Ampel ersetzt laut Embryotox nie den ausführlichen Text.
Muss ich meine Dauermedikamente absetzen, wenn ich schwanger werden möchte?
Nein, nicht auf eigene Faust. Medikamente sollten Sie laut BIÖG auf keinen Fall eigenmächtig absetzen; lassen Sie bei Kinderwunsch oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft ärztlich prüfen, ob sie sich auf das ungeborene Kind auswirken könnten. Bei manchen Mitteln steht in der Packungsbeilage, dass vor einer geplanten Schwangerschaft ein Wechsel erwogen werden sollte, etwa bei Ramipril.
Berät Embryotox auch zu pflanzlichen Mitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln?
Embryotox berät zur Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht aber zu Kosmetika, Nahrungsergänzungsmitteln oder Gefahrstoffen. Das BIÖG rät, zu Beginn der Schwangerschaft alle Medikamente zu überprüfen und dabei auch pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel einzubeziehen. Besprechen Sie diese Liste mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ist die Beratung bei Embryotox kostenlos?
Ja. Embryotox berät telefonisch und bittet, die Anfrage möglichst vorher über einen Online-Fragebogen zu schicken; es gibt Fragebögen zum Kinderwunsch, zur aktuellen und zu einer zurückliegenden Schwangerschaft. Stillende Mütter kann Embryotox aus Kapazitätsgründen nicht beraten; sie wenden sich an Kinderärztin oder Kinderarzt, Frauenarztpraxis, Hebamme, Stillberatung oder Apotheke.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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