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Aciclovir in der Schwangerschaft

Aciclovir-Tabletten nehmen Sie in der Schwangerschaft laut Packungsbeilage nur ein, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es ausdrücklich für erforderlich hält; bei der rezeptfreien Lippenherpescreme sollte die Anwendung nach Abwägung des Nutzens und möglicher Risiken erfolgen. Das Beratungszentrum Embryotox der Charité gibt den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft mit "sehr hoch" an. Nach seiner Empfehlung darf Aciclovir bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft lokal und systemisch verwendet werden. Sind Sie unter der Einnahme schwanger geworden, gilt: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Frau Anfang dreißig mit welligem kastanienbraunem Haar im senfgelben Strickpullover schneidet mit ihrem Partner in einer hellen Küche Gemüse für das Abendessen
Bild: KI-generiert

Aciclovir-Tabletten nehmen Sie in der Schwangerschaft laut Packungsbeilage nur ein, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es ausdrücklich für erforderlich hält [1, 4, 5]. Für die rezeptfreie Lippenherpescreme sieht die Packungsbeilage vor, dass die Anwendung in der Schwangerschaft nach Abwägung des Nutzens und möglicher Risiken erfolgt [6]. Das Beratungszentrum Embryotox der Charité gibt den Erfahrungsumfang mit "sehr hoch" an. Bei entsprechender Indikation darf Aciclovir nach seiner Empfehlung in der gesamten Schwangerschaft lokal (örtlich) und systemisch (im ganzen Körper wirkend) verwendet werden [3].

Wie Aciclovir wirkt und welche Nebenwirkungen es hat, steht auf der Wirkstoffseite.

Was Packungsbeilage und Fachinformation sagen

Aciclovir gibt es als verschreibungspflichtige Tabletten, als Infusion in die Vene und als Creme gegen Lippenherpes, die in Packungen bis 2 g mit bis zu 100 mg Aciclovir von der Verschreibungspflicht ausgenommen ist [2, 3, 7, 8, 11].

Tabletten auf Rezept

Laut Packungsbeilagen der Tabletten mit 200, 400 und 800 mg gilt: Wenn Sie schwanger sind oder stillen, vermuten, schwanger zu sein, oder beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat. In der Schwangerschaft nehmen Sie die Tabletten nur ein, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es ausdrücklich für erforderlich hält [1, 4, 5].

Fachinformation: Aciclovir sollte in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken überwiegt. Seit der Markteinführung werden die Ergebnisse von Schwangerschaften, in denen Frauen Aciclovir in irgendeiner Form erhielten, in einem Schwangerschaftsregister dokumentiert. Es zeigt keine Erhöhung der Zahl von Geburtsschäden verglichen mit der Normalbevölkerung [2].

Tierversuche: In Standardtests rief Aciclovir bei Kaninchen, Ratten und Mäusen keine fruchtschädigenden Wirkungen und keine Fehlbildungen hervor. In einem Test an Ratten außerhalb dieser Standards traten Auffälligkeiten bei den Föten erst bei Dosen auf, die den Muttertieren schadeten; ihre Bedeutung für den Menschen ist laut Fachinformation unklar [2].

Infusion in die Vene

Als Infusion wird Aciclovir in der Regel bei Patientinnen und Patienten im Krankenhaus angewendet [11]. Laut Packungsbeilage des Infusionspräparats Aciclovir Hikma wird das Mittel immer von einer dafür qualifizierten Person verabreicht, nie von Ihnen selbst [12]. Als Anwendungsgebiete nennt die Fachinformation unter anderem schwere, erstmals auftretende Infektionen mit Genitalherpes und eine Gürtelrose mit voraussichtlich schwerem Verlauf [11].

Sind Sie schwanger oder stillen Sie, vermuten oder planen Sie eine Schwangerschaft, fragen Sie laut Packungsbeilage vor der Anwendung Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat [12]. Die Fachinformation empfiehlt die Anwendung in der Schwangerschaft nur, wenn der potenzielle Nutzen für die Patientin die Möglichkeit unbekannter Risiken überwiegt [11].

Lippenherpescreme ohne Rezept

Laut Packungsbeilage sollte die Anwendung in der Schwangerschaft nach Abwägung des Nutzens und möglicher Risiken erfolgen [6].

Laut Fachinformation sollte diese Abwägung sorgfältig erfolgen, auch wenn nach dem Auftragen nur sehr wenig Aciclovir im Körper verfügbar ist [7]. In einer Untersuchung mit 6 Personen war Aciclovir nach 4 Tagen großflächigen Auftragens auf dem Rücken im Blut nicht messbar; laut Fachinformation ist mit keiner Wirkung im ganzen Körper zu rechnen [7].

Aciclovir in Schwangerschaft und Stillzeit: die Angaben im Vergleich
QuelleSchwangerschaftStillzeit
Packungsbeilage, TablettenNur, wenn die Ärztin oder der Arzt es ausdrücklich für erforderlich hält [1, 4, 5]Während der Behandlung nicht stillen [1, 4, 5]
Fachinformation, TablettenNur, wenn der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken überwiegt [2]Während der Behandlung nicht stillen [2]
Fachinformation, InfusionNur empfohlen, wenn der potenzielle Nutzen die Möglichkeit unbekannter Risiken überwiegt [11]Vorsicht bei der Anwendung bei stillenden Frauen [11]
Packungsbeilage und Fachinformation, LippenherpescremeNach Abwägung des Nutzens und möglicher Risiken [6, 7]Menge, die das Kind über das Stillen aufnimmt, vernachlässigbar [6, 7]
EmbryotoxErfahrungsumfang sehr hoch; Ampelfarbe grün; bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft lokal und systemisch [3]Bei lokaler oder systemischer Behandlung kann uneingeschränkt weiter gestillt werden [3]

Einschätzung von Embryotox

Laut Embryotox geht Aciclovir über den Mutterkuchen (Plazenta) zum ungeborenen Kind über. Valaciclovir ist eine Vorstufe von Aciclovir (Prodrug), die nach dem Einnehmen besser aufgenommen wird; in einige der Studien gingen beide Wirkstoffe ein [3].

Erfahrungsumfang: Für die Schwangerschaft gibt Embryotox ihn mit "sehr hoch" an [3]. Das ist die höchste Stufe und bedeutet mehr als 2.000 systematisch ausgewertete Schwangerschaften. Die Angabe bezieht sich auf Schwangerschaften, in denen das Mittel im ersten Schwangerschaftsdrittel (1. Trimenon) angewendet wurde [14].

Erstes Schwangerschaftsdrittel: Wissenschaftlich dokumentiert sind laut Embryotox mehr als 2.500 Schwangerschaftsverläufe, in denen die Mutter im ersten Drittel Aciclovir oder Valaciclovir einnahm, davon mehr als 2.000 mit Aciclovir. In der Mehrheit der Studien wurde weder ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen insgesamt noch für bestimmte Fehlbildungen beobachtet. Kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko ergaben auch eine Registerstudie des Herstellers mit mehr als 500 lebend geborenen Kindern nach Anwendung von Aciclovir im ersten Drittel und eine dänische Registerstudie mit über 1.700 Kindern, deren Mütter Aciclovir oder Valaciclovir eingenommen hatten [3].

Eine rückblickende Fall-Kontroll-Studie berichtete über einen Zusammenhang zwischen einem Bauchwanddefekt beim Kind (Gastroschisis) und Mitteln gegen Viren in der Frühschwangerschaft, darunter Aciclovir und Valaciclovir. Ein erhöhtes Risiko zeigte sich aber auch bei Genitalherpes ohne Medikamente; einen ursächlichen Zusammenhang kann man daraus laut Embryotox nicht ableiten. In keiner Studie ergaben sich Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Zusammenfassend ist laut Embryotox nicht von einem relevant erhöhten Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten durch Aciclovir auszugehen [3].

Zweites und drittes Schwangerschaftsdrittel, Zeit um die Geburt: Die bisherigen Beobachtungen mit über 1.000 Schwangerschaften, in denen Aciclovir oder Valaciclovir angewendet wurde, sprechen laut Embryotox gegen ein Risiko, das ungeborene Kind zu schädigen (fetotoxisches Risiko) [3].

Empfehlung: Für die Planung einer Behandlung und für die Planung einer Schwangerschaft unter Behandlung schreibt Embryotox: Bei entsprechender Indikation darf Aciclovir in der gesamten Schwangerschaft lokal und systemisch verwendet werden. Unter "Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft" steht: keine [3].

Ampel: Für die Schwangerschaft kennzeichnet Embryotox Aciclovir grün mit dem Zusatz "Medikament der Wahl. Dennoch: sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung nötig." [3]. Grün steht nach der Erläuterung von Embryotox für ein Medikament der Wahl für das angegebene Anwendungsgebiet, bei dem umfangreiche Erfahrungen in der Schwangerschaft kein nennenswertes Potenzial erkennen lassen, Embryo oder Fötus zu schädigen. Auch die grüne Ampel erfordert danach eine sorgfältige Prüfung, ob das Mittel angezeigt ist; eine hundertprozentige Sicherheit gibt es bei keinem Medikament. Die Ampel ersetzt nie die ausführlicheren Informationen im Text [13].

Andere Mittel: Besser geeignete Alternativen nennt Embryotox auf seiner Seite zu Aciclovir nicht, dort steht "keine" [3]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Herpes und Gürtelrose in der Schwangerschaft

Für Säuglinge kann eine Herpesinfektion lebensbedrohlich sein. Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werden Herpesviren aber nur selten bei der Geburt übertragen; anstecken kann sich ein Säugling vor allem, wenn die Mutter bei der Geburt einen akuten Ausbruch von Genitalherpes hat. Hatte eine Frau schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft Genitalherpes, ist das Ansteckungsrisiko deutlich geringer: Ihr Immunsystem hat dann bereits Antikörper gebildet, die über die Plazenta auch das Kind erreichen [17].

Ein erster Ausbruch von Genitalherpes löst laut IQWiG meist starke Beschwerden aus und wird deshalb auch in der Schwangerschaft häufig mit Aciclovir behandelt. Wird der Ausbruch besonders heftig, kann das Mittel auch über einen Tropf in die Vene gegeben werden [17].

Für Frauen mit Genitalherpes beschreibt das IQWiG außerdem eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden Medikamenten ab der 36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt. In der Regel wird dafür Aciclovir eingesetzt, weil es damit die meisten Erfahrungen gibt; aus bisherigen Studien gibt es laut IQWiG keine Hinweise, dass es dem Säugling schadet [17]. Als Anwendungsgebiet nennen Fachinformation und Packungsbeilage der Tabletten die Vorbeugung bei Erwachsenen mit sehr häufig wiederkehrenden, schwer verlaufenden Herpes-simplex-Infektionen im Genitalbereich [2, 4]. Ob eine solche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Erkrankt eine Schwangere an Gürtelrose, besteht laut dem Gesundheitsportal gesund.bund.de keine Gefahr, dass sich das ungeborene Kind ansteckt [19]. Mehr zu den Erkrankungen: Genitalherpes, Lippenherpes und Gürtelrose.

Stillzeit

Frau Mitte dreißig mit kurzem dunkelblondem Haar im petrolblauen Pullover mit Rautenmuster spricht in einem hellen Raum mit einer Hebamme mit grauem Kurzhaarschnitt
Bild: KI-generiert

Tabletten: Nach der Anwendung von Aciclovir-haltigen Arzneimitteln wurde Aciclovir in der Muttermilch gefunden. Deshalb soll laut Packungsbeilage während der Behandlung mit den Tabletten nicht gestillt werden [1, 4, 5]. Die Fachinformation nennt Messwerte: Nach dem Einnehmen lagen die Aciclovir-Konzentrationen in der Muttermilch beim 0,6- bis 4,1-Fachen der jeweiligen Werte im Blut der Mutter [2].

Infusion: Laut Fachinformation von Aciclovir Hikma ist wegen dieser Messwerte Vorsicht geboten, wenn das Mittel bei stillenden Frauen angewendet wird [11].

Lippenherpescreme: Nach einer Anwendung im ganzen Körper geht Aciclovir in die Muttermilch über. Die Menge, die ein Kind nach Anwendung der Creme bei der Mutter durch das Stillen aufnimmt, ist laut Packungsbeilage und Fachinformation jedoch vernachlässigbar [6, 7].

Embryotox: Veröffentlichte Erfahrungen liegen zu 80 Mutter-Kind-Paaren vor; 4 davon betreffen eine Behandlung mit Aciclovir und 76 eine Behandlung mit Valaciclovir. Errechnet wurde laut Embryotox eine relative Dosis von höchstens 7,3 % nach einer Gabe in die Vene und von bis zu 1,09 % nach dem Einnehmen [3]. Gemeint ist der Anteil an der auf das Körpergewicht bezogenen Tagesdosis der Mutter, den ein voll gestillter Säugling pro Kilogramm Körpergewicht in 24 Stunden mit der Milch erhält [15]. Aciclovir war in geringen Mengen im Urin gestillter Kinder nachweisbar; Berichte über Nebenwirkungen bei gestillten Kindern gibt es laut Embryotox nicht. Zur Behandlung wird Aciclovir auch bei Neugeborenen eingesetzt [3].

Die Empfehlung von Embryotox lautet: Bei einer lokalen oder systemischen Behandlung mit Aciclovir kann uneingeschränkt weiter gestillt werden [3]. Zu den Tabletten sagen Packungsbeilage und Embryotox damit Unterschiedliches [1, 3]. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was für Sie gilt.

Stillende Mütter berät Embryotox aus Kapazitätsgründen nicht selbst und bittet sie, sich an Kinderärztin oder Kinderarzt, Gynäkologin oder Gynäkologen, Hebamme, Stillberaterin oder Apotheke zu wenden [16]. Neugeborene sind laut gesund.bund.de bis zur achten Lebenswoche besonders gefährdet: Menschen mit Lippenherpes sollten den Säugling nicht küssen, seinen Schnuller nicht in den Mund nehmen, sich regelmäßig die Hände waschen und verhindern, dass das Kind die Bläschen berührt [18]. Allgemeines erklärt der Ratgeber Medikamente in der Stillzeit.

Kinderwunsch und Fruchtbarkeit

Zur Fruchtbarkeit (Fertilität) verweist die Fachinformation der Tabletten auf Tierversuche: Weitgehend umkehrbare ungünstige Wirkungen auf die Spermienbildung traten bei Ratten und Hunden nur bei Dosen weit über dem üblichen Behandlungsbereich auf; bei Mäusen zeigten sich über 2 Generationen keinerlei Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit [2].

Die Fachinformation von Aciclovir Hikma ergänzt: Zum Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Frauen liegen beim Menschen keine Informationen vor. In einer Studie mit 20 Männern mit normaler Spermienzahl, die Aciclovir bis zu 6 Monate lang einnahmen, fanden sich keine klinisch bedeutsamen Auswirkungen auf Zahl, Beweglichkeit oder Form der Spermien [11].

Planen Sie eine Schwangerschaft, fragen Sie laut Packungsbeilage vor der Einnahme oder Anwendung Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [1, 6].

Was Sie tun können

Schwanger geworden unter Aciclovir: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Sagen Sie in der Praxis, dass Sie schwanger sind oder es vermuten, seit wann Sie Aciclovir anwenden und in welcher Form. Laut Embryotox ergeben sich nach einer Anwendung in der Schwangerschaft keine Konsequenzen [3].

Lippenherpescreme: Fragen Sie in Schwangerschaft und Stillzeit vor der Anwendung Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [6]. Die Creme darf laut Fachinformation nicht auf Schleimhäute aufgetragen werden, zum Beispiel in der Mundhöhle, am Auge oder in der Scheide [7]. Verschlechtern sich die Hauterscheinungen während der Behandlung oder sind die Bläschen spätestens nach 10 Tagen nicht verkrustet oder abgeheilt, brechen Sie die Behandlung laut Packungsbeilage ab und suchen eine Ärztin oder einen Arzt auf [6].

Genitalherpes: Sprechen Sie laut IQWiG mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt darüber, damit die Haut vor der Geburt auf Anzeichen eines Ausbruchs untersucht werden kann. Frühzeichen wie Kribbeln an den Geschlechtsorganen zum Zeitpunkt der Geburt teilen Sie der Ärztin oder dem Arzt mit [17].

Beratung durch Embryotox: Embryotox berät kostenlos und bittet bei einer konkreten Schwangerschaft um Einzelheiten einschließlich der verwendeten Medikamente [3]. Die Beratung erfolgt telefonisch; Embryotox bittet darum, die Anfrage nach Möglichkeit vorab über einen Online-Fragebogen zu schicken. Es gibt Fragebögen zum Kinderwunsch, zu einer aktuellen und zu einer zurückliegenden Schwangerschaft [16].

Fragen für das Gespräch in der Praxis:

  • Welche Infektion habe ich, und brauche ich in der Schwangerschaft eine Behandlung mit Aciclovir?
  • Reicht eine Creme, oder brauche ich Tabletten oder eine Infusion?
  • Wie lange dauert die Behandlung?
  • Ich habe Genitalherpes: Was bedeutet das für die Geburt?
  • Ich nehme weitere Arzneimittel: Passen sie zu Aciclovir?

Anwendung und Beschwerden notieren: Halten Sie im Nebenwirkungs-Tagebuch fest, seit wann Sie Aciclovir in welcher Form anwenden und wann Beschwerden auftreten. Das hilft in der Praxis und beim Fragebogen von Embryotox, der um möglichst genaue Angaben bittet [16]. Allgemeines erklärt der Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, auch bei Nebenwirkungen, die nicht in der Packungsbeilage stehen. Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [1, 6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Eigene Warnzeichen für Schwangere oder Stillende nennen Packungsbeilagen und Fachinformationen nicht [1, 2, 6]. Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion und bei Erscheinungen am Nervensystem dürfen Sie die Tabletten laut Packungsbeilage nicht mehr einnehmen und müssen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen [1]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Die einzelnen Zeichen und die Warnzeichen der Creme zeigt die Übersicht unten.

Nach der Geburt gilt laut IQWiG: Entwickelt das Neugeborene Anzeichen einer Herpesinfektion, zum Beispiel Fieber, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge, ist schnell ärztlicher Rat nötig [17]. Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Aciclovir-ratiopharm 800 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Aciclovir-ratiopharm Tabletten (200/400/800 mg). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Aciclovir. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Aciclovir-ratiopharm 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2020. abgerufen am 10.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Aciclovir-ratiopharm 400 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2020. abgerufen am 10.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Aciclovir-ratiopharm Lippenherpescreme 50 mg/g Creme. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation Aciclovir-ratiopharm Lippenherpescreme 50 mg/g Creme. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
  8. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Aciclovir. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 10.10.2026
  9. Fachinformation Fachinformation Aciclovir Hikma 250 mg/500 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung. Hikma Farmacêutica (Portugal), S.A.; Mitvertrieb Hikma Pharma GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 16.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Aciclovir Hikma 250 mg/500 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung. Hikma Farmacêutica (Portugal), S.A.; Mitvertrieb Hikma Pharma GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 16.10.2026
  11. Embryotox Embryotox: Glossar, Erläuterungen zur Ampel. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 14.11.2023 (letzte Änderung). abgerufen am 16.10.2026
  12. Embryotox Embryotox: Glossar, Erfahrungsumfang. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 21.06.2018 (letzte Änderung). abgerufen am 16.10.2026
  13. Embryotox Embryotox: Glossar, Relative Dosis. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 21.06.2018 (letzte Änderung). abgerufen am 16.10.2026
  14. Embryotox Embryotox: Beratung. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 18.09.2026 (letzte Änderung). abgerufen am 16.10.2026
  15. Genitalherpes in der Schwangerschaft. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 16.10.2026
  16. Behörde Lippenherpes: Ursachen, Folgen, Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 21.08.2025. abgerufen am 16.10.2026
  17. Behörde Gürtelrose (Herpes zoster): Symptome, Behandlung und Impfung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 18.07.2025. abgerufen am 16.10.2026

Häufige Fragen

Darf man Aciclovir in der Schwangerschaft nehmen?

Laut Packungsbeilage nehmen Sie Aciclovir-Tabletten in der Schwangerschaft nur ein, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es ausdrücklich für erforderlich hält; laut Fachinformation sollte Aciclovir nur angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken überwiegt. Ein Schwangerschaftsregister zeigt danach keine Erhöhung der Zahl von Geburtsschäden im Vergleich zur Normalbevölkerung. Das Beratungszentrum Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit "sehr hoch" an; bei entsprechender Indikation darf Aciclovir laut Embryotox in der gesamten Schwangerschaft lokal und systemisch verwendet werden. Ob eine Behandlung für Sie nötig ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Darf ich Aciclovir-Creme bei Lippenherpes in der Schwangerschaft verwenden?

Laut Packungsbeilage der rezeptfreien Lippenherpescreme sollte die Anwendung in der Schwangerschaft nach Abwägung des Nutzens und möglicher Risiken erfolgen; vorher fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat. Die Fachinformation sieht diese Abwägung vor, auch wenn nach dem Auftragen nur sehr wenig Aciclovir in den Körper gelangt. Embryotox schreibt, dass Aciclovir bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft lokal verwendet werden darf.

Wird Aciclovir bei Gürtelrose in der Schwangerschaft eingesetzt?

Die Tabletten mit 400 und 800 mg sind laut Fachinformation unter anderem zur Behandlung der Gürtelrose (Herpes zoster) zugelassen, die Infusion unter anderem bei einer Gürtelrose mit voraussichtlich schwerem Verlauf. Erkrankt eine Schwangere an Gürtelrose, besteht laut gesund.bund.de keine Gefahr, dass sich das ungeborene Kind ansteckt. Ob und wie Sie behandelt werden, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Wird Aciclovir bei Genitalherpes in der Schwangerschaft eingesetzt?

Laut IQWiG wird ein erster Ausbruch von Genitalherpes auch in der Schwangerschaft häufig mit Aciclovir behandelt; wird der Ausbruch besonders heftig, kann das Mittel auch über einen Tropf in die Vene gegeben werden. Für Frauen mit Genitalherpes beschreibt das IQWiG außerdem eine vorbeugende Behandlung ab der 36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt; in der Regel wird dafür Aciclovir eingesetzt, weil es damit die meisten Erfahrungen gibt. Als Anwendungsgebiet nennen Fachinformation und Packungsbeilage der Tabletten die Vorbeugung bei sehr häufig wiederkehrenden, schwer verlaufenden Herpes-simplex-Infektionen im Genitalbereich. Ob eine solche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Aciclovir in der Schwangerschaft?

Eine eigene Dosierung für Schwangere nennen Packungsbeilagen und Fachinformationen nicht. Die Dosis der Tabletten und der Infusion legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie hängt unter anderem von der Erkrankung und der Nierenfunktion ab. Die allgemeinen Angaben der Packungsbeilagen stehen auf der Seite Aciclovir im Abschnitt zur Dosierung.

Ich habe Aciclovir genommen und bin schwanger. Was nun?

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Sagen Sie in der Praxis, dass Sie schwanger sind, seit wann Sie Aciclovir anwenden und in welcher Form. Unter "Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft" steht bei Embryotox: keine. Embryotox berät außerdem kostenlos; die Anfrage können Sie über einen Online-Fragebogen für eine aktuelle Schwangerschaft schicken.

Darf ich Aciclovir in der Stillzeit nehmen?

Während der Behandlung mit Aciclovir-Tabletten soll laut Packungsbeilage nicht gestillt werden, weil Aciclovir in der Muttermilch gefunden wurde. Bei der Lippenherpescreme ist die Menge, die ein Kind durch das Stillen aufnimmt, laut Packungsbeilage vernachlässigbar. Embryotox schreibt, dass bei einer lokalen oder systemischen Behandlung mit Aciclovir uneingeschränkt weiter gestillt werden kann; Berichte über Nebenwirkungen bei gestillten Kindern gibt es danach nicht. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was für Sie gilt.

Was sagt Embryotox zu Aciclovir?

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft mit "sehr hoch" an. Dokumentiert sind mehr als 2.500 Schwangerschaftsverläufe mit Einnahme von Aciclovir oder Valaciclovir im ersten Drittel, davon mehr als 2.000 mit Aciclovir; zusammenfassend ist laut Embryotox nicht von einem relevant erhöhten Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten durch Aciclovir auszugehen. In der Ampel ist Aciclovir grün gekennzeichnet: Medikament der Wahl, dennoch ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung nötig.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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