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Genitalherpes
Genitalherpes ist eine sexuell übertragbare Infektion mit Herpes-simplex-Viren, die lebenslang im Körper bleiben; bis zu 90 von 100 Menschen, die sich angesteckt haben, bekommen laut IQWiG keine oder nur sehr unauffällige Symptome. Bei einem ersten Ausbruch ist es laut IQWiG üblich, virushemmende Tabletten mit Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir einzunehmen, die auch der Leitfaden der Deutschen STI-Gesellschaft als Standardtherapie nennt; Cremes oder Salben mit virushemmenden Wirkstoffen helfen bei Genitalherpes laut IQWiG nicht. Gehen Sie zur Ärztin oder zum Arzt, wenn Sie zum ersten Mal schmerzhafte Bläschen im Genitalbereich bemerken, denn die Behandlung eines Erstausbruchs sollte laut IQWiG in den ersten 3 Tagen beginnen.

Genitalherpes ist eine sexuell übertragbare Infektion mit Herpesviren, die oft unbemerkt bleibt: Bis zu 90 von 100 Menschen, die sich angesteckt haben, bekommen keine oder nur sehr unauffällige Symptome [1]. Kommt es zu einem Ausbruch, entsteht im Genitalbereich ein schmerzhafter Ausschlag mit Bläschen, der meist nach 1 bis 2 Wochen von allein abklingt [1]. Bei einem ersten Ausbruch ist es laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) üblich, virushemmende Tabletten einzunehmen; Cremes oder Salben mit virushemmenden Wirkstoffen helfen bei Genitalherpes nicht [1].
Was ist Genitalherpes?
Genitalherpes (Herpes genitalis) wird durch Herpes-simplex-Viren verursacht. Es gibt zwei Typen: Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) und Typ 2 (HSV-2). Für Genitalherpes ist vor allem das Typ-2-Virus verantwortlich, das Typ-1-Virus verursacht typischerweise Lippenherpes [1]. Nach der Ansteckung nisten sich die Viren in Nervenknoten (Ganglien) am unteren Ende der Wirbelsäule ein. Von dort können sie entlang der Nervenstränge in die Haut im Genitalbereich wandern und den Ausschlag auslösen [1]. Sie bleiben lebenslang im Körper [1, 6].
Genitalherpes gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten [1]. In Deutschland tragen schätzungsweise 10 bis 15 von 100 Menschen die Erreger im Körper. Ungefähr 10 bis 30 % von ihnen erkranken an Genitalherpes; Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer [1]. Mehr zu anderen sexuell übertragbaren Infektionen: Chlamydien, Tripper und Syphilis.
Symptome und Verlauf
Bei einem Ausbruch kann sich die Haut schmerzhaft entzünden und kleine Bläschen bilden. Sie treten in Grüppchen auf und können einreißen und nässen; beim Abheilen entstehen oft Krusten. Die Haut kann jucken und brennen, Frauen haben zudem häufig Schmerzen beim Wasserlassen [1]. Bei Männern sind typischerweise Penis, Vorhaut und Hodensack betroffen, bei Frauen die Schamlippen, die Scheide und der Gebärmutterhals. Die Bläschen können auch am Damm, im Analbereich, am Po oder an der Innenseite der Oberschenkel auftreten [1]. Bei manchen Menschen kündigt sich ein Ausbruch durch Kribbeln an den Geschlechtsteilen oder Schmerzen im Po, in den Hüften oder Beinen an [1].
Beim ersten Ausbruch sind die Beschwerden oft besonders stark. Dann können Fieber, Kopfschmerzen, allgemeine Erschöpfung und Muskelschmerzen dazukommen, oft auch geschwollene Lymphknoten in der Leiste [1]. Ohne Behandlung dauert es im Durchschnitt 20 Tage, bis ein erster Ausbruch abgeheilt ist; weitere Ausbrüche verlaufen milder und heilen im Schnitt innerhalb von 10 Tagen aus [1]. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann ein Ausbruch heftiger sein und länger dauern [1].
Wie oft Genitalherpes wieder ausbricht, hängt vom Virustyp ab. Innerhalb eines Jahres nach dem ersten Ausbruch treten laut IQWiG bei 20 bis 50 % der Menschen mit HSV-1 erneut Beschwerden auf, bei 70 bis 90 % der Menschen mit HSV-2. Beim Typ 2 haben Betroffene im ersten Jahr im Durchschnitt vier Folgeausbrüche [2]. Mit der Zeit werden die Ausbrüche bei den meisten Menschen seltener und schwächer [2].
Mögliche Folgen: Vor allem beim ersten Ausbruch und bei geschwächtem Immunsystem kann es zu Komplikationen kommen, etwa einer Infektion der Scheide mit Hefepilzen (Scheidenpilz), einer Blasenstörung mit Problemen beim Wasserlassen oder selten einer Entzündung der Hirnhaut [1]. Sehr selten kann eine Herpes-Infektion zu größeren Hautausschlägen am Körper führen oder die Augen betreffen [1]. Genitalherpes kann zudem ein Risikofaktor für eine HIV-Infektion sein, weil HI-Viren durch die offenen Stellen in der Haut leichter eindringen können [1].
Ansteckung und Auslöser
Genitalherpes wird vor allem durch Haut-zu-Haut-Kontakt beim Sex übertragen; deshalb kann sich jeder sexuell aktive Mensch anstecken [2]. Die Bläschen enthalten eine große Menge Viren. Auch gemeinsam genutzte Sexspielzeuge können die Viren übertragen [1]. Wer gerade einen Lippenherpes hat und beim Oralsex den Genitalbereich einer anderen Person mit dem Mund berührt, kann einen Genitalherpes durch Typ-1-Viren auslösen [1]. Außerhalb der Haut überlebt das Virus nicht lange; eine Ansteckung über Toiletten, Handtücher, Bettwäsche oder andere Gegenstände ist sehr unwahrscheinlich [1, 2].
Weil eine Infektion oft nicht zu sehen ist, können Menschen die Viren unwissentlich weitergeben. Häufig wechselnde Partnerinnen oder Partner und Sex ohne Kondom erhöhen das Risiko [1]. Wer das Virus schon länger im Körper trägt, ist weniger ansteckend als jemand, der sich gerade erst angesteckt hat [4]. Nach einer Ansteckung kann der erste Ausbruch nach einigen Tagen kommen, aber auch erst nach Wochen, Monaten oder Jahren [2].
Was einen erneuten Ausbruch auslöst, ist kaum erforscht. Es gibt Hinweise, dass dauerhafte psychische Belastungen Ausbrüche wahrscheinlicher machen könnten; als mögliche Auslöser gelten auch Sonnenlicht, Erkältungen, körperliche Anstrengung, raue oder enge Kleidung, Hautverletzungen und bei Frauen die Menstruation [1].
Test und Diagnose
Allein an Hauterscheinungen und Beschwerden lässt sich Genitalherpes oft nicht sicher erkennen. Er kann anderen Hautkrankheiten und sexuell übertragbaren Infektionen ähneln oder gemeinsam mit ihnen auftreten, etwa Pilzinfektionen, Chlamydien oder Schuppenflechte [1]. Um Genitalherpes festzustellen, nimmt die Ärztin oder der Arzt einen Abstrich von einer betroffenen Hautstelle, der im Labor auf Herpesviren untersucht wird; je nach Situation kann auch der Virustyp bestimmt werden [1]. Der Leitfaden der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) nennt dafür einen Erregernachweis per Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAAT) aus dem Abstrich, bei dem HSV-1 und HSV-2 unterschieden werden, und rät, weitere sexuell übertragbare Infektionen abzuklären [7].
Bei Menschen ohne Symptome kann ein Bluttest auf Herpes-Antikörper zeigen, ob eine Infektion besteht. Seit wann, verraten die Tests meist nicht. Hat jemand zum ersten Mal Genitalherpes und sind noch keine Antikörper nachweisbar, liegt die Ansteckung sehr wahrscheinlich noch nicht lange zurück [1].
Ohne Medikamente: Beschwerden lindern und andere schützen
Bei Schmerzen beim Wasserlassen empfinden es viele Frauen als lindernd, in einem Sitzbad zu urinieren. Auf Seifen und Badezusätze verzichtet man dabei besser, weil sie die Haut zusätzlich reizen können. Möglichst glatte Stoffe und locker sitzende Kleidung und Wäsche helfen ebenfalls, Reizungen zu vermeiden [5]. Herpesbläschen sollten nicht berührt werden, und regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife verhindert weitere Übertragungen, wenn doch einmal Bläschen berührt wurden [8].
Andere vor einer Ansteckung schützen: Sobald sich ein Ausbruch andeutet, ist es wichtig, auf Sex zu verzichten, denn während eines Ausbruchs ist das Ansteckungsrisiko am größten [2]. Laut gesund.bund.de sollte man dann vorübergehend auf Geschlechts- und Oralverkehr verzichten [6]. In der symptomfreien Zeit können Kondome, Femidome und Lecktücher (Dental Dams) das Risiko deutlich senken und schützen auch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen [2]. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht [2]: Kondome und Lecktücher schützen laut DSTIG-Leitfaden nicht vor Infektionen, die über unbedeckte Hautstellen übertragen werden können, etwa Herpes genitalis [7].
Behandlung mit Medikamenten

Gegen Genitalherpes werden virushemmende Mittel (Virostatika) als Tabletten eingesetzt. Laut IQWiG kommen die Wirkstoffe Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir infrage; sie sind ähnlich wirksam, meist wird Aciclovir eingesetzt, weil es damit die meisten Erfahrungen gibt [5]. Der STI-Leitfaden der DSTIG nennt dieselben drei Wirkstoffe als Standardtherapie, in schweren Fällen Aciclovir als Infusion in die Vene [7]. Der Leitfaden fasst laut eigenen Hinweisen Leitlinien der DSTIG und weitere Leitlinien zusammen und nennt teils Medikamente, die für die angegebene Anwendung nicht zugelassen sind [7].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Virushemmende Mittel (Virostatika), laut IQWiG bei Erstausbruch üblich, bei weiteren Ausbrüchen und zur Vorbeugung möglich [1, 5] | Aciclovir, Tabletten, laut Packungsbeilage zugelassen zur Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen der Haut und von Genitalherpes sowie zur Vorbeugung bei Erwachsenen mit sehr häufig wiederkehrenden, schwer verlaufenden Infektionen im Genitalbereich [9] | Wird erst in Zellen wirksam, die mit Herpesviren infiziert sind: Ein Enzym des Virus (Thymidinkinase) aktiviert es, körpereigene Enzyme machen daraus Aciclovir-Triphosphat. Dieses hemmt das Enzym, mit dem das Virus sein Erbgut kopiert (Virus-DNS-Polymerase), und führt zum Kettenabbruch bei der Virus-DNS [10] | Häufig: Hautausschlag, Juckreiz und erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Schwindel, Kopfschmerzen [9, 10] |
| Schmerzmittel (NSAR), laut IQWiG bei starken Schmerzen eine Möglichkeit [5] | Ibuprofen, rezeptfreie Tabletten, laut Packungsbeilage zur kurzzeitigen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen [14] | Hemmt die Bildung von Prostaglandinen; beim Menschen verringert Ibuprofen entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber [15] | Häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [14, 15] |
Häufig bedeutet laut Packungsbeilage bei 1 bis 10 von 100 Behandelten [9]. Jede Angabe gilt nur für den Wirkstoff, bei dem sie steht; mehr im Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Erster Ausbruch
Die Tabletten können laut IQWiG die Beschwerden mildern und einen ersten Ausbruch um einige Tage verkürzen [1]. Die Behandlung sollte in den ersten 3 Tagen beginnen, je früher, desto besser [5]. Laut Packungsbeilage von Aciclovir beträgt die Behandlungsdauer bei Herpes-simplex-Infektionen 5 Tage und kann abhängig von noch bestehenden Beschwerden verlängert werden [9]. Welche Tablettenmenge die Packungsbeilage angibt, steht auf der Wirkstoffseite unter Dosierung; die Dosis legt die Ärztin oder der Arzt fest.
Weitere Ausbrüche
Weitere Ausbrüche mit nur leichten Beschwerden müssen laut IQWiG nicht unbedingt behandelt werden; die Bläschen können von selbst abheilen [5]. Entscheidet man sich für eine Behandlung, ist es laut IQWiG wichtig, sie innerhalb der ersten 24 Stunden des Ausbruchs zu beginnen, am besten, sobald sich die ersten Symptome andeuten; bei späteren Ausbrüchen reicht eine kürzere Einnahme [5]. Auch die Packungsbeilage von Aciclovir sieht vor, bei wiederkehrenden Infektionen schon bei den ersten Anzeichen wie Juckreiz, Spannungsgefühl oder ersten Bläschen mit der Einnahme zu beginnen [9].
Vorbeugende Dauerbehandlung
Bei sehr häufigen oder besonders starken Ausbrüchen kann es laut IQWiG sinnvoll sein, virushemmende Mittel längerfristig einzunehmen, also auch in beschwerdefreien Phasen. Ziel ist, weitere Ausbrüche zu verhindern oder abzuschwächen; außerdem ist man dadurch weniger ansteckend [5]. Manche Fachleute empfehlen, die vorbeugende Behandlung einmal im Jahr zu unterbrechen, um zu prüfen, ob sie noch nötig ist [5]. Zugelassen ist Aciclovir zur Vorbeugung laut Packungsbeilage bei Erwachsenen mit sehr häufig wiederkehrenden, schwer verlaufenden Infektionen im Genitalbereich; bei gesunder körpereigener Abwehr richtet sich die Dauer nach Schwere und Häufigkeit der Erkrankungen und sollte 12 Monate nicht überschreiten [9]. Bei eingeschränkter Nierenfunktion oder stark verminderter Harnproduktion sollte es nicht zur Vorbeugung eingenommen werden [9].
Valaciclovir und Famciclovir
Valaciclovir ist laut Fachinformation der L-Valin-Ester von Aciclovir und wird im Körper rasch und fast vollständig zu Aciclovir umgewandelt [11]. Laut Fachinformation ist es zugelassen zur Behandlung von erstmaligem und wiederkehrendem Herpes genitalis bei immunkompetenten Erwachsenen und Jugendlichen und bei immungeschwächten Erwachsenen sowie zur Unterdrückung (Suppression) wiederkehrender Ausbrüche in denselben Gruppen; die Suppression sollte nach 6 bis 12 Monaten erneut beurteilt werden [11]. Famciclovir nennen IQWiG und DSTIG-Leitfaden als weiteren Wirkstoff [5, 7].
Cremes und Salben
Cremes oder Salben mit virushemmenden Wirkstoffen helfen bei Genitalherpes laut IQWiG nicht. Eine äußerliche Behandlung bringt keine Linderung, kann aber Resistenzen wahrscheinlicher machen; Fachleute raten davon ab [1, 5]. Der DSTIG-Leitfaden führt bei einem erneuten Ausbruch gegebenenfalls auch eine örtliche Behandlung mit Aciclovir oder Foscarnet-Natrium auf und vermerkt, dass sie insbesondere in der Schwangerschaft nicht ausreicht [7].
Schmerzmittel
Rezeptfreies Ibuprofen ist laut Packungsbeilage zur kurzzeitigen Behandlung gedacht. Ist die Einnahme bei Erwachsenen für mehr als 4 Tage nötig oder verschlimmern sich die Beschwerden, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden [14]. Nicht eingenommen werden darf es unter anderem im letzten Drittel der Schwangerschaft und bei bestehenden oder in der Vergangenheit wiederholt aufgetretenen Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren oder -blutungen [14]. Die Mengen laut Packungsbeilage stehen unter Ibuprofen: Dosierung; mehr im Ratgeber Schmerzmittel richtig anwenden.
Schwangerschaft und Stillzeit
Hat eine Schwangere Genitalherpes, ist es laut IQWiG wichtig, dass sie mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt darüber spricht; so kann die Haut vor der Geburt auf Anzeichen eines Ausbruchs untersucht werden. Wichtig ist auch, Frühsymptome wie Kribbeln an den Geschlechtsorganen zum Zeitpunkt der Geburt mitzuteilen [3]. Frauen, die sich vor oder im ersten Drittel der Schwangerschaft angesteckt haben, übertragen das Virus nur selten auf ihr Kind; in einer großen Studie kam es bei 1 von 100 Geburten zu einer Infektion des Säuglings [3]. Nach einer Erstansteckung im letzten Drittel kommt es bei schätzungsweise 30 bis 50 von 100 Geburten zu einer Übertragung; dann ist ein Kaiserschnitt üblich [3]. Dass sich ein Neugeborenes infiziert, passiert selten; dann besteht aber die Gefahr, dass die Infektion auf den ganzen Körper übergreift und lebensbedrohlich verläuft [1].
Ein Erstausbruch wird laut IQWiG auch in der Schwangerschaft häufig mit Aciclovir behandelt, bei einem besonders heftigen Ausbruch auch über einen Tropf; bei weiteren, milderen Ausbrüchen wird oft auf Medikamente verzichtet [3]. Das Risiko für einen Ausbruch zum Zeitpunkt der Geburt lässt sich laut IQWiG durch eine vorbeugende Behandlung senken; die Mittel werden dann ab der 36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt täglich eingenommen, in der Regel Aciclovir. Ob eine Frau das möchte, ist ihre persönliche Entscheidung [3]. Der DSTIG-Leitfaden nennt für diese Vorbeugung Aciclovir oder Valaciclovir [7]. Für diese Vorbeugung vor der Geburt ist Aciclovir nicht zugelassen: Laut Packungsbeilage ist die vorbeugende Behandlung auf Erwachsene mit sehr häufig wiederkehrenden, schwer verlaufenden Infektionen im Genitalbereich beschränkt [9]; mehr zum Thema im Ratgeber Off-Label-Use.
Aciclovir-Tabletten nehmen Sie laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nur ein, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es ausdrücklich für erforderlich hält; ein Schwangerschaftsregister zeigt keine Erhöhung der Zahl von Geburtsschäden im Vergleich zur Normalbevölkerung [9]. Valaciclovir sollte laut Fachinformation in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen der Behandlung die möglichen Risiken überwiegt, und in der Stillzeit nur mit Vorsicht und nur, wenn es klinisch angezeigt ist [11]. Aciclovir und Valaciclovir dürfen laut Embryotox, dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité, bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft verwendet werden; für Aciclovir ist der Erfahrungsumfang sehr hoch [12, 13]. Zum Stillen sagt die Packungsbeilage von Aciclovir, dass während der Behandlung nicht gestillt werden soll [9]; laut Embryotox kann unter Aciclovir und unter Valaciclovir uneingeschränkt weiter gestillt werden [12, 13]. Mehr unter Aciclovir in der Schwangerschaft und in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Aciclovir: Mehr zu den häufigen Nebenwirkungen aus der Tabelle steht auf den Seiten Hautausschlag, Juckreiz, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten, treten laut Packungsbeilage Fieber, Müdigkeit und Nesselsucht auf [9]. Sehr selten kommt es zu Erscheinungen am Nervensystem wie Unruhe, Verwirrtheit, Zittern, Wahnvorstellungen, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit, für gewöhnlich bei geschädigter Nierenfunktion oder anderen begünstigenden Erkrankungen. Dann dürfen Sie das Arzneimittel nicht mehr einnehmen und müssen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen [9]. Ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion haben laut Fachinformation ein erhöhtes Risiko für solche neurologischen Nebenwirkungen [10]. Sehr selten sind außerdem akutes Nierenversagen und Nierenschmerzen [9]; mehr unter Nierenschäden. Bei hohen Dosen oder eingeschränkter Nierenfunktion achten Sie laut Packungsbeilage darauf, ausreichend zu trinken [9].
Valaciclovir: Sehr häufig, also bei mindestens 1 von 10 Behandelten, sind laut Fachinformation Kopfschmerzen; häufig sind Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge einschließlich Lichtempfindlichkeitsreaktionen und Juckreiz [11]. Unter Valaciclovir wurde über eine Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS) berichtet, die lebensbedrohlich oder tödlich sein kann; die Häufigkeit ist nicht bekannt. Patientinnen und Patienten sollten bei der Verschreibung über die Anzeichen informiert werden [11]. Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen. Außerdem nennt die Fachinformation eine Nierenentzündung (tubulo-interstitielle Nephritis) mit unbekannter Häufigkeit; aufgenommen wurde sie nach einem europäischen Bewertungsverfahren, dessen Beschluss vom 15.09.2022 das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Bescheid vom 28.02.2023 umgesetzt hat [11, 16].
Allergische Reaktionen: Selten treten unter Aciclovir schwere allergische Reaktionen auf, mit plötzlichen Schwierigkeiten beim Atmen, Sprechen oder Schlucken, Atemnot, Schwäche, Blutdruckabfall oder Schwellungen von Lippen, Zunge, Gesicht und Hals. Dann dürfen Sie das Arzneimittel laut Packungsbeilage nicht mehr einnehmen. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe [9]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.
Ibuprofen: Die geringfügigen Blutverluste im Magen-Darm-Trakt können laut Packungsbeilage in Ausnahmefällen zu Blutarmut führen [14]. Mehr unter Magenbeschwerden durch Medikamente.
Haben Sie eine Nebenwirkung im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [9]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Genitalherpes
Zu wissen, dass man Genitalherpes hat, kann psychisch sehr belasten. Gerade wenn der erste Ausbruch in einer festen Partnerschaft auftritt, fällt es vielen schwer, darüber zu sprechen; andere fragen sich, ob die Partnerin oder der Partner sie angesteckt hat [1]. Es kann helfen, offen miteinander zu sprechen und sich gemeinsam zu informieren. Oft lässt sich gar nicht sicher sagen, wann und bei wem sich jemand angesteckt hat, denn das Virus kann schon Monate oder Jahre im Körper gewesen sein [1]. In einer festen Partnerschaft kann man besprechen, ob ein Bluttest auf Antikörper sinnvoll ist: Eine Partnerin oder ein Partner mit HSV-1 kann sich zum Beispiel noch mit HSV-2 anstecken [1].
Wer Genitalherpes hat und vorbeugend virushemmende Medikamente nimmt, steckt andere laut IQWiG wahrscheinlich etwas seltener an; die Mittel müssen dafür täglich und längerfristig eingenommen werden. Ob sie das Risiko zusätzlich senken, wenn ohnehin immer Kondome benutzt werden, ist unklar [4]. Telefonische und Online-Beratung zu sexuell übertragbaren Infektionen bietet das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf liebesleben.de an [1]. Für das Gespräch in der Praxis hilft die Liste Fragen für das Arztgespräch.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bemerken Sie zum ersten Mal schmerzhafte Bläschen im Genitalbereich, lassen Sie sich ärztlich untersuchen: Die Behandlung eines Erstausbruchs sollte laut IQWiG in den ersten 3 Tagen beginnen [5]. In der Schwangerschaft teilen Sie Frühzeichen eines Ausbruchs wie Kribbeln an den Geschlechtsorganen zum Zeitpunkt der Geburt der Ärztin oder dem Arzt mit [3]. Entwickelt ein Neugeborenes Anzeichen einer Herpes-Infektion wie Fieber, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge, ist laut IQWiG schnell ärztlicher Rat nötig [3]. Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion oder bei Verwirrtheit, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen unter Aciclovir holen Sie laut Packungsbeilage sofort ärztliche Hilfe [9]. Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot sowie akute und anhaltende Krampfanfälle sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112. Kann die Behandlung bei geschlossenen Praxen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [17].
Quellen
- Genitalherpes. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Antworten auf häufige Fragen zu Genitalherpes. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Genitalherpes in der Schwangerschaft. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Wie kann man vermeiden, jemanden mit Genitalherpes anzustecken?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Wie kann Genitalherpes behandelt werden? (Virushemmende Medikamente). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Genitalherpes. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 21.08.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Leitfaden STI-Therapie, -Diagnostik und -Prävention, 5. Auflage 2026/2027 (Abschnitte Hinweise zur Handhabung, Herpes genitalis, Empfehlungen zu medikamentöser Prävention und Barrieremethoden). Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG). Stand PDF-Fassung 10/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Herpes. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), liebesleben.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Aciclovir-ratiopharm 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2020. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Aciclovir-ratiopharm 200 mg / 400 mg / 800 mg Tabletten (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Valaciclovir - 1 A Pharma 500 mg / 1000 mg Filmtabletten. 1 A Pharma GmbH. Stand 12/2022. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Aciclovir. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Valaciclovir. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten (Version 11). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Umsetzung des einstimmigen Beschlusses der Koordinierungsgruppe EMA/CMDh/726546/2022 vom 15.09.2022 betreffend die Zulassungen für Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Valaciclovir (Bescheid vom 28.02.2023; Anlage 2: tubulo-interstitielle Nephritis). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 03.03.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Ist Genitalherpes heilbar?
Nach der Ansteckung bleiben die Herpesviren laut IQWiG lebenslang im Körper; wer einmal einen Ausbruch hatte, hat deshalb in der Regel immer wieder damit zu tun. Die Ausbrüche werden mit der Zeit aber schwächer und seltener. Virushemmende Tabletten können laut IQWiG die Beschwerden lindern und einen Ausbruch verkürzen. Die Viren verbleiben laut BIÖG aber auch nach der Behandlung im Körper und können immer wieder ausbrechen.
Welche Tabletten helfen gegen Genitalherpes?
Laut IQWiG kommen virushemmende Mittel mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir infrage. Die drei Mittel sind laut IQWiG ähnlich wirksam; meist wird Aciclovir eingesetzt, weil es damit die meisten Erfahrungen gibt. Aciclovir- und Valaciclovir-Tabletten sind laut Fachinformation verschreibungspflichtig. Wie viel die Packungsbeilage angibt, steht auf der Seite Aciclovir; Ihre Dosis legt die Ärztin oder der Arzt fest.
Hilft eine Creme gegen Genitalherpes?
Laut IQWiG nicht: Eine äußerliche Behandlung mit virushemmenden Cremes oder Salben bringt keine Linderung, kann aber Resistenzen wahrscheinlicher machen; Fachleute raten davon ab. Der Leitfaden der Deutschen STI-Gesellschaft führt bei einem erneuten Ausbruch gegebenenfalls auch eine örtliche Behandlung auf und vermerkt, dass sie insbesondere in der Schwangerschaft nicht ausreicht. Gegen starke Schmerzen nennt das IQWiG Schmerzmittel wie Ibuprofen.
Wann ist man mit Genitalherpes ansteckend?
Das Risiko, jemanden anzustecken, ist laut IQWiG während eines Ausbruchs am größten. Auch ohne Symptome lässt sich eine Übertragung nicht ausschließen, das Risiko ist aber deutlich geringer. Laut Fachinformation von Valaciclovir sollte Patientinnen und Patienten geraten werden, bei bestehenden Symptomen keinen Geschlechtsverkehr zu haben, selbst wenn die Behandlung schon begonnen hat; auch unter einer vorbeugenden Behandlung besteht weiterhin ein Risiko der Übertragung, deshalb wird zusätzlich Safer Sex empfohlen.
Schützen Kondome vor Genitalherpes?
Einen vollständigen Schutz gibt es nicht. In der symptomfreien Zeit können Kondome, Femidome und Lecktücher laut IQWiG das Ansteckungsrisiko deutlich senken und schützen auch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Der Leitfaden der Deutschen STI-Gesellschaft weist darauf hin, dass Kondome und Lecktücher nicht vor Infektionen schützen, die über unbedeckte Hautstellen übertragen werden können, etwa Herpes genitalis. Während eines Ausbruchs ist laut IQWiG wichtig, auf Sex zu verzichten.
Was bedeutet Genitalherpes in der Schwangerschaft?
Wer schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft mit dem Virus infiziert war, überträgt es laut IQWiG nur selten auf das Kind. Nach einer Erstansteckung im letzten Drittel der Schwangerschaft wird das Virus laut IQWiG bei schätzungsweise 30 bis 50 von 100 Geburten übertragen; dann ist ein Kaiserschnitt üblich. Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über den Genitalherpes und melden Sie Frühzeichen wie Kribbeln zum Zeitpunkt der Geburt. Aciclovir darf laut Embryotox bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft verwendet werden.
Sollte ich meiner Partnerin oder meinem Partner davon erzählen?
Laut IQWiG kann es helfen, offen miteinander über die Krankheit zu sprechen und sich gemeinsam zu informieren; oft lässt sich gar nicht sicher sagen, wann und bei wem sich jemand angesteckt hat, weil das Virus schon Monate oder Jahre im Körper gewesen sein kann. In einer festen Partnerschaft kann ein Bluttest auf Herpes-Antikörper zeigen, wer welche Virustypen im Körper trägt und ob ein Ansteckungsrisiko besteht.
Was hilft gegen die Schmerzen bei Genitalherpes?
Viele Frauen mit Schmerzen beim Wasserlassen empfinden es laut IQWiG als lindernd, in einem Sitzbad zu urinieren; auf Seifen und Badezusätze verzichtet man dabei besser. Glatte Stoffe und locker sitzende Kleidung reizen die Haut weniger. Bei starken Schmerzen nennt das IQWiG Schmerzmittel wie Ibuprofen. Rezeptfreies Ibuprofen ist laut Packungsbeilage zur kurzzeitigen Behandlung gedacht: Brauchen Erwachsene es länger als 4 Tage gegen Schmerzen, sollten sie ärztlichen Rat einholen; im letzten Drittel der Schwangerschaft darf es nicht eingenommen werden.
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