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HIV

HIV ist ein Virus, das bestimmte Abwehrzellen befällt und unbehandelt das Immunsystem so schwächt, dass schwere Erkrankungen auftreten können (Aids). Laut Deutsch-Österreichischer Leitlinie sollen alle Menschen mit HIV dauerhaft mit einer antiretroviralen Therapie behandelt werden (Starker Konsens), einer Kombination aus Wirkstoffen verschiedener Gruppen, etwa Integrasehemmern und Reverse-Transkriptase-Hemmern. Heilbar ist die Infektion bisher nicht; liegt die Viruslast unter wirksamer Therapie unter der Nachweisgrenze, ist HIV laut RKI praktisch nicht mehr übertragbar. Nach einem möglichen HIV-Kontakt ist laut RKI ein möglichst rascher Beginn einer Postexpositionsprophylaxe entscheidend; nach mehr als 72 Stunden ist sie in der Regel nicht mehr sinnvoll.

Mann Ende dreißig mit kurzem braunem Haar im senfgelben Pullover geht an einem sonnigen Herbsttag mit einem Freund entspannt an einem Flussufer entlang
Bild: KI-generiert

HIV ist ein Virus, das bestimmte Abwehrzellen befällt und unbehandelt das Immunsystem nach und nach schwächt [1, 2]. Heilbar ist die Infektion bisher nicht, aber gut behandelbar: Laut Deutsch-Österreichischer Leitlinie sollen alle Menschen mit HIV dauerhaft eine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten, eine Kombination aus mehreren HIV-Wirkstoffen [1, 3]. Wer wirksam behandelt wird, hat laut gesund.bund.de eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen ohne HIV und ist nicht ansteckend [2].

Was ist HIV?

HIV ist die englische Abkürzung für das menschliche Immunschwächevirus (Human Immunodeficiency Virus). Es infiziert Zellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind [2]. Das Virus schreibt sein Erbgut mit einem eigenen Enzym, der Reversen Transkriptase, um; ein zweites Virusenzym, die Integrase, baut es in das Erbgut der Zelle ein [1].

Treten wegen der geschwächten Abwehr bestimmte schwere Krankheiten auf, sprechen Ärztinnen und Ärzte von Aids, dem erworbenen Immunschwächesyndrom. Aids ist also nicht dasselbe wie HIV: Davon spricht man nur, wenn wegen einer unbehandelten HIV-Infektion andere schwere Krankheiten auftreten [2]. Nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) lebten im Jahr 2024 etwa 97.700 Menschen mit HIV in Deutschland [1].

Symptome und Verlauf

Sechs Tage bis sechs Wochen, meist zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung bekommt ein Teil der Betroffenen ein akutes Krankheitsbild, das dem Pfeifferschen Drüsenfieber ähnelt: Fieber, geschwollene Lymphknoten, ein leichter Hautausschlag am Rumpf, zum Teil Durchfall und schmerzhafte Schluckbeschwerden [1]. Diese Phase ist in der Regel auf ein bis zwei Wochen begrenzt und häufig so schwach ausgeprägt, dass keine ärztliche Abklärung erfolgt [1]. Weil die Beschwerden bei vielen Krankheiten vorkommen, wird HIV zu Beginn oft übersehen [2].

Danach folgt ein Stadium ohne oder mit wenigen Beschwerden, das Monate bis Jahre dauern kann. Möglich sind dann geschwollene Lymphknoten, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Verdauungsprobleme oder eine Gürtelrose [1]. Erst wenn sehr viele Abwehrzellen geschädigt sind, treten Krankheiten auf, die der Körper sonst abwehren würde, etwa Pilzinfektionen, Hauterkrankungen, Lungenentzündungen, Toxoplasmose, Zytomegalie und bestimmte Krebsformen [2]. Eine bedeutende Aids-definierende Erkrankung ist laut RKI auch die aktive Tuberkulose [1].

Übertragung und Risikofaktoren

HIV wird durch Blut und andere infektiöse Körperflüssigkeiten übertragen, im Wesentlichen Sperma, Scheidenflüssigkeit und den Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut. Der häufigste Übertragungsweg sind ungeschützte Sexualkontakte [1]. Gleichzeitig bestehende andere sexuell übertragbare Infektionen können laut RKI die Ansteckungsfähigkeit und die Empfänglichkeit deutlich steigern [1]; die Packungsbeilage eines HIV-Mittels nennt als Beispiele Syphilis und Gonorrhoe (Tripper) [7]. Ein Risiko besteht außerdem, wenn Spritzen oder anderes Injektionszubehör gemeinsam verwendet werden, und bei Stich- oder Schnittverletzungen mit verunreinigten Instrumenten [1]. Von der Mutter auf das Kind ist eine Übertragung kurz vor und vor allem während der Geburt möglich, danach durch Stillen [1].

Kein Infektionsrisiko sind Körperkontakte im Alltag, gemeinsames Geschirr und Besteck sowie die gemeinsame Benutzung von Toiletten und Bädern. HIV wird nicht über Speichel, Tränenflüssigkeit, Tröpfchen, Insektenstiche, Lebensmittel oder Trinkwasser übertragen [1]. Das Risiko hat laut gesund.bund.de an sich nichts mit Geschlecht oder sexueller Orientierung zu tun; entscheidend ist das persönliche Sexualleben [2]. Die Ansteckungsfähigkeit hängt laut RKI mit der Höhe der Viruslast zusammen [1].

Diagnose: der HIV-Test

Laut Leitlinie sollte ein HIV-Test unter anderem jedem angeboten werden, der sich einen Test wünscht oder bei dem die Beratung ein HIV-Risiko ergibt (Starker Konsens) [3]. Labortests weisen Antikörper und Bestandteile des Virus nach und liefern spätestens sechs Wochen nach einer Risikosituation ein zuverlässiges Ergebnis; Schnelltests und Selbsttests für zu Hause sind erst nach zwölf Wochen zuverlässig [2, 3]. Ein positiver Schnell- oder Selbsttest muss durch einen weiteren Test bestätigt werden [2]. Anonym testen lassen kann man sich bei Gesundheitsämtern und Teststellen der Aidshilfen, häufig kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr; in Arztpraxen übernimmt die Krankenkasse die Kosten, wenn der Test medizinisch sinnvoll ist [2].

Bestätigt sich die Infektion, empfiehlt die Leitlinie weitere Untersuchungen, unter anderem den Immunstatus mit der Zahl der CD4-Zellen (Helferzellen), die Viruslast, einen Resistenztest sowie Tests auf Hepatitis und andere sexuell übertragbare Infektionen (Starker Konsens) [3]. Eine bestätigte HIV-Infektion wird in Deutschland ohne Namen direkt an das RKI gemeldet [1, 3]. Allen Schwangeren soll laut Leitlinie ein HIV-Test angeboten werden [3]; der Test ist für die Schwangere freiwillig, das Ergebnis wird nicht im Mutterschaftspass dokumentiert [1].

Was neben den Medikamenten wichtig ist

Die Betreuung findet laut gesund.bund.de in Praxen mit HIV-Schwerpunkt statt [2]. Laut Leitlinie sollte zwei bis vier Wochen nach Beginn der Therapie eine erste klinische und laborchemische Kontrolle erfolgen; danach wird routinemäßig ein Arztbesuch alle drei bis sechs Monate empfohlen (Starker Konsens) [3]. Beobachtet werden vor allem die Viruslast und die Zahl der CD4-Zellen, außerdem Laborwerte für Begleiterkrankungen, Stoffwechsel und mögliche Nebenwirkungen [3].

Zu den Folgeuntersuchungen zählt die Leitlinie auch Impfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), bevorzugt sobald die Zahl der CD4-Zellen über 200 pro Mikroliter liegt [3]. Fehlen Antikörper gegen Hepatitis A oder B, ist laut RKI eine Impfung angezeigt, die Indikation für eine Impfung gegen HPV ist zu prüfen [1]. Mehr dazu: Hepatitis-A-Impfung, Hepatitis-B-Impfung und HPV-Impfung. Wem die STIKO die Impfung gegen Pneumokokken empfiehlt, steht auf der Seite Pneumokokken-Impfung. Bei allen Menschen mit HIV sollten laut RKI mindestens jährlich Kontrolluntersuchungen auf Syphilis erfolgen [1].

Für psychosoziale Probleme nach der Diagnose gibt es laut RKI Peergruppen, psychosoziale Beratungsstellen und Hilfsangebote im Internet [1]; Online- und Telefonberatung bietet etwa das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf seiner Webseite Liebesleben an [2].

Behandlung mit Medikamenten

Laut S2k-Leitlinie der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (Version 10 vom 15.09.2025) sollen alle Menschen mit HIV unabhängig von Immunstatus und Viruslast dauerhaft antiretroviral behandelt werden (Starker Konsens) [3]. Die ART soll grundsätzlich so rasch wie möglich beginnen, das heißt binnen weniger Tage bis Wochen (Starker Konsens) [3]. Ziel ist laut Leitlinie eine Viruslast unter 50 Kopien pro Milliliter, um unter anderem Immunschwäche und Fortschreiten der Krankheit sowie eine Übertragung auf andere zu verhindern (Starker Konsens) [3].

Behandelt wird immer mit einer Kombination, laut RKI in der Regel aus drei Wirkstoffen [1]. Welche Kombination passt, richtet sich laut Leitlinie unter anderem nach Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Einnahmemodus, Lebenssituation, Begleitinfektionen und Begleiterkrankungen; vor Beginn sollte ein Resistenztest zeigen, ob das Virus gegen bestimmte Mittel unempfindlich ist [3].

Frau Anfang vierzig mit schulterlangem blondem Haar in einer petrolfarbenen Bluse sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Ärztin mit dunklem Haar gegenüber, beide unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert
Wirkstoffgruppen der antiretroviralen Therapie nach der Deutsch-Österreichischen Leitlinie (Version 10, 2025), Nebenwirkungen laut EMA-Produktinformation
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Integrasehemmer (INSTI), Bestandteil der meisten allgemein empfohlenen Startkombinationen [3]Bictegravir (in fester Kombination mit Emtricitabin und Tenofoviralafenamid), Dolutegravir; für bestimmte Situationen Raltegravir [3] (alle ohne eigene Wirkstoffseite)Binden an das aktive Zentrum der Integrase und blockieren so den Einbau des Virus-Erbguts in das Erbgut der Zelle, einen wesentlichen Schritt der Virusvermehrung [4, 5]Dolutegravir, sehr häufig: Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall; häufig unter anderem Schlafstörungen, abnorme Träume, Depression, Angstzustände, Schwindel, Erbrechen, Blähungen, Bauchschmerzen, Hautausschlag, Juckreiz, Abgeschlagenheit, erhöhte Leberwerte, Gewichtszunahme [5]. Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid, häufig: Depression, abnorme Träume, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Durchfall, Übelkeit, Müdigkeit, Gewichtszunahme [4]
Nukleosidische und nukleotidische Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI), in allen empfohlenen Startkombinationen [3]Emtricitabin, Lamivudin, Tenofoviralafenamid, Tenofovirdisoproxil (alle ohne eigene Wirkstoffseite) [3]Werden von der Reversen Transkriptase des Virus in die neu gebildete Virus-DNA eingebaut und führen dort zum Kettenabbruch [4, 6]Emtricitabin/Tenofoviralafenamid, sehr häufig: Übelkeit; häufig: abnorme Träume, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen, Hautausschlag, Müdigkeit [6]. Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil, sehr häufig: Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Schwächegefühl; häufig unter anderem Verlust von Knochenmasse [7]
Nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI) [3]Doravirin (allgemein empfohlen, in fester Kombination mit Tenofovirdisoproxil und Lamivudin); für bestimmte Situationen Rilpivirin [3] (beide ohne eigene Wirkstoffseite)Doravirin hemmt die Virusvermehrung durch nicht-kompetitive Hemmung der Reversen Transkriptase [8]Doravirin, häufig: abnorme Träume, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit, Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen, Erbrechen, Ausschlag, Ermüdung, Anstieg des Leberwerts ALT [8]
Proteasehemmer (PI) mit Wirkverstärker, für bestimmte Situationen [3]Darunavir mit Cobicistat (in fester Kombination mit Emtricitabin und Tenofoviralafenamid, ohne eigene Wirkstoffseite) [3, 9]Darunavir hemmt die HIV-Protease, sodass keine reifen, ansteckenden Viruspartikel entstehen; Cobicistat hemmt den Abbau von Darunavir über das Enzym CYP3A und erhöht so dessen Spiegel [9]Darunavir/Cobicistat/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid, sehr häufig: Kopfschmerzen, Durchfall, Hautausschlag; häufig unter anderem Überempfindlichkeit, erhöhte Blutfette, Diabetes mellitus, abnorme Träume, Schwindelgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, erhöhte Leberwerte, Gelenk- und Muskelschmerzen, Müdigkeit [9]

Sehr häufig heißt bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10 Behandelten [5]. Die Angaben gelten jeweils für das genannte Präparat; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Mehr zu den Klassen: Häufigkeit übersetzen.

Welche Kombinationen die Leitlinie empfiehlt

Für den Therapiebeginn empfiehlt die Leitlinie allgemein diese Kombinationen; "empfohlen" bedeutet dort bevorzugte Kombination (Konsens) [3]:

  • Bictegravir mit Tenofoviralafenamid und Emtricitabin (eine Tablette),
  • Dolutegravir mit Lamivudin (eine Tablette); dafür muss eine Hepatitis-B-Infektion ausgeschlossen sein, und das Resistenztestergebnis sollte vorliegen,
  • Doravirin mit Tenofovirdisoproxil und Lamivudin (eine Tablette); auch hier sollte das Resistenztestergebnis vorliegen,
  • Dolutegravir mit Tenofoviralafenamid und Emtricitabin oder mit Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin (mehrere Tabletten).

Eintablettenregime sind laut Leitlinie generell zu bevorzugen; die Reihenfolge stellt keine Rangfolge dar [3]. Für bestimmte Situationen, die laut Leitlinie vom jeweiligen Regime abhängen (etwa ein Therapiebeginn in der Schwangerschaft, Wechselwirkungen mit einer Tuberkulose- oder Chemotherapie oder ein Risiko für Gewichtszunahme), empfiehlt sie außerdem Darunavir mit Cobicistat, Tenofoviralafenamid und Emtricitabin, Rilpivirin mit Tenofovir und Emtricitabin sowie Raltegravir mit Tenofovir und Emtricitabin (Starker Konsens) [3]. Rilpivirin kommt dabei nur bei einer Viruslast unter 100.000 Kopien pro Milliliter zu Beginn infrage [3]. Als "nicht empfohlen", also nur für begründete Einzelfälle, stuft die Leitlinie unter anderem Kombinationen mit Efavirenz ein, das wegen neuropsychiatrischer Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen wird (Starker Konsens) [3].

Depotspritze statt Tabletten

Seit 2021 sind laut RKI auch injizierbare HIV-Medikamente zugelassen [1]. Laut Fachinformation kommt die Depotspritze mit Cabotegravir (ohne eigene Wirkstoffseite) zusammen mit Rilpivirin für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit mindestens 35 kg infrage, deren Viruslast unter einer stabilen Therapie unter 50 Kopien pro Milliliter liegt und die weder eine Resistenz noch ein früheres Therapieversagen gegen NNRTI oder Integrasehemmer haben [13]. Um eine wirksame Therapie zu vereinfachen, kann die Depotkombination aus Cabotegravir und Rilpivirin laut Leitlinie bei vorbehandelten Menschen eingesetzt werden, wenn das Virus voll empfindlich ist (Starker Konsens); bei Resistenzen gegen NNRTI und Integrasehemmer soll sie vermieden werden [3].

Regelmäßig einnehmen, keine Pausen

Wird die ART nicht konsequent eingenommen, steigt laut RKI das Risiko, dass das Virus unempfindlich (resistent) wird. Solche Resistenzen beeinflussen fast immer auch die Wirksamkeit späterer Therapien und können mit dem Virus an andere weitergegeben werden [1]. Eine Therapieunterbrechung soll laut Leitlinie vermieden werden (Starker Konsens): In Pausen ist mit einer raschen Verschlechterung von Immunsystem und Gesundheitszustand zu rechnen, und das Risiko einer Übertragung steigt [3]. Hilfe beim Erinnern bietet unser Werkzeug Einnahme-Erinnerung.

Wechselwirkungen

Bei jedem Beginn oder Wechsel einer ART und der übrigen Medikamente sollen laut Leitlinie Wechselwirkungen geprüft werden (Starker Konsens); dazu gehören auch Nahrungsergänzungsmittel, sogenannte alternative Therapien und Drogen [3]. Besonders zu beachten sind sie bei Kombinationen mit den Wirkverstärkern Ritonavir und Cobicistat; bei Rilpivirin ist die gleichzeitige Einnahme von Protonenpumpenhemmern zu vermeiden [3]. Die Packungsbeilage von Dolutegravir nennt unter anderem Mittel gegen Sodbrennen (Antazida), calcium-, eisen- oder magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Metformin, einige Epilepsiemittel wie Carbamazepin und Johanniskraut; informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über alle anderen Arzneimittel, die Sie einnehmen [5]. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.

PrEP: Medikamente zum Schutz vor einer Ansteckung

Bei der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) nehmen Menschen ohne HIV ein HIV-Medikament vorbeugend ein; in Deutschland ist dafür laut RKI die Kombination von Tenofovir und Emtricitabin zugelassen [1]. Laut Fachinformation wird Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil in Kombination mit Safer-Sex-Praktiken zur PrEP angewendet, um das Risiko einer sexuell erworbenen HIV-1-Infektion bei Erwachsenen und Jugendlichen mit hohem HIV-Risiko zu verringern [7]. Seit September 2019 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die PrEP und die Begleituntersuchungen bei Versicherten ab 16 Jahren mit einem substanziellen HIV-Infektionsrisiko [1].

Vor Beginn muss ein Test bestätigen, dass keine HIV-Infektion besteht [7]. Während der PrEP sollte der negative Befund laut Fachinformation regelmäßig, zum Beispiel mindestens alle drei Monate, mit einem Antigen-Antikörper-Test bestätigt werden [7]. Das Mittel allein ist keine vollständige HIV-Behandlung: Bei Menschen mit unerkannter HIV-Infektion, die nur dieses Mittel einnahmen, kam es zu Resistenzen [7]. Laut Packungsbeilage kann das Auslassen von Einnahmen das Ansteckungsrisiko erhöhen; außerdem sollen sich Menschen unter PrEP auf andere sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis und Gonorrhoe testen lassen [7].

PEP nach einem Risikokontakt

Nach einer gesicherten oder wahrscheinlichen HIV-Exposition, etwa nach Sex ohne Kondom mit Anhaltspunkten für ein erhöhtes Risiko, nach gemeinsamer Spritzenverwendung oder einer Verletzung im medizinischen Bereich, kann eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) die Wahrscheinlichkeit einer Infektion laut RKI deutlich verringern [1]. Entscheidend ist ein möglichst rascher Beginn, nach Möglichkeit innerhalb der ersten Stunden; sind mehr als 72 Stunden vergangen, ist der Beginn in der Regel nicht mehr sinnvoll [1]. Empfohlen wird eine Kombination aus drei Wirkstoffen, die vier Wochen lang eingenommen wird [1].

Schwangerschaft und Stillzeit

Eine Übertragung von der Mutter auf das Kind lässt sich laut RKI durch eine Kombination von Maßnahmen weitestgehend verhindern: eine ART in der Schwangerschaft, bei noch nachweisbarer Viruslast vor der Geburt eine vorbeugende Behandlung des Neugeborenen und der Verzicht auf das Stillen [1]. Zum Stillen empfiehlt die Fachinformation von Dolutegravir, dass Frauen mit HIV nicht stillen, um eine Übertragung von HIV auf das Kind zu vermeiden [5]. Laut RKI wird bei einer Viruslast der Mutter unter der Nachweisgrenze keine vorbeugende Behandlung des Kindes empfohlen, das Kind kann gestillt werden, und eine natürliche Geburt ist möglich [1]. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Behandlungsteam.

Ein Rote-Hand-Brief vom 04.06.2018 hatte nach Fällen von Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen empfohlen, Dolutegravir bei Frauen zu vermeiden, die aktiv versuchen, schwanger zu werden, solange dieses Sicherheitssignal ausgewertet wird [10]. Die Fachinformation wurde seitdem geändert: Heute steht dort, dass Dolutegravir in der Schwangerschaft angewendet werden kann, wenn es aus klinischer Sicht notwendig ist; große Beobachtungsstudien weisen nicht auf ein erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte hin [5]. Bei Darunavir mit Cobicistat steht der Hinweis eines Rote-Hand-Briefs vom 25.06.2018 auch in der aktuellen Fachinformation [11]: Die Behandlung in der Schwangerschaft führt zu niedrigen Darunavir-Spiegeln, was mit einem erhöhten Risiko für ein Therapieversagen und für eine Übertragung von HIV auf das Kind verbunden sein kann. Daher soll während der Schwangerschaft keine Behandlung damit begonnen werden, und bei Frauen, die während der Behandlung schwanger werden, soll ein Wechsel zu einem anderen Behandlungsregime erfolgen [9]. Laut Packungsbeilage von Dolutegravir sollen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt umgehend mitteilen, wenn Sie schwanger werden oder es beabsichtigen [5]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Medikamente

Mehr zu einzelnen Beschwerden: Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Schwindel und Schlafstörungen.

Gewicht und Stoffwechsel: Während einer antiretroviralen Therapie können eine Gewichtszunahme und ein Anstieg der Blutfett- und Blutzuckerwerte auftreten [4]. Bei Dolutegravir und bei Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid ist Gewichtszunahme als häufige Nebenwirkung aufgeführt [4, 5]. Mehr dazu: Gewichtszunahme, Blutfette und Blutzucker.

Psyche: Depression ist bei Dolutegravir und bei Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid als häufig aufgeführt. Gelegentlich kommen Suizidgedanken und Suizidversuche vor, vor allem bei Menschen mit einer Depression oder psychischen Erkrankung in der Vorgeschichte [4, 5]. Hilfsangebote stehen auf der Seite Depression, mehr zur Nebenwirkung unter Depression durch Medikamente.

Allergische Reaktionen: Unter Dolutegravir treten laut Packungsbeilage gelegentlich allergische Reaktionen auf, mit Hautausschlag, Fieber, Erschöpfung, Schwellungen manchmal im Gesicht oder Mund, die zu Atemnot führen können, sowie Muskel- oder Gelenkschmerzen; dann suchen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf [5]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.

Entzündungen nach Therapiebeginn: Bei Menschen mit schwerem Immundefekt kann sich zu Beginn einer ART eine Entzündungsreaktion auf bisher unbemerkte Infektionen entwickeln (Immun-Reaktivierungs-Syndrom). Auch Autoimmunerkrankungen wurden berichtet, teils erst mehrere Monate nach Behandlungsbeginn [4]. Bei Zeichen einer Entzündung oder Infektion wenden Sie sich laut Packungsbeilage unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt [7].

Nieren und Knochen: Unter Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil ist laut Packungsbeilage ein Verlust von Knochenmasse häufig; gelegentlich treten Muskelabbau, Muskelschmerzen oder Muskelschwäche auf, die durch Schäden an Zellen der Nierenkanälchen verursacht sein können [7]. Unter Tenofovirdisoproxil-haltigen Kombinationen sind Kontrollen der Nierenfunktion laut Leitlinie zwingend erforderlich [3]. Selten kommt es zu einem Überschuss an Milchsäure im Blut (Laktatazidose), einer möglicherweise lebensbedrohlichen Nebenwirkung; Anzeichen können tiefes, schnelles Atmen, Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sein [7]. Mehr dazu: Nierenschäden und Osteoporose.

Hepatitis B: Tenofovir, Emtricitabin und Lamivudin wirken auch gegen das Hepatitis-B-Virus. Besteht zusätzlich eine Hepatitis B, ist beim Absetzen dieser Wirkstoffe laut Leitlinie eine lebensbedrohliche Reaktivierung der Hepatitis B möglich [3]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu: Hepatitis B.

Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt über das nationale Meldesystem anzeigen [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit HIV

Mit einer behandelten HIV-Infektion kann man laut gesund.bund.de ähnlich wie mit vielen anderen chronischen Erkrankungen einen normalen Alltag haben. Menschen mit HIV sind nicht öfter krank und leisten genauso viel wie Menschen ohne HIV; weder im Beruf noch in der Freizeit muss man sich einschränken [2]. Dennoch werden sie laut gesund.bund.de oft diskriminiert oder abgelehnt [2].

Nicht nachweisbar heißt nicht übertragbar: Senkt eine erfolgreiche Therapie die Viruslast unter die Nachweisgrenze der Tests, ist die Ansteckungsfähigkeit laut RKI praktisch aufgehoben (n = n) [1]. Laut gesund.bund.de ist es fast unmöglich, andere anzustecken, wenn die Medikamente regelmäßig und mindestens ein halbes Jahr lang eingenommen werden und das Virus nicht mehr im Blut nachweisbar ist; regelmäßige Blutuntersuchungen kontrollieren die Wirksamkeit [2].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Nach einem möglichen HIV-Kontakt: Je früher die PEP beginnt, desto sicherer ist laut gesund.bund.de die Schutzwirkung; rund um die Uhr gibt es sie in bestimmten spezialisierten Krankenhäusern, tagsüber auch in HIV-Schwerpunktpraxen [2]. Nach mehr als 72 Stunden ist der Beginn laut RKI in der Regel nicht mehr sinnvoll [1].

Unter HIV-Medikamenten: Umgehend ärztliche Hilfe brauchen Sie bei Zeichen einer allergischen Reaktion wie Hautausschlag mit Fieber, Erschöpfung, Muskel- oder Gelenkschmerzen oder Schwellungen im Gesicht oder Mund [5], bei tiefem, schnellem Atmen mit Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen und bei Anzeichen einer Entzündung oder Infektion [7]. Bei schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit oder erheblicher Bewusstseinstrübung rufen Sie den Notruf 112 [12].

Quellen

  1. Behörde RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS (Abschnitte Erreger, Vorkommen, Infektionswege, Inkubationszeit, Dauer der Ansteckungsfähigkeit, Klinische Symptomatik, Diagnostik, Therapie, Präventive Maßnahmen, Maßnahmen für Menschen mit HIV, Umgang mit Kontaktpersonen, Meldepflicht). Robert Koch-Institut (RKI). Stand Stand 16.10.2026. abgerufen am 18.10.2026
  2. Behörde HIV und Aids. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die Deutsche STI-Gesellschaft). Stand 27.05.2025. abgerufen am 18.10.2026
  3. Leitlinie S2k-Leitlinie Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-1-Infektion, Version 10 (AWMF-Register-Nr. 055-001), Empfehlungen 1 bis 26 mit Kommentaren. Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG, federführend) und Österreichische AIDS-Gesellschaft (ÖAG) mit weiteren Fachgesellschaften. Stand 15.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
  4. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Biktarvy (Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Gilead Sciences Ireland UC (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, Dokument aktualisiert am 28.01.2026. abgerufen am 18.10.2026
  5. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Tivicay (Dolutegravir), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. ViiV Healthcare BV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, Dokument aktualisiert am 14.11.2025. abgerufen am 18.10.2026
  6. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Descovy (Emtricitabin/Tenofoviralafenamid), Anhang I: Fachinformation. Gilead Sciences Ireland UC (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, Dokument aktualisiert am 21.09.2023. abgerufen am 18.10.2026
  7. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Truvada (Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Gilead Sciences Ireland UC (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, Dokument aktualisiert am 29.02.2024. abgerufen am 18.10.2026
  8. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Pifeltro (Doravirin), Anhang I: Fachinformation. Merck Sharp & Dohme B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, Dokument aktualisiert am 11.12.2025. abgerufen am 18.10.2026
  9. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Symtuza (Darunavir/Cobicistat/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid), Anhang I: Fachinformation. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, Dokument aktualisiert am 16.09.2026. abgerufen am 18.10.2026
  10. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu dolutegravirhaltigen Arzneimitteln (Tivicay, Triumeq, Juluca): Neuralrohrdefekte bei Neugeborenen von Frauen, die zur Zeit der Konzeption Dolutegravir eingenommen haben. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 04.06.2018. abgerufen am 18.10.2026
  11. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Darunavir/Cobicistat: Erhöhtes Risiko für ein Therapieversagen und eine Mutter-Kind-Übertragung der HIV-Infektion. Janssen-Cilag GmbH; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 25.06.2018. abgerufen am 18.10.2026
  12. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  13. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Vocabria (Cabotegravir), Anhang I: Fachinformation (Abschnitte 4.1 und 4.2). ViiV Healthcare BV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, Dokument aktualisiert am 09.09.2025. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Ist HIV heilbar?

Nein, eine HIV-Infektion ist laut RKI bis heute nicht heilbar. Die antiretrovirale Therapie ist eine Dauertherapie: Sie unterdrückt die Vermehrung des Virus, kann es aber nicht vollständig aus dem Körper entfernen. Laut gesund.bund.de ist es in einzelnen Fällen gelungen, Menschen mit einer Stammzelltransplantation von HIV zu heilen; wegen der Risiken wird sie nur bei bestimmten Krebserkrankungen durchgeführt. Mit wirksamer Behandlung haben Menschen mit HIV eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen ohne HIV.

Wie wird HIV übertragen und wie nicht?

Laut RKI wird HIV durch Blut und andere infektiöse Körperflüssigkeiten übertragen, vor allem Sperma, Scheidenflüssigkeit und den Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut. Häufigster Weg sind ungeschützte Sexualkontakte, außerdem gemeinsam benutzte Spritzen und die Übertragung von der Mutter auf das Kind. Kein Risiko sind Alltagskontakte, gemeinsames Geschirr, Toiletten, Speichel, Tränen, Insektenstiche, Lebensmittel und Trinkwasser. Auch Küssen, Husten und Niesen sind laut gesund.bund.de nicht ansteckend.

Wann ist ein HIV-Test aussagekräftig?

Ein Labortest, der Antikörper und Bestandteile des Virus nachweist, liefert laut gesund.bund.de spätestens sechs Wochen nach einer Risikosituation ein zuverlässiges Ergebnis. Schnelltests und Selbsttests für zu Hause sind erst nach zwölf Wochen zuverlässig. Ein positiver Schnell- oder Selbsttest muss durch einen weiteren Test bestätigt werden. Anonym testen lassen kann man sich bei Gesundheitsämtern und Teststellen der Aidshilfen.

Welche Medikamente gibt es gegen HIV?

Behandelt wird mit einer Kombination antiretroviraler Wirkstoffe, laut RKI in der Regel aus drei Substanzen. Die Deutsch-Österreichische Leitlinie (Version 10, 2025) empfiehlt für den Beginn allgemein (Konsens) Kombinationen mit den Integrasehemmern Bictegravir oder Dolutegravir oder mit dem NNRTI Doravirin, jeweils zusammen mit nukleosidischen oder nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern wie Tenofovir, Emtricitabin oder Lamivudin. Für bestimmte Situationen kommen weitere Kombinationen hinzu, etwa mit Darunavir und Cobicistat. Seit 2021 gibt es laut RKI auch Depotspritzen; laut Fachinformation kommen sie für Menschen infrage, deren Viruslast unter einer stabilen Therapie bereits unter 50 Kopien pro Milliliter liegt und die keine Resistenz gegen NNRTI oder Integrasehemmer haben.

Welche Nebenwirkungen haben HIV-Medikamente?

Das hängt vom Wirkstoff ab. Sehr häufig sind laut Fachinformation von Dolutegravir Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall; häufig nennen die Fachinformationen der empfohlenen Mittel, je nach Mittel, unter anderem Schwindel, abnorme Träume, Schlafstörungen, Müdigkeit, Hautausschlag und Gewichtszunahme. Während einer antiretroviralen Therapie können außerdem Blutfett- und Blutzuckerwerte steigen. Unter Tenofovirdisoproxil sind laut Leitlinie Kontrollen der Nierenfunktion zwingend erforderlich.

Was ist die PrEP und wer bekommt sie?

Bei der Prä-Expositions-Prophylaxe nehmen Menschen ohne HIV ein HIV-Medikament vorbeugend ein; in Deutschland ist dafür laut RKI die Kombination von Tenofovir und Emtricitabin zugelassen. Seit September 2019 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die PrEP und die Begleituntersuchungen für Versicherte ab 16 Jahren mit einem substanziellen HIV-Risiko. Vor Beginn muss ein Test zeigen, dass keine HIV-Infektion besteht; laut Fachinformation sollte der negative Befund während der PrEP regelmäßig, zum Beispiel mindestens alle drei Monate, bestätigt werden.

Was tun nach einem möglichen HIV-Kontakt?

Eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) kann die Wahrscheinlichkeit einer Infektion laut RKI deutlich verringern. Entscheidend ist ein möglichst rascher Beginn, nach Möglichkeit innerhalb der ersten Stunden; sind mehr als 72 Stunden vergangen, ist sie in der Regel nicht mehr sinnvoll. Die PEP besteht laut RKI aus drei HIV-Wirkstoffen über vier Wochen. Rund um die Uhr gibt es sie laut gesund.bund.de in bestimmten spezialisierten Krankenhäusern, tagsüber auch in HIV-Schwerpunktpraxen.

Kann ich mit HIV Kinder bekommen?

Ja. Laut gesund.bund.de kann man auch mit HIV ohne Gefahr auf natürliche Weise Kinder bekommen, wenn die Infektion wirksam behandelt wird. Eine Übertragung auf das Kind lässt sich laut RKI durch eine antiretrovirale Therapie in der Schwangerschaft und weitere Maßnahmen weitestgehend verhindern. Welche HIV-Medikamente in der Schwangerschaft infrage kommen, klären Sie mit Ihrem Behandlungsteam. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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