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Tuberkulose
Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit durch Bakterien, die meist die Lunge befällt und von Menschen mit ansteckender Lungentuberkulose vor allem beim Husten über feinste Tröpfchen übertragen wird; nur ein Teil der Angesteckten erkrankt. Behandelt wird immer mit einer Kombination von Medikamenten: Laut S2k-Leitlinie soll die Therapie der medikamentensensiblen Tuberkulose acht Wochen lang mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol erfolgen, danach vier Monate mit Isoniazid und Rifampicin, insgesamt also sechs Monate (starke Empfehlung). Sehr häufige Nebenwirkungen sind laut Packungsbeilagen erhöhte Leberwerte bei Isoniazid und Rifampicin und eine Entzündung des Sehnervs bei Ethambutol, deshalb gehören regelmäßige Kontrollen dazu. Husten, der länger als drei Wochen anhält, sollte ärztlich abgeklärt werden, blutiger Auswurf sofort.

Tuberkulose (TB, Tbc) ist eine Infektionskrankheit durch Bakterien, die typischerweise die Lunge befällt, aber auch andere Organe betreffen kann [3]. In Deutschland werden laut Robert Koch-Institut (RKI) derzeit jährlich etwa 4.500 Tuberkulosefälle registriert (Stand 2023) [1]. Behandelt wird eine Tuberkulose immer mit einer Kombination mehrerer Medikamente, in der Regel sechs Monate lang [1, 2]. Rechtzeitig erkannt und richtig behandelt, verläuft sie laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in aller Regel ohne bleibende Folgen [4].
Was ist Tuberkulose?
Der häufigste Erreger ist das Bakterium Mycobacterium tuberculosis [1]. Nach einer Ansteckung gelingt es dem Körper meist, die Erreger zu beseitigen oder abzukapseln und die Infektion so dauerhaft einzugrenzen [1]. Überleben die Bakterien abgekapselt im Körper, liegt eine latente tuberkulöse Infektion (LTBI) vor: Betroffene haben keine Beschwerden und sind nicht ansteckend [1, 3]. Die Weltgesundheitsorganisation geht laut RKI davon aus, dass ein Viertel der Weltbevölkerung mit Tuberkuloseerregern infiziert ist [1].
Nur ein Teil der Infizierten erkrankt. Bei Jugendlichen und Erwachsenen mit intaktem Immunsystem liegt das Risiko, im Laufe des Lebens aus einer LTBI an Tuberkulose zu erkranken, laut RKI bei etwa 5 bis 10 Prozent; am höchsten ist es in den ersten beiden Jahren nach der Ansteckung [1]. Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem, vor allem mit unbehandelter HIV-Infektion, erkranken deutlich häufiger (20 bis 40 Prozent) und meist bald nach der Ansteckung [1]. Die Krankheit kann aber auch noch nach Jahrzehnten ausbrechen, besonders bei geschwächter Abwehr [1].
Symptome
Etwa 70 Prozent der Erkrankungen sind laut RKI Lungentuberkulosen. Ein Leitsymptom ist Husten mit oder ohne Auswurf, der in seltenen Fällen blutig sein kann; gelegentlich kommen Brustschmerzen und Atemnot dazu [1]. Hält ein Husten länger als drei Wochen an und bessert er sich trotz Behandlung nicht, sollte laut RKI immer an Tuberkulose gedacht werden [1].
Mögliche Allgemeinbeschwerden, die laut RKI nicht nur bei Tuberkulose vorkommen, sind [1]:
- ein eingeschränktes Allgemeinbefinden, Müdigkeit und allgemeine Schwäche,
- Appetitmangel und ungewollte Gewichtsabnahme,
- leichtes Fieber und vermehrtes Schwitzen, besonders nachts,
- Beschwerden wie bei einem grippalen Infekt, bei Kindern möglicherweise Gedeihstörungen.
Bei einem relevanten Teil der Erkrankten fehlen typische Beschwerden; junge Kinder haben in über der Hälfte der Fälle keine Beschwerden [1]. Die Bakterien können sich über Lymphe und Blut ausbreiten und prinzipiell jedes Organ befallen, etwa Lymphknoten, Rippenfell, Nieren und Harnwege, seltener Knochen, Gelenke, Verdauungsorgane oder das zentrale Nervensystem [1, 4]. Besonders gefürchtet, aber sehr selten sind die Miliartuberkulose mit Befall mehrerer Organe und die tuberkulöse Hirnhautentzündung; gefährdet sind vor allem Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit Abwehrschwäche [4]. Mehr zu anhaltendem Husten: Husten.
Ursachen, Ansteckung und Risikofaktoren
Angesteckt wird man fast immer durch das Einatmen feinster Tröpfchen (Aerosole), die Menschen mit ansteckender Lungentuberkulose vor allem beim Husten ausstoßen [1]. Tuberkulose ist laut BIÖG nicht hochansteckend [4]. In der Regel braucht es laut RKI einen mehrstündigen Kontakt in geschlossenen Räumen zu einer Person mit ansteckender Lungentuberkulose; wie leicht man sich ansteckt, hängt auch von der Menge der eingeatmeten Erreger und der eigenen Empfänglichkeit ab [1]. Von Tuberkulose außerhalb der Lunge geht bei sozialen Kontakten kein Ansteckungsrisiko aus [1]. Eine durchgemachte Tuberkulose schützt nicht vor einer erneuten Infektion [1].
Besonders gefährdet sind laut RKI Menschen mit engem und längerem Kontakt zu Erkrankten mit ansteckender Lungentuberkulose und Menschen mit einer früher nicht ausreichend behandelten Tuberkulose. Als weitere Risikofaktoren nennt das RKI HIV, Rauchen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Unterernährung, Diabetes mellitus sowie Lebensumstände wie Obdachlosigkeit, einen früheren Haftaufenthalt und Armut [1].
Medikamente als Ursache: Bei einer LTBI ist das Risiko, an Tuberkulose zu erkranken, laut RKI deutlich erhöht, wenn das Immunsystem relevant geschwächt ist, unter anderem durch Therapien, die die Abwehr unterdrücken, zum Beispiel mit Tumornekrosefaktor-alpha-Hemmern (TNF-alpha-Inhibitoren) [1]. Laut gesund.bund.de betrifft das etwa Menschen, die solche Medikamente wegen Rheuma oder nach einer Transplantation erhalten [3]. Auch Glucocorticoide wie Prednisolon können laut Packungsbeilage stumme Infektionen wie Tuberkulose wieder aktivieren; bei Tuberkulose in der Vorgeschichte wird Prednisolon nur zusammen mit Mitteln gegen Tuberkulose angewendet [13]. Mehr dazu: Infektanfälligkeit durch Medikamente.
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Lungentuberkulose spielt die Röntgenaufnahme der Lunge eine entscheidende Rolle [1]. Die Diagnose soll laut S2k-Leitlinie durch den Nachweis der Erreger gesichert werden, mit mikroskopischen, kulturellen und molekularbiologischen Verfahren (starke Empfehlung) [2]. Untersucht wird in der Regel abgehusteter oder abgesaugter Schleim aus der Lunge (Sputum) [3]; zur Erstdiagnose sollten drei Proben hoher Qualität, zum Beispiel Morgensputum, untersucht werden [1]. An den ersten nachgewiesenen Bakterien einer erkrankten Person muss laut RKI geprüft werden, ob sie gegen die Medikamente der Standardtherapie unempfindlich sind [1]. Weil das Ergebnis Folgen für die Behandlung hat, sollte laut RKI immer auch ein HIV-Test angeboten werden [1].
Ob sich der Körper mit Tuberkuloseerregern auseinandergesetzt hat, zeigen ein Bluttest (Interferon-Gamma-Test, IGRA) oder ein Hauttest (Tuberkulin-Hauttest). Beide reagieren erst sechs bis acht Wochen nach der Ansteckung und können nicht zwischen LTBI, Erkrankung und früherer Erkrankung unterscheiden; sie dienen vor allem dazu, eine LTBI festzustellen oder auszuschließen [1]. Bei geschwächtem Immunsystem können sie falsch negativ ausfallen [1].
Behandlung ohne Medikamente
Tuberkulose ist laut RKI immer eine behandlungsbedürftige Erkrankung, auch in der Schwangerschaft, und wird grundsätzlich mit Medikamenten behandelt [1]. Erkrankte mit ansteckender Lungentuberkulose werden oft zunächst im Krankenhaus isoliert, solange sie ansteckend sind; danach können sie in der Regel zu Hause weiterbehandelt werden [3]. Zum Schutz anderer stehen laut RKI eine räumliche Trennung, Hustenhygiene, gutes Lüften und ein geeigneter Atemschutz im Vordergrund, mit einem Mund-Nasen-Schutz für Erkrankte in Anwesenheit anderer [1].
Unterstützung: Laut RKI ist es wichtig, neben den medizinischen auch psychosoziale Aspekte zu berücksichtigen und einer Stigmatisierung entgegenzuwirken [1]. Kontakt zu Familie und Freunden ist laut gesund.bund.de in der Regel mit einem geeigneten Mund-Nasen-Schutz möglich [3]. Zur Sicherung des Behandlungserfolgs sollte laut S2k-Leitlinie immer eine direkt überwachte Einnahme der Medikamente (DOT) erwogen werden; ist sie nicht möglich oder nicht gewünscht, sollten andere Hilfen für eine zuverlässige Einnahme geprüft werden (Empfehlung) [2].
Behandlung mit Medikamenten

Tuberkulose wird immer mit mehreren Medikamenten gleichzeitig behandelt. So lassen sich ruhende und aktive Bakterien gleichzeitig bekämpfen [3]; außerdem dient die Kombination laut RKI dazu, die Auslese von Bakterien zu vermeiden, die gegen ein Medikament unempfindlich (resistent) sind [1]. Laut S2k-Leitlinie von 2022 soll die Therapie der medikamentensensiblen Tuberkulose acht Wochen mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol erfolgen, gefolgt von vier Monaten mit Isoniazid und Rifampicin; die Gesamtdauer beträgt sechs Monate (starke Empfehlung, starker Konsens) [2]. Die Medikamente sind laut gesund.bund.de Antibiotika [3].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Tuberkulosemittel (Antibiotika) der Standardtherapie, über die gesamten sechs Monate [1, 2] | Isoniazid (ohne eigene Wirkstoffseite) [5]; Rifampicin (ohne eigene Wirkstoffseite) [7] | Isoniazid hemmt vor allem die Bildung von Mykolsäuren, Fettsäuren, die nur in Mykobakterien vorkommen, und wirkt vor allem abtötend auf sich vermehrende Erreger [6]. Rifampicin bindet an die RNA-Polymerase der Bakterien und hemmt so deren Eiweißherstellung; es wirkt abtötend auf sich vermehrende Erreger [8] | Isoniazid, sehr häufig: Anstieg der Leberenzyme; häufig: Erkrankung der Nervenendigungen mit Missempfindungen, Sensibilitätsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Störungen wie Durchfall, Verstopfung, Aufstoßen, Völlegefühl und Erbrechen sowie Muskelzittern [5]. Rifampicin, sehr häufig: Anstieg bestimmter Leberenzyme; häufig: leichte Überempfindlichkeitsreaktionen wie Fieber, Hautrötungen mit Blasenbildung, Juckreiz und Nesselsucht, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall und eine paradoxe Reaktion mit erneuten oder neuen Tuberkulose-Beschwerden [7] |
| Tuberkulosemittel (Antibiotika) der Standardtherapie, nur in den ersten acht Wochen [1, 2] | Pyrazinamid (ohne eigene Wirkstoffseite) [9]; Ethambutol (ohne eigene Wirkstoffseite) [11] | Pyrazinamid wirkt im sauren Milieu abtötend auf Tuberkulosebakterien, besonders auf langsam wachsende Erreger in den Zellen; wie genau, ist nicht bekannt [10]. Ethambutol hemmt höchstwahrscheinlich ein Enzym, das die Bakterien zum Aufbau ihrer Zellwand brauchen; je nach Konzentration hemmt es ihr Wachstum oder tötet sie ab [12] | Pyrazinamid, häufig: Anstieg der Harnsäure im Blut, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Sodbrennen, Krämpfe im Unterbauch, Gewichtsabnahme, Anstieg der Leberenzyme, Leberfunktionsstörungen und gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht [9]. Ethambutol, sehr häufig: dosisabhängige Entzündung des Sehnervs mit Verlust der Rot-Grün-Unterscheidung, Verschlechterung der Sehschärfe oder Gesichtsfeldausfällen sowie erhöhte Harnsäurewerte im Blut; häufig: Taubheitsgefühl und Sensibilitätsstörungen vor allem in Armen und Beinen, Kopfschmerzen, Schwindel, Fingerzittern, Verwirrtheit, Desorientiertheit und Wahnvorstellungen [11] |
| Glucocorticoide, zusätzlich bei tuberkulöser Hirnhautentzündung [2] | Prednisolon, zugelassen unter anderem bei Vergiftungszuständen im Rahmen schwerer Infektionen wie einer tuberkulösen Hirnhautentzündung, in Verbindung mit Antibiotika oder Chemotherapie [13] | Wirkt in höheren Dosen als zum Hormonersatz rasch entzündungshemmend und verzögert dämpfend auf das Immunsystem [14] | Häufigkeit laut Packungsbeilage nicht angebbar, weil stark von Dosis und Dauer abhängig; unter anderem Verschleierung und Verschlimmerung von Infektionen, Gewichtszunahme, erhöhte Blutzuckerwerte, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen [13] |
Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage des in den Quellen genannten Präparats und gelten nur für diesen Wirkstoff. Sehr häufig heißt bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10 Behandelten [5, 7, 9, 11]. Bei Ethambutol variieren die Häufigkeitsangaben laut Packungsbeilage in der Literatur erheblich [11]. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Mehr dazu: Beipackzettel verstehen.
Einnahme und Dauer
Alle Medikamente der Standardtherapie sollten laut S2k-Leitlinie von Beginn an gleichzeitig, nüchtern und möglichst 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen werden (Empfehlung) [2]; laut RKI erfolgt die Einnahme als tägliche Einmalgabe [1]. Eine nicht tägliche (intermittierende) Einnahme soll laut Leitlinie nicht erfolgen (starke Empfehlung); feste Kombinationen mehrerer Wirkstoffe können eingesetzt werden (schwache Empfehlung) [2]. Die Menge richtet sich nach dem Körpergewicht und wird ärztlich festgelegt [5].
Auch wenn die Beschwerden nach einigen Wochen verschwinden, muss die Behandlung laut gesund.bund.de unbedingt über mindestens ein halbes Jahr fortgeführt werden; sonst kann die Erkrankung wieder aufflammen und schwerer behandelbar sein, weil die Medikamente dann möglicherweise nicht mehr wirken [3]. Unregelmäßige Einnahme oder ein vorzeitiges Ende der Behandlung können laut Packungsbeilagen dazu führen, dass die Erreger resistent werden [9, 11].
Eine längere Behandlung kann laut RKI zum Beispiel bei verzögertem Ansprechen oder bei Befall mehrerer Organe nötig sein; bei einer HIV-Infektion ohne antiretrovirale Therapie wird sie empfohlen [1]. Bei Tuberkulose von Knochen und Gelenken soll die Gesamtdauer laut Leitlinie neun Monate betragen, bei Tuberkulose des zentralen Nervensystems und bei Miliartuberkulose mindestens zwölf Monate (jeweils starke Empfehlung) [2]. Bei allen Formen einer tuberkulösen Hirnhautentzündung soll laut Leitlinie zusätzlich ein Glucocorticoid gegeben werden (starke Empfehlung) [2]. Bei Kindern mit unkomplizierter, medikamentensensibler Tuberkulose kann die Anfangsphase laut RKI mit drei Medikamenten ohne Ethambutol erfolgen [1].
Resistente Tuberkulose
Bei einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) sind die Bakterien mindestens gegen Isoniazid und Rifampicin unempfindlich, die beiden wichtigsten Medikamente der Standardtherapie [1]. Die Behandlung ist anspruchsvoller und muss laut RKI unter Einbindung spezialisierter Behandlungseinrichtungen erfolgen [1]. Unter bestimmten Voraussetzungen werden vorrangig verkürzte Therapien mit einer fest zusammengesetzten Kombination von Medikamenten zum Einnehmen empfohlen, mit einer Dauer von mindestens sechs Monaten; eine individuell zusammengestellte Therapie kann 18 Monate dauern [1].
Vorbeugende Behandlung bei latenter Infektion
Eine LTBI soll laut S2k-Leitlinie gezielt auf Grundlage einer Risikoeinschätzung und eines positiven immunologischen Tests festgestellt werden, nachdem eine Tuberkulose ausgeschlossen ist (starke Empfehlung) [2]. Auf eine LTBI untersucht und bei positivem Test vorbeugend behandelt werden sollen laut Leitlinie unter anderem Kontaktpersonen von Menschen mit ansteckender Lungentuberkulose, Menschen mit HIV-Infektion und zusätzlichen Risikofaktoren und Menschen vor einer Therapie mit TNF-Hemmern, gegebenenfalls anderen Biologika und JAK-Hemmern (starke Empfehlung) [2]. Ob eine vorbeugende Behandlung eingeleitet wird, soll laut Leitlinie gemeinsam mit der betroffenen Person auf der Grundlage einer individuellen Abwägung von Risiken und Nutzen entschieden werden (starke Empfehlung) [2].
Die vorbeugende Behandlung soll laut Leitlinie mit Rifampicin, Rifampicin und Isoniazid oder Isoniazid allein erfolgen (starke Empfehlung) [2]. Als mögliche Dauer nennt das RKI vier Monate Rifampicin, drei Monate Isoniazid und Rifampicin oder neun Monate Isoniazid; wegen der besseren Therapietreue sind laut RKI die kürzeren rifampicinhaltigen Schemata zu bevorzugen [1]. Isoniazid ist laut Packungsbeilage für die vorbeugende Behandlung zugelassen [5]. Rifampicin ist laut Fachinformation (EREMFAT) für die vorbeugende Behandlung der latenten Infektion nicht zugelassen; Abschnitt 4.1 nennt bei Tuberkulose nur die Behandlung aller Formen der Erkrankung, immer in Kombination mit weiteren Tuberkulosemitteln [8]. Mehr im Ratgeber Off-Label-Use. Für Kinder unter 15 Jahren mit LTBI wird laut RKI generell eine vorbeugende Behandlung empfohlen, nachdem eine Tuberkulose ausgeschlossen ist [1].
Schwangerschaft und Stillzeit
Eine medikamentensensible Tuberkulose soll laut S2k-Leitlinie auch in der Schwangerschaft mit der Standardtherapie und zusätzlich Vitamin B6 (Pyridoxin) behandelt werden (starke Empfehlung) [2]. Rifampicin wird laut Packungsbeilage in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nur bei unbedingter Notwendigkeit begonnen; in den letzten Wochen vor der Geburt kann es zu einer erhöhten Blutungsneigung bei Mutter und Neugeborenem kommen, weshalb Vitamin K verordnet werden kann [7]. Eine Ansteckungsgefahr über die Muttermilch besteht laut RKI nicht [1]. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Leber: Isoniazid, Rifampicin und Pyrazinamid können die Leber schädigen; bei der Kombinationstherapie ist laut Packungsbeilage von Isoniazid die gesteigerte leberschädigende Wirkung der Kombinationspartner zu beachten [5, 7, 9]. Leber- und Blutwerte werden deshalb regelmäßig kontrolliert [5, 7, 9]. Wenden Sie sich laut Packungsbeilagen sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt bei Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin, hellem Stuhl, Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Juckreiz [5, 7]. Mehr: Erhöhte Leberwerte durch Medikamente. Während einer Behandlung mit Rifampicin wenden Sie laut Packungsbeilage keine Schmerzmittel mit Paracetamol an, auch keine rezeptfreien, weil die Kombination zu schweren Leberschäden führen kann [7]. Auch zusammen mit Isoniazid wird Paracetamol nicht empfohlen [5].
Augen: Ethambutol kann eine Entzündung des Sehnervs verursachen. Augenärztliche Kontrollen sind laut Packungsbeilage vor Beginn und alle vier Wochen während der gesamten Behandlung zwingend erforderlich. Achten Sie selbst auf Veränderungen beim Sehen, etwa beim Zeitunglesen, und benachrichtigen Sie bei Auffälligkeiten sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; die Behandlung muss dann sofort unterbrochen werden, um bleibende Schäden zu vermeiden [11]. Laut S2k-Leitlinie soll Ethambutol bei Sehstörungen wie Rot-Grün-Schwäche, Gesichtsfeldausfällen oder Verlust der Sehschärfe bis zur weiteren Klärung abgesetzt werden (starke Empfehlung) [2]. Mehr: Sehstörungen durch Medikamente.
Nerven: Isoniazid greift in den Vitamin-B6-Stoffwechsel ein. Bei Vitamin-B6-Mangel, bei erhöhtem Risiko für Nervenschäden sowie bei Kindern, Schwangeren und Stillenden wird Isoniazid laut Packungsbeilage mit Vitamin B6 kombiniert [5]. Mehr: Polyneuropathie durch Medikamente. Auf psychische Reaktionen unter der Standardtherapie soll laut Leitlinie geachtet werden (starke Empfehlung) [2].
Haut und Allergie: Unter Isoniazid wurden schwere Hautreaktionen berichtet, die lebensbedrohlich oder tödlich sein können, darunter das Stevens-Johnson-Syndrom, die toxische epidermale Nekrolyse, DRESS und eine akute generalisierte exanthematische Pustulose. Einen Warnhinweis dazu hat die europäische Koordinierungsgruppe CMDh am 19.06.2025 für die Produktinformationen isoniazidhaltiger Arzneimittel beschlossen; das BfArM hat die Änderung mit Bescheid vom 01.09.2025 angeordnet [15]. In der Packungsbeilage von ISOZID mit Stand Mai 2023 steht er noch nicht [5]. Laut dem für die Packungsbeilage vorgesehenen Text beenden Sie bei solchen Zeichen die Einnahme und begeben sich unverzüglich in ärztliche Behandlung [15]. Dasselbe verlangt die Packungsbeilage von Ethambutol bei schweren Hautreaktionen [11]; bei Rifampicin müssen Sie bei schweren Überempfindlichkeitsreaktionen mit Fieber, Schwäche, Hautausschlag und geschwollenen Lymphknoten sofort eine Ärztin oder einen Arzt kontaktieren und die Behandlung sofort beenden [7]. Pyrazinamid kann die Haut empfindlicher für Sonnenlicht machen; starke Sonneneinwirkung sollten Sie meiden [9]. Mehr: Schwere Hautreaktionen und Lichtempfindlichkeit.
Weitere: Durch Rifampicin können sich Speichel, Schweiß, Urin und Tränenflüssigkeit sowie weiche Kontaktlinsen gelb, orange, rot oder braun färben [7]. Mehr: Urinverfärbung. Pyrazinamid und Ethambutol können die Harnsäure erhöhen; bei Gicht sollte Pyrazinamid laut Packungsbeilage nur bei dringender Notwendigkeit verordnet werden [9, 11]. Mehr: Harnsäure und Gicht. Isoniazid kann zusammen mit bestimmten Lebensmitteln wie Thunfisch oder Käse Unverträglichkeiten mit Hitzewallungen, Hautrötung und Kreislaufbeschwerden auslösen; diese Lebensmittel sollten Sie während der Behandlung meiden [5].
Wechselwirkungen: Rifampicin kann die Wirkung vieler anderer Medikamente verändern; bestimmte Mittel gegen HIV und Hepatitis C dürfen laut Packungsbeilage nicht gleichzeitig eingenommen werden [7]. Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können unter Rifampicin schwächer wirken; laut Packungsbeilage sollte zusätzlich eine andere Verhütungsmethode angewendet werden [7]. Laut S2k-Leitlinie sollen unter Rifampicin keine oralen hormonellen Verhütungsmittel angewendet werden (starke Empfehlung) [2]. Auch Glucocorticoide wie Prednisolon können unter Rifampicin schwächer wirken [13]. Vor Beginn der Behandlung und bevor neue Medikamente hinzukommen, sollen laut Leitlinie die möglichen Wechselwirkungen aller Medikamente geprüft werden (starke Empfehlung) [2]; dabei hilft ein Medikationsplan. Mehr: Pille und Antibiotika und Wechselwirkungen.
Alkohol: Während der Behandlung mit Isoniazid und Rifampicin sollten Sie laut Packungsbeilagen keinen Alkohol trinken [5, 7]. Mehr: Medikamente und Alkohol.
Bei relevanten Nebenwirkungen sollen laut S2k-Leitlinie Ärztinnen und Ärzte mit Erfahrung in der Tuberkulosebehandlung hinzugezogen werden (starke Empfehlung) [2]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Meldepflicht, Gesundheitsamt und Alltag
Meldepflicht: Erkrankung und Tod an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose werden dem Gesundheitsamt laut RKI namentlich gemeldet, auch wenn kein bakteriologischer Nachweis vorliegt. Außerdem müssen der Nachweis der Erreger und die Ergebnisse der Empfindlichkeitsprüfung gemeldet werden. Verweigern Menschen mit behandlungsbedürftiger Lungentuberkulose die Behandlung oder brechen sie sie ab, ist dies dem Gesundheitsamt ebenfalls mitzuteilen [1]. Das Gesundheitsamt entscheidet, welche Kontaktpersonen untersucht werden; Ziel ist, Ansteckungsketten zu erkennen und Folgeerkrankungen rechtzeitig zu behandeln oder zu verhindern [1].
Kita, Schule und Arbeit: Wer an ansteckender Lungentuberkulose erkrankt ist oder bei wem der Verdacht besteht, darf Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen nicht betreten oder dort tätig sein [1, 3]. Gibt es keine Hinweise auf eine Resistenz, sprechen die Beschwerden auf die Behandlung an und werden die Medikamente zuverlässig eingenommen, ist eine Wiederzulassung laut RKI in der Regel drei Wochen nach Beginn der Behandlung möglich; die Entscheidung wird im Einzelfall getroffen [1].
Impfung: Die BCG-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) seit 1998 generell nicht mehr empfohlen [1]. Laut gesund.bund.de schützt sie vor schweren Verlaufsformen wie Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung, nicht aber vor einer Ansteckung oder Erkrankung [3].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Jeder Husten, der länger als drei Wochen besteht, sollte laut gesund.bund.de unbedingt ärztlich abgeklärt werden; wer blutigen Schleim abhustet, braucht sofort einen Arztbesuch [3]. Bei Kontaktpersonen ist laut RKI auf verdächtige Beschwerden zu achten, insbesondere auf Husten unklarer Ursache [1].
Während der Behandlung brauchen Sie sofort ärztlichen Rat bei Zeichen eines Leberschadens wie gelber Haut oder gelben Augen und dunklem Urin, bei Veränderungen beim Sehen und bei schweren Hautausschlägen mit Blasen oder Fieber [5, 7, 11, 15]. Schwere Atemnot und starke, nicht stillbare Blutungen nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Fälle für den Notruf 112 [16]. Sind die Praxen geschlossen, handelt es sich um Beschwerden, mit denen Sie sonst eine Praxis aufsuchen würden, und kann die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [16].
Quellen
- Behörde RKI-Ratgeber Tuberkulose (Abschnitte Erreger, Vorkommen, Infektionsweg, Inkubationszeit, Klinische Symptomatik, Dauer der Ansteckungsfähigkeit, Diagnostik, Therapie, Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen, Gesetzliche Grundlage). Robert Koch-Institut (RKI). Stand Stand 21.08.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie S2k-Leitlinie Tuberkulose im Erwachsenenalter (AWMF-Register-Nr. 020-019), Pneumologie 2022; 76: 727-819, Empfehlungen 4, 18 bis 21, 43, 44, 46 bis 48, 50, 66, 68, 69, 71, 94, 98 bis 100, 102 und 104; Fassung auf der Seite des DZK. Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) und Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Stand 10/2022 (online 16.11.2022). abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Tuberkulose. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin). Stand 28.07.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Erregersteckbrief Tuberkulose. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), infektionsschutz.de, erstellt mit dem BVÖGD, mit dem RKI fachlich abgestimmt. Stand Steckbrief zum Herunterladen 09.03.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation ISOZID 200 mg, Tabletten (Isoniazid). Esteve Pharmaceuticals GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation ISOZID 200 mg, Tabletten (Abschnitt 5.1). Esteve Pharmaceuticals GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation EREMFAT 600 mg, Filmtabletten (Rifampicin). Esteve Pharmaceuticals GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation EREMFAT 600 mg, Filmtabletten (Abschnitte 4.1 und 5.1). Esteve Pharmaceuticals GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation PYRAFAT 500 mg, Filmtabletten (Pyrazinamid). Esteve Pharmaceuticals GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation PYRAFAT 500 mg, Filmtabletten (Abschnitt 5.1). Esteve Pharmaceuticals GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation EMB-Fatol 400 mg, Filmtabletten (Ethambutol). Esteve Pharmaceuticals GmbH. Stand 07/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation EMB-Fatol 100 mg Tabletten, 250 mg/400 mg/500 mg Filmtabletten (Abschnitt 5.1). Esteve Pharmaceuticals GmbH. Stand 07/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten (Abschnitt 5.1). Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Isoniazid: Einstimmiger Beschluss der Koordinierungsgruppe CMDh vom 19.06.2025 (PSUSA/00001789/202411) mit Anhängen in deutscher Übersetzung (schwere arzneimittelinduzierte Hautreaktionen) und Bescheid des BfArM zur Umsetzung vom 01.09.2025. Koordinierungsgruppe CMDh; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 19.06.2025 und 01.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Behandlung einer Tuberkulose?
Die Standardtherapie der Lungentuberkulose bei Erwachsenen dauert laut RKI und S2k-Leitlinie sechs Monate: zwei Monate mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol, danach vier Monate mit Isoniazid und Rifampicin. Bei Tuberkulose von Knochen und Gelenken soll sie laut Leitlinie auf insgesamt neun Monate verlängert werden, bei Tuberkulose des zentralen Nervensystems und bei Miliartuberkulose soll sie mindestens zwölf Monate dauern (jeweils starke Empfehlung). Eine resistente Tuberkulose wird laut RKI mindestens sechs Monate behandelt, eine individuell zusammengestellte Therapie kann 18 Monate dauern. Auch wenn die Beschwerden nach einigen Wochen verschwinden, muss die Behandlung laut gesund.bund.de unbedingt fortgeführt werden.
Wie lange ist man mit Tuberkulose ansteckend?
Ansteckend ist laut RKI eine offene Lungentuberkulose: Der Krankheitsherd in der Lunge hat Anschluss an die Luftwege, Bakterien können an die Umgebung abgegeben werden, und eine ausreichende Behandlung hat noch nicht begonnen. Unter einer wirksamen Therapie sind Erkrankte in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen nicht mehr ansteckend; bei hoher Erregerlast oder einer zunächst unerkannten Resistenz kann es länger dauern. Über das Ende der Isolierung entscheiden Ärztin oder Arzt im Einzelfall. Von Tuberkulose außerhalb der Lunge geht bei sozialen Kontakten kein Ansteckungsrisiko aus.
Ist Tuberkulose heilbar?
Tuberkulose wird laut BIÖG mit einer Medikamenten-Kombination behandelt, die nur zusammen wirksam ist und über mehrere Monate zuverlässig eingenommen werden muss; dadurch kann die Krankheit geheilt werden. Eine rechtzeitig erkannte und richtig behandelte Tuberkulose verläuft laut BIÖG in aller Regel ohne bleibende Folgen. Wird die Behandlung unterbrochen oder zu früh beendet, können die Bakterien unempfindlich gegen die Medikamente werden.
Was ist eine latente Tuberkulose und muss sie behandelt werden?
Bei einer latenten tuberkulösen Infektion (LTBI) überleben Bakterien abgekapselt im Körper, ohne Beschwerden zu machen; Betroffene sind laut RKI weder krank noch ansteckend. Das Risiko, später zu erkranken, lässt sich durch eine vorbeugende Behandlung verringern. Laut S2k-Leitlinie sollen unter anderem Kontaktpersonen von Menschen mit ansteckender Lungentuberkulose und Menschen vor einer Behandlung mit TNF-Hemmern auf eine LTBI untersucht und bei positivem Test vorbeugend behandelt werden. Ob eine Behandlung infrage kommt, sollen Ärztin oder Arzt und die betroffene Person gemeinsam entscheiden.
Welche Nebenwirkungen haben Tuberkulose-Medikamente?
Sehr häufig ist laut Packungsbeilagen von Isoniazid und Rifampicin ein Anstieg der Leberwerte; Isoniazid kann häufig Nervenschäden mit Missempfindungen auslösen, Pyrazinamid häufig einen Anstieg der Harnsäure, Ethambutol sehr häufig eine Entzündung des Sehnervs. Durch Rifampicin können sich Speichel, Schweiß, Urin und Tränen gelb, orange, rot oder braun färben. Gelbe Haut oder Augen, dunkler Urin, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Sehstörungen oder schwere Hautausschläge sind Gründe, sofort ärztlichen Rat einzuholen.
Wirkt die Pille während einer Tuberkulose-Behandlung?
Rifampicin kann laut Packungsbeilage die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel wie der Pille verringern; während der Behandlung muss eine Schwangerschaft vermieden werden, deshalb sollte zusätzlich eine andere Art der Verhütung angewendet werden. Laut S2k-Leitlinie sollen unter einer Therapie mit Rifampicin keine oralen hormonellen Verhütungsmittel angewendet werden (starke Empfehlung). Besprechen Sie die Verhütung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich während der Tuberkulose-Behandlung Alkohol trinken?
Laut Packungsbeilagen sollten Sie während der Behandlung mit Isoniazid und Rifampicin keinen Alkohol trinken: Es kann zu einer verminderten Alkoholverträglichkeit kommen, und Nebenwirkungen an Nervensystem und Leber werden wahrscheinlicher. Ein erhöhtes Risiko für Leberschäden unter Pyrazinamid besteht laut Packungsbeilage auch bei regelmäßigem Alkoholgebrauch.
Gibt es eine Impfung gegen Tuberkulose?
Es gibt den BCG-Impfstoff, die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung in Deutschland aber seit 1998 nicht mehr. Laut gesund.bund.de schützt sie vor schweren Verlaufsformen wie Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung, nicht aber vor einer Ansteckung oder Erkrankung; in Deutschland ist das Ansteckungsrisiko gering, und als Lebendimpfstoff hat sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen. Manche Länder verlangen sie für längere Aufenthalte; das besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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