NebenwirkungenNebenwirkung

Urinverfärbung durch Medikamente

Die Produktinformationen nennen eine Verfärbung des Urins zum Beispiel bei Metronidazol, Levodopa, Nitrofurantoin und Sulfasalazin. Bei Metronidazol ist die Dunkelfärbung laut Packungsbeilage durch ein Stoffwechselprodukt bedingt und ohne Krankheitswert. Dunkler, rotbrauner oder roter Urin kann aber auch ein Warnzeichen sein: für einen Leberschaden, einen Zerfall von Muskelgewebe (Rhabdomyolyse) oder eine Blutung unter Blutverdünnern. Kommen Beschwerden wie gelbe Haut, Muskelschmerzen oder Blutungszeichen hinzu, holen Sie sofort ärztliche Hilfe. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Frau Ende vierzig mit kastanienbraunem, hochgestecktem Haar steht nachdenklich mit einem Glas Wasser in einem hellen Badezimmer am Fenster
Bild: KI-generiert

Eine Urinverfärbung durch Medikamente bemerken Sie beim Wasserlassen: Der Urin ist dunkler als gewohnt, rötlich, orange, gelb-grün oder braun. Mit dem Urin scheidet der Körper Stoffe aus, die beim Stoffwechsel anfallen und nicht mehr benötigt werden, darunter auch Medikamente [1]. Manche Produktinformationen nennen eine Verfärbung, die keinen Krankheitswert hat, zum Beispiel bei Metronidazol [9]. Dunkler oder rotbrauner Urin kann aber auch ein Zeichen einer ernsten Nebenwirkung sein, etwa eines Leberschadens oder eines Zerfalls von Muskelgewebe (Rhabdomyolyse) [2, 3, 18].

Welche Medikamente den Urin verfärben können

In den Produktinformationen steht eine Verfärbung des Urins auf zwei Arten: als eigene Nebenwirkung, etwa bei Metronidazol, oder als mögliches Zeichen einer anderen, ernsten Nebenwirkung, etwa bei Atorvastatin [9, 18]. Die Beispiele stammen aus den Packungsbeilagen und Fachinformationen einzelner Wirkstoffe; jede Häufigkeitsangabe gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht.

Verfärbung als eigene Nebenwirkung

  • Metronidazol (Mittel gegen bestimmte Bakterien und Parasiten): Die Packungsbeilage stuft eine Dunkelfärbung des Urins als häufig ein (bis zu 1 von 10 Behandelten); sie ist durch ein Stoffwechselprodukt bedingt und ohne Krankheitswert [9]. Laut Fachinformation ist ein Abbauprodukt (Metabolit) von Metronidazol die Ursache [10]. Mehr unter Antibiotika.
  • Levodopa/Benserazid (Parkinson-Mittel): Die Packungsbeilage nennt eine Urinverfärbung, meist eine leichte Rotfärbung, die sich bei längerem Stehenlassen dunkel färbt; die Häufigkeit ihrer Nebenwirkungen gibt sie als nicht bekannt an [11]. Laut Fachinformation können auch andere Körperflüssigkeiten und Gewebe ihre Farbe ändern, darunter Speichel, Zunge, Zähne oder Mundschleimhaut [12].
  • Levodopa/Carbidopa: Dunkel gefärbter Urin ist in der Packungsbeilage als gelegentlich eingestuft (bis zu 1 von 100 Behandelten), eine dunkle Verfärbung von Speichel und Schweiß als selten (bis zu 1 von 1.000) [13]. Mehr unter Parkinson- und Demenzmittel.
  • Nitrofurantoin (Mittel gegen Blasenentzündung): Eine gelb-grüne oder braune Färbung des Urins ist laut Packungsbeilage "häufig ohne klinische Bedeutung", kann aber auch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein, zum Beispiel eine Leberschädigung; wer eine solche Verfärbung bemerkt, soll sich an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt wenden [14]. Laut Fachinformation sollte die Färbung ärztlich abgeklärt werden [15].
  • Sulfasalazin (unter anderem bei rheumatoider Arthritis): Die Packungsbeilage nennt als selten (bis zu 1 von 1.000) Blut im Urin, Kristallausscheidungen im Urin und eine gelb-orange Verfärbung des Urins, ebenfalls als selten eine gelb-orange Verfärbung der Haut und als sehr selten eine Gelbfärbung von Kontaktlinsen [16].
  • Isotretinoin (Aknemittel): Die Packungsbeilage nennt dunklen Urin oder Urin in der Farbe von Cola; die Häufigkeit ist nicht bekannt [17]. Daneben steht dunkel gefärbter Urin dort unter den Anzeichen eines Zerfalls des Muskelgewebes [17].
  • Pivmecillinam (Antibiotikum gegen Infektionen der unteren Harnwege): Die Packungsbeilage nennt ungewöhnlich dunklen Urin als gelegentliche Nebenwirkung (bis zu 1 von 100 Behandelten); in derselben Aufzählung steht unter anderem eine Gelbfärbung der Haut oder der Augen [24].

Verfärbung als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung

  • Leber: Bei Esomeprazol können gelbe Haut, dunkel gefärbter Urin und Müdigkeit auf Leberfunktionsstörungen hindeuten; die Packungsbeilage stuft diese Beschwerden als selten ein [22]. Bei Olmesartan nennt sie eine Gelbfärbung des Augenweiß, dunklen Urin oder Juckreiz der Haut, auch wenn die Behandlung schon vor längerer Zeit begonnen hat; die Häufigkeit ist nicht bekannt [23]. Die Fachinformation führt mit nicht bekannter Häufigkeit eine Leberentzündung durch das Immunsystem (Autoimmunhepatitis) auf; berichtet wurden Fälle mit einer Latenz von wenigen Monaten bis Jahren [27]. Unter Nitrofurantoin können Appetitverlust, Gelbsucht, dunkler Urin, Juckreiz oder ein schmerzempfindlicher Bauch auftreten [14]. Mehr unter Erhöhte Leberwerte und Leberschäden.
  • Muskeln: Laut Packungsbeilage von Atorvastatin können Muskelschwäche, Empfindlichkeit, Schmerzen oder ein Riss in der Muskulatur oder eine rot-braune Verfärbung des Urins, besonders mit Unwohlsein oder erhöhter Temperatur, durch einen krankhaften Muskelschwund (Rhabdomyolyse) verursacht sein; eingestuft ist er als selten [18]. Bei Colchicin nennt die Packungsbeilage Schwäche der Muskulatur, rote bis braune Verfärbung des Urins, Muskelschmerzen und Erschöpfung [19], bei Losartan unerklärliche Muskelschmerzen mit dunklem, teefarbenem Urin und bei Mirtazapin Muskelschmerzen, -steifigkeit oder -schwäche mit Dunkelwerden oder Verfärbung des Harns, jeweils mit nicht bekannter Häufigkeit [20, 21]. Mehr unter Muskelschmerzen und Muskelschwäche und Statine und weitere Lipidsenker.
  • Blutungen: Bei Gerinnungshemmern gehört rot verfärbter Urin laut IQWiG zu den Anzeichen, bei denen ärztlicher Rat wichtig ist [5]. Die Packungsbeilage von Ticagrelor nennt rosafarbenen, roten oder braunen Urin unter den Anzeichen von Blutungen [25]. Mehr unter Blutungen und Blutbildveränderungen und Blutverdünner.

Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe mit Steckbrief, deren Produktinformation eine Verfärbung des Urins nennt, auch als Zeichen einer anderen Nebenwirkung:

Urinverfärbung als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
MetronidazolHäufigDunkelfärbung des Urins durch ein Stoffwechselprodukt, ohne Krankheitswert
Levodopa/CarbidopaGelegentlichDunkel gefärbter Urin
PivmecillinamGelegentlichGelbfärbung der Haut oder der Augen, ungewöhnlich dunkler Urin (laut Fachinformation Beeinträchtigung der Leberfunktion)
RanolazinGelegentlichProbleme beim Harnlassen (Dysurie), Blut im Harn (Hämaturie), dunkler Harn (Chromaturie)
SulfasalazinSeltenBlut im Urin (Hämaturie), Kristalle im Urin, gelb-orange Verfärbung des Urins
ClarithromycinNicht bekanntDunkelfärbung des Urins
IsotretinoinNicht bekanntDunkler Urin oder Urin in der Farbe von Cola
Levodopa/BenserazidNicht bekanntVerfärbung des Urins, meist leicht rötlich, beim Stehenlassen dunkler werdend

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (8 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Urinverfärbung als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (9 Wirkstoffe)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Urinverfärbung als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
AtorvastatinKrankhafter Muskelschwund (Rhabdomyolyse) mit Muskelschwäche, Empfindlichkeit, Schmerzen oder Riss in der Muskulatur oder rotbrauner Verfärbung des Urins, besonders mit Unwohlsein oder erhöhter Temperatur; er ist nicht immer rückbildungsfähig, kann nach dem…Selten
ColchicinMuskelerkrankung (Myopathie) und Zerfall von Muskelgewebe (Rhabdomyolyse) mit Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Erschöpfung und rot bis braun verfärbtem UrinNicht bekannt
EsomeprazolLeberfunktionsstörungen und Leberentzündung (Hepatitis) mit oder ohne Gelbsucht; mögliche Zeichen sind gelbe Haut, dunkel gefärbter Urin und MüdigkeitSelten
HydroxychloroquinVerschlimmerung einer Porphyria cutanea tarda (Stoffwechselstörung) mit Rotfärbung des Urins (Porphyrinurie) oder Verschlimmerung einer Schuppenflechte (Psoriasis)Nicht bekannt
LosartanUnerklärliche Muskelschmerzen mit dunklem, teefarbenem Urin (Rhabdomyolyse)Nicht bekannt
MesalazinProbleme mit der Nierenfunktion, zum Beispiel veränderte Urinfarbe oder -menge und geschwollene Gliedmaßen; laut Fachinformation Nierenfunktionsstörungen einschließlich akuter und chronischer Entzündung des Nierengewebes (interstitielle Nephritis) und…Sehr selten
MirtazapinMuskelschmerzen, -steifigkeit und/oder -schwäche, Dunkelwerden oder Verfärbung des Urins (Rhabdomyolyse)Nicht bekannt
OlmesartanGelbfärbung des weißen Teils der Augen, dunkler Urin oder Juckreiz der Haut, auch lange nach Behandlungsbeginn; laut Fachinformation Fälle einer Autoimmunhepatitis mit einer Latenz von wenigen Monaten bis Jahren, die sich nach dem Absetzen zurückbildetenNicht bekannt
ValproinsäureAbbau von Muskelgewebe mit Muskelkrämpfen, Fieber und rötlich-brauner Verfärbung des Urins (Rhabdomyolyse)Selten

Was die Häufigkeitsklassen bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Woran Sie eine Urinverfärbung durch ein Medikament erkennen

Farbe, Geruch und Menge des Urins können laut IQWiG schon helfen zu erkennen, ob etwas nicht stimmt. Sehr wenig und sehr dunkler Urin kann zum Beispiel zeigen, dass man zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen hat oder dass die Nieren nicht mehr richtig funktionieren. Trüber oder flockiger Urin kann auf einen Harnwegsinfekt hindeuten, rötlicher Urin enthält vielleicht Blut. Um Genaueres herauszufinden, ist eine Untersuchung mit einem Teststreifen oder im Labor erforderlich [1].

Was in der Packungsbeilage steht

Ob Ihr Medikament den Urin verfärben kann, lesen Sie in der Packungsbeilage nach: in Abschnitt 4 bei den Nebenwirkungen und manchmal schon in Abschnitt 2 bei den Warnhinweisen, so bei Nitrofurantoin [9, 14]. Einige Packungsbeilagen beschreiben die Farbe genauer: leicht rötlich und beim Stehenlassen dunkler bei Levodopa/Benserazid, gelb-grün oder braun bei Nitrofurantoin, gelb-orange bei Sulfasalazin, dunkel oder colafarben bei Isotretinoin [11, 14, 16, 17]. Bei Metronidazol hält die Packungsbeilage ausdrücklich fest, dass die Dunkelfärbung ohne Krankheitswert ist [9].

Auf Begleitbeschwerden achten

Die Packungsbeilagen nennen Warnzeichen, bei denen zur Verfärbung weitere Beschwerden hinzukommen:

  • Leber: Als mögliche Symptome einer Leberschädigung nennt die Packungsbeilage von Nitrofurantoin Ermüdung, Gelbfärbung der Haut oder Augen, Juckreiz, Hautausschläge, Gelenkschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, dunklen Urin und blassen oder grauen Stuhl [14].
  • Muskeln: Bei einem Zerfall von Muskelfasern sind laut gesund.bund.de Muskelschmerzen, Muskelschwäche und rötlich-brauner Urin charakteristisch; leichtere Formen können unbemerkt bleiben [2]. Die Packungsbeilage von Atorvastatin nennt zusätzlich Unwohlsein oder erhöhte Temperatur [18].
  • Nieren: Unter den Anzeichen eines Zerfalls des Muskelgewebes nennt die Packungsbeilage von Isotretinoin auch eine verringerte Harnausscheidung oder einen Harnverhalt [17]. Bei einem Nierenversagen als Folge eines Muskelzerfalls verringert sich laut gesund.bund.de die Harnproduktion oder kommt sogar zum Erliegen [2]. Mehr unter Nierenschäden.
  • Blutung: Die Packungsbeilage von Ticagrelor nennt neben verfärbtem Urin unter anderem Blutungen, die sich nicht unter Kontrolle bringen lassen, Erbrechen von Blut und roten oder schwarzen, teerartigen Stuhl [25].

Ein Warnzeichen kann auch nach längerer Einnahme auftreten: Die Packungsbeilage von Olmesartan nennt Gelbfärbung des Augenweiß, dunklen Urin oder Juckreiz ausdrücklich auch für den Fall, dass die Behandlung schon vor längerer Zeit begonnen hat [23]. Notieren Sie, seit wann Sie das Mittel einnehmen, wann die Verfärbung auftritt, welche Farbe der Urin hat und welche Beschwerden dazukommen, zum Beispiel im Nebenwirkungs-Tagebuch.

Warum Medikamente den Urin verfärben können

Ausscheidung über den Urin. Mit dem Urin werden Stoffe ausgeschieden, die beim Stoffwechsel anfallen, darunter Medikamente [1]. Bei Metronidazol ist laut Fachinformation ein Abbauprodukt des Wirkstoffs die Ursache der Dunkelfärbung [10].

Gallenfarbstoff bei Leberschäden. Bilirubin ist ein orange-gelber Farbstoff, der im Blut und im Urin nachgewiesen werden kann; er entsteht beim Abbau des roten Blutfarbstoffs [4]. Scheidet eine entzündete Leber Bilirubin nicht mehr richtig in den Darm aus, wird der Stuhl heller und der Urin dunkler, weil Bilirubin dann über die Nieren abgegeben wird [3].

Muskeleiweiß bei Muskelzerfall. Bei einer Rhabdomyolyse gelangt das Eiweiß Myoglobin aus zerfallenden Muskelfasern ins Blut und wird über die Nieren ausgeschieden; Myoglobin gibt dem Muskel seine rote Farbe und kann so den Urin verfärben [2]. Zu den Auslösern zählt gesund.bund.de unter anderem Cholesterinsenker, vor allem die Kombination von Fibraten und Statinen, sowie Behandlungen mit Neuroleptiken und Narkosemitteln [2]. Laut Packungsbeilage von Colchicin kann die Einnahme zusammen mit bestimmten anderen Arzneimitteln, darunter einige Statine, eine schwerwiegende Muskelerkrankung und einen Zerfall von Muskelgewebe mit rotbrauner Verfärbung des Urins verursachen [19]. Man nimmt laut gesund.bund.de an, dass Myoglobin die Nierenkanälchen verstopft und die Nierenzellen schädigt; ein akutes Nierenversagen ist eine vergleichsweise häufige Komplikation [2].

Blut bei Blutungen. Gerinnungshemmer sorgen dafür, dass das Blut langsamer gerinnt; Blutungen gehören deshalb zu den häufigsten Nebenwirkungen dieser Medikamente [5]. Blut kann den Urin rötlich oder braun färben [1, 8].

Was Sie tun können

Älterer Mann mit weißem Haar spricht am hellen Küchentisch ruhig mit seiner erwachsenen Tochter, zwischen ihnen ein Wasserkrug
Bild: KI-generiert

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei Colchicin können laut Packungsbeilage die früheren Beschwerden wiederkehren, wenn Sie plötzlich aufhören, und Ticagrelor sollen Sie laut Packungsbeilage nicht ohne vorherige Rücksprache absetzen [19, 25]. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.

Verfärbung ansprechen. Auch die Dunkelfärbung unter Metronidazol führt die Packungsbeilage unter den Nebenwirkungen auf, bei denen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die weitere Behandlung sprechen sollten [9]. Bei einer gelb-grünen oder braunen Färbung unter Nitrofurantoin wenden Sie sich laut Packungsbeilage an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt [14]. Einen Überblick über alle Mittel, auch rezeptfreie, gibt der Medikationsplan.

Vor Urin- und Blutuntersuchungen Bescheid geben. Wenn Sie eine Blut- oder Urinprobe abgeben, informieren Sie laut Packungsbeilage von Nitrofurantoin die Ärztin, den Arzt oder das Laborpersonal über die Einnahme [14]. Levodopa kann einzelne Messungen verändern, zum Beispiel den Nachweis von Harnzucker oder Ketonen im Urin; laut Fachinformation sind ein falsch-positiver Ketonnachweis mit Teststreifen und ein falsch-negativer Harnzuckernachweis mit der Glucose-Oxidase-Methode möglich [11, 12]. Auch Levodopa/Carbidopa kann laut Packungsbeilage bei einigen Labortests zu Unregelmäßigkeiten führen [13]. Mehr im Ratgeber Medikamente vor Untersuchungen.

Urin untersuchen lassen. Mit einem Urinstatus im Labor werden unter anderem Farbe, Klarheit und Konzentration des Urins beurteilt; er wird eingesetzt, um zum Beispiel Blutungen im Nieren- oder Harnsystem sowie Erkrankungen der Niere oder Leber abzuklären [1]. Urin-Teststreifen gibt es ohne Rezept; sie sind laut IQWiG aber nicht zur Selbstdiagnose gedacht, sondern sollten in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eingesetzt werden [1].

Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [9]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Zeichen eines Leberschadens. Gelbe Haut, dunkel gefärbter Urin und Müdigkeit unter Esomeprazol: Beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und wenden Sie sich umgehend an einen Arzt [22]. Treten unter Nitrofurantoin Appetitverlust, Gelbsucht, dunkler Urin, Juckreiz oder ein schmerzempfindlicher Bauch plötzlich auf oder entwickeln sie sich unerwartet stark, sollen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage beenden und möglichst umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen [14]. Bei Olmesartan setzen Sie sich laut Packungsbeilage unverzüglich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung, die oder der die Beschwerden beurteilt und über die Fortsetzung der Blutdruckmedikation entscheidet [23]. Mehr unter Erhöhte Leberwerte und Leberschäden und Juckreiz.

Zeichen eines Muskelzerfalls. Bei Muskelschwäche, Muskelschmerzen oder rot-brauner Verfärbung des Urins unter Atorvastatin sollen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage abbrechen und umgehend Ihren Arzt informieren oder die nächstgelegene Notfallaufnahme aufsuchen [18]. Der krankhafte Muskelschwund ist laut Packungsbeilage nicht immer rückbildungsfähig, kann auch nach dem Ende der Einnahme fortbestehen, lebensbedrohlich sein und zu Nierenproblemen führen [18]. Bei Colchicin verlangt die Packungsbeilage bei Muskelschwäche, rot bis braun verfärbtem Urin, Muskelschmerzen oder Erschöpfung ebenfalls, die Einnahme zu beenden und sich umgehend an einen Arzt oder die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses zu wenden [19]. Bei manchen Menschen muss ein Muskelzerfall rasch im Krankenhaus behandelt werden, manchmal auf der Intensivstation [2]. Mehr unter Muskelschmerzen und Muskelschwäche.

Zeichen einer Blutung. Bei rosafarbenem, rotem oder braunem Urin unter Ticagrelor suchen Sie laut Packungsbeilage umgehend einen Arzt auf; es kann sein, dass Sie dringend behandelt werden müssen [25]. Bei starken, nicht stillbaren Blutungen, bei Bewusstlosigkeit oder erheblicher Bewusstseinstrübung alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [26]. Mehr unter Blutungen und Blutbildveränderungen.

Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe und klären Sie dabei, ob Sie das Medikament weiter einnehmen sollen. Treten die Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten auf und kann die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [26].

Andere Ursachen

Nicht jede Verfärbung unter einem Medikament kommt vom Medikament. Sehr wenig und sehr dunkler Urin kann laut IQWiG auch zeigen, dass man zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen hat [1].

  • Blasenentzündung: Der Urin kann trüb verfärbt sein und auffällig riechen; in einigen Fällen ist Blut im Urin zu sehen [6]. Mehr unter Blasenprobleme.
  • Nierensteine: Ein Stein im Harnleiter kann neben Schmerzen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang auch Blut im Urin verursachen [7].
  • Blasenkrebs (Harnblasenkrebs): Zu den möglichen Beschwerden gehört Blut im Urin, meist ohne Schmerzen, manchmal mit einer rötlichen oder braunen Verfärbung des Urins [8].
  • Leberentzündung: Bei einer Hepatitis B mit Gelbsucht wird der Urin dunkler und der Stuhl heller [3].
  • Muskelzerfall aus anderen Gründen: Eine Rhabdomyolyse kann laut gesund.bund.de unter anderem durch Muskelquetschungen nach einem Unfall, langes Liegen in derselben Position, Extremsport, Alkohol und Drogen, Infektionen oder Überhitzung ausgelöst werden; oft kommen verschiedene Faktoren zusammen [2].

Welche Ursache hinter einer Verfärbung steckt, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, zum Beispiel mit einer Untersuchung des Urins [1].

Quellen

  1. Urintests verstehen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 12.10.2026
  2. Behörde Rhabdomyolyse: Ursachen, Verlauf, Therapie. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 18.10.2021. abgerufen am 12.10.2026
  3. Behörde Hepatitis B: Ansteckung, Folgen, Vorbeugung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 22.05.2025. abgerufen am 12.10.2026
  4. Bilirubin (gesamt). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.03.2025. abgerufen am 12.10.2026
  5. Gerinnungshemmer: Wie kann ich Blutungen vorbeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 12.10.2026
  6. Behörde Blasenentzündung (Zystitis): Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 27.08.2024. abgerufen am 12.10.2026
  7. Behörde Nierensteine und Harnleitersteine. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 08.03.2024. abgerufen am 12.10.2026
  8. Behörde Blasenkrebs: Risikofaktoren, Diagnose, Therapie. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 10.01.2024. abgerufen am 12.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metronidazol-ratiopharm® 400 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2022. abgerufen am 12.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Metronidazol-ratiopharm® 400 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 12.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levodopa/Benserazid-ratiopharm® 100 mg/25 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 12.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Levodopa/Benserazid-ratiopharm® 100 mg/25 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 12.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levodopa/Carbidopa-ratiopharm® 100 mg/25 mg und 200 mg/50 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 12.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Nifurantin® 100 mg Tabletten (Nitrofurantoin). APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 12.10.2026
  15. Fachinformation Fachinformation Nifurantin® 100 mg Tabletten (Nitrofurantoin). APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 12.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sulfasalazin-Heyl 500 mg magensaftresistente Filmtabletten. Heyl Chem.-pharm. Fabrik GmbH & Co. KG. Stand 02/2025. abgerufen am 12.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Isotretinoin-ratiopharm® 20 mg Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
  18. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atorvastatin-ratiopharm® 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 12.10.2026
  19. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Colchicin-ratiopharm® 0,5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Losartan-ratiopharm® 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 12.10.2026
  21. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm® 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  22. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Esomeprazol-ratiopharm® 20 mg, 40 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  23. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Olmesartan-ratiopharm® 10 mg/20 mg/40 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 12.10.2026
  24. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pivmelam® 400 mg Filmtabletten (Pivmecillinam, Version v007de-1). APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
  25. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Brilique (Ticagrelor), Anhang III B: Packungsbeilage Brilique 60 mg und 90 mg Filmtabletten. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  26. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  27. Fachinformation Fachinformation Olmesartan-ratiopharm® 10 mg/20 mg/40 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente verfärben den Urin?

Die Produktinformationen nennen eine Verfärbung des Urins zum Beispiel bei Metronidazol (dunkel), Levodopa (meist leicht rötlich und beim Stehenlassen dunkler oder dunkel gefärbt), Nitrofurantoin (gelb-grün oder braun), Sulfasalazin (gelb-orange) und Isotretinoin (dunkel oder colafarben). Bei anderen Mitteln wie Atorvastatin, Colchicin oder Esomeprazol steht dunkler oder rotbrauner Urin als mögliches Zeichen einer ernsten Nebenwirkung an Muskeln oder Leber. Die Tabelle auf dieser Seite zeigt alle Wirkstoffe mit Steckbrief, deren Produktinformation eine Verfärbung des Urins nennt.

Ist dunkler Urin durch Medikamente gefährlich?

Das hängt vom Mittel und von den Begleitbeschwerden ab. Bei Metronidazol ist die Dunkelfärbung laut Packungsbeilage durch ein Stoffwechselprodukt bedingt und ohne Krankheitswert. Dunkler Urin zusammen mit gelber Haut oder gelben Augen, hellem Stuhl oder Juckreiz kann dagegen ein Zeichen eines Leberschadens sein, rotbrauner Urin mit Muskelschmerzen oder Muskelschwäche ein Zeichen eines Muskelzerfalls. Dann brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Warum färbt Metronidazol den Urin dunkel?

Laut Fachinformation ist ein Abbauprodukt (Metabolit) von Metronidazol die Ursache. Die Packungsbeilage stuft die Dunkelfärbung als häufig ein (bis zu 1 von 10 Behandelten) und beschreibt sie als ohne Krankheitswert. Sie führt sie unter den Nebenwirkungen auf, bei denen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die weitere Behandlung sprechen sollten.

Welche Farbe hat der Urin bei Parkinson-Medikamenten mit Levodopa?

Laut Packungsbeilage von Levodopa/Benserazid ist es meist eine leichte Rotfärbung, die bei längerem Stehenlassen dunkel wird; auch Speichel, Zunge, Zähne oder Mundschleimhaut können sich verfärben. Bei Levodopa/Carbidopa ist dunkel gefärbter Urin als gelegentlich eingestuft (bis zu 1 von 100 Behandelten). Levodopa kann außerdem Urintests verändern: Mit Teststreifen ist zum Beispiel ein falsch-positiver Ketonnachweis möglich. Sagen Sie deshalb vor Laboruntersuchungen Bescheid.

Was bedeutet roter oder brauner Urin, wenn ich Blutverdünner nehme?

Unter Gerinnungshemmern ist rot verfärbter Urin laut IQWiG ein Anzeichen, bei dem ärztlicher Rat wichtig ist. Die Packungsbeilage von Ticagrelor nennt rosafarbenen, roten oder braunen Urin als Anzeichen einer Blutung und rät, dann umgehend einen Arzt aufzusuchen. Bei starken, nicht stillbaren Blutungen rufen Sie den Notruf 112. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Muss ich das Medikament absetzen, wenn sich mein Urin verfärbt?

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei manchen Warnzeichen verlangt die Packungsbeilage allerdings, die Einnahme zu beenden, zum Beispiel bei rotbraunem Urin mit Muskelbeschwerden unter Atorvastatin oder bei gelber Haut und dunklem Urin unter Esomeprazol. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe und klären Sie dabei, ob Sie das Medikament weiter einnehmen sollen.

Kann ein verfärbter Urin auch andere Ursachen haben?

Laut IQWiG kann sehr wenig und sehr dunkler Urin zeigen, dass Sie zu wenig getrunken haben, aber auch, dass die Nieren nicht mehr richtig arbeiten. Rötlicher Urin kann Blut enthalten, etwa bei einer Blasenentzündung, Nierensteinen oder Blasenkrebs. Welche Ursache vorliegt, lässt sich mit einem Urintest in der Praxis oder im Labor klären; sprechen Sie dafür mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu