MedikamenteWirkstoff
Colchicin: Nebenwirkungen und Wirkung
Colchicin ist ein verschreibungspflichtiges Gichtmittel zur Behandlung und Vorbeugung von Gichtanfällen; außerdem wird es bei familiärem Mittelmeerfieber eingesetzt. Zwischen wirksamer und giftiger Dosis liegt nur ein geringer Unterschied. Treten Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe oder Durchfall auf, beenden Sie die Einnahme und wenden sich umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder die Notaufnahme.

Die häufigsten Nebenwirkungen
Wofür wird Colchicin eingesetzt?
Colchicin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der Gichtmittel [1, 2]. Bei Erwachsenen wird er zur kurz dauernden Behandlung akuter Gichtanfälle und zur Vorbeugung erneuter Anfälle angewendet; die Fachinformation nennt die Vorbeugung eines Gichtanfalls zu Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung [1, 2]. Bei Gicht ist die Harnsäure im Blut erhöht, und in der Gelenkflüssigkeit können sich Harnsäurekristalle bilden, die eine Entzündungsreaktion auslösen [1].
Außerdem wird Colchicin bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen mit familiärem Mittelmeerfieber (FMF) eingesetzt. Es soll Fieberschüben und einer Amyloidose vorbeugen, also einer krankhaften Ablagerung von Eiweißen in Geweben und Organen [1, 2]. Wenn Sie sich nicht besser oder sogar schlechter fühlen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1].
Wie wirkt Colchicin?
Colchicin hemmt die Entzündungsreaktion, die Harnsäurekristalle im Gelenk auslösen [1]. Wie genau, ist laut Fachinformation nicht vollständig bekannt: Weiße Blutkörperchen nehmen die Kristalle auf und setzen dabei Entzündungsstoffe frei, und Colchicin hemmt diese Vorgänge; auch seine Wirkung auf die Mikrotubuli, Bauteile des Zellgerüsts, kann beitragen [2]. Den Harnsäurestoffwechsel beeinflusst Colchicin laut Fachinformation nicht [2]. Siehe auch die Seiten zu Allopurinol und Febuxostat.
Die Wirkung tritt etwa 12 Stunden nach der Einnahme ein und ist nach 1 bis 2 Tagen am stärksten [2]. Colchicin wird rasch und fast vollständig aufgenommen. Im Blutplasma halbiert sich die Menge innerhalb von 30 bis 60 Minuten, in den weißen Blutkörperchen aber erst nach etwa 60 Stunden; ausgeschieden wird es überwiegend mit dem Stuhl [2].
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Für die meisten Nebenwirkungen von Colchicin nennen Packungsbeilage und Fachinformation keine genaue Häufigkeit; sie stehen unten unter "nicht bekannt", das heißt, die Häufigkeit lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen. Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Enges Wirkfenster: Zwischen einer wirksamen Dosis und einer Dosis, die Vergiftungszeichen verursacht, besteht nur ein geringer Unterschied; schon eine nur wenig zu hohe Dosis kann akute Vergiftungszeichen hervorrufen [1]. Die Fachinformation spricht von einer geringen therapeutischen Breite; die Behandlung muss abgebrochen werden, wenn Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall auftreten [2]. Blutbild: Colchicin kann die Knochenmarkfunktion schwer einschränken; das Blut sollte deshalb regelmäßig untersucht werden [1, 2]. Mehr dazu unter Blutungen und Blutbildveränderungen durch Medikamente.
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- Blut und LymphsystemSchwere Einschränkung der Knochenmarkfunktion (Knochenmarkdepression) mit Verschwinden bestimmter weißer Blutkörperchen (Agranulozytose) und schwerer Blutarmut durch mangelnde Bildung roter Blutkörperchen (aplastische Anämie), auch Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie); mögliche Zeichen sind Infektionen mit hohem Fieber, starke Halsschmerzen, Entzündungen im Mund, anhaltende Blutungen oder Blutergüsse[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsBlutungen und blaue FleckenFieber
- Muskeln, Knochen und GelenkeMuskelerkrankung (Myopathie) und Zerfall von Muskelgewebe (Rhabdomyolyse) mit Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Erschöpfung und rot bis braun verfärbtem Urin[1, 2]Mehr dazu: MuskelschmerzenMuskelschwächeUrinverfärbung
- NervensystemErkrankung der Nerven (Neuropathie) und Nervenentzündung (periphere Neuritis), die Schmerzen, ein Taubheitsgefühl und manchmal eine Störung der Nervenfunktion hervorrufen kann[1, 2]Mehr dazu: Kribbeln und Taubheitsgefühl
- Leber und GalleLeberschaden (Lebertoxizität)[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
- HautHaarausfall, Hautausschlag[1, 2]Mehr dazu: HaarausfallHautausschlag
- Geschlechtsorgane und BrustVerminderte Zahl oder völliges Fehlen von Spermien in der Samenflüssigkeit (Oligospermie, Azoospermie)[1, 2]
- Geschlechtsorgane und BrustAusbleiben der Regelblutung über 6 Monate oder länger (Amenorrhö) sowie Schmerzen und/oder Krämpfe während der Regelblutung (Dysmenorrhö)[1, 2]Mehr dazu: Zyklusstörungen
- AtemwegeHalsschmerzen (Schmerzen in Rachen und Kehlkopf)[1, 2]
- Stoffwechsel und ErnährungVitamin-B12-Mangel (eine Langzeitanwendung kann dazu führen)[1, 2]Mehr dazu: Nährstoffmangel
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Bei einer Überdosierung treten die ersten Vergiftungszeichen erst nach mehreren Stunden auf; 24 bis 72 Stunden nach der Einnahme können lebensbedrohliche Komplikationen folgen [1]. Laut Fachinformation ist Colchicin bei einer Überdosierung extrem giftig; ein Vergiftungsrisiko besteht speziell bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion, bei Magen-Darm- oder Herzerkrankungen und bei sehr alten Menschen. Nach einer Überdosierung sollten alle Betroffenen auch ohne frühe Beschwerden umgehend ärztlich untersucht werden [2]. Die vollständige Liste der Vergiftungszeichen steht in der Karte "Überdosierung" weiter unten; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Magen-Darm-Beschwerden ernst nehmen: Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall können erste Zeichen einer Vergiftung sein. Beenden Sie dann die Einnahme und wenden Sie sich umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder die Notaufnahme [1]. Mehr zu Durchfall durch Medikamente.
Blutuntersuchungen: Lassen Sie Ihr Blut so regelmäßig untersuchen, wie es Ihre Ärztin oder Ihr Arzt vorsieht [1]. Fieber, Entzündungen im Mund, Halsschmerzen, anhaltende Blutungen, Blutergüsse oder Hautprobleme können auf eine schwere Störung des Blutes hinweisen; dann nehmen Sie Colchicin nicht weiter ein und wenden sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt [1]. Bei längerer Einnahme kann ein Vitamin-B12-Mangel entstehen [1, 2].
Dosis und Abstände einhalten: Nehmen Sie nie mehr Tabletten als verordnet und nicht in kürzeren Abständen [1]. Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle anderen Arzneimittel, denn mehrere können die Giftwirkung von Colchicin verstärken [1, 2]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.
Wechselwirkungen
Colchicin ist ein Substrat des Enzyms CYP3A4 und des Transportproteins P-Glykoprotein; beide sind an seiner Verarbeitung im Körper beteiligt. Arzneimittel, die sie hemmen, können die Colchicin-Konzentration im Blut erhöhen; laut Fachinformation wurden dabei Vergiftungen bis hin zu Todesfällen berichtet [2]. Betroffen sind unter anderem Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin und Erythromycin, die Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol und Voriconazol, bestimmte HIV-Mittel, die Herzmittel Verapamil und Diltiazem sowie Ciclosporin [1, 2]. Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol und die in der Packungsbeilage genannten HIV-Proteasehemmer dürfen während der Colchicin-Behandlung nicht angewendet werden [1]. Zusammen mit Statinen wie Simvastatin, mit Fibraten oder Digoxin steigt das Risiko für einen Zerfall von Muskelgewebe [1, 2]. Auch Grapefruitsaft kann die Colchicin-Menge im Blut erhöhen [1, 2].
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin, Telithromycin, Clarithromycin und Azithromycin | Können eine Colchicin-Vergiftung hervorrufen; laut Fachinformation wurden mit Clarithromycin und Erythromycin auch Todesfälle berichtet[1, 2] | Wenn möglich während der Colchicin-Behandlung nicht anwenden; ist keine andere Behandlung möglich, kann die Ärztin oder der Arzt die Colchicin-Dosis verringern und Sie überwachen |
| Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol und Voriconazol | Mehr und möglicherweise sehr schwerwiegende Nebenwirkungen durch die Giftwirkung von Colchicin; laut Fachinformation Vergiftungen einschließlich Todesfällen berichtet[1, 2] | Dürfen während der Colchicin-Behandlung nicht angewendet werden |
| HIV-Proteasehemmer: Ritonavir, Atazanavir, Amprenavir, Saquinavir, Nelfinavir, Fosamprenavir und Indinavir | Mehr und möglicherweise sehr schwerwiegende Nebenwirkungen durch die Giftwirkung von Colchicin[1, 2] | Dürfen während der Colchicin-Behandlung nicht angewendet werden |
| Herzmittel Verapamil, Diltiazem und Chinidin | Mehr und möglicherweise sehr schwerwiegende Nebenwirkungen durch die Giftwirkung von Colchicin; laut Fachinformation mit Verapamil und Diltiazem Vergiftungen einschließlich Todesfällen berichtet[1, 2] | Vorher mit Ärztin, Arzt oder Apotheke sprechen; laut Fachinformation muss bei Verapamil und Chinidin gegebenenfalls die Colchicin-Dosis angepasst werden, bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sollte die gleichzeitige Anwendung mit ihnen vermieden werden |
| Ciclosporin (Mittel zur Unterdrückung des Immunsystems) | Mehr und möglicherweise sehr schwerwiegende Nebenwirkungen durch die Giftwirkung von Colchicin; außerdem höheres Risiko für Muskelerkrankung und Muskelzerfall[1, 2] | Vorher mit Ärztin, Arzt oder Apotheke sprechen; laut Fachinformation gegebenenfalls Dosisanpassung, bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion gleichzeitige Anwendung vermeiden |
| Andere Hemmstoffe des Enzyms CYP3A4 oder des Transportproteins P-Glykoprotein | Die Colchicin-Konzentration im Blut kann steigen; laut Fachinformation kann das bei P-Glykoprotein-Hemmern und starken CYP3A4-Hemmern zu Vergiftungen bis hin zu Todesfällen führen[2] | Laut Fachinformation bei mittelstarken oder starken CYP3A4-Hemmern und bei P-Glykoprotein-Hemmern die maximale Colchicin-Dosis senken und sorgfältig auf Nebenwirkungen überwachen; bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion die Kombination mit P-Glykoprotein-Hemmern oder starken CYP3A4-Hemmern nach Möglichkeit vermeiden |
| Cholesterinsenker: Statine (Simvastatin, Fluvastatin, Pravastatin) und Fibrate; Digoxin (Herzmittel) | Schwere Muskelerkrankung (Myopathie) und Zerfall von Muskelgewebe (Rhabdomyolyse) mit Muskelkrämpfen, Fieber und rotbraunem Urin möglich[1, 2] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Cimetidin (gegen Magen- und Darmgeschwüre) und Tolbutamid (Blutzuckersenker) | Können die Wirkung von Colchicin verstärken; laut Fachinformation durch höhere Colchicin-Spiegel[1, 2] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Arzneimittel, die das Blutbild beeinträchtigen oder Leber- oder Nierenfunktion verschlechtern können | Vorsicht geboten[1, 2] | Ärztin oder Arzt fragen |
| Vitamin B12 (Cyanocobalamin) | Colchicin kann die Aufnahme von Vitamin B12 aus dem Darm verringern[1, 2] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Grapefruitsaft | Kann die Menge an Colchicin im Blut erhöhen[1, 2] | Während der Einnahme keinen Grapefruitsaft trinken |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Colchicin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Haben Sie eine Erkrankung des Blutes oder eine schwere Nieren- oder Lebererkrankung, dürfen Sie Colchicin nicht einnehmen [1, 2]. Besondere Vorsicht gilt bei Erkrankungen von Leber oder Nieren, Herz- oder Gefäßerkrankungen, Problemen mit dem Verdauungssystem und bei älteren, geschwächten Menschen; sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch wenn diese Erkrankungen früher bestanden [1, 2].
Nicht einnehmen bei
Besondere Vorsicht bei
- Enges Wirkfenster: Zwischen einer wirksamen und einer giftigen Dosis besteht nur ein geringer Unterschied, schon eine nur wenig zu hohe Dosis kann akute Vergiftungszeichen hervorrufen. Die verordnete Dosis darf nicht überschritten werden[1, 2]
- Erkrankungen von Leber oder Nieren, Herz- oder Gefäßerkrankungen, Probleme mit dem Verdauungssystem, höheres Alter mit allgemeiner Schwäche, Erkrankungen des Blutes, auch wenn sie früher bestanden[1, 2]
- Blutbild: Colchicin kann die Knochenmarkfunktion schwer einschränken; das Blut sollte regelmäßig untersucht werden. Laut Fachinformation kann sich das Blutbild allmählich oder sehr plötzlich verändern, und vor allem eine aplastische Anämie hat eine hohe Sterblichkeit; bei punktförmigen Hautblutungen (Petechien) sollte das Blutbild sofort kontrolliert werden[1, 2]
- Langzeitanwendung kann zu einem Vitamin-B12-Mangel führen[1, 2]
- Kinder und Jugendliche mit familiärem Mittelmeerfieber: nur unter Aufsicht einer Fachärztin oder eines Facharztes; zur Langzeitanwendung bei Kindern liegen keine Daten vor[1, 2]
- Gichtbehandlung und Kinderwunsch: Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und mindestens 3 Monate nach dem Ende der Behandlung zuverlässig verhüten; Männer sollten während und mindestens 6 Monate danach kein Kind zeugen. Tritt in dieser Zeit eine Schwangerschaft ein, sollte eine genetische Beratung in Anspruch genommen werden[1, 2]
- Familiäres Mittelmeerfieber und Fruchtbarkeit: Weil die Erkrankung ohne Behandlung ebenfalls zu Unfruchtbarkeit führen kann, werden Nutzen und Risiken abgewogen; eine Behandlung kann erwogen werden, wenn sie klinisch notwendig ist[1, 2]
- Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Bei Schwangerschaft und Kinderwunsch unterscheiden Packungsbeilage und Fachinformation zwischen Gicht und familiärem Mittelmeerfieber [1, 2]. Das Beratungszentrum Embryotox beschreibt für Colchicin einen hohen Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft und empfiehlt, die Behandlung bei FMF auch in der Schwangerschaft weiterzuführen [3]. Zur Stillzeit und zur Einnahme durch den werdenden Vater weichen die Empfehlungen von Embryotox von der Packungsbeilage ab; beide Angaben stehen in den Karten unten [1, 3]. Zu Alkohol enthalten Packungsbeilage und Fachinformation von Colchicin-ratiopharm keinen eigenen Hinweis; allgemeine Informationen bietet der Ratgeber Medikamente und Alkohol.
Schwangerschaft
Gicht: Sie sollten Colchicin nicht anwenden, wenn Sie schwanger sind oder schwanger werden könnten. Laut Fachinformation liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen bei Schwangeren mit Gicht vor; die Anwendung kann nur erwogen werden, wenn andere Behandlungen einschließlich NSAR und Glucocorticoiden nicht infrage kommen. Tritt während der Behandlung oder innerhalb von 3 Monaten danach eine Schwangerschaft ein, sollte eine genetische Beratung in Anspruch genommen werden.[1, 2]
Familiäres Mittelmeerfieber: Weil die unbehandelte Erkrankung eine Schwangerschaft ebenfalls ungünstig beeinflussen kann, werden Nutzen und Risiken abgewogen; eine Behandlung kann erwogen werden, wenn sie klinisch notwendig ist. Laut Fachinformation deuten weitergehende Erfahrungen bei Schwangeren mit FMF nicht auf ein Fehlbildungsrisiko oder eine Schädigung des Kindes hin.[1, 2]
Laut Embryotox zeigten Studien mit etwa 1.000 Schwangeren, die überwiegend wegen FMF Colchicin erhielten, keine erhöhte Fehlbildungsrate; bei FMF sollte die Behandlung auch in der Schwangerschaft weitergeführt werden. Für den akuten Gichtanfall in der Schwangerschaft nennt Embryotox Ibuprofen im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel als Mittel der Wahl, gegebenenfalls auch Glucocorticoide. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Werdende Väter: Laut Packungsbeilage sollten Männer bei einer Gichtbehandlung während und mindestens 6 Monate danach kein Kind zeugen. Laut Embryotox ergaben dagegen Auswertungen von mehr als 400 Schwangerschaften, bei denen der Vater um die Zeit der Empfängnis Colchicin eingenommen hatte, kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, Fehlgeburten oder einen auffälligen Schwangerschaftsverlauf; eine Colchicin-Behandlung des werdenden Vaters muss laut Embryotox bei Kinderwunsch nicht umgestellt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1, 3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Colchicin geht in die Muttermilch über. Stillende Frauen mit Gicht sollten es nicht anwenden; bei familiärem Mittelmeerfieber wird abgewogen, ob das Stillen oder die Behandlung unterbrochen wird.[1, 2]
Laut Embryotox wurden auch bei langfristiger Behandlung wegen FMF bislang keine Auffälligkeiten bei gestillten Kindern beschrieben; Embryotox hält Stillen unter Colchicin für akzeptabel und empfiehlt, beim Kind auf Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall zu achten und eine im ganzen Körper wirkende (systemische) Behandlung des Kindes mit Makrolid-Antibiotika wegen möglicher Wechselwirkungen zu vermeiden.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Autofahren und Maschinen
Schläfrigkeit und Schwindel können auftreten. Sind Sie davon betroffen, fahren Sie nicht Auto und bedienen Sie keine Maschinen.[1, 2]
Einnahme
Die Tabletten im Ganzen mit einem Glas Wasser schlucken. Überschreiten Sie nie die verordnete Dosis und nehmen Sie die Tabletten nicht in kürzeren Abständen ein als verordnet.[1, 2]
Einnahme vergessen: Holen Sie sie nach, sobald Sie daran denken. Ist es schon fast Zeit für die nächste Einnahme, lassen Sie die vergessene Dosis aus; nehmen Sie nie die doppelte Menge.[1]
Absetzen
Bei einem Gichtanfall sollte die Behandlung beendet werden, wenn Magen-Darm-Beschwerden auftreten oder nach 2 bis 3 Tagen keine Wirkung eingetreten ist; laut Fachinformation auch, wenn der Anfall abgeklungen ist. Bei Durchfall oder Erbrechen muss Colchicin laut Fachinformation sofort abgesetzt werden.[1, 2]
Wenn Sie die Einnahme plötzlich beenden, können die Beschwerden zurückkehren, die vor Beginn der Behandlung bestanden; sprechen Sie immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung beenden.[1]
Überdosierung
Haben Sie zu viele Tabletten eingenommen oder hat ein Kind Tabletten geschluckt, wenden Sie sich umgehend an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses und nehmen Sie Packungsbeilage und restliche Tabletten mit. Erste Vergiftungszeichen treten erst nach mehreren Stunden auf: Brennen in Hals, Magen und auf der Haut, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und blutige Durchfälle, die zu einer Übersäuerung des Blutes, Flüssigkeitsverlust, Blutdruckabfall und Schock führen können. Später, 24 bis 72 Stunden nach der Einnahme, können lebensbedrohliche Komplikationen folgen: Bewusstseinsstörungen, möglicherweise mit Wahnvorstellungen (Delirium), Koma, Lähmungserscheinungen, Atemdepression, Flüssigkeit in der Lunge, Nierenschäden, Blutmangel und Herzstillstand. Etwa 7 Tage nach der Einnahme können vorübergehend vermehrt weiße Blutkörperchen und Haarausfall auftreten. Laut Fachinformation gibt es kein Gegenmittel, und eine Blutwäsche (Hämodialyse) wirkt nicht.[1, 2]
Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation
Die Packungsbeilage nennt getrennte Angaben für den akuten Gichtanfall, die Vorbeugung von Gichtanfällen und das familiäre Mittelmeerfieber, jeweils auch für eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion [1]. Die Fachinformation ergänzt, dass bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Hemmstoffe die maximale empfohlene Dosis gesenkt werden sollte [2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest: Überschreiten Sie sie nie [1].
Einnahme und Absetzen
Schlucken Sie die Tabletten im Ganzen mit einem Glas Wasser [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, holen Sie sie nach, sobald Sie daran denken; ist es fast Zeit für die nächste Einnahme, lassen Sie die vergessene aus und nehmen Sie nie die doppelte Menge [1]. Wirkt Colchicin aus Ihrer Sicht zu stark oder nicht stark genug, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [1].
Beim Gichtanfall sollte die Behandlung beendet werden, wenn Magen-Darm-Beschwerden auftreten oder nach 2 bis 3 Tagen keine Wirkung eingetreten ist; laut Fachinformation auch, sobald der Anfall abgeklungen ist [1, 2]. Wenn Sie die Einnahme plötzlich beenden, können die Beschwerden zurückkehren, die vor Beginn der Behandlung bestanden; sprechen Sie immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung beenden [1].
Präparate mit Colchicin
Colchicin gibt es als Tabletten von mehreren Herstellern. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten [1, 2]. Andere Präparate können sich in Stärke und Zusammensetzung unterscheiden; maßgeblich ist immer die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Colchicin-ratiopharm | ratiopharm GmbH | 0,5 mg Tabletten; Grundlage dieser Seite |
| Colchicin STADA | STADAPHARM GmbH | 0,5 mg Tabletten |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 11.10.2026
- Embryotox Embryotox: Colchicin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
Häufige Fragen
Wofür wird Colchicin eingesetzt?
Colchicin wird bei Erwachsenen zur kurz dauernden Behandlung akuter Gichtanfälle und zur Vorbeugung erneuter Gichtanfälle angewendet; die Fachinformation nennt die Vorbeugung eines Gichtanfalls zu Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung. Außerdem wird es bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen mit familiärem Mittelmeerfieber eingesetzt, um Fieberschüben und einer Amyloidose vorzubeugen.
Warum ist bei Colchicin die Dosis so wichtig?
Zwischen einer wirksamen und einer giftigen Dosis besteht nur ein geringer Unterschied; schon eine nur wenig zu hohe Dosis kann akute Vergiftungszeichen hervorrufen. Nehmen Sie deshalb nie mehr ein als verordnet und nicht in kürzeren Abständen. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosis finden Sie im Abschnitt Dosierung.
Was tun bei Durchfall oder Übelkeit unter Colchicin?
Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall sind häufig und können erste Anzeichen einer Vergiftung sein. Beenden Sie dann die Einnahme und wenden Sie sich umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses.
Darf ich Colchicin zusammen mit einem Antibiotikum nehmen?
Bei Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin, Erythromycin, Telithromycin oder Azithromycin ist Vorsicht nötig: Sie können eine Colchicin-Vergiftung hervorrufen; laut Fachinformation wurden mit Clarithromycin und Erythromycin auch Todesfälle berichtet. Wenn möglich, werden diese Antibiotika während der Colchicin-Behandlung nicht angewendet; ist keine andere Behandlung möglich, kann die Ärztin oder der Arzt die Colchicin-Dosis verringern und Sie überwachen. Sprechen Sie deshalb vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
Darf ich Grapefruitsaft trinken, wenn ich Colchicin nehme?
Nein. Grapefruitsaft kann die Menge an Colchicin im Blut erhöhen; Sie dürfen deshalb während der Einnahme keinen Grapefruitsaft trinken. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Grapefruit.
Wie schnell wirkt Colchicin beim Gichtanfall?
Laut Fachinformation tritt die Wirkung etwa 12 Stunden nach der Einnahme ein und ist nach 1 bis 2 Tagen am stärksten. Ist nach 2 bis 3 Tagen keine Wirkung eingetreten, sollte die Behandlung des Anfalls beendet werden; sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Senkt Colchicin die Harnsäure?
Nein. Colchicin hemmt die Entzündungsreaktion, die Harnsäurekristalle im Gelenk auslösen; laut Fachinformation hat es keinen Effekt auf den Harnsäurestoffwechsel. Wie Ihre Harnsäure behandelt wird, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was gilt bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft?
Bei einer Gichtbehandlung sollten Sie Colchicin in der Schwangerschaft nicht anwenden; Frauen müssen während und mindestens 3 Monate danach zuverlässig verhüten, Männer sollten laut Packungsbeilage während und mindestens 6 Monate danach kein Kind zeugen. Bei familiärem Mittelmeerfieber werden Nutzen und Risiken abgewogen; Embryotox empfiehlt, die Behandlung bei FMF auch in der Schwangerschaft fortzuführen, und hält eine Umstellung beim werdenden Vater nicht für nötig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
-
-
-
Nebenwirkungen Blutungen und Blutbildveränderungen durch MedikamenteGerinnungshemmer, Schmerzmittel und andere Medikamente können Blutungen fördern oder das Blutbild verändern.