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Gichtmittel
Gichtmittel werden entweder beim akuten Gichtanfall eingesetzt, etwa Colchicin, oder sie senken als Dauerbehandlung die Harnsäure im Blut, wie Allopurinol und Febuxostat. Unter Allopurinol und Febuxostat sind laut Fachinformation selten oder sehr selten schwere Haut- und Überempfindlichkeitsreaktionen möglich, vor allem in den ersten Behandlungswochen. Colchicin hat eine geringe therapeutische Breite: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall können erste Zeichen einer Vergiftung sein.

Gichtmittel werden für zwei verschiedene Aufgaben eingesetzt: Beim akuten Gichtanfall sollen sie Entzündung und Schmerzen lindern, als Dauerbehandlung sollen sie die Harnsäure im Blut senken und so weiteren Anfällen und Folgeschäden vorbeugen [8]. Für den Anfall ist Colchicin zugelassen, für die Dauerbehandlung Allopurinol und Febuxostat [2, 4, 5]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten. Mehr zur Erkrankung unter Gicht.
Was sind Gichtmittel?
Bei einer Gicht entzünden sich Gelenke, weil sich dort feine, nadelförmige Harnsäurekristalle ablagern; sie können sich bilden, wenn der Körper zu viel Harnsäure enthält [8]. Harnsäure ist ein Abbauprodukt der sogenannten Purine [8]. Allopurinol und Febuxostat ordnen ihre Fachinformationen den Urikostatika zu (ATC M04AA01 und M04AA03), Colchicin den Gichtmitteln ohne Effekt auf den Harnsäurestoffwechsel (M04AC01) [2, 4, 5].
Wie Gichtmittel wirken
Allopurinol und sein wichtigstes Abbauprodukt Oxipurinol verringern laut Fachinformation die Bildung von Harnsäure, indem sie das Enzym Xanthinoxidase hemmen; dadurch sinken die Harnsäure- und Uratspiegel in den Körperflüssigkeiten und im Urin [2]. Auch Febuxostat hemmt laut Fachinformation gezielt die Xanthinoxidase, die die beiden letzten Schritte der Harnsäurebildung steuert, und senkt so den Harnsäurespiegel im Blut [5]. Colchicin beeinflusst den Harnsäurestoffwechsel nicht: Weiße Blutkörperchen nehmen die Harnsäurekristalle auf und setzen dabei Entzündungsstoffe frei; Colchicin hemmt laut Fachinformation diese Vorgänge, sein Wirkmechanismus ist aber noch nicht vollständig bekannt [4]. Laut Fachinformation tritt die Wirkung von Colchicin etwa 12 Stunden nach der Einnahme ein [4].
Wofür Gichtmittel eingesetzt werden
Die Behandlung der Gicht hat laut IQWiG zwei Ziele: kurzfristig die Schmerzen bei einem Gichtanfall lindern und langfristig weiteren Anfällen vorbeugen sowie das Risiko für chronische Entzündungen und Gelenkschäden senken [8].
Behandlung des akuten Gichtanfalls
Gichtanfälle werden laut IQWiG mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt: mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) wie Ibuprofen, Indometacin oder Naproxen, mit Cortison-Präparaten, in der Regel Tabletten mit Prednisolon, oder mit Colchicin [8]. Laut IQWiG klingt ein akuter Gichtanfall meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen von selbst wieder ab [8]. Colchicin ist laut Fachinformation bei Erwachsenen zur Behandlung der akuten Gicht zugelassen und zur Vorbeugung eines Gichtanfalls, wenn eine harnsäuresenkende Behandlung begonnen wird; außerdem bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen mit familiärem Mittelmeerfieber [4].
Dauerbehandlung: Harnsäure senken
Nicht alle Menschen mit Gicht benötigen laut IQWiG harnsäuresenkende Mittel; vor allem nach einem ersten Gichtanfall ist eine medikamentöse Behandlung meist nicht nötig [8]. Empfohlen wird sie danach vor allem bei häufigen oder sehr belastenden Gichtanfällen, bei Gelenkschäden im Röntgenbild, bei Gichtknoten oder wenn der erhöhte Harnsäurespiegel zu Nierensteinen geführt hat; die Mittel müssen über Jahre eingenommen werden [9].
- Allopurinol ist laut Fachinformation bei Erwachsenen zugelassen bei Harnsäurewerten im Blut im Bereich von 500 µmol/l und darüber, wenn eine Ernährungsumstellung nicht ausreicht, und bei Folgen erhöhter Harnsäure, insbesondere Gicht, Nierenschäden durch Harnsäure (Uratnephropathie) sowie zur Auflösung und Verhütung von Harnsäuresteinen; außerdem bei erhöhter Harnsäure anderer Ursache (sekundäre Hyperurikämie) [2]. Präparate mit niedrigerem Wirkstoffgehalt sind auch für bestimmte Anwendungen bei Kindern zugelassen [2].
- Febuxostat ist laut Fachinformation bei Erwachsenen zugelassen zur Behandlung einer dauerhaft erhöhten Harnsäure (chronische Hyperurikämie), die bereits zu Harnsäureablagerungen geführt hat, etwa zu Gichtknoten oder einer Gichtarthritis. Die Tabletten mit 120 mg sind außerdem zugelassen zur Vorbeugung und Behandlung erhöhter Harnsäure bei Erwachsenen mit Blutkrebs (hämatologische Malignome), die eine Chemotherapie mit mittlerem bis hohem Risiko für ein Tumorlyse-Syndrom erhalten; dabei werden Krebszellen zerstört, und die Harnsäure im Blut steigt [5, 10].
Mit Allopurinol und Febuxostat sollte laut Fachinformation erst begonnen werden, wenn ein akuter Gichtanfall vollständig abgeklungen ist [2, 5]. Zu Beginn der Behandlung können Gichtanfälle ausgelöst werden, weil Harnsäureablagerungen im Gewebe mobilisiert werden. Laut Fachinformation von Allopurinol ist deshalb in den ersten 4 Behandlungswochen eine vorbeugende Gabe von Schmerzmitteln oder Colchicin in Betracht zu ziehen; die Fachinformation von Febuxostat empfiehlt eine Vorbeugung mit einem NSAR oder Colchicin über mindestens 6 Monate [2, 5]. Kommt es unter Febuxostat zu einem Gichtanfall, darf die Behandlung laut Fachinformation nicht abgesetzt werden; laut IQWiG ist es bei einem Anfall nicht nötig, die harnsäuresenkenden Medikamente abzusetzen [5, 9].
Wirkstoffe der Gruppe
Diese Gichtmittel sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:
- Allopurinolz. B. Allopurinol AbZ, Allopurinol-ratiopharmErhöhte Harnsäure, Gicht, Harnsäuresteine
- Colchicinz. B. Colchicin-ratiopharm, Colchicin STADAGichtanfall, Vorbeugung von Gichtanfällen, familiäres Mittelmeerfieber
- Febuxostatz. B. Adenuric 80 mg und 120 mg Filmtabletten, Febuxostat-ratiopharm, Febuxostat AbZGicht (dauerhaft erhöhte Harnsäure), Vorbeugung hoher Harnsäurewerte bei Chemotherapie gegen Blutkrebs
Mittel, die die Harnsäureausscheidung über die Nieren steigern (Urikosurika), wie Probenecid und Benzbromaron, können laut IQWiG zusätzlich zu Allopurinol eingenommen werden, werden aber nur sehr selten eingesetzt [9]. Alle drei Wirkstoffe dieser Seite sind verschreibungspflichtig [2, 4, 5].
Typische Nebenwirkungen

Die vollständige Liste steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats und auf den Wirkstoffseiten. Als häufigste Nebenwirkungen von Febuxostat nennt die Fachinformation unter anderem akute Gichtanfälle, Leberfunktionsstörungen, Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Hautausschlag [5]. Wie die Produktinformationen der einzelnen Wirkstoffe ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle. Was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
| Wirkstoff | Durchfall | Schwere Hautreaktionen | Allergische Reaktionen | Leberschäden und erhöhte Leberwerte | Veränderungen des Blutbilds |
|---|---|---|---|---|---|
| Allopurinol | Gelegentlich | Selten | Selten | Selten | Sehr selten |
| Colchicin | Häufig | nicht genannt | nicht genannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt |
| Febuxostat | Häufig | Selten | Selten | Häufig | Gelegentlich |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Bei Colchicin geben Fachinformation und Packungsbeilage außer für die Magen-Darm-Beschwerden keine Häufigkeiten an; aufgeführte Nebenwirkungen erscheinen in der Tabelle deshalb als "nicht bekannt", nicht aufgeführte als "nicht genannt" [3, 4].
Gichtanfälle zu Beginn der Dauerbehandlung
Gerade in den ersten Monaten können harnsäuresenkende Medikamente laut IQWiG Gichtanfälle sogar begünstigen, weil sich die vorhandenen Harnsäurekristalle erst nach und nach auflösen; das kommt danach recht häufig vor [9]. Die Fachinformation von Febuxostat stuft akute Gichtanfälle als häufig ein, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten; sie wurden häufig kurz nach Beginn und in den ersten Monaten beobachtet [5]. Die Packungsbeilage nennt eine Erhöhung der Gichtsymptome [10]. Wie solche Anfälle behandelt werden, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Mehr unter erhöhte Harnsäure und Gicht.
Hautausschlag und schwere Überempfindlichkeitsreaktionen
Überempfindlichkeitsreaktionen auf Allopurinol können sich laut Fachinformation unterschiedlich äußern, unter anderem als Hautausschlag, als Überempfindlichkeitssyndrom mit Beschwerden im ganzen Körper (DRESS) oder als lebensbedrohliche Hautreaktion (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse) [2]. Das Risiko ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten; bei Hautausschlag oder anderen Anzeichen ist Allopurinol sofort abzusetzen, und nach einem DRESS, Stevens-Johnson-Syndrom oder einer toxischen epidermalen Nekrolyse darf es nie wieder angewendet werden [2]. Bei chronisch eingeschränkter Nierenfunktion kann das Risiko erhöht sein [2]. Laut IQWiG kann ein Hautausschlag selten das erste Anzeichen einer Überempfindlichkeit sein; bei plötzlichem Krankheitsgefühl, Fieber, schnupfenähnlichen Beschwerden oder Hautausschlag ist es wichtig, schnell ärztlichen Rat einzuholen [9].
Das Erbmerkmal HLA-B*5801 ist laut Fachinformation von Allopurinol mit dem Risiko für ein Überempfindlichkeitssyndrom und für Stevens-Johnson-Syndrom bzw. toxische epidermale Nekrolyse verbunden. Es kommt bei bis zu 20 Prozent der Han-Chinesen, bei 8 bis 15 Prozent der Thai, bei etwa 12 Prozent der Koreaner und bei 1 bis 2 Prozent der Menschen japanischer oder europäischer Abstammung vor; bei Bevölkerungsgruppen mit hohem Vorkommen sollte vor Behandlungsbeginn ein Test erwogen werden [2]. Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse können aber auch bei Menschen ohne dieses Merkmal auftreten, unabhängig von ihrer Herkunft [2].
Auch unter Febuxostat wurde laut Fachinformation selten über schwerwiegende allergische Reaktionen berichtet, darunter Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, ein DRESS und akute anaphylaktische Reaktionen, meist im ersten Behandlungsmonat. Einige Betroffene hatten eine eingeschränkte Nierenfunktion oder zuvor eine Überempfindlichkeit gegen Allopurinol. Febuxostat ist dann sofort abzusetzen und darf nie wieder eingenommen werden [5]. Als Warnzeichen nennen die Packungsbeilagen beider Wirkstoffe unter anderem Blasen oder Ablösungen der Haut und offene, schmerzende Stellen an Mund oder Genitalien, laut Packungsbeilage von Febuxostat begleitet von Fieber und Halsschmerzen [1, 10]. Mehr unter schwere Hautreaktionen und Arzneimittelallergie.
Herz und Kreislauf unter Febuxostat
Die Zulassungsinhaber febuxostathaltiger Arzneimittel informierten in einem Rote-Hand-Brief vom 27. Juni 2019 darüber, dass in einer Studie mit Menschen mit Gicht und schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Vorgeschichte (CARES-Studie) unter Febuxostat ein höheres Risiko für Todesfälle insgesamt und für herz-kreislauf-bedingte Todesfälle beobachtet wurde als unter Allopurinol; bei bestehender schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankung, etwa nach Herzinfarkt oder Schlaganfall oder bei instabiler Angina pectoris, sollte Febuxostat danach vermieden werden, es sei denn, es gibt keine anderen Therapiemöglichkeiten [6]. Die aktuelle Fachinformation (Stand 09/2024) beschreibt die CARES-Ergebnisse, berücksichtigt außerdem eine weitere Studie (FAST) und sieht für diese Menschen eine Behandlung mit Vorsicht und regelmäßige Überwachung vor [5]. Haben Sie eine Herzerkrankung oder hatten Sie einen Schlaganfall, sprechen Sie das vor der Behandlung an. Mehr unter Herzinfarkt und Schlaganfall.
Colchicin: Magen-Darm-Beschwerden als Warnzeichen
Colchicin hat laut Fachinformation eine geringe therapeutische Breite, also einen geringen Abstand zwischen wirksamer und giftiger Menge; die verordnete Dosis darf nicht überschritten werden [4]. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall sind in der Packungsbeilage als häufig eingestuft und können erste Anzeichen einer Vergiftung sein; die Behandlung muss dann abgebrochen werden [3, 4]. Bei einer Überdosierung ist Colchicin laut Fachinformation extrem giftig; die Beschwerden können um Stunden verzögert auftreten, lebensbedrohliche Komplikationen später, und ein Gegenmittel gibt es nicht [4]. Nach einer Überdosierung sollten laut Fachinformation alle Betroffenen umgehend ärztlich untersucht werden, auch wenn keine frühen Beschwerden auftreten [4].
Colchicin kann laut Fachinformation außerdem die Knochenmarkfunktion schwer einschränken; das Blutbild kann sich allmählich oder sehr plötzlich verändern, regelmäßige Kontrollen sind unbedingt erforderlich [4]. Bei Fieber, Entzündungen im Mund, Halsschmerzen oder anhaltenden Blutungen ist die Behandlung umgehend abzubrechen [4]. Eine Langzeitanwendung kann mit einem Vitamin-B12-Mangel verbunden sein [4]. Mehr unter Blutungen und Blutbild.
Leber, Blutbild und Schilddrüse
Unter Allopurinol ist laut Fachinformation bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion und bei bestehenden Störungen der Blutbildung eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung nötig [2]. Für Febuxostat empfiehlt die Fachinformation vor Beginn und im Verlauf je nach Befund einen Leberfunktionstest [5]. Bei beiden Wirkstoffen wurden unter Langzeitbehandlung erhöhte Werte des schilddrüsenstimulierenden Hormons (TSH) beobachtet; bei veränderter Schilddrüsenfunktion ist Vorsicht geboten [2, 5]. Mehr unter Leberwerte.
Wichtige Wechselwirkungen
Die folgenden Wechselwirkungen beschreiben die Fachinformationen [2, 4, 5]:
| Zusammen mit | Was passieren kann |
|---|---|
| Azathioprin oder Mercaptopurin | Deren Spiegel können giftige Werte erreichen, mit schweren Schäden der Blutbildung; mit Allopurinol zu vermeiden, es gab Todesfälle [2]; mit Febuxostat nicht empfohlen [5] |
| Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin und Erythromycin, Pilzmittel wie Ketoconazol, Itraconazol und Voriconazol, HIV-Proteasehemmer, Ciclosporin, Verapamil und Diltiazem | Höhere Colchicin-Spiegel; Vergiftungen einschließlich Todesfällen wurden berichtet [4] |
| Grapefruitsaft | Kann die Colchicin-Spiegel erhöhen und darf nicht zusammen mit Colchicin eingenommen werden [4] |
| Statine wie Simvastatin, Fibrate, Ciclosporin, Digoxin | Mit Colchicin erhöhtes Risiko für Muskelerkrankungen und Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) [4] |
| Die Antibiotika Ampicillin und Amoxicillin | Unter Allopurinol häufiger allergische Hautausschläge; wenn möglich andere Antibiotika [2] |
| Blutgerinnungshemmer vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon | Wirkung kann durch Allopurinol verstärkt werden; häufigere Gerinnungskontrollen [2] |
| Mittel, die die Harnsäureausscheidung steigern, und Salicylate in hohen Dosen | Allopurinol wird schneller ausgeschieden und wirkt schwächer [2] |
| Captopril (ACE-Hemmer) | Mit Allopurinol höhere Gefahr von Hautreaktionen, besonders bei chronischem Nierenversagen [2] |
| Zytostatika (Mittel gegen Krebs) | Mit Allopurinol häufiger Veränderungen des Blutbilds [2] |
| Aluminiumhydroxid (gegen Magensäure) | Allopurinol kann schwächer wirken; mindestens 3 Stunden Abstand [2] |
Die Liste ist nicht vollständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen und Medikamente und Grapefruit; den Überblick behalten Sie mit dem Medikationsplan.
Wann Gichtmittel nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden
Colchicin darf laut Fachinformation bei Störungen des Blutbilds, schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung und Überempfindlichkeit nicht angewendet werden, zur Behandlung der Gicht außerdem nicht bei Kindern und Jugendlichen [3, 4]. Bei Allopurinol nennt die Fachinformation eine Überempfindlichkeit, für die höher dosierten Tabletten außerdem schwere Nierenfunktionsstörungen und Kinder [2]; bei Febuxostat nur eine Überempfindlichkeit [5]. Febuxostat wird laut Fachinformation nach einer Organtransplantation und beim Lesch-Nyhan-Syndrom mangels Erfahrung nicht empfohlen; für die Tabletten mit 80 mg gilt das laut ihrer Fachinformation auch bei anderer stark erhöhter Harnsäurebildung, etwa bei Krebserkrankungen und deren Behandlung [5]. Die Tabletten mit 120 mg sind dagegen für Erwachsene mit Blutkrebs unter bestimmten Chemotherapien zugelassen (siehe oben) [5].
Vorsicht ist laut Fachinformation von Colchicin geboten bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen, bei älteren und geschwächten Menschen und bei Auffälligkeiten des Blutbilds [4]. Allopurinol sollte bei Menschen, die wegen Bluthochdruck oder Herzschwäche etwa mit ACE-Hemmern oder Entwässerungsmitteln behandelt werden, mit Vorsicht gegeben werden, weil die Nierenfunktion beeinträchtigt sein kann [2]. Bei Behandlung einer Gichtniere und von Harnsäuresteinen soll die Harnmenge laut Fachinformation mindestens 2 Liter am Tag betragen [2]. Lebensmittel mit hohem Puringehalt, etwa Innereien und Fleischextrakt, sowie Alkohol, insbesondere Bier, sollten laut Fachinformation von Allopurinol gemieden werden [2]. Trifft ein Punkt auf Sie zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Schwangerschaft und Stillzeit
Allopurinol sollte laut Fachinformation in der Schwangerschaft nicht verwendet werden, es sei denn, es ist eindeutig erforderlich; nach einer unbeabsichtigten Schwangerschaft sollte im ersten Schwangerschaftsdrittel eine Ultraschalluntersuchung erfolgen [2]. Febuxostat sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden [5]. Colchicin sollte bei Gicht laut Fachinformation in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne zuverlässige Verhütung vermieden werden; es kann nur erwogen werden, wenn andere Behandlungen einschließlich NSAR und Glucocorticoiden nicht angewendet werden können [4]. Frauen müssen bei der Gichtbehandlung während und mindestens 3 Monate nach dem Ende der Colchicin-Behandlung zuverlässig verhüten, Männer sollten während und mindestens 6 Monate danach kein Kind zeugen [4].
Zur Behandlung des akuten Gichtanfalls in der Schwangerschaft nennt das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité (Embryotox) Ibuprofen im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel als Mittel der Wahl, gegebenenfalls auch Glucocorticoide [7]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei werdenden Vätern ergab sich laut Embryotox in Auswertungen von mehr als 400 Schwangerschaften nach Colchicin-Einnahme des Vaters um die Zeit der Empfängnis kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, Fehlgeburten oder einen auffälligen Schwangerschaftsverlauf; eine Colchicin-Behandlung des werdenden Vaters muss laut Embryotox bei Kinderwunsch nicht umgestellt werden [7]. Die Fachinformation nennt dagegen die oben genannte Frist von mindestens 6 Monaten [4]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
In der Stillzeit wird Allopurinol laut Fachinformation nicht empfohlen, Febuxostat sollte nicht angewendet werden, und stillende Frauen mit Gicht sollten Colchicin nicht anwenden [2, 4, 5]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Absetzen
Allopurinol wird laut Packungsbeilage regelmäßig und so lange eingenommen, wie die Ärztin oder der Arzt es bestimmt [1]. Febuxostat soll laut Packungsbeilage nicht ohne ärztliche Anweisung abgesetzt werden, auch wenn Sie sich besser fühlen, weil die Harnsäure wieder ansteigen kann [10]. Setzen Sie ein Mittel zur Dauerbehandlung nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Eine Ausnahme sind die Warnzeichen: Bei Hautausschlag oder anderen Zeichen einer Überempfindlichkeit werden Allopurinol und Febuxostat sofort abgesetzt [2, 5]. Colchicin wird beim Gichtanfall laut Fachinformation beendet, wenn der Anfall abgeklungen ist, oder früher, wenn Magen-Darm-Beschwerden auftreten oder nach 2 bis 3 Tagen keine Besserung eingetreten ist; bei Durchfall oder Erbrechen muss es sofort abgesetzt werden [4]. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.
Unterschied zu Schmerzmitteln und Mitteln, die Gicht begünstigen
NSAR und Cortison-Präparate werden laut IQWiG beim Gichtanfall gegen die Entzündung eingesetzt; zur langfristigen Senkung des Harnsäurespiegels nennt das IQWiG in der Regel Allopurinol [8]. Mehr unter NSAR und Glucocorticoide. Umgekehrt gibt es Medikamente, die den Harnsäurespiegel erhöhen und eine Gicht begünstigen können: laut IQWiG vor allem entwässernde Mittel (Diuretika), außerdem Acetylsalicylsäure, bestimmte Mittel nach einer Organtransplantation, das Parkinson-Mittel Levodopa und Krebsmedikamente [8]. Setzen Sie ein solches Mittel nicht selbst ab, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Allopurinol-ratiopharm® 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Allopurinol-ratiopharm® 100 mg/300 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Colchicin-ratiopharm® 0,5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Colchicin-ratiopharm® 0,5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Adenuric (EPAR), Anhang I: Fachinformation ADENURIC 80 mg und 120 mg Filmtabletten. Menarini International Operations Luxembourg S.A.. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Adenuric (Febuxostat) und anderen febuxostathaltigen Arzneimitteln: erhöhtes Risiko für kardiovaskulär bedingte Mortalität und Gesamtmortalität in der CARES-Studie. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM). Stand 27.06.2019. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Colchicin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Gicht. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.01.2022. abgerufen am 12.10.2026
- Wann ist bei Gicht eine langfristige Behandlung mit Medikamenten sinnvoll?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.01.2022. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Adenuric (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage ADENURIC 80 mg / 120 mg Filmtabletten. Menarini International Operations Luxembourg S.A.. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen beim akuten Gichtanfall?
Laut IQWiG werden Gichtanfälle mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt: mit NSAR wie Ibuprofen, Indometacin oder Naproxen, mit Cortison-Tabletten, in der Regel Prednisolon, oder mit Colchicin. Allopurinol und Febuxostat sind keine Mittel für den Anfall; mit ihnen wird erst begonnen, wenn ein Anfall vollständig abgeklungen ist.
Was ist der Unterschied zwischen Allopurinol und Colchicin?
Allopurinol hemmt das Enzym Xanthinoxidase und senkt so dauerhaft die Bildung von Harnsäure. Colchicin beeinflusst den Harnsäurestoffwechsel nicht, sondern hemmt die Entzündung, die Harnsäurekristalle im Gelenk auslösen; es ist für den akuten Gichtanfall und zur Vorbeugung von Anfällen zu Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung zugelassen.
Warum bekomme ich zu Beginn der Behandlung mit Allopurinol Gichtanfälle?
Zu Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung können laut Fachinformation Harnsäureablagerungen im Gewebe mobilisiert werden; dadurch können Gichtanfälle ausgelöst werden. Die Fachinformationen nennen deshalb eine vorbeugende Begleitbehandlung, etwa mit Colchicin oder einem Schmerzmittel. Laut IQWiG ist es bei einem Anfall nicht nötig, das harnsäuresenkende Mittel abzusetzen.
Was tun bei Hautausschlag unter Allopurinol?
Allopurinol sofort absetzen und ärztliche Hilfe holen. Überempfindlichkeitsreaktionen auf Allopurinol können sich laut Fachinformation als Hautausschlag, als Überempfindlichkeitssyndrom oder als lebensbedrohliche Hautreaktion äußern; das Risiko ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten. Nach einer schweren Hautreaktion darf Allopurinol nie wieder eingenommen werden.
Ist Febuxostat gefährlich für das Herz?
In der CARES-Studie wurden bei Menschen mit schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankung unter Febuxostat mehr tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse beobachtet als unter Allopurinol; darüber informierte ein Rote-Hand-Brief vom 27.06.2019. Der Brief riet danach, Febuxostat bei bestehender schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu vermeiden, es sei denn, es gibt keine anderen Therapiemöglichkeiten. Die aktuelle Fachinformation (Stand 09/2024) berücksichtigt eine weitere Studie und sieht bei diesen Menschen eine Behandlung mit Vorsicht und regelmäßige Überwachung vor. Sprechen Sie Herzerkrankungen vor der Behandlung an.
Warum ist Colchicin gefährlich?
Colchicin hat eine geringe therapeutische Breite: Zwischen wirksamer und giftiger Menge liegt wenig Abstand, und bei Überdosierung ist es laut Fachinformation extrem giftig. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall können erste Vergiftungszeichen sein; dann muss die Behandlung abgebrochen werden. Nach zu vielen Tabletten wenden Sie sich sofort an eine Ärztin, einen Arzt oder die Notaufnahme, auch ohne Beschwerden.
Darf ich während der Behandlung mit Allopurinol Alkohol trinken?
Laut Fachinformation von Allopurinol sollten Alkohol, insbesondere Bier, und Lebensmittel mit hohem Puringehalt wie Innereien gemieden werden. Bier enthält danach Guanosin, das den Harnsäurespiegel stark erhöht.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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