KrankheitenKrankheit

Gicht

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich Gelenke durch Kristalle aus Harnsäure entzünden; ein Gichtanfall klingt laut IQWiG normalerweise innerhalb von 1 bis 2 Wochen von selbst ab. Laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie soll ein akuter Gichtanfall zeitnah mit Colchicin, Glukokortikoiden oder entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) behandelt werden (Empfehlungsgrad A), wobei Prednisolon laut Fachinformation für die Gicht nicht ausdrücklich zugelassen ist; bei einem einschränkenden Anfall, mehr als einem Gichtanfall im Jahr oder Gichtknoten sollte danach eine harnsäuresenkende Behandlung mit einem Xanthinoxidase-Hemmer wie Allopurinol begonnen werden (Empfehlungsgrad 0). Kommen zu einer Gelenkentzündung Fieber oder ein akut verschlechterter Allgemeinzustand hinzu, kann laut der durch die S3-Leitlinie abgelösten DEGAM-Leitlinie von 2023 eine Gelenkinfektion dahinterstecken, laut S3-Leitlinie ein möglicherweise lebensbedrohlicher Notfall.

Mann Anfang sechzig mit kurzem grauem Haar und Bart in einem dunkelgrünen Strickpullover sitzt auf dem Sofa und hat einen Fuß in Wollsocke auf ein Kissen auf dem Couchtisch hochgelegt
Bild: KI-generiert

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich Gelenke entzünden. Auslöser sind winzige, nadelförmige Kristalle aus Harnsäure, die entstehen können, wenn sich zu viel Harnsäure im Körper befindet. Ein Gichtanfall klingt normalerweise innerhalb von 1 bis 2 Wochen von selbst ab; die Schmerzen lassen sich mit Medikamenten lindern [1]. Laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) soll ein akuter Anfall zeitnah mit Colchicin, Glukokortikoiden oder entzündungshemmenden Schmerzmitteln behandelt werden (Empfehlungsgrad A) [5]. Um weiteren Anfällen vorzubeugen, kommen eine Umstellung der Ernährung und Medikamente infrage, die die Harnsäure dauerhaft senken [1].

Was ist Gicht?

Harnsäure ist ein Abbauprodukt der Purine, eines Bestandteils der Nukleinsäuren. Überschreitet der Harnsäurespiegel eine bestimmte Grenze, kann die Harnsäure Kristalle bilden, die sich meist in den Gelenken ablagern und dort einen Gichtanfall auslösen können [1]. Viele Menschen haben erhöhte Harnsäurewerte, aber keine Beschwerden; ob das eine gesundheitliche Bedeutung hat, ist umstritten, behandelt werden müssen sie nicht. Nach Schätzungen erkrankt nur etwa ein Drittel der Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel an Gicht [1].

Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung in Industrieländern wie Deutschland; Schätzungen zufolge sind 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung betroffen. Männer erkranken ungefähr fünfmal so oft und früher als Frauen, meist ab dem 40. Lebensjahr; bei Frauen kommt Gicht in der Regel erst nach den Wechseljahren vor [1].

Die meisten Menschen, die einen Gichtanfall hatten, erleben sechs Monate bis zwei Jahre danach einen weiteren. Nach durchschnittlich etwa zwölf Jahren kann eine Gicht chronisch werden und die Gelenke schädigen, aber nicht bei allen Menschen. Über Jahre können sich Harnsäureablagerungen in den Weichteilen bilden, sogenannte Gichtknoten (Tophi), vor allem am Ellbogen, an den Achillessehnen, an Zehen- und Fingergelenken und am Ohr [1]. Menschen mit Gicht haben außerdem ein erhöhtes Risiko für Nierensteine [1].

Symptome

Ein Gichtanfall beginnt oft nachts oder früh morgens mit einer plötzlichen, sehr schmerzhaften Gelenkschwellung. Das entzündete Gelenk ist druckempfindlich, überwärmt und gerötet. Meist sind Schwellung und Beschwerden nach 6 bis 12 Stunden am stärksten; häufig ist schon der Druck der Bettdecke kaum erträglich. Geht die Schwellung nach einigen Tagen zurück, kann sich die Haut über dem Gelenk etwas abschälen [1].

Beim ersten Anfall ist oft nur ein Gelenk betroffen, meist das Grundgelenk des großen Zehs. Entzünden können sich auch Mittelfuß- und Sprunggelenke, Knie, Ellbogen, Hand- und Fingergelenke; in Schultern und Hüften treten Gichtanfälle nur selten auf [1]. Bei einer chronischen Gicht sind die Gelenke dauerhaft leicht entzündet, können sich mit der Zeit verformen und sind dann weniger beweglich [1].

Ursachen und Risikofaktoren

Bei manchen Menschen scheiden die Nieren nicht genug Harnsäure aus, sodass der Harnsäurespiegel steigt. Auch Erkrankungen wie Blutbildungsstörungen oder bestimmte Krebserkrankungen wie Leukämie können dazu beitragen. Nur selten bildet der Körper zu viel Harnsäure, zum Beispiel bei einer Erbkrankheit [1]. Zu den in Studien nachgewiesenen Risikofaktoren zählt das IQWiG [1]:

  • Medikamente, die den Harnsäurespiegel erhöhen: vor allem entwässernde Mittel (Diuretika), außerdem Acetylsalicylsäure (ASS), bestimmte Mittel nach einer Organtransplantation, das Parkinson-Medikament Levodopa und Krebsmedikamente [1]
  • Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte: Sie enthalten viele Purine und erhöhen in größeren Mengen leicht das Risiko; purinreiche pflanzliche Lebensmittel zeigten in Studien keinen Einfluss [1]
  • Alkohol: Bier und hochprozentiger Alkohol können Gicht begünstigen, Wein in Maßen hat anscheinend keinen Einfluss [1]
  • Zuckerhaltige Getränke wie Cola und möglicherweise Fruchtsäfte [1]
  • Übergewicht: Das Risiko steigt mit zunehmendem Body-Mass-Index [1]. Mehr dazu: Adipositas

Medikamente: Medikamente, die die Harnsäure erhöhen, insbesondere Schleifen- und Thiaziddiuretika, sollten laut S3-Leitlinie nur unter strenger Indikationsstellung eingesetzt werden; mögliche Alternativen sollten gesucht werden (Expertenkonsens) [5]. Welche Wirkstoffe betroffen sind, steht auf der Seite Gicht und erhöhte Harnsäure durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Diagnose

Laut S3-Leitlinie sollte die Diagnose anhand der Vorgeschichte (Schmerzmaximum ohne Vorboten innerhalb von 24 Stunden, frühere Anfälle), des Befunds (betroffenes Gelenk, Rötung, Schwellung, Überwärmung, Gichtknoten) und der Harnsäurekonzentration im Blut gestellt werden (Empfehlungsgrad B). Ist eine weiterführende Untersuchung erforderlich, sollten eine Gelenkpunktion mit Untersuchung der Gelenkflüssigkeit unter dem Polarisationsmikroskop oder ein Ultraschall erfolgen (Empfehlungsgrad B); eine besondere Computertomografie (Dual-Energy-CT) kann erwogen werden (Empfehlungsgrad 0) [5].

Nur den Harnsäurespiegel zu bestimmen, ist laut IQWiG wenig aussagekräftig, weil er während eines Gichtanfalls oft in den Normalbereich absinkt [1]. Abzugrenzen sind laut Leitlinie zum Beispiel eine aktivierte, entzündlich erscheinende Arthrose, andere durch Kristalle ausgelöste Gelenkerkrankungen, eine reaktive Arthritis oder eine Psoriasis-Arthritis und als Notfall eine infektiöse Arthritis [5].

Behandlung ohne Medikamente

Im Anfall: Ruhigstellen, Hochlagern und Kühlen sollten laut S3-Leitlinie unterstützend angewandt werden (Empfehlungsgrad B) [5]. Während eines Anfalls kann jede Art von Druck auf das Gelenk schmerzhaft sein; Ruhe und Schonung sind in diesen Tagen wichtig [1].

Ernährung und Gewicht: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit weniger Fleisch, mehr Pflanzlichem, weniger Alkohol und weniger mit Fruchtzucker angereicherten Lebensmitteln kann laut S3-Leitlinie empfohlen werden (Empfehlungsgrad 0); für eine bestimmte Diät, die Gichtanfälle verringert, gibt es danach keine durch Studien gesicherte Empfehlung [5]. Menschen mit Gicht sollten laut Leitlinie darüber aufgeklärt werden, dass Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko für Gichtanfälle erhöhen (Empfehlungsgrad B) [5]. Einzelne Studien weisen laut IQWiG darauf hin, dass bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme helfen kann; auf striktes Fasten verzichten Menschen mit Gicht besser, weil es selbst einen Gichtanfall auslösen kann [4].

Alkohol: Studien deuten laut IQWiG darauf hin, dass Menschen mit Gicht häufiger einen Anfall bekommen, wenn sie in den 24 Stunden davor mehr als 1 bis 2 alkoholische Getränke getrunken haben [4]. Die Packungsbeilage von Allopurinol rät, purinreiche Lebensmittel wie Innereien und Fleischextrakt sowie Alkohol, besonders Bier, zu meiden [13].

Behandlung mit Medikamenten

Ältere Frau mit kurzem silbergrauem Haar in einer bordeauxroten Bluse sitzt am Küchentisch und schneidet frisches Gemüse auf einem Holzbrett, daneben eine Karaffe mit Wasser
Bild: KI-generiert

Behandlung des Gichtanfalls

Laut S3-Leitlinie der DGRh (Version 2.1, gültig ab 24.08.2024) soll die Behandlung eines akuten Gichtanfalls zeitnah mit Colchicin, Glukokortikoiden oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) als Mitteln der ersten Wahl erfolgen, in alphabetischer Reihenfolge genannt. Die Auswahl soll sich nach anderen Medikamenten, Begleiterkrankungen und weiteren Gegenanzeigen richten (Empfehlungsgrad A) [5]. Wenn Colchicin gewählt wird, soll es nur niedrig dosiert eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [5]. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 24 bis 72 Stunden, sollten sie erneut beurteilt und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden (Expertenkonsens) [5].

Laut IQWiG kann Colchicin die Beschwerden einer akuten Gicht lindern; wichtig ist, die Behandlung in den ersten 36 Stunden des Anfalls zu beginnen [2]. Laut Packungsbeilage sollte die Behandlung beendet werden, falls Magen-Darm-Beschwerden auftreten oder nach 2 bis 3 Tagen keine Wirkung eingetreten ist [7].

Glukokortikoide (Kortison): Die S3-Leitlinie nennt sie als Mittel der ersten Wahl und empfiehlt, wenn man sich dafür entscheidet, eine Einnahme einmal morgens über 5 Tage, berechnet als Prednisolon (Empfehlungsgrad B) [5]. In der Fachinformation von Predni H Tablinen ist die Gicht nicht unter den Anwendungsgebieten aufgeführt; für diese Anwendung ist Prednisolon danach nicht ausdrücklich zugelassen [21]. Mehr zur Gruppe: Glucocorticoide.

Bei mindestens 3 Gichtanfällen im Jahr, wenn Colchicin, NSAR oder Glukokortikoide nicht ausreichend wirken oder nicht angewendet werden dürfen, kann laut Leitlinie eine Behandlung mit dem Antikörper Canakinumab erwogen werden (Empfehlungsgrad 0) [5].

Medikamente bei Gicht: Beispiele mit eigener Wirkstoffseite
WirkstoffgruppeBeispielWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Gichtmittel (ohne Wirkung auf die Harnsäure)ColchicinHemmt die Entzündungsreaktion, die Harnsäurekristalle in der Gelenkflüssigkeit auslösen [7]; die Wirkung tritt etwa 12 Stunden nach der Einnahme ein [8]Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall; dann die Einnahme beenden und sich umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder die Notaufnahme wenden [7]
NSAR (entzündungshemmende Schmerzmittel)NaproxenHemmt die Bildung von Prostaglandinen; beim Menschen verringert es entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber [10]Sehr häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Magenschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt; häufig unter anderem Magen-Darm-Geschwüre, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Wassereinlagerungen in Armen und Beinen [9]
NSAR (Coxibe)EtoricoxibHemmt gezielt das Enzym Cyclooxygenase-2 (COX-2), das laut Fachinformation vermutlich vor allem für die Bildung von Botenstoffen bei Schmerz, Entzündung und Fieber verantwortlich ist [12]Sehr häufig: Magenschmerzen; häufig unter anderem Schwellungen der Beine oder Füße durch Wassereinlagerungen, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, Herzrhythmusstörungen, erhöhter Blutdruck, Verdauungsbeschwerden, Sodbrennen, Durchfall, Übelkeit [11]
Gichtmittel (Xanthinoxidase-Hemmer)AllopurinolHemmt zusammen mit seinem Abbauprodukt Oxipurinol das Enzym Xanthinoxidase und verringert so die Bildung von Harnsäure [14]Häufig: erhöhter Wert des schilddrüsenstimulierenden Hormons (TSH) im Blut; gelegentlich: Durchfall. Hautreaktionen sind laut Packungsbeilage die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen und können jederzeit während der Behandlung auftreten [13]
Gichtmittel (Xanthinoxidase-Hemmer)FebuxostatHemmt gezielt die Xanthinoxidase und senkt so den Harnsäurespiegel im Blut [15]Häufig: auffällige Lebertestwerte, Durchfall, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Übelkeit, Zunahme der Gichtbeschwerden, Wassereinlagerung (Ödem), Schwindelgefühl, Kurzatmigkeit, Juckreiz, Schmerzen in Armen und Beinen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit [15]

Sehr häufig heißt bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10 und gelegentlich bei bis zu 1 von 100 [9, 13]; mehr dazu im Ratgeber Beipackzettel verstehen. Jede Angabe gilt für den Wirkstoff, bei dem sie steht.

Anwendungsgebiete: Colchicin ist bei Erwachsenen für die Behandlung der akuten Gicht und zur Vorbeugung eines Gichtanfalls zu Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung zugelassen; bei Kindern und Jugendlichen darf es nicht zur Behandlung von Gicht angewendet werden [7, 8]. Naproxen wird laut Packungsbeilage von Naproxen-CT unter anderem bei akuten Gelenkentzündungen einschließlich Gichtanfall angewendet [9]; dasselbe Anwendungsgebiet nennen die Packungsbeilagen je eines verschreibungspflichtigen Präparats mit Diclofenac und mit Ibuprofen [19, 20]. Etoricoxib wird laut Packungsbeilage ab 16 Jahren unter anderem beim Gichtanfall angewendet [11]. Allopurinol ist bei Erwachsenen unter anderem bei Folgen erhöhter Harnsäure wie Gicht zugelassen [14], Febuxostat bei dauerhaft erhöhter Harnsäure, die bereits zu Ablagerungen wie Gichtknoten oder einer Gichtarthritis geführt hat [15]. Die Dosierung laut Packungsbeilage steht auf den Wirkstoffseiten (Colchicin, Naproxen, Etoricoxib, Allopurinol, Febuxostat).

Harnsäure dauerhaft senken

Nicht alle Menschen mit Gicht brauchen harnsäuresenkende Mittel; vor allem nach einem ersten Gichtanfall ist eine Behandlung mit Medikamenten meist nicht nötig. Infrage kommen sie laut IQWiG vor allem, wenn eine Umstellung der Ernährung nicht ausreicht, sich die Anfälle häufen oder besonders belastend sind, bei Gichtknoten, Nierensteinen oder eingeschränkter Nierenfunktion [1]. Laut S3-Leitlinie sollten beim ersten Gichtanfall alle Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden, um weitere Anfälle zu verhindern (Empfehlungsgrad 0). Eine Behandlung mit einem Xanthinoxidase-Hemmer sollte bei einem einschränkenden oder beeinträchtigenden Anfall, bei mehr als einem Gichtanfall im Jahr oder bei Gichtknoten (tophöser Gicht) begonnen werden (Empfehlungsgrad 0) [5].

Unter der Behandlung sollte laut Leitlinie ein Harnsäurewert im Blut unter 6 mg/dl (360 µmol/l) erreicht werden (Empfehlungsgrad 0); bei Gichtknoten kann ein Zielwert unter 5 mg/dl erwogen werden (Empfehlungsgrad 0). Die DEGAM spricht sich in einem Sondervotum für ein an das persönliche Risiko angepasstes Vorgehen aus; eine Behandlung nach festem Zielwert sollte danach nicht grundsätzlich erfolgen [5]. Wenn Mittel, die die Harnsäurebildung hemmen, nicht eingesetzt werden können oder trotz der höchstmöglichen Dosis nicht ausreichend wirken, sollte die Harnsäure mit Mitteln gesenkt werden, die ihre Ausscheidung über die Nieren steigern (Urikosurika wie Benzbromaron), gegebenenfalls auch in Kombination (Empfehlungsgrad B) [5].

Allopurinol oder Febuxostat: Bei Menschen mit Gicht und Herz-Kreislauf-Begleiterkrankungen sollte laut S3-Leitlinie bevorzugt mit Allopurinol, alternativ mit Febuxostat behandelt werden (Empfehlungsgrad B) [5]. Nach dem Rote-Hand-Brief der Zulassungsinhaber vom 27. Juni 2019 (in Abstimmung mit EMA und BfArM) wurde in der CARES-Studie bei Menschen mit Gicht und einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Vorgeschichte unter Febuxostat ein höheres Risiko für Todesfälle insgesamt und für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle beobachtet als unter Allopurinol; die Behandlung von Menschen mit bestehender schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankung, etwa Herzinfarkt, Schlaganfall oder instabiler Angina pectoris, sollte vermieden werden, es sei denn, es gibt keine anderen Behandlungsmöglichkeiten [16]. Laut der späteren Fachinformation war Febuxostat in einer weiteren Studie (FAST) Allopurinol bei Herz-Kreislauf-Ereignissen nicht unterlegen; die Behandlung dieser Patientengruppe sollte mit Vorsicht erfolgen, und diese Patientinnen und Patienten sollten regelmäßig überwacht werden [15].

Gichtanfälle zu Beginn: Mit Allopurinol oder Febuxostat sollte laut Packungsbeilage beziehungsweise Fachinformation erst begonnen werden, wenn ein akuter Gichtanfall vollständig abgeklungen ist [13, 15]. Zu Beginn der Behandlung mit Allopurinol können durch die Freisetzung von Harnsäuredepots akute Gichtanfälle ausgelöst werden; deshalb ist während der ersten 4 Behandlungswochen eine gleichzeitige vorbeugende Gabe von Schmerzmitteln oder Colchicin in Betracht zu ziehen [13]. Laut S3-Leitlinie kann zu Beginn einer solchen Behandlung über 3 bis 6 Monate vorgebeugt werden, mit niedrig dosiertem Colchicin oder NSAR (Empfehlungsgrad 0) [5]. Bei Febuxostat empfiehlt die Fachinformation zu Beginn der Behandlung eine Vorbeugung mit einem NSAR oder mit Colchicin über mindestens 6 Monate [15]. Auch bei einem Gichtanfall müssen Sie Febuxostat laut Packungsbeilage weiter einnehmen, weil es trotzdem wirkt und die Harnsäure senkt [15].

Nebenwirkungen der Medikamente

Allopurinol und Haut: Beim Auftreten von Hautjucken, Knötchen, Schuppung oder Hautblutungen ist Allopurinol laut Packungsbeilage sofort abzusetzen und die Ärztin oder der Arzt aufzusuchen, weil schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten können [13]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Das höchste Risiko für schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse) besteht in den ersten Behandlungswochen; sie können bei Menschen, die von Han-Chinesen, Thailändern oder Koreanern abstammen, häufiger auftreten. Auch bei chronisch eingeschränkter Nierenfunktion kann das Risiko erhöht sein [13]. Nach einer schweren Hautreaktion darf nie wieder mit Allopurinol behandelt werden [13]. Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen.

Febuxostat und Allergien: Bei einer allergischen Reaktion, etwa Hautausschlag, Schwellung von Gliedmaßen oder Gesicht, Atembeschwerden oder Fieber mit vergrößerten Lymphknoten, beenden Sie die Einnahme laut Packungsbeilage sofort [15]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.

Colchicin: Zwischen einer wirksamen Dosis und einer Dosis, die eine Vergiftung verursacht, besteht laut Packungsbeilage nur ein geringer Unterschied. Bei Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall nehmen Sie Colchicin nicht weiter ein und wenden sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt [7]. Colchicin kann die Knochenmarkfunktion schwer einschränken; bei Fieber, einer Entzündung im Mund, Halsschmerzen, anhaltenden Blutungen, Blutergüssen oder Hautproblemen nehmen Sie es nicht weiter ein und wenden sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt [7]. Zusammen mit bestimmten Antibiotika (Makroliden), Pilzmitteln wie Ketoconazol, bestimmten HIV-Mitteln, Verapamil, Diltiazem, Chinidin oder Ciclosporin treten Nebenwirkungen durch die Giftwirkung häufiger auf und können sehr schwerwiegend sein; Grapefruitsaft dürfen Sie während der Einnahme nicht trinken [7]. Im Februar 2017 leitete das BfArM wegen Meldungen über Medikationsfehler mit einem Colchicin-Präparat in Tropfenform ein Stufenplanverfahren ein (Anhörung vom 7. Februar 2017): Berichtet wurden Überschreitungen der empfohlenen Einzel- und Höchstdosis und der Anwendungsdauer, auch mit tödlichem Verlauf; das BfArM strebte eine Begrenzung der Packungsgröße auf 30 ml an [18]. Mehr dazu: Durchfall durch Medikamente.

NSAR: Bei stärkeren Schmerzen im Oberbauch, schwarzem Stuhl oder Blut im Stuhl müssen Sie Naproxen laut Packungsbeilage sofort absetzen und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen [9]. Bei Bluthochdruck, der durch eine Behandlung nicht ausreichend kontrolliert ist, dürfen Sie Etoricoxib laut Packungsbeilage nicht einnehmen [11]; laut einer Risikoinformation des BfArM vom 8. Juli 2008 empfahl der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der damaligen Europäischen Arzneimittelagentur EMEA, diese Gegenanzeige auf Patientinnen und Patienten zu erweitern, deren Blutdruck anhaltend über 140/90 mmHg liegt; außerdem sollte ein erhöhter Blutdruck vor Behandlungsbeginn behandelt und der Blutdruck vor Beginn, in den zwei Wochen danach und regelmäßig im weiteren Verlauf kontrolliert werden [17]. Die Fachinformation nennt als Gegenanzeige einen Blutdruck, der anhaltend über 140/90 mmHg erhöht und nicht ausreichend eingestellt ist [12]. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen der NSAR zählt die S3-Leitlinie Magen-Darm-Nebenwirkungen wie Verdauungsstörungen, Magenschleimhautentzündungen, Geschwüre, Durchbrüche und Blutungen, die mögliche Verschlechterung einer bestehenden Herz- oder Nierenschwäche, eine akute Nierenschädigung und eine abgeschwächte Wirkung blutdrucksenkender Medikamente [5]. Für Diclofenac in Darreichungsformen, die im ganzen Körper wirken, besteht laut Rote-Hand-Brief der Zulassungsinhaber vom Juli 2013 eine Gegenanzeige bei bestehender Herzschwäche (NYHA-Stadien II bis IV), bei Durchblutungsstörungen des Herzens (ischämische Herzerkrankung), bei Erkrankungen der Arterien in Armen oder Beinen (periphere Arterienerkrankung) und bei Durchblutungsstörungen des Gehirns (zerebrovaskuläre Erkrankung) [23]. Mehr dazu: Magenbeschwerden durch Medikamente.

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [7]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Gicht

Kontrollen: Nach Beginn einer Behandlung mit Allopurinol wird laut IQWiG zunächst alle drei Monate kontrolliert, ob der Harnsäurewert ausreichend gesunken ist; später reichen seltenere Kontrollen, zum Beispiel einmal im Jahr [3]. Bei der Behandlung sollte laut S3-Leitlinie unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen geprüft werden, ob sich die Mittel mit anderen Medikamenten vertragen und richtig dosiert sind (Empfehlungsgrad B) [5]. Mehr dazu: Viele Medikamente gleichzeitig.

Trinken: Bei Harnsäuresteinen und einer Gichtniere soll die Harnmenge unter Allopurinol laut Packungsbeilage mindestens 2 Liter am Tag betragen; achten Sie dann auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr [13].

Kinderwunsch: Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und mindestens drei Monate nach dem Ende einer Gichtbehandlung mit Colchicin laut Packungsbeilage zuverlässig verhüten; Männer sollten während und mindestens 6 Monate danach kein Kind zeugen [7]. Allopurinol sollte laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht angewendet werden [13]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Eine Gelenkentzündung kann auch durch Bakterien verursacht sein, zum Beispiel nach einer Verletzung; eine solche Infektion des Gelenks sollte rasch behandelt werden [1]. Laut S3-Leitlinie ist bei Verdacht auf eine infektiöse Arthritis eine Gelenkpunktion immer angezeigt, weil sie ein akuter, möglicherweise lebensbedrohlicher Notfall ist [5]. Als mögliche Hinweise nennt die DEGAM-Leitlinie zur akuten Gicht von 2023, die bis zur Fertigstellung der S3-Leitlinie galt, eine kurz zurückliegende Verletzung einschließlich einer Gelenkpunktion oder Operation, eine Schwächung des Immunsystems und eine akute Verschlechterung des Allgemeinzustands oder Fieber [6].

Bei einer schweren allergischen Reaktion mit Anschwellen von Gesicht oder Rachen oder einem allergischen Schock unter Allopurinol muss laut Packungsbeilage sofort die nächst erreichbare Ärztin oder der nächst erreichbare Arzt verständigt werden, damit Notfallmaßnahmen eingeleitet werden können [13]. Haben Sie zu viel Colchicin eingenommen oder hat ein Kind Tabletten geschluckt, wenden Sie sich umgehend an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses [7]. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann; in lebensbedrohlichen Fällen, etwa bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot oder Vergiftungen, rufen Sie den Notruf 112 [22].

Quellen

  1. Gicht. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.01.2022. abgerufen am 17.10.2026
  2. Akuter Gichtanfall: Schmerzbehandlung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.01.2022. abgerufen am 17.10.2026
  3. Wann ist bei Gicht eine langfristige Behandlung mit Medikamenten sinnvoll?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.01.2022. abgerufen am 17.10.2026
  4. Was kann ich selbst tun, um Gichtanfällen vorzubeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.01.2022. abgerufen am 17.10.2026
  5. Leitlinie S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht (AWMF-Register-Nr. 060-005, Version 2.1), Z Rheumatol 2025; 84 (Suppl 2): S51-S81, Empfehlungen 2.1, 2.2, 3.1 bis 3.6, 4.1, 4.2, 4.4 bis 4.7, 5, 6.2, 7.1, 7.2 und 1.2. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) und beteiligte Fachgesellschaften. Stand gültig ab 24.08.2024 bis voraussichtlich 26.08.2029. abgerufen am 17.10.2026
  6. Leitlinie S2e-Leitlinie Diagnostik und Therapie der akuten Gicht (DEGAM-Leitlinie Nr. 23b, AWMF-Register-Nr. 053-032b), Abschnitt 6.4.2 Septische Arthritis; galt laut Vorwort bis zur Fertigstellung der S3-Leitlinie. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand 18.08.2023. abgerufen am 17.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 17.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 17.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Naproxen-CT 500 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Naproxen-CT 500 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Etoricoxib-ratiopharm 30 mg/60 mg/90 mg/120 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Etoricoxib-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2021. abgerufen am 17.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Allopurinol-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 17.10.2026
  14. Fachinformation Fachinformation Allopurinol-ratiopharm 100 mg/300 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
  15. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Adenuric (Febuxostat), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Menarini International Operations Luxembourg S.A. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
  16. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Adenuric (Febuxostat) und anderen febuxostathaltigen Arzneimitteln: erhöhtes Risiko für kardiovaskulär bedingte Mortalität und Gesamtmortalität. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 27.06.2019. abgerufen am 17.10.2026
  17. Behörde Etoricoxib-haltige Arzneimittel: Europäische Arzneimittelagentur empfiehlt verstärkte Warnhinweise und Gegenanzeigen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 08.07.2008. abgerufen am 17.10.2026
  18. Behörde Colchicinhaltige Arzneimittel (Colchysat Bürger) und Meldungen über Medikationsfehler: Begrenzung der Packungsgröße auf 30 ml, Anhörung im Stufenplanverfahren Stufe II. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 09.02.2017. abgerufen am 17.10.2026
  19. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclofenac-ratiopharm 50 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 17.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ibu-ratiopharm 600 mg Filmtabletten (verschreibungspflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
  21. Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten (Abschnitt 4.1 Anwendungsgebiete). Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 17.10.2026
  22. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  23. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Diclofenac-haltigen Arzneimitteln: Kardiovaskuläre Risiken (Neue Kontraindikationen und Warnhinweise nach europaweiter Überprüfung der kardiovaskulären Sicherheit). Zulassungsinhaber systemisch angewendeter Diclofenac-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM am 16.07.2013). Stand Juli 2013. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft schnell bei einem Gichtanfall?

Laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie soll ein akuter Gichtanfall zeitnah mit Colchicin, Glukokortikoiden oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) als Mitteln der ersten Wahl behandelt werden; die Auswahl soll sich danach nach anderen Medikamenten, Begleiterkrankungen und Gegenanzeigen richten (Empfehlungsgrad A). Prednisolon ist laut Fachinformation für die Gicht nicht ausdrücklich zugelassen. Ruhigstellen, Hochlagern und Kühlen sollten danach unterstützend angewandt werden (Empfehlungsgrad B). Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 24 bis 72 Stunden, sollten sie erneut beurteilt und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden (Expertenkonsens).

Wie lange dauert ein Gichtanfall?

Ein Gichtanfall klingt laut IQWiG normalerweise innerhalb von 1 bis 2 Wochen von selbst vollständig ab. Meist sind Schwellung und Beschwerden nach 6 bis 12 Stunden am stärksten. Ohne Medikamente dauert ein Gichtanfall laut S3-Leitlinie in der Regel 3 Tage bis 2 Wochen; ein schneller Beginn einer entzündungshemmenden Behandlung kann die Dauer verkürzen.

Muss man bei Gicht dauerhaft Tabletten nehmen?

Nicht alle Menschen mit Gicht brauchen laut IQWiG harnsäuresenkende Mittel; vor allem nach einem ersten Gichtanfall ist eine Behandlung mit Medikamenten meist nicht nötig. Laut S3-Leitlinie sollte eine Behandlung mit einem Xanthinoxidase-Hemmer wie Allopurinol bei einem einschränkenden oder beeinträchtigenden Anfall, bei mehr als einem Gichtanfall im Jahr oder bei Gichtknoten begonnen werden (Empfehlungsgrad 0). Die Behandlung mit Allopurinol ist laut Packungsbeilage in der Regel über einen längeren Zeitraum erforderlich; die Harnsäurespiegel sind wiederholt und regelmäßig zu kontrollieren.

Darf ich bei Gicht Ibuprofen nehmen?

Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) gehören laut S3-Leitlinie zu den Mitteln der ersten Wahl beim akuten Gichtanfall. Die Packungsbeilage eines verschreibungspflichtigen Ibuprofen-Präparats nennt als Anwendungsgebiet unter anderem akute Gelenkentzündungen einschließlich Gichtanfall. Acetylsalicylsäure (ASS) ist laut IQWiG für Schmerzen bei Gicht eher nicht geeignet; Studien deuten danach an, dass niedrig dosierte ASS das Risiko für einen Gichtanfall erhöhen kann. Ob und welches Schmerzmittel für Sie infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was muss ich bei Colchicin beachten?

Zwischen einer wirksamen Dosis und einer Dosis, die eine Vergiftung auslöst, besteht laut Packungsbeilage nur ein geringer Unterschied. Bei Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall nehmen Sie Colchicin nicht weiter ein und wenden sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt. Grapefruitsaft dürfen Sie während der Einnahme nicht trinken. Zusammen mit bestimmten Antibiotika, Pilzmitteln, HIV-Mitteln, Herzmedikamenten und Ciclosporin treten Nebenwirkungen durch die Giftwirkung von Colchicin häufiger auf und können sehr schwerwiegend sein. Die Dosierung laut Packungsbeilage steht auf der Seite Colchicin.

Welche Lebensmittel sollte man bei Gicht meiden?

Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte enthalten laut IQWiG viele Purine und erhöhen in größeren Mengen leicht das Risiko für Gicht; Bier, hochprozentiger Alkohol und gezuckerte Getränke wie Cola können Gicht begünstigen. Laut S3-Leitlinie kann eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit weniger Fleisch, mehr Pflanzlichem, weniger Alkohol und weniger mit Fruchtzucker angereicherten Lebensmitteln empfohlen werden (Empfehlungsgrad 0); eine bestimmte Diät, die Gichtanfälle verringert, ist danach nicht durch Studien gesichert. Auf striktes Fasten verzichten Menschen mit Gicht laut IQWiG besser, weil es selbst einen Gichtanfall auslösen kann.

Ist Febuxostat schädlich für das Herz?

In der CARES-Studie wurde bei Menschen mit Gicht und einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Vorgeschichte unter Febuxostat ein höheres Risiko für Todesfälle insgesamt und für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle beobachtet als unter Allopurinol. Nach dem Rote-Hand-Brief der Zulassungsinhaber vom 27. Juni 2019 sollte die Behandlung von Menschen mit bestehender schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankung mit Febuxostat vermieden werden, es sei denn, es gibt keine anderen Behandlungsmöglichkeiten. Laut der späteren Fachinformation (Stand 09/2024) war Febuxostat in einer weiteren Studie (FAST) Allopurinol in Bezug auf tödliche und nicht tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse nicht unterlegen; die Behandlung dieser Patientengruppe sollte mit Vorsicht und regelmäßiger Überwachung erfolgen. Laut S3-Leitlinie sollte bei Gicht mit Herz-Kreislauf-Begleiterkrankungen bevorzugt mit Allopurinol, alternativ mit Febuxostat behandelt werden (Empfehlungsgrad B).

Warum kann Allopurinol am Anfang einen Gichtanfall auslösen?

Zu Beginn der Behandlung können laut Packungsbeilage durch die Freisetzung von Harnsäuredepots akute Gichtanfälle ausgelöst werden; deshalb ist während der ersten 4 Behandlungswochen eine vorbeugende Gabe von Schmerzmitteln oder Colchicin in Betracht zu ziehen. Mit der Behandlung sollte erst begonnen werden, wenn ein akuter Anfall vollständig abgeklungen ist. Kommt es unter einem Harnsäuresenker zu einem Anfall, ist es laut IQWiG nicht nötig, ihn abzusetzen; bei Febuxostat verlangt die Packungsbeilage ausdrücklich, es auch bei einem Gichtanfall weiter einzunehmen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Krankheiten Osteoporose

    Bei Osteoporose werden die Knochen brüchig, oft merkt man es erst nach einem Bruch.

  • Krankheiten Eisenmangel

    Eisenmangel kann müde und blass machen und zu einer Blutarmut führen.

  • Krankheiten Vitamin-D-Mangel

    Ein Vitamin-D-Mangel besteht, wenn der Vitamin-D-Wert im Blut zu niedrig ist und Beschwerden auftreten.

  • Werkzeuge Reise-Checkliste Medikamente

    Ihre persönliche Checkliste für die Reise mit Medikamenten, zum Abhaken und Ausdrucken.