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Arthrose

Bei einer Arthrose verändert sich das Gelenk, unter anderem wird die schützende Knorpelschicht dünner; das Gelenk kann schmerzen, anschwellen und steif werden. Laut IQWiG können Bewegung, bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme und entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) helfen; für die Kniearthrose empfiehlt die S3-Leitlinie laut einer Zusammenfassung der AkdÄ, zuerst ein NSAR zum Auftragen anzubieten, und wenn dieses unwirksam oder ungeeignet ist, sollte ein NSAR zum Einnehmen eingesetzt werden. Paracetamol und schwach wirksame Opioide sollten laut dieser Zusammenfassung bei Kniearthrose nur kurzfristig und nur dann eingesetzt werden, wenn alle anderen Behandlungen mit Medikamenten kontraindiziert, unwirksam oder unverträglich sind. Bei Zeichen einer Magen-Darm-Blutung oder einer schweren allergischen Reaktion unter einem Schmerzmittel brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Frau Ende sechzig mit kurzem grauem Haar in senfgelber Strickjacke geht mit einem hellen Holzstock lächelnd einen Kiesweg in einem herbstlichen Park entlang
Bild: KI-generiert

Arthrose ist bislang nicht heilbar, die Beschwerden lassen sich aber lindern [1]. Zu den sinnvollen Behandlungen gehören laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Bewegung und gezieltes Training, bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme und entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen; diese setzt man am besten nur nach Bedarf und in der geringsten wirksamen Dosierung ein [1]. Für die Kniearthrose empfiehlt die ärztliche S3-Leitlinie laut einer Zusammenfassung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), bei der Behandlung mit Schmerzmitteln zuerst ein entzündungshemmendes Mittel zum Auftragen anzubieten [6].

Was ist Arthrose?

Bei einer Arthrose verändert sich das Gelenk: Die Knorpelschicht an den Knochenenden kann dünner werden und Risse bilden, der Gelenkspalt kann kleiner werden, die Gelenkinnenhaut kann sich verdicken, und am Knochen können sich Auswüchse (Osteophyten) bilden [1]. Arthrose entsteht laut IQWiG, wenn im Gelenk die Abbauvorgänge überwiegen. Entzündungen tragen zur Entstehung bei, sind aber anders als bei Rheuma nicht die Ursache [1]. Den Begriff "Gelenkverschleiß" nennt das IQWiG irreführend, denn im Gelenk finden fortwährend Auf- und Abbauprozesse statt [2].

Arthrose kann in fast jedem Gelenk entstehen. Am häufigsten sind Kniearthrose (Gonarthrose), Hüftarthrose (Coxarthrose), Fingerarthrose und die Arthrose der kleinen Wirbelgelenke (Facettenarthrose) [1]. In einer großen deutschen Studie gaben 4 Prozent der Erwachsenen an, in den letzten 12 Monaten wegen Kniearthrose behandelt worden zu sein, je 2 Prozent wegen Hüft- oder Fingerarthrose. Meist entwickelt sich Arthrose nach dem 40. Lebensjahr [1].

Symptome

Mögliche Beschwerden sind laut IQWiG [1]:

  • Schmerzen im Gelenk: Sie entwickeln sich typischerweise schleichend über viele Jahre und treten vor allem bei Belastung auf. Bei weit fortgeschrittener Arthrose kann das Gelenk auch in Ruhe oder nachts schmerzen.
  • Steifigkeit: vor allem nach längerer Ruhe. Typisch ist der Anlaufschmerz, etwa beim Aufstehen, der relativ schnell nachlässt, sobald man sich bewegt.
  • Schwellungen: Sie fühlen sich in der Regel fest und nicht ungewöhnlich warm an. An der Hand können sich sichtbare Knoten bilden (Heberden-Knoten).
  • Eingeschränkte Beweglichkeit und Belastbarkeit.

Manche Menschen haben Schübe: Die Schmerzen nehmen plötzlich zu und sind eher stechend, pulsierend oder brennend, das Gelenk kann vorübergehend anschwellen und steifer werden; meist lässt ein Schub nach einigen Tagen nach [1]. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann auch von einer aktivierten Arthrose [2]. Bei Arthrose unter der Kniescheibe schmerzt vor allem das Aufstehen von einem Stuhl und das Treppensteigen [2]. Erstes Anzeichen einer Hüftarthrose sind oft Schmerzen im Bereich der Hüfte und der Leisten, etwa beim Gehen oder Treppensteigen [4]. Arthrose kann außerdem aufs Gemüt schlagen und den Schlaf stören [1].

Sind die Gelenke morgens länger als 30 Minuten steif, deutet das laut IQWiG eher auf eine rheumatische Gelenkentzündung hin [1]. Mehr dazu: Rheumatoide Arthritis.

Ursachen und Risikofaktoren

Das Risiko für eine Arthrose erhöhen oder sie auslösen können laut IQWiG [1]:

  • Gelenkverletzungen, etwa ein Riss des vorderen Kreuzbands oder des Meniskus oder ein Knochenbruch im Bereich des Gelenks,
  • starkes Übergewicht (Adipositas), das Knie und Hüfte belastet; überschüssiges Körperfett setzt außerdem Botenstoffe frei, die Entzündungen im Gelenk fördern,
  • anatomische Faktoren wie X- oder O-Beine oder Engstellen zwischen Hüftkopf und Gelenkpfanne (Hüftimpingement),
  • schwere körperliche Arbeit mit viel Knien, schwerem Tragen oder Schlägen auf die Gelenke, etwa mit dem Presslufthammer.

Es gibt Hinweise, dass eine familiäre Veranlagung und eine schwach ausgebildete Muskulatur, vor allem am Oberschenkel, das Risiko erhöhen; auch Bewegungsmangel erhöht es [1]. Mit dem Alter verändert sich der Stoffwechsel im Gelenk, und der Knorpel wird dünner [1].

Medikamente: Wiederholte Kortisonspritzen können laut IQWiG den Gelenkknorpel schwächen [1]. Laut Packungsbeilage eines Kortisonpräparats zur Injektion können wiederholte Injektionen in Gelenke, die von Arthrose betroffen sind, die Gelenkzerstörung beschleunigen [17]. Gelenkschmerzen können außerdem eine Nebenwirkung anderer Medikamente sein; welche Mittel sie nennen, steht auf der Seite Gelenk- und Rückenschmerzen durch Medikamente.

Diagnose

Eine Arthrose lässt sich normalerweise anhand der typischen Beschwerden und einer Untersuchung des Gelenks feststellen; im Zweifel kann ein Röntgenbild gemacht werden [1]. Die Aussagekraft von Bildern ist laut IQWiG aber begrenzt: Manche Menschen haben starke Veränderungen am Gelenk und kaum Beschwerden, bei anderen sieht das Gelenk trotz starker Beschwerden gesund aus. Die Behandlung sollte sich deshalb nach den Beschwerden und der persönlichen Situation richten, nicht nach dem Röntgenbild [1]. Um andere Erkrankungen wie Gicht oder Rheuma auszuschließen, können Blutuntersuchungen, eine MRT oder ein Ultraschall sinnvoll sein [1].

Behandlung ohne Medikamente

Mann Anfang sechzig mit grauem Haar in dunkelblauem Poloshirt sitzt auf einer Untersuchungsliege, eine Ärztin mit dunkelblondem Haar untersucht ruhig sein Knie in einem hellen Behandlungsraum
Bild: KI-generiert

Aktiv zu bleiben und das betroffene Gelenk gezielt zu trainieren, gehört laut IQWiG zum Wichtigsten, was Menschen mit Arthrose tun können: Bewegung ist nötig, damit der Knorpel ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird, und kann zusammen mit gezieltem Training Bänder und Muskeln stärken, die das Gelenk stabilisieren [1]. Bei Kniearthrose zeigen viele Studien, dass regelmäßige Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern können; auch Yoga und Tai-Chi sind eine Möglichkeit [2]. Bei Hüftarthrose nennt das IQWiG unter anderem Physiotherapie, Reha-Sport, Wassergymnastik und Tai-Chi [4].

  • Gewicht: Bei starkem Übergewicht wird laut IQWiG eine Gewichtsabnahme empfohlen, vor allem bei Knie- oder Hüftarthrose, in der Regel mit einer Umstellung der Ernährung und regelmäßiger Bewegung [1].
  • Ergotherapie: Bei Arthrose der Finger- oder Handgelenke kann man dort lernen, belastende Bewegungen zu vermeiden oder gelenkschonend auszuführen [1].
  • Hilfsmittel und Schuhe: Gehstöcke bei Knie- oder Hüftarthrose oder Greif- und Öffnungshilfen bei Fingerarthrose können die Gelenke entlasten. Bei Knie- oder Hüftarthrose ist es laut IQWiG sinnvoll, gut sitzende Schuhe mit einer dickeren, eher festen Sohle auszuprobieren [1].
  • Gelenkersatz: Ist eine Knie- oder Hüftarthrose weit fortgeschritten, kann ein künstliches Gelenk infrage kommen; eine Operation ist aber auch mit Risiken verbunden [1].

Für viele Behandlungen ist laut IQWiG nicht nachgewiesen, dass sie bei Arthrose wirken, unter anderem Gelenkspiegelungen (Arthroskopie), pflanzliche Arzneien, Nahrungsergänzungsmittel, Ultraschalltherapien und die elektrische Nervenstimulation über die Haut (TENS) [1].

Behandlung mit Medikamenten

Die medikamentöse Behandlung der Kniearthrose ist laut AkdÄ rein symptomatisch [6]. Laut der Zusammenfassung der AkdÄ zur S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sollte die medikamentöse Therapie gemeinsam mit nichtmedikamentösen Behandlungen in der niedrigsten wirksamen Dosis über den kürzesten möglichen Zeitraum eingesetzt werden (Expertenkonsens, Empfehlung 14) [6]. Für die Kniearthrose fasst die AkdÄ diese Empfehlungen zusammen [6]:

  • Zuerst NSAR zum Auftragen: Die Leitlinie empfiehlt, bei der Behandlung mit Schmerzmitteln zuerst ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) zum Auftragen anzubieten (Empfehlung 15).
  • Dann NSAR zum Einnehmen: Ist das NSAR zum Auftragen unwirksam oder ungeeignet, sollte ein NSAR zum Einnehmen eingesetzt werden; dabei sind persönliche Risikofaktoren für Schäden an Magen und Darm, Leber und Nieren sowie Herz und Kreislauf zu beachten (Empfehlung 16). Bei erhöhtem Risiko für ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür oder dessen Komplikationen wird während der Einnahme ein Protonenpumpenhemmer zum Schutz des Magens empfohlen (Empfehlung 17).
  • Paracetamol und schwach wirksame Opioide nur im Einzelfall: Die Leitlinie rät von einer routinemäßigen Behandlung mit Paracetamol (Empfehlung 18) und schwach wirksamen Opioiden (Empfehlung 20) ab. Sie sollten nur kurzfristig und nur dann eingesetzt werden, wenn alle anderen Behandlungen mit Medikamenten kontraindiziert, unwirksam oder unverträglich sind. Vom Einsatz stark wirksamer Opioide rät die Leitlinie generell ab (Empfehlung 21).
  • Kortison ins Gelenk zur kurzfristigen Behandlung: Die Leitlinie empfiehlt es nur, wenn es physikalische Therapien unterstützt oder andere Medikamente unwirksam oder ungeeignet sind; im Aufklärungsgespräch soll vermittelt werden, dass lediglich ein kurzfristiger Effekt von 2 bis 10 Wochen zu erwarten ist (Empfehlung 24).

Bei Hüftarthrose gehören laut IQWiG entzündungshemmende Schmerzmittel zum Einnehmen zu den empfohlenen Behandlungen; sie können auch helfen, trotz Schmerzen in Bewegung zu bleiben [4]. In der Tabelle stammen die Nebenwirkungen aus der Packungsbeilage eines Beispielwirkstoffs und gelten nur für diesen; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Medikamente bei Arthrose im Überblick (Gruppen laut IQWiG und laut AkdÄ-Zusammenfassung der S3-Leitlinie zur Kniearthrose)
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
NSAR zum Auftragen (Gel, Creme)Diclofenac als Schmerzgel [9]Diclofenac wirkt über eine Hemmung der Prostaglandinbildung und verringert entzündlich bedingte Schmerzen und Schwellungen [10]Häufig: Hautausschlag, Ekzem, Hautrötung, Hautentzündung, Juckreiz [9]
NSAR zum EinnehmenDiclofenac, Ibuprofen, Naproxen [3]Diclofenac wirkt über eine Hemmung der Prostaglandinbildung und verringert entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber [8]Diclofenac, sehr häufig: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt; häufig unter anderem Verdauungsstörungen, Blähungen, Bauchkrämpfe, Magen-Darm-Geschwüre, Kopfschmerzen, Schwindel, erhöhte Leberwerte [7]
COX-2-Hemmer (Coxibe), eine Untergruppe der NSAREtoricoxib, Celecoxib [3]Etoricoxib hemmt gezielt das Enzym Cyclooxygenase-2 (COX-2), das nach heutiger Annahme vor allem Botenstoffe (Prostaglandine) für Schmerz, Entzündung und Fieber bildet [13]Etoricoxib, sehr häufig: Magenschmerzen; häufig unter anderem Wassereinlagerungen in Beinen oder Füßen, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder Herzrhythmusstörungen, erhöhter Blutdruck, Verdauungsbeschwerden [12]
Paracetamol (Nichtopioid-Schmerzmittel), nur im EinzelfallParacetamolWirkt schmerzstillend und fiebersenkend [14]; bei Arthroseschmerzen hat es sich laut IQWiG nicht als wirksam erwiesen [3]Selten: leichter Anstieg bestimmter Leberenzyme [14]
Opioide, laut IQWiG nicht regelhaft [3]TramadolWirkt zentral an Opioidrezeptoren, hemmt zusätzlich die Wiederaufnahme von Noradrenalin und verstärkt die Freisetzung von Serotonin [16]Sehr häufig: Schwindel, Übelkeit; häufig: Kopfschmerz, Benommenheit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Schwitzen, Erschöpfung [15]
Kortison als Spritze ins Gelenk (Glucocorticoide)Triamcinolon als Kristallsuspension [17]Glucocorticoid, das entzündliche Prozesse unabhängig von ihrer Ursache blockiert [18]Laut Packungsbeilage ohne Häufigkeitsangabe: örtliche Reizungen wie Hitzegefühl und länger anhaltende Schmerzen; bei jeder Gelenkpunktion ist eine Infektion möglich [17]

Häufigkeiten laut Packungsbeilage: "sehr häufig" bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bei bis zu 1 von 10, "selten" bei bis zu 1 von 1.000 [7, 14].

Schmerzgel zum Auftragen

Bei Kniearthrose können Cremes oder Gele mit Diclofenac laut IQWiG die Schmerzen wirksam lindern [3]. Da das Hüftgelenk tief unter der Haut sitzt, gehen Fachleute laut IQWiG davon aus, dass eine äußerliche Anwendung bei Hüftarthrose nicht hilft [5]. Diclo-ratiopharm Schmerzgel ist apothekenpflichtig [10] und laut Packungsbeilage für Erwachsene unter anderem bei degenerativen Erkrankungen der Gelenke von Armen und Beinen zugelassen; über die Dauer der Anwendung entscheidet die Ärztin oder der Arzt [9]. Das Gel darf laut Packungsbeilage nicht auf offene Verletzungen, entzündete oder infizierte Haut und nicht in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft angewendet werden; wird es großflächig und über längere Zeit aufgetragen, sind Nebenwirkungen im ganzen Körper wie nach der Einnahme nicht auszuschließen [9].

Entzündungshemmende Schmerzmittel zum Einnehmen

Diclofenac und Ibuprofen sind in verschreibungspflichtigen Stärken unter anderem bei Reizzuständen von Arthrosen zugelassen [7, 11], Etoricoxib zur Linderung von Schmerzen und Schwellungen bei Arthrose ab 16 Jahren [12]. Einige NSAR gibt es laut IQWiG rezeptfrei, etwa gegen Kopf- oder Regelschmerzen; um bei Arthrose eine spürbare Linderung zu erreichen, sind aber manchmal höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen nötig [3]. Das IQWiG empfiehlt, die Mittel nur bei Bedarf einzusetzen, etwa bei akuten Schüben, niedrig dosiert zu beginnen, die tägliche Höchstdosis nicht zu überschreiten und eine längerfristige Einnahme ärztlich zu besprechen [3]. Die Angaben der Packungsbeilagen zur Dosis stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel unter Diclofenac und Ibuprofen.

Nicht eingenommen werden sollten NSAR laut IQWiG bei einem akuten Magengeschwür, starker Nieren- oder Leberschwäche, ausgeprägter Herzschwäche, akuter innerer Blutung, starkem Flüssigkeitsmangel und nach allergischen Reaktionen auf Schmerzmittel oder Acetylsalicylsäure [3]. Medikamente zum Magenschutz wie Omeprazol oder Pantoprazol verringern die Magensäure und können laut IQWiG Magen-Darm-Komplikationen wirksam vorbeugen; wann ein solcher Schutz sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3]. Mehr: Protonenpumpenhemmer und der Ratgeber Ibuprofen oder Diclofenac.

Paracetamol und Opioide

Paracetamol hat sich laut IQWiG zur Behandlung von Arthroseschmerzen nicht als wirksam erwiesen [3]. Opioide sollten laut IQWiG bei Arthroseschmerzen nicht regelhaft eingesetzt werden, weil sie bei Arthrose nicht besser helfen als NSAR. Sie können aber eine Möglichkeit sein, wenn zur kurzfristigen Behandlung starker Schmerzen mehrere Medikamente nötig sind, um die Zeit bis zu einer Operation zu überbrücken oder für Menschen, die keine NSAR nehmen können [3]. Werden Opioide eingesetzt, raten Fachleute laut IQWiG dazu, die Behandlung auf wenige Wochen bis Monate zu beschränken, weil sie körperlich abhängig machen können [3]. Mehr im Ratgeber Schmerzmittel richtig anwenden.

Metamizol

Metamizol ist laut Packungsbeilage unter anderem bei sonstigen akuten oder chronischen starken Schmerzen zugelassen, soweit eine andere Behandlung nicht infrage kommt; Arthrose ist dort nicht eigens genannt [25]. Studien zu seiner Wirksamkeit bei Arthrose gibt es laut IQWiG nicht [3]. Metamizol kann eine starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen verursachen (Agranulozytose), die laut IQWiG lebensbedrohlich werden kann [3]; die Packungsbeilage nennt sie eine sehr seltene Nebenwirkung [25]. Laut einem Rote-Hand-Brief vom 09.12.2024 gehören zu den Frühzeichen Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und schmerzhafte Schleimhautveränderungen, insbesondere in Mund, Nase und Rachen oder im Genital- oder Analbereich. Sie können jederzeit während der Behandlung und auch kurz nach Behandlungsende auftreten; wer sie bemerkt, muss die Behandlung abbrechen und sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [22]. Laut einem Rote-Hand-Brief vom 15.12.2020 wurden Fälle von arzneimittelbedingtem Leberschaden unter Metamizol berichtet; Behandelte sollen die Einnahme beenden, sobald Frühzeichen eines Leberschadens auftreten, und sich an eine Ärztin oder einen Arzt wenden, um die Leberfunktion prüfen zu lassen [23].

Spritzen ins Gelenk

Kortisonspritzen können die Beschwerden einer Kniearthrose laut IQWiG für bis zu acht Wochen lindern, bei wiederholter Anwendung aber auf Dauer den Knorpel schädigen [2]. Bei Hüftarthrose endet die Wirkung laut IQWiG nach 2 bis 3 Monaten; die Spritzen gelten dort eher als sinnvoll, wenn nur ein einzelnes Gelenk betroffen ist oder das Hüftgelenk akut entzündet ist oder stark schmerzt [4]. Triam Injekt ist laut Packungsbeilage zur Injektion ins Gelenk unter anderem bei aktivierter Arthrose zugelassen, also bei einer akuten Entzündung bei degenerativen Gelenkerkrankungen [17].

Für Spritzen mit Hyaluronsäure ist laut IQWiG nicht gezeigt, dass sie bei Kniearthrose helfen, sie können sogar schaden; auch für Spritzen mit Eigenblut (plättchenreichem Plasma) oder Stammzellen ist kein Nutzen nachgewiesen [2]. Die S3-Leitlinie zur Kniearthrose gibt zu Hyaluronsäure-Spritzen laut AkdÄ wegen widersprüchlicher Studien keine Empfehlung (Statement 26) [6].

Glucosamin und pflanzliche Mittel

Die Leitlinie zur Kniearthrose empfiehlt laut AkdÄ keine Behandlung mit Glucosamin; wer danach fragt, soll erfahren, dass es keine eindeutigen Belege für einen Nutzen gibt (Empfehlung 22) [6]. Zu den Produkten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Kniearthrose zählt das IQWiG Nahrungsergänzungsmittel mit Chondroitin oder Glucosamin und pflanzliche Präparate wie Teufelskralle oder Weihrauchextrakt [2]. Mehr im Ratgeber Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.

Nebenwirkungen der Medikamente

NSAR und Coxibe: Die häufigste Nebenwirkung entzündungshemmender Schmerzmittel sind laut IQWiG Magenprobleme; seltener kommt es zu Schleimhautentzündungen, Geschwüren oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt, und das Risiko steigt mit Dosis und Dauer der Einnahme [3]. Bei älteren Menschen kommt es laut Packungsbeilage von Diclofenac häufiger zu Nebenwirkungen, vor allem zu Blutungen und Durchbrüchen im Magen-Darm-Trakt, auch mit tödlichem Ausgang [7]. Hochdosierte NSAR und Coxibe erhöhen bei dauerhafter Einnahme laut IQWiG auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle [3]. Mehr: Magenbeschwerden, Blutdruckanstieg, Wassereinlagerungen und Nierenschäden. Abhängig machen NSAR und Coxibe laut IQWiG nicht [3].

  • Diclofenac: Laut einem Rote-Hand-Brief vom Juli 2013 ist die Behandlung mit Diclofenac mit einem erhöhten Risiko für arterielle Blutgerinnsel verbunden, vergleichbar mit dem der COX-2-Hemmer. Seitdem ist es bei bestehender Herzschwäche (NYHA-Stadien II bis IV), Durchblutungsstörungen des Herzens, der Beine oder des Gehirns kontraindiziert; bei deutlichen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten, Diabetes oder Rauchen sollte die Behandlung nur nach sorgfältiger Abwägung begonnen werden [19].
  • Ibuprofen: Wer Ibuprofen hochdosiert anwendet, mit Tagesdosen von 2.400 mg oder mehr, hat laut einer Mitteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 27.07.2015 ein ähnliches Risiko für Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen wie bei einigen anderen NSAR, darunter Coxibe und Diclofenac; bei Tagesdosen bis 1.200 mg wurde keine Zunahme des Risikos gesehen [20].
  • Etoricoxib: Laut einer Risikoinformation des BfArM vom 08.07.2008 empfahl die Europäische Arzneimittelagentur, dass Menschen, deren Blutdruck anhaltend über 140/90 mm Hg liegt, Etoricoxib nicht einnehmen sollten; ein erhöhter Blutdruck sollte vor Beginn der Behandlung behandelt und der Blutdruck vor Behandlungsbeginn, in den zwei Wochen danach und regelmäßig im weiteren Verlauf kontrolliert werden [21]. Laut Packungsbeilage darf Etoricoxib unter anderem nicht eingenommen werden bei Bluthochdruck, der durch eine Behandlung nicht ausreichend kontrolliert ist, bei einer festgestellten Herzerkrankung wie mäßiger oder schwerer Herzleistungsschwäche oder Angina pectoris, nach einem Herzinfarkt, einer Bypass-Operation oder einem Schlaganfall, auch einem schlaganfallähnlichen Ereignis (TIA), und bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit [12].

Schmerzgel: Häufig sind laut Packungsbeilage Hautausschlag, Ekzem, Hautrötung, Hautentzündung und Juckreiz; treten diese oder andere dort genannte Nebenwirkungen auf, wenden Sie das Gel laut Packungsbeilage nicht weiter an und suchen möglichst umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [9]. Mehr: Hautausschlag.

Tramadol: Die wiederholte Anwendung kann laut Packungsbeilage zu Gewöhnung, Abhängigkeit, Missbrauch und Sucht führen, was eine lebensbedrohliche Überdosierung zur Folge haben kann [15]. Mehr: Absetz- und Entzugserscheinungen, Tramadol absetzen und Schwindel.

Paracetamol: Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollte laut Packungsbeilage sichergestellt sein, dass gleichzeitig angewendete Arzneimittel kein Paracetamol enthalten; wurde mehr eingenommen als empfohlen, rufen Sie die nächst erreichbare Ärztin oder den nächst erreichbaren Arzt zu Hilfe [14].

Kortisonspritze: Wird das Mittel nicht sorgfältig in die Gelenkhöhle gespritzt, ist laut Packungsbeilage nicht auszuschließen, dass Haut und Unterhautgewebe an der Einstichstelle dünner werden [17]. Auch bei der Spritze ins Gelenk sind laut Packungsbeilage Nebenwirkungen im ganzen Körper nicht ausgeschlossen [17]. Mehr: Glucocorticoide.

Haben Sie ein Medikament als Auslöser von Beschwerden im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Arthrose

Wie eine Arthrose verläuft, lässt sich nicht vorhersagen. Oft schreitet sie nur langsam voran, und viele Betroffene kommen über Jahre gut mit den Beschwerden zurecht. Manchmal werden die Beschwerden aber auch schnell stärker, manchmal lassen sie sogar nach [1].

Arthrose ist laut IQWiG zu einem lukrativen Markt für unseriöse Produkte geworden; Werbung ist dabei nicht immer als solche erkennbar [1]. Nehmen Sie mehrere Medikamente, hilft ein Medikationsplan, auch um Wechselwirkungen zu besprechen. Mehr: Medikamente im Alter.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Treten unter Diclofenac stärkere Schmerzen im Oberbauch, Bluterbrechen, eine Schwarzfärbung des Stuhls oder Blut im Stuhl auf, brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage ab und informieren sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [7]. Bei Schwellungen von Gesicht, Zunge oder Kehlkopf mit Luftnot, Blutdruckabfall oder Herzjagen, die schon bei der ersten Anwendung auftreten können, ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich [7]. Treten während der Behandlung Zeichen einer Infektion wie Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz oder Fieber neu auf oder verschlimmern sie sich, sollten Sie laut Packungsbeilage unverzüglich ärztlichen Rat einholen [7].

Schwere Atemnot, starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden, Bewusstlosigkeit sowie akute und anhaltende stärkste Schmerzzustände sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [24]. Sind die Praxen geschlossen, handelt es sich um Beschwerden, mit denen Sie sonst eine Praxis aufsuchen würden, und kann die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [24].

Quellen

  1. Arthrose. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 25.06.2025. abgerufen am 18.10.2026
  2. Kniearthrose (Gonarthrose). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.04.2024. abgerufen am 18.10.2026
  3. Welche Schmerzmittel können bei Kniearthrose helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.04.2024. abgerufen am 18.10.2026
  4. Hüftarthrose (Coxarthrose). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.05.2024. abgerufen am 18.10.2026
  5. Welche Schmerzmittel können bei Hüftarthrose helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.05.2024. abgerufen am 18.10.2026
  6. Einhart N, Schiltenwolf M, Steinmeyer J: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose. Arzneiverordnung in der Praxis 2025; 52(2): 118-120 (Zusammenfassung der Leitlinie der DGOU, AWMF-Register-Nr. 187-050, laut AkdÄ Version 5.0 vom 15.07.2024, gültig bis Juli 2029). Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Stand September 2025. abgerufen am 18.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclofenac-ratiopharm 50 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Diclofenac-ratiopharm magensaftresistente Tabletten (25 mg und 50 mg). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclo-ratiopharm Schmerzgel. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 18.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Diclo-ratiopharm Schmerzgel (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 18.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ibu-ratiopharm 600 mg Filmtabletten (verschreibungspflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 18.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Etoricoxib-ratiopharm 30 mg/60 mg/90 mg/120 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
  13. Fachinformation Fachinformation Etoricoxib-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2021. abgerufen am 18.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 18.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
  16. Fachinformation Fachinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Triam Injekt 40 mg Injektionssuspension (Kristallsuspension). Winthrop Arzneimittel GmbH. Stand 05/2017. abgerufen am 18.10.2026
  18. Fachinformation Fachinformation Triam Injekt 20 mg/40 mg/60 mg Injektionssuspension. Winthrop Arzneimittel GmbH. Stand 05/2017. abgerufen am 18.10.2026
  19. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Diclofenac-haltigen Arzneimitteln: Kardiovaskuläre Risiken (Neue Kontraindikationen und Warnhinweise nach europaweiter Überprüfung der kardiovaskulären Sicherheit). Zulassungsinhaber systemisch angewendeter Diclofenac-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM am 16.07.2013). Stand Juli 2013. abgerufen am 18.10.2026
  20. Behörde Ibuprofenhaltige Arzneimittel: Kardiovaskuläre Nebenwirkungen (Bescheid im Stufenplanverfahren vom 22.07.2015). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 27.07.2015. abgerufen am 18.10.2026
  21. Behörde Etoricoxib-haltige Arzneimittel: Europäische Arzneimittelagentur empfiehlt verstärkte Warnhinweise und Gegenanzeigen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 08.07.2008. abgerufen am 18.10.2026
  22. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu metamizolhaltigen Arzneimitteln: Wichtige Maßnahmen zur Minimierung der schwerwiegenden Folgen des bekannten Risikos für Agranulozytose. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom BfArM am 09.12.2024. Stand 09.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
  23. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Metamizol: Risiko für arzneimittelbedingten Leberschaden. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom BfArM. Stand 15.12.2020. abgerufen am 18.10.2026
  24. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  25. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen bei Arthrose?

Arthroseschmerzen können laut IQWiG mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR behandelt werden, etwa Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen, oder mit den Coxiben Celecoxib und Etoricoxib. Für die Kniearthrose empfiehlt die S3-Leitlinie laut einer Zusammenfassung der AkdÄ, zuerst ein NSAR zum Auftragen anzubieten; ist es unwirksam oder ungeeignet, sollte ein NSAR zum Einnehmen eingesetzt werden, unter Beachtung der persönlichen Risiken für Magen, Darm, Leber, Nieren, Herz und Kreislauf. Welches Mittel für Sie infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Hilft Schmerzgel mit Diclofenac bei Arthrose?

Bei Kniearthrose zeigen Studien laut IQWiG, dass eine äußerliche Anwendung von NSAR wie Diclofenac die Schmerzen wirksam lindern kann. Bei Hüftarthrose gehen Fachleute laut IQWiG dagegen davon aus, dass Gel oder Creme nicht hilft, weil das Hüftgelenk tief unter der Haut sitzt. Diclo-ratiopharm Schmerzgel ist laut Packungsbeilage für Erwachsene unter anderem bei degenerativen Erkrankungen der Gelenke von Armen und Beinen zugelassen; über die Dauer der Anwendung entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Hilft Paracetamol bei Arthrose?

Paracetamol hat sich laut IQWiG zur Behandlung von Arthroseschmerzen in Studien nicht als wirksam erwiesen. Die S3-Leitlinie zur Kniearthrose rät laut AkdÄ von einer routinemäßigen Behandlung mit Paracetamol ab: Es sollte nur kurzfristig und nur dann eingesetzt werden, wenn alle anderen Behandlungen mit Medikamenten kontraindiziert, unwirksam oder unverträglich sind.

Was bringt eine Kortisonspritze bei Arthrose?

Kortisonspritzen können die Beschwerden einer Kniearthrose laut IQWiG für bis zu acht Wochen lindern; bei Hüftarthrose endet die Wirkung laut IQWiG nach 2 bis 3 Monaten. Wiederholte Spritzen können den Gelenkknorpel auf Dauer schädigen. Die S3-Leitlinie zur Kniearthrose empfiehlt Kortison ins Gelenk laut AkdÄ zur kurzfristigen Behandlung nur, wenn es physikalische Therapien unterstützt oder andere Medikamente unwirksam oder ungeeignet sind; im Aufklärungsgespräch soll vermittelt werden, dass nur ein kurzfristiger Effekt von 2 bis 10 Wochen zu erwarten ist.

Helfen Hyaluronsäure oder Glucosamin bei Arthrose?

Für Spritzen mit Hyaluronsäure ist laut IQWiG nicht nachgewiesen, dass sie bei Arthrose wirken; bei Kniearthrose können sie laut IQWiG sogar schaden. Die S3-Leitlinie zur Kniearthrose gibt laut AkdÄ wegen widersprüchlicher Studien keine Empfehlung dazu. Glucosamin empfiehlt diese Leitlinie laut AkdÄ nicht; wer bei Kniearthrose danach fragt, soll erfahren, dass es keine eindeutigen Belege für einen Nutzen gibt.

Ist Metamizol (Novalgin) bei Arthrose eine Alternative?

Metamizol ist laut Packungsbeilage unter anderem bei sonstigen akuten oder chronischen starken Schmerzen zugelassen, soweit eine andere Behandlung nicht infrage kommt; Arthrose ist dort nicht eigens genannt. Studien zur Wirksamkeit bei Arthrose gibt es laut IQWiG nicht. Metamizol kann eine starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen verursachen (Agranulozytose), die die Packungsbeilage als sehr seltene Nebenwirkung nennt. Laut einem Rote-Hand-Brief vom 09.12.2024 müssen Behandelte bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften Schleimhautveränderungen die Behandlung abbrechen und sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Was ist der Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis?

Bei Arthrose tragen Entzündungen laut IQWiG zwar zur Entstehung bei, sind aber anders als bei Rheuma nicht die Ursache. Geschwollene Gelenke fühlen sich bei Arthrose in der Regel fest und nicht ungewöhnlich warm an. Sind die Gelenke morgens länger als 30 Minuten steif, deutet das laut IQWiG eher auf eine rheumatische Gelenkentzündung hin. Mehr dazu auf der Seite Rheumatoide Arthritis.

Soll ich das Gelenk bei Arthrose schonen?

Nein. Der verbreitete Glaube, die Kniegelenke müssten bei Arthrose geschont werden, ist laut IQWiG falsch: Bewegung kräftigt die Muskeln, die das Gelenk stabilisieren, und sorgt dafür, dass der Knorpel mit Nährstoffen versorgt wird. Regelmäßige Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen können laut IQWiG Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern; auch Gehen, Radfahren, Yoga oder Tai-Chi kommen infrage.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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