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Tramadol: Nebenwirkungen und Wirkung
Tramadol ist ein verschreibungspflichtiges, zentral wirksames Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide zur Behandlung mäßig starker bis starker Schmerzen. Sehr häufig sind Übelkeit und Schwindel, häufig Kopfschmerz, Benommenheit, Erbrechen, Verstopfung und Schwitzen. Tramadol kann abhängig machen. Bei langsamer oder flacher Atmung, Verwirrtheit oder Schläfrigkeit oder bei Zeichen eines Serotoninsyndroms brauchen Sie unverzüglich ärztliche Hilfe.

Die häufigsten Nebenwirkungen
Wofür wird Tramadol eingesetzt?
Tramadol ist ein zentral wirksames Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Es wird zur Behandlung mäßig starker bis starker Schmerzen angewendet [1, 2]. Tramadol ist verschreibungspflichtig; in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes ist es nicht aufgeführt [2, 4, 5]. Es gibt den Wirkstoff unter anderem als Retardtabletten und Retardkapseln, die ihn verzögert freisetzen, als Hartkapseln, als Tropfen zum Einnehmen und als Injektionslösung; Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation der Retardtabletten mit 100 mg [1, 2].
Vor Beginn und regelmäßig während der Behandlung bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen, was Sie von Tramadol erwarten können, wann und wie lange Sie es einnehmen, wann Sie sich melden sollen und wann Sie die Einnahme beenden [1]. Tramadol soll auf keinen Fall länger eingenommen werden als unbedingt notwendig [1, 2]. Als Ersatzmittel beim Drogenentzug darf es nicht verwendet werden [1, 2]. Einen Vergleich mit Tilidin bietet der Ratgeber Tilidin oder Tramadol.
Wie wirkt Tramadol?
Tramadol wirkt an bestimmten Nervenzellen in Rückenmark und Gehirn [1]. Es bindet an Opioidrezeptoren, vor allem an die µ-Rezeptoren. Zur Schmerzlinderung tragen außerdem eine Hemmung der Wiederaufnahme des Botenstoffs Noradrenalin in die Nervenzellen und eine verstärkte Freisetzung von Serotonin bei. Tramadol wirkt zudem hustenstillend [2].
In der Leber wird Tramadol über das Enzym CYP2D6 umgewandelt. Bei manchen Menschen ist dieses Enzym verändert: Sie erreichen möglicherweise keine ausreichende Schmerzlinderung, oder bei ihnen treten schwerwiegende Nebenwirkungen wahrscheinlicher auf [1, 2]. Die Warnzeichen dafür stehen unten in der Liste "Sofort ärztliche Hilfe".
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Unten stehen alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation eine Häufigkeit angeben. "Sehr häufig" heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bei bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bei bis zu 1 von 100, "selten" bei bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bei bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit und Schwindel [1, 2]. Häufig sind außerdem Kopfschmerz, Benommenheit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, vermehrtes Schwitzen und Erschöpfung [1, 2]. Herzklopfen, Kreislaufbeschwerden und das Gefühl, einer Ohnmacht nahe zu sein, können vor allem bei aufrechter Körperhaltung und körperlicher Belastung auftreten [1].
Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- NervensystemKopfschmerz, Benommenheit[1, 2]Mehr dazu: KopfschmerzenMüdigkeit
- Magen und DarmErbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit[1, 2]Mehr dazu: ErbrechenVerstopfungMundtrockenheit
- HautVermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)[1, 2]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
- Allgemeine BeschwerdenErschöpfung[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
- HerzHerzklopfen, beschleunigter Herzschlag (Palpitationen, Tachykardie), vor allem bei aufrechter Körperhaltung und körperlicher Belastung[1, 2]Mehr dazu: Herzrasen
- Gefäße und KreislaufSich einer Ohnmacht nahe fühlen oder Kreislaufkollaps (laut Fachinformation Blutdruckabfall beim Aufrichten, orthostatische Hypotonie), vor allem bei aufrechter Körperhaltung und körperlicher Belastung[1, 2]Mehr dazu: Niedriger Blutdruck
- Magen und DarmBrechreiz (Würgen), Magenbeschwerden wie Magendruck oder Völlegefühl, Durchfall[1, 2]Mehr dazu: ÜbelkeitSodbrennen und VerdauungsbeschwerdenBlähungenDurchfall
- HautHautreaktionen wie Juckreiz, Ausschlag oder Nesselsucht[1, 2]Mehr dazu: JuckreizHautausschlagNesselsucht
Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen
- ImmunsystemAllergische Reaktionen, z. B. Atemnot, pfeifende Atemgeräusche, Anschwellen der Haut, und Schockreaktionen (plötzliches Kreislaufversagen, Anaphylaxie)[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenSchwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenAtemnot
- HerzVerlangsamter Herzschlag[1, 2]Mehr dazu: Verlangsamter Herzschlag
- Laborwerte und UntersuchungenBlutdruckanstieg[1, 2]Mehr dazu: Blutdruckanstieg
- NervensystemMissempfindungen auf der Haut wie Jucken, Prickeln oder Taubheitsgefühl (Parästhesien), Zittern[1, 2]Mehr dazu: Kribbeln und TaubheitsgefühlZittern
- NervensystemEpileptische Anfälle, vor allem nach hohen Dosen oder zusammen mit Arzneimitteln, die Krampfanfälle auslösen können[1, 2]Mehr dazu: Krampfanfälle
- NervensystemUnwillkürliche Muskelzuckungen, Koordinationsstörungen, vorübergehende Bewusstlosigkeit (Synkope), Sprachstörungen[1, 2]
- Stoffwechsel und ErnährungAppetitveränderungen[1, 2]Mehr dazu: Appetitlosigkeit
- PsycheHalluzinationen, Verwirrtheitszustände, Schlafstörungen, Delirium, Ängstlichkeit und Albträume[1, 2]Mehr dazu: Psychose und HalluzinationenVerwirrtheitSchlafstörungenAngstAlbträume
- PsychePsychische Veränderungen, je nach Persönlichkeit und Dauer der Anwendung unterschiedlich: Stimmungsveränderungen (meist gehobene, gelegentlich gereizte Stimmung), veränderte Aktivität (meist Dämpfung, gelegentlich Steigerung), verminderte Wahrnehmungs- und Denkfähigkeit, die zu Fehlentscheidungen führen kann[1, 2]Mehr dazu: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- PsycheAbhängigkeit von dem Arzneimittel[1, 2]Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen
- AugenVerschwommene Sicht, Verengung der Pupillen (Miosis), starke Erweiterung der Pupillen (Mydriasis)[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
- AtemwegeVerlangsamte Atmung (Atemdepression), Atemnot (Dyspnoe); werden die empfohlenen Dosen überschritten oder gleichzeitig andere Arzneimittel angewendet, die dämpfend auf die Gehirnfunktion wirken, kann eine Verlangsamung der Atmung auftreten. Über eine Verschlimmerung von Asthma wurde berichtet, ein ursächlicher Zusammenhang mit Tramadol konnte jedoch nicht hergestellt werden[1, 2]Mehr dazu: Atemnot
- Muskeln, Knochen und GelenkeVerminderte Muskelkraft[1, 2]Mehr dazu: Schwäche (Asthenie)
- Nieren und HarnwegeErschwertes oder schmerzhaftes Wasserlassen, weniger Urin als normal (Dysurie, Harnverhalt)[1, 2]Mehr dazu: Probleme beim Wasserlassen
Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen
- Leber und GalleErhöhte Leberenzymwerte[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- Stoffwechsel und ErnährungAbfall des Blutzuckerspiegels[1, 2]Mehr dazu: Unterzuckerung
- AtemwegeSchluckauf[1, 2]Mehr dazu: Schluckauf
- NervensystemSerotoninsyndrom: veränderter Gemütszustand (z. B. Unruhe, Halluzinationen, Koma), Fieber, beschleunigter Herzschlag, instabiler Blutdruck, unwillkürliches Zucken, Muskelsteifheit, Koordinationsstörungen und/oder Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall[1, 2]Mehr dazu: Unruhe und NervositätPsychose und HalluzinationenFieberHerzrasen
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Für ein Serotoninsyndrom, einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand, besteht laut Packungsbeilage ein geringes Risiko; es kann zusammen mit bestimmten Antidepressiva, aber auch unter Tramadol allein auftreten [1, 2]. Bei Verdacht erwägt die Ärztin oder der Arzt laut Fachinformation je nach Schwere eine Dosisverringerung oder das Absetzen; nach dem Absetzen der serotonergen Arzneimittel bessern sich die Beschwerden in der Regel rasch [2]. Epileptische Anfälle sind auch bei Einnahme der empfohlenen Dosis beschrieben; das Risiko kann steigen, wenn die empfohlene Tageshöchstdosis überschritten wird [1, 2].
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Übelkeit und Schwindel: Diese Beschwerden sind sehr häufig [1, 2]. Schwindel und Benommenheit können Ihr Reaktionsvermögen beeinflussen; haben Sie das Gefühl, dass es beeinträchtigt ist, fahren Sie nicht Auto, bedienen Sie keine Maschinen und arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt [1]. Haben Sie den Eindruck, dass Tramadol zu stark oder zu schwach wirkt, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1].
Verstopfung und Mundtrockenheit: Beides gehört zu den häufigen Nebenwirkungen [1, 2]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, wenn die Beschwerden Sie belasten; ändern Sie die Dosis nicht selbst und setzen Sie Tramadol nicht eigenmächtig ab [1]. Hinweise zum Umgang mit Schmerzmitteln gibt der Ratgeber Schmerzmittel richtig anwenden. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.
Wechselwirkungen
Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, vor kurzem eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Zusammen mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen, etwa Lorazepam, steigt das Risiko für Schläfrigkeit, Atemdämpfung und Koma; das kann lebensbedrohlich sein [1, 2]. Auch Gabapentin und Pregabalin erhöhen das Risiko für Nebenwirkungen [1, 2]. Mit MAO-Hemmern darf Tramadol nicht kombiniert werden, und mit bestimmten anderen Antidepressiva ist ein Serotoninsyndrom möglich [1, 2].
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Benzodiazepine und verwandte Beruhigungsmittel | Höheres Risiko für Schläfrigkeit, Atemdämpfung (Atemdepression) und Koma; kann lebensbedrohlich sein[1, 2] | Gleichzeitige Anwendung sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt; Dosis und Dauer sollten von der Ärztin oder dem Arzt begrenzt werden; es könnte hilfreich sein, Freunde oder Angehörige zu bitten, auf die Anzeichen zu achten |
| Andere Schmerzmittel wie Morphin oder Codein (auch in Hustenmitteln) und Alkohol | Mehr Nebenwirkungen; Sie könnten sich benommen oder einer Ohnmacht nahe fühlen[1, 2] | Dann die Ärztin oder den Arzt informieren; keinen Alkohol trinken |
| Gabapentin oder Pregabalin | Höheres Risiko für Nebenwirkungen; laut Fachinformation sind Atemdämpfung, niedriger Blutdruck, starke Beruhigung, Koma oder Tod möglich[1, 2] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| MAO-Hemmer (bestimmte Mittel gegen Depressionen) | Lebensbedrohliche Wechselwirkungen auf Nervensystem, Atmung und Kreislauf sind nicht auszuschließen[1, 2] | Nicht kombinieren, auch nicht innerhalb von 14 Tagen nach dem Absetzen eines MAO-Hemmers |
| Bestimmte Antidepressiva (SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva, Mirtazapin) | Gegenseitige Beeinflussung; ein Serotoninsyndrom, laut Fachinformation ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand, ist möglich[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren; laut Fachinformation wird bei gleichzeitiger Behandlung eine sorgfältige Beobachtung empfohlen, besonders zu Behandlungsbeginn und bei Dosiserhöhungen; bei Anzeichen sofort ärztliche Hilfe |
| Mittel, die Krampfanfälle auslösen können, etwa bestimmte Mittel gegen Depressionen oder Psychosen, Bupropion oder Tetrahydrocannabinol | Höheres Risiko für Krampfanfälle[1, 2] | Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob Tramadol geeignet ist |
| Carbamazepin (gegen Krampfanfälle) und Ondansetron (gegen Übelkeit) | Die Schmerzlinderung durch Tramadol kann schwächer und kürzer sein[1, 2] | Die Ärztin oder der Arzt entscheidet über Einnahme und Dosierung |
| Blutverdünner vom Cumarin-Typ, z. B. Warfarin | Die gerinnungshemmende Wirkung kann beeinflusst werden; Blutungen sind möglich[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Buprenorphin, Pentazocin oder Nalbuphin (andere Schmerzmittel) | Die Schmerzlinderung durch Tramadol kann vermindert sein[1, 2] | Kombination laut Fachinformation nicht empfehlenswert |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Tramadol nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Tramadol darf unter anderem nicht eingenommen werden bei einer akuten Vergiftung mit Alkohol, Schlaf- oder Schmerzmitteln oder Psychopharmaka, bei einer nicht ausreichend kontrollierten Epilepsie und zusammen mit MAO-Hemmern [1, 2]. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft oder früher einmal zutraf [1].
Nicht einnehmen bei
- Allergie gegen Tramadol oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Akute Vergiftung durch Alkohol, Schlafmittel, Schmerzmittel, Opioide oder Psychopharmaka[1, 2]
- Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern (bestimmte Mittel gegen Depressionen) oder Einnahme in den letzten 14 Tagen[1, 2]
- Epilepsie, die durch Behandlung nicht ausreichend kontrolliert ist[1, 2]
- Als Ersatzmittel beim Drogenentzug[1, 2]
- Schwere Leber- und/oder Nierenfunktionsschwäche: laut Packungsbeilage darf Tramadol dann nicht eingenommen werden; laut Fachinformation wird Tramadol dann nicht empfohlen[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- Abhängigkeit von anderen Opioid-Schmerzmitteln[1, 2]
- Bewusstseinsstörung, Schockzustand, erhöhter Hirndruck (etwa nach Kopfverletzungen oder bei Erkrankungen des Gehirns)[1, 2]
- Schwierigkeiten beim Atmen[1, 2]
- Neigung zu Epilepsie oder Krampfanfällen: Das Risiko für Krampfanfälle kann erhöht sein. Epileptische Anfälle wurden auch bei Einnahme der empfohlenen Dosis beschrieben; das Risiko kann steigen, wenn die empfohlene Tageshöchstdosis überschritten wird. Laut Fachinformation sollten Menschen mit Epilepsie oder Neigung zu Krampfanfällen nur in zwingenden Ausnahmefällen mit Tramadol behandelt werden[1, 2]
- Depression mit Einnahme von Antidepressiva, weil einige mit Tramadol wechselwirken[1]
- Leber- oder Nierenleiden: Tramadol wird verzögert ausgeschieden; die Ärztin oder der Arzt kann längere Abstände zwischen den Einnahmen empfehlen[1, 2]
- Ältere Menschen über 75 Jahre: Tramadol kann verzögert ausgeschieden werden; die Ärztin oder der Arzt kann längere Abstände zwischen den Einnahmen empfehlen[1, 2]
- Größeres Risiko für Abhängigkeit oder Sucht: früherer Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol, verschreibungspflichtigen Medikamenten oder illegalen Drogen bei Ihnen oder in der Familie, Rauchen, frühere psychische Probleme wie Depression, Angststörung oder Persönlichkeitsstörung[1, 2]
- Kinder mit Atemproblemen: Tramadol wird nicht empfohlen, weil sich Zeichen einer Tramadol-Vergiftung verschlimmern können; laut Fachinformation gilt das zum Beispiel bei neuromuskulären Störungen, schweren Herz- oder Atemwegserkrankungen, Infektionen der oberen Atemwege oder der Lunge, mehreren schweren Verletzungen (multiples Trauma) oder umfangreichen Operationen. Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten sind nicht für Kinder unter 12 Jahren bestimmt[1, 2]
- Kinder nach Entfernung der Gaumenmandeln und/oder der Rachenmandel wegen obstruktiver Schlafapnoe (Atempausen im Schlaf): Laut Fachinformation wurde in der Literatur berichtet, dass Tramadol nach einer solchen Operation zu seltenen, aber lebensbedrohlichen unerwünschten Ereignissen geführt hat. Erhalten Kinder Tramadol zur Schmerzlinderung nach einer Operation, sollte mit äußerster Vorsicht vorgegangen und engmaschig auf Zeichen einer Opioid-Vergiftung, einschließlich Atemdepression, überwacht werden[2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Alkohol, Verkehrstüchtigkeit, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 3]. Packungsbeilage und Embryotox unterscheiden sich bei der Schwangerschaft: Die Packungsbeilage rät von der Einnahme ab, Embryotox hält sie bei entsprechender Indikation für möglich, eine Dauerbehandlung aber nur bei strenger Indikation [1, 3]. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Alkohol.
Schwangerschaft
Über die Sicherheit von Tramadol in der Schwangerschaft liegen nur wenige Informationen vor; Sie sollten es deshalb nicht einnehmen, wenn Sie schwanger sind. Wiederholte Einnahme in der Schwangerschaft kann beim Neugeborenen Entzugserscheinungen auslösen. Laut Fachinformation kann Tramadol, vor oder während der Geburt gegeben, die Atemfrequenz des Neugeborenen verändern, was in der Regel klinisch nicht bedeutsam ist.[1, 2]
Embryotox schätzt den Erfahrungsumfang als mittel ein: Eine Kohortenstudie aus Frankreich und eine Fallserie aus den Niederlanden fanden kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, eine Studie aus dem schwedischen Geburtsregister ein leicht erhöhtes Risiko für Herzfehler und Klumpfüße; das individuelle Risiko für Herzfehler wird als gering eingeschätzt. Besonders hohe Dosen am Ende der Schwangerschaft können beim Kind zu Atemdämpfung und behandlungsbedürftigen Entzugserscheinungen führen. Laut Embryotox kann Tramadol bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft verwendet werden; eine Dauerbehandlung sollte aber streng begründet sein, und ein akuter Entzug ist in der Schwangerschaft unbedingt zu vermeiden. Als Schmerzmittel sollten laut Embryotox Paracetamol (gegebenenfalls mit Codein) oder Ibuprofen bevorzugt werden; bei Ibuprofen weist Embryotox ab der 28. Schwangerschaftswoche auf die Gefahr eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus beim Kind hin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Tramadol geht in die Muttermilch über. Laut Packungsbeilage sollten Sie es in der Stillzeit nicht mehr als einmal einnehmen; nehmen Sie es öfter ein, sollten Sie das Stillen unterbrechen. Nach einer einmaligen Einnahme ist eine Stillpause laut Fachinformation im Allgemeinen nicht nötig.[1, 2]
Embryotox empfiehlt, Tramadol wie alle Opioid-Schmerzmittel in der Stillzeit nur kurzzeitig und bei guter Beobachtung des Säuglings anzuwenden; Einzeldosen erfordern keine Einschränkung des Stillens. Besondere Vorsicht gilt bei Neu- und Frühgeborenen und bei Kindern mit Neigung zu Atemaussetzern. Schmerzmittel der ersten Wahl in der Stillzeit sind laut Embryotox Ibuprofen und Paracetamol; ist ein Opioid unumgänglich, wäre kurzzeitig auch Buprenorphin eine akzeptable Alternative. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Trinken Sie während der Behandlung keinen Alkohol, da seine Wirkung verstärkt werden kann. Zusammen mit Alkohol steigt das Risiko für Nebenwirkungen; Sie könnten sich benommen oder einer Ohnmacht nahe fühlen.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Tramadol kann Schwindel, Benommenheit und verschwommenes Sehen hervorrufen und damit Ihr Reaktionsvermögen beeinflussen, besonders zusammen mit Alkohol. Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Reaktionsvermögen beeinträchtigt ist, fahren Sie nicht, bedienen Sie keine elektrischen Werkzeuge oder Maschinen und arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt.[1, 2]
Einnahme
Retardtabletten unzerkaut und unzerkleinert mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, vorzugsweise morgens und abends, nüchtern oder zu den Mahlzeiten. Nahrungsmittel beeinflussen die Wirkung nicht. Nehmen Sie Tramadol auf keinen Fall länger als unbedingt notwendig ein.[1, 2]
Einnahme vergessen: Die Schmerzen können wiederkehren. Nicht die doppelte Dosis nehmen, sondern die Einnahme wie vorher fortsetzen.[1]
An einem abgeschlossenen, sicheren Ort aufbewahren, zu dem andere Personen keinen Zugang haben: Bei Menschen, denen es nicht verschrieben wurde, kann Tramadol schweren Schaden verursachen und zum Tod führen. Für Kinder unzugänglich aufbewahren; Reste nicht über das Abwasser entsorgen.[1]
Absetzen
Setzen Sie Tramadol nur dann abrupt ab, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie dazu anweist; besprechen Sie das Absetzen vorher, besonders nach längerer Einnahme. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie, wann und wie Sie Tramadol absetzen; unter Umständen geschieht das durch eine allmähliche Verringerung der Dosis, um die Wahrscheinlichkeit von Entzugssymptomen zu verringern.[1, 2]
Nach längerer Einnahme und plötzlichem Absetzen können Sie sich unruhig, ängstlich, nervös oder zittrig fühlen, überaktiv sein oder Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden haben. Sehr wenige Menschen könnten Panikanfälle, Halluzinationen, Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit oder Ohrgeräusche bekommen; sehr selten wurden Verwirrung, Wahn, ein verändertes Erleben der eigenen Person und der Umgebung sowie Verfolgungswahn beobachtet. Wenden Sie sich dann an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.[1, 2]
Überdosierung
Eine versehentlich zusätzlich eingenommene Dosis hat im Regelfall keine negativen Auswirkungen; nehmen Sie die nächste Dosis wie verschrieben. Nach erheblich zu hohen Dosen können stecknadelkopfgroße Pupillen, Erbrechen, Blutdruckabfall, schneller Herzschlag, Kreislaufkollaps, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, epileptische Anfälle und Atemprobleme bis zum Atemstillstand auftreten, auch ein Serotoninsyndrom wurde gemeldet. Rufen Sie dann unverzüglich eine Ärztin oder einen Arzt zu Hilfe.[1, 2]
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Übersicht gibt die Angaben der Packungsbeilage der Retardtabletten mit 100 mg wieder und ersetzt nicht die Verordnung; andere Darreichungsformen wie Tropfen oder Kapseln haben eigene Packungsbeilagen mit eigenen Dosierangaben. Laut Packungsbeilage sollte die Dosierung an die Stärke der Schmerzen und die persönliche Empfindlichkeit angepasst und grundsätzlich die geringste schmerzlindernd wirkende Dosis gewählt werden [1].
Einnahme und Absetzen
Schlucken Sie die Retardtabletten unzerkaut und unzerkleinert mit ausreichend Flüssigkeit, vorzugsweise morgens und abends, nüchtern oder zu den Mahlzeiten [1, 2]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie nicht die doppelte Dosis, sondern setzen Sie die Einnahme wie vorher fort [1]. Bewahren Sie Tramadol an einem abgeschlossenen, sicheren Ort auf, zu dem andere keinen Zugang haben [1].
Setzen Sie Tramadol nur dann abrupt ab, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie dazu anweist. Möchten Sie es absetzen, besprechen Sie das vorher, vor allem nach längerer Einnahme. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie, wann und wie Sie Tramadol absetzen; unter Umständen geschieht das durch eine allmähliche Verringerung der Dosis, um die Wahrscheinlichkeit von Entzugssymptomen zu verringern [1, 2]. Möchten Sie die Behandlung wegen unangenehmer Begleiterscheinungen beenden, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Nach langer Einnahme und plötzlichem Absetzen können zum Beispiel Unruhe, Ängstlichkeit, Nervosität, Zittern, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten [1, 2]. Was beim Absetzen zu beachten ist, erklärt die Seite Tramadol absetzen. Mehr dazu unter Abhängigkeit und im Ratgeber Medikamente absetzen. Was bei einer Überdosierung zu tun ist, steht in der Karte oben; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.
Präparate mit Tramadol
Tramadol gibt es von mehreren Herstellern in verschiedenen Darreichungsformen und Stärken. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten [1, 2]. Für andere Darreichungsformen gelten eigene Packungsbeilagen. Die folgende Auswahl ist alphabetisch sortiert und keine Empfehlung [3].
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Tramadol-ratiopharm | ratiopharm GmbH | u. a. Retardtabletten 100 mg (Grundlage dieser Seite), Retardkapseln, Hartkapseln, Tropfen und Injektionslösung; verschreibungspflichtig |
| Tramal |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 10.10.2026
- Embryotox Embryotox: Tramadol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
- Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Tramadol. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 10.10.2026
- Behörde Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III (Tramadol nicht aufgeführt). Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 10.10.2026
Häufige Fragen
Ist Tramadol ein Betäubungsmittel?
Tramadol ist ein Opioid und verschreibungspflichtig. In der Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, in der etwa Fentanyl steht, ist Tramadol nicht aufgeführt. Trotzdem kann Tramadol zu Abhängigkeit, Missbrauch und Sucht führen.
Macht Tramadol abhängig?
Ja. Die wiederholte Einnahme kann dazu führen, dass Tramadol schwächer wirkt (Toleranz), und sie kann zu Abhängigkeit, Missbrauch und Sucht führen, mit der Gefahr einer lebensbedrohlichen Überdosierung. Das Risiko kann mit einer höheren Dosis und einer längeren Einnahmedauer steigen. Es kann größer sein, wenn Sie oder ein Familienmitglied schon einmal Alkohol, verschreibungspflichtige Medikamente oder illegale Drogen missbraucht haben oder davon abhängig waren, wenn Sie rauchen oder schon einmal psychische Probleme hatten.
Warum wird mir von Tramadol übel?
Übelkeit gehört neben Schwindel zu den häufigsten Nebenwirkungen von Tramadol und betrifft mehr als 1 von 10 Behandelten. Häufig sind außerdem Erbrechen und Verstopfung. Belasten Sie diese Beschwerden, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Darf ich mit Tramadol Alkohol trinken?
Nein. Laut Packungsbeilage sollen Sie während der Behandlung keinen Alkohol trinken, da seine Wirkung verstärkt werden kann. Zusammen mit Alkohol steigt das Risiko für Nebenwirkungen; Sie könnten sich benommen oder einer Ohnmacht nahe fühlen.
Darf ich mit Tramadol Auto fahren?
Tramadol kann Schwindel, Benommenheit und verschwommenes Sehen hervorrufen und das Reaktionsvermögen beeinträchtigen, besonders zusammen mit Alkohol. Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Reaktionsvermögen beeinträchtigt ist, fahren Sie nicht und bedienen Sie keine Maschinen.
Darf ich Tramadol mit Antidepressiva einnehmen?
Nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mit MAO-Hemmern darf Tramadol nicht kombiniert werden. Mit anderen Antidepressiva wie SSRI, SNRI, trizyklischen Antidepressiva oder Mirtazapin ist ein Serotoninsyndrom möglich, und manche Antidepressiva erhöhen das Risiko für Krampfanfälle.
Darf ich Tramadol in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Laut Packungsbeilage sollten Sie Tramadol in der Schwangerschaft nicht einnehmen, weil nur wenige Informationen zur Sicherheit vorliegen; wiederholte Einnahme kann beim Neugeborenen Entzugserscheinungen auslösen. In der Stillzeit sollten Sie es nicht mehr als einmal einnehmen, sonst das Stillen unterbrechen. Laut dem Beratungszentrum Embryotox kann Tramadol bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft verwendet werden, eine Dauerbehandlung aber nur bei strenger Indikation; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie hoch ist die Dosis von Tramadol?
Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach der Stärke Ihrer Schmerzen und Ihrer Empfindlichkeit fest, so niedrig wie möglich. Was die Packungsbeilage angibt, steht im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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