NebenwirkungenNebenwirkung
Krampfanfälle durch Medikamente
Krampfanfälle sind bei einer Reihe von Medikamenten als Nebenwirkung beschrieben, laut Fachinformationen etwa beim Antidepressivum Bupropion, beim Schmerzmittel Tramadol, bei Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone und beim Antipsychotikum Clozapin. Auch das plötzliche Absetzen von Mitteln wie Lorazepam kann laut Fachinformation Anfälle auslösen. Das Risiko ist laut den Produktinformationen höher bei einer Epilepsie oder früheren Anfällen und wenn mehrere Mittel zusammenkommen, die die Krampfschwelle senken. Nach einem Krampfanfall unter einem Medikament brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe. Dauert ein Anfall länger als fünf Minuten oder war es der erste Anfall, ist laut IQWiG der Notruf 112 nötig. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Einige Medikamente können Krampfanfälle auslösen oder die Schwelle für Krampfanfälle (Krampfschwelle) herabsetzen [9, 18]. Laut Produktinformationen gilt das zum Beispiel für das Antidepressivum Bupropion, das Schmerzmittel Tramadol, Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone und das Antipsychotikum Clozapin [5, 7, 9, 15]. Bei einem epileptischen Anfall ist das Zusammenspiel der Nervenzellen im Gehirn vorübergehend gestört: Einzelne Bereiche oder das ganze Gehirn sind übermäßig aktiv, und dabei krampfen einzelne Muskeln oder der ganze Körper; manche Menschen werden bewusstlos [1].
Welche Medikamente Krampfanfälle auslösen können
Krampfanfälle stellen laut Fachinformation von Citalopram ein potenzielles Risiko bei der Behandlung mit einem Antidepressivum dar [17]. Die Fachinformation von Bupropion zählt mehrere Arzneimittel auf, von denen bekannt ist, dass sie die Krampfschwelle herabsetzen: Antipsychotika, Antidepressiva, Mittel gegen Malaria, Tramadol, Theophyllin, systemische Steroide, Chinolone und dämpfende (sedierende) Antihistaminika [5]. Die Beispiele unten stammen aus den Produktinformationen einzelner Wirkstoffe. Jede Häufigkeitsangabe gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht.
- Antidepressiva: Bei Bupropion ist das Risiko für Krampfanfälle laut Fachinformation dosisabhängig; laut Packungsbeilage kann es bei ungefähr 1 von 1.000 Behandelten Krampfanfälle verursachen, die Packungsbeilage stuft sie als selten ein [4, 5]. Bei Menschen, die an Krampfanfällen leiden oder jemals gelitten haben, darf Bupropion laut Fachinformation nicht angewendet werden [5]. Unter Sertralin kann es laut Fachinformation gelegentlich (bei bis zu 1 von 100 Behandelten) zu epileptischen Anfällen kommen [19]. Bei Citalopram nennt die Packungsbeilage Krampfanfälle als selten (bis zu 1 von 1.000 Behandelten) [16]. Bei instabiler Epilepsie darf Citalopram laut Fachinformation nicht angewendet werden, Escitalopram und Sertralin sollten dann laut ihren Fachinformationen nicht angewendet werden; bei kontrollierter Epilepsie sehen Citalopram und Sertralin eine sorgfältige, Escitalopram eine engmaschige Überwachung vor [17, 18, 19].
- Opioide (starke Schmerzmittel): Bei Tramadol ist laut Fachinformation auch bei Einnahme in der empfohlenen Dosierung über Krampfanfälle berichtet worden; ein erhöhtes Risiko kann bestehen, wenn die empfohlene Tageshöchstdosis überschritten wird [7]. Laut Packungsbeilage sind epileptische Anfälle selten; sie traten überwiegend nach hohen Dosierungen auf oder zusammen mit Arzneimitteln, die Krampfanfälle auslösen können [6]. Menschen mit Epilepsie oder Neigung zu Krampfanfällen sollten laut Fachinformation nur in zwingenden Ausnahmefällen mit Tramadol behandelt werden; bei einer Epilepsie, die durch Behandlung nicht ausreichend kontrolliert werden kann, darf es laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden [6, 7].
- Fluorchinolone (Antibiotika): Von Ciprofloxacin und anderen Chinolonen ist laut Fachinformation bekannt, dass sie Krampfanfälle auslösen oder die Krampfschwelle senken können; auch Fälle eines Status epilepticus wurden berichtet (ein Anfall, der laut IQWiG länger als fünf Minuten dauert) [1, 9]. Bei Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin sind Krampfanfälle laut Packungsbeilage selten [8, 10, 12]. Bei Moxifloxacin ist laut Fachinformation Vorsicht geboten bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder anderen Risikofaktoren, die zu Krampfanfällen prädisponieren oder die Krampfschwelle herabsetzen [13]. Levofloxacin darf laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden, wenn Sie irgendwann an Epilepsie litten oder daran leiden [10].
- Antipsychotika: Bei Clozapin zählen Krampfanfälle laut Fachinformation zu den schwerwiegendsten Nebenwirkungen; Packungsbeilage und Fachinformation stufen sie als häufig ein (bis zu 1 von 10 Behandelten) [14, 15]. Die Wahrscheinlichkeit ist laut Fachinformation bei schneller Dosissteigerung und bei vorbestehender Epilepsie erhöht [15]. Um unter anderem das Risiko von Krampfanfällen zu verringern, steigert die Ärztin oder der Arzt die Dosis laut Packungsbeilage schrittweise; bei einer Epilepsie, die nicht durch eine Behandlung kontrolliert ist, darf Clozapin nicht eingenommen werden [14].
- Antiepileptika: Wie bei anderen Antiepileptika kann es laut Fachinformation vorkommen, dass Levetiracetam in seltenen Fällen die Häufigkeit oder Schwere von Anfällen verschlechtert; dieser gegenteilige (paradoxe) Effekt wurde meist im ersten Monat nach Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung berichtet und war nach Absetzen oder Verringerung der Dosis umkehrbar [24]. Die Packungsbeilage von Valproinsäure nennt unter anderem eine Zunahme der Anzahl und Schwere von Krampfanfällen [25].
- Weitere Beispiele: Bei Amoxicillin, einem Antibiotikum aus der Gruppe der Penicilline, sind Krampfanfälle laut Fachinformation sehr selten (bis zu 1 von 10.000 Behandelten); Krämpfe können bei eingeschränkter Nierenfunktion, bei hohen Dosen oder bei Menschen mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte, behandelter Epilepsie oder Hirnhauterkrankungen auftreten [26]. Für Pregabalin nennt die Fachinformation Krampfanfälle (Konvulsionen) als selten; Krampfanfälle einschließlich eines Status epilepticus können laut Fachinformation während der Anwendung oder kurz nach dem Absetzen auftreten [22].
Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation Krampfanfälle nennt:
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Brivaracetam | Häufig | Krampfanfälle (Konvulsionen) |
| Ciclosporin | Häufig | Krampfanfälle |
| Clozapin | Häufig | Krampfanfälle und Muskelzuckungen (myoklonische Zuckungen) |
| Gabapentin | Häufig | Krämpfe, ruckartige Bewegungen (Hyperkinesie), Sprachstörungen, Gedächtnisverlust, Zittern, Schlafstörungen, Kopfschmerzen |
| Lacosamid | Häufig | Kurze Zuckungen eines Muskels oder einer Muskelgruppe (myoklonische Anfälle) · Schüttelkrämpfe (Konvulsion) |
| Levetiracetam | Häufig | Krämpfe (Konvulsionen), Gleichgewichtsstörungen, Schwindel (Gefühl der Wackeligkeit), Mangel an Energie und Begeisterungsfähigkeit (Lethargie), unwillkürliches Zittern (Tremor) · Verschlechterung von Anfällen oder… |
| Tacrolimus | Häufig | Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Kribbeln und Taubheitsgefühl (manchmal schmerzhaft) in Händen und Füßen, Schwindelgefühl, Schreibstörungen, Störungen des Nervensystems; laut Fachinformation auch Erkrankungen der… |
| Topiramat | Häufig | Krampfanfälle |
| Valproinsäure | Häufig | Stupor mit Taubheitsgefühl und Unbeweglichkeit, starke Schläfrigkeit und Benommenheit, bei der vorübergehende Bewusstlosigkeit möglich ist, manchmal mit weiteren Krampfanfällen; in der Regel nach plötzlicher… |
| Amisulprid | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Amitriptylin | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Dimenhydrinat | Gelegentlich | Krämpfe |
| Donepezil | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Enzalutamid | Gelegentlich | Krampfanfälle (in Studien bei 6 von 1.000 Behandelten gegenüber weniger als 3 von 1.000 unter Placebo) |
| Fentanyl | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Fluconazol | Gelegentlich | Krampfanfälle, Schwindelgefühl, Kribbeln, Stechen oder Taubheitsgefühl (Parästhesien), verändertes Geschmacksempfinden |
| Guanfacin | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Haloperidol | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Infliximab | Gelegentlich | Krampfanfälle, Nervenprobleme (Neuropathie) |
| Medroxyprogesteron | Gelegentlich | Krampfanfälle, Schläfrigkeit |
| Metronidazol | Gelegentlich | Störungen im Zusammenspiel der Bewegungen (Ataxie), Nervenstörungen (periphere Neuropathien) und Krampfanfälle; Krampfanfälle laut Fachinformation nach sehr hoher Dosierung oder Langzeitbehandlung, nach Verringerung… |
| Montelukast | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Olanzapin | Gelegentlich | Krampfanfälle, eher bei einem Anfallsleiden (Epilepsie) in der Vorgeschichte |
| Ondansetron | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Oxycodon | Gelegentlich | Krampfanfälle, insbesondere bei Menschen mit Epilepsie oder erhöhter Krampfneigung |
| Pembrolizumab | Gelegentlich | Muskelschwäche mit rascher Ermüdung (Myastheniesyndrom); Krampfanfälle |
| Quetiapin | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Risperidon | Gelegentlich | Krampfanfälle, Ohnmachtsanfall (Synkope) |
| Sertralin | Gelegentlich | Krampfanfälle |
| Atomoxetin | Selten | Bei Kindern und Jugendlichen: Krampfanfälle · Bei Erwachsenen: Krampfanfälle |
| Bupropion | Selten | Krampfanfälle (bei ungefähr 1 von 1.000 Behandelten) |
| Cetirizin | Selten | Krampfanfälle (Konvulsionen) |
| Ciprofloxacin | Selten | Krampfanfälle |
| Citalopram | Selten | Krampfanfälle (Grand-mal-Anfall), unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien) |
| Doxylamin | Selten | Krampfanfälle des Gehirns |
| Duloxetin | Selten | Krampfanfälle; auch nach dem Absetzen berichtet |
| Etanercept | Selten | Krampfanfälle |
| Flecainid | Selten | Krampfanfälle (Konvulsionen) |
| Fluoxetin | Selten | Anfälle (Krampfanfälle) |
| Levodopa/Carbidopa | Selten | Krämpfe (Konvulsionen) |
| Levofloxacin | Selten | Krampfanfälle |
| Mebendazol | Selten | Krampfanfälle |
| Metoclopramid | Selten | Krampfanfälle, besonders bei Menschen mit Epilepsie |
| Moxifloxacin | Selten | Krampfanfälle, laut Fachinformation einschließlich Grand-mal-Anfällen |
| Paliperidon | Selten | Probleme mit den Blutgefäßen im Gehirn einschließlich Schlaganfall oder "kleinem" Schlaganfall; fehlende Reaktion auf Reize, Bewusstlosigkeit, eingeschränktes Bewusstsein; Krampfanfälle; Gleichgewichtsstörung, gestörte… |
| Paroxetin | Selten | Krampfanfälle |
| Prednison | Selten | Entstehung oder Verschlimmerung epileptischer Anfälle |
| Pregabalin | Selten | Krampfanfälle |
| Rivastigmin | Selten | Krampfanfälle · Bei Exelon Hartkapseln beobachtet und möglicherweise auch beim Pflaster: Krampfanfälle, Darmgeschwür, Brustschmerzen (können durch Herzmuskelkrämpfe verursacht werden) |
| Sildenafil | Selten | Krampfanfälle, auch wiederholte Krampfanfälle |
| Tadalafil | Selten | Krampfanfälle |
| Tapentadol | Selten | Epileptischer Anfall, sich einer Ohnmacht nahe fühlen, abnorme Koordination |
| Tramadol | Selten | Epileptische Anfälle, vor allem nach hohen Dosen oder zusammen mit Arzneimitteln, die Krampfanfälle auslösen können |
| Venlafaxin | Selten | Krampfanfälle |
| Aciclovir | Sehr selten | Erscheinungen am Nervensystem: körperliche Unruhe, Verwirrtheit, Zittern, Bewegungs- und Sprachstörungen, Wahnvorstellungen, Entfremdungserlebnisse, Krampfanfälle, krankhafte Veränderung des Gehirns, Schläfrigkeit und… |
| Amoxicillin | Sehr selten | Krampfanfälle; sie zeigten sich bei Patientinnen und Patienten, die hohe Dosen einnahmen oder Nierenprobleme hatten |
| Biperiden | Sehr selten | Erhöhte Krampfbereitschaft und Krampfanfälle |
| Celecoxib | Sehr selten | Verschlechterung einer Epilepsie mit möglicherweise häufigeren und/oder schwereren Anfällen |
| Cotrimoxazol (Sulfamethoxazol/Trimethoprim) | Sehr selten | Krampfanfälle (Schüttelkrampf, Konvulsion) |
| Desloratadin | Sehr selten | Krampfanfälle |
| Diclofenac | Sehr selten | Krämpfe |
| Doxycyclin | Sehr selten | Krampfanfälle |
| Famotidin | Sehr selten | Epileptische Anfälle (Grand mal) sowie Krämpfe (insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion) |
| Isotretinoin | Sehr selten | Krämpfe, Benommenheit, Schwindel |
| Lamotrigin | Sehr selten | Mehr Anfälle bei bereits bestehender Epilepsie |
| Memantin | Sehr selten | Krampfanfälle |
| Methocarbamol | Sehr selten | Krampfanfall |
| Methylphenidat | Sehr selten | Krampfanfälle (epileptische Anfälle) · Starker Krampfanfall (Grand-Mal-Anfall) |
| Morphin | Sehr selten | Epileptische Krampfanfälle, Muskelzittern, unwillkürliche Muskelzuckungen |
| Opipramol | Sehr selten | Epileptische Anfälle |
| Oxymetazolin | Sehr selten | Krämpfe (insbesondere bei Kindern) |
| Pentoxyverin | Sehr selten | Krampfanfälle, insbesondere bei Kleinkindern |
| Piroxicam | Sehr selten | Krampfanfälle (Konvulsionen) |
| Trazodon | Sehr selten | Epileptische Krampfanfälle |
| Xylometazolin | Sehr selten | Krämpfe (Konvulsionen), insbesondere bei Kindern |
| Zopiclon | Sehr selten | Epileptische Anfälle |
| Amoxicillin/Clavulansäure | Nicht bekannt | Krampfanfälle bei Personen, die hohe Dosen einnehmen oder Nierenprobleme haben |
| Aripiprazol | Nicht bekannt | Krampfanfall |
| Azithromycin | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Cefaclor | Nicht bekannt | Auftreten von (epilepsieähnlichen) Krampfanfällen, besonders bei Nierenfunktionsstörungen |
| Clarithromycin | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Dexamethason | Nicht bekannt | Auftreten einer bis dahin unerkannten Epilepsie und gehäuftere Krampfanfälle bei bekannter Epilepsie |
| Domperidon | Nicht bekannt | Krampfanfall |
| Erythromycin | Nicht bekannt | Vorübergehende Störungen des zentralen Nervensystems wie Verwirrtheitszustände, Krampfanfälle, Halluzinationen, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Schwindelgefühl |
| Escitalopram | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Hydromorphon | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Hydroxychloroquin | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Leuprorelin | Nicht bekannt | Bei Männern mit Prostatakrebs: Krampfanfälle · Bei Kindern mit vorzeitiger Pubertät: Krampfanfälle; erhöhter Druck im Schädelinneren (idiopathische intrakranielle Hypertonie) mit Kopfschmerzen, Doppeltsehen und anderen… |
| Levocetirizin | Nicht bekannt | Krampfanfälle (Konvulsion), Kribbeln (Parästhesie), Schwindelgefühl, plötzlicher Bewusstseinsverlust (Synkope), Zittern, gestörtes Geschmacksempfinden |
| Lisdexamfetamin | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Lithium | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Lorazepam | Nicht bekannt | Krampfanfälle, Krämpfe |
| Methotrexat | Nicht bekannt | Krampfanfälle; erhöhter Druck der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bluthochdruck oder Verwirrtheit; Schädigung des Nervensystems (Neurotoxizität), Entzündung der Spinnwebenhaut,… |
| Mirtazapin | Nicht bekannt | Epileptischer Anfall (Krampfanfälle) |
| Pipamperon | Nicht bekannt | Krämpfe, auch Grand-mal-Anfälle |
| Prednisolon | Nicht bekannt | Auftreten einer bis dahin unerkannten Epilepsie und Erhöhung der Anfallsbereitschaft bei bestehender Epilepsie |
| Rizatriptan | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Sumatriptan | Nicht bekannt | Krampfanfälle (epileptische Anfälle) |
| Trimipramin | Nicht bekannt | Krampfanfälle |
| Verapamil | Nicht bekannt | Krämpfe |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (100 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Krampfanfälle als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (16 Wirkstoffe)
Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.
| Wirkstoff | Angabe in der Produktinformation | Häufigkeit dieser Nebenwirkung |
|---|---|---|
| Allopurinol | Krampfanfall als Zeichen einer Gefäßentzündung (Vaskulitis) bei Überempfindlichkeitsreaktion | Sehr selten |
| Azathioprin | Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES), eine Störung im Gehirn; laut Fachinformation mit Anzeichen wie Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, Bluthochdruck und Sehstörungen | Nicht bekannt |
| Ciclosporin | Zeichen einer Erkrankung des Gehirns (laut Fachinformation Enzephalopathie einschließlich PRES) wie plötzliche Krampfanfälle, geistige Verwirrung, Schlaflosigkeit, Orientierungslosigkeit, Sehstörungen, Bewusstlosigkeit, Schwächegefühl in den Gliedmaßen,… | Gelegentlich |
| Denosumab | Niedriger Calciumspiegel im Blut (Hypokalzämie), schwergradig auch mit Krankenhausaufenthalt und lebensbedrohlichen Reaktionen; Beschwerden wie Spasmen, Zuckungen oder Muskelkrämpfe, Taubheit oder Kribbeln in Fingern, Zehen oder um den Mund, Krampfanfälle,… | Selten |
| Enzalutamid | Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES): eine seltene, sich zurückbildende Erkrankung des Gehirns, etwa mit Krampfanfall, sich verschlimmernden Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Blindheit oder anderen Sehstörungen | Selten |
| Hydrochlorothiazid | Bei sehr starker Harnausscheidung mit verminderter Blutmenge und Flüssigkeitsmangel: Krampfanfälle, Benommenheit, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, Kreislaufkollaps und akutes Nierenversagen | Selten |
| Methylphenidat | Plötzlicher Anstieg der Körpertemperatur, sehr hoher Blutdruck und schwere Krampfanfälle (malignes neuroleptisches Syndrom); ob Methylphenidat oder andere gleichzeitig eingenommene Arzneimittel die Ursache sind, ist nicht sicher | Sehr selten |
| Metoclopramid | Malignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber, hohem Blutdruck, Krampfanfällen, Schweißausbruch und vermehrter Speichelbildung | Nicht bekannt |
| Oxcarbazepin | Niedriger Natriumspiegel durch eine unangemessene Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (SIADH) mit Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, Muskelzuckungen oder deutlicher Verschlechterung der Krampfanfälle; laut Fachinformation auch Übelkeit, Schwindel,… | Selten |
| Pembrolizumab | Guillain-Barré-Syndrom (vorübergehende Nervenentzündung mit Schmerzen, Schwäche und Lähmung der Gliedmaßen); Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) mit Verwirrtheit, Fieber, Gedächtnisstörungen oder Krampfanfällen; Entzündung des Rückenmarks (Myelitis) mit… | Selten |
| Propranolol | Unterzuckerung (Hypoglykämie), auch mit unterzuckerungsbedingten Krampfanfällen | Nicht bekannt |
| Pseudoephedrin | Schwerwiegende Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn: posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES) und reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom (RCVS); mögliche Anzeichen sind starke Kopfschmerzen mit plötzlichem Beginn, Übelkeit, Erbrechen,… | Nicht bekannt |
| Ramipril | Unangemessene Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (SIADH): dunkler, konzentrierter Urin, Übelkeit oder Erbrechen, Muskelkrämpfe, Verwirrtheit und Krampfanfälle | Nicht bekannt |
| Tacrolimus | Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES) mit Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Stimmungsschwankungen, Krampfanfällen und Sehstörungen | Nicht bekannt |
| Valproinsäure | Bei Langzeitbehandlung zusammen mit anderen Antiepileptika, vor allem Phenytoin: Zeichen einer Hirnschädigung (Enzephalopathie) mit vermehrten Krampfanfällen, Antriebslosigkeit, Stupor, Muskelschwäche, Bewegungsstörungen (choreiforme Dyskinesien) und… | Sehr selten |
| Xipamid | Krampfanfälle, Benommenheit, Verwirrtheit und Kreislaufkollaps infolge einer verminderten Blutmenge bei sehr starker Harnausscheidung | Selten |
Um Krämpfe einzelner Muskeln geht es unter Muskelkrämpfe und Wadenkrämpfe. Was die Häufigkeitsklassen bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Woran Sie einen Krampfanfall durch ein Medikament erkennen
Wie ein Anfall aussehen kann. Ein epileptischer Anfall kann sich laut IQWiG ganz unterschiedlich zeigen: Er kann wenige Sekunden dauern und sogar unbemerkt bleiben, nur einen Arm oder ein Bein betreffen oder den ganzen Körper erfassen; manche Menschen werden bewusstlos, andere sind nur kurz abwesend oder bleiben bei vollem Bewusstsein [1]. Beim tonisch-klonischen Anfall ("Grand mal") krampft und zuckt der ganze Körper, und man wird bewusstlos [1]. Nach einem stärkeren Anfall sind manche Menschen laut IQWiG in den folgenden Stunden erschöpft und schlafen viel; auch Vergesslichkeit, Sprachstörungen oder Lähmungen sind möglich, die wieder vorübergehen [1].
Zeitlicher Zusammenhang. Clozapin kann laut Fachinformation vor allem während der ersten Wochen der Behandlung dämpfen und die Schwelle für Krampfanfälle senken [15]. Bei Levetiracetam wurde eine Verschlechterung der Anfälle meist im ersten Monat nach Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung berichtet [24]. Ob Ihr Mittel Krampfanfälle nennt, steht in der Packungsbeilage; ob ein Anfall damit zusammenhängt, beurteilt die Ärztin oder der Arzt. Notieren Sie im Nebenwirkungs-Tagebuch, wann Sie welches Mittel eingenommen haben, wann Sie die Dosis geändert haben und wann Beschwerden auftraten.
Wer stärker gefährdet ist. Mehrere Produktinformationen nennen Umstände, unter denen Krampfanfälle wahrscheinlicher sind. Bei Bupropion zählen dazu laut Fachinformation die gleichzeitige Einnahme anderer Mittel, die die Krampfschwelle herabsetzen, Alkoholmissbrauch, ein früheres Schädel-Hirn-Trauma, ein Diabetes, der mit blutzuckersenkenden Arzneimitteln oder Insulin behandelt wird, und die Behandlung mit Stimulanzien oder Appetitzüglern [5].
Mehrere Mittel zusammen. Tramadol kann laut Fachinformation das krampfauslösende Potenzial von SSRI, SNRI, trizyklischen Antidepressiva, Neuroleptika und anderen Mitteln erhöhen, die die Krampfschwelle herabsetzen, etwa Bupropion, Mirtazapin und Tetrahydrocannabinol [7]. Nehmen Sie Levofloxacin zusammen mit Theophyllin oder mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen ein, ist laut Packungsbeilage die Wahrscheinlichkeit eines Krampfanfalls größer [10]. Trizyklische Antidepressiva und Neuroleptika hemmen laut Fachinformation von Amitriptylin wechselseitig ihren Abbau; dies kann die Krampfschwelle senken und zu Krampfanfällen führen [20]. Mehr dazu: Wechselwirkungen und Viele Medikamente gleichzeitig.
Den Anfall beschreiben. Weil man sich selbst oft nicht gut an einen Anfall erinnern kann, ist es laut IQWiG sinnvoll, eine Person zur Untersuchung mitzunehmen, die ihn miterlebt hat [1].
Warum Medikamente Krampfanfälle auslösen können
Die Nervenzellen im Gehirn sind laut IQWiG durch elektrische und chemische Signale miteinander verbunden; bei einem epileptischen Anfall ist ihr Zusammenspiel vorübergehend gestört, sodass einzelne Bereiche oder das ganze Gehirn übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben [1]. Mehrere Fachinformationen beschreiben, dass Medikamente die Krampfschwelle herabsetzen können, etwa für SSRI die Fachinformationen von Citalopram und Escitalopram und für Chinolone die Fachinformation von Levofloxacin [11, 17, 18]. Clozapin kann laut Fachinformation Veränderungen der Hirnströme im EEG verursachen und dosisabhängig die epileptische Krampfbereitschaft erhöhen [15]. Bei Bupropion besteht laut Fachinformation ein dosisabhängiges Risiko; Wechselwirkungen, die die Spiegel von Bupropion im Blut verändern, können das Risiko für Nebenwirkungen wie Krampfanfälle möglicherweise erhöhen [5].
Als Folge einer anderen Störung. Manchmal ist ein Krampfanfall das Zeichen einer anderen Nebenwirkung. Ein Natriummangel im Blut (Hyponatriämie) kann laut Fachinformation von Sertralin infolge einer Behandlung mit SSRI oder SNRI auftreten; zu den Beschwerden schwererer oder akuter Fälle gehören Krampfanfälle [19]. Auch eine akute Stoffwechselstörung wie eine Unterzuckerung kann laut Patientenleitlinie einen akut-symptomatischen Anfall verursachen [3]. Laut Rote-Hand-Brief vom 15. Februar 2024 wurden unter Pseudoephedrin, das gegen eine verstopfte Nase eingesetzt wird, wenige Fälle schwerer Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn berichtet (posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom, PRES, und reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom, RCVS); zu ihren Symptomen gehören plötzliche, starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, Krampfanfälle und Sehstörungen. Patientinnen und Patienten sollen laut Rote-Hand-Brief darauf hingewiesen werden, die Einnahme bei solchen Anzeichen sofort zu beenden und sich in ärztliche Behandlung zu begeben [27]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: Natriummangel und Blutzucker.
Beim Absetzen. Auch das Absetzen mancher Mittel kann Anfälle auslösen. Plötzliches Absetzen oder eine schnelle Verringerung der Dosis von Lorazepam nach Langzeitanwendung kann laut Fachinformation Entzugserscheinungen auslösen, die lebensbedrohlich sein und Krampfanfälle umfassen können; häufiger treten Krampfanfälle dabei bei Menschen mit einem bestehenden Anfallsleiden auf oder bei Menschen, die Arzneimittel einnehmen, die die Krampfschwelle senken, wie Antidepressiva [23]. Zu den Entzugserscheinungen nach dem Ende einer Behandlung mit Pregabalin gehören laut Packungsbeilage ebenfalls Krampfanfälle [21]. Bupropion darf laut Fachinformation nicht angewendet werden, wenn während der Behandlung ein abrupter Entzug von Alkohol oder von Arzneimitteln erfolgt, deren Entzug mit dem Risiko von Krampfanfällen verbunden ist, insbesondere von Benzodiazepinen [5]. Mehr dazu: Abhängigkeit und Entzug und Schlaf- und Beruhigungsmittel.
Was Sie tun können

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei Lorazepam lassen sich Entzugserscheinungen laut Fachinformation durch eine allmähliche Verringerung der Dosis meist vermeiden [23]. Auch bei Pregabalin empfiehlt die Fachinformation, die Behandlung schrittweise zu beenden [22]. Mehr dazu: Medikamente absetzen.
Vorerkrankungen nennen. Sagen Sie vor Beginn einer Behandlung, ob Sie eine Epilepsie haben oder früher einen Krampfanfall hatten; darauf weisen zum Beispiel die Packungsbeilagen von Bupropion, Tramadol, Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin und Citalopram hin [4, 6, 8, 10, 12, 16]. Bei Bupropion muss Ihre Ärztin oder Ihr Arzt laut Packungsbeilage außerdem wissen, ob Sie regelmäßig größere Mengen Alkohol trinken, ob Sie einen Diabetes haben, der mit Insulin oder Tabletten behandelt wird, und ob Sie eine schwere Kopfverletzung hatten [4].
Alle Mittel angeben. Nennen Sie alle Medikamente, auch rezeptfreie. Laut Packungsbeilage von Bupropion kann die Wahrscheinlichkeit von Krampfanfällen zum Beispiel höher sein, wenn Sie zusätzlich Theophyllin oder Tramadol einnehmen [4].
Einnahme wie verordnet. Erhöhen Sie die Dosis von Bupropion laut Packungsbeilage nicht ohne den Rat Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes, weil das Ihr Risiko für Nebenwirkungen einschließlich Krampfanfällen erhöht [4]. Wenn Sie derzeit sehr viel Alkohol trinken, dürfen Sie laut Packungsbeilage von Bupropion nicht plötzlich damit aufhören, weil das Ihr Risiko für einen Krampfanfall erhöhen kann; sprechen Sie vor Beginn der Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über das Trinken [4]. Mehr dazu: Medikamente und Alkohol.
Bei bekannter Epilepsie. Verschlechtert sich eine Epilepsie unter Levetiracetam, sollten Sie laut Fachinformation unverzüglich ärztlichen Rat einholen [24]. Laut Patientenleitlinie soll Menschen mit Epilepsie eine Behandlung mit Antidepressiva nicht aus Sorge vor einer Verschlimmerung der Anfälle vorenthalten werden [3]. Mehr zur Erkrankung: Epilepsie.
Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; das gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in der Packungsbeilage stehen, und Sie können sie zudem direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [4]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Autofahren und Maschinen
Was die Produktinformationen zur Fahrtüchtigkeit sagen, unterscheidet sich je nach Wirkstoff [9, 14, 15, 26]:
- Clozapin kann laut Fachinformation vor allem während der ersten Wochen der Behandlung dämpfen und die Schwelle für Krampfanfälle senken; deshalb sollte auf die aktive Teilnahme am Straßenverkehr und auf Arbeiten an Maschinen verzichtet werden [15]. Laut Packungsbeilage dürfen Sie sich nicht ans Steuer setzen und keine Maschinen bedienen, wenn Sie Beschwerden wie Müdigkeit, Schläfrigkeit oder Krampfanfälle haben [14].
- Bei Amoxicillin kann es laut Fachinformation zu Nebenwirkungen wie Schwindel oder Krampfanfällen kommen, die die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinflussen können [26].
- Ciprofloxacin kann laut Fachinformation aufgrund seiner Wirkungen auf das Nervensystem das Reaktionsvermögen beeinflussen [9].
Ob Sie nach einem Krampfanfall wieder fahren dürfen, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu: Medikamente und Autofahren.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Nach einem ersten epileptischen Anfall soll laut Patientenleitlinie eine sofortige Vorstellung in einer Notaufnahme erfolgen [3]. Mehrere Packungsbeilagen verlangen bei einem Krampfanfall außerdem, die Einnahme zu beenden: Bei Ciprofloxacin beenden Sie die Einnahme und wenden sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bei Levofloxacin brechen Sie die Einnahme ab und suchen sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf, und bei Moxifloxacin brechen Sie die Einnahme ab und sprechen sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [8, 10, 12]. Tritt unter Bupropion ein Krampfanfall auf, nehmen Sie laut Packungsbeilage keine weiteren Tabletten ein und suchen Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [4]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Bei anderen Mitteln entscheidet die Ärztin oder der Arzt, wie es weitergeht. Bei Clozapin informieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie die nächste Tablette einnehmen [14]. Bei Citalopram suchen Sie bei Krampfanfällen oder häufigeren Anfällen bei einer bereits bestehenden Anfallserkrankung sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf, weil die Dosis verringert oder die Behandlung beendet werden muss [16]. Bei Pregabalin kontaktieren Sie bei einem Krampfanfall laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [21]. Abgesehen von solchen in der Packungsbeilage genannten Warnzeichen gilt: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Auch zu viel von einem Medikament kann Krampfanfälle verursachen: Nach erheblich zu hohen Dosen von Tramadol kann es laut Packungsbeilage unter anderem zu epileptischen Anfällen und Atemproblemen bis zum Atemstillstand kommen; rufen Sie dann unverzüglich ärztliche Hilfe [6].
Wenn jemand einen Krampfanfall hat
Laut IQWiG ist es bei einem epileptischen Anfall am wichtigsten, ruhig zu bleiben und die betroffene Person vor Verletzungen zu schützen; die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei [2]. Für große Anfälle, bei denen jemand am ganzen Körper verkrampft, hinfällt und das Bewusstsein verliert, nennt das IQWiG folgende Hinweise [2]:
- Vor Verletzungen schützen: vor allem auf den Kopf achten, zum Beispiel eine Jacke oder ein Kissen unter den Kopf legen, die Brille abnehmen und gefährliche Gegenstände außer Reichweite bringen. Die Person während des Anfalls auf keinen Fall festhalten oder zu Boden drücken.
- Atemwege freihalten: enge Kleidung am Hals lockern. Während des Anfalls nicht den Mund öffnen und keinen Gegenstand zwischen die Zähne schieben; nach dem Anfall kontrollieren, ob die Atemwege frei sind.
- Dableiben: die Person nicht allein lassen, auch nicht, um Hilfe zu holen, außer es wird unbedingt nötig, weil der Anfall nicht aufhört.
- Auf die Uhr schauen: Dauert ein Anfall länger als fünf Minuten, ist das ein Notfall; dann muss unter der Nummer 112 eine Notärztin oder ein Notarzt gerufen werden.
- Nach dem Anfall helfen: Wer sehr müde ist und schlafen möchte, wird am besten in die stabile Seitenlage gebracht.
Den Rettungsdienst unter 112 zu rufen ist laut IQWiG notwendig, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, mehrere Anfälle hintereinander auftreten, es Atemprobleme oder Verletzungen gibt, man weiß, dass es der erste Anfall war, oder die Person nicht wieder zu sich kommt [2].
Andere Ursachen
Nicht jeder Krampfanfall unter einem Medikament kommt vom Medikament. Rechnet man Gelegenheitsanfälle hinzu, haben laut IQWiG nach Schätzungen etwa 10 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einen epileptischen Anfall; eine Epilepsie mit mehrfachen Anfällen ohne ersichtlichen Auslöser hat knapp 1 von 100 Menschen [1]. Bestimmte Umstände können laut IQWiG auch ohne Epilepsie einen Krampfanfall auslösen, zum Beispiel zu wenig Schlaf, Sauerstoffmangel, Vergiftungen, Alkohol oder, vor allem bei Kindern, hohes Fieber; dann spricht man von einem Gelegenheitsanfall [1]. Die Nebenwirkungen der Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln laut Fachinformation stehen auf der Seite Masern-Mumps-Röteln-Impfung.
- Epilepsie: Eine Epilepsie kann laut IQWiG sehr verschiedene Ursachen haben, etwa Verletzungen, Entzündungen der Hirnhaut oder des Gehirns, Schlaganfälle oder Tumoren; oft lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen [1].
- Akute Auslöser: Akut-symptomatische Anfälle können laut Patientenleitlinie durch einen Alkohol- oder Drogenentzug, eine akute Stoffwechselstörung wie eine Unterzuckerung oder eine akute Hirnschädigung wie einen Schlaganfall verursacht werden [3]. Einige illegale Drogen wie Amphetamine, Kokain und Heroin haben laut Patientenleitlinie eine unterschiedlich stark ausgeprägte anfallsbegünstigende Wirkung [3]. Mehr dazu: Alkoholabhängigkeit.
- Anfälle, die keine epileptischen sind: Mit epileptischen Anfällen verwechselt werden können laut Patientenleitlinie zum Beispiel Ohnmachtsanfälle (Synkopen), die etwa durch Hyperventilation, Schmerzen, Blutdruckabfall im Stehen oder Ursachen am Herzen ausgelöst werden, außerdem schlafbezogene Beschwerden wie Einschlafzuckungen, psychogene nicht-epileptische Anfälle, Panikattacken und Migräneauren [3]. Mehr dazu: Niedriger Blutdruck durch Medikamente und Migräne.
Welche Ursache vorliegt, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Quellen
- Epilepsie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.04.2023. abgerufen am 12.10.2026
- Was tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.04.2023. abgerufen am 12.10.2026
- Leitlinie Leitlinie erster epileptischer Anfall und Epilepsie für Patientinnen und Patienten im Erwachsenenalter, 1. Auflage (zur S2k-Leitlinie "Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter", AWMF-Registernr. 030/041). Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Hirnstiftung, Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) und Deutsche Epilepsievereinigung. Stand 10/2024 (gültig bis 31.08.2028). abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Bupropion-ratiopharm® 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Bupropion-ratiopharm® 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tramadol-ratiopharm® 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Tramadol-ratiopharm® 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ciprofloxacin-ratiopharm® 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Ciprofloxacin-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levofloxacin-ratiopharm® 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Levofloxacin-ratiopharm® 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Moxifloxacin-ratiopharm® 400 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Moxifloxacin-ratiopharm® 400 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clozapin-ratiopharm® 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clozapin-ratiopharm® 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm® 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Citalopram-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Escitalopram-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Sertralin-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm® Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Pregabalin-ratiopharm® Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Keppra (Levetiracetam), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). UCB Pharma S.A.. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Valproat-ratiopharm® chrono 300 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Pseudoephedrin: Mögliches Risiko für posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom (PRES) und reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom (RCVS). Zulassungsinhaber pseudoephedrinhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 15.02.2024. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente können Krampfanfälle auslösen?
Laut Fachinformationen zum Beispiel das Antidepressivum Bupropion, das Schmerzmittel Tramadol, Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone wie Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin sowie das Antipsychotikum Clozapin. Die Fachinformation von Bupropion nennt als Mittel, die die Krampfschwelle herabsetzen, außerdem Antipsychotika, Antidepressiva, Mittel gegen Malaria, Theophyllin, systemische Steroide und dämpfende Antihistaminika. Die Tabelle auf dieser Seite zeigt, welche Wirkstoffe mit geprüftem Steckbrief betroffen sind und wie häufig. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Können Antidepressiva Krampfanfälle auslösen?
Ja, das ist möglich. Laut Fachinformation von Citalopram stellen Krampfanfälle ein potenzielles Risiko bei der Behandlung mit einem Antidepressivum dar. Bei Citalopram sind sie laut Packungsbeilage selten, bei Sertralin laut Fachinformation gelegentlich, bei Bupropion treten sie laut Packungsbeilage bei ungefähr 1 von 1.000 Behandelten auf. Laut Patientenleitlinie zur Epilepsie soll Menschen mit Epilepsie eine Behandlung mit Antidepressiva aber nicht aus Sorge vor einer Verschlimmerung der Anfälle vorenthalten werden. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie eine Epilepsie haben oder früher Anfälle hatten.
Ich habe Epilepsie: Worauf sollte ich bei neuen Medikamenten achten?
Sagen Sie bei jeder neuen Verordnung, dass Sie eine Epilepsie haben, und nennen Sie alle Mittel, die Sie einnehmen, auch rezeptfreie. Bei manchen Wirkstoffen ist eine Epilepsie laut Packungsbeilage ein Grund, sie nicht einzunehmen, zum Beispiel bei Levofloxacin und Bupropion. Bei anderen wie Tramadol, Clozapin oder Citalopram gilt das laut Produktinformation für eine Epilepsie, die nicht ausreichend kontrolliert oder instabil ist. Bei kontrollierter Epilepsie sehen sie Vorsicht oder eine sorgfältige Überwachung vor, bei Tramadol eine Behandlung nur in zwingenden Ausnahmefällen. Verschlechtert sich eine Epilepsie unter Levetiracetam, sollten Sie laut Fachinformation unverzüglich ärztlichen Rat einholen.
Was tun, wenn jemand einen Krampfanfall hat?
Laut IQWiG ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und die Person vor Verletzungen zu schützen, etwa eine Jacke oder ein Kissen unter den Kopf zu legen und gefährliche Gegenstände außer Reichweite zu bringen. Bei einem großen Anfall, bei dem jemand am ganzen Körper verkrampft, halten Sie die Person auf keinen Fall fest und drücken sie nicht zu Boden. Öffnen Sie während des Anfalls nicht den Mund und schieben Sie nichts zwischen die Zähne. Bleiben Sie da, schauen Sie auf die Uhr und bringen Sie die Person nach dem Anfall, wenn sie sehr müde ist, in die stabile Seitenlage.
Wann muss ich bei einem Krampfanfall den Notruf 112 wählen?
Laut IQWiG ist der Rettungsdienst nötig, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, mehrere Anfälle hintereinander auftreten, es Atemprobleme oder Verletzungen gibt, man weiß, dass es der erste Anfall war, oder die Person nicht wieder zu sich kommt. Nach einem ersten epileptischen Anfall soll laut Patientenleitlinie eine sofortige Vorstellung in einer Notaufnahme erfolgen. Weitere Nummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.
Können Krampfanfälle auch beim Absetzen eines Medikaments auftreten?
Ja. Plötzliches Absetzen oder eine schnelle Verringerung der Dosis von Lorazepam nach Langzeitanwendung kann laut Fachinformation Entzugserscheinungen auslösen, zu denen Krampfanfälle gehören können. Bei Pregabalin können Krampfanfälle laut Fachinformation während der Anwendung oder kurz nach dem Absetzen auftreten. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Darf ich Auto fahren, wenn mein Medikament Krampfanfälle auslösen kann?
Das hängt vom Wirkstoff ab. Clozapin kann laut Fachinformation vor allem in den ersten Behandlungswochen dämpfen und die Schwelle für Krampfanfälle senken; deshalb sollte auf die aktive Teilnahme am Straßenverkehr verzichtet werden. Laut Packungsbeilage dürfen Sie bei Müdigkeit, Schläfrigkeit oder Krampfanfällen nicht fahren. Bei Amoxicillin können laut Fachinformation Nebenwirkungen wie Schwindel oder Krampfanfälle die Verkehrstüchtigkeit beeinflussen. Ob Sie fahren dürfen, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
Nebenwirkungen Erhöhte Leberwerte und Leberschäden durch MedikamenteViele Medikamente können die Leberwerte erhöhen, manche auch die Leber schädigen.
-
Nebenwirkungen QT-Verlängerung und Herzrhythmusstörungen durch MedikamenteManche Medikamente verlängern die QT-Zeit im EKG und können Herzrhythmusstörungen auslösen.
-
Nebenwirkungen Medikamente, die abhängig machenManche Medikamente können abhängig machen, etwa Schlaf- und Beruhigungsmittel oder Opioide.
-
Impfungen FSME-Impfung (Zeckenimpfung): Nebenwirkungen und ReaktionenWelche Nebenwirkungen die FSME-Impfstoffe für Erwachsene und Kinder laut Fachinformation haben.