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Wadenkrämpfe
Ein Wadenkrampf ist ein Muskelkrampf in der Wade, der laut gesund.bund.de schmerzhaft sein kann; laut BfArM dauert ein Muskelkrampf Sekunden bis Minuten und endet von selbst. Im akuten Krampf soll der Muskel laut einem Bescheid des BfArM von 2015, der die damalige Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wiedergibt, gedehnt oder der Gegenspieler angespannt werden; bei nächtlichen Wadenkrämpfen sollen danach regelmäßig Dehnübungen durchgeführt werden, Magnesium ist möglicherweise wirksam, Chininsulfat sollte erst in zweiter Linie und nur bei schwerer Ausprägung eingesetzt werden. Ein Magnesium-Arzneimittel ist laut Packungsbeilage unter anderem bei nachgewiesenem Magnesiummangel zugelassen, wenn er Ursache für Wadenkrämpfe ist; Chinin ist verschreibungspflichtig und nur für Erwachsene zugelassen, wenn die Krämpfe sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, behandelbare Ursachen ausgeschlossen wurden und nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen. Ein schmerzendes, geschwollenes, warmes und gerötetes Bein kann auf eine Thrombose hinweisen, deren schnelle Behandlung laut IQWiG wichtig ist.

Ein Wadenkrampf ist kurz: Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dauert ein Muskelkrampf Sekunden bis Minuten und endet von selbst [1]. Im akuten Krampf soll laut einem Bescheid des BfArM von 2015, der die damalige Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wiedergibt, der verkrampfte Muskel gedehnt oder der Gegenspieler angespannt werden [1]. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen sollen danach regelmäßig Dehnübungen der Wadenmuskeln durchgeführt werden; Magnesium ist danach möglicherweise wirksam, Chininsulfat sollte erst in zweiter Linie und nur bei schwerer Ausprägung der Krämpfe eingesetzt werden [1].
Was sind Wadenkrämpfe?
Wadenkrämpfe sind Muskelkrämpfe in der Wade. Die Packungsbeilage von Limptar N nennt unter den Krämpfen der Skelettmuskulatur insbesondere nächtliche Wadenkrämpfe [3]. In der Medizin heißen Muskelkrämpfe auch Crampi [1].
Laut BfArM besteht bei Wadenkrämpfen kein akuter Notfall und keine lebensbedrohliche Situation. Ein Muskelkrampf ist kurz, dauert Sekunden bis Minuten und endet von selbst. Das gilt auch für nächtliche Wadenkrämpfe, die den Schlaf stören können [1].
Symptome und Abgrenzung
Muskelkrämpfe können laut gesund.bund.de schmerzhaft sein; es können einzelne Muskeln oder verschiedene Körperbereiche verkrampfen [14]. Schmerzen in der Wade können auch andere Ursachen haben:
- Tiefe Venenthrombose: Sie tritt laut IQWiG in der Regel einseitig auf, die Beschwerden betreffen daher meist nur ein Bein. Typische Anzeichen sind großflächige Schmerzen im Bein oder in der Hüfte, Druckempfindlichkeit, Schwellungen und Spannungsgefühle, warme, gerötete Haut und Muskelkrämpfe [9]. Mehr dazu: Thrombose.
- Durchblutungsstörung der Beine (pAVK): Typisch sind laut gesund.bund.de krampfartige Schmerzen in den Waden, den Oberschenkeln oder den Füßen, die bei Bewegung auftreten, manchmal nach längerem Gehen, manchmal schon nach einigen Schritten, und in Ruhe wieder nachlassen [11]. Mehr dazu: Durchblutungsstörungen der Beine.
- Restless-Legs-Syndrom: Hier stehen laut IQWiG ein Bewegungsdrang und ein unangenehmes Gefühl in den Beinen im Vordergrund, beschrieben etwa als Unruhe, Druck oder Spannung tief in den Waden, als Ziehen, Kribbeln oder Jucken. Die Beschwerden zeigen sich bei Ruhe oder verstärken sich dann, lassen nach, sobald und solange man in Bewegung ist, und treten vor allem abends und nachts auf [10]. Mehr dazu: Restless-Legs-Syndrom.
Ursachen und Risikofaktoren
Magnesiummangel: Hat der Körper nicht genügend Magnesium, beeinträchtigt das laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) unter anderem die Muskelfunktion. Dadurch kann es zu Muskelkrämpfen kommen, bei einem schweren Mangel zu Herzrhythmusstörungen [6]. Als mögliche Ursachen eines Mangels nennt das IQWiG eine magnesiumarme Ernährung, einen höheren Bedarf etwa durch viel Sport, übermäßigen Alkoholkonsum und Magen-Darm-Erkrankungen, die die Aufnahme aus der Nahrung stören. Der Körper kann auch zu viel Magnesium verlieren: über den Urin unter entwässernden Medikamenten (Diuretika) oder bei Diabetes, durch hormonelle Störungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion und durch anhaltenden Durchfall oder Erbrechen [6].
Flüssigkeitsmangel und Hitze: Ein moderater oder schwerer Flüssigkeitsmangel kann sich laut IQWiG unter anderem durch Muskelkrämpfe äußern, daneben etwa durch trockene Schleimhäute, Schwindel nach schnellem Aufstehen oder Herzrasen [7]. Bei Hitze schwitzt der Körper, um sich abzukühlen, und kann dabei zu viel Flüssigkeit, Natrium und andere Salze verlieren. Eine niedrige Salzkonzentration in den Muskeln kann laut IQWiG zu schmerzhaften Hitzekrämpfen führen, also zu Muskelschmerzen oder -krämpfen im Bauch, in den Armen oder Beinen [8].
Medikamente als Ursache: Muskelkrämpfe stehen in den Packungsbeilagen mancher Medikamente als Nebenwirkung. Beim Entwässerungsmittel Torasemid sind sie häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, insbesondere zu Therapiebeginn [12]. Einige Medikamente beschleunigen die Ausscheidung von Magnesium oder hemmen seine Aufnahme und können so einen Magnesiummangel verursachen. Die Packungsbeilage eines Magnesium-Arzneimittels nennt unter anderem harntreibende Mittel wie Thiazide und Furosemid, Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol und Pantoprazol, bestimmte Antibiotika (Aminoglykoside) und Cyclosporin A, das das Immunsystem unterdrückt [4]. Welche Wirkstoffe Muskelkrämpfe nennen, zeigt die Seite Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe und Muskelschwäche durch Medikamente; zum Magnesiummangel durch Medikamente siehe Nährstoffmangel durch Medikamente. Haben Sie ein Medikament als Auslöser im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Diagnose
Eine genaue Abklärung der Ursachen und eine darauf abgestimmte Behandlung nannte das BfArM 2015 dringend erforderlich. Den Krämpfen zugrunde liegende, anderweitig behandelbare Grunderkrankungen müssen danach ausgeschlossen werden, bevor Chinin eingesetzt wird [1]. Bei häufigen Muskelkrämpfen bestimmen Ärztinnen und Ärzte laut IQWiG zum Beispiel die Magnesium-Konzentration im Blut, häufig zusammen mit anderen Mineralstoffen wie Kalium und Kalzium [6]. Von einem Laborwert allein lässt sich laut IQWiG meist nicht auf eine Krankheit schließen; erst im Zusammenhang mit anderen Werten, Beschwerden und Untersuchungen ergibt sich ein klares Bild [6]. Einen Überblick über Ihre Medikamente für das Gespräch gibt der Medikationsplan.
Behandlung ohne Medikamente
Im akuten Krampf: Laut dem Bescheid des BfArM von 2015, der die damalige S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN, Stand September 2012) wiedergibt, soll im akuten Fall der verkrampfte Muskel gedehnt oder die Gegenspieler (Antagonisten) angespannt werden [1].
Bei nächtlichen Wadenkrämpfen: Bei nächtlichen Wadenkrämpfen sollen laut diesem Bescheid regelmäßig Dehnübungen der Wadenmuskeln durchgeführt werden [1]. Das BfArM verwies 2015 auf eine Studie, in der ein sechswöchiges Programm mit Dehnungsübungen vor dem Schlafengehen die Häufigkeit nächtlicher Wadenkrämpfe im Vergleich zu Menschen ohne Übungen senkte; die Belege für solche Maßnahmen sind laut einer Übersichtsarbeit, die das BfArM nennt, eher begrenzt [1]. Weil bei Wadenkrämpfen kein akuter Notfall besteht, sollten laut BfArM zunächst physiotherapeutische Maßnahmen versucht werden [1].
Ursachen angehen: Ein Magnesiummangel lässt sich laut IQWiG oft durch eine magnesiumreiche Ernährung oder Ersatzpräparate ausgleichen. Magnesium ist in zahlreichen Lebensmitteln wie Gemüse, Getreide, Meeresfrüchten oder Fleisch enthalten [6]. Sind Medikamente die Ursache für einen zu niedrigen Wert, lassen sie sich laut IQWiG in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt möglicherweise anpassen; liegt eine Krankheit zugrunde, ist es wichtig, diese zu behandeln [6]. Bei Hitzekrämpfen muss laut IQWiG rasch für Abkühlung gesorgt werden: einen kühlen und ruhigen Ort aufsuchen, kühle, nicht alkoholische Getränke wie Wasser oder Saftschorle trinken und, wenn das nicht ausreicht, eine Elektrolyt-Lösung ergänzen [8].
Behandlung mit Medikamenten

Laut dem Bescheid des BfArM von 2015, der die damalige Leitlinie der DGN (Stand September 2012) wiedergibt, ist bei Muskelkrämpfen so vorzugehen: Zuerst sind symptomatische Ursachen der Krämpfe auszuschließen. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen ist Magnesium möglicherweise wirksam. Chininsulfat ist wirksam, sollte wegen der seltenen schweren Nebenwirkungen aber erst in zweiter Linie und nur bei schwerer Ausprägung der Krämpfe eingesetzt werden. Vor dem Einsatz von Chininsulfat soll ein Behandlungsversuch mit Magnesium erfolgen. Bei Muskelkrämpfen in der Schwangerschaft ist Magnesium danach wirksam [1].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Magnesiumpräparate (Mineralstoffpräparate) | Magnesiumsalze zum Einnehmen, etwa Magnesiumcitrat und Magnesiumbis(hydrogen-L-glutamat) [4] | Setzen laut Fachinformation die neuromuskuläre Erregbarkeit der Nervenendplatten herab, also die Erregbarkeit an der Verbindung zwischen Nerv und Muskel [5] | Die Packungsbeilage nennt keine häufigen Nebenwirkungen; gelegentlich weiche Stühle oder Durchfall, die Folge einer hochdosierten Behandlung sein können [4] |
| Muskelentkrampfende Mittel | Chinin (als Chininsulfat) [3] | Muskelentkrampfendes Mittel [3]; vermindert laut der Fachinformation im Anhang des BfArM-Bescheids von 2015 die Erregbarkeit an der motorischen Endplatte (Verbindung zwischen Nerv und Muskel), verlängert die Refraktärzeit der Muskelfaser und beeinflusst die Verteilung von Calcium in der Muskelfaser [1] | Die Packungsbeilage nennt keine häufigen Nebenwirkungen; sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen, Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie), Leberfunktionsstörungen sowie Ohrgeräusche, Hörstörungen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall (Cinchonismus); Häufigkeit nicht bekannt: Sehstörungen, Herzrhythmusstörungen und Herzstolpern [3] |
Gelegentlich heißt bei bis zu 1 von 100 Behandelten, sehr selten bei bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" ist die Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar [3, 4]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Magnesium
Ein Magnesium-Arzneimittel wie Magnesium Verla N Dragées (apothekenpflichtig) wird laut Packungsbeilage zur Behandlung von behandlungsbedürftigen Magnesiummangelzuständen angewendet, die keiner Injektion oder Infusion bedürfen, und bei nachgewiesenem Magnesiummangel, wenn er Ursache für Störungen der Muskeltätigkeit (neuromuskuläre Störungen, Wadenkrämpfe) ist [4, 5]. Die Dosierung hängt laut Packungsbeilage vom Ausmaß des Magnesiummangels ab und liegt im Ermessen der Ärztin oder des Arztes, ebenso die Dauer der Anwendung [4]. Fühlen Sie sich nach 4 bis 6 Wochen nicht besser oder gar schlechter, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [4].
Nicht eingenommen werden darf es bei einer schweren Nierenfunktionsstörung mit Ausscheidungshemmung oder bei Flüssigkeitsmangel des Körpers. Bei leichter bis mittelschwerer Einschränkung der Nierenfunktion ist Vorsicht erforderlich, die Behandlung sollte dann engmaschig ärztlich überwacht werden [4]. Bestimmte Antibiotika (Tetrazykline) und Natriumfluorid-Präparate sollten 2 bis 3 Stunden zeitversetzt eingenommen werden, damit sie sich nicht gegenseitig in der Aufnahme ins Blut beeinträchtigen [4]. Für Kinder unter 4 Jahren sind die magensaftresistenten Tabletten laut Packungsbeilage nicht geeignet, weil sie sich verschlucken könnten [4].
Chinin
Chinin, als Arzneimittel in Form von Chininsulfat, ist laut Packungsbeilage ein muskelentkrampfendes Mittel. Es wird bei Erwachsenen zur Behandlung und Verhütung von Krämpfen der Skelettmuskulatur angewendet, insbesondere nächtlicher Wadenkrämpfe. Das gilt aber nur, wenn die Krämpfe sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, behandelbare Ursachen ausgeschlossen wurden und andere, nicht-medikamentöse Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend lindern können [3]. Das BfArM hat das Anwendungsgebiet 2015 in einem Stufenplanverfahren auf diese Bedingungen eingeschränkt, unter anderem wegen des Risikos schwerer Blutbildveränderungen (Thrombozytopenien). Seit dem 1. April 2015 ist Chinin zur Anwendung beim Menschen verschreibungspflichtig [2].
Die Wirksamkeit bei nächtlichen Wadenkrämpfen gilt laut BfArM-Bescheid als belegt, der Effekt im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) ist aber nur moderat [1]. Vor Behandlungsbeginn muss danach eine Nutzen-Risiko-Bewertung für den einzelnen Menschen stehen, die nur eine Ärztin oder ein Arzt vornehmen kann [1]. Bis die Zahl der Krämpfe abnimmt, kann es laut Packungsbeilage bis zu 4 Wochen dauern. Ist bis dahin keine Besserung eingetreten, sollte Chinin nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt abgesetzt werden. Die Behandlung sollte alle 3 Monate unterbrochen werden, um zu prüfen, ob sie weiter nötig ist [3]. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte Chinin nicht angewendet werden, weil keine Daten vorliegen [3]. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosis stehen auf der Wirkstoffseite unter Dosierung.
Laut Packungsbeilage darf Chinin nicht eingenommen werden bei einer Allergie gegen Chinin, chininhaltige Getränke oder einen der sonstigen Bestandteile, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei angeborenen oder erworbenen Herzrhythmusstörungen (unter anderem verlangsamter Herzschlag, QT-Verlängerung) oder wenn andere Arzneimittel nötig sind, die Herzrhythmusstörungen begünstigen können. Weitere Gegenanzeigen sind ein Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, Myasthenia gravis (krankhafte Muskelschwäche), Ohrgeräusche (Tinnitus), eine Vorschädigung des Sehnervs, schwere Herzschwäche und Störungen des Salzhaushalts, zum Beispiel ein zu niedriger Kaliumwert im Blut [3].
In der Schwangerschaft
Chinin dürfen Sie während der Schwangerschaft nicht einnehmen: In hohen Dosen kann es schwerwiegende Schädigungen des Ungeborenen verursachen. Weil es in die Muttermilch übergeht, darf es auch in der Stillzeit nicht eingenommen werden [3]. Magnesium Verla N Dragées können laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, wenn die Ärztin oder der Arzt das für notwendig hält. Erfahrungen an mehr als 1000 Schwangerschaftsausgängen deuten danach nicht auf ein Fehlbildungsrisiko hin [4]. Laut dem Bescheid des BfArM von 2015, der die damalige Leitlinie wiedergibt, ist Magnesium bei Muskelkrämpfen in der Schwangerschaft wirksam [1]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Chinin und Blutplättchen: Sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten, kann Chinin laut Packungsbeilage die Blutplättchen vermindern (Thrombozytopenie). Das kann zu kleinen punktförmigen Blutungen in Haut und Schleimhäuten, zu erhöhter Blutungsneigung wie Nasenbluten oder Blutergüssen und zu schweren Gerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen führen, darunter Nierenversagen [3]. Typischerweise treten laut BfArM nach bis zu einer Woche Einnahme oder bei zeitweiser längerer Einnahme punktförmige oder flächige Hautblutungen auf, in schweren Fällen Nasen-, Zahnfleisch- oder Magen-Darm-Blutungen [1]. Bei spontanen Haut- oder Schleimhauteinblutungen, Nasenbluten oder erhöhter Blutungsneigung informieren Sie umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; die Anwendung muss dann umgehend beendet werden [3]. Nach einer durch Chinin ausgelösten Thrombozytopenie sind Betroffene laut BfArM darauf hinzuweisen, künftig keine chininhaltigen Arzneimittel oder Getränke mehr zu sich zu nehmen [1]. Mehr dazu: Blutungen und Blutbildveränderungen durch Medikamente.
Weitere Nebenwirkungen von Chinin: Ebenfalls sehr selten sind laut Packungsbeilage Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, Juckreiz, Quaddeln, Sonnenlichtempfindlichkeit, Atemnot durch verkrampfte Bronchien, eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie), Schwellungen und Fieber, außerdem Leberfunktionsstörungen und Beschwerden des sogenannten Cinchonismus wie Ohrgeräusche, Hörstörungen, Schwindel sowie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Sehstörungen, Herzrhythmusstörungen und Herzstolpern sind mit nicht bekannter Häufigkeit beschrieben [3]. Bei Hautausschlag, Ohrgeräuschen, Hör- oder Sehstörungen oder Zeichen von Herzrhythmusstörungen wie Herzstolpern, Schwindel oder Ohnmacht setzen Sie Chinin laut Packungsbeilage ab und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [3]. Bemerken Sie Sehstörungen, sollten Sie laut Packungsbeilage kein Fahrzeug fahren und keine Maschinen bedienen, bis Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sagt, dass dies gefahrlos möglich ist [3]. Mehr dazu: QT-Verlängerung und Tinnitus durch Medikamente.
Wechselwirkungen von Chinin: Andere Arzneimittel, die von sich aus häufiger zu Herzrhythmusstörungen führen können, dürfen laut Packungsbeilage nicht zusammen mit Chinin eingenommen werden. Dazu gehören unter anderem bestimmte Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Neuroleptika, tri- und tetrazyklische Antidepressiva, einige Antibiotika und Pilzmittel, einige Malariamittel und einige nicht-sedierende Antihistaminika [3]. Chinin kann außerdem die Wirkung von Digitalis-Präparaten, muskelentspannenden Mitteln und Gerinnungshemmern verstärken; zusammen mit blutzuckersenkenden Arzneimitteln kann das Risiko einer Unterzuckerung steigen [3]. Mehr auf der Seite Chinin.
Magnesium: Gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten, können laut Packungsbeilage weiche Stühle oder Durchfall auftreten; sie können Folge einer hochdosierten Behandlung sein. Bei störenden Durchfällen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke; laut Packungsbeilage sollte dann die Tagesdosis verringert oder das Präparat vorübergehend abgesetzt werden [4]. Nach Einnahme einer zu großen Menge können diese Nebenwirkungen laut Packungsbeilage verstärkt auftreten [4]. Mehr dazu: Durchfall durch Medikamente.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [3, 4]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Ein Wadenkrampf allein ist laut BfArM kein akuter Notfall [1]. Ärztliche Hilfe brauchen Sie aber in diesen Fällen:
- Zeichen einer tiefen Venenthrombose: großflächige Schmerzen im Bein, Druckempfindlichkeit, Schwellung und Spannungsgefühl, warme, gerötete Haut, meist an nur einem Bein. Eine schnelle Behandlung ist laut IQWiG wichtig, um Schäden an den Venen zu verhindern und Komplikationen wie einer Lungenembolie vorzubeugen [9].
- Zeichen einer Lungenembolie: plötzliche Atemnot, Brustschmerzen vor allem beim Einatmen oder Husten, Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht, Herzrasen oder blutiger Auswurf beim Husten. Dann ist es laut IQWiG wichtig, sofort den Notruf 112 zu wählen [9].
- Zeichen eines Hitzenotfalls: Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit, plötzliche Verwirrtheit, sehr starke Kopfschmerzen, ein rasches Ansteigen der Körpertemperatur über 39 °C, Krampfanfälle, unstillbares Erbrechen oder Nackensteife. Dann ist laut IQWiG notärztliche Hilfe nötig, rufen Sie sofort die 112 [8].
- Schmerzen beim Gehen: Krampfartige Schmerzen in den Waden beim Gehen, die in Ruhe nachlassen, sind typisch für eine pAVK; laut gesund.bund.de ist es wichtig, sich schon bei leichten Beschwerden darauf untersuchen zu lassen [11].
- Blutungszeichen unter Chinin: spontane Haut- oder Schleimhauteinblutungen, Nasenbluten oder erhöhte Blutungsneigung. Die Anwendung muss dann umgehend beendet werden, informieren Sie umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [3].
- Keine Besserung: Fühlen Sie sich unter Chinin nach 4 Wochen oder unter einem Magnesium-Arzneimittel nach 4 bis 6 Wochen nicht besser, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [3, 4].
Außerhalb der Sprechzeiten hilft laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann. In lebensbedrohlichen Fällen, etwa bei schwerer Atemnot oder starken Brustschmerzen, alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [13].
Quellen
- Behörde Bescheid Abwehr von Gefahren durch Arzneimittel, Stufe II: Limptar N (Wirkstoff Chininsulfat), mit Begründung, Wiedergabe der damaligen S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Stand September 2012, AWMF-Register-Nr. 030-037) und Anhang 1 (Fachinformation). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 30.03.2015. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Risikoinformation: Chinin gegen nächtliche Wadenkrämpfe (Limptar N), Bescheid des BfArM zu Änderungen der Produktinformation einschließlich Einschränkung der Indikation im nationalen Stufenplanverfahren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 02.04.2015. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Limptar N 200 mg Filmtabletten (Chininsulfat) (auf der Produktseite des Zulassungsinhabers). Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 12/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Magnesium Verla N Dragées, 1,65 mmol magensaftresistente Tabletten (Magnesiumcitrat, Magnesiumbis(hydrogen-L-glutamat)). Verla-Pharm Arzneimittel GmbH & Co. KG. Stand 07/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Magnesium Verla N Dragées / Magnesium Verla N Konzentrat (apothekenpflichtig), Abschnitte 4.1 und 5.1. Verla-Pharm Arzneimittel GmbH & Co. KG. Stand 07/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Magnesium. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.03.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Flüssigkeitsmangel (Dehydration). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Wann schadet Hitze der Gesundheit?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Tiefe Venenthrombose (TVT). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 27.05.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Restless-Legs-Syndrom. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 25.09.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 05.02.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Torasemid-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde ICD-Code R25.2: Krämpfe und Spasmen der Muskulatur (Erläuterung der "Was hab' ich?" gemeinnützigen GmbH im Auftrag des BMG). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft sofort bei einem Wadenkrampf?
Im akuten Krampf soll der verkrampfte Muskel laut einem Bescheid des BfArM von 2015, der die damalige Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wiedergibt, gedehnt oder der Gegenspieler angespannt werden. Ein Muskelkrampf dauert laut BfArM Sekunden bis Minuten und endet von selbst.
Hilft Magnesium gegen Wadenkrämpfe?
Laut einem Bescheid des BfArM von 2015, der die damalige Leitlinie wiedergibt, ist Magnesium bei nächtlichen Wadenkrämpfen möglicherweise wirksam, und vor dem Einsatz von Chininsulfat soll ein Behandlungsversuch mit Magnesium erfolgen. Ein Magnesiummangel kann laut IQWiG zu Muskelkrämpfen führen. Die Packungsbeilage eines Magnesium-Arzneimittels nennt als Anwendungsgebiet unter anderem einen nachgewiesenen Magnesiummangel, wenn er Ursache für Störungen der Muskeltätigkeit wie Wadenkrämpfe ist; Dosierung und Dauer liegen danach im Ermessen der Ärztin oder des Arztes. Bei einer schweren Nierenfunktionsstörung mit Ausscheidungshemmung darf es nicht eingenommen werden.
Woher kommen nächtliche Wadenkrämpfe?
Eine genaue Abklärung der Ursachen nannte das BfArM 2015 dringend erforderlich. Laut IQWiG können zum Beispiel ein Magnesiummangel oder ein Flüssigkeitsmangel zu Muskelkrämpfen führen. Auch Medikamente kommen infrage: Beim Entwässerungsmittel Torasemid sind Muskelkrämpfe laut Packungsbeilage häufig.
Ist Chinin gegen Wadenkrämpfe rezeptpflichtig?
Ja. Seit dem 1. April 2015 ist Chinin zur Anwendung beim Menschen verschreibungspflichtig. Zugelassen ist es nur für Erwachsene, wenn die Krämpfe sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, behandelbare Ursachen ausgeschlossen wurden und nicht-medikamentöse Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Hintergrund war ein Stufenplanverfahren des BfArM, unter anderem wegen des Risikos schwerer Blutbildveränderungen. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosis stehen auf der Seite Chinin.
Können Medikamente Wadenkrämpfe auslösen?
Ja. Beim Entwässerungsmittel Torasemid sind Muskelkrämpfe laut Packungsbeilage häufig, insbesondere zu Therapiebeginn. Harntreibende Mittel, Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol und Pantoprazol und einige weitere Medikamente können laut Packungsbeilage eines Magnesium-Arzneimittels außerdem einen Magnesiummangel verursachen. Welche Wirkstoffe Muskelkrämpfe als Nebenwirkung nennen, steht auf der Seite Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe und Muskelschwäche durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Was hilft bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft?
Chinin dürfen Sie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht einnehmen; in hohen Dosen kann es laut Packungsbeilage schwerwiegende Schädigungen des ungeborenen Kindes verursachen. Laut einem Bescheid des BfArM von 2015, der die damalige Leitlinie wiedergibt, ist Magnesium bei Muskelkrämpfen in der Schwangerschaft wirksam. Laut Packungsbeilage eines Magnesium-Arzneimittels, das unter anderem bei nachgewiesenem Magnesiummangel als Ursache von Wadenkrämpfen zugelassen ist, kann es in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, wenn die Ärztin oder der Arzt das für notwendig hält. Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat.
Wann sollte ich mit Wadenkrämpfen zum Arzt?
Ein Wadenkrampf ist laut BfArM kein akuter Notfall. Bei häufigen Muskelkrämpfen bestimmen Ärztinnen und Ärzte laut IQWiG zum Beispiel den Magnesiumwert im Blut, und vor einer Behandlung mit Chinin müssen behandelbare Ursachen ausgeschlossen sein. Schmerzt ein Bein und ist es geschwollen, warm und gerötet, kann das auf eine tiefe Venenthrombose hinweisen; deren schnelle Behandlung ist laut IQWiG wichtig. Bei Anzeichen einer Lungenembolie wie plötzlicher Atemnot oder Brustschmerzen ist es laut IQWiG wichtig, sofort den Notruf 112 zu wählen.
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