MedikamenteWirkstoff
Chinin: Nebenwirkungen und Wirkung
Chinin (als Chininsulfat) ist ein verschreibungspflichtiges Mittel gegen Muskelkrämpfe, vor allem nächtliche Wadenkrämpfe bei Erwachsenen. Eingesetzt wird es nur, wenn die Krämpfe sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, behandelbare Ursachen ausgeschlossen wurden und andere Maßnahmen nicht ausreichen. Sehr selten kann es die Blutplättchen vermindern. Bei Haut- oder Schleimhautblutungen, Nasenbluten oder erhöhter Blutungsneigung beenden Sie die Einnahme umgehend und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Wofür wird Chinin eingesetzt?
Chinin, als Arzneimittel in Form von Chininsulfat, ist ein muskelentkrampfendes Mittel [1]. Es wird bei Erwachsenen zur Behandlung und Vorbeugung von Krämpfen der Skelettmuskulatur angewendet, insbesondere bei nächtlichen Wadenkrämpfen. Das gilt aber nur, wenn die Krämpfe sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, behandelbare Ursachen ausgeschlossen wurden und andere, nicht-medikamentöse Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Fühlen Sie sich nach 4 Wochen nicht besser, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1].
Diese Einschränkung geht auf ein Stufenplanverfahren des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zurück. Es schränkte das Anwendungsgebiet 2015 ein, unter anderem wegen des Risikos schwerer Blutbildveränderungen, und ordnete zusätzliche Warnhinweise an; seit dem 1. April 2015 ist Chinin zur Anwendung beim Menschen verschreibungspflichtig [2, 4]. Laut Bescheid ist für die Entscheidung über eine Behandlung eine Nutzen-Risiko-Bewertung für jeden einzelnen Menschen nötig, die nur eine Ärztin oder ein Arzt vornehmen kann [3].
Wie wirkt Chinin?
Laut Fachinformation wirkt Chinin über drei Mechanismen auf den Muskel: Es verlängert durch direkte Wirkung auf die Muskelfaser deren Refraktärzeit (Erholungszeit nach einer Erregung), vermindert die Erregbarkeit an der motorischen Endplatte, der Verbindungsstelle zwischen Nerv und Muskel, und beeinflusst die Verteilung von Calcium in der Muskelfaser [5]. Bis die Zahl der Krämpfe abnimmt, kann es bis zu 4 Wochen dauern [1].
Laut BfArM-Bescheid von 2015 gilt die Wirksamkeit bei nächtlichen Wadenkrämpfen als belegt, der Effekt im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) ist aber nur moderat [3]. Das BfArM weist außerdem darauf hin, dass ein Muskelkrampf kurz ist, Sekunden bis Minuten dauert und von selbst endet; ein akuter Notfall besteht dabei nicht [3].
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation eine Häufigkeit angeben. "Sehr selten" heißt: bis zu 1 von 10.000 Behandelten; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 5]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Blutplättchen: Dass Chininsulfat die Blutplättchen vermindern kann (Thrombozytopenie), ist laut BfArM-Bescheid von 2015 seit Langem bekannt; erst in den wenigen Jahren davor wurden damit vermehrt auch Todesfälle in Verbindung gebracht. In Australien und Neuseeland war Chininsulfat gegen nächtliche Wadenkrämpfe laut BfArM 2015 deshalb seit einigen Jahren nicht mehr zugelassen [3]. Typischerweise treten laut BfArM nach bis zu einer Woche Einnahme oder bei zeitweiser längerer Einnahme punktförmige Blutungen oder Blutergüsse auf, in schweren Fällen Nasen-, Zahnfleisch- oder Magen-Darm-Blutungen [3]. Mehr dazu unter Blutungen und Blutbildveränderungen durch Medikamente. Als Cinchonismus bezeichnet die Packungsbeilage Beschwerden wie Ohrgeräusche, Hörstörungen und Schwindel sowie Magen-Darm-Störungen mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen [1].
Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen
- ImmunsystemÜberempfindlichkeitsreaktionen: Hautreaktionen wie Hautausschlag, Juckreiz, Quaddeln, Sonnenlichtempfindlichkeit oder Knötchenflechte (Lichen planus), Atemnot durch Verkrampfung der Bronchien (Bronchospasmus), schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie), Schwellungen (Angioödem) und Fieber[1, 5]Mehr dazu: Allergische ReaktionenHautausschlagJuckreizNesselsuchtLichtempfindlichkeit der HautSchwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenFieberAtemnot
- ImmunsystemVerminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) und andere Blutbildveränderungen; eine Thrombozytopenie kann zu kleinen punktförmigen Blutungen in Haut und Schleimhäuten und zu erhöhter Blutungsneigung führen, etwa Nasenbluten oder Blutergüssen[1, 5]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsBlutungen und blaue Flecken
- ImmunsystemAls Folge einer Thrombozytopenie schwere Gerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen: Gerinnungsstörung im ganzen Körper (disseminierte intravasale Gerinnung, DIC), hämolytisch-urämisches Syndrom oder thrombotisch-thrombozytopenisches Syndrom (HUS/TTP), Nierenversagen[1, 5]Mehr dazu: NierenfunktionsstörungenBlutungen und blaue Flecken
- ImmunsystemLeberfunktionsstörungen[1, 5]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
- Ohr und GleichgewichtBeschwerden des sogenannten Cinchonismus wie Ohrgeräusche, Hörstörungen und Schwindel[1]Mehr dazu: OhrgeräuscheSchwindel
- Magen und DarmMagen-Darm-Störungen mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen (ebenfalls Zeichen des Cinchonismus)[1]Mehr dazu: ÜbelkeitErbrechenDurchfall
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- AugenSehstörungen[1]Mehr dazu: Sehstörungen
- HerzHerzrhythmusstörungen und Herzstolpern[1, 3]Mehr dazu: HerzrhythmusstörungenHerzrasen
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Spontane Haut- oder Schleimhautblutungen, Nasenbluten oder eine erhöhte Blutungsneigung können auf eine Verminderung der Blutplättchen hinweisen; dann muss die Anwendung umgehend beendet werden [1]. Ohnmacht, Schwindel oder Herzstolpern können Zeichen von Herzrhythmusstörungen sein [1]. Mehr zu QT-Verlängerung und Herzrhythmusstörungen durch Medikamente und zu Ohrgeräuschen durch Medikamente.
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Beschwerden ernst nehmen: Bei Blutungszeichen, Hautausschlag, Ohrgeräuschen, Hör- oder Sehstörungen oder Herzstolpern setzen Sie Chinin ab und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Laut BfArM sollen Menschen, bei denen Chinin die Blutplättchen vermindert hat, künftig keine chininhaltigen Arzneimittel oder Getränke mehr zu sich nehmen [3].
Nicht-medikamentöse Hilfe bei Wadenkrämpfen: Das BfArM verwies 2015 auf die damalige Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Danach sind zuerst behandelbare Ursachen auszuschließen; im akuten Krampf soll der verkrampfte Muskel gedehnt oder die Gegenspieler (Antagonisten) angespannt werden, bei nächtlichen Wadenkrämpfen sollen regelmäßig Dehnübungen der Wadenmuskeln durchgeführt werden. Magnesium ist danach möglicherweise wirksam, Chininsulfat sollte wegen seltener schwerer Nebenwirkungen erst in zweiter Linie und nur bei schwerer Ausprägung eingesetzt werden [3].
Regelmäßig prüfen: Die Behandlung sollte alle 3 Monate unterbrochen werden, um zu prüfen, ob sie weiter nötig ist [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.
Wechselwirkungen
Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen [1]. Arzneimittel, die von sich aus häufiger Herzrhythmusstörungen auslösen können, dürfen nicht zusammen mit Chinin eingenommen werden; dazu gehören unter anderem bestimmte Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Neuroleptika, tri- und tetrazyklische Antidepressiva, einige Antibiotika und Pilzmittel, einige Malariamittel, einige Krebsmittel, einige nicht-sedierende Antihistaminika und einige starke Schmerzmittel vom Opioidtyp wie Methadon [1]. Chinin kann außerdem die Wirkung von Digitalis-Präparaten, muskelentspannenden Mitteln und Gerinnungshemmern (Blutverdünnern) verstärken; zusammen mit blutzuckersenkenden Mitteln kann das Risiko einer Unterzuckerung steigen [1].
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Digitalis-Präparate (Herzmittel), Muskelrelaxanzien (muskelentspannende Mittel) und Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien) | Chinin kann ihre Wirkung verstärken[1] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Mittel gegen Sodbrennen mit Aluminium oder Magnesium (Antazida) | Können die Aufnahme von Chinin vermindern[1] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Andere chininhaltige Arzneimittel (Malariamittel, Mittel gegen Herzrhythmusstörungen) | Gegenseitige Wirkungsverstärkung möglich[1] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Harnalkalisierende Mittel und Cimetidin | Können die Ausscheidung von Chinin verzögern[1] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Blutzuckersenkende Arzneimittel | Das Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kann steigen[1] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Phenobarbital und Carbamazepin (Mittel gegen Epilepsie) | Chinin kann ihre Konzentration im Blut erhöhen[5] | Bei gleichzeitiger Anwendung engmaschige ärztliche Überwachung |
| Arzneimittel, die häufiger Herzrhythmusstörungen auslösen können, unter anderem bestimmte Mittel gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika der Klassen Ia und III), Neuroleptika, tri- und tetrazyklische Antidepressiva, einige Antibiotika (einige Makrolide, Fluorchinolone, Imidazol-Antimykotika), einige Malariamittel, einige Krebsmittel (z. B. Arsentrioxid), einige nicht-sedierende Antihistaminika (z. B. Terfenadin, Ebastin) und einige starke Opioid-Schmerzmittel (z. B. Methadon) | Gefahr von Herzrhythmusstörungen[1] | Dürfen nicht zusammen mit Chinin eingenommen werden |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Chinin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Zu den Gegenanzeigen gehören Herzrhythmusstörungen einschließlich QT-Verlängerung, schwere Herzschwäche, Störungen des Salzhaushalts, Ohrgeräusche, eine Vorschädigung des Sehnervs, Myasthenia gravis, ein Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel sowie Schwangerschaft und Stillzeit [1]. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte Chinin nicht angewendet werden, weil keine Daten vorliegen [1].
Nicht einnehmen bei
- Allergie gegen Chinin, auch gegen chininhaltige Getränke, oder einen der sonstigen Bestandteile[1]
- Schwangerschaft und Stillzeit[1]
- Angeborene oder erworbene Herzrhythmusstörungen, unter anderem ein verlangsamter Herzschlag oder eine QT-Verlängerung, sowie die Einnahme anderer Arzneimittel, die Herzrhythmusstörungen begünstigen können[1]
- Angeborenes Long-QT-Syndrom oder ein Long-QT-Syndrom in der Familie[5]
- Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Anzeichen: Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen, hämolytische Anämie)[1]
- Myasthenia gravis (krankhafte Muskelschwäche)[1]
- Ohrgeräusche (Tinnitus)[1]
- Vorschädigung des Sehnervs[1]
- Schwere Herzschwäche[1]
- Störungen des Salzhaushalts, zum Beispiel ein zu niedriger Kaliumwert im Blut[1]
Besondere Vorsicht bei
- Angeborene oder andere mögliche Ursachen für Herzrhythmusstörungen: die Ärztin oder den Arzt vorher informieren[1]
- Erkrankungen, die eine QT-Verlängerung begünstigen, oder ein AV-Block (Störung der Erregungsleitung zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern): Chinin verlängert dosisabhängig die QT-Zeit, daher ist Vorsicht geboten[5]
- Einnahme von Barbituraten oder Carbamazepin (Mittel gegen Epilepsie): die Ärztin oder den Arzt informieren[1]
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Es liegen keine Daten vor; Chinin sollte bei ihnen nicht angewendet werden[1, 3]
- Nach einer durch Chinin ausgelösten Verminderung der Blutplättchen sollen Betroffene laut BfArM künftig keine chininhaltigen Arzneimittel oder Getränke mehr zu sich nehmen[3]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
In Schwangerschaft und Stillzeit dürfen Sie Chinin nicht einnehmen [1]. Bemerken Sie Sehstörungen, setzen Sie Chinin sofort ab und fahren Sie nicht Auto, bis Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es erlaubt [1]. Zu Alkohol enthalten Packungsbeilage und Fachinformation keinen eigenen Hinweis; zu Nahrungsmitteln und Getränken sind laut Packungsbeilage bisher keine Einschränkungen bekannt [1, 5].
Schwangerschaft
Sie dürfen Chinin während der Schwangerschaft nicht einnehmen: In hohen Dosen kann es schwerwiegende Schädigungen des ungeborenen Kindes verursachen.[1]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Chinin geht in die Muttermilch über; in der Stillzeit darf es nicht eingenommen werden.[1]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Autofahren und Maschinen
Normalerweise sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Bemerken Sie jedoch Sehstörungen, muss das Arzneimittel sofort abgesetzt werden; fahren Sie dann kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Maschinen, bis Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen sagt, dass dies gefahrlos möglich ist.[1]
Einnahme
Die Filmtablette unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit nach dem Abendessen einnehmen.[1]
Bis die Zahl der Krämpfe abnimmt, kann es bis zu 4 Wochen dauern; ist bis dahin keine Besserung eingetreten, sollte das Arzneimittel nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt abgesetzt werden. Die Behandlung sollte alle 3 Monate unterbrochen werden, um zu prüfen, ob sie weiter nötig ist.[1]
Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge einnehmen.[1]
Absetzen
Bei Haut- oder Schleimhautblutungen, Nasenbluten oder erhöhter Blutungsneigung muss die Anwendung umgehend beendet werden. Auch bei Hautausschlag, Ohrgeräuschen, Hör- oder Sehstörungen oder Zeichen von Herzrhythmusstörungen setzen Sie Chinin ab und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.[1]
Überdosierung
Haben Sie mehr eingenommen, als Sie sollten, unterbrechen Sie die Einnahme und wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.[1]
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Packungsbeilage nennt eine empfohlene Dosis, eine Tageshöchstdosis und Hinweise zur Behandlungsdauer [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].
Einnahme und Absetzen
Nehmen Sie die Filmtablette unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit nach dem Abendessen ein, immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie nicht die doppelte Menge [1]. Haben Sie mehr eingenommen als vorgesehen, unterbrechen Sie die Einnahme und wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; Telefonnummern für Notfälle finden Sie unter Notfall und Giftnotruf [1].
Ist nach 4 Wochen keine Besserung eingetreten, sollte Chinin nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt abgesetzt werden; außerdem sollte die Behandlung alle 3 Monate unterbrochen werden, um zu prüfen, ob sie weiter nötig ist [1]. Bei Blutungszeichen muss die Einnahme umgehend beendet werden [1].
Präparate mit Chinin
Grundlage dieser Seite ist die Packungsbeilage von Limptar N 200 mg Filmtabletten, die der Zulassungsinhaber auf seiner Produktseite veröffentlicht [1]. Ergänzend stützt sich die Seite auf die Fachinformation desselben Präparats (Stand April 2026) [5] sowie auf den Bescheid und die Risikoinformation des BfArM von 2015 [2, 3]. Chinin ist laut Packungsbeilage auch in anderen Arzneimitteln enthalten, etwa in Malariamitteln oder Mitteln gegen Herzrhythmusstörungen; für sie gelten eigene Produktinformationen [1].
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Limptar N | Cassella-med GmbH & Co. KG | 200 mg Filmtabletten; Grundlage dieser Seite |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Limptar N 200 mg Filmtabletten (auf der Produktseite des Herstellers). Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 12/2022. abgerufen am 11.10.2026
- Behörde BfArM-Risikoinformation: Chinin gegen nächtliche Wadenkrämpfe (Limptar N), Bescheid zu Änderungen der Produktinformation im nationalen Stufenplanverfahren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 02.04.2015. abgerufen am 11.10.2026
- Behörde BfArM: Bescheid Abwehr von Gefahren durch Arzneimittel, Stufe II, Limptar N (Chininsulfat). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 30.03.2015. abgerufen am 11.10.2026
- Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Chinin. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Limptar N 200 mg Filmtabletten. Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 04/2026. abgerufen am 11.10.2026
Häufige Fragen
Ist Chinin gegen Wadenkrämpfe rezeptpflichtig?
Ja. Seit dem 1. April 2015 ist Chinin zur Anwendung beim Menschen verschreibungspflichtig, nach einem Votum des Sachverständigen-Ausschusses für Verschreibungspflicht. Hintergrund war ein Stufenplanverfahren des BfArM, unter anderem wegen des Risikos schwerer Blutbildveränderungen.
Wann darf Chinin gegen Wadenkrämpfe eingesetzt werden?
Laut Packungsbeilage nur bei Erwachsenen mit Krämpfen der Skelettmuskulatur, insbesondere nächtlichen Wadenkrämpfen, wenn diese sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, behandelbare Ursachen ausgeschlossen wurden und andere, nicht-medikamentöse Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Das BfArM verwies 2015 auf die damalige Leitlinie, nach der zunächst regelmäßige Dehnübungen der Wadenmuskeln und ein Versuch mit Magnesium kommen sollen.
Wie schnell wirkt Chinin?
Bis die Zahl der Krämpfe abnimmt, kann es bis zu 4 Wochen dauern. Ist bis dahin keine Besserung eingetreten, sollte Chinin nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abgesetzt werden. Laut BfArM-Bescheid von 2015 ist der Effekt im Vergleich zu einem Scheinmedikament nur moderat.
Welche Nebenwirkungen von Chinin sind gefährlich?
Sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten, vermindert Chinin die Blutplättchen (Thrombozytopenie); das kann zu Blutungen und zu schweren Gerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen führen. Ebenfalls sehr selten sind schwere allergische Reaktionen und Leberfunktionsstörungen. Bei Haut- oder Schleimhautblutungen, Nasenbluten oder erhöhter Blutungsneigung beenden Sie die Einnahme umgehend und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Kann Chinin Herzrhythmusstörungen auslösen?
Ja, Herzrhythmusstörungen und Herzstolpern sind als Nebenwirkung mit nicht bekannter Häufigkeit beschrieben. Bei angeborenen oder erworbenen Herzrhythmusstörungen, etwa einer QT-Verlängerung, dürfen Sie Chinin nicht einnehmen, ebenso nicht zusammen mit Arzneimitteln, die Herzrhythmusstörungen begünstigen. Bei Herzstolpern, Schwindel oder Ohnmacht setzen Sie Chinin ab und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Was gilt für chininhaltige Getränke?
Haben Sie schon einmal allergisch auf Chinin oder chininhaltige Getränke reagiert, dürfen Sie Chinin nicht einnehmen. Hatten Sie durch Chinin eine Verminderung der Blutplättchen, sollen Sie laut BfArM künftig keine chininhaltigen Arzneimittel oder Getränke mehr zu sich nehmen.
Wie lange darf man Chinin einnehmen?
Laut Packungsbeilage sollte die Behandlung alle 3 Monate unterbrochen werden, um zu prüfen, ob sie weiter nötig ist. Wenn sich die Krämpfe nach 4 Wochen nicht gebessert haben, sollte Chinin nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt abgesetzt werden.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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