WirkstoffgruppenWirkstoffgruppe
Vitamine, Mineralstoffe und Eisenpräparate
Zu dieser Gruppe gehören Arzneimittel mit Vitaminen und Mineralstoffen wie Folsäure, Eisen(II)-sulfat, Vitamin D3 (Colecalciferol), dem aktiven Vitamin-D-Abkömmling Calcitriol und Kaliumiodid. Sie werden bei einem Mangel oder zu seiner Vorbeugung eingesetzt, Calcitriol bei Knochenerkrankungen durch Nierenschwäche und bei Osteoporose nach den Wechseljahren. Typisch sind je nach Stoff etwa ein dunkler Stuhl und Verstopfung bei Eisen oder ein zu hoher Calciumspiegel bei Vitamin D und Calcitriol. Auch Arzneimittel mit Vitaminen und Mineralstoffen können überdosiert werden.

Neben Nahrungsergänzungsmitteln gibt es Vitamine und Mineralstoffe auch als zugelassene Arzneimittel: Folsäure-Tabletten gegen einen Folsäuremangel, Eisentabletten gegen einen Eisenmangel, Vitamin D3 (Colecalciferol) bei einem Vitamin-D-Mangel, Kaliumiodid zur Vorbeugung eines Iodmangels und Calcitriol, eine aktive Form von Vitamin D, bei Knochenerkrankungen [1, 3, 5, 6, 8, 11]. Die Stoffe wirken unterschiedlich und haben jeweils eigene Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Einzelheiten zu jedem Stoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.
Was sind Vitamine, Mineralstoffe und Eisenpräparate?
In den Fachinformationen ist Folsäure als Vitamin eingeordnet, Eisen(II)-sulfat als Mittel gegen Blutarmut mit zweiwertigem Eisen zum Einnehmen, Colecalciferol und Calcitriol als Vitamin D und Analoga und Kaliumiodid als mineralstoffhaltige Zubereitung [2, 4, 6, 9, 12].
Auch rechtlich unterscheiden sich die Mittel: Folsäure-Tabletten mit 5 mg, Eisentabletten zum Einnehmen und Iodid-Tabletten sind apothekenpflichtig, Calcitriol ist verschreibungspflichtig [2, 4, 9, 12, 13]. Colecalciferol ist grundsätzlich verschreibungspflichtig; nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung ausgenommen sind Zubereitungen für Menschen, auf deren Packung eine Tagesdosis bis zu 1.000 I.E. Colecalciferol angegeben ist [13]. Eisen-Verbindungen zur Anwendung als Spritze oder Infusion sind verschreibungspflichtig [13]. Laut einer Risikoinformation des BfArM vom 04.09.2026 hat der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur eine Überprüfung dieser Präparate eingeleitet. Anlass sind Bedenken wegen des Risikos für niedrige Phosphatspiegel im Blut (Hypophosphatämie) und damit verbundene Knochenerkrankungen wie eine Knochenerweichung (Osteomalazie); bei Eisencarboxymaltose sind beide als Nebenwirkungen bekannt [15]. Mehr unter Eiseninfusion.
Wie Vitamine, Mineralstoffe und Eisenpräparate wirken
Folsäure wirkt laut Fachinformation nicht selbst, sondern in umgewandelter Form (Tetrahydrofolsäure) als Überträger kleiner Molekülbausteine; sie hat damit eine zentrale Stellung im Stoffwechsel aller lebenden Zellen [2]. Die Körperreserven sind relativ gering; ohne Zufuhr mit der Nahrung entsteht nach 4 bis 5 Monaten eine Blutarmut mit gestörter Bildung der roten Blutkörperchen (megaloblastische Anämie) [2]. Eisen ist Bestandteil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und zahlreicher Enzyme; ein Eisenmangel beeinträchtigt laut Fachinformation nahezu alle Zellfunktionen, und größere Verluste lassen sich über die Nahrung kaum ausgleichen [4].
Colecalciferol wird in Leber und Niere in seine aktive Form umgewandelt. Diese fördert laut Fachinformation die Aufnahme von Calcium und Phosphat im Darm und den Einbau von Calcium in den Knochen, vermindert die Ausscheidung über die Nieren und hemmt die Bildung des Nebenschilddrüsenhormons (Parathormon) [6]. Calcitriol hat laut Fachinformation von den bekannten Vitamin-D-Stoffwechselprodukten die größte biologische Wirkung; der Körper bildet es normalerweise in den Nieren, bei chronischer Nierenschwäche aber zu wenig [12]. Seine Wirkung setzt schneller ein und klingt schneller ab als die anderer Vitamin-D-Stoffwechselprodukte [12]. Iod ist ein unentbehrlicher Baustein der Schilddrüsenhormone; Iodid gleicht laut Fachinformation einen Iodmangel aus und beugt einem Iodmangelkropf vor [9].
Wofür Vitamine, Mineralstoffe und Eisenpräparate eingesetzt werden
Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in der Fachinformation des jeweiligen Präparats:
- Folsäure (Tabletten mit 5 mg): Behandlung eines Folsäuremangels, der sich über die Ernährung nicht beheben lässt [2].
- Eisen(II)-sulfat: Behandlung eines Eisenmangels [4].
- Colecalciferol: hoch dosiert (verschreibungspflichtig) zur Anfangsbehandlung eines klinisch relevanten Vitamin-D-Mangels bei Erwachsenen [6]; niedriger dosierte Tabletten laut Hersteller zur Vorbeugung gegen Rachitis und Knochenerweichung (Osteomalazie), bei erkennbarem Risiko eines Vitamin-D-Mangels und zur unterstützenden Behandlung der Osteoporose bei Erwachsenen [7].
- Kaliumiodid: Vorbeugung eines Iodmangels, zum Beispiel zur Vorbeugung eines Kropfes in Iodmangelgebieten und nach Entfernung eines Iodmangelkropfes, und Behandlung eines Kropfes bei normaler Schilddrüsenfunktion bei Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen [9].
- Calcitriol: Knochenerkrankung bei Nierenschwäche (renale Osteodystrophie) und bestehende Osteoporose nach den Wechseljahren (nur die Kapseln mit 0,25 Mikrogramm) [12]. Mehr unter Niereninsuffizienz.
Hoch dosierte Kaliumiodid-Tabletten für einen schweren Unfall in einem Kernkraftwerk dürfen laut Bundesumweltministerium nur nach Empfehlung der Katastrophenschutzbehörden eingenommen und nicht zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten verwendet werden; umgekehrt enthalten Iodid-Tabletten gegen Schilddrüsenkrankheiten viel zu wenig Iod für diesen Zweck [10].
Wirkstoffe der Gruppe
Diese Vitamine und Mineralstoffe sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:
- Calcitriolz. B. Calcitriol-GRYKnochenerkrankung bei Nierenschwäche, Osteoporose nach den Wechseljahren
- Colecalciferolz. B. Colecalciferol-ratiopharm 20 000 I.E., Dekristol 400 I.E., 500 I.E. und 1000 I.E., Vitamin D3 STADA 20.000 I.E.Vitamin-D-Mangel; Vorbeugung von Rachitis und Osteomalazie, unterstützend bei Osteoporose
- Eisen(II)-sulfatz. B. Eisentabletten-ratiopharm 100 mg, Eisentabletten-ratiopharm N 50 mgEisenmangel
- Folsäurez. B. Folsäure-ratiopharm 5 mgFolsäuremangel, der sich nicht über die Ernährung beheben lässt
- Kaliumiodidz. B. Jodetten Henning, Jodid-ratiopharm, JodinatVorbeugung von Iodmangel und Kropf, Kropfbehandlung bei jüngeren Menschen
Wie viel Sie von einem rezeptfreien Präparat einnehmen, steht in dessen Packungsbeilage; die Angaben der hier beschriebenen Präparate finden Sie auf den Wirkstoffseiten im Abschnitt Dosierung, etwa bei Folsäure, Eisen(II)-sulfat und Kaliumiodid [1, 3, 8]. Die Dosis verschreibungspflichtiger Mittel legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [5, 11].
Typische Nebenwirkungen
Die vollständige Liste steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats und auf den Wirkstoffseiten. Gemeinsam ist den Stoffen vor allem, dass Überempfindlichkeitsreaktionen möglich sind; die übrigen Nebenwirkungen hängen vom Stoff ab [2, 4, 6, 9, 12]. Wie die Produktinformationen ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle. Bei Kaliumiodid steht dort überall "nicht genannt", weil Packungsbeilage und Fachinformation keine Häufigkeiten nennen (siehe unten). Was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
| Wirkstoff | Allergische Reaktionen | Hautausschlag | Juckreiz | Verstopfung |
|---|---|---|---|---|
| Calcitriol | Selten | Selten | Selten | nicht genannt |
| Colecalciferol | Nicht bekannt | Selten | Selten | nicht genannt |
| Eisen(II)-sulfat | Selten | Selten | nicht genannt | Gelegentlich |
| Folsäure | Sehr selten | Sehr selten | Sehr selten | nicht genannt |
| Kaliumiodid | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Folsäure
Allergische Reaktionen, etwa mit Hautrötung, Juckreiz, Luftnot, Übelkeit oder Kreislaufkollaps, stuft die Fachinformation von Folsäure als sehr selten ein, also bei weniger als 1 von 10.000 Behandelten [2]. Nach sehr hohen Dosierungen können selten Schlafstörungen, Erregung, Depressionen oder Magen-Darm-Störungen auftreten [2]. Bei Menschen mit Epilepsie kann Folsäure die Blutspiegel der Mittel gegen Krampfanfälle senken und dadurch unter Umständen die Krampfbereitschaft erhöhen [1, 2]. Folsäure kann einen Vitamin-B12-Mangel verdecken. Wegen der Gefahr bleibender Schäden des Nervensystems muss vor der Behandlung einer megaloblastischen Blutarmut sichergestellt sein, dass sie nicht auf einem Vitamin-B12-Mangel beruht [2]. Mehr unter Vitamin-B12-Mangel.
Eisen
Eine Dunkelfärbung des Stuhls durch entstehendes schwarzes Eisensulfid ist laut Packungsbeilage und Fachinformation häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, und nicht schädlich [3, 4]. Magen-Darm-Störungen und Verstopfung sind als gelegentlich eingestuft; eine Verstopfung lässt sich laut Fachinformation durch ausgleichende Ernährung beheben [4]. Die Häufigkeitsangaben variieren laut Fachinformation in der zugrunde liegenden Literatur erheblich [4]. Werden die Tabletten gelutscht, zerkaut oder länger im Mund gelassen, können Geschwüre im Mund und Zahnverfärbungen entstehen; bei älteren Menschen und bei Schluckbeschwerden besteht zudem das Risiko von Schäden der Speiseröhre oder, wenn eine Tablette in die Atemwege gelangt, der Bronchien [4]. Mehr unter Magenbeschwerden.
Vitamin D: zu viel Calcium im Blut
Einen erhöhten Calciumspiegel in Blut und Urin (Hyperkalzämie, Hyperkalzurie) stuft die Fachinformation von Colecalciferol als gelegentlich ein, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten; Juckreiz, Hautausschlag und Nesselsucht als selten [6]. Die schwerwiegendste Folge einer Überdosierung ist laut Fachinformation ein zu hoher Calciumspiegel. Zu seinen Zeichen können Appetitlosigkeit, Durst, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Muskelschwäche, Müdigkeit, geistige Störungen, Knochenschmerzen und Nierensteine gehören, in schweren Fällen Herzrhythmusstörungen; anhaltend hohe Spiegel können die Nieren dauerhaft schädigen [6]. Die Vitamin-D-Menge des Präparats sollte laut Fachinformation von Colecalciferol berücksichtigt werden, wenn andere Vitamin-D-Präparate verschrieben oder Vitamin-D-haltige Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden [6]. Mehr unter Nierensteine.
Calcitriol: Calciumspiegel regelmäßig kontrollieren
Zwischen der Behandlung mit Calcitriol und einem zu hohen Calciumspiegel wurde laut Fachinformation ein enger Zusammenhang beobachtet; die ältere Fachinformation (Stand 08/2020) nennt ihn als am häufigsten gemeldete Nebenwirkung und stuft ihn als sehr häufig ein, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten [12]. Die neuere Packungsbeilage (Stand 09/2025) stuft den zu hohen Calciumspiegel als selten ein, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten; als Zeichen nennt sie Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und ein Gefühl von Trägheit, Benommenheit oder Schwäche, bei stark erhöhtem Calcium unter anderem Fieber, starken Durst, häufiges Wasserlassen, Verstopfung und unregelmäßigen Herzschlag [11]. Während der Behandlung wird das Blut regelmäßig untersucht [11, 12].
Eine plötzlich höhere Calciumzufuhr, etwa durch mehr Milchprodukte oder die unkontrollierte Einnahme von Calciumpräparaten, kann laut Fachinformation einen zu hohen Calciumspiegel auslösen; die Diätvorschriften sind laut Fachinformation strikt zu befolgen [12]. Andere Vitamin-D-Präparate und mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel werden während der Behandlung ausgesetzt [12]. Wer wenig beweglich ist, etwa nach einer Operation, hat ein höheres Risiko [12].
Iod
Bei vorbeugender Einnahme in jedem Alter und bei der Kropfbehandlung von Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen ist laut Fachinformation von Kaliumiodid nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen; Häufigkeiten nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht [8, 9]. Bei größeren unkontrolliert hormonbildenden Bereichen der Schilddrüse und täglichen Iodgaben von mehr als 150 Mikrogramm lässt sich laut Fachinformation nicht völlig ausschließen, dass eine Schilddrüsenüberfunktion zum Vorschein kommt; bei der höher dosierten Kropfbehandlung Erwachsener kann sie in Einzelfällen auftreten, gefährdet sind vor allem ältere Menschen mit lange bestehendem Kropf [9]. Bei einer Überempfindlichkeit gegen Iod können Fieber, Hautausschlag, Jucken und Brennen der Augen, Reizhusten, Durchfall oder Kopfschmerzen auftreten; dann ist die Einnahme zu beenden [8, 9].
Überdosierung und Kinder
Auch Arzneimittel mit Vitaminen und Mineralstoffen können gefährlich überdosiert werden. Besteht der Verdacht auf eine Überdosierung von Eisentabletten, insbesondere bei Kindern, ist laut Packungsbeilage unverzüglich eine Ärztin oder ein Arzt zu verständigen [3]. Zeichen einer Eisenvergiftung sind laut Fachinformation unter anderem Übelkeit, blutiges Erbrechen, Durchfälle und starke Magenschmerzen; nach einer zwischenzeitlichen Besserung kann später plötzlich ein Schockzustand auftreten [4]. Hat ein Kind Vitamin D3 versehentlich eingenommen, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an die Ärztin, den Arzt oder die Notaufnahme [5]. Nach Einnahme zu vieler Calcitriol-Kapseln informieren Sie unverzüglich eine Ärztin oder einen Arzt oder gehen ins Krankenhaus und nehmen die Packung mit [11]. Bewahren Sie Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf, wie es die Packungsbeilagen vorsehen [3].
Wichtige Wechselwirkungen

Die folgenden Wechselwirkungen beschreiben die Fachinformationen der einzelnen Stoffe [2, 4, 6, 9, 12]:
| Zusammen mit | Was passieren kann |
|---|---|
| Eisen und Tetracycline (zum Beispiel Doxycyclin), Chinolon-Antibiotika (zum Beispiel Ciprofloxacin), Penicillamin, Levodopa, Methyldopa, Schilddrüsenhormon (Levothyroxin), Zink | Eisen vermindert bzw. beeinflusst ihre Aufnahme; Zink kann umgekehrt die Eisenaufnahme vermindern [4] |
| Eisen und Colestyramin, magensäurebindende Mittel, Calcium- und Magnesiumpräparate sowie Milch, Kaffee und Tee | Die Eisenaufnahme wird herabgesetzt; Eisentabletten laut Fachinformation nicht innerhalb von 2 bis 3 Stunden danach einnehmen [4] |
| Eisen und entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) | Die Reizwirkung auf die Magen-Darm-Schleimhaut kann zunehmen [4] |
| Folsäure und Mittel gegen Krampfanfälle (zum Beispiel Phenytoin, Phenobarbital, Primidon) | Folsäure kann deren Blutspiegel senken und dadurch unter Umständen die Krampfbereitschaft erhöhen [2] |
| Folsäure und Methotrexat, Trimethoprim, Fluorouracil oder Capecitabin | Bei hohen Dosen ist eine gegenseitige Hemmung mit Methotrexat und Trimethoprim nicht ausgeschlossen; hohe Folsäure-Dosen können die Wirkung und die zellschädigende Wirkung von Fluorouracil und Capecitabin verstärken, zum Beispiel mit schweren Durchfällen [2] |
| Vitamin D oder Calcitriol und Thiazid-Diuretika (zum Beispiel Hydrochlorothiazid) | Höheres Risiko für einen zu hohen Calciumspiegel [6, 12] |
| Vitamin D oder Calcitriol und Herzglykoside (zum Beispiel Digitoxin) | Ein zu hoher Calciumspiegel kann Herzrhythmusstörungen hervorrufen [6, 12] |
| Vitamin D oder Calcitriol und magnesiumhaltige Mittel (zum Beispiel gegen Sodbrennen) | Zu hoher Magnesiumspiegel möglich: bei Vitamin D während der Behandlung mit hohen Dosen, bei Calcitriol bei Dialyse [6, 12] |
| Vitamin D oder Calcitriol und Phenytoin, Barbiturate bzw. Phenobarbital, Kortison (zum Beispiel Prednisolon), Colestyramin | Die Wirkung von Vitamin D bzw. Calcitriol kann nachlassen [6, 12] |
| Iod und Mittel gegen Schilddrüsenüberfunktion, Lithium, kaliumsparende Entwässerungsmittel | Iod verändert das Ansprechen auf Thyreostatika; mit hohen Ioddosen und Lithium Kropf und Unterfunktion möglich; mit höheren Dosen Kaliumiodid kann der Kaliumspiegel steigen [9] |
Die Liste ist nicht vollständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies oder ein Nahrungsergänzungsmittel. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen; den Überblick behalten Sie mit dem Medikationsplan.
Wann Vitamine, Mineralstoffe und Eisenpräparate nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden
Eisentabletten dürfen laut Fachinformation nicht angewendet werden bei Eisenverwertungsstörungen, bei einer Anhäufung von Eisen im Körper (etwa Hämochromatose) und bei einer Blutarmut, die nicht auf einem Eisenmangel beruht; bei Entzündungen oder Geschwüren der Magen-Darm-Schleimhaut ist der Nutzen sorgfältig abzuwägen [4]. Colecalciferol ist unter anderem bei zu hohem Calciumspiegel in Blut oder Urin, erhöhten Vitamin-D-Spiegeln, Calciumablagerungen in den Nieren, Nierensteinen und schwerer Nierenfunktionsstörung nicht anzuwenden [6]; Calcitriol bei allen Krankheiten mit erhöhtem Calciumspiegel, bei Calciumablagerungen im Körper und bei Zeichen einer Vitamin-D-Vergiftung [12].
Kaliumiodid darf laut Fachinformation nicht eingenommen werden bei einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion, bei einer versteckten Überfunktion oder hormonbildenden Knoten ab bestimmten Dosen sowie bei zwei seltenen Erkrankungen, der hypokomplementämischen Vaskulitis und der Dermatitis herpetiformis Duhring [9]. Folsäure darf bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile nicht angewendet werden; vor der Behandlung einer megaloblastischen Blutarmut muss ein Vitamin-B12-Mangel ausgeschlossen werden [2]. Vorsicht verlangen die Fachinformationen unter anderem bei Sarkoidose und eingeschränkter Nierenfunktion (Vitamin D) und bei eingeschränkter Beweglichkeit, etwa nach einer Operation, oder chronischer Nierenschwäche (Calcitriol) [6, 12]. Trifft ein Punkt auf Sie zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Schwangerschaft und Stillzeit
Kontrollierte Studien an Schwangeren mit Tagesdosen bis 5 mg Folsäure haben laut Fachinformation keine Hinweise auf eine Schädigung des Kindes ergeben; eine Folsäure-Ergänzung kann das Risiko für Neuralrohrdefekte vermindern [2]. Weil die Sicherheit höherer Dosen nicht gewährleistet ist, dürfen laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht mehr als 5 mg Folsäure pro Tag eingenommen werden [1]. Mehr unter Folsäure in der Schwangerschaft. Eisentabletten sollten in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden; nach akuten Eisenvergiftungen wurden Schädigungen des Ungeborenen und Fehlgeburten beobachtet [4]. Mehr unter Eisen in der Schwangerschaft.
Eine Überdosierung von Vitamin D muss in der Schwangerschaft laut Fachinformation vermieden werden, weil ein lang anhaltend erhöhter Calciumspiegel beim Kind zu Entwicklungsverzögerungen, einer Verengung oberhalb der Aortenklappe und Netzhautschäden führen kann; das hoch dosierte Präparat wird laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen [5, 6]. Calcitriol sollte in der Schwangerschaft laut Fachinformation nur angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen das mögliche Risiko für das Ungeborene überwiegt; stillen sollten Mütter unter Calcitriol nur, wenn die Calciumspiegel von Mutter und Kind kontrolliert werden [12]. Sowohl ein Iodmangel als auch eine Überdosierung von Iod können dem Ungeborenen schaden; in Schwangerschaft und Stillzeit ist der Iodbedarf erhöht [9]. Laut Embryotox kann ein Iodmangel in der Schwangerschaft die geistige Entwicklung des Kindes beeinträchtigen [14]. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Absetzen
Calcitriol setzen Sie laut Packungsbeilage nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab; die Behandlung von Knochenschwund ist eine Langzeittherapie [11]. Bei zu hohem Calcium- oder Kreatininwert unterbricht die Ärztin oder der Arzt die Behandlung laut Fachinformation sofort, bis sich das Calcium normalisiert hat [12]. Auch bevor Sie Eisentabletten abbrechen, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [3]; wenn Sie Iodid-Tabletten unterbrechen oder vorzeitig abbrechen, laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [8]. Setzen Sie ein verordnetes Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Unterschied zwischen Vitamin D und Calcitriol sowie zu Schilddrüsen- und Osteoporosemitteln
Colecalciferol ist eine Vorstufe, die Leber und Niere erst in die aktive Form umwandeln; Calcitriol ist bereits diese aktive Form und hat laut Fachinformation von den bekannten Vitamin-D-Stoffwechselprodukten die größte biologische Wirkung [6, 12]. Weil Calcitriol der wirksamste verfügbare Vitamin-D-Abkömmling ist, dürfen laut Fachinformation während der Behandlung keine anderen Vitamin-D-Präparate verschrieben werden; nach einem Wechsel von länger wirkendem Vitamin D kann es einige Monate dauern, bis dessen Spiegel gesunken ist [12].
Kaliumiodid liefert Iod, einen unentbehrlichen Baustein der Schilddrüsenhormone [9]. Schilddrüsenhormone selbst wie Levothyroxin beschreibt die Seite Schilddrüsenmittel, auf der auch Kaliumiodid aufgeführt ist. Bei Osteoporose wird Colecalciferol in niedrigerer Dosierung laut Hersteller unterstützend eingesetzt [7]; weitere Wirkstoffe stehen bei den Osteoporosemitteln.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Folsäure-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2016. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Folsäure-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2016. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Eisentabletten-ratiopharm 100 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2021. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Eisentabletten-ratiopharm N 50 mg/100 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Colecalciferol-ratiopharm 20 000 I.E. Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Colecalciferol-ratiopharm 20 000 I.E. Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Pflichtangaben Dekristol 400 I.E./500 I.E./1000 I.E. Tabletten (Colecalciferol). mibe GmbH Arzneimittel. Stand 06/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Jodetten 100 Henning, 100 Mikrogramm, Tabletten (Kaliumiodid). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2021. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Jodetten Henning (100/150/200 Mikrogramm und 1 x wöchentlich). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Jodblockade, Schutz bei Reaktorunfall: Jodtabletten. Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Calcitriol-GRY 0,25 Mikrogramm Kapseln. TEVA GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Calcitriol-GRY 0,25 Mikrogramm / 0,5 Mikrogramm Kapseln. TEVA GmbH. Stand 08/2020. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Einträge Calcitriol, Colecalciferol und Eisen-Verbindungen. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand zuletzt geändert durch Art. 1 V v. 19.05.2026. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Hypothyreose (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Injizierbare eisenhaltige Arzneimittel: Überprüfung des Risikos für niedrige Phosphatspiegel im Blut und damit zusammenhängende Knochenerkrankungen (Start des Verfahrens). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 04.09.2026. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Warum wird der Stuhl bei Eisentabletten schwarz?
Bei der Einnahme entsteht schwarzes Eisensulfid, das den Stuhl dunkel färbt. Laut Packungsbeilage ist das häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, und nicht schädlich. Gelegentlich treten Magen-Darm-Störungen und Verstopfung auf.
Kann man Vitamin D überdosieren?
Ja. Die schwerwiegendste Folge einer Überdosierung ist laut Fachinformation ein zu hoher Calciumspiegel im Blut, mit Zeichen wie Appetitlosigkeit, Durst, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Muskelschwäche und Müdigkeit, in schweren Fällen Herzrhythmusstörungen. Die Vitamin-D-Menge des Arzneimittels soll berücksichtigt werden, wenn Sie zusätzlich Vitamin-D-haltige Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Hat ein Kind Vitamin D versehentlich eingenommen, wenden Sie sich an die Ärztin, den Arzt oder die Notaufnahme.
Was ist der Unterschied zwischen Vitamin D3 und Calcitriol?
Vitamin D3 (Colecalciferol) wird in Leber und Niere erst in seine aktive Form umgewandelt. Calcitriol ist diese aktive Form; es hat laut Fachinformation von den Vitamin-D-Stoffwechselprodukten die größte Wirkung und ist verschreibungspflichtig. Während der Behandlung mit Calcitriol dürfen keine anderen Vitamin-D-Präparate verschrieben werden.
Wann sollte ich Eisentabletten nicht zusammen mit anderen Mitteln einnehmen?
Eisen vermindert laut Fachinformation die Aufnahme von Tetracyclinen, Schilddrüsenhormon, Levodopa und Zink und beeinflusst die Aufnahme von Chinolon-Antibiotika. Umgekehrt setzen Colestyramin, magensäurebindende Mittel, Calcium- und Magnesiumpräparate sowie Milch, Kaffee und Tee die Eisenaufnahme herab; Eisentabletten sollen nicht innerhalb von 2 bis 3 Stunden danach eingenommen werden. Den genauen Abstand besprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
Warum muss vor einer Folsäure-Behandlung ein Vitamin-B12-Mangel ausgeschlossen werden?
Folsäure kann einen Vitamin-B12-Mangel verdecken. Wegen der Gefahr bleibender Schäden des Nervensystems muss laut Fachinformation vor der Behandlung einer megaloblastischen Blutarmut sichergestellt sein, dass sie nicht auf einem Vitamin-B12-Mangel beruht, auch wenn die Blutarmut lebensbedrohlich ist.
Sind Jodtabletten gegen Kropf dasselbe wie Jodtabletten für den Notfall?
Nein. Laut Bundesumweltministerium enthalten Iodid-Tabletten gegen Schilddrüsenkrankheiten viel zu wenig Iod für die Jodblockade bei einem Reaktorunfall. Umgekehrt dürfen die hoch dosierten Notfall-Jodtabletten nicht zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten verwendet werden und nur nach Empfehlung der Katastrophenschutzbehörden eingenommen werden.
Welche Nebenwirkungen hat Calcitriol?
Die am häufigsten gemeldete Nebenwirkung war laut Fachinformation ein zu hoher Calciumspiegel im Blut. Die ältere Fachinformation (08/2020) stuft ihn als sehr häufig ein, die neuere Packungsbeilage (09/2025) als selten. Zeichen sind unter anderem Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwäche. Während der Behandlung wird das Blut regelmäßig untersucht, damit der Calciumspiegel nicht zu hoch wird.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
Wirkstoffgruppen Cortison-Cremes (topische Glucocorticoide)Cortison-Cremes lindern Entzündungen und Juckreiz der Haut.
-
Wirkstoffgruppen Parkinson- und DemenzmittelParkinson-Mittel sollen Dopaminmangel ausgleichen, Cholinesterasehemmer und Memantin wirken auf Botenstoffe im Gehirn.
-
Wirkstoffgruppen GichtmittelGichtmittel lindern den Gichtanfall oder senken dauerhaft die Harnsäure.
-
Werkzeuge Was heißt "häufig"?"Häufig" heißt in der Packungsbeilage: bei bis zu 1 von 10 Behandelten.