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Eisenmangel
Bei einem Eisenmangel hat der Körper zu wenig Eisen; hält er länger an, kann eine Blutarmut (Anämie) entstehen. Die Ursache, etwa eine starke Regelblutung oder eine unbemerkte Blutung im Magen-Darm-Trakt, muss laut Onkopedia-Leitlinie in jedem Fall geklärt werden. Behandelt wird ein Mangel ab dem Stadium der gestörten Blutbildung mit Eisen, laut Leitlinie nach Möglichkeit zum Einnehmen; reicht das nicht aus oder wird es nicht vertragen, kommt eine Infusion infrage. Laut IQWiG ist es wichtig, vor der Einnahme von Eisenpräparaten mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen.

Bei einem Eisenmangel hat der Körper zu wenig Eisen. Hält der Mangel länger an, kann eine Blutarmut (Anämie) entstehen [2]. Die Ursache muss laut Onkopedia-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) in jedem Fall geklärt werden; vor allem ist ein chronischer Blutverlust aus dem Magen-Darm-Trakt auszuschließen [1]. Behandelt wird mit Eisen, nach Möglichkeit zum Einnehmen, sonst auch als Infusion [1, 3].
Was ist Eisenmangel?
Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Erwachsene haben etwa 3 bis 5 Gramm davon im Körper, das meiste in den roten Blutkörperchen. Der Körper braucht Eisen unter anderem, um den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu bilden, der Sauerstoff in alle Zellen und Organe transportiert [2]. Laut Fachinformation von Eisentabletten werden durch einen Eisenmangel nahezu alle Zellfunktionen beeinträchtigt, besonders Vorgänge mit hohem Sauerstoffbedarf wie Wachstumsprozesse [5].
Die Onkopedia-Leitlinie definiert Eisenmangel als Verminderung des Gesamtkörpereisens. Eine Eisenmangelanämie liegt vor, wenn der Hämoglobinwert wegen des Eisenmangels unter den Normwert sinkt; nach der Weltgesundheitsorganisation liegt dieser bei 12 g/dl für Frauen und 13 g/dl für Männer [1]. Ein Eisenmangel verläuft laut IQWiG in drei Stadien [2]:
- Stadium 1: Der Körper greift auf gespeichertes Eisen zurück, etwa aus Leber und Milz. Die Speicher leeren sich, meist ohne Beschwerden.
- Stadium 2: Die Eisenspeicher sind leer. Im Blut ist noch genug roter Blutfarbstoff, aber die Bildung neuer roter Blutkörperchen ist gestört. Es können Beschwerden auftreten.
- Stadium 3: Es kommt zu einer Blutarmut, der Eisenmangel-Anämie. Zellen und Organe werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt; häufig treten Beschwerden auf.
Eisenmangel ist laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die häufigste Mangelerscheinung weltweit. In Europa sind etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen betroffen, häufiger Frauen vor den Wechseljahren und Kinder in Wachstumsphasen [2]. Bei Frauen im gebärfähigen Alter nennt die Leitlinie etwa 20 Prozent [1].
Symptome
Ein leichter Eisenmangel bleibt laut IQWiG meist unbemerkt. Bei einem stärkeren Mangel können unter anderem diese Beschwerden auftreten [2]:
- blasse Haut, Müdigkeit und ungewohnte Erschöpfung nach Belastung,
- Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Unruhe und Kopfschmerzen,
- eingerissene Mundwinkel, wiederkehrende Entzündungen der Mundschleimhaut (Aphthen), brüchige Nägel und Haarausfall,
- Kurzatmigkeit, Schluckbeschwerden und ein Restless-Legs-Syndrom.
Manche Betroffene haben laut IQWiG das starke Bedürfnis, auf Eiswürfeln zu kauen [2]. Zu den allgemeinen Zeichen einer Blutarmut zählt die Leitlinie außerdem einen schnellen Herzschlag, Schwindel und Brustenge (Angina pectoris); wie ausgeprägt die Beschwerden sind, hängt von der Schwere der Blutarmut und davon ab, wie schnell sie entstanden ist [1].
Fehlt über längere Zeit zu viel Eisen, arbeiten Zellen und Organe schlechter; es können Organschäden oder eine Herzschwäche entstehen, und man wird anfälliger für Infekte [2]. Eine Eisenmangel-Anämie in der Schwangerschaft erhöht laut IQWiG das Risiko für eine Frühgeburt oder ein Untergewicht des Neugeborenen. Bei Kleinkindern kann ein schwerer und anhaltender Eisenmangel zu Entwicklungsstörungen führen [2].
Ursachen und Risikofaktoren
Die häufigsten Ursachen sind laut IQWiG [2]:
- Blutverlust: zum Beispiel durch oft unbemerkte Blutungen im Magen-Darm-Trakt bei Geschwüren, Tumoren oder Entzündungen, durch starke Regelblutungen, Blutspenden oder Verletzungen.
- Geringe Eisenzufuhr: etwa bei sehr einseitiger Ernährung oder Essstörungen; auch bei vegetarischer oder veganer Ernährung kann es schwerer fallen, den Bedarf zu decken.
- Erhöhter Bedarf: vor allem in Schwangerschaft und Stillzeit, in Wachstumsphasen und bei Leistungssport.
- Verminderte Aufnahme: zum Beispiel bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder nach einer Magenoperation.
- Schlechte Eisenverwertung (funktioneller Eisenmangel), unter anderem bei Krebserkrankungen oder einer Niereninsuffizienz.
Bei Frauen ist laut Leitlinie der Eisenverlust durch die Regelblutung die wichtigste Ursache [1]. Als weitere Ursachen nennt sie unter anderem eine Entzündung der Speiseröhre durch Reflux, Geschwüre, Polypen, eine Gastritis mit Helicobacter pylori und eine Dauerbehandlung mit Mitteln gegen Sodbrennen (Antazida) [1].
Medikamente als Ursache: Unter Gerinnungshemmern zum Einnehmen (Blutverdünner), Acetylsalicylsäure oder entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) können laut Leitlinie auch sonst gesunde Menschen durch chronische Blutungen im Magen-Darm-Trakt einen Eisenmangel entwickeln [1]. Säureblocker für den Magen und Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure und Ibuprofen können laut IQWiG die Eisenaufnahme einschränken [2]. Mehr dazu: Protonenpumpenhemmer und Blutungen und Blutbildveränderungen durch Medikamente.
Diagnose
Einen Eisenmangel stellen Ärztinnen und Ärzte mit einer Blutuntersuchung fest. Beurteilt werden unter anderem, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind (Ferritin und Transferrin), wie groß die roten Blutkörperchen sind und wie viel Blutfarbstoff sie enthalten und wie viel Hämoglobin insgesamt im Blut ist [2]. Als ersten Laborwert empfiehlt die Leitlinie das Ferritin. Ein Ferritin unter 15 µg/l ist danach beweisend für einen Eisenmangel; es gibt laut Leitlinie einen zunehmenden Konsens, bei Erwachsenen 30 µg/l als untere Grenze zu verwenden [1]. Weil Ferritin bei Entzündungen, Krebs- und Lebererkrankungen ansteigt, kann es einen Eisenmangel verdecken [1].
Danach fragt die Ärztin oder der Arzt laut IQWiG nach möglichen Ursachen und untersucht Sie; falls nötig, wird mit einer Stuhlprobe oder einer Magen- oder Darmspiegelung nach Blutungen gesucht. Bei einer starken Regelblutung kann ein Besuch in einer frauenärztlichen Praxis sinnvoll sein [2]. Liegt keine andere eindeutige Ursache vor, muss laut Leitlinie immer eine Magen- und Darmspiegelung erfolgen, um eine chronische Blutung auszuschließen [1]. Zur Vorgeschichte gehören laut Leitlinie auch Fragen nach Ernährung, Blutungen, Medikamenten, Blutspenden und Menstruation [1]. Mehr dazu: Darmspiegelung und Abführlösung.
Behandlung ohne Medikamente
Wenn möglich, wird zuerst die Ursache behandelt [2, 3]. Die Leitlinie nennt dafür unter anderem frauenärztliche Maßnahmen bei sehr starker Regelblutung, die Behandlung einer Refluxkrankheit, das Entfernen von Polypen, die Behandlung von Hämorrhoiden oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, eine Umstellung bei streng vegetarischer oder veganer Ernährung und die Beseitigung von Helicobacter pylori [1].
Ein leichter Eisenmangel im Stadium 1 wird laut IQWiG in der Regel nicht mit Medikamenten behandelt; dann kann es ausreichen, sich eisenreicher zu ernähren [3]. Eisenreich sind laut IQWiG zum Beispiel Fleisch, Spinat, Linsen, Kichererbsen, Thunfisch, Haferflocken und Cashewkerne; Vitamin C fördert die Aufnahme [2]. Laut Leitlinie wird das Eisen aus Fleisch wesentlich besser aufgenommen als das aus Gemüse und Getreide; Gerbstoffe und Phytinsäure in Kaffee und schwarzem Tee gelten als Hemmstoffe [1]. Eine Ernährungsberatung kann laut IQWiG helfen [2].
Eisenpräparate vorbeugend einzunehmen, hat laut IQWiG in der Regel keine Vorteile; zu viel Eisen kann auch schaden. Sprechen Sie deshalb vor der Einnahme mit einer Ärztin oder einem Arzt [2].
Behandlung mit Medikamenten

Jeder Eisenmangel, der das Stadium der gestörten Blutbildung (Stadium 2) erreicht hat, ist laut Onkopedia-Leitlinie ein Grund für eine Eisengabe. Einen reinen Speichereisenmangel sollte man danach nur behandeln in der Schwangerschaft, bei Dialyse oder Hochleistungssport und wenn nach einer behandelten Eisenmangelanämie erneut ein Speichereisenmangel auftritt [1]. Laut IQWiG wird in Stadium 3 normalerweise mit Medikamenten behandelt, in Stadium 2 können Eisenpräparate bereits sinnvoll sein [3].
Nach Möglichkeit soll Eisen laut Leitlinie zum Einnehmen gegeben werden; zweiwertige Eisenpräparate sollten bevorzugt werden [1]. Auch laut IQWiG empfehlen Fachleute zunächst zweiwertige Präparate. Dreiwertige Präparate werden normalerweise erst angewendet, wenn jemand zum Beispiel zweiwertige nicht verträgt [3].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Zweiwertige Eisenpräparate zum Einnehmen (Vitamine, Mineralstoffe und Eisenpräparate) | Eisen(II)-sulfat [4] | Ersetzen das fehlende Eisen, das der Körper für Hämoglobin und zahlreiche Enzyme braucht [5]; sie geben das Eisen im Magen und im Zwölffingerdarm ab, wo es ins Blut gelangt [3] | Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten: Dunkelfärbung des Stuhls, nicht schädlich; gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100: Magen-Darm-Störungen und Verstopfung [4] |
| Eisen zur Infusion (Eisen(III)-Komplexe) | Mehr unter Eiseninfusion | Eisen-Kohlenhydrat-Komplexe werden vor allem in Leber und Milz aufgenommen; das freigesetzte Eisen wird gespeichert oder im Blut an Transferrin gebunden verteilt [1] | Möglich laut IQWiG: Reizungen an der Einstichstelle sowie meist schnell vorübergehend Kopf- oder Rückenschmerzen, Juckreiz, Hitzewallungen, metallischer Geschmack und Engegefühl in der Brust [3]; laut Rote-Hand-Brief vom Oktober 2013 schwere Überempfindlichkeitsreaktionen [7]; laut CMDh vom Juli 2020 bei Eisencarboxymaltose nach der Markteinführung ein zu niedriger Phosphatspiegel mit Knochenerweichung (Osteomalazie) [8] |
Eisentabletten richtig einnehmen
Eisen(II)-sulfat ist zur Behandlung von Eisenmangelzuständen zugelassen und als Tablette zum Einnehmen apothekenpflichtig [4, 5]. Laut Packungsbeilage nehmen Sie die Tabletten morgens nüchtern oder jeweils 1 Stunde vor den Mahlzeiten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit ein, damit keine Tablette stecken bleibt und die Schleimhaut schädigt [4]. Lutschen oder zerkauen Sie sie nicht und lassen Sie sie nicht länger im Mund, weil sonst Mundgeschwüre und Zahnverfärbungen entstehen können [4]. Getreide, Milch, Spinat, Rhabarber, Tee und Kaffee hemmen die Aufnahme von Eisen [4]. Laut IQWiG wird empfohlen, Eisenpräparate mit Wasser oder einem Glas Fruchtsaft wie Orangensaft einzunehmen, weil Vitamin C die Aufnahme verbessert [3].
Wie viel Eisen der Körper braucht, hängt laut Packungsbeilage vom Stadium des Eisenmangels ab; fragen Sie dazu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [4]. Die Mengen laut Packungsbeilage stehen auf der Seite Eisen(II)-sulfat. Grundsätzlich ist eine Eisenbehandlung laut Packungsbeilage über mindestens 8 Wochen nötig; nach Normalisierung des Hämoglobinwerts sollte noch 6 bis 8 Wochen weiterbehandelt werden, um die Eisenvorräte aufzufüllen [4]. Nicht eingenommen werden dürfen die Tabletten unter anderem bei einer Blutarmut durch Infektionen oder Krebserkrankungen ohne gleichzeitigen Eisenmangel, bei einer Anhäufung von Eisen im Körper und bei Eisenverwertungsstörungen [4].
Andere Arzneimittel: Eisensalze vermindern laut Packungsbeilage unter anderem die Aufnahme bestimmter Antibiotika (Tetracykline wie Doxycyclin), von Levodopa, Methyldopa, dem Schilddrüsenhormon Levothyroxin und Zink; die Aufnahme von Chinolon-Antibiotika wie Ciprofloxacin wird beeinflusst [4]. Antazida, Calcium-, Magnesium- und Zinkpräparate sowie Colestyramin vermindern die Eisenaufnahme; Eisentabletten sollten Sie nicht innerhalb von 2 bis 3 Stunden danach einnehmen [4]. Zusammen mit NSAR wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac kann die Reizung der Magen-Darm-Schleimhaut zunehmen [4]. Mehr dazu: Wechselwirkungen.
Kinder: Eisentabletten-ratiopharm 100 mg sind laut Packungsbeilage nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vorgesehen [4], die Tabletten mit 50 mg nicht für Kinder unter 25 kg Körpergewicht [6]. Bei Kindern wird die Dosis laut IQWiG an das Körpergewicht angepasst; von einer vorbeugenden Einnahme raten Fachleute ab, außer bei Frühgeborenen [3]. Mehr dazu: Medikamente bei Kindern.
Eisen als Infusion
Eisen-Infusionen sind laut IQWiG eine Möglichkeit, wenn Medikamente zum Einnehmen nicht infrage kommen, etwa weil man sie nicht verträgt oder nicht schlucken kann, der Eisenmangel sehr stark ist oder der Darm zu wenig Eisen aufnimmt [3]. Laut Leitlinie sollten Menschen intravenös behandelt werden, die zwei verschiedene Eisenpräparate zum Einnehmen nicht vertragen haben, eine gestörte Eisenaufnahme haben oder bei denen Tabletten nicht ausreichen oder nicht vertragen werden [1]. In Deutschland sind laut Leitlinie mehrere Eisen(III)-Komplexe zur Infusion zugelassen, darunter Eisencarboxymaltose, Eisen(III)-Derisomaltose und Eisen(III)-Hydroxid-Saccharose [1]. Bei einer schweren, lebensbedrohlichen Eisenmangel-Anämie ist laut IQWiG eine Bluttransfusion nötig, das ist aber sehr selten [3].
Alle Eisenpräparate zur Infusion können laut einem Rote-Hand-Brief vom Oktober 2013 schwere Überempfindlichkeitsreaktionen mit tödlichem Ausgang verursachen, auch wenn eine frühere Gabe vertragen wurde [7]. Ein höheres Risiko haben danach Menschen mit bekannten Allergien, mit immunologischen oder entzündlichen Erkrankungen wie Lupus oder rheumatoider Arthritis und mit schwerem Asthma, Ekzemen oder anderen Allergien in der Vorgeschichte. Eisen-Infusionen sollten nur gegeben werden, wenn geschultes Personal und eine Ausrüstung zur Wiederbelebung sofort verfügbar sind, und die Behandelten sollten während und mindestens 30 Minuten nach jeder Gabe sorgfältig überwacht werden [7].
Schwangerschaft
Bei Schwangeren werden die Eisenwerte laut IQWiG regelmäßig kontrolliert [2]. Eisentabletten sollten in der Schwangerschaft laut Packungsbeilage nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko und nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt eingenommen werden [4]. Eisen-Infusionen dürfen Schwangere laut IQWiG erst ab dem vierten Schwangerschaftsmonat bekommen [3]. Laut Rote-Hand-Brief sollten sie in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es zwingend erforderlich ist; die Behandlung sollte auf das zweite und dritte Schwangerschaftsdrittel begrenzt werden, sofern der Nutzen die möglichen Risiken für Mutter und Kind eindeutig überwiegt [7]. Mehr dazu: Eisen(II)-sulfat in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Eisentabletten: Eine Dunkelfärbung des Stuhls ist laut Packungsbeilage häufig und nicht schädlich. Gelegentlich treten Magen-Darm-Störungen und Verstopfung auf; eine Verstopfung kann durch ausgleichende Ernährung behoben werden. Selten kommt es zu Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hauterscheinungen [4]. Mundgeschwüre sind bei falscher Einnahme möglich, ebenso Geschwüre in Rachen und Speiseröhre oder, wenn eine Tablette in die Atemwege gelangt, in den Bronchien; wie häufig, ist nicht bekannt [4]. Wer Eisenpräparate schlecht verträgt, kann laut IQWiG in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt Lösungen finden, etwa ein anderes Präparat [3]. Mehr dazu: Magenbeschwerden.
Infusionen: Infusionen schonen laut IQWiG den Magen-Darm-Trakt; Nebenwirkungen sind Reizungen an der Einstichstelle und meist schnell vorübergehende Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Juckreiz, Hitzewallungen, metallischer Geschmack und ein Engegefühl in der Brust [3]. Laut einer Stellungnahme der europäischen Koordinierungsgruppe CMDh vom Juli 2020 wurde bei Eisencarboxymaltose nach der Markteinführung ein zu niedriger Phosphatspiegel mit Beschwerden beobachtet, der zu einer Erweichung der Knochen (Osteomalazie) und zu Knochenbrüchen führte und eine Behandlung einschließlich einer Operation erforderte. Einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Eisencarboxymaltose und dieser Knochenerweichung hielt die CMDh für zumindest denkbar und legte Ergänzungen der Produktinformationen von Eisencarboxymaltose fest [8]. Wer zunehmend müde ist und Muskel- oder Knochenschmerzen bekommt, sollte danach ärztliche Hilfe suchen; bei wiederholten höheren Dosen, bei Langzeitbehandlung und bei Risikofaktoren für einen niedrigen Phosphatspiegel ist eine Kontrolle des Phosphats angezeigt [8]. Wie häufig ein niedriger Phosphatspiegel laut den Fachinformationen der einzelnen Präparate ist und welche aktuellen Sicherheitsinformationen es gibt, steht auf der Seite Eiseninfusion. Mehr dazu: Osteoporose und Arzneimittelallergie.
Überdosierung: Für Kinder kann eine Überdosis besonders gefährlich sein; bewahren Sie Eisenpräparate kindersicher auf [2]. Bei Verdacht auf eine Überdosierung, insbesondere bei Kindern, ist laut Packungsbeilage unverzüglich eine Ärztin oder ein Arzt zu verständigen [4]. Zeichen einer Eisenvergiftung sind laut Fachinformation unter anderem Übelkeit, blutiges Erbrechen, Durchfälle und starke Magenschmerzen, in schweren Fällen Kreislaufkollaps und Schock; auch nach einer zwischenzeitlichen Besserung kann nach 12 bis 48 Stunden plötzlich ein Schock auftreten [5].
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab; auch bevor Sie Eisentabletten abbrechen, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [4]. Nebenwirkungen können Sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [4]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Eisenmangel
Ob die Behandlung wirkt, wird laut IQWiG mit mehreren Blutuntersuchungen geprüft [3]. Laut Leitlinie folgen Kontrollen alle 4 Wochen, bis der Hämoglobinwert normal ist; das Ferritin sollte frühestens 4 Wochen nach einer Infusion bestimmt werden, weil das Eisen im Blut die Werte vorher verfälscht. Als Ziel nennt die Leitlinie einen normalen Hämoglobinwert und ein Ferritin von 50 µg/l; danach sind je nach Grunderkrankung Kontrollen alle 3 Monate für etwa ein Jahr zu empfehlen [1].
Besonders gefährdet sind laut Leitlinie Blutspenderinnen und Blutspender; um ihr Risiko zu verringern, ist die Blutmenge, die innerhalb von 12 Monaten entnommen werden darf, laut Leitlinie gesetzlich begrenzt [1]. Halten Sie im Medikationsplan fest, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel Sie einnehmen; das hilft, Wechselwirkungen mit Eisen zu erkennen.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Starke, nicht stillbare Blutungen, starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden, schwere Atemnot und Bewusstlosigkeit sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [9]. Ist eine Eisentablette versehentlich in die Atemwege geraten, oder haben Sie danach, auch Tage oder Monate später, anhaltenden oder blutigen Husten oder Kurzatmigkeit, informieren Sie laut Packungsbeilage so schnell wie möglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; Sie müssen sofort untersucht werden [4].
Vor jeder Eisen-Infusion sollte die Ärztin oder der Arzt laut Rote-Hand-Brief über das Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion und ihre Zeichen aufklären; tritt eine solche Reaktion auf, begeben Sie sich sofort in ärztliche Behandlung [7]. Hat ein Kind Eisentabletten geschluckt, verständigen Sie unverzüglich eine Ärztin oder einen Arzt [4].
Quellen
- Leitlinie Onkopedia-Leitlinie Eisenmangel und Eisenmangelanämie (Kapitel 2 bis 4). Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) mit OeGHO, SGH und SGMO. Stand Stand April 2025. abgerufen am 17.10.2026
- Eisenmangel und Eisenmangel-Anämie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 19.04.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Wie lässt sich ein Eisenmangel behandeln?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 19.04.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Eisentabletten-ratiopharm 100 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 04/2021. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Eisentabletten-ratiopharm N 50 mg/100 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Eisentabletten-ratiopharm N 50 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 04/2021. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Verschärfte Empfehlungen bezüglich des Risikos schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen auf Eisen-Präparate zur intravenösen Applikation. Zulassungsinhaber intravenöser Eisenpräparate in Abstimmung mit EMA und BfArM (Archiv der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). Stand 10/2013. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde CMDh-Stellungnahme zum PSUR-Verfahren parenterale Eisenpräparate (außer Eisen-Dextran), Anhänge I bis III: hypophosphatämische Osteomalazie unter Eisen(III)-Carboxymaltose. Koordinierungsgruppe CMDh, Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 07/2020. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft gegen Eisenmangel?
Zuerst wird laut IQWiG wenn möglich die Ursache behoben, zum Beispiel eine Blutung oder eine einseitige Ernährung. Ein leichter Eisenmangel (Stadium 1) wird in der Regel nicht mit Medikamenten behandelt; dann kann eine eisenreichere Ernährung ausreichen. Bei einem stärkeren Mangel oder einer Blutarmut kommen Eisenpräparate als Tabletten, Tropfen oder Kapseln infrage, manchmal auch eine Infusion. Was für Sie passt, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Welche Eisenpräparate gibt es?
Laut IQWiG gibt es zweiwertige Eisenpräparate, die das Eisen im Magen und im Zwölffingerdarm freisetzen, und dreiwertige, die es langsamer freisetzen. Fachleute empfehlen zunächst zweiwertige Präparate wie Eisen(II)-sulfat; auch laut Onkopedia-Leitlinie sollten sie bevorzugt werden. Dreiwertige Präparate kommen laut IQWiG normalerweise erst infrage, wenn jemand zum Beispiel zweiwertige nicht verträgt. Außerdem kann Eisen als Infusion direkt ins Blut gegeben werden.
Wie nehme ich Eisentabletten richtig ein?
Laut Packungsbeilage von Eisentabletten-ratiopharm nehmen Sie die Tabletten morgens nüchtern oder 1 Stunde vor den Mahlzeiten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit ein und lutschen oder zerkauen sie nicht. Getreide, Milch, Spinat, Rhabarber, Tee und Kaffee hemmen die Aufnahme. Calcium-, Magnesium- und Zinkpräparate, Mittel gegen Sodbrennen (Antazida) und Colestyramin sollten Sie nicht in den 2 bis 3 Stunden vor den Eisentabletten einnehmen. Wie viel Sie einnehmen, steht auf der Seite Eisen(II)-sulfat.
Wie lange muss ich Eisen nehmen?
Die Dauer richtet sich laut Packungsbeilage von Eisentabletten-ratiopharm nach Art und Schwere der Erkrankung. Grundsätzlich ist eine Behandlung über mindestens 8 Wochen nötig; nach Normalisierung des Hämoglobinwerts sollte noch 6 bis 8 Wochen weiterbehandelt werden, um die Eisenspeicher aufzufüllen. Ob die Behandlung wirkt, prüft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Blutuntersuchungen.
Ist schwarzer Stuhl bei Eisentabletten normal?
Eine Dunkelfärbung des Stuhls ist laut Packungsbeilage von Eisentabletten-ratiopharm häufig, betrifft also bis zu 1 von 10 Behandelten, und ist nach der Einnahme von Eisen nicht schädlich. Laut Fachinformation entsteht sie durch schwarzes Eisensulfid. Mehr auf der Seite Eisen(II)-sulfat.
Wann ist eine Eiseninfusion nötig?
Eisen-Infusionen sind laut IQWiG eine Möglichkeit, wenn Tabletten nicht vertragen oder nicht geschluckt werden können, der Mangel sehr stark ist oder der Darm zu wenig Eisen aufnimmt. Laut Onkopedia-Leitlinie sollten Menschen intravenös behandelt werden, die zwei verschiedene Eisenpräparate zum Einnehmen nicht vertragen haben, bei denen die Aufnahme gestört ist oder bei denen Tabletten nicht ausreichen. Weil schwere Überempfindlichkeitsreaktionen möglich sind, sollten Sie laut Rote-Hand-Brief vom Oktober 2013 während und mindestens 30 Minuten nach jeder Infusion überwacht werden. Mehr dazu: Eiseninfusion.
Kann ich Eisentabletten vorbeugend nehmen?
Eisenpräparate vorbeugend einzunehmen, hat laut IQWiG in der Regel keine Vorteile; zu viel Eisen kann auch schaden. Sprechen Sie deshalb vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nehmen Sie zusätzlich eisenhaltige Nahrungsergänzungsmittel, sollten Sie das laut Packungsbeilage wegen des Risikos einer Überdosierung vorher ärztlich besprechen. Bei Kindern raten Fachleute laut IQWiG von einer vorbeugenden Einnahme ab, außer bei Frühgeborenen.
Können Medikamente einen Eisenmangel auslösen?
Ja. Unter Gerinnungshemmern zum Einnehmen, Acetylsalicylsäure oder entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) können laut Onkopedia-Leitlinie auch sonst gesunde Menschen durch chronische Blutungen im Magen-Darm-Trakt einen Eisenmangel entwickeln. Säureblocker für den Magen können laut IQWiG die Eisenaufnahme einschränken. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu: Blutungen und Blutbildveränderungen durch Medikamente.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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