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Morbus Crohn
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, bei der oft der Bereich entzündet ist, an dem der Dünndarm in den Dickdarm mündet; es können aber auch andere Stellen des Verdauungstrakts betroffen sein. Laut S3-Leitlinie der DGVS (Version 4.1 von 2024) soll bei leichter Entzündung in diesem Bereich und/oder im rechten Dickdarm zunächst Budesonid gegeben werden, bei hoher Entzündungsaktivität Kortison, das im ganzen Körper wirkt (jeweils Empfehlungsgrad A); zur Remissionserhaltung sollten danach je nach dem Mittel, das den Schub beendet hat, und der Vorgeschichte unter anderem Thiopurine, Methotrexat, Biologika oder Upadacitinib eingesetzt werden (Empfehlung). Wer raucht, soll laut Leitlinie zum Rauchstopp motiviert werden (Empfehlungsgrad A), und ein Darmverschluss ist laut IQWiG ein medizinischer Notfall.

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Typische Beschwerden sind Durchfälle und Bauchschmerzen; bei vielen Menschen verläuft die Erkrankung in Schüben [1]. Laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) soll ein leichter Schub im Übergang vom Dünn- zum Dickdarm und/oder im rechten Dickdarm zunächst mit Budesonid behandelt werden, bei hoher Entzündungsaktivität in diesem Bereich mit Kortison, das im ganzen Körper wirkt (jeweils Empfehlungsgrad A) [4]. Danach kommen Immunsuppressiva, Biologika und Small Molecules infrage [2, 4].
Was ist Morbus Crohn?
Morbus Crohn gehört wie die Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Bei Morbus Crohn ist laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) oft der Bereich entzündet, an dem der Dünndarm in den Dickdarm mündet. Es können aber auch mehrere Entzündungsherde entstehen, die weit voneinander entfernt im Magen-Darm-Trakt liegen, etwa im Dünn- oder Dickdarm und am After; seltener sind Magen oder Speiseröhre betroffen [1]. Fachleute gehen in Deutschland von etwa 250.000 Betroffenen aus. Am häufigsten wird die Erkrankung zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr festgestellt, Männer und Frauen sind gleich oft betroffen [1].
Durch die Entzündung kann das Gewebe im betroffenen Darmabschnitt dicker werden, es können Engstellen entstehen. Typisch sind außerdem Fisteln, also Gänge zwischen Organen oder zwischen einem Organ und der Haut, vor allem Analfisteln; Fachleute schätzen, dass sie bei ungefähr 25 bis 50 Prozent der Erkrankten entstehen [1]. Im Analbereich sind auch tiefe Risse (Analfissuren) und Abszesse möglich [1].
Symptome
Während eines Schubs kommt es laut IQWiG vor allem zu Bauchschmerzen und Durchfall. Der Stuhl ist eher breiig, teilweise schleimig; sichtbares Blut ist in der Regel nicht dabei. Viele Betroffene verlieren an Gewicht, sind oft müde, blass und abgeschlagen, manche haben Fieber [1]. Fisteln oder tiefe Risse am After können starke Schmerzen auslösen [1].
Bei bis zu 40 Prozent der Betroffenen treten laut IQWiG Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts auf, vor allem schmerzhafte Knoten in der Haut, aber auch Sehstörungen, Gelenkschmerzen oder eine schmerzhafte Augenrötung [1]. Weil Nährstoffe oft schlechter aufgenommen werden, hat etwa ein Drittel der Betroffenen eine Blutarmut und einen Vitamin-B12-Mangel; auch ein Vitamin-D-Mangel kommt häufig vor [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Welche Ursachen Morbus Crohn hat, ist laut IQWiG unklar. Fachleute gehen unter anderem von einer erblichen Veranlagung aus, die die Darmschleimhaut durchlässiger für Bakterien macht, und von einer ungünstigen Zusammensetzung der Darmflora. Dazu könnte es zum Beispiel durch eine Ernährung mit wenig Gemüse und vielen hochverarbeiteten Lebensmitteln oder durch die Einnahme von Antibiotika kommen. Wahrscheinlich lösen zusätzlich Störungen im Immunsystem die Entzündung aus [1]. Wer raucht oder häufig den Zigarettenrauch anderer einatmet, hat ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf und Rückfälle trotz Behandlung [1].
Belastende Lebensereignisse, psychologischer Stress und psychische Störungen sind laut Leitlinie nicht ursächlich für die Entstehung einer CED (Statement, Evidenzlevel 2) [4]. Welche Medikamente Durchfall als Nebenwirkung nennen, steht auf der Seite Durchfall durch Medikamente.
Diagnose
Die Diagnose soll laut Leitlinie durch das Erscheinungsbild, den Verlauf und eine Kombination aus Darmspiegelung, Gewebeuntersuchung, bildgebenden Verfahren und Laborwerten gestellt werden (starke Empfehlung). Die Krankengeschichte sollte unter anderem Reisen, Rauchen, Erkrankungen in der Familie, den Impfstatus und eingenommene Medikamente erfassen, insbesondere Antibiotika und nichtsteroidale Antirheumatika (Empfehlung) [4]. Eine Darminfektion sollte bei der ersten Diagnostik und bei einem Schub ausgeschlossen werden (Empfehlung). Ein genetischer Test oder bestimmte Antikörper-Bluttests sollen für die Diagnose nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [4].
In der Regel machen Ärztinnen und Ärzte laut IQWiG eine Darm- und eine Magenspiegelung und entnehmen Gewebeproben. Den übrigen Dünndarm untersuchen sie vor allem mit Ultraschall und MRT, wenn nötig auch mit einer Kapsel mit Minikamera, die man schluckt [1]. Zur Abgrenzung von einer funktionellen Störung wie dem Reizdarm sollte laut Leitlinie der Entzündungswert Calprotectin im Stuhl gemessen werden (Empfehlung) [4].
Behandlung ohne Medikamente

Rauchstopp: Menschen mit Morbus Crohn, die rauchen, sollen laut Leitlinie zum Verzicht auf Tabak motiviert werden (Empfehlungsgrad A) [4]. Hilfe dazu gibt es unter Rauchen aufhören.
Ernährung: Sofern keine besondere Krankheitssituation vorliegt, sollten Menschen mit Morbus Crohn wie Gesunde eine vollwertige Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse zu sich nehmen (Empfehlungsgrad B). Je nach Beschwerden, Krankheitssituation und Ernährungszustand sollten eine Ernährungsberatung und gegebenenfalls eine individuelle Ernährungstherapie durch Fachkräfte erfolgen (Empfehlung) [4]. Bei Erwachsenen kann eine ausschließliche Ernährung mit Trinknahrung oder Sonde im Schub eingesetzt werden, wenn die empfohlenen Medikamente nicht oder schlecht vertragen oder abgelehnt werden (Empfehlung offen) [4]. Bei Kindern und Jugendlichen soll sie laut Leitlinie zur Behandlung eines Schubs zuerst statt Kortison eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [4]. Probiotika sollten laut Leitlinie in der Therapie des Morbus Crohn nicht empfohlen werden (Empfehlung) [4].
Bewegung und Psyche: Fachleute empfehlen laut IQWiG, die Ausdauer zu trainieren und Muskeln mit Krafttraining wieder aufzubauen, vor allem nach einer Gewichtsabnahme [2]. Bei psychischen Belastungen sollte die Behandlung laut Leitlinie in Zusammenarbeit mit Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erfolgen (Empfehlungsgrad B); bei psychischen Störungen soll eine leitliniengerechte Psychotherapie oder Behandlung mit Psychopharmaka erfolgen (Empfehlungsgrad A). Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sollten auf Selbsthilfegruppen hinweisen (Empfehlung) [4]. Begleitende Akupunktur kann bei leichtem bis mäßigem Schub erwogen werden (Empfehlung offen); Alternativtherapien anstelle einer evidenzgesicherten Therapie sollen abgelehnt werden (Empfehlungsgrad A) [4].
Operation: Vor der Einleitung einer Therapie mit Immunsuppressiva oder Biologika sollte laut Leitlinie eine Operation als Alternative geprüft werden (Empfehlungsgrad B) [4]. Ist nur der Übergang vom Dünn- zum Dickdarm befallen, besteht die Erkrankung erst kurz und spricht sie nicht auf Kortison an, ist die Entfernung dieses Abschnitts (Ileozökalresektion) laut Leitlinie einer Behandlung mit Infliximab gleichwertig (Statement) [4]. Kurze Engstellen können laut IQWiG auch während einer besonderen Darmspiegelung mit einem Ballon aufgedehnt werden [2]. Geheilt ist der Morbus Crohn durch eine Operation nicht; er kann an anderer Stelle wieder auftreten [2].
Behandlung mit Medikamenten
Vor Beginn oder Änderung der Medikamente sollte die Entzündungsaktivität laut Leitlinie objektiv nachgewiesen werden (Empfehlung). Bei anhaltender oder erneuter Aktivität sollte die bisherige Therapie zuerst optimiert werden, etwa durch Prüfung der regelmäßigen Einnahme und der Dosis (Empfehlung) [4].
Akuter Schub: Mesalazin wird laut Leitlinie zur Behandlung eines milden akuten Schubs häufig eingesetzt; wegen uneinheitlicher Studienergebnisse und geringer klinischer Wirksamkeit kann der Einsatz aber nicht mit ausreichender Evidenz empfohlen werden (Empfehlung offen) [4]. Bei Befall des Übergangs vom Dünn- zum Dickdarm und/oder des rechten Dickdarms und leichter Entzündungsaktivität soll zunächst Budesonid gegeben werden, bei hoher Entzündungsaktivität systemisch wirkendes Kortison (jeweils Empfehlungsgrad A). Auch eine aktive Entzündung des Dickdarms bei Morbus Crohn soll zunächst mit systemischem Kortison behandelt werden (starke Empfehlung) [4]. Für Morbus Crohn im oberen Magen-Darm-Trakt sind Budesonid-Kapseln laut Packungsbeilage nicht geeignet [5].
Wenn Kortison nicht wirkt oder nicht verzichtbar ist: Ein steroidrefraktärer Morbus Crohn mit mittlerer bis hoher Krankheitsaktivität sollte laut Leitlinie primär mit TNF-alpha-Antikörpern (bei Infliximab ist die Kombination mit Thiopurinen zu erwägen), Risankizumab, Upadacitinib, Ustekinumab oder Vedolizumab behandelt werden (Empfehlung, Evidenzgrad 3). Menschen mit steroidabhängigem Morbus Crohn sollten mit Thiopurinen, Methotrexat oder einem dieser Mittel behandelt werden (Empfehlung, Evidenzgrad 3) [4]. Die Leitlinie reiht die Mittel alphabetisch, ohne Rangfolge [4]. Aus Studien lässt sich laut IQWiG nicht klar ableiten, ob einer dieser Wirkstoffe besser hilft als andere [2]. Guselkumab ist laut Fachinformation ebenfalls für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn zugelassen, wenn eine herkömmliche Behandlung oder Biologika nicht ausreichend wirken, nicht mehr wirken oder nicht vertragen werden; die Leitlinie (Version 4.1 von 2024) nennt es noch nicht. Sehr häufig sind danach Infektionen der Atemwege [17].
Remissionserhaltung: Nach einem Schub sollte laut Leitlinie je nach dem Mittel, das den Schub beendet hat, und der Vorgeschichte eine remissionserhaltende Therapie mit Azathioprin oder 6-Mercaptopurin, Methotrexat, Risankizumab, TNF-alpha-Antikörpern, Upadacitinib, Ustekinumab oder Vedolizumab erfolgen (Empfehlung). Systemisches Kortison soll nicht zur Remissionserhaltung eingesetzt werden (starke Empfehlung) [4]. Nach Einschätzung von Fachleuten brauchen Menschen, die bisher nur einen leichten Schub hatten, laut IQWiG nach dem Abklingen keine weitere Behandlung [2]. Bei Azathioprin und TNF-alpha-Antikörpern gleichzeitig sollte nach Erreichen einer stabilen Remission wegen der höheren Nebenwirkungsrate eine Behandlung mit nur einem der beiden Mittel angestrebt werden (Empfehlung) [4].
Fisteln: Vor einer medikamentösen Behandlung sollen Abszesse am After ausgeschlossen oder abgeleitet werden (Empfehlungsgrad A). Bei komplexen Fisteln am After sollte danach Infliximab als primäre Therapie eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B); nachrangig können Adalimumab, Upadacitinib, Ustekinumab und Vedolizumab verwendet werden (Empfehlung offen). Antibiotika können zur kurzfristigen Besserung der akuten Beschwerden eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0) [4]. Eine absondernde Fistel sollte mit einem Faden abgeleitet werden (Empfehlung), damit Wundflüssigkeit und Eiter ablaufen können [2, 4].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Glucocorticoide mit vorwiegend örtlicher Wirkung | Budesonid (Kapseln) [5] | Kortison mit hoher örtlicher entzündungshemmender Wirkung, das laut Fachinformation hauptsächlich über Angriffspunkte im Darm wirkt [6] | Häufig: Zeichen eines Cushing-Syndroms wie Vollmondgesicht, Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, erhöhtes Infektionsrisiko, Muskel- und Gelenkschmerzen, Osteoporose, Kopfschmerzen, Stimmungsänderungen, Hautausschlag [5, 6] |
| Glucocorticoide mit Wirkung im ganzen Körper | Prednisolon [7] | In höheren Dosen als zum Hormonersatz rasch entzündungshemmend und verzögert abwehrdämpfend (immunsuppressiv) [8] | Häufigkeit laut Fachinformation nicht angebbar, stark abhängig von Dosis und Dauer; unter anderem Verschleierung und Verschlimmerung von Infektionen, Cushing-Syndrom, erhöhter Blutzucker, Bluthochdruck, Osteoporose, Stimmungsschwankungen [7, 8] |
| Thiopurine (Immunsuppressiva) | Azathioprin [9] | Vorstufe von 6-Mercaptopurin; hemmt Vermehrung und Aktivität bestimmter Abwehrzellen (B- und T-Lymphozyten); die Wirkung kann erst nach mehreren Wochen oder Monaten erkennbar sein [10] | Sehr häufig: Unterdrückung der Knochenmarkfunktion, zu wenige weiße Blutkörperchen; häufig: zu wenige Blutplättchen, laut Fachinformation auch Übelkeit, bisweilen mit Erbrechen [9, 10] |
| Folsäure-Antagonisten (Immunsuppressiva) | Methotrexat (Fertigspritze) [11] | Hemmt das Enzym Dihydrofolat-Reduktase und damit die Bildung von Erbsubstanz; ob die Wirkung bei Morbus Crohn auf einer Entzündungshemmung oder einer Unterdrückung des Immunsystems beruht, ist nicht geklärt [11] | Laut Fachinformation der Fertigspritze sehr häufig: Entzündung der Mundschleimhaut, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, auffällige Leberwerte; häufig unter anderem zu wenige weiße Blutkörperchen und Blutplättchen, Blutarmut, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Lungenentzündung [11] |
| TNF-alpha-Antikörper (Biologika) | Adalimumab [12], Infliximab [13] | Binden den Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF alpha) und hemmen seine Wirkung [12, 13] | Adalimumab sehr häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle, Atemwegsinfektionen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Hautausschlag, Schmerzen in Muskeln und Knochen [12]. Infliximab sehr häufig: Magenschmerzen, Übelkeit, Virusinfektionen, Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen, Reaktionen auf die Infusion, Schmerzen [13] |
| Integrin-Antikörper (Biologika) | Vedolizumab [14] | Bindet an das Alpha-4-Beta-7-Integrin auf bestimmten weißen Blutkörperchen und hemmt ihre Anheftung an die Blutgefäße des Darms; wirkt laut Fachinformation selektiv im Magen-Darm-Trakt [14] | Sehr häufig: Erkältung, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen [14] |
| Interleukin-Antikörper (Biologika) | Ustekinumab [15], Risankizumab [16] | Ustekinumab bindet an die gemeinsame Untereinheit der Botenstoffe Interleukin-12 und Interleukin-23; Risankizumab bindet gezielt Interleukin-23 und hemmt so die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe [15, 16] | Ustekinumab häufig unter anderem: Infektionen von Nase und Hals, Nasennebenhöhlenentzündung, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Durchfall, Übelkeit [15]. Risankizumab sehr häufig: Infektionen der oberen Atemwege [16] |
| JAK-Hemmer (Small Molecules) | Upadacitinib [18] | Hemmt Enzyme in den Zellen (Januskinasen), die Signale von Entzündungsbotenstoffen weiterleiten [18] | Sehr häufig: Infektionen von Nase und Rachen; Akne laut Packungsbeilage sehr häufig, in den Studien zu Morbus Crohn laut Fachinformation häufig; häufig unter anderem Lungenentzündung, Gürtelrose, Fieber, Kopfschmerzen, Blutarmut, erhöhte Cholesterin- und Leberwerte [18] |
Sehr häufig heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig: bei bis zu 1 von 10 [5, 9]. Die Häufigkeiten gelten nur für den Wirkstoff, bei dem sie stehen; alle Nebenwirkungen stehen auf den Wirkstoffseiten. Methotrexat als Fertigspritze ist laut Fachinformation für leichten bis mittelschweren Morbus Crohn bei Erwachsenen zugelassen, allein oder zusammen mit Kortikosteroiden, wenn sie auf Thiopurine nicht ansprechen oder diese nicht vertragen [11]. Die Dosierung legt die Ärztin oder der Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen im Abschnitt Dosierung der Wirkstoffseiten, etwa bei Azathioprin.
Schmerzmittel
Im akuten Schub und bei chronisch aktivem Verlauf kann laut Leitlinie bei anhaltenden Bauchschmerzen trotz entzündungshemmender Behandlung eine Schmerzbehandlung mit Paracetamol, Metamizol, krampflösenden Mitteln oder gegebenenfalls Opioiden durchgeführt werden (Empfehlung offen); eine Dauertherapie mit Opioiden sollte vermieden werden (Empfehlungsgrad B). Unselektive nichtsteroidale Antirheumatika sollten bei CED nicht eingesetzt werden (Empfehlung) [4]. Laut IQWiG könnten NSAR wie Ibuprofen die Beschwerden verschlechtern [2]. Nach einem Rote-Hand-Brief zu Metamizol vom 9. Dezember 2024 können Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und schmerzhafte Schleimhautveränderungen, besonders in Mund, Nase, Rachen, Genital- oder Analbereich, frühe Zeichen einer Agranulozytose sein (starker Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen); wer sie während oder kurz nach der Behandlung bemerkt, muss die Behandlung danach abbrechen und sofort ärztliche Hilfe suchen [25]. Ein Brief vom 15. Dezember 2020 betrifft Leberschäden unter Metamizol [26].
Schwangerschaft und Stillzeit
Vor einer geplanten Schwangerschaft soll laut Leitlinie eine Remission angestrebt werden (starke Empfehlung). Akute Schübe in der Schwangerschaft sollten ohne Verzögerung behandelt werden; die bevorzugten Mittel sind danach Steroide oder TNF-alpha-Antikörper, alternativ können Vedolizumab oder Ustekinumab eingesetzt werden. Eine stabile Behandlung mit Azathioprin und/oder TNF-alpha-Antikörpern sollte fortgeführt werden (Empfehlung/Empfehlung offen, Evidenzgrad 3) [4]. Methotrexat soll vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden (starke Empfehlung); Methotrexat und Upadacitinib sollen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, eine Fortführung von Risankizumab kann wegen der begrenzten Daten nicht empfohlen werden (starke Empfehlung/Empfehlung offen) [4].
Unter den Mitteln der Wahl nennt Embryotox (Charité Berlin) die intensiv untersuchten 5-ASA-Präparate; unter den Immunmodulatoren ist danach Azathioprin am besten untersucht, und TNF-alpha-Hemmer gehören zu den Immunsuppressiva der Wahl, wenn ihr Einsatz indiziert oder notwendig ist. Glukokortikoide sind in allen Phasen der Schwangerschaft erlaubt [23]. Methotrexat und JAK-Hemmer sollten laut Embryotox schon vor der Empfängnis abgesetzt und umgestellt werden [23]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Steroide und Biologika sollten laut Leitlinie in der Stillzeit indikationsgerecht fortgeführt werden (Empfehlung) [4]. Nach einem Rote-Hand-Brief vom 7. März 2022 sollten Säuglinge, die im Mutterleib Infliximab ausgesetzt waren, bis 12 Monate nach der Geburt keine Lebendimpfstoffe wie den BCG-Impfstoff erhalten; ein früherer Zeitpunkt kommt danach nur bei eindeutigem Nutzen in Betracht, wenn kein Infliximab im Blut des Säuglings nachweisbar ist oder die Behandlung auf das erste Schwangerschaftsdrittel beschränkt war. Bei Säuglingen, die gestillt werden, während die Mutter Infliximab erhält, wird die Anwendung von Lebendimpfstoffen danach nicht empfohlen, außer bei ihnen ist kein Infliximab im Blut nachweisbar [21]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Infektionen: Weil Immunsuppressiva, Biologika und Small Molecules in das Immunsystem eingreifen, sind Infektionen laut IQWiG wahrscheinlicher und mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden, vor allem bei älteren oder geschwächten Menschen. Vor der Behandlung wird deshalb mit Bluttests geprüft, ob eine schlummernde Infektion wie eine Tuberkulose vorliegt; wenn nötig, werden Impfungen nachgeholt [2]. Ältere Menschen sollen laut Leitlinie bei jeder immunsuppressiven Therapie sorgfältig informiert und überwacht werden (starke Empfehlung) [4]. Treten unter Infliximab Anzeichen einer Infektion wie Fieber, anhaltender Husten, Gewichtsverlust oder nächtliches Schwitzen auf, teilen Sie das laut Packungsbeilage sofort Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit [13]. Mehr dazu: Infektanfälligkeit durch Medikamente.
Haut: Wegen des erhöhten Risikos für hellen Hautkrebs unter Thiopurinen und eines nicht auszuschließenden Risikos für Melanome unter TNF-alpha-Antikörpern sollte laut Leitlinie regelmäßig eine Hautkrebs-Vorsorge erfolgen (Empfehlungsgrad B) [4]. Unter Azathioprin sollten Sie laut Packungsbeilage unnötige Sonne und UV-Licht meiden und Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden [9].
Methotrexat: Ein Rote-Hand-Brief vom 25. November 2019 warnt vor Dosierungsfehlern mit schwerwiegenden, auch tödlichen Folgen, wenn Methotrexat bei Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn täglich statt wie vorgesehen einmal wöchentlich angewendet wurde [20]. Trockener Reizhusten, Kurzatmigkeit und Fieber können laut Fachinformation auf eine möglicherweise schwere Lungenschädigung (interstitielle Pneumonitis) hinweisen [11]. Mehr dazu: Atemnot und Leberwerte.
JAK-Hemmer: Nach einem Rote-Hand-Brief vom 17. März 2023 sollten Januskinase-Hemmer bei Menschen ab 65 Jahren, Rauchern und ehemaligen Langzeitrauchern sowie bei anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs nur angewendet werden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen [19]. Auch laut Leitlinie sollten sie bei diesen Menschen nur dann eingesetzt werden; bei Nachweis eines Blutgerinnsels in den Venen sollten sie abgesetzt werden (Empfehlung, Evidenzgrad 2) [4].
Kortison: Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Knochenprobleme, Infektanfälligkeit und Gewichtszunahme werden laut IQWiG wahrscheinlicher, meist erst bei längerer Anwendung [2]. Nach einer Risikoinformation des BfArM vom 14. Juni 2017 sind verschwommenes Sehen und eine bestimmte Erkrankung der Netzhaut (zentrale seröse Chorioretinopathie) laut der europäischen Koordinierungsgruppe CMDh ein Problem der gesamten Gruppe der Kortikosteroide [22]. Wer längerfristig systemisches Kortison erhält oder erhielt oder bei chronisch aktiver Erkrankung unzureichend behandelt ist, soll laut Leitlinie eine Knochendichtemessung bekommen (Empfehlungsgrad A) [4]. Mehr dazu: Osteoporose durch Medikamente.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Morbus Crohn
Blut, Vitamine und Knochen: Bei Befall oder nach Entfernung des letzten Dünndarmabschnitts (terminales Ileum) sollte der Vitamin-B12-Spiegel laut Leitlinie mindestens jährlich kontrolliert werden (Empfehlungsgrad B). Bei nachgewiesener Blutarmut durch Eisenmangel soll Eisen ersetzt werden (Empfehlungsgrad A), über die Vene bei fehlendem Ansprechen auf Eisen zum Einnehmen, bei mittelschwerer oder schwerer Blutarmut oder aktiver CED (Empfehlungsgrad A) [4]. In Risikosituationen wie Kortisonbehandlung sollte der Vitamin-D-Spiegel gemessen werden (Empfehlung) [4]. Mehr dazu: Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel und Vitamin-D-Mangel.
Darmkrebs: Das Risiko für Darmkrebs ist laut IQWiG erhöht; es ist zum Beispiel gering, wenn der Dickdarm gar nicht befallen ist. Bei langjährig bekanntem Morbus Crohn wird eine regelmäßige Darmspiegelung zur Früherkennung empfohlen, zum Beispiel alle drei Jahre [1]. Eine spezielle Überwachung sollte laut Leitlinie nur bei Befall des Dickdarms erfolgen (Empfehlung) [4].
Alltag: Manche informieren sich laut IQWiG vor Ausflügen über öffentliche Toiletten oder buchen im Zug einen Platz in Toilettennähe. Wer im Alltag eingeschränkt ist, kann einen Grad der Behinderung feststellen lassen und damit unter anderem den Euroschlüssel für viele Behindertentoiletten in Europa bekommen [3]. Eine Medikamentenliste kann helfen, an alle Mittel zu denken, auch an Spritzen und Pens [3]; dafür eignet sich der Medikationsplan. Bei Oxalat-Nierensteinen sollte laut Leitlinie oxalatarm gegessen werden (Empfehlungsgrad B) [4]; mehr dazu unter Nierensteine.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Engstellen im Darm erschweren laut IQWiG das Durchgleiten des Darminhalts und führen zu Schmerzen, Übelkeit und Krämpfen. Ein Darmverschluss kann die Folge sein; das ist ein medizinischer Notfall, der operativ behandelt werden muss [1]. Abszesse sind schmerzhafte, mit Eiter gefüllte Schwellungen, etwa im Analbereich [1]. Akute Bauchschmerzen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Starke, nicht stillbare Blutungen, Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung und akute und anhaltende stärkste Schmerzen sind Fälle für den Notruf 112 [24].
Quellen
- Morbus Crohn. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.03.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Wie wird Morbus Crohn bei Erwachsenen behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.03.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Leben und Alltag mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.03.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn, Version 4.1 (AWMF-Register-Nr. 021-004), digitale Fassung mit Empfehlungen 3.1 bis 9.33. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Stand 03/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Budesonid-ratiopharm 3 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 07/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Budesonid-ratiopharm 3 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azathioprin STADA 25 mg/50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Azathioprin STADA 25 mg/50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation metex 50 mg/ml Injektionslösung, Fertigspritze. medac Gesellschaft für klinische Spezialpräparate mbH. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Humira (Adalimumab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025 (EMA, aktualisiert am 08.10.2025). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Remicade (Infliximab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 12/2025 (EMA, aktualisiert am 15.12.2025). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Entyvio (Vedolizumab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Takeda Pharma A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026 (EMA, aktualisiert am 03.03.2026). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Stelara (Ustekinumab), Anhang I: Fachinformationen und Anhang III B: Packungsbeilagen. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026 (EMA, aktualisiert am 16.10.2026). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Skyrizi (Risankizumab), Anhang I: Fachinformationen und Anhang III B: Packungsbeilagen. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026 (EMA, aktualisiert am 11.09.2026). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Tremfya (Guselkumab), Anhang I: Fachinformationen und Anhang III B: Packungsbeilagen. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026 (EMA, aktualisiert am 23.03.2026). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Rinvoq (Upadacitinib), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026 (EMA, aktualisiert am 13.10.2026). abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Januskinase-Inhibitoren (Cibinqo, Jyseleca, Olumiant, Rinvoq, Xeljanz): Aktualisierte Empfehlungen zur Minimierung der Risiken. AbbVie, Galapagos, Lilly und Pfizer in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 17.03.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Methotrexat: Neue Maßnahmen zur Vermeidung von Dosierungsfehlern mit potenziell tödlichen Folgen bei der Anwendung von Methotrexat bei Autoimmunerkrankungen. Zulassungsinhaber methotrexathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 25.11.2019. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Infliximab (Remicade, Flixabi, Inflectra, Remsima, Zessly): Anwendung von Lebendimpfstoffen bei Säuglingen, die in utero oder über das Stillen exponiert waren. Zulassungsinhaber Infliximab-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und Paul-Ehrlich-Institut (Archiv der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). Stand 07.03.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Kortikosteroide: Nebenwirkungen am Auge (Risikoinformation). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 14.06.2017. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu metamizolhaltigen Arzneimitteln: Wichtige Maßnahmen zur Minimierung der schwerwiegenden Folgen des bekannten Risikos für Agranulozytose. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 09.12.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Metamizol: Risiko für arzneimittelbedingten Leberschaden. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 15.12.2020. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen bei Morbus Crohn?
Das hängt laut S3-Leitlinie der DGVS davon ab, wo der Darm entzündet ist und wie stark. Bei leichter Entzündung im Übergang vom Dünn- zum Dickdarm und/oder im rechten Dickdarm soll zunächst Budesonid gegeben werden, bei hoher Entzündungsaktivität systemisch wirkendes Kortison (jeweils Empfehlungsgrad A). Ein Schub mit mittlerer bis hoher Aktivität, der nicht auf Kortison anspricht, sollte primär mit TNF-alpha-Antikörpern, Risankizumab, Upadacitinib, Ustekinumab oder Vedolizumab behandelt werden; Menschen mit steroidabhängigem Verlauf sollten mit Thiopurinen wie Azathioprin, Methotrexat oder einem dieser Mittel behandelt werden (jeweils Empfehlung). Welches Mittel infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Hilft Mesalazin bei Morbus Crohn?
Mesalazin wird laut Leitlinie zur Behandlung eines milden akuten Schubs häufig eingesetzt. Wegen uneinheitlicher Studienergebnisse und geringer klinischer Wirksamkeit kann der Einsatz aber nicht mit ausreichender Evidenz empfohlen werden (Empfehlung offen). Auch laut IQWiG ist unklar, wie gut Mesalazin bei Morbus Crohn wirkt; Fachleute empfehlen danach eher die anderen Mittel. Mehr auf der Seite Mesalazin.
Warum ist Rauchen bei Morbus Crohn so wichtig?
Wer raucht oder häufig den Rauch anderer einatmet, hat laut IQWiG ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf und Rückfälle trotz Behandlung. Die Leitlinie sieht vor, dass Menschen mit Morbus Crohn, die rauchen, zum Verzicht auf Tabak motiviert werden sollen (Empfehlungsgrad A). Unterstützung finden Sie auf der Seite Rauchen aufhören.
Welche Schmerzmittel darf ich bei Morbus Crohn nehmen?
Im akuten Schub und bei chronisch aktivem Verlauf kann laut Leitlinie bei anhaltenden Bauchschmerzen trotz entzündungshemmender Behandlung eine Schmerzbehandlung mit Paracetamol, Metamizol, krampflösenden Mitteln oder gegebenenfalls Opioiden durchgeführt werden (Empfehlung offen); eine Dauertherapie mit Opioiden sollte vermieden werden (Empfehlungsgrad B). Unselektive nichtsteroidale Antirheumatika sollten laut Leitlinie bei CED nicht eingesetzt werden (Empfehlung); laut IQWiG könnten NSAR wie Ibuprofen die Beschwerden verschlechtern. Welche Mittel für Sie passen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann ist bei Morbus Crohn eine Operation nötig?
Laut IQWiG kommt eine Operation zum Beispiel infrage, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen, man sie nicht verträgt, bei Komplikationen wie Fisteln, Engstellen oder einem Darmverschluss und wenn Darmkrebs-Vorstufen entdeckt wurden. Vor der Einleitung einer Therapie mit Immunsuppressiva oder Biologika sollte laut Leitlinie eine Operation als Alternative geprüft werden (Empfehlungsgrad B). Geheilt ist der Morbus Crohn nach einer Operation laut IQWiG nicht, er kann an anderer Stelle wieder auftreten.
Kann ich mit Morbus Crohn schwanger werden?
Vor einer geplanten Schwangerschaft soll laut Leitlinie eine Remission angestrebt werden (starke Empfehlung). Methotrexat soll vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden (starke Empfehlung), Methotrexat und Upadacitinib sollen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden (starke Empfehlung). Die meisten Immunsuppressiva können laut Embryotox fortgesetzt werden, wenn es notwendig ist; Methotrexat und JAK-Hemmer sollten danach schon vor der Empfängnis abgesetzt und umgestellt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Welche Rolle spielt die Ernährung bei Morbus Crohn?
Sofern keine besondere Krankheitssituation vorliegt, sollten Menschen mit Morbus Crohn laut Leitlinie wie Gesunde eine vollwertige Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse zu sich nehmen (Empfehlungsgrad B). Bei Verdacht auf eine Mangelernährung sollten Werte des Ernährungszustands einschließlich der Nährstoffe bestimmt werden; je nach Beschwerden, Krankheitssituation und Ernährungszustand sollten eine Ernährungsberatung und gegebenenfalls eine individuelle Ernährungstherapie erfolgen (jeweils Empfehlung). Bei Kindern und Jugendlichen soll zur Behandlung eines Schubs zuerst eine ausschließliche Ernährung mit Trinknahrung oder Sonde statt Kortison eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A).
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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