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Divertikulitis
Bei einer Divertikulitis sind Divertikel entzündet, kleine Ausstülpungen der Darmwand; typisch sind plötzliche dumpfe Schmerzen im Unterbauch mit leichtem Fieber. Laut S3-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis (Version 2.0, Stand 11/2021) soll eine akute unkomplizierte Divertikulitis primär konservativ behandelt werden (starke Empfehlung); bei einer akuten unkomplizierten linksseitigen Divertikulitis (Typ 1b) ohne Risikoindikatoren für einen komplizierten Verlauf kann unter engmaschiger klinischer Kontrolle auf Antibiotika verzichtet werden (Empfehlungsgrad 0), bei einer komplizierten Divertikulitis sollte eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B). Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac sollten laut IQWiG bei einer Divertikulitis nicht eingenommen werden. Verstärkte Bauchschmerzen, Fieber, ein harter, gespannter Bauch oder Übelkeit sollten rasch ärztlich abgeklärt werden.

Bei einer Divertikulitis sind Divertikel entzündet, kleine Ausstülpungen der Darmwand [2]. Eine akute unkomplizierte Divertikulitis soll laut S3-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis der DGVS (Version 2.0, Stand 11/2021) primär konservativ behandelt werden (starke Empfehlung) [1], also ohne Operation [3]. Antibiotika sind bei einer unkomplizierten Divertikulitis laut IQWiG meist unnötig, notwendig aber, wenn Komplikationen auftreten oder das Risiko dafür erhöht ist [2]. Bei einer komplizierten Divertikulitis sollte laut Leitlinie eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B) [1].
Was ist eine Divertikulitis?
Divertikel entstehen laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wenn sich die Darminnenwand an Schwachstellen der Darmmuskulatur nach außen wölbt. In den meist kleinen, ballonförmigen Ausstülpungen kann sich Stuhl ablagern. Meist bilden sie sich im Sigma, dem S-förmigen Abschnitt des Dickdarms vor dem Mastdarm, wo der Druck des Stuhls auf die Darmwand am höchsten ist. Vereinfacht unterscheidet das IQWiG drei Formen [2]:
- Divertikulose: Divertikel sind vorhanden, verursachen aber keine Beschwerden.
- Divertikelkrankheit: Die Divertikel führen zu Beschwerden oder Komplikationen. Bei dauerhaften oder wiederkehrenden Beschwerden spricht man von einer chronischen Divertikelkrankheit.
- Divertikulitis: Die Divertikel sind entzündet. Die unkomplizierte Form verläuft ohne, die komplizierte mit Eiteransammlungen.
Kompliziert ist eine akute Divertikulitis laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) bei einem Durchbruch der Darmwand (Perforation), einer Fistel und/oder einem Abszess. Die Leitlinie teilt die Erkrankung in Typen ein (Classification of Diverticular Disease, CDD) [1]:
- Typ 0: Divertikel ohne Beschwerden, ein Zufallsbefund ohne Krankheitswert.
- Typ 1: unkomplizierte Divertikelkrankheit oder Divertikulitis, 1a ohne und 1b mit entzündlicher Reaktion des umgebenden Gewebes.
- Typ 2: komplizierte Divertikulitis mit gedecktem Durchbruch oder kleinem Abszess bis 3 cm (2a), größerem Abszess (2b) oder freiem Durchbruch mit Bauchfellentzündung (2c).
- Typ 3: chronische Divertikelkrankheit mit anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden (3a) oder wiederkehrender Divertikulitis ohne (3b) oder mit Komplikationen (3c).
- Typ 4: Divertikelblutung.
Mit dem Alter werden Divertikel häufiger: Laut IQWiG haben sie etwa 13 Prozent der Menschen unter 50 Jahren und etwa 50 Prozent der über 70-Jährigen. Etwa 1 Prozent der Menschen mit Divertikeln bekommt innerhalb von 10 Jahren eine Divertikulitis; die Entzündung kann in jedem Alter auftreten [2]. Etwa 20 Prozent der Betroffenen haben eine komplizierte Divertikulitis [3].
Symptome
Die meisten Divertikel machen keine Beschwerden. Eine Divertikelkrankheit äußert sich laut IQWiG meist durch Schmerzen im linken Unterbauch, seltener im rechten; dazu können Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Häufig sind die Beschwerden nach dem Essen stärker und nach dem Stuhlgang schwächer. Manchmal bluten Divertikel auch [2].
Bei einer Divertikulitis treten plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf, begleitet von leichtem Fieber. Weitere Anzeichen sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal Krämpfe; Erbrechen ist eher selten. Drückt die Ärztin oder der Arzt auf den Bauch, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an (Abwehrspannung) [2]. Laut Leitlinie soll eine Divertikulitis bei akuten Bauchschmerzen auch dann erwogen werden, wenn die Schmerzen rechts oder oberhalb des Schambeins sitzen (starke Empfehlung) [1].
Greift die Entzündung über, können sich Eiteransammlungen (Abszesse) und Fisteln bilden, also röhrenartige Verbindungen zwischen zwei Organen, etwa zwischen Darm und Harnblase. Selten, aber schwer ist ein Loch in der Darmwand (Darmdurchbruch): Tritt Stuhl in den Bauchraum aus, kann eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) entstehen. Entzünden sich Divertikel immer wieder, können sich vernarbte Engstellen (Stenosen) bilden; schlimmstenfalls kann ein Darmverschluss die Folge sein. Das Risiko für Komplikationen ist bei der ersten Divertikulitis am höchsten [2].
Ursachen und Risikofaktoren
Divertikel entstehen an Stellen, an denen die Darmmuskulatur schwächer ist. Risikofaktoren sind laut IQWiG eine erbliche Anfälligkeit, ein schwaches Bindegewebe und gestörte Darmbewegungen; ältere und stark übergewichtige Menschen haben häufiger eine Divertikulose. Welche Rolle der Lebensstil spielt, ist nicht vollständig geklärt. Für ein höheres Risiko durch eine ballaststoffarme Ernährung spricht, dass sie zu Verstopfung und hartem Stuhl führen kann; vermutet werden außerdem viel rotes Fleisch, Rauchen und wenig Bewegung. Warum sich Divertikel entzünden, ist noch unklar. Zu Komplikationen kommt es häufiger bei geschwächtem Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation, oder bei einer schweren Nierenerkrankung [2].
Medikamente: Laut Leitlinie ist die Einnahme von NSAR (entzündungshemmenden Schmerzmitteln), Kortikosteroiden (Glucocorticoiden), Opioiden und einer Hormonersatzbehandlung nach den Wechseljahren mit einem erhöhten Risiko für eine Divertikelkrankheit, eine Divertikulitis oder eine komplizierte Divertikulitis verbunden, die von Acetylsalicylsäure (ASS) und Coxiben nicht. Bei Paracetamol bezieht sich das Risiko vor allem auf Blutungen aus Divertikeln. Diese Mittel sollen deshalb nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko gegeben werden (Empfehlungsgrad A, Evidenzlevel 1 bis 2) [1]. Auch laut IQWiG erhöht vermutlich die längerfristige Einnahme von NSAR, Kortikoiden und Opioiden das Risiko für einen schweren Verlauf [2].
Prednisolon darf laut Packungsbeilage (Predni H Tablinen) bei einer Divertikulitis wegen der Gefahr eines Darmwanddurchbruchs nur aus zwingenden medizinischen Gründen und unter entsprechender Überwachung eingenommen werden. Bei hohen Dosen von Glucocorticoiden können die Zeichen einer Bauchfellreizung nach dem Durchbruch eines Magen-Darm-Geschwürs fehlen [14]. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sollte alle Medikamente kennen, die Sie nehmen, zum Beispiel aus Ihrem Medikationsplan. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt laut IQWiG unter anderem nach Vorerkrankungen und Medikamenten und hört und tastet den Bauch ab; je nach Beschwerden können Blut- und Urinuntersuchungen folgen. Dabei sollen auch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, etwa eine Blinddarmentzündung oder ein Reizdarmsyndrom [2]. Bei Verdacht auf eine Divertikulitis sollen laut Leitlinie eine körperliche Untersuchung und eine Laboruntersuchung einschließlich weißer Blutkörperchen (Leukozyten), des Entzündungswerts CRP und eines Urinstatus erfolgen. Zur Sicherung der Diagnose soll ein Schnittbildverfahren durchgeführt werden, Ultraschall oder Computertomografie (CT) (jeweils Empfehlungsgrad A) [1].
Zur Diagnose einer akuten Divertikulitis sollte laut Leitlinie keine Darmspiegelung (Koloskopie) erfolgen (Empfehlungsgrad B) [1]; laut IQWiG wäre sie zu risikoreich, weil sich die Entzündung ausbreiten kann, wenn der Darm dabei verletzt wird [2]. Nach dem Abheilen einer ohne Operation behandelten Divertikulitis, in der Regel nach 6 bis 8 Wochen, sollte abhängig von einem langwierigen (protrahierten) Verlauf, anhaltenden Beschwerden, dem Alter und der Bildgebung über eine Koloskopie entschieden werden (Empfehlungsgrad B) [1]. Mehr dazu: Darmspiegelung und Abführlösung.
Behandlung ohne Medikamente
Eine unkomplizierte Divertikulitis wird laut IQWiG immer konservativ behandelt, das heißt, sie wird nicht operiert. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Kontrollen, besonders in den ersten Tagen, zum Beispiel der Entzündungswerte im Blut; oft ist das ambulant möglich [3]. Laut Leitlinie können Menschen mit gesicherter unkomplizierter Divertikelkrankheit oder Divertikulitis (Typ 1a und 1b) ambulant behandelt werden, wenn Zeichen einer schweren Erkrankung und Risikoindikatoren fehlen und eine engmaschige ärztliche Verlaufsbeobachtung möglich ist (Empfehlungsgrad 0, Evidenzlevel 1). Eine komplizierte Divertikulitis soll stationär behandelt und überwacht werden (Empfehlungsgrad A, Evidenzlevel 2) [1].
Ernährung: Ob es im akuten Schub besser ist, vorübergehend auf feste Nahrung zu verzichten, ist laut IQWiG unklar. Manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen normale oder leichtere Kost, andere in den ersten Tagen vorwiegend Suppe oder Brei, ballaststoffarmes Essen und ausreichend Trinken [3]. Erwachsene, die wegen einer akuten unkomplizierten Divertikulitis im Krankenhaus behandelt werden, können laut Leitlinie ohne spezielle Einschränkungen der Ernährung essen (Empfehlungsgrad 0) [1].
Operation: Nach einer akuten unkomplizierten Divertikulitis sollte bei Menschen ohne Beschwerden laut Leitlinie unabhängig von Vorerkrankungen keine geplante Entfernung des Sigmas (elektive Sigmaresektion) erfolgen (Empfehlungsgrad B) [1]. Unumgänglich ist ein Eingriff laut IQWiG, wenn sich Abszesse gebildet haben und die Behandlung mit Antibiotika nicht erfolgreich war [5]. Bei einem Darmdurchbruch oder einer Bauchfellentzündung muss sofort operiert werden [3]. Größere Abszesse können über einen dünnen Schlauch durch die Bauchdecke abgeleitet werden (Drainage) [3].
Behandlung mit Medikamenten

Wie eine akute Divertikulitis behandelt wird, hängt laut IQWiG vom Schweregrad ab [2]. Bei der Diagnose einer akuten Divertikulitis soll laut Leitlinie der allgemeine Gesundheitszustand abgeschätzt, nach Risikoindikatoren gesucht und die Prognose eingeschätzt werden (Empfehlungsgrad A, Evidenzlevel 1). Als Risikoindikatoren, die bei der Entscheidung über eine Antibiotikatherapie zu beachten sind, nennt sie [1]:
- klinisch: ein geschwächtes Immunsystem, Begleiterkrankungen, ein schlechter Allgemeinzustand, hohes Fieber oder eine Blutvergiftung (Sepsis) und Komplikationen wie eine Bauchfellentzündung oder ein Abszess,
- im Labor: ein hoher CRP-Wert und eine erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen (Leukozytose),
- durch Medikamente: Mittel, die das Immunsystem unterdrücken, NSAR und Kortikosteroide.
Unkomplizierte Divertikulitis
Bei einer akuten unkomplizierten linksseitigen Divertikulitis mit entzündlicher Reaktion des umgebenden Gewebes (Typ 1b) ohne Risikoindikatoren für einen komplizierten Verlauf kann laut Leitlinie unter engmaschiger klinischer Kontrolle auf eine Antibiotikatherapie verzichtet werden (Empfehlungsgrad 0, also eine offene Empfehlung; Evidenzlevel 1) [1]. Voraussetzung ist laut IQWiG, dass ein Ultraschall oder eine CT gemacht wurde und dort keine Abszesse zu sehen sind; Antibiotika verringern das Risiko für Komplikationen dann vermutlich nicht. Selten können Abszesse oder ein Durchbruch übersehen werden. Bei erhöhtem Risiko für Komplikationen, etwa bei chronischen Nierenerkrankungen, Immunschwäche, Bluthochdruck oder Allergien, werden Antibiotika eher empfohlen; Studien zur Behandlung bei erhöhtem Risiko fehlen jedoch [3].
Komplizierte Divertikulitis: Antibiotika im Krankenhaus
Bei der komplizierten Divertikulitis sollte laut Leitlinie eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B, Evidenzlevel 3); eine Divertikulitis mit kleinem Abszess (Typ 2a) sollte stationär und antibiotisch behandelt werden (Empfehlungsgrad B) [1]. Die Antibiotika werden laut IQWiG als Saft, Tabletten oder Infusion gegeben [3]. Empfohlen werden laut Hintergrundtext der Leitlinie Antibiotika, die das zu erwartende Spektrum verschiedener Bakterien erfassen; Auswahl und Art der Gabe richten sich nach Allgemeinzustand, Risikoprofil und örtlicher Resistenzlage. In der klinischen Routine verwendet werden unter anderem Cefuroxim oder Ciprofloxacin, jeweils mit Metronidazol. Fluorchinolone wie Ciprofloxacin sollten wegen eines Rote-Hand-Briefs nur noch bei Überempfindlichkeit gegen Penicilline eingesetzt werden [1]. Welches Antibiotikum infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
| Wirkstoffgruppe | Beispiel | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Cephalosporine (Penicilline und Cephalosporine) | Cefuroxim als Injektion oder Infusion; Anwendungsgebiet und Häufigkeiten laut Fachinformation dieser Darreichungsform (Cefuroxim Hikma), nicht der Filmtabletten der Wirkstoffseite [6, 17] | Hemmt den Aufbau der Bakterienzellwand durch Bindung an Penicillin-bindende Proteine; die Bakterienzelle löst sich auf und stirbt ab [6] | Laut Fachinformation der Injektions- oder Infusionslösung häufig: weniger Neutrophile, eine Art weißer Blutkörperchen (Neutropenie), mehr Eosinophile (Eosinophilie), verminderte Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, vorübergehender Anstieg der Leberenzymwerte, Reaktionen an der Injektionsstelle, die Schmerzen und eine Venenentzündung (Thrombophlebitis) einschließen können [6] |
| Nitroimidazole (weitere Antibiotika) | Metronidazol, laut Leitlinie in Kombination [1] | Selbst unwirksam; ohne Sauerstoff entstehen in den Erregern Nitroso-Radikale, die das Erbgut (DNS) angreifen, es kommt zu Strangbrüchen und zum Zelltod [8] | Häufig: Geschmacksstörungen wie metallischer Geschmack, bitteres Aufstoßen, Zungenbelag, Entzündungen im Mund, Magendrücken, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall; Dunkelfärbung des Urins ohne Krankheitswert [7] |
| Fluorchinolone (weitere Antibiotika); laut Leitlinie sollten sie wegen eines Rote-Hand-Briefs nur noch bei Überempfindlichkeit gegen Penicilline eingesetzt werden [1]; Rote-Hand-Briefe vom 26.10.2018, 08.04.2019, 29.10.2020 und 07.06.2023 [11, 12, 13, 16] | Ciprofloxacin [9] | Tötet Bakterien ab, indem es die Enzyme DNS-Gyrase (Topoisomerase II) und Topoisomerase IV hemmt, die Bakterien zum Vervielfältigen, Ablesen und Reparieren ihres Erbguts brauchen [10] | Häufig: Übelkeit, Durchfall; bei Kindern Gelenkschmerzen und Gelenkentzündung [9] |
Häufig heißt laut Packungsbeilage: bei bis zu 1 von 10 Behandelten, laut Fachinformation: bei mindestens 1 von 100 bis weniger als 1 von 10 [6, 7, 9]. Mehr dazu: Beipackzettel verstehen.
Anwendungsgebiete: Cefuroxim zur Injektion oder Infusion ist laut Fachinformation (Cefuroxim Hikma) unter anderem bei Infektionen im Bauchraum (intraabdominelle Infektionen) angezeigt; bei Infektionen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Bakterien ohne Sauerstoffbedarf (Anaerobier) verursacht wurden, sollte es zusammen mit weiteren geeigneten Antibiotika angewendet werden [6]. Die Wirkstoffseite Cefuroxim beruht auf Filmtabletten; deren Fachinformation nennt Infektionen im Bauchraum nicht unter den Anwendungsgebieten [17]. Metronidazol wird laut Packungsbeilage unter anderem bei Infektionen mit Beteiligung von Anaerobiern angewendet, besonders solchen, die vom Magen-Darm-Trakt ausgehen [7], Ciprofloxacin bei Erwachsenen unter anderem bei Infektionen des Magen-Darm-Trakts und des Bauchraums [9].
Rote-Hand-Briefe zu Fluorchinolonen: Laut Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 wurden unter Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika die Lebensqualität beeinträchtigende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen berichtet, hauptsächlich an Bewegungsapparat und Nervensystem. Der Brief fordert unter anderem, Fluorchinolone nicht bei nicht schweren oder selbstlimitierenden Infektionen zu verschreiben, bei leichten bis mittelschweren Infektionen nur, wenn andere üblicherweise empfohlene Antibiotika als ungeeignet gelten, und nicht Menschen, die zuvor schwerwiegende Nebenwirkungen unter einem Chinolon oder Fluorchinolon hatten; die gleichzeitige Anwendung von Kortikosteroiden sollte vermieden werden [12]. Der Brief vom 7. Juni 2023 erinnert an diese Anwendungsbeschränkungen, weil Studiendaten darauf hindeuten, dass Fluorchinolone weiterhin außerhalb der empfohlenen Anwendungsgebiete verschrieben werden; sie sollten nur für die zugelassenen Anwendungsgebiete und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung im Einzelfall verschrieben werden [13]. Nach den Briefen vom 26. Oktober 2018 und 29. Oktober 2020 können Fluorchinolone das Risiko für eine Aussackung oder einen Einriss der Hauptschlagader (Aortenaneurysma, Aortendissektion), insbesondere bei älteren Menschen, und für undichte Herzklappen erhöhen [11, 16].
Mesalazin, Rifaximin und Probiotika
Mesalazin ist laut IQWiG für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen; bei der Divertikelkrankheit kann es nur außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use) verschrieben werden [4]. Bei akuter unkomplizierter Divertikulitis (Typ 1b) sollte Mesalazin laut Leitlinie nicht verordnet werden (Empfehlungsgrad B, Evidenzlevel 1). Zur Sekundärprophylaxe, also zur Vorbeugung weiterer Schübe, der wiederkehrenden Divertikulitis soll es nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A, Evidenzlevel 1) [1]. Mehr dazu: Off-Label-Use.
Rifaximin, laut Leitlinie ein kaum vom Körper aufgenommenes Antibiotikum, sollte nicht zur Sekundärprophylaxe der wiederkehrenden Divertikulitis eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B, Evidenzlevel 5). Eine Behandlung der akuten unkomplizierten Divertikulitis mit Probiotika kann die Leitlinie nicht empfehlen (Empfehlungsgrad 0, Evidenzlevel 2) [1]. Antibiotika und Mesalazin konnten laut IQWiG in bisherigen Studien Entzündungen nicht wirksam vorbeugen [4].
Nebenwirkungen der Medikamente
Durchfall und Darmentzündung: Schwere, anhaltende Durchfälle während oder in den ersten Wochen nach einer Behandlung mit Metronidazol nennt die Packungsbeilage als sehr seltene Nebenwirkung. Diese durch Antibiotika ausgelöste Darmentzündung (pseudomembranöse Enterokolitis) kann lebensbedrohlich sein und erfordert eine sofortige ärztliche Behandlung; Mittel, die die Darmbewegung hemmen, dürfen dann nicht eingenommen werden [7]. Bei starkem oder anhaltendem Durchfall oder Blut oder Schleim im Stuhl beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme von Ciprofloxacin und wenden sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [9]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: Durchfall durch Medikamente.
Metronidazol: Bei Taubheitsgefühl, Pelzigsein oder Kribbeln in Armen und Beinen, auch in milder Form, müssen Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt verständigen (mehr dazu: Polyneuropathie). Während der Behandlung und mindestens 48 Stunden danach ist Alkohol zu vermeiden; sonst können Unverträglichkeitsreaktionen wie Hautrötungen an Kopf und Nacken, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindel auftreten. Die Behandlung darf in der Regel 10 Tage nicht überschreiten und sollte möglichst selten wiederholt werden [7]. Mehr zu den häufigen Beschwerden: Geschmacksstörungen und Urinverfärbung.
Ciprofloxacin: Entzündungen und Risse von Sehnen können innerhalb der ersten 48 Stunden nach Behandlungsbeginn und noch bis zu mehrere Monate nach dem Absetzen auftreten. Beim ersten Anzeichen von Schmerz oder Entzündung einer Sehne beenden Sie laut Packungsbeilage die Anwendung, wenden sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und stellen den schmerzenden Bereich ruhig. Bei plötzlichen starken Schmerzen im Bauch, im Brustbereich oder im Rücken, die Zeichen eines Aortenaneurysmas oder einer Aortendissektion sein können, begeben Sie sich sofort in eine Notaufnahme. Bei plötzlicher Atemnot, besonders im Liegen, Schwellungen an Fußgelenken, Füßen oder Bauch oder neu auftretendem Herzklopfen sollten Sie laut Packungsbeilage unverzüglich eine Ärztin oder einen Arzt benachrichtigen [9]. Mehr dazu: Sehnenschäden durch Medikamente.
Cefuroxim: Eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Cephalosporine und eine schwere Überempfindlichkeit, etwa eine anaphylaktische Reaktion, gegen andere Betalaktam-Antibiotika wie Penicilline gehören laut Fachinformation zu den Gegenanzeigen. Auch unter Cefuroxim wurde über durch Antibiotika ausgelöste Darmentzündungen berichtet, leicht bis lebensbedrohlich [6]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Vorbeugen und Leben mit Divertikeln
Zur Vorbeugung der Divertikelkrankheit (Primärprophylaxe) empfiehlt die Leitlinie [1]:
- eine ballaststoffreiche Kost mit mindestens 30 Gramm Ballaststoffen am Tag, reich an Obst, Gemüse und Getreide, für Männer und Frauen unabhängig vom Alter (soll, Empfehlungsgrad A),
- Verzicht auf Nikotin (soll, Empfehlungsgrad A),
- den Erhalt des Normalgewichts (soll, Empfehlungsgrad A) und zumindest 30 bis 60 Minuten moderate körperliche Aktivität am Tag, in Übereinstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (soll, Empfehlungsgrad A),
- weniger rotes Fleisch (sollte, Empfehlungsgrad B).
Eine Empfehlung, Nüsse, Körner, Mais und Popcorn zu meiden, sollte laut Leitlinie zur Vorbeugung nicht ausgesprochen werden (Empfehlungsgrad B) [1]. Die alte Vermutung, dass Reste dieser Nahrungsmittel in den Divertikeln stecken bleiben und Entzündungen wahrscheinlicher machen, konnten Untersuchungen laut IQWiG widerlegen [2].
Nach einem Schub: Für eine ballaststoffreiche Kost oder Ballaststoffpräparate zur Vorbeugung weiterer Schübe nach einer akuten unkomplizierten Divertikulitis reicht die Evidenz laut Leitlinie nicht aus; eine ballaststoffreiche Kost soll unabhängig davon auf Grund allgemeiner Ernährungsempfehlungen empfohlen werden (starke Empfehlung) [1]. Ob eine ballaststoffreiche Ernährung weiteren Entzündungen vorbeugt, ist laut IQWiG unklar; wer sich ballaststoffreich ernährt, dem wird empfohlen, ausreichend zu trinken [4]. Mehr dazu: Verstopfung.
Darmkrebs: Aus Divertikeln entwickelt sich laut IQWiG kein Darmkrebs; dieser entsteht aus Darmpolypen [2]. Laut Leitlinie ist die Wahrscheinlichkeit, bei einer Koloskopie nach einer Divertikulitis ein Adenom oder Karzinom zu finden, signifikant erhöht; ein erhöhtes Darmkrebsrisiko bei Divertikulose lässt sich nicht belegen [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Ernste Komplikationen wie ein Darmdurchbruch sind bei der unkomplizierten Divertikulitis laut IQWiG selten, aber nicht ausgeschlossen. Verstärkte Bauchschmerzen, Fieber, ein harter, gespannter Bauch oder Übelkeit können ein Warnzeichen sein und sollten rasch ärztlich abgeklärt werden [3]. Starke Bauchschmerzen, eine harte Bauchdecke, Fieber, Übelkeit, Herzrasen und allgemeine Schwäche können auf eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung hinweisen; dann ist es wichtig, rasch ärztliche Hilfe zu suchen [2].
Außerhalb der Sprechzeiten kann laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 unter anderem akute Bauchschmerzen versorgen, wenn die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann. In lebensbedrohlichen Fällen, etwa bei akuten und anhaltenden stärksten Schmerzzuständen, starken, nicht stillbaren Blutungen oder Bewusstlosigkeit, alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [15].
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis, Version 2.0 (AWMF-Register-Nr. 021-020), digitale Fassung mit Empfehlungen und Hintergrundtexten. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Stand 11/2021. abgerufen am 17.10.2026
- Divertikelkrankheit und Divertikulitis. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 07.01.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Entzündete Divertikel: Wie wird eine akute Divertikulitis behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 07.01.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Divertikelkrankheit: Wie werden chronische Beschwerden behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 07.01.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Operation bei Divertikulitis und Divertikelkrankheit. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 07.01.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Cefuroxim Hikma 750 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung, Cefuroxim Hikma 1500 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung. Hikma Farmacêutica (Portugal), S.A. (Zulassungsinhaber); Hikma Pharma GmbH (Mitvertrieb). Stand 05/2023. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metronidazol-ratiopharm 400 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Metronidazol-ratiopharm 400 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ciprofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Ciprofloxacin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Fluorchinolonen: Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen. Zulassungsinhaber von Fluorchinolonen in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 26.10.2018. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika: Risiko von die Lebensqualität beeinträchtigenden, lang anhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen; Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber von Fluorchinolon-Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 08.04.2019. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten fluorchinolonhaltigen Antibiotika: Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 07.06.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Fluorchinolonen: Risiko einer Herzklappenregurgitation/-insuffizienz. Zulassungsinhaber von Fluorchinolon-Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 29.10.2020. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Cefuroxim-ratiopharm 250 mg/500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft bei einer Divertikulitis?
Eine akute unkomplizierte Divertikulitis soll laut S3-Leitlinie (Version 2.0, Stand 11/2021) primär konservativ behandelt werden (starke Empfehlung), also ohne Operation. Wichtig sind laut IQWiG regelmäßige ärztliche Kontrollen, besonders in den ersten Tagen, um Komplikationen früh zu erkennen. Ob Antibiotika nötig sind, hängt vom Schweregrad und von Risikoindikatoren ab; bei einer komplizierten Divertikulitis sollte laut Leitlinie eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B). Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac sollten laut IQWiG nicht eingenommen werden.
Braucht man bei einer Divertikulitis immer Antibiotika?
Nein. Bei einer akuten unkomplizierten linksseitigen Divertikulitis (Typ 1b) ohne Risikoindikatoren für einen komplizierten Verlauf kann laut S3-Leitlinie unter engmaschiger klinischer Kontrolle auf eine Antibiotikatherapie verzichtet werden (Empfehlungsgrad 0, Evidenzlevel 1). Voraussetzung ist laut IQWiG, dass ein Ultraschall oder eine Computertomografie gemacht wurde und dort keine Abszesse zu sehen sind. Bei erhöhtem Risiko für Komplikationen, etwa bei chronischen Nierenerkrankungen, Immunschwäche, Bluthochdruck oder Allergien, werden Antibiotika laut IQWiG eher empfohlen. Bei einer komplizierten Divertikulitis sollte laut Leitlinie eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B, Evidenzlevel 3).
Welche Antibiotika werden bei einer Divertikulitis gegeben?
Für die komplizierte Divertikulitis nennt die Leitlinie Antibiotika, die das zu erwartende Spektrum verschiedener Bakterien erfassen; Auswahl und Art der Gabe sind eine individuelle Entscheidung nach Allgemeinzustand, Risikoprofil und örtlicher Resistenzlage. Als in der klinischen Routine verwendete Mittel nennt sie unter anderem Cefuroxim oder Ciprofloxacin, jeweils mit Metronidazol. Fluorchinolone wie Ciprofloxacin sollten laut Leitlinie wegen eines Rote-Hand-Briefs nur noch bei einer Überempfindlichkeit gegen Penicilline eingesetzt werden. Welches Antibiotikum infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Welche Schmerzmittel darf ich bei einer Divertikulitis nehmen?
Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac aus der Gruppe der NSAR sollten laut IQWiG bei einer Divertikulitis nicht eingenommen werden, weil sie Komplikationen wie einen Darmdurchbruch wahrscheinlicher machen; bei Bedarf kommen andere Schmerzmittel infrage. Laut S3-Leitlinie ist auch die Einnahme von Opioiden mit einem erhöhten Risiko für eine Divertikelkrankheit, eine Divertikulitis oder eine komplizierte Divertikulitis verbunden; bei Paracetamol bezieht sich das Risiko vor allem auf Blutungen aus Divertikeln. Solche Mittel sollen laut Leitlinie nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko gegeben werden (Empfehlungsgrad A). Welches Schmerzmittel für Sie infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was darf ich bei einer Divertikulitis essen?
Ob es im akuten Schub besser ist, vorübergehend auf feste Nahrung zu verzichten, ist laut IQWiG unklar; manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen normale oder leichtere Kost, andere in den ersten Tagen Suppe oder Brei. Erwachsene, die wegen einer akuten unkomplizierten Divertikulitis im Krankenhaus behandelt werden, können laut Leitlinie ohne spezielle Einschränkungen der Ernährung essen (Empfehlungsgrad 0). Auf Nüsse muss man laut IQWiG nicht verzichten; dass Reste von Nüssen, Körnern, Mais oder Popcorn in den Divertikeln Entzündungen wahrscheinlicher machen, konnten Untersuchungen widerlegen. Für Ballaststoffe zur Vorbeugung weiterer Schübe reicht die Evidenz laut Leitlinie nicht aus; eine ballaststoffreiche Kost soll unabhängig davon auf Grund allgemeiner Ernährungsempfehlungen empfohlen werden (starke Empfehlung).
Hilft Mesalazin bei einer Divertikulitis?
Bei akuter unkomplizierter Divertikulitis (Typ 1b) sollte Mesalazin laut S3-Leitlinie nicht verordnet werden (Empfehlungsgrad B, Evidenzlevel 1), zur Sekundärprophylaxe, also zur Vorbeugung weiterer Schübe, der wiederkehrenden Divertikulitis soll es nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A, Evidenzlevel 1). Zugelassen ist Mesalazin laut IQWiG für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa; bei der Divertikelkrankheit kann es nur außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use) verschrieben werden.
Wann muss ich mit einer Divertikulitis ins Krankenhaus?
Eine komplizierte Divertikulitis mit Abszess, Fistel oder Durchbruch soll laut S3-Leitlinie stationär behandelt und überwacht werden (Empfehlungsgrad A). Eine unkomplizierte Divertikulitis (Typ 1a und 1b) kann laut Leitlinie ambulant behandelt werden, wenn Zeichen einer schweren Erkrankung und Risikoindikatoren fehlen und eine engmaschige ärztliche Verlaufsbeobachtung möglich ist (Empfehlungsgrad 0). Verstärkte Bauchschmerzen, Fieber, ein harter, gespannter Bauch oder Übelkeit sollten laut IQWiG rasch ärztlich abgeklärt werden. In lebensbedrohlichen Fällen, laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung etwa bei akuten und anhaltenden stärksten Schmerzzuständen, rufen Sie den Notruf 112.
Wird aus Divertikeln Darmkrebs?
Aus Divertikeln entwickelt sich laut IQWiG kein Darmkrebs; dieser entsteht aus Darmpolypen. Laut Leitlinie ist die Wahrscheinlichkeit, bei einer Darmspiegelung nach einer Divertikulitis ein Adenom oder Karzinom zu finden, aber signifikant erhöht; ein erhöhtes Darmkrebsrisiko bei Divertikulose lässt sich nicht belegen. Nach dem Abheilen einer ohne Operation behandelten Divertikulitis, in der Regel nach 6 bis 8 Wochen, sollte laut Leitlinie abhängig von einem langwierigen (protrahierten) Verlauf, anhaltenden Beschwerden, dem Alter und der Bildgebung entschieden werden, ob eine Darmspiegelung nötig ist (Empfehlungsgrad B).
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