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Sehnenentzündung und Sehnenriss durch Medikamente
Sehnenentzündungen und Sehnenrisse werden als Nebenwirkung von Fluorchinolon-Antibiotika wie Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin genannt. Das Risiko kann laut Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 unter anderem bei älteren Menschen und bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortison erhöht sein. Auch die Produktinformationen von Glucocorticoiden wie Prednisolon, von Statinen wie Atorvastatin, von Leflunomid und von Aromatasehemmern wie Letrozol nennen Sehnenschäden. Bei Sehnenschmerzen unter einem Fluorchinolon verlangt die Packungsbeilage, die Einnahme zu beenden. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Bei anderen Mitteln gilt: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Sehnen bestehen aus festem Bindegewebe und verbinden Muskeln und Knochen [16]. Sehr selten können Reizungen der Sehnen als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten, etwa von bestimmten Antibiotika [16]. Für die Fluorchinolon-Antibiotika gibt es dazu eine eigene Warnung: Über Sehnenentzündungen (Tendinitis) und Sehnenrisse (Sehnenruptur) als schwerwiegende, möglicherweise lang anhaltende Nebenwirkungen informierte ein Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 [1]. Auch die Produktinformationen anderer Mittel nennen Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündungen, Entzündungen der Sehnenscheiden oder Sehnenrisse, zum Beispiel von Glucocorticoiden (Kortison), dem Cholesterinsenker Atorvastatin, dem Rheumamittel Leflunomid und den Aromatasehemmern Letrozol und Anastrozol [9, 11, 13, 14, 15].
Welche Medikamente Sehnenentzündungen und Sehnenrisse auslösen können
Jede Häufigkeitsangabe in der folgenden Übersicht gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht.
- Fluorchinolon-Antibiotika (Antibiotika): Nach einer EU-weiten Überprüfung informierten die Zulassungsinhaber am 8. April 2019 in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über die Lebensqualität beeinträchtigende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen, die hauptsächlich den Bewegungsapparat und das Nervensystem betreffen. Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen des Bewegungsapparats gehören Tendinitis, Sehnenruptur, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Gelenkschmerzen, Gelenkschwellungen und Gangstörungen [1]. In Deutschland zugelassen waren damals Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin [1]. Ein weiterer Rote-Hand-Brief vom 7. Juni 2023 erinnerte an die Anwendungsbeschränkungen [2].
- Häufigkeit je Wirkstoff: In der Packungsbeilage von Ciprofloxacin sind Muskelschwäche und Sehnenentzündungen, die zu einem Riss der Sehne führen können, als sehr selten eingestuft, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten [3]. Bei Levofloxacin sind Schmerzen und Entzündungen der Sehnen oder Bänder mit der Möglichkeit des Zerreißens als selten eingestuft, also bei bis zu 1 von 1.000; am häufigsten ist die Achillessehne betroffen [5]. Einen Sehnenriss führt die Fachinformation von Levofloxacin mit nicht bekannter Häufigkeit [6]. Bei Moxifloxacin sind Schmerzen und Schwellung der Sehnen (Tendinitis) als selten und ein Sehnenriss als sehr selten eingestuft [7].
- Glucocorticoide (Kortison): Die Packungsbeilage und die Fachinformation von Prednisolon nennen Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündung und Sehnenrisse unter den Nebenwirkungen, deren Häufigkeit nicht angegeben werden kann, weil sie sehr stark von Dosis und Behandlungsdauer abhängen [9, 10]. Laut Fachinformation von Prednisolon ist das Risiko von Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündung und Sehnenrissen erhöht, wenn Fluorchinolone und Glucocorticoide zusammen gegeben werden [9, 10]. Kortisonspritzen, etwa bei Schmerzen unter der Fußsohle (Plantarfasziitis), können laut IQWiG das Gewebe schädigen und das Risiko für einen Sehnenriss erhöhen [18].
- Statine (Cholesterinsenker): Bei Atorvastatin stuft die Packungsbeilage Verletzungen an den Sehnen als selten ein; die Fachinformation spricht von einer Sehnenerkrankung (Tendopathie), die manchmal durch einen Sehnenriss verkompliziert wird [11, 12].
- Leflunomid (Rheumamittel): Eine Sehnenscheidenentzündung, also eine Entzündung der Hülle, die die Sehnen umgibt, gewöhnlich an Händen oder Füßen, ist in der Packungsbeilage als häufig eingestuft, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten; ein Sehnenriss als gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 [13].
- Aromatasehemmer (Mittel zur Behandlung von Brustkrebs): Laut Packungsbeilage kann Letrozol eine Entzündung der Sehnen oder eine Sehnenverletzung verursachen; eine Sehnenentzündung ist dort als gelegentlich, ein Riss einer Sehne als selten eingestuft [14]. Bei Anastrozol nennt die Packungsbeilage Sehnenentzündung und Sehnenriss mit nicht bekannter Häufigkeit [15].
Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation Sehnenentzündungen, Sehnenrisse oder verwandte Sehnenbeschwerden nennt:
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Leflunomid | Häufig | Sehnenscheidenentzündung: Schmerzen durch eine Entzündung der Hülle, die die Sehnen umgibt, gewöhnlich an Händen oder Füßen · Sehnenriss (Sehnenruptur) |
| Letrozol | Gelegentlich | Entzündung einer Sehne (Tendonitis) · Riss einer Sehne |
| Pembrolizumab | Gelegentlich | Sehnenscheidenentzündung (Tendosynovitis) |
| Pravastatin | Gelegentlich | Entzündung der Sehnen, die durch einen Sehnenriss erschwert werden kann |
| Atorvastatin | Selten | Verletzungen an den Sehnen (Tendopathie, manchmal mit Sehnenriss) |
| Levofloxacin | Selten | Schmerzen und Entzündungen der Sehnen oder Bänder (Tendinitis); am häufigsten ist die Achillessehne betroffen · Muskelzerfall (Rhabdomyolyse), Muskelriss; laut Fachinformation auch Sehnenriss (z. B. der Achillessehne)… |
| Moxifloxacin | Selten | Schmerzen und Schwellung der Sehnen (Tendinitis) · Sehnenriss |
| Telmisartan | Selten | Gelenkschmerzen (Arthralgie), Schmerzen in Armen und Beinen, Sehnenschmerzen |
| Ciprofloxacin | Sehr selten | Muskelschwäche, Sehnenentzündungen, die zum Riss der Sehne führen können, vor allem der Achillessehne |
| Isotretinoin | Sehr selten | Kalkablagerungen im Weichteilgewebe, Sehnenentzündung, hohe Werte von Muskelzerfallsprodukten im Blut bei intensiver körperlicher Betätigung |
| Anastrozol | Nicht bekannt | Sehnenentzündung (Tendinitis) · Sehnenriss |
| Dexamethason | Nicht bekannt | Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündung und Sehnenrisse |
| Prednisolon | Nicht bekannt | Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündung und Sehnenrisse |
| Prednison | Nicht bekannt | Sehnenrisse |
| Rosuvastatin | Nicht bekannt | Sehnenverletzung, gelegentlich mit Komplikationen durch Risse |
| Simvastatin | Nicht bekannt | Sehnenerkrankung (Tendinopathie), manchmal bis hin zu einem Sehnenriss |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (16 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Was die Häufigkeitsklassen bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Woran Sie eine Sehnenentzündung oder einen Sehnenriss durch ein Medikament erkennen
Eine gereizte Sehne macht sich laut IQWiG durch Schmerzen bemerkbar, vor allem wenn die Sehne gedehnt oder der zugehörige Muskel angespannt wird; eine gereizte Achillessehne schmerzt zum Beispiel, wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt [16]. Es kann auch schmerzen, wenn man direkt auf die Sehne drückt, und sie kann in Ruhe wehtun; der Bereich kann verhärtet oder etwas geschwollen und die Bewegung eingeschränkt sein [16]. Als erste Anzeichen nennen die Packungsbeilagen der Fluorchinolone Schmerz oder Entzündung einer Sehne, zum Beispiel an Fußknöchel, Handgelenk, Ellenbogen, Schulter oder Knie [3, 5]; die Fachinformationen nennen als Beispiel eine schmerzhafte Schwellung [4, 8].
Die Achillessehne bewegt die Fußspitze nach unten, wie beim Gasgeben. Ist eine Sehne am Unterschenkel geschädigt, lässt sich das Bein laut gesund.bund.de meistens nicht mehr richtig bewegen, die Bewegung ist zum Beispiel nicht mehr so kräftig wie sonst; stark geschädigte Sehnen können auch reißen, und die betroffene Stelle kann schmerzen [19].
Zeitlicher Zusammenhang
Unter Fluorchinolonen können Entzündungen und Risse der Sehnen laut den Packungsbeilagen innerhalb der ersten 48 Stunden nach Behandlungsbeginn und sogar noch bis zu mehrere Monate nach dem Absetzen auftreten [3, 5, 7]. Laut Fachinformation sind Tendinitis und Sehnenruptur insbesondere, aber nicht nur an der Achillessehne beschrieben, manchmal an beiden Seiten [4, 8]. Denken Sie deshalb auch Wochen bis Monate nach einer Antibiotikabehandlung an einen möglichen Zusammenhang und sprechen Sie ihn in der Praxis an [2, 3].
Wer ein höheres Risiko hat
Unter Fluorchinolonen ist das Risiko für Entzündungen oder Risse der Sehnen laut den Packungsbeilagen erhöht, wenn Sie älter sind (über 60 Jahre), ein Organtransplantat erhalten haben, unter Nierenproblemen leiden oder gleichzeitig mit Kortikosteroiden (Kortison) behandelt werden [3, 5, 7]. Der Rote-Hand-Brief von 2019 rät Ärztinnen und Ärzten deshalb bei diesen Gruppen zu besonderer Vorsicht und empfiehlt, die gleichzeitige Anwendung von Kortikosteroiden mit Fluorchinolonen zu vermeiden [1]. Hatten Sie unter einem Chinolon-Antibiotikum schon einmal Sehnenbeschwerden, dürfen Levofloxacin und Moxifloxacin laut ihren Packungsbeilagen nicht eingenommen werden [5, 7]; Ciprofloxacin sollte dann laut Fachinformation generell nicht angewendet werden, außer in sehr seltenen Fällen nach sorgfältiger Abwägung bei bestimmten schweren Infektionen [4].
Unabhängig von Medikamenten gelten laut IQWiG Fehlstellungen der Füße, ungeeignete Schuhe, Diabetes, Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Arthrose, Autoimmunerkrankungen, die das Sehnengewebe angreifen, sowie Rauchen und Übergewicht als Risikofaktoren für eine Sehnenreizung; sie kommt außerdem mit zunehmendem Alter häufiger vor [16].
Ob Ihr Medikament die Sehnen betreffen kann, lesen Sie in der Packungsbeilage nach: in Abschnitt 2 bei den Warnhinweisen und in Abschnitt 4 bei den Nebenwirkungen [3, 14]. Notieren Sie im Nebenwirkungs-Tagebuch, wann Sie welches Mittel eingenommen haben und wann die Beschwerden begonnen haben. Einen Überblick über alle Mittel gibt der Medikationsplan.
Was Sie tun können

Sehnenbeschwerden unter einem Fluorchinolon: Ausnahme vom Grundsatz. Beim ersten Anzeichen von Schmerz oder Entzündung einer Sehne sollen Sie laut den Packungsbeilagen von Ciprofloxacin und Levofloxacin die Anwendung beenden, sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden und den schmerzenden Bereich ruhig stellen. Vermeiden Sie jede unnötige Bewegung, weil sie das Risiko eines Sehnenrisses erhöhen kann [3, 5]. Auch der Rote-Hand-Brief von 2019 sieht vor, dass Patientinnen und Patienten die Behandlung bei den ersten Anzeichen einer schwerwiegenden Nebenwirkung wie Tendinitis oder Sehnenruptur beenden und sich ärztlich beraten lassen [1]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Laut Fachinformation sollte die Ärztin oder der Arzt dann eine andere Behandlung erwägen; bei Anzeichen einer Sehnenerkrankung sollten keine Kortikosteroide angewendet werden [4, 8].
Bei anderen Mitteln nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei Letrozol sollen Sie laut Packungsbeilage bei Anzeichen für Sehnenschmerzen oder -schwellungen den schmerzenden Bereich ruhig stellen und sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden [14]. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.
Vor einer Antibiotikabehandlung informieren. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke, wenn Sie bei einer früheren Behandlung mit Antibiotika wie Ciprofloxacin Sehnenprobleme hatten [3]. Sagen Sie auch, wenn Sie Kortison anwenden; laut Packungsbeilage von Levofloxacin kann es die Gefahr einer Sehnenentzündung oder eines Sehnenrisses erhöhen [5]. Fluorchinolone sollen laut Rote-Hand-Brief zum Beispiel nicht bei nicht schweren oder von selbst abklingenden Infektionen wie Halsentzündung oder akuter Bronchitis verschrieben werden und bei leichten bis mittelschweren Infektionen nur, wenn andere üblicherweise empfohlene Antibiotika ungeeignet sind [1, 2]. Mehr im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.
Lang anhaltende Beschwerden ansprechen. Sehr selten wurden unter Fluorchinolonen über Monate oder Jahre andauernde oder dauerhafte Nebenwirkungen wie Sehnenentzündungen, Sehnenrisse, Gelenk- und Gliederschmerzen oder Schwierigkeiten beim Gehen beschrieben [3]. Bemerken Sie eine solche Nebenwirkung, wenden Sie sich laut Packungsbeilage sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie mit der Behandlung fortfahren [3]. Mehr dazu: Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Kribbeln und Taubheit.
Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem BfArM melden [3]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden. Was Rote-Hand-Briefe sind, steht im Ratgeber Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Schmerzen, Schwellung oder Entzündung einer Sehne unter einem Fluorchinolon-Antibiotikum sind ein Grund, sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden; die Packungsbeilagen verlangen, die Anwendung dann zu beenden und den schmerzenden Bereich ruhig zu stellen [3, 5, 7]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Bei Menschen, die Fluorchinolone einnahmen, wurden laut Packungsbeilage auch Fälle einer Erweiterung, Schwächung oder eines Einrisses der Wand der Hauptschlagader berichtet, die reißen und tödlich sein können [3]. Spüren Sie plötzlich starke Schmerzen im Bauch, im Brustbereich oder im Rücken, die Zeichen einer Ausbuchtung (Aortenaneurysma) oder einer Aufspaltung der Wand der Hauptschlagader (Aortendissektion) sein können, begeben Sie sich laut Packungsbeilage sofort in eine Notaufnahme [3]. Starke Brustschmerzen, akute und anhaltende stärkste Schmerzen und schwere Atemnot sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [20].
Andere Ursachen
Nicht jede Sehnenreizung kommt von einem Medikament. Ursache ist laut IQWiG meist eine mechanische Überbelastung durch gleichförmige, wiederholte Bewegungen, etwa beim Sport, in der Freizeit oder im Beruf; sie führt zu kleinen Verletzungen und einer verminderten Durchblutung [16]. Armschwünge beim Golf oder Tennis können die Sehnen am Ellenbogen reizen, Laufen kann die Achillessehne überlasten, und Sportarten mit vielen Sprüngen führen oft zu Sehnenbeschwerden im Knie [16]. Durch eine ungewohnt starke Belastung kann eine Sehne auch plötzlich ein- oder abreißen [16].
- Sehnenscheidenentzündung: Sie entsteht laut IQWiG in der Regel durch ungewohnte oder häufig wiederholte Bewegungen, vor allem an Hand, Arm und Fuß. Diabetes, Rheuma oder Gicht erhöhen das Risiko, und während Schwangerschaft und Stillzeit sind solche Entzündungen häufiger [17].
- Entzündliche Erkrankungen: Ist die Sehne oder das umliegende Gewebe nicht nur gereizt, sondern entzündet, kann laut IQWiG eine andere Erkrankung dahinterstecken, zum Beispiel Gicht, Rheuma wie die rheumatoide Arthritis oder eine bakterielle Infektion der Haut (Wundrose) [16].
- Grunderkrankungen: Diabetes, Arthrose, Autoimmunerkrankungen des Bindegewebes, Rauchen und Übergewicht gelten als Risikofaktoren für Sehnenreizungen [16]. Mehr unter Typ-2-Diabetes.
Viele Menschen schonen eine gereizte Sehne automatisch; dann klingen die Beschwerden laut IQWiG meist nach einigen Wochen ab [16]. Welche Ursache vorliegt und was zu tun ist, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Quellen
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolon-Antibiotika: Schwerwiegende und anhaltende, die Lebensqualität beeinträchtigende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen (Anwendungsbeschränkungen). Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 08.04.2019. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten fluorchinolonhaltigen Antibiotika: Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 07.06.2023. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ciprofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Ciprofloxacin-ratiopharm Filmtabletten (Version 18). ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Levofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten (Version 19). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Moxifloxacin-ratiopharm 400 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Moxifloxacin-ratiopharm 400 mg Filmtabletten (Version 15). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atorvastatin-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Atorvastatin-ratiopharm 10 mg/20 mg/40 mg/80 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Arava (Leflunomid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Femara 2,5 mg Filmtabletten (Letrozol). Novartis Pharma GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Anastrozol-ratiopharm 1 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Sehnenreizung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.05.2026. abgerufen am 12.10.2026
- Sehnenscheidenentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.05.2026. abgerufen am 12.10.2026
- Wie wird eine Plantarfasziitis behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.02.2025. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde ICD-10-Code S86.0: Verletzung der Achillessehne (Erklärung in einfacher Sprache). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente können Sehnen schädigen?
Genannt wird das unter anderem bei Fluorchinolon-Antibiotika wie Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin. Über dieses Risiko informierte ein Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019. Außerdem nennen die Produktinformationen Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündungen oder Sehnenrisse unter anderem bei Glucocorticoiden wie Prednisolon, bei Atorvastatin, bei Leflunomid sowie bei den Aromatasehemmern Letrozol und Anastrozol. Welche Wirkstoffe auf dieser Website betroffen sind, zeigt die Tabelle oben. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Welche Antibiotika greifen die Sehnen an?
Der Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 gilt für alle systemisch und inhalativ angewendeten Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika. Er informiert über schwerwiegende, möglicherweise lang anhaltende Nebenwirkungen, die hauptsächlich den Bewegungsapparat und das Nervensystem betreffen, darunter Sehnenentzündung und Sehnenriss. In Deutschland zugelassen waren damals Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Ob Ihr Antibiotikum dazugehört, steht in der Packungsbeilage; fragen Sie im Zweifel in Ihrer Apotheke nach.
Wann treten Sehnenschäden durch Antibiotika auf?
Laut den Packungsbeilagen von Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin können Entzündungen und Risse der Sehnen innerhalb der ersten 48 Stunden nach Behandlungsbeginn und sogar noch bis zu mehrere Monate nach dem Absetzen auftreten. Laut Fachinformation können sie manchmal beide Seiten betreffen.
Was tun bei Sehnenschmerzen unter Ciprofloxacin?
Beim ersten Anzeichen von Schmerz oder Entzündung einer Sehne, zum Beispiel an Fußknöchel, Handgelenk, Ellenbogen, Schulter oder Knie, sollen Sie laut Packungsbeilage die Anwendung beenden, sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden und den schmerzenden Bereich ruhig stellen. Vermeiden Sie unnötige Bewegung, weil sie das Risiko eines Sehnenrisses erhöhen kann. Dasselbe verlangen die Packungsbeilagen von Levofloxacin und Moxifloxacin. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Darf ich Kortison und ein Fluorchinolon gleichzeitig nehmen?
Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Laut Fachinformation von Prednisolon ist das Risiko von Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündung und Sehnenrissen erhöht, wenn Fluorchinolone und Glucocorticoide zusammen gegeben werden; der Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 empfiehlt Ärztinnen und Ärzten, die gleichzeitige Anwendung zu vermeiden. Sagen Sie deshalb vor einer Antibiotikabehandlung, wenn Sie Kortison anwenden.
Können Cholesterinsenker Sehnenprobleme verursachen?
Bei Atorvastatin stuft die Packungsbeilage Verletzungen an den Sehnen als selten ein, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten; laut Fachinformation handelt es sich um eine Sehnenerkrankung (Tendopathie), die manchmal durch einen Sehnenriss verkompliziert wird. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Sind Sehnenschäden durch Fluorchinolone dauerhaft?
Laut Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 wurden im Zusammenhang mit Fluorchinolonen die Lebensqualität beeinträchtigende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen berichtet, unter anderem Sehnenentzündung und Sehnenriss; die Packungsbeilagen nennen solche über Monate oder Jahre andauernden Fälle sehr selten. Bemerken Sie eine solche Nebenwirkung, wenden Sie sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie mit der Behandlung fortfahren.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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