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Durchfall

Bei akutem Durchfall ist es am wichtigsten, verlorene Flüssigkeit und Salze zu ersetzen, bei kleinen Kindern, alten Menschen und starkem Durchfall mit einer Trinklösung aus Apotheke oder Drogerie. Laut Leitlinie kann Loperamid bei Erwachsenen mit akuter Gastroenteritis ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl für weniger als 48 Stunden verwendet werden; Probiotika und Mittel wie Kohle sollen bei akuter infektiöser Gastroenteritis nicht eingesetzt werden, Antibiotika nur in bestimmten Fällen. Bei Blut im Stuhl, hohem Fieber, Schwindel, Kreislaufproblemen oder ohne Besserung nach 48 Stunden brauchen Sie ärztliche Hilfe; bei Säuglingen und Kleinkindern mit Durchfall ist immer eine Ärztin oder ein Arzt hinzuzuziehen.

Ältere Frau mit silbergrauem Haar sitzt in einer fliederfarbenen Strickjacke im Sessel am Fenster und trinkt aus einer Tasse Tee
Bild: KI-generiert

Bei akutem Durchfall ist es am wichtigsten, verlorene Flüssigkeit und Salze zu ersetzen [1, 4]. Meist steckt eine Infektion mit Viren dahinter; akute Durchfallerkrankungen sind meist nach wenigen Tagen bis einer Woche überstanden [1]. Laut ärztlicher Leitlinie kann Loperamid bei Erwachsenen mit akuter Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung) ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl für weniger als 48 Stunden verwendet werden; Antibiotika kommen nur in bestimmten Fällen infrage [4].

Was ist Durchfall?

Von Durchfall spricht man laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wenn jemand innerhalb von 24 Stunden mindestens dreimal sehr weichen oder flüssigen Stuhlgang hat [1]. Die S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) beschreibt eine akute infektiöse Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis) als plötzliche Änderung von Stuhlhäufigkeit und Stuhlbeschaffenheit über das individuell übliche Maß hinaus, also häufiger als dreimal am Tag; Erbrechen und Fieber können dazukommen [4].

Durchfallerkrankungen sind sehr verbreitet. Erwachsene in Deutschland trifft es im Durchschnitt einmal im Jahr, Kinder noch öfter [1, 3]. Hält akuter Durchfall länger als zwei Wochen an, spricht man von anhaltendem Durchfall [1, 3]. Bei chronischem Durchfall sollte laut Leitlinie eine infektiöse Ursache ausgeschlossen werden [4].

Symptome und Verlauf

Eine Magen-Darm-Infektion beginnt oft plötzlich mit schwallartigem Erbrechen oder starkem Durchfall [1]. Häufig kommen Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe und Blähungen dazu, manchmal auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen [1, 3]. Bei einer Infektion mit Noroviren bestehen die Beschwerden ohne begleitende Grunderkrankungen laut Robert Koch-Institut (RKI) etwa 12 bis 48 Stunden [5].

Starker oder länger anhaltender Durchfall kann laut IQWiG zu einem gefährlichen Verlust von Flüssigkeit und Salzen (Elektrolyten) führen, vor allem bei kleinen Kindern und älteren Menschen [1]. Ältere Menschen trinken oft zu wenig, weil das Durstgefühl nachlässt; bei ihnen ist die Gefahr einer Austrocknung (Dehydratation) besonders groß [1]. Auf einen starken Flüssigkeitsverlust können laut IQWiG diese Anzeichen hindeuten [1]:

  • Der Allgemeinzustand verschlechtert sich.
  • Augen, Wangen oder Gesicht sind eingefallen.
  • Atmung oder Herzschlag sind schneller als normal.
  • Die Haut ist nicht mehr elastisch: Drückt man sie am Arm oder Bauch leicht zusammen, bleibt eine kleine Falte stehen.
  • Starker Durst, Benommenheit, dunkler Urin oder fehlender Harndrang, trockene Augen, Lippen oder eine trockene Zunge.
  • Bei älteren Menschen manchmal auch Brustschmerzen oder Muskelkrämpfe.

Ursachen: Infektionen, Lebensmittel, Medikamente

Meistens ist Durchfall die Folge einer Infektion mit Viren, am häufigsten mit den sehr ansteckenden Noro- und Rotaviren [1]. Bakterielle Magen-Darm-Infektionen werden in Deutschland meist durch Campylobacter oder Salmonellen ausgelöst. Auf Reisen können je nach Reiseziel und hygienischen Verhältnissen auch Shigellen, bestimmte Kolibakterien oder Parasiten zu Durchfall führen [1]. Mehr dazu: Magen-Darm-Grippe.

Durchfall kann auch andere Ursachen haben. Das IQWiG nennt [1]:

Medikamente als Ursache: Vor allem Antibiotika lösen manchmal Durchfall aus, weil sie die normale Darmflora angreifen [1, 3]. Welche Medikamente Durchfall als Nebenwirkung nennen und woran Sie einen Zusammenhang erkennen, steht auf der Seite Durchfall durch Medikamente.

Diagnose

Beim Arztbesuch fragt die Ärztin oder der Arzt laut IQWiG unter anderem, ob die Beschwerden plötzlich begonnen haben, seit wann und wie häufig der Durchfall besteht, wie der Stuhl aussieht, ob Bauchschmerzen, Erbrechen oder Fieber dazukommen und was vorher gegessen wurde. Wichtig sind außerdem Reisen, eingenommene Medikamente, Allergien oder Unverträglichkeiten und chronische Erkrankungen wie Diabetes [1]. Notieren Sie Ihre Medikamente vorher, zum Beispiel im Medikationsplan.

Eine Untersuchung des Stuhls auf Erreger soll laut Leitlinie nur erfolgen, wenn sich aus dem Ergebnis medizinische, organisatorische oder melderechtliche Konsequenzen ergeben (starke Empfehlung) [4]. Sie sollte insbesondere erfolgen bei blutigem Durchfall, bei einem schweren Krankheitsbild etwa mit Fieber oder Austrocknung, bei Durchfall länger als 14 Tage, bei geschwächter Abwehr, nach Antibiotika in den letzten 3 Monaten und vor einer Behandlung mit Antibiotika; weitere Situationen sind etwa die Arbeit mit Lebensmitteln oder in Gemeinschaftseinrichtungen [4]. Einige Magen-Darm-Infektionen sind meldepflichtig, zum Beispiel nachgewiesene Infektionen mit Noro- oder Rotaviren, Salmonellen oder Campylobacter [1].

Behandlung ohne Medikamente

Wer Durchfall hat, verliert Flüssigkeit und Elektrolyte. Diesen Verlust auszugleichen, ist laut IQWiG das Wichtigste [1]. Auch die Leitlinie sieht vor, dass eine akute infektiöse Gastroenteritis vor allem mit ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyten behandelt werden soll (starke Empfehlung) [4].

Bei akutem Durchfall reicht dafür laut IQWiG zum Beispiel gezuckerter Tee zusammen mit Salzgebäck. Akuter Durchfall bei Jugendlichen und Erwachsenen muss nicht besonders behandelt werden [1, 3]. Bei kleinen Kindern, alten Menschen und bei starkem Durchfall ist eine Trinklösung (Rehydratationslösung, auch Elektrolyt-Glukose-Lösung) aus der Apotheke oder Drogerie sinnvoll: ein Pulver mit Salzen, Mineralstoffen und Traubenzucker, das in Wasser aufgelöst wird [1, 3]. Als Ersatz, etwa auf Reisen, nennt das IQWiG 4 Teelöffel Zucker, ¾ Teelöffel Kochsalz und ein Glas abgepackten Orangensaft, verrührt in einem Liter abgepacktem oder abgekochtem Wasser [1]. Bei Übelkeit oder Erbrechen sieht die Packungsbeilage einer Trinklösung vor, sie in kleinen Schlucken zu trinken [9].

Häufig wird magenschonende Kost wie Reis, Bananen oder Zwieback empfohlen. Manche verzichten auch auf Kaffee, Fruchtsäfte, Limonaden, Alkohol und fettige Speisen, um den Darm nicht zusätzlich zu reizen [1, 3]. Bei einer akuten Gastroenteritis ohne Austrocknung sollten laut Leitlinie keine besonderen Diätvorschriften empfohlen werden [4]. Probiotika, also Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel mit Mikroorganismen, verkürzen laut IQWiG die Dauer des Durchfalls wahrscheinlich nicht [1].

Behandlung mit Medikamenten

Mann Mitte vierzig mit dunkelblondem Haar sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Ärztin mit rotbraunem Haar gegenüber, beide unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert
Medikamente bei akutem Durchfall im Überblick
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Trinklösungen mit Salzen und Traubenzucker (orale Rehydratationslösungen)Pulver zum Auflösen in Wasser, etwa mit Natriumchlorid, Kaliumchlorid, Glucose und Citrat [9]Ersetzen verlorene Flüssigkeit und Salze; sie enthalten Salze, Mineralstoffe und Traubenzucker [1, 9]Übelkeit und Erbrechen als Folge einer durch Kalium bedingten Magenreizung, Häufigkeit nicht bekannt [9]
Mittel, die die Darmbewegung hemmen (Mittel gegen Durchfall)Loperamid [7]Binden an Opioidrezeptoren in der Darmwand; die vorantreibenden Darmbewegungen nehmen ab, der Darminhalt braucht länger für die Passage [7]Häufig: Verstopfung, Übelkeit, Blähungen, Schwindel, Kopfschmerzen [6]
Hefepräparate (Probiotika)Saccharomyces boulardii [8]Trockenhefe; sie soll laut IQWiG die Ausscheidung der Erreger beschleunigen und die Wiederherstellung der Darmflora unterstützen, aussagekräftige Studien fehlen [1]. Probiotika sollen laut Leitlinie bei akuter Gastroenteritis nicht eingesetzt werden [4]Sehr selten: Hefen im Blut (Fungämie); Blähungen, Verstopfung und Überempfindlichkeitsreaktionen ohne bekannte Häufigkeit [8]
Antibiotika (nur in bestimmten Fällen)Auswahl nach Erreger, Resistenztestung und Gegenanzeigen durch die Ärztin oder den Arzt [4]Wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren [1, 3]Können selbst Durchfall auslösen, weil sie die normale Darmflora angreifen [1], auch durch das Bakterium Clostridioides difficile [4]

Loperamid in der Selbstbehandlung

Laut S2k-Leitlinie der DGVS (Version 2.0 vom November 2023) kann Loperamid bei Erwachsenen mit akuter Gastroenteritis ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl für weniger als 48 Stunden verwendet werden (Empfehlung offen) [4]. Rezeptfreie Präparate wie Loperamid-ratiopharm akut sind zur symptomatischen Behandlung akuter Durchfälle bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen, wenn keine Behandlung der Ursache zur Verfügung steht. Loperamid beendet den Durchfall laut Packungsbeilage, behebt aber nicht die Ursache [6]. Ohne ärztlichen Rat nehmen Sie es laut Packungsbeilage nicht länger als 2 Tage ein. Besteht der Durchfall danach weiter, muss es abgesetzt und eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden [6]. Die empfohlene Dosierung und die Anwendungsdauer dürfen nicht überschritten werden, weil schwere Verstopfungen auftreten können [6]. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosis stehen auf der Wirkstoffseite unter Dosierung.

Das rezeptfreie Präparat darf laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden [6]:

  • bei Durchfall mit Fieber und/oder blutigem Stuhl,
  • bei Durchfall während oder nach der Einnahme von Antibiotika,
  • bei einer bakteriellen Darmentzündung durch Erreger, die in die Darmwand eindringen, zum Beispiel Salmonellen, Shigellen und Campylobacter,
  • bei chronischen Durchfallerkrankungen (nur nach ärztlicher Verordnung),
  • bei einem akuten Schub einer Colitis ulcerosa,
  • bei Zuständen, in denen eine Verlangsamung der Darmtätigkeit zu vermeiden ist, etwa aufgetriebenem Leib, Verstopfung oder Darmverschluss,
  • von Kindern unter 12 Jahren.

Bei einer bestehenden oder früheren Lebererkrankung darf es nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden [6]. Bei ausgeprägtem Reisedurchfall ohne Fieber und Blutabgang können laut Leitlinie Mittel, die die Darmbewegung hemmen, eingesetzt werden; der Einsatz soll nur kurzfristig erfolgen, höchstens 2 Tage [4].

Kinder: Kinder unter 2 Jahren dürfen laut Packungsbeilage gar nicht mit Loperamid behandelt werden, Kinder von 2 bis 12 Jahren nur nach ärztlicher Verordnung; für Kinder unter 12 Jahren ist das rezeptfreie Präparat nicht geeignet [6]. In der ärztlichen Behandlung soll Loperamid laut Leitlinie bei akuter Gastroenteritis im Kindesalter nicht eingesetzt werden (starke Empfehlung) [4]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.

Racecadotril

Racecadotril ist laut Leitlinie eine Alternative zu Loperamid. Es hemmt ein Enzym (Enkephalinase), das körpereigene Botenstoffe abbaut, die Enkephaline; diese bremsen die Abgabe von Wasser und Salzen in den Darm [4]. In Deutschland wird Racecadotril laut Leitlinie im Praxisalltag kaum eingesetzt [4]. Loperamid und Racecadotril sollten laut IQWiG bei Kindern nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden. Racecadotril ist für Kinder verschreibungspflichtig und wird für Kinder unter fünf Jahren nicht routinemäßig empfohlen [1].

Hefe und andere Probiotika

Saccharomyces boulardii ist eine medizinische Trockenhefe. Laut Packungsbeilage wird sie unter anderem bei akuten Durchfallerkrankungen und bei Reisedurchfall angewendet [8]. Solche Hefetabletten sollen laut IQWiG die Ausscheidung der Erreger beschleunigen und die Wiederherstellung der natürlichen Darmflora unterstützen; aussagekräftige Studien zu Nutzen und Schaden gibt es nicht [1]. Laut Leitlinie sollen Probiotika bei akuter Gastroenteritis nicht eingesetzt werden (starke Empfehlung); dazu zählt sie unterschiedliche Mikroorganismen wie Bakterien und Hefen [4]. Säuglinge und Kleinkinder unter 2 Jahren sind laut Packungsbeilage in jedem Fall von einer Selbstbehandlung ausgeschlossen [8].

Kohle, Tannin und pflanzliche Mittel

Andere erhältliche Durchfallmittel, etwa pflanzliche Mittel wie Uzara oder getrocknetes Apfelpulver, Tannin, Kohle, Heilerde oder Myrrhe, sollen laut Leitlinie bei akuter infektiöser Gastroenteritis nicht eingesetzt werden (starke Empfehlung) [4]. Auch für Kohletabletten gibt es laut IQWiG keine aussagekräftigen Studien, um Nutzen und Schaden ausreichend zu beurteilen [1].

Antibiotika nur in bestimmten Fällen

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren, und kommen laut IQWiG nur bei einer bakteriellen Darminfektion infrage [1, 3]. Laut Leitlinie soll bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis in der Regel keine antibiotische Behandlung erfolgen, auch nicht bei geschwächter Abwehr; nur in Ausnahmefällen kann nach Entnahme einer Probe behandelt werden, bevor der Erreger bekannt ist [4]. Wegen möglicher Nebenwirkungen und zunehmender Resistenzen sollten Antibiotika laut Leitlinie nur mit Zurückhaltung eingesetzt werden. Ausnahmen nennt sie für bestimmte Situationen [4]:

  • Shigellen (Bakterienruhr): Bei einer nachgewiesenen Infektion soll antimikrobiell behandelt werden, falls noch Beschwerden bestehen, abhängig von der Resistenztestung.
  • Campylobacter: Hat sich der Zustand bis zum Befund gebessert, soll keine Behandlung begonnen werden. Nur bei schwerem Krankheitsbild ohne Besserung sollte behandelt werden.
  • Salmonellen (außer Typhus): Ohne Hinweis auf eine im Körper ausgebreitete Infektion soll in der Regel nicht behandelt werden. Behandelt werden soll bei Bakterien im Blut und Zeichen einer ausgebreiteten Infektion, etwa Fieber über 38,5 °C bei anhaltenden Beschwerden.
  • EHEC: Es soll keine antibiotische Behandlung stattfinden, außer bei zusätzlichen Infektionen außerhalb des Darms.
  • Nach Reisen: Bei Durchfall mit Fieber und/oder Blutabgängen oder bei erhöhtem Risiko für Komplikationen sollte mit einem Antibiotikum behandelt werden, auch bevor der Erreger bekannt ist.

Welches Antibiotikum infrage kommt, hängt vom Erreger, von Resistenzen und von Gegenanzeigen ab; das entscheidet die Ärztin oder der Arzt [4]. Fluorchinolone wie Ciprofloxacin sollen laut Leitlinie in der Erstlinie zur Behandlung ohne bekannten Erreger nicht mehr verwendet werden (starke Empfehlung) [4]. Ein Rote-Hand-Brief vom 7. Juni 2023 erinnert daran, dass Fluorchinolone unter anderem bei nicht schweren oder selbstlimitierenden Infektionen und zur Vorbeugung von Reisedurchfall nicht verschrieben werden sollten [11]. Mehr im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.

Übelkeit und Erbrechen

Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika) können laut Leitlinie bei Erwachsenen kurzfristig zum Einsatz kommen; bei Kindern sollen sie zur Behandlung der akuten Gastroenteritis nicht verwendet werden [4]. Mehr dazu: Übelkeit und Erbrechen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Loperamid sollten Sie laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht einnehmen [6]. Saccharomyces boulardii sollte laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, weil Ergebnisse experimenteller Untersuchungen fehlen [8]. Bei einer Durchfallerkrankung in Schwangerschaft oder Stillzeit sieht die Packungsbeilage einer Trinklösung vor, in jedem Fall die Ärztin oder den Arzt zu befragen [9]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Nebenwirkungen der Medikamente

Loperamid: Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Verstopfung, Übelkeit, Blähungen, Schwindel und Kopfschmerzen [6]. Bei Durchfall oder als Folge der Einnahme kann es zu Müdigkeit, Schwindel und Schläfrigkeit kommen; im Straßenverkehr und bei der Arbeit mit Maschinen ist deshalb Vorsicht angeraten [6]. Bei Verstopfung, aufgetriebenem Leib oder Darmverschluss muss Loperamid sofort abgesetzt werden [6]. Oberbauchschmerzen, in den Rücken ausstrahlende Bauchschmerzen, ein druckempfindlicher Bauch, Fieber, schneller Puls, Übelkeit oder Erbrechen können Zeichen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse sein; dann brechen Sie die Anwendung laut Packungsbeilage ab und holen umgehend ärztliche Hilfe [6]. Bei Menschen, die zu viel Loperamid eingenommen hatten, wurden schwerwiegende Herzprobleme beobachtet, unter anderem ein schneller oder unregelmäßiger Herzschlag [6]. Laut Fachinformation wurde dabei auch über Todesfälle berichtet [7]. Mehr dazu: QT-Verlängerung.

Saccharomyces boulardii: Sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten, dringen laut Packungsbeilage Hefen in den Blutkreislauf ein (Fungämie). Ohne bekannte Häufigkeit nennt sie Blähungen, Verstopfung, Überempfindlichkeitsreaktionen und eine schwere Blutvergiftung (Sepsis) [8]. Laut einem Rote-Hand-Brief, den das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am 22.01.2018 veröffentlichte, traten in seltenen Fällen Fungämien auf; bei schwerkranken Patienten kam es zu Todesfällen. Seitdem dürfen die Mittel bei schwerkranken oder immunsupprimierten Menschen nicht angewendet werden, bei einem zentralen Venenkatheter galt das schon vorher [10]. Bei einer Schleimhautschwellung im Gesicht (Quincke-Ödem), Atemnot oder Zeichen eines allergischen Schocks setzen Sie das Mittel laut Packungsbeilage ab und informieren sofort eine Ärztin oder einen Arzt [8]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.

Trinklösungen: Als Folge einer durch Kalium bedingten Magenreizung können laut Packungsbeilage von Oralpädon 240 Übelkeit und Erbrechen auftreten; wie häufig, ist nicht bekannt [9]. Nicht eingenommen werden darf die Lösung unter anderem bei eingeschränkter Nierenfunktion, unstillbarem Erbrechen und bei Bewusstseinstrübung oder Schock durch schweren Flüssigkeitsmangel [9]. Menschen mit Diabetes sollten sie wegen des hohen Glucose-Gehalts nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden; bei Herzschwäche und Bluthochdruck ist vorher ärztlicher Rat einzuholen [9].

Antibiotika: Sie lösen laut IQWiG manchmal selbst Durchfall aus [1]. Welche Warnzeichen ihre Packungsbeilagen nennen, steht auf der Seite Durchfall durch Medikamente.

Haben Sie ein verordnetes Medikament als Auslöser im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Im Alltag: Ansteckung vermeiden

Durchfallerreger können durch eine Schmierinfektion zum Beispiel auf Toiletten, Türgriffe oder Kleidung gelangen; fasst man diese an und führt die Hand zum Mund, ist eine Ansteckung möglich [1]. Bei einer akuten Durchfallerkrankung ist deshalb vor allem regelmäßiges, gründliches Händewaschen mit Seife wichtig; auch eine Händedesinfektion kann hilfreich sein [1]. Gibt es zu Hause ein zweites WC, kann es das erkrankte Familienmitglied allein benutzen. Kleidung wird am besten bei mindestens 60 Grad gewaschen [1]. Wer akuten Durchfall hat, sollte möglichst keine Speisen für andere zubereiten; Menschen in Lebensmittelberufen ist das verboten [1].

Bei Kindern unter sechs Jahren, die eine Kita oder einen Kindergarten besuchen, ist eine Magen-Darm-Infektion generell meldepflichtig. Sie dürfen erst wieder in die Einrichtung, wenn sie zwei Tage keinen Durchfall mehr hatten [1, 3]. Für Säuglinge unter sechs Monaten empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) laut IQWiG eine Schluckimpfung gegen Rotaviren [1].

Auf Reisen in subtropische oder tropische Länder kann es je nach Hygienestandard nötig sein, auf rohes, ungeschältes Obst und Gemüse und auf Leitungswasser zu verzichten. Fisch und Fleisch sollten gut durchgebraten oder gekocht sein [1]. Mehr dazu in den Ratgebern Reiseapotheke und Medikamente ins Ausland.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Schwindel und Kreislaufprobleme können darauf hinweisen, dass der Körper zu viel Flüssigkeit und Salze verloren hat. Dann ist laut IQWiG rasche ärztliche Hilfe nötig [1]. Weitere Gründe, bei Durchfall ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, sind laut IQWiG [1]:

  • keine Besserung nach 48 Stunden,
  • hohes Fieber,
  • Blut im Stuhl: Der Stuhl enthält rotes Blut oder ist schwarz,
  • Schleim, der dem Stuhl aufgelagert ist,
  • starke Schmerzen.

Säuglinge und Kleinkinder: Bei ihnen können Durchfälle, besonders mit unstillbarem Erbrechen, laut Packungsbeilage einer Trinklösung rasch zu schweren Krankheitserscheinungen wie Bewusstseinstrübung oder Schock führen. Bei der Durchfallbehandlung von Säuglingen und Kleinkindern ist deshalb in jedem Fall eine Ärztin oder ein Arzt hinzuzuziehen [9]. Bei hohem Flüssigkeitsverlust ist laut IQWiG rechtzeitiger ärztlicher Rat wichtig, um ein Kreislaufversagen zu vermeiden, vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Älteren [1].

Nach einer Fernreise: Tritt in den Tagen oder Wochen nach einer Fernreise starker Durchfall auf, ist laut IQWiG ein Arztbesuch ratsam [2].

Krankenhaus und Notruf: Laut Leitlinie soll ein Mensch mit akuter Gastroenteritis unter anderem bei schwerer Austrocknung, Kreislaufschock, Bewusstseinsstörungen, unkontrollierbarem Erbrechen oder gescheiterter Flüssigkeitsgabe über den Mund stationär aufgenommen werden (starke Empfehlung) [4]. Anhaltender Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme ist laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind. Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung sind Fälle für den Notruf 112 [12].

Quellen

  1. Durchfall. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 17.10.2026
  2. Reisedurchfall. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 17.10.2026
  3. Behörde Durchfallerkrankungen: Ursachen und Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 08.03.2024. abgerufen am 17.10.2026
  4. Leitlinie S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen, Version 2.0 (AWMF-Register-Nr. 021-024), digitale Fassung mit Empfehlungen 3.1 bis 7.12 und Hintergrundtexten. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Stand 11/2023. abgerufen am 17.10.2026
  5. Behörde RKI-Ratgeber Norovirus-Gastroenteritis (Abschnitte Klinische Symptomatik und Therapie). Robert Koch-Institut (RKI). Stand 29.11.2019. abgerufen am 17.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Loperamid-ratiopharm akut 2 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation Loperamid-ratiopharm akut 2 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Perenterol forte 250 mg Kapseln. Biocodex (Zulassungsinhaber); MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG (Hersteller und Mitvertreiber). Stand 08/2024. abgerufen am 17.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Oralpädon 240 Neutral, Pulver zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen. STADA Consumer Health Deutschland GmbH. Stand 09/2020. abgerufen am 17.10.2026
  10. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu neuen Kontraindikationen von Saccharomyces boulardii (Saccharomyces cerevisiae HANSEN CBS 5926) bei schwerkranken oder immunsupprimierten Patienten. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 22.01.2018. abgerufen am 17.10.2026
  11. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Systemisch und inhalativ angewendete fluorchinolonhaltige Antibiotika, Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 07.06.2023. abgerufen am 17.10.2026
  12. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft schnell gegen Durchfall?

Am wichtigsten ist laut IQWiG, verlorene Flüssigkeit und Salze zu ersetzen, bei akutem Durchfall zum Beispiel mit gezuckertem Tee und Salzgebäck, bei kleinen Kindern, alten Menschen und starkem Durchfall mit einer Trinklösung aus Apotheke oder Drogerie. Laut Leitlinie kann Loperamid bei Erwachsenen mit akuter Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung) ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl für weniger als 48 Stunden verwendet werden. Es beendet den Durchfall laut Packungsbeilage, behebt aber nicht die Ursache.

Wie lange darf ich Loperamid ohne Arzt nehmen?

Laut Packungsbeilage von Loperamid-ratiopharm akut höchstens 2 Tage. Besteht der Durchfall danach weiter, setzen Sie das Mittel ab und gehen zur Ärztin oder zum Arzt. Rezeptfrei ist es nur für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren gedacht und darf bei Durchfall mit Fieber und/oder blutigem Stuhl nicht eingenommen werden. Wie viel Sie laut Packungsbeilage am Tag nehmen dürfen, steht auf der Seite Loperamid.

Wann muss ich mit Durchfall zum Arzt?

Schwindel und Kreislaufprobleme können laut IQWiG auf einen zu großen Verlust von Flüssigkeit und Salzen hinweisen; dann ist rasche ärztliche Hilfe nötig. Weitere Gründe sind keine Besserung nach 48 Stunden, hohes Fieber, Blut im Stuhl (rotes Blut oder schwarzer Stuhl), Schleim auf dem Stuhl und starke Schmerzen. Bei der Durchfallbehandlung von Säuglingen und Kleinkindern ist laut Packungsbeilage einer Trinklösung in jedem Fall eine Ärztin oder ein Arzt hinzuzuziehen. Bei Bewusstlosigkeit oder erheblicher Bewusstseinstrübung rufen Sie den Notruf 112.

Brauche ich bei Durchfall ein Antibiotikum?

Meistens ist Durchfall laut IQWiG die Folge einer Infektion mit Viren, und gegen Viren wirken Antibiotika nicht. Laut Leitlinie soll bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis in der Regel keine antibiotische Behandlung erfolgen. Ausnahmen nennt sie für bestimmte Erreger, etwa eine nachgewiesene Shigellen-Infektion mit noch bestehenden Beschwerden, und für Reiserückkehrer mit Fieber oder Blut im Stuhl. Ob und welches Antibiotikum infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Hilft Hefe wie Perenterol gegen Durchfall?

Saccharomyces boulardii, eine medizinische Trockenhefe, wird laut Packungsbeilage unter anderem bei akuten Durchfallerkrankungen angewendet. Laut IQWiG sollen solche Hefetabletten die Ausscheidung der Erreger beschleunigen und die Wiederherstellung der natürlichen Darmflora unterstützen; aussagekräftige Studien, um Nutzen und Schaden ausreichend zu beurteilen, gibt es aber nicht. Laut Leitlinie sollen Probiotika bei akuter Gastroenteritis nicht eingesetzt werden. Nach einem Rote-Hand-Brief von 2018 traten unter Saccharomyces boulardii in seltenen Fällen Hefen im Blut (Fungämien) auf, bei schwerkranken Patienten kam es zu Todesfällen; seitdem darf es bei schwerkranken oder immunsupprimierten Menschen nicht angewendet werden, bei einem zentralen Venenkatheter galt das schon vorher.

Was darf ich bei Durchfall essen und trinken?

Trinken Sie genug, um Flüssigkeit und Salze zu ersetzen. Häufig wird laut IQWiG magenschonende Kost wie Reis, Bananen oder Zwieback empfohlen, und manche verzichten auf Kaffee, Fruchtsäfte, Limonaden, Alkohol und fettige Speisen. Bei einer akuten Magen-Darm-Infektion ohne Austrocknung sollten laut Leitlinie keine besonderen Diätvorschriften empfohlen werden.

Was hilft Kindern bei Durchfall?

Auch bei Kindern geht es vor allem darum, Flüssigkeit und Salze zu ersetzen; bei kleinen Kindern ist laut IQWiG eine Trinklösung aus Apotheke oder Drogerie sinnvoll. Rezeptfreies Loperamid ist laut Packungsbeilage erst ab 12 Jahren zugelassen; Kinder unter 2 Jahren dürfen gar nicht mit Loperamid behandelt werden, Kinder von 2 bis 12 Jahren nur nach ärztlicher Verordnung. In der ärztlichen Behandlung soll Loperamid laut Leitlinie bei akuter Gastroenteritis im Kindesalter nicht eingesetzt werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern mit Durchfall ist laut Packungsbeilage einer Trinklösung in jedem Fall eine Ärztin oder ein Arzt hinzuzuziehen. In die Kita dürfen Kinder laut IQWiG erst wieder, wenn sie zwei Tage keinen Durchfall mehr hatten.

Können Medikamente Durchfall auslösen?

Ja. Vor allem Antibiotika lösen laut IQWiG manchmal Durchfall aus, weil sie die normale Darmflora angreifen. Welche Medikamente Durchfall als Nebenwirkung nennen und welche Warnzeichen es gibt, steht auf der Seite Durchfall durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

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