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Laktoseintoleranz
Bei einer Laktoseintoleranz stellt der Körper zu wenig des Enzyms Laktase her, sodass Milchzucker (Laktose) nur in kleinen Mengen vertragen wird; größere Mengen führen zu Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall. Eine Behandlung, mit der sie geheilt werden kann, gibt es laut IQWiG nicht; mit angepasster Ernährung lässt sich aber meist beschwerdefrei leben, und ob Laktase-Präparate, Prä- oder Probiotika helfen, ist unklar. Wichtig ist laut gesund.bund.de, dass zunächst eine Ärztin oder ein Arzt die Laktoseintoleranz feststellt, bevor Sie die Ernährung umstellen, vor allem bei Kindern, Jugendlichen und Menschen mit erhöhtem Kalziumbedarf.

Bei einer Laktoseintoleranz verträgt der Darm Milchzucker (Laktose) nur in kleinen Mengen; nach zu viel Milch oder zu vielen Milchprodukten kommt es zu Verdauungsbeschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall [1, 5]. Eine Behandlung, mit der eine Laktoseintoleranz geheilt werden kann, gibt es laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nicht. Wer seine Ernährung anpasst, kann aber meist ohne Beschwerden leben, und in der Regel ist es nicht nötig, ganz auf Milchprodukte zu verzichten [1]. Ob Laktase-Präparate, Prä- oder Probiotika helfen, ist unklar [1]. Arzneimittel können Lactose als Hilfsstoff enthalten; für Mittel zum Einnehmen sieht der Anhang zur Hilfsstoff-Leitlinie der Europäischen Kommission dann einen Hinweis für Menschen mit Zuckerunverträglichkeit in der Packungsbeilage vor [9].
Was ist eine Laktoseintoleranz?
Laktose ist aus zwei Zuckern aufgebaut, Glukose und Galaktose. Ein Enzym im Dünndarm, die Laktase, spaltet den Milchzucker in diese beiden Bestandteile; erst dann kann der Darm sie aufnehmen [2]. Bei einer Laktoseintoleranz stellt der Körper zu wenig Laktase her, sodass Milchzucker nicht richtig verdaut wird [2]. Welche Laktosemenge Beschwerden auslöst, kann sehr unterschiedlich sein [5].
Keine Allergie: Bei einer Milchallergie reagiert der Körper selbst auf geringste Mengen Milch oder Milchprodukte. Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen dagegen bestimmte Mengen Milchzucker, ohne Beschwerden zu bekommen [1, 5]. Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich unschädliche Eiweiße; Kuhmilch gehört zu den typischen Auslösern [8]. Mehr dazu: Allergien.
Häufigkeit: Etwa 5 bis 15 Prozent der Menschen in Europa vertragen keinen Milchzucker, am seltensten ist die Laktoseintoleranz in Nordeuropa. In Afrika oder Ostasien sind 65 bis über 90 Prozent der Erwachsenen betroffen [1, 5]. Bei Kindern unter fünf Jahren ist eine Laktoseintoleranz sehr selten; meist entwickelt sie sich im Jugend- und Erwachsenenalter [1, 5].
Symptome
Wer nur wenig Milchzucker verträgt, hat meist kurz nach Milch oder Milchprodukten Beschwerden [5]. Zu den Symptomen gehören laut IQWiG [1]:
- ein aufgeblähter Bauch und Völlegefühl,
- Unterbauchschmerzen,
- starke Blähungen,
- Durchfall,
- Übelkeit und Erbrechen,
- manchmal auch Verstopfung.
Die Beschwerden treten frühestens eine halbe Stunde nach laktosehaltigen Lebensmitteln auf, sind nach etwa 1,5 bis 2 Stunden am stärksten und können mehrere Stunden andauern [1, 5]. Wie stark sie ausfallen, hängt nicht nur von der Laktasemenge ab: Manche Menschen bilden kaum Laktase, haben aber einen schnell arbeitenden Dickdarm und dann auch bei größeren Mengen kaum Beschwerden. Möglicherweise spielt auch die Darmflora eine Rolle. Nahrungsmittel mit hohem Fettanteil können die Verdauung verlangsamen; die Beschwerden sind dann häufig schwächer [2].
Ursachen und Risikofaktoren
Erblich (primär): Säuglinge bilden besonders viel Laktase, um Muttermilch zu verarbeiten. Wird ein Kind von der Muttermilch oder Anfangsmilch entwöhnt, stellt sich das Verdauungssystem auf andere Nahrungsmittel um. Bei manchen Menschen bildet der Körper dann nicht mehr genug Laktase, um den Milchzucker aus der Nahrung zu spalten. Das wird als vererbter oder primärer Laktasemangel bezeichnet [2]. Eine Laktoseintoleranz ist meist erblich bedingt [1, 5].
Was im Darm passiert: Erreichen größere Mengen Laktose den Dickdarm, zersetzen Bakterien sie dort. Bei dieser Vergärung entstehen Gase wie Kohlenstoffdioxid, Methan oder Wasserstoff sowie Flüssigkeit und Fettsäuren; dadurch kann es zu Blähungen und Durchfall kommen [2].
Erworben (sekundär): Bei manchen Menschen stört eine Darmerkrankung die Bildung von Laktase, zum Beispiel eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut wie bei Morbus Crohn [2]. Auch Verletzungen der Darmschleimhaut können die Ursache sein [5].
Andere Ursachen ähnlicher Beschwerden: Ein aufgeblähter Bauch, Völlegefühl, Schmerzen und Durchfall können auch Zeichen eines Reizdarmsyndroms sein; es kann zusätzlich dazu führen, dass weniger Milchzucker vertragen wird. Auch Stress, seelische Belastungen oder Empfindlichkeiten gegen andere Nahrungsmittel wie Fruchtzucker kommen infrage [2]. Laktoseintoleranz und Zöliakie können ihrerseits Beschwerden machen, die einer Nahrungsmittelallergie ähneln [8].
Medikamente als Ursache: Durchfall kann auch eine Nebenwirkung von Arzneimitteln sein; vor allem Antibiotika lösen manchmal Durchfall aus, weil sie die normale Darmflora angreifen [7]. Das Abführmittel Lactulose ist laut Fachinformation ein Zweifachzucker aus Galactose und Fructose, den die Dünndarmschleimhaut nicht spaltet; im Dickdarm bauen bakterielle Enzyme ihn vor allem zu Milch- und Essigsäure sowie Methan und Wasserstoff ab [16]. Welche Medikamente Durchfall oder Blähungen als Nebenwirkung nennen, steht auf den Seiten Durchfall durch Medikamente und Blähungen durch Medikamente.
Diagnose
Wer den Eindruck hat, Milchzucker schlecht zu vertragen, wendet sich laut IQWiG am besten zuerst an die Hausarztpraxis; meist folgt eine Überweisung in eine gastroenterologische Praxis [1]. Infrage kommen diese Tests [2]:
- Atemtest: Auf nüchternen Magen trinken Sie eine Milchzuckerlösung, danach wird alle 15 bis 30 Minuten der Wasserstoff in der Atemluft gemessen. Bei einer Laktoseintoleranz ist er in der Regel erhöht, weil Darmbakterien den Milchzucker zersetzen. Der Test dauert mindestens 2 bis 3 Stunden; Rauchen, Kaugummikauen und schlechte Mundhygiene können das Ergebnis verfälschen.
- Laktose-Toleranz-Test: Der Blutzucker wird vor und mehrmals nach dem Trinken einer Milchzuckerlösung gemessen. Steigt er nicht nennenswert an, weist das auf eine Laktose-Unverträglichkeit hin.
- Diät- oder Auslassungstest: Etwa vier Wochen lang verzichten Sie auf alles, was Milchzucker enthält, und führen ein Ernährungstagebuch. Danach wird geprüft, ob die Beschwerden nach einer milchzuckerhaltigen Flüssigkeit wieder auftreten.
Atemtest und Laktose-Toleranz-Test zeigen nur, ob der Körper den Milchzucker ausreichend aufspalten und aufnehmen kann. Sicher feststellen lässt sich eine Laktoseintoleranz erst, wenn während des Tests auch typische Beschwerden wie Durchfall oder Krämpfe auftreten [1, 2]. Es müssen nicht alle Tests gemacht werden; das Standardverfahren in Deutschland ist der Atemtest [1, 2].
Behandlung ohne Medikamente
Vor der Behandlung ist zu klären, ob die Laktoseintoleranz vererbt oder erworben ist [1]. Bei einer vererbten Laktoseintoleranz ist laut IQWiG der beste bekannte Weg, Beschwerden zu verringern, Laktose nur in begrenzter Menge und Milch nur zusammen mit anderen Lebensmitteln zu sich zu nehmen [1, 5].
Verträgliche Mengen: Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen in der Regel bis zu 12 Gramm Laktose auf einmal, das entspricht etwa 250 Milliliter Milch, und bis zu 24 Gramm über den Tag verteilt, etwa 500 Milliliter Milch [3]. Feste oder fetthaltige Nahrung verlangsamt die Verdauung im Magen; dann gelangt weniger Laktose auf einmal in den Darm [3]. Einige Forschungsarbeiten legen nahe, dass man sich an Laktose gewöhnen kann, wenn man laktosehaltige Produkte langsam und vorsichtig steigert; nachgewiesen ist das nicht [3].
Lebensmittel austauschen: Laut IQWiG reicht es meist aus, Lebensmittel mit hohem Laktosegehalt gegen solche mit weniger Laktose auszutauschen. Fermentierte und vergorene Milchprodukte wie Käse oder Quark enthalten weniger Milchzucker als frische Milch, viele Hartkäsesorten gar keinen oder fast keinen [3]. Milchersatz-Getränke aus Soja, Hafer, Mandeln oder Reis sind laktosefrei, einigen wird Kalzium zugesetzt [3]. Laktosefreie Kuhmilch wird hergestellt, indem die Laktose herausgefiltert oder durch zugesetzte Laktase gespalten wird. In einer Übersichtsstudie hatten Menschen nach laktosearmer Milch nicht weniger Beschwerden als nach einem Glas herkömmlicher Milch mit bis zu 12 Gramm Laktose; ob laktosearme Milch besser verträglich ist, kann die Forschung danach nicht zeigen [3].
Behandlung mit Medikamenten

Für eine vererbte Laktoseintoleranz gibt es keine Behandlung; mit angepasster Ernährung lässt sich aber beschwerdefrei leben [5]. Bei einer erworbenen Laktoseintoleranz ist es wichtig, die Ursache herauszufinden und zu behandeln. Erholt sich die Darmschleimhaut durch die Behandlung, verschwinden auch die Beschwerden wieder [1, 5].
Laktase-Präparate: Manche Menschen nehmen vorbeugend Tabletten oder Kapseln mit künstlich hergestellter Laktase ein, Nahrungsergänzungsmittel, die den Milchzucker aufspalten und so auch größere Mengen verträglich machen sollen [1, 3]. Einige Studien liefern schwache Hinweise, dass Laktase-Tabletten die typischen Beschwerden etwas lindern können; sie waren aber eher klein und nicht sehr aussagekräftig, und laut IQWiG ist mehr Forschung nötig [3]. Auch laut gesund.bund.de gibt es bisher keine aussagekräftigen Studien, die zeigen, dass sich damit die typischen Beschwerden lindern lassen [5]. Was bei Nahrungsergänzungsmitteln neben Medikamenten zu beachten ist, erklärt der Ratgeber Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.
Prä- und Probiotika: Probiotika enthalten lebende Bakterien, Präbiotika nicht verdaubare Ballaststoffe [5]. Ob solche Mittel bei Laktoseintoleranz helfen, ist bisher unklar [1, 3].
Milchzucker in Medikamenten
Der Anhang zur Leitlinie der Europäischen Kommission über Hilfsstoffe in der Packungsbeilage (Revision 5 vom 5. Dezember 2025) sieht für Lactose in Arzneimitteln zum Einnehmen mit dem Schwellenwert Null den Hinweis vor, das Mittel erst nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt einzunehmen, wenn eine Zuckerunverträglichkeit bekannt ist. Für die Fachinformation schlägt er vor, dass Menschen mit der seltenen erblichen Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption das Arzneimittel nicht anwenden sollten. Ab dem Schwellenwert von 5 g Lactose kommt ein Hinweis für Menschen mit Diabetes mellitus hinzu [9]. In der Packungsbeilage steht Lactose in Abschnitt 2 und bei den sonstigen Bestandteilen in Abschnitt 6, etwa als Lactose-Monohydrat [11, 13].
| Wirkstoff (Anwendung) | Beispiel und Lactose-Gehalt | Hinweis in der Packungsbeilage | Hinweis in der Fachinformation |
|---|---|---|---|
| Loperamid (gegen Durchfall) | Loperamid-ratiopharm akut 2 mg Filmtabletten: 42,8 mg Lactose-Monohydrat je Filmtablette [12] | Bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern erst nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt einnehmen [11] | Menschen mit seltener erblicher Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten es nicht einnehmen [12] |
| Cetirizin (gegen Allergien) | Cetirizin-ratiopharm bei Allergien: 64 mg Lactose-Monohydrat je Filmtablette [14] | Bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern erst nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt einnehmen [13] | Menschen mit seltener erblicher Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten es nicht einnehmen [14] |
| Lactulose (Abführmittel) | Lactulose-ratiopharm Sirup: herstellungsbedingt höchstens 17 g verdauliche Kohlenhydrate wie Fructose, Galactose und Lactose in 100 ml [15, 16] | Vor der Einnahme mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen, wenn sie oder er Ihnen eine Unverträglichkeit gegenüber einigen Zuckern mitgeteilt hat [15] | Menschen mit seltener erblicher Galactose-Intoleranz, etwa Galaktosämie, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten es nicht einnehmen [16] |
| Budesonid (Pulver zur Inhalation bei Asthma) | Budesonid Easyhaler 0,2 mg/Dosis: eine geringe Menge Lactose, die geringe Mengen Milchprotein enthält [17] | Die Menge verursacht wahrscheinlich keine Probleme, auch bei einer Unverträglichkeit für Lactose; bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern trotzdem erst nach Rücksprache anwenden. Bei Allergie gegen Lactose darf es nicht angewendet werden [17] | Menschen mit seltener erblicher Galactose-Unverträglichkeit, Lapp-Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Absorptionshemmung dürfen es nicht anwenden; das Milchprotein kann allergische Reaktionen auslösen [18] |
Mehr dazu im Ratgeber Hilfsstoffe wie Laktose und Gluten.
Nebenwirkungen der Medikamente
Die Mittel aus der Tabelle haben eigene Nebenwirkungen, und einige ähneln den Beschwerden einer Laktoseintoleranz [11, 13, 15, 17]. Wie häufig sie sind, gilt jeweils nur für den Wirkstoff, bei dem sie stehen; was "häufig" bedeutet, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
- Lactulose: Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, ist Durchfall; häufig, also bei bis zu 1 von 10, sind Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen [15].
- Loperamid: Häufig sind Verstopfung, Übelkeit, Blähungen, Schwindel und Kopfschmerzen [11].
- Cetirizin: Häufig sind Schläfrigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, ein wunder Rachen, bei Kindern eine laufende oder verstopfte Nase, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit und Müdigkeit [13].
- Budesonid zum Inhalieren: Häufig sind Rachenreizung, Schluckbeschwerden, Husten und Pilzinfektionen (Soor) von Mund oder Rachen. Mund und Rachen nach jeder Anwendung mit Wasser auszuspülen, kann laut Packungsbeilage helfen, diese Nebenwirkungen zu verhindern [17].
Treten Blähungen oder Durchfall erst seit einem neuen Medikament auf, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr dazu auf den Seiten Blähungen durch Medikamente und Durchfall durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [13]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Laktoseintoleranz
Kalzium: Milchprodukte sind für eine ausgewogene Ernährung nicht unbedingt notwendig, sie sind aber wichtige Kalziumlieferanten. Wer weniger Milchprodukte zu sich nimmt oder ganz auf sie verzichtet, hat es schwerer, den Kalziumbedarf zu decken; Jugendliche, Schwangere und ältere Menschen benötigen besonders viel Kalzium [1, 3]. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen Erwachsenen laut IQWiG eine Kalziumaufnahme von 700 bis 1.200 Milligramm am Tag, die sich allein durch die Nahrung erreichen lässt [6]. Als Kalziumquellen ohne Milchprodukte eignen sich laut IQWiG vor allem grünes Gemüse wie Blattspinat, Grünkohl, Fenchel und Brokkoli, Nüsse, kalziumreiches Mineralwasser mit über 150 Milligramm Kalzium pro Liter und mit Kalzium angereicherte Milchersatz-Getränke [6]. Gereifte Käsesorten wie Parmesan und alter Gouda enthalten kaum Milchzucker und sind gute Kalziumlieferanten [1]. Kalzium ist unter anderem für die Stabilität der Knochen wichtig [1]; mehr dazu unter Osteoporose.
Einkaufen: Milchzucker steckt vor allem in Milch und vielen Milchprodukten, in kleineren Mengen auch in manchen verarbeiteten Lebensmitteln wie Backwaren, Süßigkeiten, Wurst oder Fertiggerichten [4]. Nach der europäischen Lebensmittel-Informationsverordnung gehört Milch zu den 14 Stoffen, die im Zutatenverzeichnis verpackter Lebensmittel besonders hervorgehoben werden müssen; die Menge an Laktose muss nicht angegeben werden [4]. Hinweise auf Laktose sind Begriffe wie Milch, Milchzucker, Laktose oder Lactose, Laktosemonohydrat, Milchpulver und Molke. Keine Laktose enthalten dagegen Laktat (Milchsäure), der Zuckeraustauschstoff Laktit, Milcheiweiß und Milchsäurebakterien [4]. Bei unverpackter Ware, etwa im Restaurant oder beim Bäcker, müssen Unternehmen über Allergene informieren [4].
Im Alltag: Sorgen um die eigene Ernährung können belastend sein und mitunter unzufriedener machen als die Beschwerden selbst. Die meisten Menschen finden aber mit der Zeit heraus, was sie ohne Probleme essen können [3]. Wer eine ausgeprägte Laktoseintoleranz hat, lässt Milchprodukte meist ganz weg; außer Haus kann das schwierig sein [5].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bevor Sie Ihre Ernährung umstellen, ist es laut gesund.bund.de wichtig, dass zunächst eine Ärztin oder ein Arzt die Laktoseintoleranz feststellt; reagiert jemand empfindlich auf Milch, kann auch ein anderes Problem dahinterstecken [1, 5]. Durchfall kann zum Beispiel auf eine Infektion, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder einen Reizdarm zurückgehen [7].
Schwindel und Kreislaufprobleme können darauf hinweisen, dass der Körper durch Durchfall zu viel Flüssigkeit und Salze verloren hat; dann ist laut IQWiG rasche ärztliche Hilfe nötig. Weitere Gründe für ärztliche Hilfe bei Durchfall sind keine Besserung nach 48 Stunden, hohes Fieber, Blut im Stuhl (rotes Blut oder schwarzer Stuhl), Schleim auf dem Stuhl und starke Schmerzen [7].
Eine Nahrungsmittelallergie, etwa gegen Kuhmilch, kann zu einer anaphylaktischen Reaktion führen. Mögliche Zeichen sind laut gesund.bund.de Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit, Hautausschlag und Schwellungen im Gesicht; schwellen die Atemwege an, kann das Atemnot hervorrufen [8]. Schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten kann der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zum Beispiel anhaltenden Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme und akute Bauchschmerzen versorgen, wenn die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann [19]. Mehr dazu: Anaphylaxie.
Quellen
- Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit): Überblick. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.11.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Ursachen und Diagnose von Laktoseintoleranz. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.11.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Ernährung bei Laktoseintoleranz. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.11.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Einkaufen bei Laktoseintoleranz. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.11.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Laktoseintoleranz. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 23.02.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Wie kann ich meinen Kalziumbedarf decken?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.09.2021. abgerufen am 17.10.2026
- Durchfall. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Nahrungsmittelallergie. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 27.05.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Anhang zur Leitlinie der Europäischen Kommission "Sonstige Bestandteile in der Etikettierung und Packungsbeilage von Humanarzneimitteln" (SANTE-2017-11668), Revision 5, Tabellenblatt DE, Einträge Lactose. Europäische Kommission, veröffentlicht von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 05.12.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Loperamid-ratiopharm akut 2 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Loperamid-ratiopharm akut 2 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cetirizin-ratiopharm bei Allergien 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Cetirizin-ratiopharm bei Allergien 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lactulose-ratiopharm Sirup 66,7 g/100 ml. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Lactulose-ratiopharm Sirup. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Budesonid Easyhaler 0,2 mg/Dosis Pulver zur Inhalation. Orion Corporation (Mitvertrieb Orion Pharma GmbH). Stand 02/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Budesonid Easyhaler 0,1 mg/0,2 mg/0,4 mg/Dosis Pulver zur Inhalation. Orion Corporation (Mitvertrieb Orion Pharma GmbH). Stand 02/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen bei Laktoseintoleranz?
Eine Behandlung, mit der eine Laktoseintoleranz geheilt werden kann, gibt es laut IQWiG nicht. Manche Menschen nehmen vorbeugend Laktase-Tabletten oder -Kapseln, also Nahrungsergänzungsmittel mit dem Enzym, das Milchzucker spaltet; wie hilfreich sie sind, lässt sich laut IQWiG noch nicht gut beurteilen. Unklar ist auch, ob Prä- oder Probiotika helfen. Bei einer erworbenen Laktoseintoleranz wird die auslösende Erkrankung behandelt; erholt sich die Darmschleimhaut, verschwinden laut IQWiG auch die Beschwerden.
Darf ich Tabletten mit Milchzucker nehmen, wenn ich eine Laktoseintoleranz habe?
Tabletten können Lactose als Hilfsstoff enthalten, eine Filmtablette Cetirizin-ratiopharm bei Allergien zum Beispiel 64 mg Lactose-Monohydrat. Ist Ihnen eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern bekannt, nehmen Sie solche Präparate laut Packungsbeilage erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein. Laut Fachinformation sollten Menschen mit der seltenen erblichen Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sie nicht einnehmen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Wie viel Laktose vertrage ich bei einer Laktoseintoleranz?
Das kann sehr unterschiedlich sein. In der Regel vertragen Menschen mit Laktoseintoleranz laut IQWiG bis zu 12 Gramm Laktose auf einmal, das entspricht etwa 250 Milliliter Milch, und bis zu 24 Gramm über den Tag verteilt, etwa 500 Milliliter Milch. Zusammen mit anderen Lebensmitteln können die Beschwerden schwächer ausfallen. Fällt es Ihnen schwer, auf Milchprodukte zu verzichten, können Sie laut gesund.bund.de ausprobieren, wie viel Laktose Sie ohne Beschwerden vertragen, und diese Menge über den Tag verteilt mit anderen Lebensmitteln kombinieren.
Wie wird eine Laktoseintoleranz festgestellt?
Meist überweist die Hausarztpraxis laut IQWiG an eine gastroenterologische Praxis. Infrage kommen ein Atemtest, bei dem nach dem Trinken einer Milchzuckerlösung mehrmals der Wasserstoff in der Atemluft gemessen wird, ein Laktose-Toleranz-Test mit Blutzuckermessungen und ein Auslassungstest mit anschließendem Belastungstest. Das Standardverfahren in Deutschland ist der Atemtest. Sicher ist die Diagnose nur, wenn während des Tests auch typische Beschwerden auftreten.
Ist eine Laktoseintoleranz eine Allergie?
Nein. Bei einer Milchallergie reagiert der Körper laut IQWiG selbst auf geringste Mengen Milch oder Milchprodukte; Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen dagegen bestimmte Mengen Milchzucker ohne Beschwerden. Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich unschädliche Eiweiße. Laut Packungsbeilage von Budesonid Easyhaler enthält die Lactose darin geringe Mengen Milchprotein, das allergische Reaktionen auslösen kann.
Muss ich bei Laktoseintoleranz auf Kalzium achten?
Ja. Wer weniger Milchprodukte zu sich nimmt oder ganz auf sie verzichtet, hat es laut IQWiG schwerer, den Kalziumbedarf zu decken; Jugendliche, Schwangere und ältere Menschen benötigen besonders viel Kalzium. Kalzium steckt auch in grünem Gemüse wie Spinat und Grünkohl, in kalziumreichem Mineralwasser, in Nüssen und in mit Kalzium angereicherten Milchersatz-Getränken. Gereifte Käsesorten wie Parmesan und alter Gouda enthalten kaum Milchzucker und sind gute Kalziumlieferanten.
Was bedeutet "laktosefrei" auf Lebensmitteln?
Wann die Begriffe "laktosearm" und "laktosefrei" zulässig sind, ist laut IQWiG bisher nicht gesetzlich geregelt. Ein Produkt mit weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm darf als laktosefrei bezeichnet werden. Weil die Begriffe nicht geschützt sind, können auch Lebensmittel, die von Natur aus keine Laktose enthalten, so gekennzeichnet sein. Milch gehört zu den 14 Stoffen, die im Zutatenverzeichnis verpackter Lebensmittel hervorgehoben werden müssen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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