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Reizdarm

Beim Reizdarmsyndrom bestehen laut IQWiG länger als drei Monate Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen mit verändertem Stuhlgang, ohne dass eine andere Erkrankung sie erklärt; es ist nicht gefährlich, kann im Alltag aber belastend sein. Eine Standardtherapie gibt es laut S3-Leitlinie von 2021 nicht, Medikamente sollten sich nach den Beschwerden richten (Empfehlungsgrad B): Bei Bauchschmerzen sollen krampflösende Mittel empfohlen und Pfefferminzöl erwogen werden (jeweils A), bei Durchfall sollte Loperamid eingesetzt werden (B), bei Verstopfung sollen Abführmittel vom Macrogol-Typ empfohlen werden (A). Deutlicher Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder Blässe deuten laut IQWiG eher auf eine andere Darmerkrankung hin; Blut im Stuhl sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden.

Frau Anfang dreißig mit langem dunkelblondem Haar in einem salbeigrünen Kapuzenpullover macht auf einer Matte in einem hellen Wohnzimmer mit Pflanzen eine ruhige Yoga-Dehnübung
Bild: KI-generiert

Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) typische Beschwerden eines Reizdarmsyndroms. Es ist nicht gefährlich, die meisten Betroffenen haben nur leichte Beschwerden; bei manchen schränken sie das tägliche Leben aber erheblich ein [1]. Eine Standardtherapie gibt es laut S3-Leitlinie nicht, Medikamente sollten sich nach den Beschwerden richten (Empfehlungsgrad B) [4].

Was ist ein Reizdarm?

Das Reizdarmsyndrom (RDS) wird auch nervöser Darm oder Reizkolon genannt [1]. Laut IQWiG sprechen Fachleute davon, wenn Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen länger als drei Monate anhalten und der Stuhlgang verändert ist, wenn die Beschwerden die Lebensqualität spürbar verschlechtern, sodass man Hilfe sucht, und wenn es keine Hinweise darauf gibt, dass eine andere Erkrankung sie verursacht [1]. Ähnlich definiert es die S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM), Version 2.0 von Juni 2021, die die DGVS derzeit aktualisiert [4].

Schätzungen zufolge haben etwa 10 bis 20 von 100 Menschen ein Reizdarmsyndrom. Meist tritt es erstmals im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auf, Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer [1, 3]. Das Reizdarmsyndrom verläuft meist chronisch und oft in Schüben: Zeiten mit leichten oder gar keinen Beschwerden wechseln mit Phasen stärkerer Beschwerden. Heilen lässt es sich nicht, viele Menschen finden aber mit der Zeit heraus, was ihrem Darm guttut [1].

Symptome

Zu den typischen Beschwerden gehören laut IQWiG anhaltende Bauch- oder Unterleibsschmerzen, Krämpfe und ein veränderter Stuhl. Frauen haben eher mit Verstopfung zu tun, Männer eher mit Durchfall; bei manchen wechseln sich beide ab. Völlegefühl, Blähungen oder schleimiger Ausfluss können weitere Anzeichen sein [1]. Manche spüren plötzlich so starken Stuhldrang, dass sie schnell eine Toilette brauchen [1].

Für die Behandlung sollte laut Leitlinie unterschieden werden, ob Verstopfung, Durchfall oder ein wechselnder, gemischter Stuhlgang überwiegt (Empfehlungsgrad B) [4]. Mehr dazu: Blähungen, Verstopfung und Durchfall.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen sind laut IQWiG noch nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird unter anderem, dass überempfindliche Darmnerven, Störungen der Darmmuskulatur, Veränderungen der Darmflora und Entzündungen der Darmwand eine Rolle spielen [1]. Häufiger tritt ein Reizdarmsyndrom bei Menschen auf, die schon einmal eine Darminfektion mit Fieber und heftigem Durchfall hatten oder Antibiotika eingenommen haben; auch eine erbliche Veranlagung könnte beteiligt sein [1]. Psychische Belastungen und Stress, Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittelunverträglichkeiten gelten als mögliche Auslöser. Bei vielen dieser Faktoren ist aber unklar, ob sie eher Ursache oder Folge des Reizdarms sind [1].

Medikamente: Antibiotika beeinflussen laut IQWiG die Darmflora, was bei manchen Menschen ein Reizdarmsyndrom erst auslösen oder die Beschwerden verstärken könnte [2]. Welche Medikamente Durchfall, Verstopfung oder Blähungen als Nebenwirkung nennen, steht auf den Seiten Durchfall durch Medikamente, Verstopfung durch Medikamente und Blähungen durch Medikamente.

Diagnose

Für die Diagnose fragt die Ärztin oder der Arzt laut IQWiG nach den Beschwerden, nach bekannten Unverträglichkeiten oder Erkrankungen und nach den Lebensumständen, etwa ob die Beschwerden bei Stress häufiger auftreten. Durch Bluttests und weitere Untersuchungen lassen sich andere Ursachen ausschließen [1]. Laut Leitlinie sollen für die Diagnose grundsätzlich zwei Dinge erfüllt sein: Die Vorgeschichte passt zum Reizdarmsyndrom, und andere Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden sind gezielt ausgeschlossen (Empfehlungsgrad A). Tauchen danach keine neuen Gesichtspunkte auf, soll die Diagnostik nicht wiederholt werden (Empfehlungsgrad A) [4].

Ähnliche Beschwerden können laut IQWiG zum Beispiel eine Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktoseintoleranz) oder eine Zöliakie verursachen; sie können auch zusammen mit einem Reizdarm vorkommen [1]. Deutlicher Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder Blässe deuten eher auf eine andere Darmerkrankung hin, etwa auf Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder eine Divertikulitis [1]. Darmkrebs ist bei Menschen unter 50 Jahren sehr selten; Blut im Stuhl sollte aber grundsätzlich ärztlich untersucht werden [1]. Gibt es Hinweise auf eine Unverträglichkeit, sollte laut Leitlinie ein Tagebuch über Ernährung und Beschwerden geführt und danach eine zunächst befristete, gezielte Auslassdiät der gefundenen Auslöser versucht werden (Empfehlungsgrad B) [4].

Behandlung ohne Medikamente

Eine ausgewogene Ernährung und genug Bewegung gelten laut IQWiG als Voraussetzungen für eine gesunde Verdauung. Wer das Gefühl hat, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden verstärken, kann testen, ob es hilft, darauf zu verzichten. Manche haben weniger Beschwerden, wenn sie mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt essen; ein Ernährungstagebuch kann helfen herauszufinden, was guttut [1]. Einheitliche Ernährungsempfehlungen für alle Menschen mit Reizdarm kann die Leitlinie nicht geben, wohl aber viele persönliche, die sich an den Beschwerden orientieren (Empfehlungsgrad 0). Längerfristige Auslassdiäten sollten nur bei gesichertem Nachweis einer Unverträglichkeit und unter ernährungsmedizinischer Beratung und Kontrolle versucht werden (Empfehlungsgrad B) [4].

Laut IQWiG weisen Studien darauf hin, dass eine FODMAP-Diät, also der Verzicht auf bestimmte vergärbare Kohlenhydrate wie Fruchtzucker, Milchzucker oder Zuckeralkohole, bei manchen Menschen die Beschwerden verbessern könnte. Dabei besteht das Risiko einer Mangelernährung, und die strenge Diät ist im Alltag schwer einzuhalten [2]. Dass zusätzliche Ballaststoff-Präparate helfen, ist laut IQWiG nicht nachgewiesen; wer sie ausprobieren möchte, nimmt eher lösliche Ballaststoffe wie Flohsamen [2].

Sport und körperliche Aktivität sollten laut Leitlinie empfohlen werden (Empfehlungsgrad B) [4]. Hinweise, dass sie helfen können, gibt es laut IQWiG für sportliche Aktivität wie Radfahren oder Yoga und für psychologische Behandlungen wie die kognitive Verhaltenstherapie [2]. Psychotherapeutische Verfahren sollen laut Leitlinie bei passender Indikation als Teil des Behandlungskonzepts angeboten werden (Empfehlungsgrad A, aktualisiert 2025) [4]. Für Homöopathie ist laut IQWiG durch Studien nachgewiesen, dass sie nicht wirkt; Darmspülungen haben Risiken wie Störungen des Salzhaushalts, Infektionen und Verletzungen der Darmwand [2].

Behandlung mit Medikamenten

Mann Anfang vierzig mit kurzem braunem Haar in einem rostorangen Pullover schneidet in einer hellen Küche Zucchini und Karotten auf einem Holzbrett
Bild: KI-generiert

Wegen der unterschiedlichen Formen des Reizdarmsyndroms gibt es laut Leitlinie keine Standardtherapie; jede Behandlung ist zunächst ein Versuch, dessen Dauer vorher mit Ihnen besprochen werden sollte. Ein Behandlungsversuch mit einem Medikament, das nicht anspricht, sollte nach spätestens 3 Monaten beendet werden (Empfehlungsgrad B/0). Die Behandlung mit Medikamenten sollte sich nach den Beschwerden richten; ihr Erfolg misst sich an der Besserung und an der Verträglichkeit (Empfehlungsgrad B) [4]. Laut IQWiG gibt es keine Behandlung, die die Beschwerden sicher lindert, und die meisten Behandlungen sind bisher nicht gut untersucht [1, 2].

Laut Leitlinie gilt je nach Beschwerde [4]:

  • Bauchschmerzen: Krampflösende Mittel (Spasmolytika) sollen empfohlen werden (Empfehlungsgrad A). Pfefferminzöl hat sich vor allem gegen Schmerzen und Blähungen als wirksam erwiesen und soll erwogen werden (Empfehlungsgrad A).
  • Durchfall: Loperamid sollte eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B).
  • Verstopfung: Bei Erwachsenen sollten Ballaststoffe eingesetzt werden, bevorzugt lösliche (Empfehlungsgrad B); Abführmittel vom Macrogol-Typ sollen empfohlen werden (Empfehlungsgrad A); andere Abführmittel sollten je nach Verträglichkeit empfohlen werden (Empfehlungsgrad B).
Zugelassene Medikamente gegen Reizdarm-Beschwerden: Beispiele mit eigener Wirkstoffseite
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Krampflösende Mittel (Spasmolytika), bei Bauchschmerzen und KrämpfenButylscopolamin (rezeptfrei), Mebeverin (verschreibungspflichtig)Butylscopolamin: krampflösendes Mittel, viele Nebenwirkungen gehen auf seine anticholinergen Eigenschaften zurück [5]; Mebeverin: wirkt gezielt auf die glatte Muskulatur des Verdauungstrakts und lindert Krämpfe, ohne die normale Darmtätigkeit zu beeinflussen [6]Butylscopolamin: keine häufigen Nebenwirkungen; gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten, unter anderem Mundtrockenheit, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Magenbeschwerden, schnellerer Herzschlag, Blutdruckabfall, Schwindel, Müdigkeit, Hautreaktionen [5]; Mebeverin: sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten, Überempfindlichkeitsreaktionen, vor allem der Haut, Schwindel, Benommenheit, Verwirrtheit, Übelkeit [6]
Mittel gegen DurchfallLoperamidBindet an Opioidrezeptoren in der Darmwand; die vorantreibenden Darmbewegungen nehmen ab, der Darminhalt braucht länger, Stuhldrang und Inkontinenz gehen zurück [8]Häufig, also bei bis zu 1 von 10: Kopfschmerzen, Schwindel, Verstopfung, Übelkeit, Blähungen [7]
Abführmittel vom Macrogol-TypMacrogolWirkt durch Wasserbindung im Darm (osmotisch): Das Stuhlvolumen nimmt zu, das regt die Bewegungen des Dickdarms an, der aufgeweichte Stuhl wird besser weitertransportiert [11]Ohne bekannte Häufigkeit, unter anderem: Bauchschmerzen, Darmgeräusche, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Beschwerden am After, Blähbauch, Blähungen, geschwollene Hände, Füße oder Knöchel, Kopfschmerzen, Verdauungsstörung [10]

"Ohne bekannte Häufigkeit" heißt, dass sie sich aus den verfügbaren Daten nicht abschätzen lässt [10]. Jede Häufigkeit gilt nur für das Präparat, bei dem sie steht; mehr dazu im Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Krampflösende Mittel

Butylscopolamin ist laut IQWiG rezeptfrei in der Apotheke erhältlich [2]. Die Dragées sind laut Packungsbeilage zur Behandlung leichter bis mäßig starker Krämpfe des Magen-Darm-Trakts und krampfartiger Bauchschmerzen beim Reizdarmsyndrom zugelassen, für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren. Ohne ärztlichen Rat nehmen Sie sie nicht länger als 5 Tage ein [5]. Mebeverin ist laut Fachinformation beim Reizdarmsyndrom angezeigt, also bei Bauchschmerzen mit Störungen der Stuhlentleerung sowie Blähungen; für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird es nicht empfohlen [6]. Ob Mebeverin hilft, lässt sich laut IQWiG mangels Studienergebnissen nicht sagen [2]. Die Angaben zur Dosis stehen unter Butylscopolamin und Mebeverin.

Pfefferminzöl soll laut IQWiG die Darmmuskulatur entspannen; Studien zeigen, dass manche Menschen zumindest kurzfristig davon profitieren. In den Studien wurde es in magensaftresistenten Kapseln eingenommen; ob auch Lösungen oder Tropfen helfen, ist unklar [2].

Mittel gegen Durchfall

Rezeptfreies Loperamid ist laut Packungsbeilage zur Behandlung akuter Durchfälle bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren bestimmt; ohne ärztlichen Rat nehmen Sie es nicht länger als 2 Tage ein, und chronische Durchfallerkrankungen dürfen nur nach ärztlicher Verordnung behandelt werden [9]. Verschreibungspflichtiges Loperamid wird bei Durchfällen angewendet, wenn keine Behandlung der Ursache möglich ist; eine langfristige Anwendung braucht ärztliche Verlaufsbeobachtung [7]. Die Angaben zur Dosis stehen unter Loperamid. Mittel gegen Durchfall können laut IQWiG eine Verstopfung auslösen, wenn sie zu stark wirken; wechseln sich Durchfall und Verstopfung ab, ist es besonders wichtig, dass die Medikamente die Beschwerden nicht verstärken [2].

Rifaximin: Dieses Antibiotikum ist laut IQWiG in Deutschland nur zur Behandlung von Reisedurchfall zugelassen; eine Ärztin oder ein Arzt kann es nach ausführlicher Aufklärung außerhalb der Zulassung verordnen [2]. Laut Leitlinie sollte es bei einem anders nicht behandelbaren Reizdarmsyndrom ohne Verstopfung erwogen werden (Empfehlungsgrad B) [4]. Mehr dazu: Off-Label-Use.

Mittel gegen Verstopfung

Macrogol ist laut Packungsbeilage zur Behandlung chronischer Verstopfung bei Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Menschen zugelassen; für Kinder unter 12 Jahren wird dieses Präparat nicht empfohlen. Die Anwendung sollte normalerweise nicht länger als 2 Wochen dauern, länger nur auf ärztlichen Rat [10]. Die Angaben zur Dosis stehen unter Macrogol. Weitere Abführmittel sind zum Beispiel Lactulose, Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Wirken herkömmliche Abführmittel nicht oder werden sie nicht vertragen, sollte laut Leitlinie Prucaloprid versucht werden; bei Verstopfung, die auf Abführmittel nicht anspricht, und besonders bei begleitenden Bauchschmerzen und Blähungen sollte Linaclotid empfohlen werden (jeweils Empfehlungsgrad B) [4]. Beide sind laut IQWiG verschreibungspflichtig [2].

Antidepressiva

Das Antidepressivum Amitriptylin sollte laut Leitlinie bei Erwachsenen gegen Schmerzen und die Gesamtheit der Beschwerden eingesetzt werden, außer bei Verstopfung (Empfehlungsgrad B); Antidepressiva vom SSRI-Typ können bei zusätzlichen psychischen Erkrankungen erwogen werden (Empfehlungsgrad 0) [4]. Laut IQWiG sind Antidepressiva in Deutschland nicht zur Behandlung des Reizdarmsyndroms zugelassen und können nur außerhalb der Zulassung eingesetzt werden. Vermutet wird eine schmerzlindernde Wirkung; in der Regel werden sie erst erwogen, wenn andere Behandlungen nicht geholfen haben [2]. Mehr dazu: Antidepressiva.

Was die Leitlinie nicht empfiehlt

Gegen Bauchschmerzen sollten laut Leitlinie periphere Schmerzmittel (ASS, Paracetamol, NSAR, Metamizol) nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B), Opioide (µ-Opioid-Agonisten) sollen dafür nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Mesalazin sollte beim Reizdarmsyndrom nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B). Für entschäumende Mittel wie Simeticon gegen Blähungen kann die Leitlinie keine Empfehlung geben (Empfehlungsgrad 0) [4]. Mehr dazu: Nichtopioid-Analgetika, Opioide und Simeticon.

Probiotika: Ausgewählte Probiotika sollten laut Leitlinie in der Behandlung eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B) [4]. Laut IQWiG konnten sie in einigen Studien die Beschwerden bei einigen Teilnehmenden lindern; welche Bakterienart und welche Menge am besten wirken, ist noch nicht ausreichend erforscht [2].

Schwangerschaft

Buscopan Dragées sollten Sie laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht anwenden, weil keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen [5]. Mebeverin wird laut Fachinformation in der Schwangerschaft nicht empfohlen und sollte in der Stillzeit nicht eingenommen werden [6]. Loperamid sollten Sie laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht einnehmen [7]. Macrogol kann laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden; fragen Sie vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [10]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Medikamente

Butylscopolamin: Viele Nebenwirkungen gehen laut Packungsbeilage auf die anticholinergen Eigenschaften zurück und sind im Allgemeinen mild und klingen von selbst ab. Gelegentlich sind unter anderem Mundtrockenheit, ein schnellerer Herzschlag, Blutdruckabfall, Schwindel und Müdigkeit; selten Störungen beim Wasserlassen; sehr selten Störungen beim Nahsehen und starke Augenschmerzen bei Grünem Star [5]. Nicht eingenommen werden darf es unter anderem bei mechanischen Verengungen im Magen-Darm-Trakt, Darmlähmung oder Darmverschluss, Harnverhaltung durch eine Verengung der Harnwege, Grünem Star mit engem Kammerwinkel, krankhaft beschleunigtem oder unregelmäßigem Herzschlag und Myasthenia gravis [5]. Andere Mittel mit anticholinergen Wirkungen, etwa tri- und tetrazyklische Antidepressiva, Antipsychotika oder Antihistaminika, können diese Effekte verstärken [5].

Mebeverin: Sehr selten wurden laut Fachinformation Schwindel, Benommenheit, Verwirrtheit, Übelkeit und allergische Reaktionen beobachtet, vor allem der Haut mit Juckreiz, Ausschlag, Nesselsucht und Schwellungen meist im Gesicht (Angioödem); in Einzelfällen trat ein anaphylaktischer Schock auf [6]. Bei einem Darmverschluss durch Darmlähmung darf es nicht eingenommen werden [6]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.

Loperamid: Häufig sind laut Packungsbeilage Kopfschmerzen, Schwindel, Verstopfung, Übelkeit und Blähungen [7]. Bei Verstopfung, aufgetriebenem Leib oder Darmverschluss muss Loperamid sofort abgesetzt werden [7, 9]. Oberbauchschmerzen, in den Rücken ausstrahlende Bauchschmerzen, ein druckempfindlicher Bauch, Fieber, schneller Puls, Übelkeit oder Erbrechen können Zeichen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse sein; dann brechen Sie die Anwendung laut Packungsbeilage ab und holen umgehend ärztliche Hilfe [9]. Wer zu viel eingenommen hat, holt laut Packungsbeilage umgehend ärztlichen Rat ein oder wendet sich an ein Krankenhaus; möglich sind unter anderem eine erhöhte Herzfrequenz und ein unregelmäßiger Herzschlag mit möglicherweise lebensbedrohlichen Folgen [7].

Macrogol: Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion wie Atembeschwerden, Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen, Nesselsucht, Juckreiz oder Hautausschlag sowie bei Zeichen einer Verschiebung im Flüssigkeits- oder Salzhaushalt wie geschwollenen Knöcheln, Schwäche, Müdigkeit und verstärktem Durst mit Kopfschmerzen nehmen Sie es laut Packungsbeilage nicht weiter ein und suchen sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [10]. Leichter Durchfall zu Beginn bessert sich im Allgemeinen, sobald die Dosis verringert wird [10]. Nicht eingenommen werden darf Macrogol unter anderem bei einem Darmverschluss oder Durchbruch der Darmwand und bei schweren entzündlichen Darmerkrankungen [10].

Manche Antidepressiva können laut IQWiG selbst zu Verstopfung oder Durchfall führen [2]; ihre Nebenwirkungen stehen auf der Seite Amitriptylin. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Reizdarm

Mit einem leichten Reizdarmsyndrom kommen laut IQWiG die meisten Menschen gut zurecht. Wer plötzlich starken Stuhldrang bekommt, muss Mahlzeiten und Verabredungen oft genau planen; hinzu kommen Schamgefühle, und manchmal wird der Reizdarm von anderen oder auch von Ärztinnen und Ärzten nicht ernst genommen [1]. Kleinigkeiten können den Alltag erleichtern, zum Beispiel eigenes Essen zu einer Feier mitzubringen, sich früh zu erkundigen, wo die Toiletten sind, oder sich im Kino an den Gang zu setzen [1]. Unterstützung bieten laut IQWiG Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen [1]. Fragen für den nächsten Arzttermin können Sie mit dem Werkzeug Fragen für das Arztgespräch sammeln.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Deutlicher Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder Blässe deuten laut IQWiG eher auf eine andere Darmerkrankung hin; Blut im Stuhl sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden. Plötzliche starke Bauchschmerzen können zum Beispiel durch Gallensteine verursacht werden [1]. Bleiben schwere Bauchschmerzen bestehen, verschlimmern sie sich oder treten sie zusammen mit Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Veränderungen der Darmbewegungen, einem druckempfindlichen Bauch, Blutdruckabfall, Ohnmacht oder Blut im Stuhl auf, sollten Sie laut Packungsbeilage von Butylscopolamin umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [5].

Akute Bauchschmerzen kann laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 versorgen, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung und starke, nicht stillbare Blutungen sind Fälle für den Notruf 112 [12].

Quellen

  1. Reizdarmsyndrom. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.02.2023. abgerufen am 17.10.2026
  2. Was hilft bei Reizdarm und was nicht?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.02.2023. abgerufen am 17.10.2026
  3. Behörde Reizdarmsyndrom: Symptome und Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 28.08.2024. abgerufen am 17.10.2026
  4. Leitlinie S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie, Version 2.0 (AWMF-Register-Nr. 021-016), digitale Fassung mit Empfehlungen; einzelne Empfehlungen 2024 und 2025 aktualisiert, laut DGVS wird die Leitlinie aktualisiert. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). Stand 06/2021. abgerufen am 17.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Buscopan Dragées 10 mg überzogene Tabletten. A. Nattermann & Cie. GmbH. Stand 09/2023. abgerufen am 17.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Duspatal 135 mg Überzogene Tabletten (Mebeverinhydrochlorid), Herstellerdokument, einzeln über den Fachinfo-Service abgerufen, weil der Zulassungsinhaber keine eigene Fassung bereitstellt und auf das Portal verweist. Viatris Healthcare GmbH. Stand 04/2022. abgerufen am 17.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Loperamid-ratiopharm 2 mg Filmtabletten (verschreibungspflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 03/2022. abgerufen am 17.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Loperamid-ratiopharm 2 mg Filmtabletten (verschreibungspflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 03/2022. abgerufen am 17.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Loperamid-ratiopharm akut 2 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Macrogol-ratiopharm Balance Pulver zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
  11. Fachinformation Fachinformation Macrogol-ratiopharm Balance Pulver zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
  12. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft schnell gegen Reizdarm-Beschwerden?

Eine Standardtherapie gibt es laut S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom nicht; Medikamente sollten sich nach den Beschwerden richten (Empfehlungsgrad B). Bei Bauchschmerzen sollen krampflösende Mittel empfohlen und Pfefferminzöl erwogen werden (jeweils Empfehlungsgrad A), bei Verstopfung sollen Abführmittel vom Macrogol-Typ empfohlen werden (A), bei Durchfall sollte Loperamid eingesetzt werden (B). Laut IQWiG gibt es keine Behandlung, die die Beschwerden sicher lindert; am besten probiert man in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt aus, was helfen könnte.

Darf ich Buscopan bei Reizdarm nehmen?

Buscopan Dragées mit dem Wirkstoff Butylscopolamin sind laut Packungsbeilage unter anderem zur Behandlung krampfartiger Bauchschmerzen beim Reizdarmsyndrom zugelassen, für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren. Ohne ärztlichen Rat nehmen Sie sie nicht länger als 5 Tage ein. Nicht eingenommen werden dürfen sie unter anderem bei Grünem Star mit engem Kammerwinkel, Herzrasen, Myasthenia gravis oder einem Darmverschluss. Wie viel Sie laut Packungsbeilage nehmen dürfen, steht unter Butylscopolamin.

Was hilft bei Reizdarm mit Durchfall?

Laut S3-Leitlinie sollte Loperamid gegen das Symptom Durchfall eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B). Rezeptfreies Loperamid ist laut Packungsbeilage nur für akuten Durchfall ab 12 Jahren gedacht und ohne ärztlichen Rat höchstens 2 Tage; chronische Durchfallerkrankungen dürfen nur nach ärztlicher Verordnung behandelt werden. Mehr dazu: Loperamid.

Was hilft bei Reizdarm mit Verstopfung?

Laut S3-Leitlinie sollten bei Erwachsenen Ballaststoffe eingesetzt werden, bevorzugt lösliche (Empfehlungsgrad B; laut IQWiG etwa Flohsamen), und Abführmittel vom Macrogol-Typ sollen empfohlen werden (A). Wirken herkömmliche Abführmittel nicht oder werden sie nicht vertragen, sollte Prucaloprid versucht werden; bei Verstopfung, die auf Abführmittel nicht anspricht, und besonders bei Bauchschmerzen und Blähungen sollte Linaclotid empfohlen werden (jeweils B). Macrogol ist laut Packungsbeilage gegen chronische Verstopfung ab 12 Jahren zugelassen und sollte ohne ärztlichen Rat normalerweise nicht länger als 2 Wochen eingenommen werden.

Helfen Antidepressiva bei Reizdarm?

Laut S3-Leitlinie sollte das Antidepressivum Amitriptylin bei Erwachsenen gegen Schmerzen und die Gesamtheit der Beschwerden eingesetzt werden, außer bei Verstopfung (Empfehlungsgrad B); Antidepressiva vom SSRI-Typ können bei zusätzlichen psychischen Erkrankungen erwogen werden (Empfehlungsgrad 0). Laut IQWiG sind Antidepressiva in Deutschland nicht zur Behandlung des Reizdarmsyndroms zugelassen und werden in der Regel nur erwogen, wenn andere Behandlungen nicht geholfen haben. Mehr dazu: Amitriptylin.

Darf ich bei Reizdarm Schmerzmittel wie Ibuprofen nehmen?

Gegen die Bauchschmerzen beim Reizdarm sollten laut S3-Leitlinie periphere Schmerzmittel, also ASS, Paracetamol, NSAR wie Ibuprofen und Metamizol, nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B), Opioide (µ-Opioid-Agonisten) sollen dafür nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Bei Bauchschmerzen sollen laut Leitlinie krampflösende Mittel empfohlen werden (Empfehlungsgrad A). Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie andere Schmerzmittel brauchen.

Hilft eine FODMAP-Diät bei Reizdarm?

Studien weisen laut IQWiG darauf hin, dass eine FODMAP-Diät, also der Verzicht auf bestimmte vergärbare Kohlenhydrate, bei manchen Menschen die Beschwerden verbessern könnte. Dabei besteht aber das Risiko einer Mangelernährung, und die strenge Diät ist im Alltag schwer einzuhalten. Längerfristige Auslassdiäten sollten laut S3-Leitlinie nur bei gesichertem Nachweis einer Unverträglichkeit und unter ernährungsmedizinischer Beratung und Kontrolle versucht werden (Empfehlungsgrad B).

Ist ein Reizdarm gefährlich?

Ein Reizdarmsyndrom ist laut IQWiG nicht gefährlich, es lässt sich aber nicht heilen und verläuft meist chronisch, oft in Schüben. Deutlicher Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder Blässe deuten eher auf eine andere Darmerkrankung hin; Blut im Stuhl sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden.

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