MedikamenteWirkstoff

Amitriptylin: Nebenwirkungen und Wirkung

Amitriptylin ist ein verschreibungspflichtiges trizyklisches Antidepressivum. Es wird bei Depression, Nervenschmerzen, zur Vorbeugung von chronischem Spannungskopfschmerz und Migräne sowie bei Kindern ab 6 Jahren gegen nächtliches Einnässen eingesetzt. Sehr häufige Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen und Gewichtszunahme. Bei Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid holen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Frau Anfang fünfzig mit kurzem braunem Haar sitzt am Abend ruhig im Sessel, neben ihr eine Tasse Tee und eine warme Lampe
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Aggression[1, 2]
  • Sehr häufig: Schläfrigkeit und Benommenheit[1, 2]
  • Sehr häufig: Zittern der Hände oder anderer Körperteile (Tremor)[1, 2]
  • Sehr häufig: Schwindel[1, 2]
  • Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Sehr häufig: Undeutliches oder langsames Sprechen (Dysarthrie)[1, 2]
  • Sehr häufig: Sehstörungen (Störung der Nah-Fern-Einstellung des Auges, Akkommodationsstörung)[1, 2]
  • Sehr häufig: Herzklopfen, unregelmäßiger oder schneller Herzschlag (Tachykardie)[1, 2]
  • Sehr häufig: Schwindelgefühl beim Aufstehen wegen zu niedrigen Blutdrucks (orthostatische Hypotonie)[1, 2]
  • Sehr häufig: Verstopfte Nase[1, 2]
  • Sehr häufig: Mundtrockenheit[1, 2]
  • Sehr häufig: Verstopfung[1, 2]
  • Sehr häufig: Übelkeit[1, 2]
  • Sehr häufig: Starkes Schwitzen (Hyperhidrose)[1, 2]
  • Sehr häufig: Gewichtszunahme[1, 2]
  • Häufig: Verwirrtheit[1, 2]
  • Häufig: Verminderter sexueller Antrieb (Libido vermindert)[1, 2]
  • Häufig: Ruhelosigkeit (Agitiertheit)[1, 2]
  • Häufig: Aufmerksamkeitsstörungen[1, 2]
  • Häufig: Geschmacksstörungen[1, 2]
  • Häufig: Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Armen oder Beinen (Parästhesie)[1, 2]
  • Häufig: Koordinationsstörungen (Ataxie)[1, 2]
  • Häufig: Erweiterte Pupillen (Mydriasis)[1, 2]
  • Häufig: Herzblock, also gestörte Erregungsleitung im Herzen (atrioventrikulärer Block, Schenkelblock)[1, 2]
  • Häufig: Störungen bei der Blasenentleerung[1, 2]
  • Häufig: Erektionsschwierigkeiten[1, 2]
  • Häufig: Müdigkeit[1, 2]
  • Häufig: Durstgefühl[1, 2]
  • Häufig: Veränderungen im EKG, darunter ein verlängertes QT-Intervall und ein verlängerter QRS-Komplex[1, 2]
  • Häufig: Zu niedriger Natriumwert im Blut (Hyponatriämie)[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Amitriptylin eingesetzt?

Amitriptylin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva [1, 2]. Bei Erwachsenen wird er zur Behandlung einer Depression (Episoden einer Major Depression) und von Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen) eingesetzt sowie zur Vorbeugung von chronischen Spannungskopfschmerzen und von Migräne [1, 2].

Bei Kindern ab 6 Jahren ist Amitriptylin gegen nächtliches Einnässen zugelassen, aber nur, wenn organische Ursachen wie eine Spina bifida ausgeschlossen sind und alle anderen medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungen keinen Erfolg hatten. Verordnen sollen es nur Ärztinnen und Ärzte mit Erfahrung bei anhaltendem Bettnässen [1, 2]. In den übrigen Anwendungsgebieten wird es bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet, weil Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen sind [1, 2].

Wie wirkt Amitriptylin?

Amitriptylin hemmt an den Nervenendigungen die Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin, sodass sie im Gehirn stärker wirken; das wird mit der Wirkung gegen Depressionen in Verbindung gebracht. Außerdem blockiert es Natrium-, Kalium- und NMDA-Kanäle im Gehirn und im Rückenmark. Die Wirkung auf Noradrenalin sowie auf Natrium- und NMDA-Kanäle trägt laut Fachinformation zur Linderung von Nervenschmerzen und zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerz und Migräne bei; die schmerzlindernde Wirkung beruht nicht auf der antidepressiven [2].

Amitriptylin hat ausgeprägte anticholinerge und beruhigende (sedierende) Eigenschaften [2]. Die antidepressive und die schmerzlindernde Wirkung setzen im Normalfall nach 2 bis 4 Wochen ein, die beruhigende Wirkung ohne Verzögerung. Die Halbwertszeit beträgt rund 25 Stunden [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation eine Häufigkeit angeben. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit nicht abschätzen [1, 2]. Mehr dazu im Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Sehr häufig sind unter anderem Mundtrockenheit, Verstopfung, Schläfrigkeit, Schwindel, Sehstörungen, Herzklopfen, starkes Schwitzen und Gewichtszunahme [1, 2]. Laut Fachinformation können einige Nebenwirkungen (zum Beispiel Kopfschmerzen, Zittern, Verstopfung und verminderte Libido) auch Zeichen der Depression sein und werden in der Regel schwächer, wenn sich der depressive Zustand bessert [2].

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • NervensystemGefühl innerer Unruhe mit überwältigendem Drang, sich ständig zu bewegen (Akathisie)[1, 2]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
  • NervensystemStörungen der peripheren Nerven (Polyneuropathie)[1, 2]Mehr dazu: Kribbeln und Taubheitsgefühl
  • AugenAkuter Anstieg des Drucks im Augapfel (akutes Glaukom, grüner Star) mit vorübergehenden Anfällen von verschwommenem Sehen, Regenbogensehen und Augenschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
  • HerzErkrankung des Herzmuskels (Kardiomyopathie)[1, 2]
  • HerzBestimmte Form eines gefährlichen Herzrhythmus (Torsades de Pointes)[1, 2]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
  • AtemwegeAllergische Entzündung der Lungenbläschen und des Lungengewebes (Alveolitis, Löffler-Syndrom)[1, 2]

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Suizidgedanken: Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid verstärkt sein, weil die Wirkung erst nach einiger Zeit eintritt. Wahrscheinlicher ist das bei früheren Suizidgedanken und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Die Packungsbeilage regt an, Angehörige oder Freunde einzubeziehen und sie zu bitten, auf Verschlechterungen oder Verhaltensänderungen zu achten [1]. Notrufnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Herz: Eine Verlängerung des QT-Intervalls im EKG ist laut Packungsbeilage häufig; mehr dazu auf der Seite QT-Verlängerung. Bei hoher Dosis können Herzrhythmusstörungen und ein zu niedriger Blutdruck auftreten, bei einer vorbestehenden Herzerkrankung auch bei normaler Dosierung [1, 2].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Ende fünfzig mit grauem Bart sitzt in einer hellen Küche am Tisch und trinkt ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Müdigkeit und Schwindel: Amitriptylin kann Schläfrigkeit und Schwindel hervorrufen, besonders zu Beginn der Behandlung. Dann dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen [1]. Schwindel beim Aufstehen durch niedrigen Blutdruck ist sehr häufig; ältere Menschen sind dafür besonders anfällig [1, 2]. Mehr im Ratgeber Medikamente und Autofahren.

Verstopfung und Wasserlassen: Die Fachinformation zählt Harnverhalt und Verstopfung zu den anticholinergen Beschwerden [2]. Schwere Verstopfung mit geschwollenem Bauch, Fieber und Erbrechen kann auf eine Darmlähmung hinweisen und braucht sofort ärztliche Hilfe [1]. Bei Problemen mit dem Wasserlassen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; Hintergründe unter Blasenprobleme.

Gewicht und Schwitzen: Wenn Sie zunehmen, stark schwitzen oder unter Mundtrockenheit leiden, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ändern Sie Dosis und Einnahme nicht ohne Rücksprache [1]. Gewichtszunahme gehört laut Packungsbeilage zu den sehr häufigen Nebenwirkungen [1]. Was Packungsbeilage, Fachinformation und Leitlinie dazu sagen und wann eine Zunahme ein Warnzeichen sein kann, lesen Sie unter Amitriptylin und Gewichtszunahme.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, auch über pflanzliche wie Johanniskraut [1]. MAO-Hemmer dürfen nicht gleichzeitig eingenommen werden. Mit Tramadol oder Buprenorphin steigt das Risiko für ein Serotoninsyndrom [1, 2]. Andere Antidepressiva wie Fluoxetin oder Bupropion können den Abbau von Amitriptylin hemmen und seinen Spiegel im Blut erhöhen [1, 2]. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.

Wechselwirkungen von Amitriptylin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
MAO-Hemmer (z. B. Phenelzin, Tranylcypromin, Moclobemid, Selegilin)Gefahr eines Serotoninsyndroms[1, 2]Kombination nicht erlaubt; Abstände von 14 Tagen bzw. bei Moclobemid 1 Tag einhalten
Buprenorphin und andere serotonerge ArzneimittelSerotoninsyndrom möglich, eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung[1, 2]Nur nach ärztlicher Rücksprache und mit sorgfältiger Beobachtung kombinieren
TramadolHöheres Risiko für Krampfanfälle und Serotoninsyndrom; die Tramadolkonzentration kann steigen[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern (z. B. Chinidin, Sotalol, Pimozid, Sertindol, Cisaprid, Halofantrin, Astemizol, Terfenadin), Methadon sowie Entwässerungsmittel wie FurosemidHöheres Risiko für Herzrhythmusstörungen[1, 2]Vorher Rücksprache halten
ThioridazinHöheres Risiko für Nebenwirkungen am Herzen[1, 2]Kombination laut Fachinformation vermeiden
Anticholinergika (z. B. Atropin, Hyoscyamin, bestimmte Mittel gegen Parkinson oder Magen-Darm-Beschwerden)Wirkungen auf Augen, Gehirn, Darm und Blase verstärkt; Risiko für Darmlähmung und Überhitzung (Hyperpyrexie)[1, 2]Kombination laut Fachinformation vermeiden
Adrenalin, Ephedrin, Isoprenalin, Noradrenalin, Phenylephrin, Phenylpropanolamin (auch in Husten- und Erkältungsmitteln und Betäubungsmitteln)Wirkungen auf Herz und Kreislauf können verstärkt werden[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Blutdrucksenker wie Guanethidin, Betanidin, Clonidin, Reserpin oder MethyldopaBlutdrucksenkende Wirkung kann abgeschwächt werden[1, 2]Blutdruckbehandlung ärztlich überprüfen lassen
Hemmer des Leberenzyms CYP2D6, z. B. Bupropion, Fluoxetin, Paroxetin, Chinidin, Duloxetin, Neuroleptika, SSRI, Betablocker, AntiarrhythmikaAbbau von Amitriptylin gehemmt, Spiegel im Blut kann steigen[1, 2]Vorher Rücksprache halten; die Dosis muss eventuell angepasst werden
FluvoxaminAmitriptylin-Spiegel im Blut steigt[1, 2]Kombination laut Fachinformation vermeiden
Cimetidin, Methylphenidat, Calciumkanalblocker wie Diltiazem oder VerapamilAmitriptylin-Spiegel kann steigen und die Giftigkeit zunehmen[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Pilzmittel wie Fluconazol und TerbinafinAmitriptylin-Spiegel kann steigen; Fälle von Ohnmacht (Synkope) und Torsades de Pointes sind aufgetreten[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Ketoconazol, Itraconazol, RitonavirKlinisch bedeutsame Wechselwirkungen sind laut Fachinformation potenziell zu erwarten[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Valproinsäure (Natriumvalproat, Valpromid)Amitriptylin-Spiegel kann steigen[1, 2]Ärztliche Überwachung empfohlen
SchilddrüsenmittelLaut Fachinformation drohen Herzrhythmusstörungen[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Orale Verhütungsmittel, Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Barbiturate, JohanniskrautAmitriptylin-Spiegel kann sinken und die antidepressive Wirkung nachlassen[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Alkohol, Barbiturate und andere dämpfende MittelBeruhigende, dämpfende Wirkung verstärkt[1, 2]Alkohol während der Behandlung nicht ratsam
NeuroleptikaGegenseitig gehemmter Abbau; die Krampfschwelle kann sinken und Krampfanfälle können auftreten[2]Vorher Rücksprache halten; die Dosis muss eventuell angepasst werden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Amitriptylin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Trifft einer der folgenden Punkte auf Sie zu oder wissen Sie es nicht genau, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Vor einer Operation kann es nötig sein, die Behandlung auszusetzen; mehr dazu im Ratgeber Medikamente vor der OP [1, 2].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Amitriptylin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Kürzlich zurückliegender Herzinfarkt[1, 2]
  • Herzprobleme wie im EKG festgestellte Herzrhythmusstörungen, Herzblock oder koronare Herzkrankheit[1, 2]
  • Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern oder Einnahme eines MAO-Hemmers in den letzten 14 Tagen; nach dem Ende einer Amitriptylin-Behandlung müssen bis zum Beginn eines MAO-Hemmers ebenfalls 14 Tage vergehen[1, 2]
  • Einnahme von Moclobemid (MAO-Hemmer) am Vortag[1, 2]
  • Schwere Lebererkrankung[1, 2]
  • Kinder unter 6 Jahren[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Herzerkrankungen: Herzrhythmusstörungen und zu niedriger Blutdruck können bei hoher Dosis auftreten, bei vorbestehender Herzerkrankung auch bei normaler Dosierung[1, 2]
  • Risiko für eine QT-Verlängerung: verlangsamter Herzschlag, Herzschwäche, andere Arzneimittel, die Herzprobleme verursachen können, zu niedriger Kalium- oder Magnesiumwert oder zu hoher Kaliumwert im Blut[1, 2]
  • Schilddrüsenüberfunktion oder Einnahme von Schilddrüsenmitteln: laut Fachinformation große Vorsicht wegen drohender Herzrhythmusstörungen[1, 2]
  • Geplante Operation oder Narkose: Die Behandlung muss eventuell vorher ausgesetzt werden; bei kurzfristigen Eingriffen die Anästhesistin oder den Anästhesisten informieren; auch beim Zahnarzt vor einer örtlichen Betäubung Bescheid geben[1, 2]
  • Engwinkelglaukom (Sehverlust durch erhöhten Druck im Augapfel)[1, 2]
  • Epilepsie, Zuckungen oder Krampfanfälle in der Vorgeschichte[1, 2]
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder vergrößerte Prostata[1, 2]
  • Bipolare Störung oder Schizophrenie[1, 2]
  • Schwere Leber- oder Herzerkrankung[1, 2]
  • Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose) oder Darmverschluss (paralytischer Ileus)[1, 2]
  • Diabetes: Die Diabetesbehandlung muss möglicherweise angepasst werden[1, 2]
  • Suizidgedanken können zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva verstärkt sein, besonders nach früheren Suizidgedanken und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre; auch bei Behandlung des nächtlichen Einnässens[1, 2]
  • Ältere Menschen: Bestimmte Nebenwirkungen sind wahrscheinlicher, zum Beispiel Schwindelgefühl beim Aufstehen wegen niedrigen Blutdrucks[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche: bei Depression, Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerz und Migräne unter 18 Jahren nicht anwenden (Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen); vor einer Behandlung des nächtlichen Einnässens ist ein EKG nötig, um ein Long-QT-Syndrom auszuschließen[1, 2]
  • Erkrankungen der Leber oder langsamer Abbau des Wirkstoffs im Körper: in der Regel niedrigere Dosis, eventuell Bestimmung der Konzentration im Blut[1, 2]
  • Bei Menschen, die mit dieser Gruppe von Arzneimitteln behandelt wurden, wurde ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche beobachtet[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Alkohol ist während der Behandlung nicht ratsam, weil er die dämpfende Wirkung verstärken kann [1]. In der Schwangerschaft wird Amitriptylin laut Packungsbeilage nicht empfohlen, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hält es nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko für eindeutig erforderlich [1, 2]. Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité sagen [1, 2, 3].

Schwangerschaft

Amitriptylin wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hält es für eindeutig erforderlich und hat Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen. Nach Einnahme im letzten Abschnitt der Schwangerschaft können beim Neugeborenen Entzugserscheinungen auftreten, zum Beispiel Reizbarkeit, erhöhte Muskelspannung, Zittern, unregelmäßige Atmung, ungenügendes Trinken, lautes Schreien, Harnverhalt und Verstopfung.[1, 2]

Laut Embryotox gibt es bei mehr als 1.000 ausgewerteten Schwangerschaften keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko durch Amitriptylin. Embryotox hält die Anwendung bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch für möglich. Bei Einnahme von Antidepressiva bis zur Geburt ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht; die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Amitriptylin und seine Abbaustoffe gehen in die Muttermilch über; ein Risiko für den Säugling kann laut Fachinformation nicht ausgeschlossen werden. Ob gestillt oder die Behandlung unterbrochen wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter.[1, 2]

Laut Embryotox ist Stillen bei Behandlung mit Amitriptylin als einzigem Mittel und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel; die allermeisten gestillten Kinder waren unauffällig.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Alkohol ist während der Behandlung nicht ratsam, weil er die dämpfende Wirkung von Amitriptylin verstärken kann. Laut Fachinformation kann Alkohol auch die Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit und Konzentration verstärken und die Folgen einer Überdosierung verschlimmern.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Amitriptylin kann Schläfrigkeit und Schwindel hervorrufen, besonders zu Beginn der Behandlung. Dann dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen.[1, 2]

Einnahme

Mit oder ohne Nahrung einnehmen; die Tabletten mit Wasser und ohne zu kauen gleich schlucken, weil der Wirkstoff bitter schmeckt. Beim nächtlichen Einnässen 1 bis 1,5 Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.[1, 2]

Dosis vergessen: zum nächsten regulären Zeitpunkt die normale Dosis nehmen, nicht die doppelte Menge.[1]

Bis zur Besserung einer Depression oder von Schmerzen kann es einige bis mehrere Wochen dauern. Bei Depression dauert die Behandlung in der Regel mindestens 6 Monate; beim nächtlichen Einnässen prüft die Ärztin oder der Arzt nach 3 Monaten, ob sie fortgesetzt wird.[1]

Absetzen

Ändern Sie die Dosis nicht und beenden Sie die Einnahme nicht, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen. Bei zu plötzlichem Abbruch können Beschwerden wie Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit auftreten; laut Fachinformation sollte Amitriptylin über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden. Wird die Behandlung einer Depression zu früh beendet, können die Beschwerden wiederkehren.[1, 2]

Überdosierung

Sofort an eine Ärztin, einen Arzt oder die Notaufnahme wenden, auch ohne Beschwerden, und die Packung mitnehmen. Mögliche Zeichen sind unter anderem erweiterte Pupillen, schneller, unregelmäßiger oder langsamer Herzschlag, Krampfanfälle, Verwirrtheit, Atembeschwerden, Bewusstlosigkeit und Koma. Laut Fachinformation sind Todesfälle durch Überdosierung bei dieser Arzneimittelklasse aufgetreten. Bei Kindern kann eine Überdosierung schwerwiegende Folgen haben.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt getrennte Angaben für Depression, für Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerz und Migräne sowie für das nächtliche Einnässen; für ältere Menschen und bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es eigene Angaben [1]. Die Übersicht ersetzt nicht die Verordnung: Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].

Einnahme und Absetzen

Die Tabletten können mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Schlucken Sie sie mit Wasser gleich und ohne zu kauen, weil der Wirkstoff bitter schmeckt [1, 2]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie zum nächsten regulären Zeitpunkt die normale Dosis, nicht die doppelte Menge [1]. Bei Depressionen dauert die Behandlung in der Regel mindestens 6 Monate; wird sie zu früh beendet, können die Beschwerden wiederkehren [1].

Setzen Sie Amitriptylin nicht eigenmächtig ab. Bei zu plötzlichem Abbruch können Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit auftreten; laut Fachinformation sollte es über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden [1, 2]. Was Packungsbeilage, Fachinformation und Leitlinie zum Ausschleichen sagen und wann Sie sofort Hilfe brauchen, erklärt die Seite Amitriptylin absetzen. Bei einer Überdosierung wenden Sie sich sofort an eine Ärztin, einen Arzt oder die Notaufnahme, auch ohne Beschwerden, und nehmen die Packung mit [1].

Präparate mit Amitriptylin

Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Amitriptylin-CT [1, 2]. Achten Sie auf die Stärkeangabe: Ein Hersteller gibt seit 2023 die Menge an Amitriptylin selbst statt an Amitriptylinhydrochlorid an, um Verwechslungen zu vermeiden [4].

Präparate mit Amitriptylin
PräparatAnbieterHinweis
Amitriptylin-CTAbZ-Pharma GmbHverschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite
Amitriptylin neuraxpharmneuraxpharm Arzneimittel GmbHverschreibungspflichtig; Stärke seit 2023/2024 als Gehalt an Amitriptylin (Base) angegeben

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Amitriptylin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Herstellerinformation: Änderung der Bezeichnungen für Amitriptylin-neuraxpharm, alle Stärken (veröffentlicht von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 10.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Amitriptylin verschrieben?

Amitriptylin ist bei Erwachsenen zugelassen zur Behandlung von Depressionen und von Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen) sowie zur Vorbeugung von chronischen Spannungskopfschmerzen und Migräne. Bei Kindern ab 6 Jahren kann es gegen nächtliches Einnässen eingesetzt werden, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind und andere Behandlungen nicht geholfen haben.

Macht Amitriptylin dick?

Gewichtszunahme gehört laut Packungsbeilage zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, sie kann also mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Selten kommt es dagegen zu Gewichtsverlust oder vermindertem Appetit. Wenn Sie ungewollt zunehmen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und setzen Sie das Mittel nicht eigenmächtig ab.

Macht Amitriptylin müde?

Ja, Schläfrigkeit und Benommenheit sind sehr häufig, Müdigkeit ist häufig. Laut Fachinformation hat Amitriptylin eine beruhigende Wirkung, die ohne Verzögerung eintritt. Sind Sie schläfrig oder schwindelig, dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Amitriptylin nehme?

Die Packungsbeilage rät davon ab, während der Behandlung Alkohol zu trinken, weil er die dämpfende Wirkung von Amitriptylin verstärken kann. Laut Fachinformation kann Alkohol außerdem die Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit und Konzentration verstärken.

Wie lange dauert es, bis Amitriptylin wirkt?

Bei Depressionen kann es einige Wochen dauern, bis Sie eine Besserung bemerken; bei Schmerzen können es mehrere Wochen sein. Laut Fachinformation setzen die antidepressive und die schmerzlindernde Wirkung im Normalfall nach 2 bis 4 Wochen ein, die beruhigende Wirkung dagegen ohne Verzögerung.

Kann ich Amitriptylin einfach absetzen?

Nein. Beenden Sie die Einnahme nicht, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen. Bei zu plötzlichem Abbruch können Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit auftreten. Laut Fachinformation sollte Amitriptylin über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden.

Darf ich Amitriptylin in der Schwangerschaft nehmen?

Laut Packungsbeilage wird Amitriptylin in der Schwangerschaft nicht empfohlen, außer die Ärztin oder der Arzt hält es nach sorgfältiger Abwägung für eindeutig erforderlich. Das Beratungszentrum Embryotox fand bei mehr als 1.000 ausgewerteten Schwangerschaften keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Sprechen Sie bei Kinderwunsch oder einer Schwangerschaft mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Amitriptylin?

Die Dosis hängt vom Anwendungsgebiet, vom Alter und von Begleiterkrankungen ab und wird von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt festgelegt. Was die Packungsbeilage dazu nennt, steht im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Medikamente Oxycodon

    Oxycodon ist ein starkes Opioid-Schmerzmittel.

  • Medikamente Citalopram

    Citalopram gegen Depressionen: alle Nebenwirkungen laut Packungsbeilage nach Häufigkeit, Warnzeichen, Herzrhythmus …

  • Medikamente Duloxetin

    Duloxetin bei Depression, Angststörung und Nervenschmerzen durch Diabetes: Nebenwirkungen nach Häufigkeit, Warnzeichen …

  • Impfungen Dengue-Impfung: Nebenwirkungen und Reaktionen

    Nach der Dengue-Impfung mit Qdenga sind Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Muskelschmerzen sehr häufig.